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Freitag, 26. November 2021

Liturgisches von einem evangelischen Theologen

„Via vitæ“ – unter diesem Titel hat Wilhelm Stählin seine „Lebenserinnerungen“ veröffentlicht. Er war evangelischer Pastor und Theologieprofessor, Mitbegründer der Michaelsbruderschaft, einer achtenswerten evangelischen Vereinigung, die noch heute besteht. Der nationalsozialistischen Bewegung stand er von Anfang an scharf ablehnend gegenüber; doch trat er dem Regime nicht mit offenen Widerstand, sondern diplomatisch entgegen.
Sein Lebenswerk war vor allem der geistlichen und besonders auch der liturgischen Erneuerung im evangelischen Raum gewidmet. Wenn er auch sei
n Leben lang ein wenig jugendbewegt blieb und wenn er auch sich nachdrücklich dagegen verwahrte, katholisch, gar „römisch katholisch“ oder auch nur hochkirchlich zu sein, so bestand sein Erneuerungswerk doch zu einem großen Teil im Rückgriff auf katholische Traditionen.
In seinen Lebenserinnerungen steht vieles, was zitierenswert ist und ganz häufig sich auf die Liturgie bezieht. Daraus wollen wir einige Stellen wiedergeben; hier nun als erste zwei Erlebnisse aus der NS-Zeit: (Evangelische) „Kirche und Volk“ und „Rompilger“.

Montag, 7. September 2020

Die Cantorianer

Ein Orden, den es nur in einem Film – «Vaya con Dios» – gibt, ist der Namenspatron dieses Ensembles; die Motette „Tu solus“ von Josquin Desprez, mit der dieser Film begann, war 2003 das erste Werk, das dieses Ensembles sang. 
Nun aber eine Aufführung unter Corona-Bedingungen: Abstand im Chor, Abstand unter den Zuhörern, so daß deren Zahl beschränkt bleiben mußte. Doch das tat der Sache nichts: der Abstand war der Klarheit eher förderlich, die Stücke, von Josquin Desprez bis zu Arvo Pärt, mit sicherem Geschmack ausgewählt – und der Gesang war vollkommen. 
Das großartigste Musikerlebnis seit sehr lange Zeit.

Samstag, 27. April 2019

«Wieso wir schöne Kirchen brauchen»

fragte vorgestern Nolite timere; und sie meinte: «Manchmal scheint bei modernen Architekten und Künstlern geradezu ein Vergnügen daran da zu sein, den Leuten Hässliches vorzusetzen und Erwartungen an sakrale Kunst zu enttäuschen ...». Stimmt; doch dazu gesellen sich noch die Architekturtheoretiker und -Kritiker.
Es gibt im Netz eine Straße der Moderne: «Moderne Kirchen aus 100 Jahren / Entdecken Sie ausgezeichnete Architektur, beeindruckende Bauten und kühne Konstruktionen. ... Lassen Sie sich inspirieren: Räume für Gottesdienste und Orte der Stille laden Sie ein, unterwegs anzukommen.» Was aber auf diesen Seiten zu finden ist, sind großenteils ebenjene Scheußlichkeiten, über die sich Nolite timere zu Recht ereifert. Ein Beispiel: weil dort zeitweise Angehörige wohnten, war ich gelegentlich in St. Bonifatius in Sachsenhausen; die Kirche ist so, daß ich mich dann lieber auf den Weg zu den Kapuzinern jenseits des Mains gemacht habe. Die Straße der Moderne aber wähnt dort «eine Rauminszenierung, die St. Bonifatius eine einzigartige Würde und dem Architekten eine überregionale Bekanntheit verlieh.» Die beigegebenen Photos freilich zeigen die Häßlichkeit des Raums nur ansatzweise.
Ein Gegenbeispiel: Aus ähnlichem Grund war ich manchmal in Baden-Baden. Etwa auf halbem Weg zwischen zwei alten Kirchen, der Stiftskirche in der Stadtmitte und der Cistercienserinnenkirche in Lichtenthal, steht eine moderne Kirche, St. Joseph. Von außen unansehnlich, zeigt sie im Inneren durch die Zentralarchitektur und besonders die prachtvolle Wirkung der farbfrohen Fenster eine großartige Wirkung. Wiederum, nun in umgekehrter Richtung, zeigen die Photos im Netz die Wirkung des Raums nur ansatzweise. Diese moderne Kirche aber wird von der Straße der Moderne ignoriert.

Was mich freut, ist, daß, indem Nolite timere als Beispiel für eine schöne neue Kirche alten Stils eine russisch-orthodoxe Kirche zeigt, sie einen Konterpart setzt zu ihrem „Rant“ (laut Wörterbuch: „Geschimpfe, Gezeter“) gegen die von uns getrennten Ostkirchen.
Allerdings wird solcher leicht künstlich oder verspielt. Eine Kirche, die neu ist, aber weder modern noch alten Stils, sondern einfach Kirche sein will, sehe ich in Le Barroux.

Dienstag, 4. Dezember 2018

Zweifach zur falschen Zeit

Am Samstagabend standen zwei Vespern zur Auswahl: eine liturgische in der nahegelegenen Kirche im Gründerzeitviertel und eine musikalische in der Thomaskirche in Leipzig.
Wohin also, wo ist der geistliche Gehalt größer? Sicher: der musikalischen Vesper fehlt das priesterliche Gebet, aber Monteverdis Komposition ist in sich geistlich; und in der Kirche in unserem Viertel droht erfahrungsgemäß eine Homilie.
Und ich war lange schon darauf gespannt, die Marienvesper nach Jahren wieder in einer Kirche hören zu können.

Nur schade: an die Vesper angehängt wurde noch ein „Actus Musicus auf Weyh-Nachten“. Weihnachtsmusik zu Beginn des Advents!
Doch auch in einer zweiten Weise wurde dieser „Actus Musicus“ zur falschen Zeit geboten: der Marienvesper läßt sich nichts hinzufügen. Daß das dennoch geschehen ist, tat weder – wie schon geahnt – dem Werk des hochachtenswerten Johann Schelle gut noch wurde es der Marienvesper gerecht. Schlimmer noch: auf diese Weise entstand eine Länge, die zu einer Pause nötigte – zwischen dem Psalm Lauda Jerusalem und der Sonata sopra Sancta Maria.
Und dennoch: es war großartig.

Samstag, 18. August 2018

Schönheit und Ideologie

Ein Interview (von Alem Grabovac) mit Stephan Trüby, einem Professor für Architektur und Kulturtheorie und Direktor des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen der Universität Stuttgart, dessen «Onkel die meisten katholischen Kirchen Deutschlands gebaut hat, viele davon im brutalistischen Stil» (die Identität dieses Onkels konnte ich nicht auf die Schnelle klären).
Seine Meinung: für die Rekonstruktion historischer Gebäude und Altstädte setzen sich besonders häufig Rechtsradikale ein, darum «sollten [wir] ganz genau beobachten, mit wem wir da eigentlich Stadtpolitik betreiben. Und dafür wäre ein Rekonstruktions-Watch wichtig.»
Das heißt letztlich, die Wiederherstellung historischer Gebäude und Altstädte sei wegen der Beteiligung von Rechtsradikalen anrüchig, darum sollte man sie ihnen ganz überlassen – anstatt daß kulturell engagierte Bürger sich für die Wiederherstellung alles Wiederherstellenswerten so einsetzen, daß Rechtsradikalen dort kein Raum bleibt, sich hervorzutun.
Entblößend ist seine Antwort auf die Frage: «(in einem brutalistischen Betonhochhaus) Können Sie verstehen, dass viele Menschen solche Gebäude hässlich finden?» Der Professor: «Schönheit oder Hässlichkeit sind Begriffe, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Sobald etwas hundert Jahre alt ist, finden wir es schön. Da setzt dann automatisch ein Romantisierungsprozess ein.»
Abgesehen davon, daß längst nicht alles Frühere uns schön erscheint, von den Häßlichkeiten der alten Zeit aber eben nicht so vieles erhalten worden ist: die berechtigte Aussage, Schönheit oder Hässlichkeit seien Begriffe, die von der Wissenschaft noch nicht wirklich verstanden sind, formuliert er so um, daß es klingt, als sei Schönheit bedeutungslos. Nur: wenn dem so wäre, wozu brauchte man dann noch Professoren für Architektur und Kulturtheorie und Institute für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen? Bauingenieure, die für Statik und Benutzbarkeit einstünden, würden ausreichen.

Darum, den Begriff der Schönheit zu verstehen, haben wir uns bereits unter dem Patrocinium der heiligen Ewald & Ewald bemüht (und weiteres entdeckt).

Mittwoch, 4. April 2018

Die neue Propsteikirche in Leipzig

«Wir sind – ganz gegen alle Trends – eine wachsende Gemeinde. Jährlich werden bei uns ca. 50 Kinder und 10 Erwachsene getauft, kommen durch Zuzug ca. 100 weitere Gemeindemitglieder hinzu», ist im Netzauftritt der Propsteigemeinde zu erfahren. Und das Gebäude – bisher kannte ich es nur von außen, ist imposant. Ein Grund, die Kirche und das Leben in ihr einmal näher kennenzulernen.
Die gottesdienstlichen Erfahrungen sind allerdings sehr gemischt: recht achtenswert am Sonntagabend, abschreckend am Montag in der Elf-Uhr-Messe.
Ausführungen aber zu sichtbarer und hörbarer Kunst in der Propsteikirche aber bietet die Chronik von Orietur Occidens.

Samstag, 17. Februar 2018

Schönheit für die Armen

Josyp Kardinal Slipyj, Patriarch der ukraïnischen griechisch-katholischen Kirche, bei einem Vortrag bei der Bischofssynode 1971:
«Wenn ihr von den Armen reden wollt: hier drinnen kann ich als einziger von ihnen reden, denn ich bin 25 Jahre im Elend in einer kommunistischen Galeere gewesen.
Aber wollt ihr den Armen, die schon wenig Brot haben, auch noch das nehmen, was die Kunst bietet, die Musik, die Schönheit? Auch das noch? Wißt ihr nicht, daß sie danach ein größeres Bedürfnis haben als jene, denen es wohl ergeht?»
Contro i pauperisti ed i falsi amanti dei poveri un aforisma del Cardinale Josyp Slipyj

Donnerstag, 30. Juli 2015

Der Blick in den Abgrund

Aus Grauen wird Kunst - das ist das Privileg des Menschen.
Für wen Bremen erreichbar ist: Marietta Armena - der Blick in den Abgrund

Sonntag, 28. Juni 2015

Ein vom Aussterben bedrohter Petrus-Hymnus

Im Gymnasium Petrinum war er der inoffizielle Schulhymnus. Doch 1992, beim dreihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Schule, war er nicht mehr zu hören.
Darum soll er hier nun einen neuen Lebensraum finden:
Großer Fürst im Reich des Herren

Nachtrag: Wir haben technisch aufgerüstet. Nun erstrahlt der Hymnus in neumodischen Noten und im originalen Es-Dur.

Montag, 14. Juli 2014

Im Dom zu Merseburg

Ein romanischer Dom mit gotischem Langhaus und gewaltiger barocker Orgel. Wenn man eintritt ins Langhaus, steht man zunächst unter der weitreichenden Orgelbühne, die den Blick aufs Gewölbe raubt – und eben das ist nur gut: man sieht eine romanische Vierung, ein Triumphkreuz, ein romanisches Chorhaus, eine schlichte, recht archaïsch wirkende Romanik mit Spitzbögen, wie es in Deutschland selten ist.
Tritt man näher, so wird der erste Eindruck beeinträchtigt: das spätgotische Netzgewölbe des Langhauses paßt einfach nicht dazu.
Doch geht man weiter vor und wendet sich dann um, so hat man wieder einen erfreulichen Anblick: der barocke Orgelprospekt und das gotische Gewölbe harmonieren so gut, als seien sie füreinander geschaffen (was in der einen Richtung ja auch stimmt).

Mittwoch, 13. November 2013

Domenico Cardinale Bartolucci R.I.P.

Kardinal Bartolucci zu Benedikt XVI. am 24. Juni 2006 anläßlich eines von ihm dirigierten polyphonen Konzerts in der Sixtinischen Kapelle zur Huldigung des neuen Papstes: “Beatissimo Padre, tutti conoscono l’amore grandissimo di Vostra Santità per la liturgia e quindi per la musica sacra. L’arte musicale è quella che più di tutte ha beneficiato della Liturgia della Chiesa: le cantorie hanno rappresentato la sua culla, grazie alla quale essa ha potuto formare il linguaggio che oggi ammiriamo. Gli esempi più belli che la fede dei secoli passati ci ha consegnato e che dobbiamo mantenere vivi sono proprio il canto gregoriano e la polifonia: di essi occorre una pratica costante che possa vivificare e animare degnamente il culto divino.” (Scuola Ecclesia Mater, Dienstag, 12. November 2013)

Samstag, 4. August 2012

Aus dem Urlaub zurück

Der Chronist hat gesehen, wie schön Augsburg ist. Dabei hat er auch verschiedenartige Eindrücke von moderner Sakralkunst bekommen.

Dienstag, 26. April 2011

Der Straßenmusikant

Stücke von Josquin und Händel werden in der Leipziger Thomaskirche gegeben (nein, nicht von den Thomanern) – da nehmen wir die Mühe einer Fahrt nach Leipzig auf uns.
Vor dem Kircheneingang bettelt ein Straßenmusikant. Schließlich, kurz vor dem Beginn des Konzertes, hat er genug zusammen, er kauft sich nun von dem erbettelten Geld eine Eintrittskarte fürs Konzert.

Freitag, 16. Juli 2010

Die Bilder der Apostel

In einer römischen Katakombe habe ich einmal eine Zeichnung gesehen, wohl noch aus der Märtyrerzeit, die, obwohl ohne Beschriftung, leicht als Portrait des Apostels Petrus zu erkennen ist. Offensichtlich hat es in der Urkirche eine bildliche Tradition gegeben, durch die uns die Gesichtszüge einiger Heiliger überliefert worden sind.
Aus nur wenig späterer Zeit ist nun eine prachtvolle farbige Darstellung entdeckt worden.

Samstag, 10. Mai 2008

Mit diesem Bild des Yorker Münsters der Hinweis auf ein Bild-Blog, das in keiner Randleiste fehlen sollte:
The Roving Medievalist