Sonntag, 6. März 2016

Evangelium und Katholikentag

In den Vermeldungen zum Ende der Sonntags erfahren wir es vom Diakon: Der 100. Deutsche Katholikentag in Leipzig steht unter dem Leitwort „Seht, da ist der Mensch“; und unter diesem Leitwort stünden all seine Veranstaltungen. Das heißt, der Mensch stehe ganz im Mittelpunkt.
Welcher Mensch das ist, der da im Mittelpunkt steht, sagt er nicht; es klingt so, als sei es der Mensch an sich.
Diese Verkehrung des Evangelientextes (Joh. 19,5) ist nicht die Idee des Diakons – im Netzauftritt des Katholikentags zeigt, daß sie gewollt ist.
Siehe auch: Der Katholikentag und die Schrift

Kommentare:

  1. Was hätte Gott auch auf einer Veranstaltung zu suchen, die vom ZDK organisiert wird?

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  2. Naja, das ist jetzt wieder das typische pseudoreligiöse Argument gegen die anthropologische Wende. Unbewusst scheint mir dieses ganze Anti-Mensch-Pro-Gott-Gerede, das im traditionalistischen Kulturpessimismus so tief verankert ist, eine Rebellion gegen Gottes Willen und eine Abwendung vom Christentum zu sein. Es ist ja die ureigene Essenz des Christentums, dass bei uns eben nicht Gott im Mittelpunkt steht, sondern der Mensch. Wer eine Religion haben will, in der Gott die Hauptrolle und der Mensch keine Rolle spielt, kann sich eigtl. jeden x-beliebigen Kult aussuchen, nur eben nicht das Christentum. Der springende Punkt ist ja gerade, dass wir Gott in einen Menschen stecken. Das kritisieren ja gerade die anderen Religionen am Christentum. Diese kulturpessimistische Polemik gegen den "Menschenkult" usw. ist also im Grunde genommen antichristliche Polemik. Komischerweise merken damit ständig Argumentierenden das nicht und halten sich gerade für besonders fromme Christen. Mir scheint das völlig absurd.

    Die Frage ist also nicht, ob der Mensch oder Gott im Mittelpunkt steht (das ist wie gesagt eine schon in der Stoßrichtung antichristliche Fragestellung). Vielmehr müssen wir uns fragen, *welchen* Menschen wir anbeten.
    Das ist der Sinn des Gottmenschentums Christi. Alles, was wir am Menschen verehren und an Gott anbeten, muss sich an Christus messen lassen. Sowohl das Menschenbild als auch das Gottesbild haben hier ihren Maßstab.
    Wenn man auf diese Weise christozentrisch an die "anthropologische Wende" herangeht, erkennt man sofort die Unsinnigkeit der konservativen Kritik an "allzumenschlicher" Theologie.

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  3. Eine schöne Persiflage auf ZK-typische Redereien mit ihrer wirren Vermengung verschiedenster Gedanken. Danke, Jorge!

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  4. Da ich weder das Kleine, noch das große Haereticum habe, werde ich mich auf dieser Veranstaltung nicht sehen lassen dürfen.

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  5. Nein, mit dem ZDK hatte das nichts zu tun. Mit irgendwelchen häretischen Ausbildungsgängen oder wirren Gedanken auch nicht, Persiflage schon gar nicht. Sind halt die Grundlagen unseres Glaubens. Man muss die Menschen mögen. Alles andere ist vor Gott relativ gleichgültig. Wer Ohren hat zu hören, versteht das schon ;-)

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  6. Alles schön und soweit richtig, erwürdiger Jorge.
    Aber den Vorwurf an die konservative Seite, sie würden nicht den Menschen in Jesus sehen, darf man dann doch wohl auch an die Gegenseite in umgekehrter Weise richten, oder nicht? Nichts anderes lese ich aus dem Text.
    Das Argument ist eben nicht entkräftet: "Sie haben IHN entthront!" (EB M.Lefebvre)

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  7. Lieber Jorge,
    wenn Du die Persiflage nicht als solche siehst (ich schreibe im vertraulichen Blogger-Du in der Annahme, daß Du nicht Jorge-Maria Bergoglio bist), so nun ganz ausführlich:

    I. In der Kirche kann es und muß es Entfaltung geben – der Lehre, der Liturgie –, und, wenn es zeitgeistige Abweichungen gegeben hat, kann es und muß es Reformen geben; aber eine Wende kann es niemals geben (Gal 1, 7-9).

    II. Daß der Mensch zentral wichtig ist, liegt daran, daß er von Gott gewollt und geschaffen ist. Verlöre man aus dem Blick, daß Gott das Zentrum ist, so verlöre auch der Mensch seine Wichtigkeit. Anthopozentrismus geht nicht ohne den Primat des Theozentrismus.

    III. Eine bedeutsame Schriftstelle darf man einmal im Gespräch umdeuten, nicht aber, wenn sie offiziell als Leitwort über einer kirchlichen Veranstaltung steht.

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