Donnerstag, 9. April 2020

minima philologia in tempore coronae


oder

Vom Trost der Sprachbeobachtung

1.
Mein Leben lang hab ich Quarantäne so gehört: Karantäne, als wenn es aus dem Französischen käme. Aktuell höre ich immer häufiger: Kwarantäne (nie jedoch Kuarantäne), als wenn es aus dem Italienischen kwäme.

2.
O vierfüßiger Jambus sei gegrüßt:
Corónavíruspándemié

3.
Wenn eine Pandemie - wie der Name sagt - sowieso das ganze Volk umfaßt, welchen Sinn hat dann die Isolation einzelner?

4
"Wehe hochmütige Corona -
Vae coronae superbae"

So sagt schon der Prophet (Is 28/1)


Sonntag, 5. April 2020

Hausgottesdienste an den Kar- und Ostertagen

Ein Vorschlag dazu findet sich hier.

Dienstag, 24. März 2020

Wie kann ich die Heilige Messe über die Medien mitfeiern?

Vor einigen Tagen haben wir auf eine pdf-Datei dieses Titels von Missio Österreich hingewiesen. Allein: So einfach, wie es aussieht, ist die Sache nicht. Am Sonntagmorgen begebe ich mich auf die Suche. Nur: teils wird die Messe dann doch nicht übertragen (das Pontifikalamt in Köln); teils gibt es technische Probleme: es «wird ein installiertes aktuelles Flash-Plugin von Adobe benötigt, das Sie hier herunterladen können» – dabei «.. ist Adobe Flash eine ständige Quelle von Sicherheitslücken» (ubuntuusers.de), und Gnash zu installieren reicht mir die Zeit nicht –; oder für eine Wiedergabe «in hoher Qualität» werden Programme angeboten, die für Linux nicht verwendbar sind (jeweils k-tv). Über Youtube, das eigentlich nicht mein Biotop ist, finde ich doch noch Zugang.
Aber dort taucht auch Kurioses auf, so eine Messe, bei der vier Herrschaften auf einer Eckbank um einen kleinen Wohnzimmertisch herum versammelt sind, und einer der zwei Herren weist sich durch Sackalbe und Stola als Priester aus und beginnt zu plaudern.

Doch schließlich eine Entdeckung: von der Famille Missionnaire de Notre-Dame wird eine Messe im Novus Ordo bester Form übertragen, mit nicæno-konstantinopolitanischem Glaubensbekenntnis und römischem Kanon; die Vermeldungen werden im wesentlichen schon nach den Fürbitten vorgetragen, nicht nach der Kommunion. Es wird so langsam und deutlich gesprochen, daß auch für den nur beschränkt sprachkundigen Deutschen genug zu verstehen ist; und wenn man über fmnd.org geht, nicht über Youtube, werden seitlich auch Texte angezeigt.
Achtenswert auch die Kameraführung: meistens unbewegt der Altarraum in Totale, gelegentlich jemand, der Lektor etwa, in Halbtotale; aber Nahaufnahmen von Priester oder Lektor, die anderswo dominieren und vom Wesentlichen ablenken, gibt es nicht.
Morgen will ich dort um 9 – ich bin in häuslicher Quarantäne, habe also Zeit – nach der Messe zum Hochfest sehen.

Korrektur:
Um ½10 ist die Messe solennelle, um 9 der Rosenkranz.

Samstag, 7. März 2020

Sei gegrüßt, du edle Speis, Heil und Hort der Frommen

Bei einer Meßfeier in St. Josef Styrum (neuerdings in der Obhut der Petrusbruderschaft) habe ich das schöne, barocke Eucharistie-Lied "Sei gegrüßt, du edle Speis" aus dem Gesangbuch der Bruderschaft "Laudate Patrem" kennengelernt. (Es befindet sich - vermutlich mit textlichen Abweichungen - auch in den Gotteslob-Diözesananhängen von Eichstätt und Paderborn.)

Ich finde es so schön, daß ich denke, auch andere werden ihre Freude daran haben. Darum sei es hier präsentiert:


1. Sei gegrüßt, du edle Speis, / Heil und Hort der Frommen,
edle Frucht, vom Paradeis, / mir zur Gnad gekommen!
Sei gegrüßt viel tausendmal, / du bist mein Verlangen.
Mit Getreuen ohne Zahl / will ich dich empfangen. 
2. Als ein Bettler komm ich dar / vor des Reichen Türe; 
aller Habe bin ich bar, / drum ich Klage führe
über meine Armut groß. / Wolle dich erbarmen!
Aller Tugend bin ich bloß. / Kleid mit Gnad mich Armen! 
3. Als ein Knecht komm ich, o Herr. / Nah mich deinem Tische.
Speis und Trank ich da begehr. / Herr, mein Herz erfrische.
Stärk mit deinem Leibe mich / und mit deinem Blute;
so labt meine Seele sich / an dem höchsten Gute. 
4. Als ein Kranker komm ich hier, / der verzagt am Leben.
Meine Schwachheit klag ich dir: / Du kannst Kraft mir geben. 
Du bist Arzt, der Hilfe schafft, / heile meine Wunden, 
gib mir neue Lebenskraft, / laß mich recht gesunden!
5. Könnt ich, wie es sich gebührt, / Heiland, dir lobsingen!
Laß zu dir, o guter Hirt, / meine Bitte dringen!
Gläubig will ich ganz und gar / dir mich anvertrauen:
Du läßt mich im Himmel klar, / Herr, dein Antlitz schauen.
T. nach David Gregor Corner, Nürnberg 1625
M. Mainzer Cantual 1606



Donnerstag, 5. März 2020

«So etwas darf nicht noch einmal passieren»

sagte der Linken-Vorsitzend Bernd Riexinger (taz vom 4.3.2020) darüber, daß bei einem Parteitreffen eine Teilnehmerin aus dem Publikum heraus geflachst hatte: «.. Und auch wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, ...», und er darauf zurückgeflachst hatte: «Wir erschießen sie nicht, wir ...» (Deutschlandfunk / Die Nachrichten vom 4. März 2020).
So etwas darf in der Tat nicht noch einmal passieren – zumal es ja nicht das erste Mal ist. Seinerzeit allerdings war es noch schlimmer: 1986 hatte der CDU-Bürgermeister von Korschenbroich gesagt, es müßten «für den Ausgleich des Haushaltes einige reiche Juden erschlagen» werden (Die ZEIT Nr. 08/1986).

Montag, 2. März 2020

In den Zeiten von Coronavirus und Synodalem Weg

Auch in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften des heiligen Köln gilt dem Coronavirus viel Aufmerksamkeit. In einer Freien Evangelischen Gemeinde fällt seinetwegen der Sonntagsgottesdienst ganz aus, in einer landeskirchlichen Kirche nur das Abendmahl. Im Dom gibt es kein Weihwasser, und der Friedensgruß soll ohne körperliche Berührung weitergegeben werden. In der von mir bevorzugten Kirche wird, so wird ausdrücklich angesagt, um dieses Virus willen die Kommunion nur als Mundkommunion gespendet, nicht als Handkommunion (das geht hier ohne Schwierigkeiten: solange ich diese Kirche kenne, wurde hier nie die Handkommunion gespendet).

Beachtenswert ist Kardinal Woelkis diesjähriger Fastenhirtenbrief: «Die Freude am Evangelium wiedergewinnen» – sein Thema ist die Evangelisierung. Große Bedeutung mißt er dem «Pastoralen Zukunftsweg» seiner Erzdiözese bei. Was mir Freude bereitet, ist, daß ein bestimmter anderer Weg eben nicht erwähnt wird.

Samstag, 22. Februar 2020

Liturgisches Unterholz an "Kathedra Petri"

Zu einer weiteren liturgischen Preziose geht es hier.

Dienstag, 11. Februar 2020

Antisemitische Plastiken

Spätmittelalterliche Plastiken, in denen Juden mit Schweinen in Verbindung gebracht werden: eine solche Figur «beleidigt auch heute noch permanent», stellte der protestantische Pfarrer von Calbe, Jürgen Kohtz, fest. Dem ist so. Doch schlimmer noch: der Schmuck einer Kirche ist Teil der Verkündigung; bösartige Aussagen an Kirchen stehen dem Glauben entgegen, und das wird nicht gut durch Tafeln mit dem Hinweis, daß man das heute anders sehe.
Die Pfarrei von Calbe hat darum eine solche Plastik beseitigt. Die protestantische Pfarrei von Wittenberg, in der vor 500 Jahren ein bekannter Antisemit wirkte, hat sich entschlossen – und bisher erfolgreich –, sich gegen einen jüdischen Kläger auf einen Prozeß einzulassen um das Recht, ein solches Relief an der Kirche zu behalten.

Nachbemerkung:
In Salzburg hat schon im XVIII. Jahrhundert der Erzbischof, der Primas Germaniæ, eine solche Skulptur entfernen lassen, aus Rücksicht auf die jüdischen Einwohner der Stadt.

Dienstag, 4. Februar 2020

Mariæ Lichtmeß im Großstädtchen

Am Sonntag war Mariæ Lichtmeß. Ich arbeite gerade an einem Text über den Niedergang der klassischen Gestalt des römischen Kirchenjahrs. Mariæ Lichtmeß ist heute nur als „Fest“ eingestuft, aber als Herrenfest sollte es doch Vorrang vor einem einfachen Sonntag haben.
Wohin zur Messe? In der einen Kirche ist „Familiengottesdienst“ angedroht, in der anderen dagegen „Hl. Messe mit Kerzenweihe und Blasiussegen“ angekündigt.
Das macht die Wahl leicht. Doch was ich übersehen habe: am Freitag war das Fest des heiligen Johannes Bosco, bei den Salesianern Patronatsfest, Hochfest; und die äußere Feier des Hochfests am Sonntag verdrängt das Fest Lichtmeß.
Immerhin: eine Kerzenweihe und eine Kerzenprozession, aber recht minimalistisch, vom Kircheneingang geradewegs zum Altar, nur Kinder und Klerus; nur der Klerus trägt Kerzen.
Ich schätze den heiligen Giovanni Bosco sehr hoch; doch daß ein zentrales Fest des Kirchenjahrs einem nachgefeierten Patronatsfest zum Opfer fällt, ist bedauerlich. Und Mariæ Lichtmeß ist nicht nur durch Giovanni Bosco gefährdet, sondern wird es anderswo durch Angela Merici oder Thomas v. Aquin sein. Hierzulande ist für die meisten auch der Samstag ein freier Tag; sinnvoll wäre es, die äußere Feier von Hochfesten auf den Samstag zu legen.

Sonntag, 2. Februar 2020

Darstellung des Herrn: Traditionelle Gebete zur Kerzensegnung

Die Segensgebete zur Kerzenweihe an Mariä Lichtmeß im Ordo Originis mit möglichst wörtlicher Übersetzung finden sich hier.

Samstag, 1. Februar 2020

Wohltuender Fortschritt

Oft sind es kleine Fortschritte, die wenig beachtet werden und doch geistlichen Gewinn bringen. Darum werden sie, die so manchem kaum der Rede wert erscheinen mögen, von Orietur Occidens ausführlich gewürdigt.

Montag, 20. Januar 2020

Wo’s Dörflein dort zu Ende geht

Vom Bahnhof geht man nach rechts, den Weg, der sich „Bahnhofstraße“ nennt, bis man zur Brücke kommt. Auf ihr gelangt man über den Fluß; nun ist man auf der Langen Straße, auf der man die ganze Innenstadt durchquert. An deren Ende wird aus der Langen Straße die Chemnitzer Straße, deren Windungen durch eine Vorstadt man folgt. Schließlich biegt die Chemnitzer Straße leicht nach links ab, während geradeaus eine kleine Straße mit schadhaftem Belag bergauf führt: die Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. An ihr stehen einige Häuser, gleich rechts ein klobiges „Biker-Centrum“. Auf diesem Sträßchen geht man nun einige Schritte weiter, und schon sieht man einen Wegweiser, der nach rechts weist: „Katholisches Gemeindezentrum St. Marien“. Dort rechts führt tatsächlich ein Weg aufwärts; man folgt ihm, bis er auf einem Parkplatz endet. Rechts am Parkplatz steht ein fensterarmes Gebäude, wahrscheinlich eine Lagerhaus. Wenn man sich ihm nähert, sieht man rechts daneben einen kleinen Weg. Wenn man auf ihm weitergeht, erscheint bald ein Gebäude, in dem wirklich eine Kirche ihren Platz hat. Und hier wird wirklich eine sonntägliche Messe zelebriert.
Heureka!

Samstag, 18. Januar 2020

Erlaubt und verboten zugleich: Glyphosat

Gesetzgeberischer Widersinn – und die Kosten trägt der Gewerbetreibende, bis zur wirtschaftlichen Vernichtung.
Unter Orietur Occidens wird darüber berichtet.

Donnerstag, 9. Januar 2020

„Zeichen der Zeit“

Noch einmal zurück zur Epiphanie-Predigt eines Bischofs, dem es an Mut zu klaren Worten gebricht:
« „Auch heute ist der sogenannte Zeitgeist nicht nur ein negatives Phänomen. In ihm, mit ihm und durch ihn kann nämlich immer noch der Heilige Geist wirken und uns als Kirche etwas sagen.“
Christen sollten deshalb nicht von vornherein skeptisch sein, „wenn etwas nicht unserer eigenen Überzeugung entspricht“, betonte Feige. Gott spreche „zu anderen Menschen ja vielleicht gerade auch in Bildern und Vorstellungen, die uns fremd sind. Seine Gnade wirkt auch außerhalb der Kirchenmauern.“
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe für dieses oft verborgene Wirken Gottes den Begriff „Zeichen der Zeit“ geprägt, so Feige weiter. »

Die „Zeichen der Zeit“, von denen das Evangelium redet, sind kein Wirken des Heiligen Geistes im Zeitgeist, sondern es sind die Zeichen, die den Messias anzeigen; es ist „das Zeichen des Jonas“, die Auferstehung (Matth. 16, 4), es werden die Ereignisse sein – «Es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ...» (Luc. 21, 10 f.) –, die die Wiederkunft ankündigen: ein Anlaß nicht, sich anzupassen, sondern sich bereit zu machen für Sein Erscheinen.

Mittwoch, 8. Januar 2020

Epiphanie vorm Dreikönigsschrein und am Rhein

Das vormittägliche Pontifikalamt zum Fest: wie in den Jahren zuvor eine geistlich reiche Feier. Eine mehrstimmige Messe; nur das Credo war das Choral-Credo (III), aber doch mit eingeschobenem mehrstimmigem Et incarnatus est. Und das Kyrie nicht für den Bußakt umgenutzt.
Ist das neu? – ich jedenfalls habe es in den vergangenen Jahren nicht bemerkt: An den Kommunionbänken wird das Sakrament von den meisten knieend empfangen.
Nur leider fiel die Annuntiatio festorum mobilium dem Zeitmaß des WDR zum Opfer, der die Messe übertrug (à propos: Annuntiatio festorum mobilium).
Dennoch war es der Sache wert, die Messe zu übertragen, denn die Predigt Kardinal Woelkis hatte Gewicht: ausgiebig warnte er davor, die Lehre der Kirche durch den Zeitgeist zu verwässern (es gibt Bischöfe, denen es zu so klaren Worten an Mut gebricht).

Nach Ende der Messe – noch vor dem Programmpunkt „Plauderei mit Sternsingern“ – mache ich mich auf den Weg über den Rhein. Eine Stunde vor unserem Pontifikalamt hatte in der griechisch-orthodoxen Kirche die Liturgie begonnen, die mit der Wasserweihe ausklingen soll. Ich komme dort zur Kommunion an, kann so die Wasserweihe vollständig erleben: den Weiheritus in der Kirche, die Prozession zum Rhein, die Weihe des Flußwassers.





Und danach bin ich immerhin noch zum dritten Heiligendreikönig bei der Purificatio der Laien angelangt.

Der Ruhrbischof und die Diskussion über das Weiheamt

« Ich persönlich bin den letzten Monaten und Jahren sehr nachdenklich geworden, weil ich erlebe, dass die Begründungslogiken für die Zulassung oder Nichtzulassung von Frauen zu bestimmten Ämtern und Diensten für ganz viele nicht mehr nachvollziehbar und für immer mehr Menschen auch nicht mehr akzeptabel sind. Das verschärft die Lage. Diskussionen zu dieser Frage werden nicht mehr verstummen, dessen bin ich sicher. Darum sind wir in unserer Kirche gut beraten, heute keine Mauern auf Dauer zu verfestigen, mit denen Frauen die Teilhabe an der Mitverantwortung verweigert wird. » So Bischof Franz-Josef Overbeck in seiner Predigt im Pontifikalamt zum Oktavtag von Weihnachten.
Geht es ihm da um das Weiheamt? Der Eindruck, daß es darum geht, läßt sich nur schwer abzuweisen. Dann aber ist die Formulierung «Zulassung oder Nichtzulassung von Frauen zu bestimmten Ämtern und Diensten» irreführend; denn die Frage ist nicht, ob Frauen zugelassen werden, sondern ob ihre Weihe möglich ist.

Nun ist die Frage einer etwaigen Weihe von Frauen durch eine authentische Erklärung des Lehramts, Johannes Pauls II. Apostolisches Schreiben Ordinatio Sacerdotalis beantwortet. Um eine authentische – nur authentische, nicht ex cathedra verkündete – Lehrentscheidung zu revidieren, bedürfte es klarer Argumente: hatten womöglich weibliche Bischöfe in einem Ökumenischen Sitz und Stimme? oder haben orthodoxe Kirchenväter geschrieben, daß die Kirche die Vollmacht habe, Frauen zu Bischöfen oder Priestern zu weihen? Wer solches nachweisen kann, der zeige es auf; wer das nicht kann, der bekenne sich zu Ordinatio Sacerdotalis.

Dienstag, 7. Januar 2020

«Willkommen zu dieser Messe!»

Eine bemerkenswerte Lektion, wie Klerikalismus sich äußert, hat eine Kirche im entlegener Gegend geboten.
Bei Orietur Occidens wird berichtet.

Sonntag, 5. Januar 2020

Zum Fest der Erscheinung des HERRN:
Die Ostertermine

Wie so oft, bleibt wegen der unterschiedlichen Berechnung der Mondphasen der Ostertermin dem julianischen Kalender nach unserem gegenüber um eine Woche zurück, während der jüdische Termin zu unserem paßt.
Hier zu den Osterterminen der drei Kalender.

Samstag, 28. Dezember 2019

Geistliche Weihnachten

Die Kirchen unseres obersächsischen Großstädtchens boten in diesem Jahr Gelegenheit zu wirklich geistlicher Weihnachtsfeier.
Eine festliche Messe in der Heiligen Nacht. Es wurde das „große Credo“, das nicæno-constantinopolitanische Glaubensbekenntnis gesprochen; und der polnische Kaplan versäumte es nicht (es ist heute wohl wirklich nicht mehr allen bewußt), darauf hinzuweisen, daß man zum «Er hat Fleisch angenommen» niederkniet.
Ein nicht minder festliches Hochamt am ersten Weihnachtstag. Hier, in Deutschlands Fernem Osten, wird verläßlich korrekt der Johannes-Prolog als Evangelium gelesen (im Norden habe ich anderes erlebt). Und die Messe wird bereichert durch Instrumentalmusik, was besonders bei der Opferung die Hinwendung auf das Geschehen am Altar mehr fördert als ein übliches Kirchenlied.
Nur: in den Vermeldungen dankt der Zelebrant der Frau, «die für uns Flöte gespielt hat» – man darf hoffen, daß sie für den Herrn gespielt hat (in der evangelischen Nachbarkirche weiß man es besser).
Daß auch das Fest des heiligen Stephanus entsprechend gefeiert wird, ist hierzulande selbstverständlich. Aber das nicht minder hohe Fest des heiligen Johannes, dessen Evangelientext das Weihnachtshochamt geistlich bereichert hat, das aber kein staatlicher Feiertag ist, wird gerne ignoriert (ich fürchte, im nächsten Jahr wird es dem Fest der heiligen Familie zum Opfer fallen).
Hier aber wird es heute gefeiert. Als ich ankomme, ist gerade noch das Allerheiligste ausgesetzt – eine schöne Vorbereitung auf die Eucharistiefeier. Abendmessen an Festen, die keine staatlichen Feiertage sind, besonders in der dunklen Jahreszeit, mag ich sehr; und ich schätze es, wenn ein sehr alter Priester in der Schlichtheit seines Alters zelebriert, ohne alle pastoral gemeinten Sperenzien (und dieser Priester ist dankenswerterweise noch in der Lage, selber, und natürlich allein, die Kommunion auszuteilen).
Darf man an diesem Hochfest, das der geltende Kirchenkalender nicht als solches gelten läßt, das dieses Jahr auf einen Freitag fällt, Fleisch essen? Ich habe es mir gestattet.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Wo Grausamkeit selbstverständlich ist ...

Aus einem Zeitungsartikel von Jutta Lietsch (Lektion China lieben lernen. taz vom 30.11.2019):
«Das „Verschwindenlassen“, das Verschleppen und Festhalten ohne rechtliche Grundlage ist in China nichts Ungewöhnliches. Die Kommunistische Partei (KP) ist das Gesetz, Polizei, Armee und Geheimdienste sind ihre Erfüllungsgehilfen. ...
Wer nur halbwegs bei politischem Verstand ist, muss sich fragen, wie es sein kann, dass die Politiker in Peking und ihre Statthalter in Urumqi ernsthaft glauben können, etwas anderes als heillose Wut, tiefe Kränkung und heftige Aggressionen in einer wichtigen Region ihres Landes zu ernten, wenn sie uigurische Frauen und Männer, Alte und Junge, hinter Stacheldraht sperren? ...
Die Antwort: Es ist ihnen völlig egal. Die Generation, die heute an der Macht ist, hat ihre Jugend in der Kulturrevolution der sechziger und siebziger Jahre erlebt [in der Zeit also, als in Deutschland durchaus nicht nur die K-Gruppen von Mao schwärmten], als Denunziationen, Folter und Massenkampagnen an der Tagesordnung waren. ...
Politiker wie der heutige KP-Chef Xi Jinping sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass politisch nur überlebt, wer stärker und härter ist als die anderen.»

Im Wettstreit um den Titel der grausamsten Diktatur der Erde führt zwar immer noch Nord-Korea, aber den Sudan und Eritrea hat China jetzt weit hinter sich gelassen.

Montag, 2. Dezember 2019

Deutsche Beihilfe zur Christenverfolgung

Nach wie vor werden vom Islam konvertierte Christen aus Deutschland und Österreich in den Iran abgeschoben, wo ihnen Folter und Lebensgefahr drohen.
Wieder drängt sich dieses Thema auf, ist darüber weiter zu lesen bei Orietur Occidens.

Samstag, 30. November 2019

Der blutleere Karneval der liturgischen Revolution

Harte Worte; aber sie sind mir gestattet, weil harte Worte darüber zuvor schon andere gebraucht haben, Große der Kirche, so die Kardinäle Ottaviani und Bacci, so Kardinal Ratzinger.
50 Jahre lang Novus Ordo: Orietur Occidens blickt zurück.

Dienstag, 26. November 2019

Donnerstag, 7. November 2019

Umgang mit Mißbrauch in der Kirche

Mons. Werner Thissen, emeritierter Erzbischof von Hamburg, hat über den Umgang mit sexuellem Mißbrauch im Bistum Münster gesprochen, dessen Personalwesen er in den frühen achtziger Jahren vorstand, dessen Generalvikar er in den späten achtziger und den neunziger Jahren war.
In diesem Gespräch mit der Bistumszeitung hat er Fehler eingestanden, die in Wirklichkeit nicht einfach seine persönlichen Fehler waren, sondern im Personalwesen allgemein verbreiteter Brauch, ein Brauch, der auf noch weiter verbreiteten Mißverständnissen vom Wesen von Therapie beruht.
Man hat der Therapie vertraut. Aber Psychotherapie ist kein Sakrament, sie wirkt nicht ex opere operato. Die wesentliche Leistung in einer Therapie ist die des Klienten: er muß therapiefähig sein, die erforderliche Beziehungs- und Introspektionsfähigkeit haben und darüber hinaus den psychischen (sagen wir einmal so:) Humus für Veränderung haben; und er muß sich willentlich und mit allem Einsatz auf die Therapie einlassen. Und selbst dann ist der Therapieerfolg nicht einfach gewährleistet.
Mißbrauchsverdächtige wurden irgendwann wieder in der Pfarrseelsorge eingesetzt, dann nämlich, wenn der Therapeut das für richtig erachtete. Ich arbeite seit mehr als zehn Jahren mit Alkoholikern; ich weiß, daß ich nicht wirklich vorhersagen kann, ob ein Patient rückfällig wird. Nun hat auch das Verhalten von Pädophilen und Teknophilen Suchtcharakter; bei ihnen ist ebensowenig vorherzusagen, ob sie rückfällig werden (die sexuelle Orientierung auf Kinder und Jugendliche selbst ist im sehr begrenzten Rahmen einer üblichen Therapie nicht aufhebbar).
Damals, in den achtziger Jahren, habe er keine Vorstellung davon gehabt, «was für ein Schaden bei einem jungen Menschen angerichtet wird durch Missbrauch» . Damit nun war er in jenen Jahren wenn nicht in guter, so doch in reichhaltiger Gesellschaft. Das ist mittlerweile (ihn belaste das heute sehr) dankenswerterweise sehr anders; dringend zu wünschen ist, das in den Ordinariaten darüber hinaus der Glaube an die quasi-sakramentale Wirkung von Therapie und an die Allwissenheit der Therapeuten geschwunden ist.

Mittwoch, 6. November 2019

Lohnprellerei

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Es bleibt legal ...
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Dienstag, 5. November 2019

Inkulturation im antiken Patras

Aus den Akten des seligen Apostels Andreas:
Die ganze Stadt [Patras] freute sich über die Genesung des Prokonsuls, und aus den Vororten kamen Menschenmengen, und sie brachten Kranke, die an verschiedenen Krankheiten litten. Er betete für sie, rief den Namen des Herrn Jesus Christus an, legte ihnen die Hände auf und heilte sie alle. Alle Einwohner der Stadt waren von Staunen ergriffen und riefen: «Groß ist die Macht des ausländischen Gottes! Groß ist der Gott, der vom Ausländer Andreas verkündet wird! Heute beginnen wir, unsere geschnitzten Götzenbilder zu zerstören, ihre Haine zu fällen, die götzendienerische Kenntnis der falschen Götzen und der Dämonen zu unterdrücken. Wir erkennen statt dessen den wahren Gott an, der von Andreas verkündet wird; groß ist der Gott von Andreas!» Alle zusammen stürzten sich auf die Tempel, hauten die Götzenbilder in Stücke, zerschlugen sie, vernichteten sie, zerstampften sie, zerstörten sie und verbrannten sie mit dem Ruf: «Genannt werde allein der Gott von Andreas.» Der Prokonsul Lesbius war froh über den Ruf der Menge und und freute sich über die Taten des Volks.
(cod. Vat. GR 807, 6, 1-2; zitiert nach Scuola Ecclesia Mater)

Sonntag, 27. Oktober 2019

Das Erste Gebot

Ich bin der HERR, dein Gott
•› Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
•› Du sollst Dir kein Bildwerk machen noch was immer ähnlich ist dem, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist.
•› Du sollst Dich nicht vor ihnen niederwerfen noch sie verehren:
Ich bin der HERR, dein Gott


Das «unidentifizierte Objekt», vor dem auf vatikanischem Boden sich manche niedergeworfen haben, mit dem eine Kirche in Rom geschändet worden ist, das im Tiber versenkt worden und wieder hervorgeholt worden ist, ist also doch – autòs éphe – Pachamama, die Demeter der Inkas.
«Beuge dein Haupt, stolzer Sicamber, verbrenne, was du angebetet hast, und bete an, was du verbrannt hast», sagte der heilige Remigius bei der Taufe Chlodwigs. Möge der Papst nun solche Worte zu denen sagen, die sich vor diesem Götzenbild niedergeworfen haben.

Samstag, 26. Oktober 2019

Das soziale Engagement der Kirche

Nein, anders als P. Martín Lasarte Topolanski halte ich es nicht für Klerikalismus, dringend zu wünschen, daß alle Christen zumindest allsonntäglich die Möglichkeit haben, an der Zelebration der Opferfeier teilzunehmen. Doch ähnlich wie er, wenn auch aus anderen Gründen, setze ich keine Hoffnung auf die Weihe verheirateter Männer zu Priestern, einerseits aus Gründen, die wir bereits an anderer Stelle ausgeführt haben, andererseits weil ich nicht glaube, das in Teilkirchen, in denen das geistliche Leben derart ist, daß es so keine Priesterberufungen mehr gibt, es wirklich die geistlich reifsten verheirateten Männer wären, die zum Priesteramt ausersehen würden.

Aber seine Darstellung der «Drei Krankheiten, die die Evangelisation Amazoniens steril machen», ist überzeugend; und überzeugend ist im Besonderen seine Bewertung des sozialen Engagements der Kirche:
« L’impegno sociale della Chiesa, nell’evangelica opzione per i più poveri, […] senza dubbio è stato e continua ad essere un aspetto costitutivo del processo di evangelizzazione, che esprime la dimensione “diaconale” della Chiesa. Un impegno del genere ha costituito una ricchezza non solo per la Chiesa latinoamericana, ma per la Chiesa universale.
Il problema sorge quando questo genere di attività assorbe il resto della vita e i dinamismi della Chiesa, lasciando in ombra, mettendo a tacere o dando per scontate le altre dimensioni: kerigmatica, catechetica, liturgica, la koinonia… Siamo in una tensione irrisolta tra Marta e Maria. »
Quelle: Ital.: Un missionario chiamato dal papa al sinodo sull’Amazzonia spiega in che cosa la Chiesa sbaglia – Engl.: A Missionary Called By the Pope To the Synod On the Amazon Explains What the Church Gets Wrong – Span.: Un misionero llamado por el Papa para participar en el sínodo sobre la Amazonia explica en qué se equivoca la Iglesia – Franz.: Un missionnaire appelé par le Pape au synode sur l’Amazonie explique en quoi l’Église se trompe

Samstag, 12. Oktober 2019

Kirchliches Leben in Fülle

Wieder einmal einige Tage in Wigratzbad im Priesterseminar der Petrusbruderschaft. Leider erlebe ich dieses Mal keinen Sonntag noch ein höheres kirchliches Fest; doch im übrigen ist wieder, wie damals, alles da, was ich mir wünschen kann: eine herzliche Atmosphäre, großes geistiges Interesse und Gottesdienste, die wirkliche Gottesdienste sind.
Einige Beobachtungen dazu sind unter der Chronik von Orietur Occidens zu finden.
Die Zahl der Angehörigen der Bruderschaft hat in diesen acht Jahren beträchtlich zugenommen: Heute umfaßt sie 290 inkardinierte Priester sowie 14 weitere, die in verschiedener Art assoziiert sind, und zudem 14 Diakone. 30 Seminaristen sind in diesem Herbst neu im Seminar in Wigratzbad aufgenommen worden, mehr als je zuvor; weitere 15 sind es im Seminar der Bruderschaft in Denton.
Noch einmal der Aufruf: Kirchensteuermittel erhält die Bruderschaft nicht, alles wird durch Spenden finanziert. Wer für die Zukunft der Kirche spenden will: hier ist dazu Gelegenheit.