Donnerstag, 2. April 2026

Wohnungskrise und Abtreibung

In einem Artikel über „Die Wohnungskrise am Beispiel Frankreich“ (LMd. März 2026) schreibt Benoît Bréville: « Die Wohnungskrise wirkt sich zudem auf die Demographie aus. Aus Platzmangel verzichten inzwischen viele Paare auf Kinder. In den großen französischen Städten haben jungen Menschen mit mittlerem Einkommen heute 35 Quadratmeter Wohnfläche weniger zur Verfügung als noch vor 20 Jahren.
In den USA hat laut dem Ökonomen Benjamin Couillard die Verteuerung des Wohnraums zwischen 1990 und 2020 zu einem Geburtenrückgang um 11 Prozent geführt. Anders gesagt: ohne den Anstieg der Mieten wären 13 Millionen Kinder mehr geboren worden. »
Seine Quellen: „Compte rendu de réunion n° 11“, Enquetekommission zu den Ursachen und Folgen des Geburtenrückgangs in Frankreich, Sitzungsprotokoll Nr. 11, Nationalversammlung, 10. Dezember 2025 und Benjamin Couillard, „Build, Baby, Build: How Housing Shapes Fertility“, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Universität Toronto, 14. November 2025.
Wie kommt ein Geburtenrückgang solchen Ausmaßes in zwei recht verschiedenen Ländern zustande? Sexuelle Enthaltsamkeit dürfte keine allzu große Rolle gespielt haben. Empfängnisverhütungsmittel sicher eher; aber auch Abtreibungen dürften beträchtlichen Anteil daran haben.
Mit anderen Worten: die Wohnungskrise und besonders die überhöhten Mieten haben einen beträchtlichen Einfluß auf die Bereitschaft zur Abtreibung. Wer immer in der Politik gegen Abtreibung vorgehen will, muß sich gegen überhöhte Mieten (und, damit verbunden, überhöhte Grundstückspreise) einsetzen. Wirksame Maßnahmen gegen Abtreibung sind ganz besonders Maßnahmen wie Mietpreisbremse, wirksamere Gesetz gegen Mietwucher, Förderung von Wohnbaugenossenschaften und dergleichen; dazu sollten Maßnahmen treten, die bisher noch nicht ins Gespräch gekommen sind.