Mittwoch, 30. September 2009

Wie betet ein Traditionalist den Rosenkranz?

Auf Latein natürlich. Dabei fiel mir auf, daß die übliche deutsche Übersetzung ungenau ist. Siebenmal erscheint in ihr in den Geheimnissen die Anrede «o Jungfrau», im Lateinischen aber «Virgo» nur zweimal, im freudenreichen Rosenkranz: «quem virgo concepisti» und «quem virgo genuisti».
Warum hier, und warum nur hier?
Der Sinn gibt die Antwort: «Virgo» ist hier keine Anrede, sondern Praedicativum: «Den Du (als) Jungfrau empfangen, geboren hast».

Also auf Latein. Außerdem habe ich festgestellt, daß die Anrufung «Sancta Maria ...» am Ende des Ave Maria jünger ist als der Rosenkranz, also zum Rosenkranz nicht dazugehört. Und läßt man sie aus, so steht das Gloria Patri an angemessener Stelle, da es ja Schrifttexte abzuschließen pflegt, keine Anrufungen.
Und in dieser kürzeren Form wird der Rosenkranz viel eher zu jenem meditativen Text, als der er so gern bezeichnet wird.

Ein harter Tag

Was soll ich wählen: Sozialabbau? Gentechnik? ungezügelte Atomkraftwerke? oder Begünstigung der Abtreibung? Kasernierung der Kinder? Hochjubeln homosexueller Beziehungen zu Quasi-Ehen?
Die kleine Partei, zu der auszuweichen ich mich entschlossen hatte, kandidiert im Freistaat Sachsen nicht. Ich muß mich entscheiden. Und ich entscheide mich, ich wähle.
Aber ich sage nicht, was ich gewählt habe, denn es schmerzt, Wähler zu sein und doch nicht ruhigen Gewissens wählen zu können.

Der Tag der Abendländischen Musik muß weichen

– aber nur um einige Wochen und etliche Meilen: Dies praestitutae!

Donnerstag, 24. September 2009

Bin ich zu moralisch?

Wohl die meisten meiner Beiträge in diesem Blog gehören zur Kategorie «Moralisches»; und meistens geht es dann gegen den Wirtschaftsliberalismus. Daher taucht die Frage auf: Bin ich zu moralisch? gibt es keine besseren Themata? (kurzer Exkurs: mein Rechtschreibprogramm kennt keine Themata!)
Schließlich meine ich, ganz im Gegensatz zum Slogan einer Wirtschaftszeitung:
Es gibt nichts Langweiligeres als Wirtschaft! (Nein, nicht einmal Sport ist noch langweiliger.)

Aber dann erlebe ich es wieder hautnah. In meiner Therapiegruppe habe ich die Frage gestellt, was die Patienten im Leben beschwert. Bei den meisten ist es das Arbeitsamt (momentan wird es wohl «Arge» genannt). Die Menschen sehen sich dort mißachtet, werden zu sinnlosen Aktivitäten gedrängt, aussichtslosen Bewerbungen etwa in großen Mengen, erhalten aber bei der wirklichen Arbeitssuche keine Hilfe. Und die meisten wollen wirklich arbeiten. Auf Leistungen, die ihnen zustehen, werden sie nicht aufmerksam gemacht, Anträge bleiben unbehandelt liegen, Akten verschwinden. Wenn sie selbst jedoch einmal etwas nicht korrekt fristgerecht einreichen, was von ihnen gefordert wird, setzt es sofort Sanktionen. Und sie werden entmutigt, indem ihnen suggeriert wird, sie selbst seien schuld an ihrer Arbeitslosigkeit. Dabei kann doch, wer immer die Zahlen zur Kenntnis nimmt, sehen, daß in unserem Wirtschaftssystem weniger Menschen zur Arbeit gebraucht werden, zur Produktion und Wartung der Güter also und all dem, was sonst noch bezahlt wird, als zum Konsum ebendieser Güter, das also in unserer Wirtschaft Arbeitslose für den Konsum notwendig sind. Das politische Problem aber, das Skandal der Arbeitslosigkeit, versucht man gerne zu lösen durch «blaming the victim – Opferbeschuldigung». Ist das nicht ein Verstoß gegen das 8. Gebot: Du sollst nicht falsches Zeugnis geben! – ?

So werde ich wohl auch weiterhin so öde moralisch bleiben.

Dienstag, 22. September 2009

Was man so nach der Kommunion hört ...

Sonntagsmesse in der Propsteikirche. Während der Kommunion kommt eine Kinderschar herein, einige tragen ein gewaltiges Schild aus Karton mit sich, sie ziehen zum Altar. Natürlich alles unter erwachsener Aufsicht. Nach dem Schlußgebet geht ein Mann (klar: ein Erwachsener!) zum Lesepult, und erzählt uns, worüber die Kinder im Kindergottesdienst gesprochen hätten. Sie hätten auch ein Lied gelernt (Ubi caritas et amor) – freilich nicht so gut, daß sie es jetzt vorsingen könnten. Aha!
Ich plane jetzt, doch mit dem Rosenkranzbeten anzufangen, das mir bisher immer noch etwas fremd geblieben ist. Nächsten Sonntag möchte ich meinen Rosenkranz mit zur Messe nehmen.

Sonntag, 20. September 2009

Das 2000. Anniversarium

der Schlacht im Teutoburger Wald in der 3. Dekade des September (also in der Zeit vom 21. bis zum 30.) begeht Orietur Occidens mit einem Novum: einem Vorabdruck aus dem E&Ewald, der am 3. Oktober erscheinen soll (soll!). Nach einem kurzen Hinweis auf die Ereignisse, auch einmal in moderner Sprache («Eine Schar germanischer Terroristen unter dem Warlord Arminius hat eine Truppe bewaffneter römischer Entwicklungshelfer mit robustem Mandat massakriert»), folgt eine ausgiebige Eloge auf das Imperium Romanum (Eloge ist laut Duden wirklich Femininum!), die ich den Lesern empfehlen will.

Freitag, 11. September 2009

Niedrigsteuern können tödlich sein

Auf jeder Zigarettenpackung muß (dankenswerterweise) eine Warnung stehen, etwa daß Rauchen tödlich sein kann. Auch Tabakwerbung wird deshalb inkriminiert.
Aus Bericht und – vor allem – Kommentar in der tageszeitung ist zu erfahren, daß auch niedrige Steuern töten können. Werbung dafür aber ist leider nicht verboten.

Freitag, 4. September 2009

Hoffnung für Europa

Bösartig zwar in der Tendenz, aber in der Sache spannend ist eine Kolumne über Indien: «.. Die Globalisierung ist eine Lüge. Die Welt wächst nicht zusammen, sondern trennt sich immer mehr. Zwischen uns und den immer so gehypten Schwellenländern klafft inzwischen ein kultureller Graben, der nicht mehr zu schließen ist. ... die totale Fixierung aufs Religiöse ... Im Fernsehen laufen zwölf rein religiöse Programme, auch christliche. ... Doch es ist kein Medienphänomen – die Menschen leben das auch. Selbst gebildete Studenten kommen im Gespräch immer wieder auf den religiösen Punkt zurück: Bist du Muslim, Christ, oder Hindu? Was heißt das für dich? Ist es ein Problem für dich, wenn dein Gesprächspartner kein Christ ist? ... Manchmal werden spätnachts noch alte Filme gezeigt, aus den 70ern oder noch früher. Die jungen Inder dort haben lange Haare, rauchen Joints, diskutieren viel und hören britische Popmusik – genau wie überall auf der damaligen Welt. Denn damals gab es die Globalisierung, heute nicht.»
«Denn keiner kann mir erzählen, dass das bei uns möglich wäre», meint er. Aber mir macht das doch Hoffnung, auch für Europa.