Montag, 19. November 2018

Kinder im Gottesdienst

haben etwas zu erzählen, so wird angekündigt.
Aber dann ...
Der Chronist von Orietur Occidens berichtet.

Samstag, 17. November 2018

Das Wiedererstarken der armenischen Kirche

Trotz aller Schwierigkeiten der Kirche in diesem Land: der Chronist von Orietur Occidens konnte auch etwas weiteren Fortschritt feststellen.

Die Lehre der Kirche, der Generalobere und die Ordenshochschule der Jesuiten

«Pater Wucherpfennig hatte eine Erklärung abgegeben, in der er sagte, dass er als Ordensmann und Priester dm authentischen Lehramt der Kirche verpflichtet sei. Wo es seine Ämter verlangten, lege er die Lehre der Kirche über die Möglichkeit der Weihe von Frauen (Ordinatio sacerdotalis) und von Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare (Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Seelsorge für homosexuelle Personen) vollständig und umfassend dar. Als Seelsorger und Wissenschaftler werde er auch in Zukunft die Fragen, die er an diese Lehre richte, als seine persönliche Auslegung kennzeichnen.
Als Christ und Wissenschaftler, so Wucherpfennig, habe er die persönliche Hoffnung, dass die kirchliche Lehre, die in den beiden römischen Schreiben dargelegt wird, sich weiter öffne und weiterentwickle.»
So ist in einer Erklärung des Generaloberen der Jesuiten über einen Priester seines Ordens zu lesen. Man kann es so zusammenfassen: P. Wucherpfennig glaubt zwar nicht an die Lehre der Kirche, hofft, daß die Kirche künftig statt der eigenen Lehre seine Meinung zur Glaubensnorm erklären werde, ist aber bis dahin bereit, «wo es seine Ämter verlangten», neben seiner eigenen Meinung auch die Lehre der Kirche darzulegen.
Der naïve Katholik erwartet nun, daß der Generalobere nun erklären werde, daß sich P. Wucherpfennig dadurch die Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen hat und damit auch die kirchliche Lehrbefugnis verliert.
Aber statt dessen ernennt er ihn «mit sofortiger Wirkung zum Rektor von St. Georgen (philosophische und theologische Fakultät SJ)».

Freitag, 16. November 2018

Stockender Fortschritt bei der Einheitsübersetzung

Seit 2016 gibt es die neue EÜ, aber in den Kirchen gelesen wird immer noch nach der von 1980.
Weshalb hier schnelle Einführung der neuen Übersetzung not tut, stellt der Chronist von Orietur Occidens dar.

Dienstag, 6. November 2018

Der Aufstieg zur Propsteikirche

Die Propsteikirche liegt auf einer Anhöhe; der Weg dort hinauf wird durch vier Treppchen gegliedert, die eine reiche Zahlensymbolik zeigen. Da in der Kirche keine Erklärung dazu gegeben wird, bietet die Chronik von Orietur Occidens, mit herbstlichen Bildern ausgestattet, dafür den Platz.

Montag, 5. November 2018

Priestermangel der anderen Art

Priestermangel liegt durchaus nicht immer daran, daß es zu wenig Priester gibt.
Der Chronist von Orietur Occidens mußte es (wieder einmal) beobachten.

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Die „kalte Schulter“

Wunderliches, das beim Pontifikalamt zu Ehren der Heiligsprechung Mutter Theresas vorgefallen war, wiederholt sich beim Pontifikalamt zu Ehren der Heiligsprechung M. Alfons Marias, der Gründerin der Schwestern vom Göttlichen Erlöser:
Nach dem liturgischen Gruß des Bischofs trat der assistierende Priester vor zur Begrüßung – «Sehr verehrter Herr Bischof ...» – und wendete dem Bischof dabei halb die linke Schulter, halb den Rücken zu.
Ob in einer Eucharistiefeier der Bischof begrüßt werden soll, darüber kann man verschiedener Meinung sein – dem byzantinischen Ritus jedenfalls ist solch eine Begrüßung sehr fremd. Wenn er aber begrüßt wird, dann kann diese Begrüßung nur an ihn gerichtet werden, ihm zugewandt.

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Sexuelle und weitere Übergriffe –
Wie kann es dazu kommen?
Wie kann es sein, daß sie gedeckt werden?
Was ist dagegen zu tun?

In den letzten Jahren waren sexuelle Übergriffe das große Thema; doch nicht minder schwer wiegen Mißhandlungen von Kindern und Jugendlichen in Kinderheimen und Internaten – besonders aus Irland wurde von Nonnenkonventen Schlimmstes berichtet. Aber auch hierzulande wußte noch vor nicht sehr langer Zeit jeder Katholik, daß es unterschiedlichste Nonnen gibt, äußerst liebevolle ebenso wie haßerfüllte, grausame.

Wie konnte das sein, wie konnte es dazu kommen?

Bis ins frühe XX. Jahrhundert war es üblich, daß Familien unversorgte Töchter ins Kloster wiesen; auch daß Eltern ihre Töchter dorthin schickten, weil sie das für ein frommes Werk hielten, war nicht ungewöhnlich. So gab es in vielen Konventen Nonnen, die keine wirkliche Ordensberufung hatten. Auch in Männerkonventen gab es, wenn zwar wohl etwas seltener, doch ähnliches.
Wer nun ohne echte Ordensberufung sein Leben in einem Ordenskonvent zu verbringen hat, kann dort natürlich doch noch zu einem geistlichen Leben dort finden; er kann aber auch seine Enttäuschung auf verschiedenste ungute Weise ausleben.

Dies spielt für Übergriffe der letzten Jahre wohl keine Rolle mehr, aber anderes wird noch heute gelten:

Auch wer eine Berufung verspürt, kann vom Ordensleben enttäuscht werden. Schon durch einen neuen Oberen kann sich das Leben, für das man sich entschieden hat völlig ändern. Aber schwerer wiegt wohl etwas anderes: Wo Konvente die Betreuung von Kindern oder Jugendlichen zu ihren Aufgaben zählen, kann es geschehen, daß solche Aufgaben Ordensleuten übertragen werden, die dadurch durchaus nicht begabt sind, die nun im Konvent nicht ihre Berufung leben können, sondern sich aufreiben an Aufgaben, die ihnen fremd sind.

Solches kann zu sinnlosem Zwang, zu Grausamkeiten, aber auch zu sexuellen Übergriffen führen. Für sexuelle Übergriffe im Besonderen ist etwas anderes bedeutsam:

Wo immer Umgang mit Kindern und Jugendlichen selbstverständlich gegeben ist, da werden Pädophile angezogen. So sind kirchliche Kinder- und Jugendarbeit, Kinderheime und Internate für sie ein naheliegender Anziehungspunkt.
Sexuelle Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche gehen besonders häufig von Männern aus, die sich kumpelhaft anbiedernd geben und sich damit oft sehr beliebt zu machen wissen. Wo im heutigen Pfarrleben der Eindruck entsteht, daß hier für solchen Umgang viel Raum sei, ist es für Pädophile besonders anziehend.
Gelegentlich wird darauf hingewiesen, daß solche Übergriffe sich ganz überwiegend nicht gegen Kinder, sondern gegen Jugendliche richten, es sich daher nicht um Pädophile handle. Aber das ist ein Mißverständnis des Wortes paîs: in der Antike galt Päderastie als erlaubt, jedoch nicht mit Kindern unter etwa zwölf Jahren. Paîdes bezeichnet demnach durchaus auch Jugendliche.

Wie kann es sein, daß solche Übergriffe gedeckt werden?

Es gibt eine große Scheu menschlicher Gemeinschaften, Übles nach außen dringen zu lassen – das deutsche Wort «Nestbeschmutzer», das als Schimpfwort benutzt wird, legt Zeugnis davon ab. Das durch solche Haltung, solchen Corpsgeist, Übeltaten gedeckt und verharmlost werden, sogar in der Kirche, ist schlimm – aber es geschieht.
Doch jenseits «Right or wrong, my country», des «Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus»: daß man die Ehre der Kirche nicht durch Schandtaten beschmutzt wissen will, mag zwar verständlich erscheinen; aber eine Ehre, die auf Verleugnung von Tatsachen beruht, ist keine Ehre.
Natürlich ist es nicht angemessen, jede je geschehene Übeltat an die Öffentlichkeit zu bringen – auch die Betroffenen müssen da Mitspracherecht haben –; aber wenn Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden oder Betroffene keinen Zugang zu den Unterlagen bekommen, die sie betreffen, so ist das verwerflich.

Aber neben diesen beiden verwerflichen Motiven (die eigentlich verschiedene Ausprägungen desselben Motivs sind), gibt es ein anderes, das nicht verwerflich ist, sondern ein Dilemma zeigt:

Man kann keine menschliche Gemeinschaft führen ohne Vertrauen. Jeder Obere, jeder Vorgesetzte muß Vertrauen haben zu denen, die ihm anvertraut sind, mit denen er arbeitet. Beschuldigungen sind nicht von vornherein immer wahr. Daher ist es legitim, daß ein Vorgesetzter zunächst einmal, wenn jemand von seinen Untergebenen beschuldigt wird, nicht sogleich das Vertrauen zu ihm über Bord wirft, sondern die Beschuldigungen erst einmal mit Zurückhaltung anhört. Nichtsdestoweniger müssen die Opfer von Übergriffen ihr Recht bekommen, sie müssen Gehör finden. Hier ist ein echtes Dilemma; und ohne vertrauenswürdige Personen von außen einzubeziehen wird es oft nicht zu lösen sein.

Was ist gegen die Übergriffe zu tun?

Mit der Instruktion Crimen sollicitationis, 1922 von Kardinal Rafael Merry del Val herausgebracht, 1962 von Kardinal Ottaviani verschärft, hat die Kirche schon viel getan gegen sexuelle Übergriffe – doch es reichte nicht. Es folgte das Motu Proprio Sacramentorum sanctitatis tutela samt dem Brief De delictis gravioribus von Kardinal Ratzinger von 2001, 2010 noch einmal verschärft – jetzt scheint es besser zu greifen.
Das bezieht sich nur auf sexuelle Übergriffe; Grausamkeiten in Kinderheimen und Internaten geschehen heute wohl viel weniger, aber die der Vergangenheit bedürfen noch der Aufarbeitung; besonders dringlich ist, daß die Betroffenen vollen Zugang zu ihren Akten und Unterlagen erhalten.

Aber offensichtlich reicht das alles noch nicht, Übergriffe und deren Vertuschung zu unterbinden.

«Es gibt hierzulande zwei Ansätze, gegen die Krise der Kirche anzugehen; der eine: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet – der andere: Weniger Christus, mehr Welt», haben wir zu Anfang des Jahres geschrieben. Auf der Suche nach einer Lösung für das Problem der Übergriffe zeigen sich wieder diese beiden Ansätze.

Die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz verfaßte MHG-Studie Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz – ihren wissenschaftlichen Wert hat Manfred Lütz trotz des reißerischen Titels in der Tagespost (Missbrauchsstudie „mangelhaft und kontraproduktiv“) sehr differenziert überprüft – nennt (S. 13) „Klerikalismus“ «eine wichtige Ursache» für sexuellen Mißbrauch. «Klerikalismus meint ein hierarchisch-autoritäres System, das auf Seiten des Priesters zu einer Haltung führen kann, nicht geweihte Personen in Interaktionen zu dominieren, weil er qua Amt und Weihe eine übergeordnete Position inne hat. Sexueller Missbrauch ist ein extremer Auswuchs dieser Dominanz.» Amt und Weihe führten demnach im Extrem dazu, daß der Priester etwas tut, was dem Wesen dieser Weihe diametral entgegensteht.
«Die Studienergebnisse machen es aber notwendig, sich damit zu beschäftigen, welche Bedeutung den spezifischen Vorstellungen der katholischen Sexualmoral zu Homosexualität im Kontext des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zukommt. ... Anstelle solcher Haltungen ist eine offene und toleranzfördernde Atmosphäre zu schaffen» (S. 17). Toleranz ist eine gute Sache; aber Toleranz als Mittel gegen sexuelle Übergriffe?
«Die grundsätzlich ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Weihe homosexueller Männer ist dringend zu überdenken.» Natürlich kann gefragt werden, ob ein homosexuell empfindender Mann nicht auch berufen sein und den Zölibat strikt einhalten kann. Allerdings an anderer Stelle (S. 259) ist zu lesen: «Homosexuelle Beziehungen oder Praktiken werden im offiziellen, nach außen hin sichtbaren Handeln der Kirche aber abgelehnt. Somit besteht die Gefahr, dass entsprechende Neigungen versteckt gelebt werden (müssen).» Wie nun: kann man Männern mit solchen Neigungen vertrauen, daß sie zölibatär leben, oder «(müssen)» diese Neigungen «gelebt werden»?
«Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den Themen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und der eigenen sexuellen Identitätsbildung im Rahmen der Priesterausbildung wurde erkannt und spiegelt sich in der Implementierung entsprechender Weiterbildungsmodule in den Priesterseminaren» (S. 53). Wenn solche Weiterbildungsmodule und «Fort- und Weiterbildungsangeboten für Priester oder Diakone» wirksam wären gegen sexuelle Übergriffe: wie kann es dann sein, daß es solche Übergriffe von intensivst ausgebildeten Psychotherapeuten gegen ihre Klienten gibt?

Soweit der Ansatz: Weniger Christus, mehr Welt. Den Ansatz: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet bietet P. Komorowski, der neue Generalobere der Petrusbruderschaft, in einem Interview (Die Zukunft der Kirche sind gute und heiligmäßige Priester. Informationsblatt 10/2018):
«Es ist sehr bedauerlich, daß wir wieder von Missbrauch und Vertuschung in der Kirche hören. Wir beten für alle Opfer, aber auch für die Täter, damit sie sich bekehren und Buße tun. Viele Verantwortliche in der Kirche haben gravierende Fehler begangen, die Opfer nicht ausreichend geschützt oder sie nicht ernst genommen. Man hat Fälle vertuscht, um den guten Namen der Kirche zu schützen. Zuerst muß man aber an der Seite der Opfer stehen, vor allem der minderjährigen, und die Wahrheit, so bitter sie auch sein mag, offenlegen. Die Täter müssen ihre Schuld eingestehen, um Vergebung bitten und sich einer gerechten Strafe unterziehen. Sie haben nicht nur andere missbraucht, was an sich schon schrecklich ist, sondern die ganze Kirche verletzt und das Vertrauen in sie zerstört. Jetzt kann uns nur volle Transparenz und die konsequente Umsetzung des Null-Toleranz-Prinzips helfen, die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.
Letztlich liegen diesen Vorfällen aber geistliche Probleme zugrunde. Der moralische Verfall kommt von einem mangelhaften geistlichen Leben. Kleriker, die solche Taten begangen haben, verleugnen ihre Berufung. Nur wenn wieder Gott und die zehn Gebote in den Mittelpunkt gestellt werden, findet man aus dieser Krise heraus.
Auch die Formung zukünftiger Priester darf sich nicht nur auf die akademische Bildung beschränken. Eine gesunde Spiritualität, tiefe Frömmigkeit und ein Geist der Abtötung sind wirksame Präventionsmaßnahmen.»

Beachtenswert ist noch die Stellungnahme eines Seligen aus dem vorigen Jahrhundert.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Nachlese zur „Benedikt-Option“

Vor gut anderthalb Jahren erschien The Benedict Option von Rod Dreher, vor etwa einem Jahr auch auf Deutsch, Die Benedikt-Option, «das wichtigste Buch des Jahrzehnts zu einem religiösen Thema», wie Sandro Magister, David Brooks zitierend, schreibt.
Über dieses Buch mehr zu schreiben erscheint nicht notwendig; aber zwei Zitate erscheinen dabei, die es lohnen, als Nachlese wiedergegeben zu werden.

1. In der „Civiltà Cattolica“ – man erinnere sich: es ist jene Zeitschrift der Jesuiten, die, nachdem Papst Pius XI. den Antisemitismus verdammt hatte, noch zehn Jahre lang antisemitische Texte veröffentlichte – erschien ein Artikel, in dem das Buch und damit sein Autor der Häresie, nämlich des Donatismus beschuldigt wurde. Rod Dreher hat in einem Interview mit „la Nef“ geantwortet (teilweise von Sandro Magister wiedergegeben). Einige Sätze daraus:
«Benedikt XVI., wiederum er, hatte sehr recht, zu sagen, daß die zwei stärksten Argumente zugunsten der Kirche die christliche Kunst und die Heiligen sind. Die Logik und die Vernunft haben ihren Platz, aber die Bekehrung entspringt oft einer Begegnung mit der Schönheit (der Kunst) und der Liebe (den Heiligen). Erheben wir die Standarten des Schönen und des Guten, um diese antirationale Welt zu bekehren, denn sie führen sie, sicherer als alles Übrige, zur Wahrheit.

2. Aus Anlaß der Vorstellung des Buchs in Italien schrieb Sandro Magister, mit Blick auf eine Ansprache (wiederum) Benedikts XVI.:
«Das große Mönchtum, begründet von Benedikt, war nicht abgetrennt von der Welt. Vielmehr trug es in entscheidender Weise dazu bei, die moderne europäische Zivilisation zu errichten, gegründet auf den Konzepten der Person und der Freiheit.
Wenn heute die „Diktatur des Relativismus“, entlarvt von Benedikt XVI., regiert, ist es unvermeidlich, daß sich auch die zwei Angelpunkte, die Person und die Freiheit, auflösen. Aber dies ist ein Motiv mehr dafür, daß die Christen als „kreative Minderheit“ sich nicht zurückziehen ins Private oder in Werke der Nächstenliebe
[womit natürlich nicht Werke der Nächstenliebe an sich gemeint sind, sondern Werke der Nächstenliebe anstatt ...] – wie die Welt es will und wozu sie Beifall spendet –, sondern fortfahren, im öffentlichen Raum zu wirken, im Licht des „Quarere Deum“.»

Was ist ein Heiliger?

Heilige werden in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Neuen Testaments alle Christen genannt, die sich zu ihren Kirchen halten. Aber in späterer Zeit – schon erahnbar in der Apokalypse – sind Heilige die, die, durch besondere Gnade berufen, in besonderer Weise ihre Hingabe an den Herrn leben. Pietro C. (La canonizzazione dei santi) spricht von «dieser Gnade, dieser besonderen Kraft, die sie sicher, heiter, stark sein läßt, auch vor tausend Leiden. Die Gegenwart dieser Kraft ist das Einzige, was einige drängt, alles zurückzulassen, heiter dem Tod entgegenzutreten. Die Gegenwart dieser Kraft hält die Märtyrer aufrecht und gibt ihnen Heiterkeit.»
Ein Heiliger in diesem Sinne war Paul VI. nicht. Er hat einst (Reinhard Raffalt schreibt davon in Wohin steuert der Vatikan. München 1973) öffentlich erklärt, seine größte Sehnsucht sei, geliebt zu werden – von Menschen. Auch ein Heiliger kann sich der Liebe von Menschen freuen; aber er ist nicht um sie besorgt: «Dios solo basta», dichtete die heilige Theresia von Avila, «Gott allein genügt».
Doch ist es seit den sechziger Jahren wieder üblich geworden, das Wort „Heilige“ auf alle Christen zu beziehen. Und eine Heiligsprechung sagt ja nur sicher aus, das der Betreffende nach seinem Tod nicht in den unteren Etagen der jenseitigen Welt versunken ist. Zwei Wunder sind bezeugt: das reicht nach den Regeln Johannes Pauls II. zu einer Heiligsprechung, hätte nach den überlieferten Maßstäben der Kirche eine Seligsprechung gestattet.
Allerdings wären dazu auch eine Überprüfung der Schriften und die Feststellung „heroischer Tugend“ erforderlich. Zugute gehalten wird da Paul VI. vor allem, daß er mit seiner Enzyklika Humanae vitae dem Zeitgeist widerstanden hat.
Doch ansonsten folgte er irgendwelchen Ratgebern, zum Teil wider besseres Wissen. «Ein seliger Papst – ein unseliger Pontifikat» haben wir bei seiner Seligsprechung geschrieben.
Bei seiner Predigt am Fest der Apostel Petrus und Paulus 1972 sagte der Papst, «aus irgendeinem Spalt sei der Rauch des Satans in den Tempel Gottes eingedrungen.» Das kann als Bilanz seines Pontifikats betrachtet werden.

Binnen eines Menschenalters sind von den Päpsten von der Mitte des XIX. bis zur Wende des XX. Jahrhunderts fünf Päpste selig-, vier gar auch heiliggesprochen worden. Die großen Päpste dieser Zeit – Leo XIII., Pius XI., Pius XII. – sind nicht darunter.

Montag, 15. Oktober 2018

Freitag, 12. Oktober 2018

Verführerische Tradition? Hörerbrief an den Deutschlandfunk

Der Weltanschauungs- (=Sekten-) Beauftragte des Bistums Essen hat an die Redakteurin der Religionssendung "Tag für Tag" (Deutschlandfunk), Dr. Christiane Florin, diesen Brief geschrieben. Anlaß war diese Sendung, in der u. a. Frage gestellt wurde, warum auch eher "links" orientierte Menschen sich von der Tradition der Kirche und ihrer überlieferten Liturgie angezogen fühlen.

In dem Radiobeitrag hat Frau Dr. Florin mit Husch Josten, der Autorin des Buches "Land sehen" ein Interview geführt.


Sehr geehrte, liebe Frau Dr. Florin,


ich bin als Priester und Weltanschauungsbeauftragter des Bistums Essen ein regel­mäßiger Hörer des DLF und vor allem Ihrer Sendung „Tag für Tag“.

Im Rahmen meiner Arbeit als WA-Beauftragter befasse ich mich schon seit Jahren mit der Piusbruderschaft und habe auch durchaus hin und wieder persönlichen Kontakt zu diesen Priestern. Unter denen gibt es übrigens genauso unerträgliche Priester wie im offiziellen Diözesanklerus, aber auch solche, die menschlich durchaus in Ordnung sind und versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten offen und barmherzig – bisweilen so­gar fröhlich – ihr Amt zu leben. 

Vorgestern führten Sie ein hochinteressantes Gespräch mit Frau Josten, die einen Roman über ein Eifeler Benediktiner-Kloster in der Tradition der Piusbruderschaft ge­schrieben hat, das ich mir auf jeden Fall kaufen werde!

Eine Ihrer Fragen an die Autorin würde ich gern beantworten, nämlich wie es denn sein könne, dass Menschen, die eher links orientiert seien, einen Faible für die sog. Alte Messe hätten...

Dazu würde ich gern Folgendes anmerken: Als ursprüngliches Arbeiterkind mit Schwerbehinderung und Heimerfahrung aus Hamburg, das aus verschiedensten Gründen hautnah Marginalisierungen erlebt und z. T. auch erlitten hat, sehe ich meine politische Verortung nach wie vor eher im linken politischen Spektrum, wenngleich ich (trotzdem) immer weniger weiß, was ich noch wählen soll, aber das ist ein anderes Thema. Wenn links jedenfalls meint, sich für weltweite Gerechtigkeit, gegen Homo­phobie, für die Gleichberechtigung der Frauen, für die Bewahrung der Schöpfung, gegen Lohndumping und „Manchester-Kapitalismus“ etc. einzusetzen, bin ich in diesem Falle wohl eher „links“.

Auf die Kirche bezogen, meint dies: Ich bin mit Überzeugung ein Priester des Vatica­nums II, bin also für Religionsfreiheit, für Ökumene, wenn sie nicht platte Gleich­macherei zum Ziele hat, für „Nostra aetate“, wo zu Recht die Kirche erstmalig konzediert – und das ist m. E. der eigentlich schlechthinnige Paradigmenwechselvon Vat. II -, dass auch in anderen Religionen Wahres, Heiliges und Schönes zu finden sei. (Ich zitiere aus dem Kopf, sorry.) 

Aber: Und jetzt kommt der Grund, warum ich Ihnen eigentlich schreibe: Dennoch kann ich – wenigstens z. T. – der Liturgie, die vor ihrer Reform in der ganzen Kirche galt, etwas abgewinnen:

Zunächst hat sie eine klare Struktur. Dann sehne ich mich bisweilen einfach danach, die Messe mit dem Rücken zum Volk zu zelebrieren, und zwar nicht deshalb, weil mir meine Gemeinde – was ja schlimm wäre – zuwider wäre, sondern, weil wir einander – gleichsam permanent – ausgesetzt sind. Das eigene Beten fällt mir dadurch schwer und einige Leute fühlen sich von mir beobachtet, obwohl ich das jedenfalls keineswegs bewusst tue. Und sich als Priester gewissermaßen in dieselbe Richtung wie das Gottesvolk zu stellen, zeugt doch eher von Gleichheit – wir alle, Priester und Gläubige, sind vor Gott simul peccator et iustus – als dieses Gegenüber von heute. Wobei ich auch nicht grundsätzlich dafür wäre, die Zelebrationsrichtung im Neuen Ritus wieder gänzlich zu ändern...

Die Alte Messe ist wegen ihrer festen, manchmal sicher auch zu starren Form auf jeden Fall nicht der Gefährdung ausgesetzt, dass der Priester „sein eigenes Ding“ macht: endlose Herzensergießungen zu Beginn der Messe, statt einer knappen Ein­führung in das jeweilige Tagesgeheimnis. Das Schlimmste, was ich übrigens diesbe­züglich mal erlebt hatte - ich war so wütend, dass ich nicht mehr zur Kommunion gehen konnte -, war eine 45minütige Einleitung noch dazu auf Italienisch eines profilneu­rotischen älteren Priesters, der eine Gruppe von Aushilfspriestern zu einem Deutsch­kurs begrüßte, die in den Sommerferien in deutschen Gemeinden aushelfen sollten. 

Dann – was ich häufig bei Priestern der Konzilsgeneration erlebe -, dass sie anfangen die Liturgie nach ihrem eignen Gusto zu verändern: Umformulierungen der Messtexte, Gebete etc. In der Regel werden diese Texte zum einen selten besser, und zum an­deren – da bin ich sicher eher konservativ: es sind ja nicht meine Texte, die ich vor­trage und lese, sondern die Texte der Kirche, deren Diener ich bin. Als Kaplan musste ich erleben, dass ein Priester dieser Generation – mein damaliger Chef - die Osternacht folgendermaßen um­stellte: Er hat zunächst die AT-Lesungen genommen und erst danach den Licht-Ritus mit Osterkerze etc. Auf meinen Vorhalt, dass das einer Diskriminierung des (jüdischen) Gottesvolkes gleichkäme (weil ja das Licht erst nach „deren“ Lesungen käme) und dass er zugleich – nolens volens – nicht berücksichtige, dass Jesus als Sohn Gottes der Erstgeborene der Schöpfung sei und also auch schon vor dem AT existiert habe und ich es zuletzt auch nicht in Ordnung fände, die wichtigste Feier des Kirchenjahres einfach umzustellen, kam nichts, was mich auch nur im Ansatz zufrieden gestellt hätte.

Und schließlich gibt es noch eine Unart, die es bei der Alten Messe gar nicht erst geben kann: Dass vor allem die 68er-Priester anfangen, alles und jedes, was in der Messe an Gesten und Riten geschieht, durch z. T. auch noch redundante Geschwätzigkeit – angeblich mundgerecht - ihren Gläubigen meinen servieren zu müssen. Diese angeb­lich ja so aufgeklärten „demokratisch“ gesinnten Priester, die häufig auch noch be­haupten, nur so wie sie es machten, sei es ja eigentlich wahr und richtig, verhunzen dadurch nicht nur die Liturgie, sondern entmündigen zugleich die Gläubigen, weil diese ja angeblich zu blöd seien, ohne deren lichtvolle Erläuterungen der Liturgie ange­messen folgen zu können. Aber es gibt doch eine Suffizienz der Liturgie, d. h. sie er­klärt sich aus sich selbst, wenn sie würdig und gut gefeiert wird, ohne dass deshalb alle in Ehrfurcht erstarren müssten. (Man kann übrigens beide Formen des Lateinischen Ritus verhunzen: durch Lieblosigkeit, durch einfaches „Herunterbeten/lesen“ etc.)

Und nun komme ich zu jenem Punkt, der mir besonders wichtig ist: Was nämlich die Paramente (Messgewänder etc.) des Priesters betrifft, hat es – z. T. jedenfalls – nach dem Konzil einen Wildwuchs gegeben, der mich bis heute tief betrübt: Nicht nur die alten Hochaltäre wurden von den „katholischen Bilderstürmern“ der 1960er-Jahre – darunter viele übereifrige Priester, die ja den angeblichen Ballast der letzten Jahrhun­derte meinten loswerden zu müssen – z. T. buchstäblich auf den Scheiterhaufen (der Geschichte) verb(r)annt und durch z. T. hanebüchene Stahlkonstruktionen ersetzt (siehe z. B. St. Georg, Essen-Heisingen), auch die Messgewänder aus dieser Zeit wurden entweder ein Fraß der Motten oder auch verb(r)annt. Wenn man z. B. franzö­sische Kathedralen besucht, kann man Glück haben, wenn einige dieser z. T. hoch wertvollen und schönen Gewänder in (meistens schäbigen) Schaukästen hängen. Ge­tragen werden sie jedenfalls so gut wie gar nicht mehr, sondern wurden ersetzt durch hässliche Mantelalben oder wie in Deutschland häufig zu sehen: durch hässliche, bieder-spießige Messgewänder mit z. T. dicken Zopfmusstern, die gutwillige Paramentenvereine der Gemeinden angefertigt haben, und nun angeblich als modern gelten. Furchtbar, sage ich Ihnen! Auch dass es kaum noch Priester gibt, die zu den nichteucharistischen Feiern – z. B. Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten, Stundengebeten etc. – Chormäntel tra­gen, verstehe ich nicht, denn dieses besonders würdige Kleidungsstück hatte die Liturgie­reform niemals abgeschafft. Kurzum: „Klamottentechnisch“ gesehen bin ich wohl eher einen Piusbruder, obwohl mir deren (fundamentalistisches) Elitedenken und die Diskriminierung Andersglaubender/lebender natürlich zuwider ist.

Und ein Letztes noch: Wir laufen in der nachkonziliaren Kirche Gefahr, Christus zum immer nur lieben Jesulein zu verharmlosen/zu verkitschen. Texte des NT (des AT ohnehin), die anstößig sind, werden von immer mehr Hauptamtlichen (auch Gläubigen natürlich) abgelehnt, z. T. auch von Priestern. Aber Jesus war eben gerade nicht der harmlose Schwiegermuttertyp, der überall die Soße der Harmonie gekippt hätte, sondern es gibt auch jenen Mann aus Nazareth, der bisweilen richtig heftig ausgeteilt hat: Und es bedarf in der Tat einer gewissen – auch intellektuellen Anstrengung – diese Texte auszulegen und auch „zu bepredigen“, statt – wie ich jetzt wieder einmal über einen Priester gehört habe: „Nein, an diesem Sonntag gibt es keine Predigt, weil ich mit dem Evangelium nichts anfangen kann!“. Er bezog sich auf Mk 9,38 ff, wo Jesus u. a. fordert: „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das (ewige) Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.“ 

Ich bin wirklich der Letzte, der sich nach dem Rex tremendae majestatis der 1940/50er-Jahre und früher zurücksehnt und davon ausgeht, dass die meisten Menschen ohnehin – wenn sie Glück haben – entweder im Fegefeuer landen, wo es ja nach ergangener Läuterung immerhin noch einen Weg in den Himmel gibt, oder doch direkt in der Hölle als ewigem Ort der Verdammnis. Aber wir müssen doch auch ernst nehmen – natürlich unter Beachtung der historisch-kritischen Exegese -, dass das Gottes- u. Jesusbild der Bibel zu kurz griffe, aus ihnen brave, harmlose Hampelmänner zu machen. Die Welt, in der ich jedenfalls lebe, lehrt mich etwas anderes... Es muss doch weiter deshalb eine Form der Verkündigung geben, die weder einem harmlosen Hampelmann-Gott das Wort re­det noch einem rachedurstigen Buchhalter- und Willkürgott, vor dem wir alle nur arme, sündige, unmündige Würstchen sind..., zumal ich natürlich nicht davon ausgehe, dass Purgatorium und Hölle buchstäbliche Orte endloser physischer Qualen wären.

Nun habe ich viel mehr geschrieben, als ich wollte. Aber es war mir wichtig, auf Ihr Gespräch und Ihre ja durchaus berechtigte Frage zu reagieren. 

Bei all dem gilt natürlich: Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Und eine Kirche, die sich für sakrosankt hält, statt schonungslos und ehrlich vor ihrer eigenen Haustür zu kehren – Stichwort: Missbrauchsskandal bei gleichzeitiger Diskriminierung jener, die den moralischen Vorgaben der Kirche nicht entsprechen können oder wollen – hat ihre Daseinsberechtigung durch eigenes Versagen verloren. Die Schönheit und Erha­benheit einer auch nachkonziliaren Liturgie wird natürlich schal und hohl – bessere Beschreibungen fallen mir gerade nicht ein -, wenn sie in einem falschen Geist von Klerikalität etc. gefeiert wird, statt zur Freude der Gläubigen (und Ungläubigen, z. B. Weihnachten) und vor allem zur höheren Ehre Gottes.

Auch wenn ich wegen der neuesten Schlagzeilen über die Kirche manchmal total niedergeschlagen bin, bin ich immer noch gerne Priester und versuche – wie übrigens viele meiner Mitbrüder und sog. Laien auch – so gut es geht den Dienst an den Men­schen und für Gott zu tun, was sicher nicht leicht ist in einer Welt, in der die Kirche ihre Glaubwürdigkeit und Integrität weitgehend – leider zu Recht - verloren hat...

Wie dem auch immer sei: Meiner Lieblingssendung „Tag für Tag“, wünsche ich von ganzem Herzen immer mehr Hörer/innen, die Freude haben an den Themen der Sen­dung und deren kongeniale Umsetzung durch Redakteur/innen wie Sie! 

Liebe Frau Florin, Sie dürfen gerne meinen Brief an die Autorin Frau Josten weiter­leiten, wenn Sie mögen, und ihr mitteilen, dass ich mich auf deren Buch sehr freue!

Ich wünsche Ihnen noch einen Goldenen Oktober und genug Muße für sich selbst trotz des sicher aufreibenden Jobs beim wunderbaren DLF!

Mit freundlichen Grüßen

© Gary Lukas Albrecht

Siehe hierzu auch den Beitrag: "Erstes Erleben der Alten Messe

Samstag, 6. Oktober 2018

FYROM bleibt FYROM

Das Plebiszit in der früheren jugoslawischen Republik „Makedonien“ blieb mangels Beteiligung ergebnislos, kann also nicht eine Umbenennung des Landes in „Nord-Makedonien“ legitimieren; FYROM bleibt FYROM.
Der griechische Furor in dieser Sache erscheint Mitteleuropäern kurios; in der Sache allerdings haben die Griechen Recht.
Das alte Makedonien lag im Gebiet der heutigen griechischen Region dieses Namens. Die Sprache der Makedonen war, soweit die spärliche Überlieferung es erkennen läßt, eng mit dem Griechischen verwandt. Das Makedonisch der heutigen Republik dagegen ist eine eng mit dem Bulgarischen verwandte slawische Sprache.
Nur einige Streifen im Süden der heutigen Republik – südöstlich von Bitola, südlich des Axios-/Vardar-Knies – waren von Makedonen besiedelt, gehörten aber bis ins IV. Jahrhundert nicht zum Argeaden-Reich. Erst durch Philipp II. kamen sie um die Mitte dieses Jahrhunderts zum Reich, ebenso wie das südliche (wohl illyrische) Pelagonien. Etwa dreißig Jahre später reichte dann das Argeaden-Reich von der Donau bis nach Ägypten und Pakistan, um sogleich nach dem Tod Alexanders wieder zu zerfallen. Päonien, in dessen Gebiet Scopia/Skopje, die Hauptstadt der heutigen Republik liegt, kam im III. Jahrhundert doch noch zu Rest-Makedonien; aber in römischer Zeit gehörte Nord-Päonien mit Scopia nicht zur Provinz Macedonia, sondern zu Moesia Superior, seit Diokletian zu Dardania.
Im XIX. Jahrhundert wurde der Name „Makedonien“ als Landschaftsname wiederbelebt, nun in sehr weiter Bedeutung. 1944 wurde unter diesem Namen die heutige Republik als Teilrepublik von Jugoslawien gegründet.
Natürlich sind griechische Sorgen, diese kleine Republik könnte das eigentliche Makedonien annektieren wollen, überzogen. Aber Griechenland hat im Mittelalter lange Zeit unter bulgarischen und serbischen Raubzügen gelitten, war über Jahrhunderte der osmanischen Herrschaft unterworfen, der Knabenlese ausgeliefert, das eigentliche Makedonien war bis 1913 türkisch – das ist in Griechenland schwerlich vergessen. Und daß die gerade unabhängig gewordene Republik „Makedonien“ den Stern von Vergina, der als Symbol der Argeaden gilt, in seine Flagge setzte – er wurde bald durch eine andere Sonnendarstellung (inspiriert durch die japanische Kriegsflagge) ersetzt –, konnte die griechischen Sorgen nicht lindern.

Ein historisch eher treffender Name für die Republik (vergleichbar mit „Belgien“ und „Confoederatio Helvetica“) wäre „Päonien“.

Die Terroristen stammen nicht vor allem aus Chemnitz

Eine „Bürgerwehr“ hat vor drei Wochen in einem Park in Chemnitz Ausländer angegriffen und dabei einen Mann verletzt.
In Chemnitz – aber es sind eben nicht vor allem Leute aus Chemnitz. Die Polizei hat nun die Gruppe ausgehoben, die sich zum Ziel gesetzt hatte, Ausländer, Linke und Christen zu vertreiben, die sich zwar „Revolution Chemnitz“ nannte, deren Mittelpunkt aber das 20 km entfernte Mittweida war.

Ein Papst, der nichts erfährt

Vor fast vier Jahren haben wir unter diesem Titel sonderbare Maßnahmen und Entscheidungen, die sich auf Papst Franziskus berufen, zu erklären versucht; kürzlich haben wir – in Sachen Mons. Viganò – wieder darauf verwiesen.
Nun sind wir von Sandro Magister darauf hingewiesen worden, daß der Papst selber uns bestätigt hat.
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Mittwoch, 26. September 2018

Marsch für das Leben

Der Mob:
Nein, sonderlich gefährlich wurde es nicht. Zu einem Zwischenfall allerdings kam es: ein älterer Herr wurde zu Boden gerissen und dabei verletzt. Aber verglichen mit dem braunen Mob in Chemnitz kurze Zeit zuvor zeigte sich der thanatophile Mob in Berlin eher geschmacklos und dümmlich als gewalttätig, was freilich auch an der Polizeipräsenz gelegen haben dürfte. Doch bei Gelegenheit konnte ich auch unmittelbar an Gegendemonstranten vorbeigehen, ohne körperlich angegriffen zu werden. Und bei der Kundgebung zu Beginn nutzten einige die Gelegenheit der Schweigeminute für die Opfer, mitten durch die Menge zu ziehen, krakeelend, taktlos, aber ohne Gewalt (natürlich waren sie an dieser Stelle auch nur sehr wenige gegenüber den vielen Teilnehmern des Marschs). Und natürlich wurde auch von den Gegendemonstranten ringsum diese Schweigeminute ausgiebig zum Lärmen genutzt.

Verleumdung:
Dem Bischof von Regensburg, der sich am Marsch beteiligte, warf ein Bundestagsabgeordneter aus seiner Diözese vor, er marschiere «ganz bewusst mit Extremist*innen Seite an Seite», «obwohl diese Veranstaltung bereits in den Vorjahren von der Neuen Rechten und der AfD erkennbar instrumentalisiert wurde.»
Der Bundesverband Lebensrecht hatte eine Stellungnahme herausgegeben, derzufolge er «allergrößten Wert» legt «auf die Feststellung, dass es sich beim Marsch für das Leben um eine überparteiliche, überkonfessionelle Veranstaltung handelt. Welches Parteibuch und welche Konfession die Teilnehmer des Marschs haben, wird von uns nicht überprüft.» Unter denen – den wenigen –, die bei der Anfangskundgebung sprachen, war auch eine Frau aus Uganda; über eine andere wurde, als sie kurz vorgestellt wurde, gesagt, daß sie sich für Ausländer und gegen Rassismus engagiere. Nähe zur Neuen Rechten und zur AfD würde sich anders äußern.

Kein politischer Rückhalt:
Immerhin hatte, so wurde erwähnt, der Vorsitzende einer Bundestagsfraktion ein Grußwort gesandt.
Doch Lebensschutz muß konsequent sein, kann sich nicht auf Märsche beschränken. Kurz zuvor nun war aus der Presse zu erfahren, daß sich ein Landesminister seiner Partei scharf gegen ausreichenden Raum für Kinder eingesetzt hat – der Chronist von Orietur Occidens hatte das kommentiert.

Abtreibung

Mittwoch, 19. September 2018

Auf dem Weg zum Einheitsorden?

In den letzten Jahren hat sich manches ereignet, was in der Zusammenschau eine ungute Entwicklung deutlich werden läßt, die von der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens ausgeht. Wir haben dann eine kurze Darstellung dessen in unsere Seite über Franziskus I. und die Franziskaner der Immaculata gestellt. Bald darauf hat Aldo Maria Valli in seinem Blog eine Trilogie veröffentlicht, die, viel umfangreicher und eingehender recherchiert als unser Text, an einer anderen Stelle dieselbe Tendenz aufzeigt. Die Beobachtungen ergänzen sich und drängen die oben gestellte Frage auf, die Frage, wie sehr das monastische und kontemplative Ordensleben gefährdet ist.
In unserem Text Auf dem Weg zum Einheitsorden? ist nun auch ein kurzer Abriß der Kernaussagen dieser Trilogie zu finden – was die Lektüre der Trilogie durchaus nicht überflüssig werden läßt (alle Ligamina sind beigefügt).

Freitag, 14. September 2018

Auf dem Weg zum Einheitsorden?

Etwa zu der Zeit, in der wir unsere Gedanken zu dieser Gefahr in unsere Seite über Franziskus I. und die Franziskaner der Immaculata eingefügt haben, hat der große Aldo Maria Valli ganz ähnliches ins Netz gestellt, im Blick auf die Mönchsorden, viel ausführlicher und kenntnisreicher als wir. Die Lektüre lohnt (leider!): Qualcuno vuole liquidare il monachesimo?

Das Ende von Mariawald

Morgen, am Fest der sieben Schmerzen Mariens, soll das Kloster, in dem ich vor wenigen Wochen noch Gastfreundschaft und geistliches Leben gefunden habe, endgültig aufgelöst werden.

Als Gast der letzten Tage

Montag, 10. September 2018

Samstag, 8. September 2018

Franciscus P.P. I. – ein Nachtrag: Duplizität der Ereignisse

Das eine füllte gerade die Medien, und wir haben soeben darüber geschrieben; das andere ging vor wenigen Monaten durch die Medien. Hier bleibt noch die Ähnlichkeit der Ereignisse aufzuzeigen, die unsere unten ausgeführte Deutung unterstützt.
In einen Fall ist es ein Erzbischof und ehemaliger Nuntius, der Papst Franziskus 2013 persönlich über sexuelle Übergriffe eines Bischofs unterrichtete;
im anderen Fall ist es ein Opfer solcher Übergriffe, das 2015 einen Brief an den Papst schrieb und einem Erzbischof und Kardinal übergab.
In beiden Fällen erreichten die Informationen Papst Franziskus nicht:
im einen Fall wurde die von Papst Benedikt über den verantwortlichen Bischof verhängte Strafe – eine Art von kirchlicher lebenslanger Freiheitsstrafe – aufgehoben;
im anderen Fall wurde der Verantwortliche gegen den Protest von Klerus und Volk als Diözesanbischof eingesetzt.
Beide wurden schließlich 2018, als nichts anderes mehr ging, in die Wüste geschickt.

Freitag, 7. September 2018

Franciscus P.P. I. – ein kirchengeschichtlich einmaliges Experiment

Am 26. August hat Mons. Carlo Maria Viganò ein Dokument veröffentlicht, demzufolge er schon 2013 Papst Franziskus mitgeteilt hat, daß sich Kardinal McCarrick sexuelle Übergriffe zuschulden kommen läßt. Damals geschah daraufhin seitens des Papstes nichts. Nun hat Mons. Viganò ihn zum Rücktritt aufgefordert.
Der Papst reagierte darauf nur eher am Rande. Doch es erhoben sich Stimmen, die Mons. Viganòs Zeugnis als unglaubwürdig darzustellen suchten. In Deutschland war es zunächst die Süddeutsche Zeitung, die sich daran machte. Ihre Argumentation ist bemerkenswert: sie wirft Mons. Viganò vor, es fehlten bei ihm «dokumentierte Beweise» – aber eine Zeugenaussage hat auch ihre Gültigkeit, wenn sie keine anderweitigen Beweise anführt. Doch Mons. Viganò nennt auch viele andere befragbare Zeugen, angefangen mit Papst Benedikt XVI. Die Süddeutsche nennt Gründe, weshalb Mons. Viganò Franziskus I. mißgünstig gesonnen sein könnte – doch Grund zur Mißgunst widerlegt eine Aussage nicht. Und sie führt ausgerechnet Andrea Tornielli als Beleg an, den Vatikanisten, der nicht dafür bekannt ist, daß er seine Position als «Vatican Insider» durch kritische Haltung gefährden wolle – angesehenere Vatikanisten wie Sandro Magister und Marco Tosatti zeigen keine solchen Zweifel gegenüber Mons. Viganòs Dokument.

Aber dennoch dürfte es wahr sein, daß Papst Franziskus von diesen Übergriffen nichts wußte.
Den Schlüssel bietet, was wir vor einigen Jahren schon auf unserer Seite über Franziskus I. und die Franziskaner der Immaculata geschrieben haben über den Papst, der nichts erfährt: der Papst hat eine kleine Zahl von Vertrauten; was er von anderen hört, hat für ihn keine Bedeutung – und Mons. Viganò gehört nicht zu diesen Vertrauten, wohl aber – bis vor kurzem – Kardinal McCarrick.
Franziskus I. ist Jesuit. Dieser Orden heißt von Anfang an «Compañía de Jesús» (die lateinische Bezeichnung «Societas Jesu» ist jünger), er ist nach militärischem Vorbild verfaßt. Während der heilige Benedikt einerseits strikten Gehorsam dem Abt gegenüber verlangt, andererseits aber vom Abt fordert, in allen Angelegenheiten den Rat der Brüder einzuholen und zu berücksichtigen, in wichtigen den des ganzen Konvents (Regula cap. 3), sieht der heilige Ignatius die «Vorhersehung mittels des Oberen» wirken, er fordert ihm gegenüber ausdrücklich «blinden Gehorsam», «perinde ac cadaver» (Constit. S.J., VI. pars, cap. I. / § 547).
So hat jeder Obere in dieser Kompanie absolute Befehlsgewalt gegenüber seinen Untergebenen; wie er sich beraten läßt, liegt an ihm. Andererseits aber hat er seinen eigenen Oberen ebenso absolut zu gehorchen. Der letztendliche Obere, dem auch der Ordensgeneral zu gehorchen hat, ist der Papst. Nun aber ist mit Franziskus I. zum ersten Mal ein Jesuit Papst geworden, zum ersten Mal hat ein Jesuit keinen irdischen Oberen mehr über sich. So wählt er allein nach seinem Ermessen aus, wem er vertraut; und Mons. Viganò hat nicht sein Ohr.

Montag, 3. September 2018

Kein Säugling im Landtag

Eine Abgeordnete mit einem Säugling wurde im Thüringer Landtag des Saales verwiesen. Das dieses Vorgehen Mütter mit Säuglingen benachteiligt, ist bereits ausgiebig moniert worden. Doch der Chronist von Orietur Occidens sieht den eigentlichen Skandal anderswo.

Freitag, 31. August 2018

Der ökumenische Patriarch verleiht der ukraïnischen Kirche die Autokephalie

Bartolomeo intende concedere l'autocefalia all'Ucraina
Was eine Hilfe zum Frieden sein könnte, wenn es im Einvernehmen mit dem Patriarchen von Moskau geschähe, droht zu einer Quelle zusätzlichen Streits zu werden, wenn Moskau die Zustimmung verweigert – was sich abzuzeichnen scheint.
Und es droht noch weiterer Streit: um die Rolle des ökumenischen Patriarchen – der Patriarch von Jerusalem hat schon Einspruch erhoben gegen dessen Eingriff ins russische Patriarchat.
Ukraine is canonical territory of Russian Church, not Constantinople, says Jerusalem Patriarchate

Gutachten «Soziale Wohnungspolitik»

In einem Gutachten unter diesem Titel hat der „Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie“ bemerkenswerte Empfehlungen veröffentlicht.
Der Chronist von Orietur Occidens hat dazu eine Anmerkung zu machen.

Mittwoch, 29. August 2018

Viel Aufhebens und ein wenig geistlicher Gehalt

Am Sonntagmorgen sind alle Zehn-Uhr-Messen in der Stadt ausgefallen zugunsten einer ökumenischen Pontifikalandacht in einer großen evangelischen Kirche.
Der Chronist von Orietur Occidens berichtet davon.

Dienstag, 28. August 2018

Schändung der Totenehre

Ein Mann ist einem Verbrechen zum Opfer gefallen, offenbar einem Raubmord; zwei weitere sind verletzt worden. Der Tat verdächtig sind zwei Männer aus dem Nahen Osten.
Es kommt zu einer Demonstration gegen die Tat, dann wird zu einem Trauermarsch für das Opfer aufgerufen. Das wäre ehrenwert, wenn nicht ...
Aus der Demonstration, aus dem „Trauermarsch“ heraus werden ausländerfeindliche Parolen gebrüllt, es kommt zu etlichen gewalttätigen Übergriffen gegen Unbeteiligte, besonders gegen Menschen südländischen Typs.
Daß angebliche Trauer um einen Mann, der selber ausländische – lateinamerikanische – Wurzeln hatte, dazu mißbraucht wird, unschuldige Menschen wegen ihres physischen Typs anzugreifen, schändet das Gedächtnis dieses Toten.

Samstag, 18. August 2018

Prä-Expositionsprophylaxe und Flußeindeichungen

In völlig unterschiedlichen Bereichen zeigt sich die gleiche Mentalität.
Der Chronist von Orietur Occidens setzt die Aufarbeitung der Sommerpause fort.

Schönheit und Ideologie

Ein Interview (von Alem Grabovac) mit Stephan Trüby, einem Professor für Architektur und Kulturtheorie und Direktor des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen der Universität Stuttgart, dessen «Onkel die meisten katholischen Kirchen Deutschlands gebaut hat, viele davon im brutalistischen Stil» (die Identität dieses Onkels konnte ich nicht auf die Schnelle klären).
Seine Meinung: für die Rekonstruktion historischer Gebäude und Altstädte setzen sich besonders häufig Rechtsradikale ein, darum «sollten [wir] ganz genau beobachten, mit wem wir da eigentlich Stadtpolitik betreiben. Und dafür wäre ein Rekonstruktions-Watch wichtig.»
Das heißt letztlich, die Wiederherstellung historischer Gebäude und Altstädte sei wegen der Beteiligung von Rechtsradikalen anrüchig, darum sollte man sie ihnen ganz überlassen – anstatt daß kulturell engagierte Bürger sich für die Wiederherstellung alles Wiederherstellenswerten so einsetzen, daß Rechtsradikalen dort kein Raum bleibt, sich hervorzutun.
Entblößend ist seine Antwort auf die Frage: «(in einem brutalistischen Betonhochhaus) Können Sie verstehen, dass viele Menschen solche Gebäude hässlich finden?» Der Professor: «Schönheit oder Hässlichkeit sind Begriffe, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Sobald etwas hundert Jahre alt ist, finden wir es schön. Da setzt dann automatisch ein Romantisierungsprozess ein.»
Abgesehen davon, daß längst nicht alles Frühere uns schön erscheint, von den Häßlichkeiten der alten Zeit aber eben nicht so vieles erhalten worden ist: die berechtigte Aussage, Schönheit oder Hässlichkeit seien Begriffe, die von der Wissenschaft noch nicht wirklich verstanden sind, formuliert er so um, daß es klingt, als sei Schönheit bedeutungslos. Nur: wenn dem so wäre, wozu brauchte man dann noch Professoren für Architektur und Kulturtheorie und Institute für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen? Bauingenieure, die für Statik und Benutzbarkeit einstünden, würden ausreichen.

Darum, den Begriff der Schönheit zu verstehen, haben wir uns bereits unter dem Patrocinium der heiligen Ewald & Ewald bemüht (und weiteres entdeckt).

Mittwoch, 15. August 2018

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und „Pussy Riot“

Ein oberflächlich begründetes Urteil mit doppeltem Boden ist ergangen.
Der Chronist von Orietur Occidens arbeitet die Sommerpause auf.

Samstag, 11. August 2018

Erstes Erleben der "Alten Messe"

Eindrücke eines (menschlich und katholisch "normalen" und intelligenten) Menschen, der zum ersten mal die Messe im Ordo Originis erlebt hat:

"Heute Morgen habe ich erst einmal gekämpft, ob ich überhaupt losfahren soll. Irgendwie erschien es mir überflüssig und vor allem mit einer gewissen Ablehnung. Dann habe ich gedacht: ich wollte wirklich einfach mal wissen, „wie es ist“… Hin und wieder hört man davon und ich habe eigentlich keine Ahnung (auch nicht, um es fundiert abzulehnen) – mit der Motivation bin ich gefahren.

Schon auf der Fahrt war mir dann aber klar, dass das nicht geht, sondern ich wollte – so gut es für mich ging – die hl. Messe wirklich mitfeiern.

Vom ersten Moment an, mit dem Einzug, war ich in die Liturgie hineingenommen – ich glaube, das ist das richtige Wort. Von Papst Benedikt gibt es ein Wort: die Eucharistie ist der Himmel auf Erden – (oder so ähnlich formuliert). Und genau das war mein Erleben und das ganz große Geschenk dieser Feier. In der Wandlung ist Christus für mich spürbar gegenwärtig geworden. (...) Wie schon gesagt, ich wäre gerne zur Kommunion gegangen aber es war eigentlich nicht nötig. Christus war so lebendig da, auch in mir da, dass alles stimmig war. Himmel und Erde haben sich berührt – und ich habe nichts getan!!! Es war einfach Geschenk Gottes an mich.

Ab dem Vater unser habe ich im Grunde „durchgeheult“ und kann nicht mal wirklich sagen, warum. Normalerweise reagiere ich gar nicht sooo gefühlsbetont (und kann es vor allem bremsen). Es war, als ob mein ganzes Ringen und Kämpfen… „aufgelöst, aufgehoben“ wurde, Christus – den ganzen Himmel - so nah, so lebendig spüren zu dürfen, das ist nicht mit Worten zu beschreiben. Eine Art „himmlische Liturgie“.

Und ich muss nicht mal alles verstehen – gut, ich muss schon wissen, „wo“ wir sind aber dann reicht es, mich in das Geschehen, in die Liturgie fallen zu lassen.

Ich werde wohl noch länger brauchen, dieses Geschenk ganz auszukosten. Ich habe so absolut gar nicht mit dieser Reaktion, mit diesem Geschenk… gerechnet.

Mit ist schon klar, dass ich diese Liturgie nicht jeden Tag möchte. Aber mir fehlt auch noch zu viel Hintergrund, verstehe einzelne Handlungen, Gesten… einfach nicht. Ist es z.B. nicht gleich, ob das Messbuch auf der rechten oder linken Seite liegt? Die vielen Kniebeugen und Kreuzzeichen, vor allem des Messdieners – und zwar nicht in Richtung Tabernakel… Oder warum betet der Priester das Vater unser alleine? Warum wird fast durchgängig gekniet….

Mittwoch, 8. August 2018

Als Gast der letzten Tage

– der letzten Tage eines bedeutenden, vor wenigen Jahren noch hoffnungsträchtigen und jetzt untergehenden Klosters.
Der Chronist von Orietur Occidens hält die Laudatio.

Montag, 30. Juli 2018

«Religion oder ...»

Unter diesem Titel streitet Claudia Sperlich gegen eine Trennung von Christus und Kirche, gegen die Behauptung, letztere sei «Religion» und zu verwerfen.
Die Autorin widerlegt diese Behauptung mit schöner Klarheit. Dabei konzentriert sich ganz auf deren einen, freilich besonders wichtigen Aspekt: man könne Christus trennen von der Kirche oder auch vom Glaubensleben des Alten Bundes – das ist in der Tat abwegig und unchristlich.
Doch hat jene Behauptung noch einen zweiten Aspekt. Es geht um den Begriff der Religion – es könnte ja jemand sagen, die Ablehnung von Religion sei berechtigt, nur die Ausweitung dieses Begriffs auf Kirche und Tempel sei falsch.
Doch diese Ablehnung von Religion bezieht sich ausdrücklich (Claudia Sperlich zitiert es) auf Karl Barth. Ihr liegt eine radikal protestantische Sicht zugrunde, die jeden «sogenannten guten Kern im Menschen» leidenschaftlich ablehnt; sie leugnet jeden Sinn darin, daß der Mensch selber Gott sucht, und erst recht jede eigene Möglichkeit des Menschen, Gott zu erkennen – ebendas wäre dann „Religion“.
Aber das I. Vaticanum (Constitutio dogmatica de fide catholica, cap.2: De revelatione; KKK. 36) hat völlig anders gelehrt – ganz im Sinne der Heiligen Schrift (Weish. 13, 1-9; Röm. 1, 18-20): «Die heilige Mutter Kirche hält fest und lehrt, daß Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen gewiß erkannt werden kann.»
Und von Papst Pius IX. (Encyclica Quanto conficiamur moerore) wissen wir, «daß die, die an unüberwindbarem Unwissen um unsere heiligste Religion leiden und die das Naturgesetz und seine Gebote, die in aller Herzen von Gott eingeprägt sind, eifrig zu beachten bereit, ein ehrbares und richtiges Leben führen, durch das Wirken der Macht des göttlichen Lichtes und der Gnade das ewige Leben erlangen können, weil Gott, der aller Sinn, Gemüter, Überlegungen und Haltungen einfach betrachtet, prüft und erkennt, seiner höchsten Güte und Milde gemäß keineswegs duldet, daß jemand mit ewigen Strafen bestraft würde, dem keine freiwillige Schuld vorzuwerfen ist.»
Der katholische Glaube steht für Religion ein; und er erkennt zwar nicht andere Religionen an, wohl aber die religiöse und moralische Suche von Nichtchristen.

Woher kommt der Segen?

Diese Frage stellt sich dem Chronisten von Orietur Occidens (oder vielmehr: wird ihm durch liturgischen Einfallsreichtum gestellt) binnen kurzer Zeit nun zum zweiten Mal.

Samstag, 21. Juli 2018

Der Tag der Meßfeier

Der Herr hat «der Kirche ein sichtbares Opfer hinterlassen, durch das jenes blutige, das [nur] einmal am Kreuz zu vollziehen war, gegenwärtig gemacht wird» (Cc. Trid., Sessio XXII, Cap. 1; KKK 1366).
So feiert die Kirche Tag für Tag, vor allem aber an jedem Sonntag, die Messe, die Eucharistiefeier; Qurbana, Opfer nennen die syrischen Christen sie bis heute.

Aber warum am Sonntag? Der Tag des Kreuzesopfers war ja der Freitag.

Und doch ist von Anfang an der Sonntag der hauptsächliche Tag der Meßfeier. Schon in der Apostelgeschichte ist er bezeugt (20, 7); und in der Didaché, jenem Glaubensbuch, das wohl schon aus dem I. Jahrhundert stammt, steht es ausdrücklich, verstärkt durch einen Pleonasmus: «Katà kyriakèn dè Kyríou synachthéntes klásate árton kaì eucharistésate, proexomologesámenoi tà paraptómata hymôn, hópos katharà he thysía hymôn êi – Jeweils am Herrentag [Sonntag] des Herrn kommt zusammen, brecht Brot und dankt, nachdem ihr zuvor eure Sünden gebeichtet habt, damit euer Opfer rein sei» (14).

Der Freitag ist der Tag des Todes Christi. Doch Er ist auferstanden, seinen toten Leib gibt es nicht mehr. Was wir in der Kommunion empfangen, ist der Leib des lebendigen Herrn. Der Seher der Apokalypse sieht ein Lamm wie geschlachtet in der Mitte des Thrones stehen (5, 6), lebendig. Daher ist der natürliche Tag der Meßfeier der Sonntag, an dem Er auferstanden ist.

N.B. Kommunion: auch diese Bezeichnung – koinonía, communicatio (die längere Form des Wortes) – findet sich schon im Neuen Testament, verbunden mit Brotbrechen, jenem urchristlichen Ausdruck für die Meßfeier (Apg 2, 42; I. Cor. 10, 16).

Mittwoch, 11. Juli 2018

Ein Zaun um den Unglauben

Ein bekannter Topos moderner Bibelwissenschaft ist, daß die synoptischen Evangelien erst nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 geschrieben worden sein könnten, weil sie von Jesu Vorhersage dieses Ereignisses berichten (Mtth. 24; Mc. 13,1; Lc. 21,5 ff.), welche ein Vaticinium ex eventu sei.
Daß das sachlich nicht gerechtfertigt ist, ist schon von vielen aufgezeigt worden (im Netz etwa aus dem Hollerbusch). Nur: was ist das Motiv für diesen Topos?
Er setzt offenkundig voraus, daß der Glaube der Evangelien unwahr sei, daß es also auch keine echten Prophezeiungen Jesu geben könne. Daß nun glaubensferne Ansichten leichter zu begründen sind, wenn man die Evangelien spät datiert, den zeitlichen Zusammenhang zwischen den Aposteln und den Evangelien aufreißt, leuchtet ein. Aber deshalb auf solch ein schwaches Argument zurückgreifen?
Wenn ein unvoreingenommener nichtchristlicher Wissenschaftler, ein Parse etwa, ein Hindu- oder Shintoist oder auch ein unvoreingenommener Agnostiker die Evangelien studierte, so ginge er wohl nicht von einer echten Prophetie Jesu aus. Doch er sähe: es wurde angezweifelt, ob man dem Kaiser überhaupt Steuern zahlen dürfe (Mtth. 22,17; Lc. 20,22); man verabscheute es, von römischen Soldaten zur Begleitung verpflichtet zu werden (Mtth. 5,41 – angareúein ist ein militärrechtlicher Fachausdruck; vgl. 27,32; Mc. 51,21); einer der Apostel – Simon – war ein Zelot, ein Widerstandskämpfer. Daß es unter diesen Umständen zu einem Aufstand gegen Rom kommen könnte, daß ein solcher mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Heiligtums der jüdischen Nation enden könnte, lag nicht ferne – daran konnte auch ein Mensch ohne prophetische Eingebung denken.
Warum also nicht auch Jesus?
Das rabbinische Judentum hat einen „Zaun um das Gesetz“ errichtet, der die Einhaltung der Gebote dadurch sichern soll, daß sie weit über ihren eigentlichen Inhalt hinaus ausgedehnt werden. So wurde das Verbot, das Böcklein in der Milch seiner Mutter zu kochen (Ex. 23,19; 34,26; Deut. 14,21), so ausgedehnt, daß Fleischiges und Milchiges nicht zugleich bei einer Mahlzeit gegessen werden dürfen.
Ähnlich hält es der Unglaube. Er verbietet, mit echten Prophezeiungen Jesu zu rechnen. Aber um ihn zu schützen, hat man noch einen Zaun um ihn aufgerichtet: es darf nicht einmal angenommen werden, daß Jesus recht naheliegende Voraussagen gemacht haben könnte.

Mittwoch, 4. Juli 2018

Ethologie

oder Verhaltensforschung, durch Konrad Lorenz in Deutschland popularisiert, die tierisches Verhalten beschreibt, wird gerne auch gleichsam als Erklärung für menschliches Verhalten herangezogen (was nicht in jeder Hinsicht, wohl aber verallgemeinert, gleichsam zur Grundlage der Psychologie, zu beanstanden ist).
Nun bin ich beim „Gugeln“ nach einem ganz anderen Text auf einen fast zehn Jahre alten Zeitungsartikel von Helmut Höge „über natürliche und politische Ökonomie“ gestoßen, der auf eine ganz Seite verweist: Ethologie ist oft die Projektion politischer Ideologien auf tierisches Verhalten.

Samstag, 30. Juni 2018

Eine vollkommene barocke Altaranlage

fand in einer oberfränkischen Kleinstadt der Chronist von Orietur Occidens: Grund, sie zu zeigen. ihre Besonderheit zu beschreiben, aber auch Anlaß, einen Kontrast anzumerken.

Wieder in der Kirche der Gottesgebärerin Maria und der heiligen Schmuni

Wieder in der Kirche, von der wir vor mehr als sechs Jahren berichtet haben.
Der Priester: Arbeiterpriester aus der Not heraus – die Gemeinde könnte nicht gut den Unterhalt eines Priesters tragen. Der Chor der Diakonissen: nicht da – er ist anderswo geladen.
Welche Bedeutung hat das für die Liturgie? Keine: Liebe und Einsatz des Priesters und aller Beteiligten trägt die Zelebration der Messe in ihrer unverkürzten Feierlichkeit.