Freitag, 11. September 2009

Niedrigsteuern können tödlich sein

Auf jeder Zigarettenpackung muß (dankenswerterweise) eine Warnung stehen, etwa daß Rauchen tödlich sein kann. Auch Tabakwerbung wird deshalb inkriminiert.
Aus Bericht und – vor allem – Kommentar in der tageszeitung ist zu erfahren, daß auch niedrige Steuern töten können. Werbung dafür aber ist leider nicht verboten.

Kommentare:

  1. Niedrigsteuern können tödlich sein — Hochsteuern sind es.

    Außer für staatlich alimentierte Nutznießer dieser Steuern. Die sich natürlich hüten werden, die willkommene Finanzierungsquelle ihres Lebenunterhalts zu gefährden.

    Die Alternative wäre nämlich, seine Leistungen auf einem freien Markt gegenüber freiwilligen Abnehmern anzubieten. Das ist lästig (weil zumeist mit der Anstrengung verbunden, besser/billiger als die Konkurrenz zu sein) und risikoreich (aus demselben Grund).

    Da ist es zweifellos einfacher, über die pöhse Schmutzkonkurrenz von Niedrigsteuerländern zu schimpfen.

    Und wenn nur der moralische Zeigefinger mahnend genug gereckt wird, außerdem viel beruhigender fürs eigene Gewissen. Man gehört schließlich zu den «Guten» ...

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  2. M. le penseur,
    nehmen Sie einmal mich zum Beispiel: billiger oder besser soll ich sein. Gut bin ich, selbstverständlich. Aber das reicht nicht. Es gibt massenweise arme Menschen, die auch einer guten Therapie bedürfen. Wenn die Kasse zahlt: gut! – gesetzliche Krankenkassen zahlen 60 € für die Therapiestunde (die fünf probatorischen Sitzungen und der Bericht, der viel Zeit braucht, wenn er gut sein soll, aber wenn, dann nur symbolisch bezahlt wird, sind dabei freilich mein Risiko). Aber nicht alle Kassen zahlen hochwertige personenzentrierte Psychotherapie; die meisten Kassenpatienten müssen sich mit umständlicher (oft durchaus recht guter) Psychoanalyse oder gar oberflächlicher Verhaltenstherapie begnügen. Also doch: freier Markt. Was tue ich, um auch ALG II-Empfängern optimale Therapie zu ermöglichen? Die Gebührenordnung gibt als einfachen Satz ca. 40 € vor. Ein wenig darf ich in sozial begründeten Fällen darunterbleiben, also 25 oder 30 € nehmen. Aber auch das kann sich längst nicht jeder leisten. Meine Approbation zurückgeben, um nicht mehr an die Gebührenordnung gebunden zu sein, nur noch 5 € verlangen? Abe wie dann die Raummiete bezahlen? Den billigsten Raum nehmen (habe ich getan) und 10 € verlangen? Aber ab und zu möchte ich doch auch etwas essen.
    Ich habe lieber meine Approbation behalten und arbeite nun in einer Einrichtung, die mit öffentlichen Geldern mich so gut bezahlt, daß ich ohne weiteres jeden Tag etwas zu essen habe. Können Sie mir das verdenken?

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  3. Ich könnte Ihnen jetzt seitenweise Links zu Artikeln hinschreiben, in welchen der Zusammenhang zwischen Steuerhöhe und gedeihlicher Wirtschaft (nämlich in negativer Korrelation!) dargelegt wird.

    Nur lasse ich das angesichts Ihrer in einem späteren Posting geäußerten Unwiligkeit, meine Linkempfehlungen zu lesen, besser bleiben. Wäre ja reine Zeitverschwendung ...

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  4. Damit haben Sie recht. Sicher wissen Sie auch, daß auch der entgegengesetzte Fall gut bezeugt ist.
    Aber all das ist müßig. Zu fragen wäre zunächst, was denn «gedeihliche Wirtschaft» ist. Sie werden es ahnen: Ich messe die Gedeihlichkeit einer Wirtschaft am Wohlergehen der Armen.

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  5. Der "entgegengesetzte Fall" wäre also, daß eine Hochsteuerbelastung der Wirtschaft dienlich gewesen wäre. Wobei ich "dienlich" ganz einfach definiere als: "Der größte Nutzen für die meisten Teilnehmer".

    Und hier fällt mir z.B. im Vergleich von Schweiz einerseits und Österreich oder Deutschland andererseits die Entscheidung nicht schwer. Und ich habe auch nicht wirklich den Eindruck, daß die armen Armen in der Schweiz mit größerer Häufigkeit unter Brückenbögen nächtigen müssen, als in Österreich oder Deutschland ...

    Aber, bitte: vielleicht haben Sie ja ganz tolle Informationen, die unser wirtschaftliches Weltbild revolutionieren können. Also spannen Sie uns nicht auf die Folter und verraten Sie uns doch , wann und wo das Aufblühen von Wirtschaft und Wohlstand jemals durch höhere Steuern der Fall gewesen wäre! Und "gut bezeugt" noch dazu (von durch diese Hochsteuern üppigst alimentierten Statistikbeamten vermutlich) ...

    Ich bin schon ganz gespannt, was da kommt!

    ---

    P.S.: "Ceterum censeo, F.A.v.Hayek esse legendum". Diese Lektüre würde Ihren "Herz-Jesu-Sozialismus" (heuristische Ad-hoc-Einschätzung meinerseits) heilsam ins Wanken bringen ...

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  6. Dankenswerterweise hat gerade die tageszeitung ein beachtenswertes kurzes Interview zu diesem Thema gebracht.

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  7. «.. ganz tolle Informationen, die unser wirtschaftliches Weltbild revolutionieren können.»
    Es lohnt sich doch nicht wirklich, über Dinge wie ein scheinbares «Aufblühen von Wirtschaft und Wohlstand» zu diskutieren. Tatsache ist: seit mehr als dreißig Jahren steigt die Warenproduktion fast ständig, und doch ist die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe gegangen und bewegt sich jetzt seit langen auf einem hohen Niveau; die Reallöhne stagnieren, sinken gar, der Druck auf die Arbeitskräfte aber, der Streß bei der Arbeit steigt. Soll man über solch ein System wirklich noch ernsthaft diskutieren?
    «Herz-Jesu-Sozialist»? – von mir aus, obwohl das falsch ist: ich will durchaus nicht die Verstaatlichung oder «Vergesellschaftung» der Produktionsmittel, sondern einen Staat, der sich der Willkür der wirtschaftlich Mächtigen entgegenstellt.
    Und Hayek? Natürlich hat der mit manchem recht, mit seiner Kritik an Voraussehbarkeit und Planbarkeit. Aber auch Marx hatte mit vielem recht, und dennoch werde ich kein Marxist. Und eben auch kein Haykist.

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