Samstag, 16. Januar 2021

Warum wir der alten deutschen Rechtschreibung folgen

– hier ist es begründet, unter dem Thema des Triumphzugs der Dummheit durch unsere Kulturlandschaft, auf einer Seite, auf der auch dargestellt ist, was eigentlich abendländisch ist.

Und: ex Oriente lux – damit auch das Morgendland gebührende Erwähnung findet:
Das Wort „téktōn“ wird ins Deutsche üblicherweise mit „Zimmermann“ übersetzt. Und so sieht man auf deutschen Bildern der Heiligen Familie oft eine Werkstatt mit Säge und Hobel. Aber Joseph war kein Schreiner, er war Tekton. Was aber war die Arbeit eines Tekton im alten Galiläa? Da unmittelbare Zeugen nicht mehr befragt werden können, habe ich versucht, einer Antwort näherzukommen, indem ich Aramäer aus einer benachbarten Landschaft gefragt habe.

Mittwoch, 13. Januar 2021

Taufe des Herrn

Bis ins XVII. Jahrhundert war der heutige Tag, der Oktavtag von Epiphanie gebotener Feiertag, dem Gedenken der Taufe des Herrn gewidmet.
Heute noch festlich begangen und dankenswerterweise von dort übertragen wird er in Le Barroux; so kann ich ihn ein wenig mitfeiern.

Montag, 11. Januar 2021

Corona und Gesang

Von verschenkten Chancen: «.. Wenn die eigene Inbrunst so untrennbar ans Singen unliturgischer Texte gebunden ist, dass ich ohne sie meine, die Messe sei nicht wirklich vollständig, dann ist man von mündigem Mitvollzug weiter entfernt als damals, als man noch unschuldig Rosenkranz während der Messe hat beten können. ...»

Freitag, 8. Januar 2021

Segnungsfeiern für Verbindungen der besonderen Art

«Was passiert, wenn Paare ihre Beziehung unter den Segen Gottes stellen wollen, eine kirchliche Trauung aber nicht möglich ist?» – gemeint ist: wenn Paare den Segen der Kirche für Verbindungen wünschen, die den Geboten des Herrn widersprechen. Lange Zeit war es klar, wie die Kirche da vorgegangen ist: sie hat zur Umkehr aufgerufen. Jetzt aber verbreitet katholisch.de eine andere Idee: «Ein Buch stellt Abläufe für Segnungsfeiern zusammen».
Daß dann noch hinzugefügt wird: «die in der Praxis so gefeiert werden,» ist ebenso sachlich richtig wie beunruhigend.

Dienstag, 5. Januar 2021

Das Menschenrecht auf Leben

Die Richterin Nancy Poser in einem Interview (Richterin über Triage: „Wir werden als Erste geopfert“. taz vom 23.12.2020): «Und da hat aber das Bundesverfassungsgericht ganz klar gesagt: Das geht nicht. Ich darf selbst den totgeweihten Leuten im Flugzeug ihre Überlebenswahrscheinlichkeit, so minimal sie auch sein mag, nicht nehmen, um andere zu retten, weil ich sie damit zum Werkzeug degradiere und ihnen so die Menschenwürde nehme. Mit diesem Grundsatz bin ich auch groß geworden, als Mensch und als Juristin. Ich habe seit dem ersten Semester Jura gelernt, dass man Leben nicht gegen Leben abwägen kann, egal welche Chance man diesem Menschenleben beimisst.»
Wenn diesen hehren Grundsatz unseres Verfassungsrechts auch auf ungeborene Kinder angewendet würden ...

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Morgengrauen um 10 Uhr morgens?

„Mitternachtsvorlesungen“ wurde unter Studenten Vorlesungen genannt, die um acht oder neun Uhr früh begannen. So sehr solchem Lebensgefühl auch zuzustimmen ist: chronologisch ist das nicht richtig.
Doch nun hat am Weihnachtstag solch ein Lebensgefühl in unserer Kirche die Oberhand gewonnen.

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Rorate-Messen

durchziehen heute den Advent.
Was ist ihr Ursprung? Und wann wollen sie zelebriert werden?

Lehren aus dem Advent unter dem Regime der Viren

1. In Kirchen des byzantinischen Ritus (und auch orientalischer Riten) ist es üblich, daß ein kleiner Chor singt, an nichtstaatlichen Feiertagen manchmal nur drei Sänger. Und: es klingt, nichts fehlt; die Gemeinde fühlt sich durchaus nicht unbeteiligt. Nun singt auch in unseren westlichen Kirchen nur eine Schola. Und: es klingt. Selber singen kann ich zu Hause.
2. Neue virologische Erkenntnis, die den Virologen entgangen ist: Wenn wer schweigt (der Zelebrant etwa), auch wenn er ganz alleine da steht oder sitzt, muß er einen Atemschutz tragen. Wenn er aber spricht, ist der nicht mehr so wichtig; er kann ihn dann solange abnehmen. (Habe ich da etwas falsch gemacht? – auch bei einem einstündigen Vortrag habe ich das Ding aufbehalten.)
3. Hellgrünblauer Atemschutz zu violettem Ornat: das geht nicht (gelber auch nicht).
4. Traditionelle Adventspräfation, wie sie etwa in Le Barroux gesungen wird.

Freitag, 18. Dezember 2020

.. und morgen früh die Liturgie des Quatembersamstags

mit ihren fünf alttestamentlichen Lesungen.
So ärgerlich das Confinement auch ist, so traurig dessen Anlaß, es bringt uns doch den Nutzen, daß wir wieder – wie seinerzeit schon ausführlich besprochen – im Netz an den Messen von Le Barroux teilnehmen können. Da bei uns in Deutschland die Messen in unseren Kirchen weiterhin zugänglich sind, wenn auch mit begrenzter Teilnehmerzahl, ist das für die meisten und so auch für mich in der Regel nicht von Bedeutung; doch an den festlichen Quatembermessen teilzunehmen (morgens im Anschluß an die Terz um halb zehn) lasse ich mir nicht entgehen, und ebensowenig, bei den Vespern mitzusingen, in denen in diesen Tagen die O-Antiphonen in ihrem natürlichen Biotop erscheinen.
Anmerkung: die Freude an der Quatemberliturgie ist natürlich nur vollkommen, wenn man an diesen Tagen auch fastet.

Freitag, 4. Dezember 2020

„Generisches Maskulinum“ – gibt es das?

Seit Jahren gibt es die Forderung nach „geschlechtergerechter“ oder „geschlechtsinklusiver“ Sprache, gibt es Formen mit „Innen“, „_innen“, „*innen“ und „:innen“. Dem wird entgegengehalten, das sei nicht nötig dank des „generischen Maskulinums“; darauf wird erwidert, das gebe es gar nicht.
Grundsätzlich besprochen wurde anderswo die Frage schon vor mehr als drei Jahren: Dichterin oder Dichter? Zum generischen Maskulinum.
Wir nun haben uns darangemacht, die Frage von dem her, was die Bedeutung der Sprache bestimmt, nämlich vom wirklichen Sprachgebrauch her zu untersuchen.

Mittwoch, 25. November 2020

Abendländische Werte, zu verteidigen gegen falsche Freunde

Eine dumme (und böswillige) Äußerung einer Kolumnistin, die als „konservativ“ gehandelt wird und „westliche Werte“ zu verteidigen vorgibt, hat Anlaß zu Überlegungen über falsche Freunde des Abendlands und über den Begriff „konservativ“ gegeben.
Orietur Occidens, die „Interessengemeinschaft Abendland“, nimmt Stellung.

Montag, 23. November 2020

Nachlese zum Krieg gegen Karabach

Berg-Karabach-Konflikt: Warum Armenien vom Westen verraten wird. Eine Kolumne von Wolfram Weimer:
«Menschenrechtsorganisationen berichten von Streubomben gegen die Zivilbevölkerung, von gezielten Angriffen auf Krankenhäuser und Kirchen, weil sie christliche Kreuze trugen. Kriegsgefangene Armenier sollen gefoltert und dabei gefilmt worden sein. ... Videos von Hinrichtungen haben die Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet, zu einem Alarmruf veranlasst ...
... Man müsse die Region „von den Ungläubigen befreien“, hat Erdogan den Religionskrieg ausgerufen.»

Donnerstag, 19. November 2020

Die Türkei will Truppen nach Bergkarabach schicken

Armenier verlassen ihre Häuser, viele von ihnen gehen wohl der Obdachlosigkeit entgegen, bevor dem Waffenstillstandsabkommen nach aserbaidschanische Truppen einrücken. Währenddessen hat die Türkei beschlossen, Truppen zur Überwachung der Waffenruhe nach Bergkarabach schicken – der Waffenruhe nach einem Krieg, den sie selber mit vorangetrieben hat.
Zur Erinnerung: Nach ersten Ansätzen seit 1895 hat der türkische Staat seit 1915 einen Völkermord an Armeniern und Aramäern verübt, dem wohl weit über eine Million Christen zum Opfer fielen, den aber die Türkei bis heute leugnet. Als nach dem I. Weltkrieg das türkische Reich aufgeteilt wurde, blieben die neugeschaffenen arabischen Länder wie Syrien, der Iraq, Palästina und Transjordanien, die zunächst französisches oder englisches Mandatsgebiet wurden, frei (ausgenommen der syrische Sandjak Alexandrette, der schließlich doch wieder annektiert wurde), während andererseits die Türkei nicht nur die zuvor türkisch beherrschten Gebiete der vom Friedensvertrag von Sèvres anerkannten Republik Armenien zurückeroberte, sondern darüber hinaus auch zuvor zum Zarenreich gehörende armenische Gebiete bis hin zum Araxes, so daß der Ararat, der heilige Berg Armeniens, nun für Armenier zwar noch zu sehen, aber nicht mehr zugänglich ist.
Siehe auch: zwei (1.) - (2.) Nachträge

Dienstag, 17. November 2020

„Islamistische“ Morde

Für den Lehrer, der im Unterricht die berüchtigten Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte und daraufhin ermordet wurde, hat der französische Präsident eine Trauerrede gehalten, in der er ihn als «die Inkarnation der Republik» bezeichnete, «weil er seinen Schülern beibringen wollte, wie man zu Bürgern dieses Landes wird. Wofür Samuel Paty kämpfte: Republikaner hervorzubringen.»
Dieser Mord war ein zutiefst verwerfliches Verbrechen; nur: was hatte der Unterrichtsgegenstand, den dieser Lehrer behandelt hatte, damit zu tun, «zu Bürgern dieses Landes» zu werden», «Republikaner hervorzubringen»?
Warum bei der berechtigten Empörung darüber ein unangenehmer Beigeschmack bleibt, haben wir in unserer Chronik ausgeführt. Nun aber bin ich auch auf einen Zeitungsartikel eines durchaus selber laїzistischen Autors gestoßen, der die Haltung des Präsidenten und seiner laїzistischen Gesinnungsgenossen beschreibt – er paraphrasiert: «Frankreich versteht sich dabei als Leuchtturm der republikanischen Idee, als Nation der Menschenrechte» und bezeichnet die zugrundeliegende Idee offen als die «eines aufgeklärten, offenen, humanistischen und atheistischen [!] Westens» – und stellt dann dieser Vorstellung einer in der französischen Republik sich manifestierenden «Nation der Menschenrechte» sehr ausführlich die Wirklichkeit der Geschichte dieser Republik gegenüber von den antichristlich begründeten Massakern an den katholischen Bauern in der Vendée über die rassistische Begründung des französischen Kolonialismus bis zu dessen Massakern, bis zu deren letztem 1961 an friedlich demonstrierenden Algeriern in Paris.
Angemerkt sei: natürlich hat die Kolonialherrschaft auch Gutes gebracht, so die Befreiung von den Sklavenjägerstaaten Westafrikas; aber das rechtfertigt nicht das in diesem Artikel beschriebene Vorgehen der Kolonialmacht.

Samstag, 14. November 2020

Das Kirchenjahr

Es mangelt nicht an Literatur über das Kirchenjahr und ebensowenig an Übersichten und Tabellen. Doch zugleich sind sie von einer störenden Unvollständigkeit, die sogar für die Wissenschaft Folgen zeigte. So meinte der große Camillus Callewaert zu erkennen – und darin folgten ihm sehr viele –, daß Duplex-Feste nicht etwa, wie es liturgische Praxis war und bis dahin allgemein angenommen wurde, die Feste seien, in denen die Antiphonen doppelt, vor und nach den Psalmen und Cantica, gesungen wurden, sondern die, die nach altem römischem Brauch doppelte Vigilien hatten, zusätzlich zu den nächtlichen noch abendliche.
Ein Vergleich des Ordo des Laterans mit Durands Rationale Divinorum Officiorum, der ältesten Quelle, die die Duplex-Feste auflistet, hätte genügt: bei Durand erscheinen als Duplex-Feste die, die im Lateran doppelte Antiphonen haben, nicht die, die doppelte Vigilien haben.
Schon seit mehr als einem Jahr stehen bei uns Tabellen im Netz, die das aufzeigen, die sich um Vollständigkeit bemühen. Doch diese Tabellen bedurften noch einiger Ergänzungen und Präzisierungen. Die sind nun geschehen; so lohnt ein neuer Blick auf unser Tabellenwerk.
Ebenfalls seit mehr als einem Jahr steht, im Anschluß daran, der Artikel des E&E-Heftes 23 im Netz, der das Kirchenjahr als System darzustellen sich bemüht, wie es sich von den Anfängen an in der ganzen Kirche des Ostens und Westens und im besonderen im Raum des römischen Ritus entwickelt hat. Auch hier zeigte es sich, daß zu dem Artikel einige Ergänzungen wünschenswert waren; so habe ich jetzt an St. Martin einen Satz über das Martinsfasten hinzugefügt. Diese Ergänzungen sind nun – gekennzeichnet – seiner html-Fassung eingefügt.
Während sich das Kirchenjahr bis zu Beginn der Neuzeit nur ganz allmählich entwickelt hatte und im wesentlichen bestehen blieb, kam es seither zu einer immer größeren Menge von Veränderungen, die schließlich dazu führten, daß das ganze System ins Wanken geriet und dann grundlegenden Novellierungen unterzogen wurde. Diese Veränderungen als System, mit ihren Ursachen darzustellen ist das Thema des Anschlußartikels im E&E-Heft 24. Auch der ist nun in html-Fassung ins Netz gestellt.

Waffenstillstand und Hoffnung auf Frieden

Ein Waffenstillstand für fünf Jahre, von russischem Militär überwacht – das gibt Hoffnung auf Frieden. Ein bitterer Friede für Armenier: Schuschi (russ.: Schuscha), früher die bedeutendste Stadt der Region, ist den Eroberern zum Opfer gefallen; der Angriffskrieg hat sich für sie ausgezahlt. Aber dennoch: Friede ist besser als das Unheil weiteren Krieges.
«Vor Ausbruch des Krieges im Jahr 1988 waren circa zwei Drittel der Einwohner Schuschis aserbaidschanisch», lese ich; und anderswo steht ähnliches. Doch in Meyers Konversationslexikon von 1907 steht s.v. Schuscha über die Einwohner der Stadt: «meist Armenier». 1916 seien es laut Wikipedia noch 53,3 % gewesen, bis es 1920, vor allem durch « aserbaidschanische und türkische Armeesoldaten», zum Pogrom gegen die armenischen Bewohner kam, das «zu deren weitgehender Auslöschung» führte. «Die Armenierviertel der Stadt Schuscha wurden dabei vollständig zerstört» (Wikipedia s.v. Schuscha-Pogrom).
1992 von Karabach erobert, ist Schuschi nun wieder in aserbaidschanischer Hand.
Rußland wird von der EU sanktioniert – aus durchaus guten Gründen; aber nicht weniger Grund gäbe es, die Türkei und Aserbaischan zu sanktionieren. Doch «Deutschland blockiert europäische Sanktionen gegen Ankara» (Telepolis). «Noch Ende Oktober hatte Außenminister Heiko Maaß erklärt, die internationale Gemeinschaft werde eine militärische Lösung im Konflikt um Bergkarabach nicht akzeptieren» (tagesschau.de); und nun hat diese «internationale Gemeinschaft» durch Untätigkeit dafür gesorgt, daß Aserbaidschan die Früchte seines militärischen Vorgehens einbringen kann. Das einzige Land aber, von dem Armenien und Bergkarabach überhaupt irgendwelchen Schutz erwarten können, ist Rußland.

Nachtrag aus Tigran Petrosyan: Krieg aus der Ferne:
«Nach der Sowjetisierung des Südkaukasus gliederten die Kommunisten am 4. Juli 1921 Bergkarabach in die armenische Sowjetrepublik ein. Als Antwort darauf protestierten die aserbaidschanischen Vertreter in Moskau und meldeten ihren Anspruch auf Bergkarabach an. Am nächsten Tag schlug Josef Stalin Bergkarabach als armenisches Autonomiegebiet der Sowjetrepublik Aserbaidschan zu.»
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«Das Jahr 1988 sei ein einziger Horror gewesen. .... Immer die Bilder der Stadt Sumgait im Kopf, wo Armenier*innen totgeschlagen und vertrieben worden waren.
„An einem Abend kam meine Schwester weinend zu uns und berichtete, dass eine Gruppe aserbaidschanischer Männer in ihr Haus eingebrochen sei und die Möbel zerhackt habe“, erzählt M... Ärzte durften Armenier*innen nicht mehr in den Klinken behandeln. Schwangere entbanden in Kirchen. ...
Sie erinnert sich aber auch an gute aserbaidschanische Nachbarn, die mit den Armeniern gemeinsam nachts draußen Wache hielten und ihnen bei der Flucht halfen.»

Donnerstag, 5. November 2020

Islamistische Gewalttäter in großer Zahl aktiv

Islamistische Gewalttäter sind in großer Zahl – Rußland schätzt: zweitausend – als Söldner Aserbaischans in Karabach aktiv. Aserbaischan macht immer größere Eroberungen, Bergkarabachs Hauptstadt Stepanakert wird immer weiter durch aserbaidschanischen Beschuß auf zivile Ziele zerstört.

Dienstag, 3. November 2020

Der Eroberungskrieg schreitet fort

Aserbaidschan will Bergkarabach vollständig mit seinen Truppen in seine Gewalt bringen, erklärte jetzt Diktator Ilham Alijew der staatlichen Nachrichtenagentur Azertag zufolge. Das von Armeniern besiedelte, aber von der Sowjet-Union Aserbaidschan zugeteilte Bergkarabach hatte sich nach Massakern an Armeniern in Aserbaidschan und dann auch in Karabach selbst von Aserbaidschan befreit und sich für unabhängig erklärt. Wenn, wie zu befürchten ist, der Plan des aserbaidschanischen Diktators ausgeführt wird, so muß die armenische Bevölkerung von Bergkarabach mit neuen Massakern rechnen – der Haß ist in den letzten Jahrzehnten keineswegs geringer geworden. Und daß die Türkei, die den eigenen Völkermord an den Armeniern immer noch leugnet, fest auf Seiten Aserbaidschans steht, läßt erst recht die Hoffnung schwinden. Das heißt, daß ein Strom von mehr als hunderttausend Flüchtlingen aus Bergkarabach und den umliegenden Gebieten zu erwarten sein wird.
Daß Bergkarabach völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, ist immer wieder zu lesen. Das ist richtig: infolge eines Beschlusses der sowjetischen Staatsführung gehört das seit alter Zeit ganz überwiegend von Armeniern besiedelte Karabach völkerrechtlich zu Aserbaidschan, ebenso wie Nordzypern, das einen türkischen Bevölkerungsanteil hatte, völkerrechtlich zu Zypern gehörte, als es vom türkischen Militär für die Gründung eines türkischen Staates freigekämpft wurde (die Übergriffe des griechisch-zypriotischen Putschistenführers Nikos Sampson gegen die türkische Minderheit lieferte freilich der damaligen türkischen Regierung guten Grund zum Eingreifen), ebenso wie das Kosovo völkerrechtlich zu Serbien gehörte, als es von der NATO freigekämpft wurde.
Haß erzeugt Haß; es schmerzt, zu sehen, daß es auch armenische Übergriffe gegen Aseris gegeben hat, daß auch die Armee Karabachs Wohnbauten zumindest mit beschossen hat, als sie militärische Anlagen unter Beschuß genommen hat.
Das ist nicht zu rechtfertigen; wenigstens beschönigt das niemand als „Kollateralschäden“, wie damals die NATO es bei ihrem Krieg ums Kosovo gegen Serbien tat. Doch der Haß, den die Gewalt der einen Seite auf der anderen Seite auslöst, entschuldigt nicht die Gewalt, die am Anfang stand. Und systematischen Beschuß ziviler Ziele, vor allem der Hauptstadt Karabachs, Stepanakert, gibt es jetzt anscheinend durch das aserbaidschanische Militär.

Als Phileirenos zu bloggen habe ich in Armenien, in Eriwan begonnen, um meiner Begeisterung Ausdruck zu geben über das, was ich mit armenischen Menschen erlebt habe. Und daß nun Armenier in einen Krieg gedrängt worden sind, der wohl Tausenden Menschen beider Nationen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit kostet und noch kosten wird, der noch viel mehr Menschen die Wohnung kostet und noch kosten wird durch Beschuß oder Vertreibung, das schmerzt.

Montag, 2. November 2020

Der Text des
„Großen Glaubensbekenntnisses“ im GL:
ein Mißverständnis

Im Allerheiligenhochamt wird dankenswerterweise das „Große Glaubensbekenntnis“ gesprochen, das Nicæno-Constantinopolitanum also. Es wird auf Deutsch gesprochen; und so steht der Gläubige wieder einmal vor dem Phänomen, daß im GL im lateinischen Text selbstverständlich „Credo“, „Confiteor“ und „exspecto“ steht, im deutschen aber „Wir glauben“, „Wir bekennen“, „Wir erwarten“.
Warum?
Man könnte natürlich an eine Mystifikation denken à la «In der Messe treten die Gläubigen als Gemeinde gemeinsam auf, also muß es „wir“ heißen, nicht „ich“». Aber gegen solch platte Erklärung steht, daß im deutschen Apostolicum richtig „Ich glaube“ steht. Es muß also einen anderen Grund geben.
Es dürfte dieser sein:
Das Nicæno-Constantinopolitanum ist zunächst als Bekenntnis und Lehrtext des Concilium Constantinopolitanum; es drückt dort also den für die Kirche verbindlichen gemeinsamen Glauben der Konzilsväter aus, darum heißt es dort: „Pisteúomen“, „Homologoûmen“, „Prosdokômen“, und das haben anscheinend die GL-Verfasser übersetzt. In der Messe aber ist das Glaubensbekenntnis gleichsam der Ausweis, durch den sich jeder Gläubige für die Teilnahme an der eucharistischen Liturgie legitimiert; darum heißt es dort notwendigerweise „Credo – Ich glaube“, „Confiteor – Ich bekenne“ und „exspecto – ich erwarte“. Und darum heißt es in der griechischen Liturgie selbstverständlich ebenfalls „Pisteúo“, „homologô“ und „Prosdokô“.

Samstag, 31. Oktober 2020

Kein deutsches Kriegsgerät in Spannungsgebiete – wohl aber nach Aserbaidschan

«Die ... KSZE ... hat aufgrund des Konflikts in der Kaukasus-Region Nagorny-Karabach mit Beschluss vom 28. Februar 1992 alle Teilnehmerstaaten ... ersucht, ein Embargo über alle Waffen- und Munitionslieferungen gegen die beiden Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan zu verhängen.
Nachdem kein ausdrückliches Ausfuhrverbot ... besteht, erfolgt die Umsetzung des Waffenembargos auf der administrativen Ebene, das heißt es werden keine Ausfuhrgenehmigungen für Güter ... der Ausfuhrliste für Ausfuhren nach Armenien / nach Aserbaidschan erteilt.»

Soweit der deutsche Zoll. Armenien gegenüber gelingt das auch; Aserbaidschan gegenüber aber sieht es anders aus.
Für «Kriegswaffen aus Deutschland» bleibt die Türkei «bester Kunde»; und die Türkei unterstützt Aserbaidschan im Eroberungskrieg um Karabach ganz massiv. Sodann ist Deutschland «Israels größter Waffenlieferant»; und: «Etwa 60 Prozent der Rüstungsimporte Aserbaidschans stammen aus Israel.»
Daher ist im Karabach-Konflikt auch deutsches Kriegsgerät zu sehen, freilich nur auf Seiten Aserbaidschans.

Dienstag, 27. Oktober 2020

Die – nicht mehr ganz – neuen E&E-Hefte

Und wieder: Quarantäne.
Der damaligen Seuchengefahr fiel im März die feierliche Entkorkung der E&E-Hefte zum Opfer; nur an schon bekannte Interessenten konnten wir Hefte verschicken.
Nun aber lädt die neuerliche Quarantäne dazu ein, die Hefte in anderer Weise zur Verfügung zu stellen.
♦ Der heilige Joseph war „Zimmermann“, wie das Wort „Tekton“ üblicherweise übersetzt wird. Was ist eigentlich die Arbeit eines „Zimmermanns“ im Morgenland – ein solcher beschreibt es.
♦ «Vom Zeitgeist» handelt ein «polemischer Essay».
♦ Wie Juden einen Zaun um das Gesetz bauen, so bauen gewisse Theologen einen «Zaun um den Unglauben»; wir beobachten ihren Bau.
Wer Hefte zugeschickt bekommen möchte, der melde sich; wer sich mit dem Heft im Netz begnügt, kann sie am Rechner lesen oder selber auszudrucken. Herzliche Einladung dazu!

Montag, 26. Oktober 2020

Musiker und Zelebrant

Die Quarantäne zwingt mich wieder einmal, an der Messe nur im Netz teilzunehmen. Wieder entscheide ich mich für die Famille Missionnaire de Notre-Dame. Sie zelebriert im Novus Ordo; doch ich habe den Eindruck, daß diese Feier im ordentlichen Usus dem Außerordentlichen näher steht als dem, was in unseren Pfarreien Usus ist.
Das weist mich auf die Frage, was den Unterschied zwischen wahrer Ars celebrandi und dem liturgischen Alltag ausmacht.

Montag, 12. Oktober 2020

Das jüdische Erbe im liturgischen Alltag

Während wir kürzlich, wieder einmal, reichlich Anlaß hatten, über katholisch.de zu nölen, war dort doch auch etwas Sinnvolles zu finden: «Wie Christen jüdisches Leben „normal“ sein lassen können», hieß es.
Der erste Satz – «Das Christentum verdankt sich der jüdischen Tradition» – ist zwar Unfug: das Christentum verdankt sich Christus. Aber der Hinweis «In jedem Sonntagsgottesdienst muss eine Lesung aus der jüdischen Bibel gelesen werden [gemeint ist der „ordentliche“ Usus] – oft wird sie „aus Zeitgründen“ weggelassen» und der Satz «Von Antisemitismus entsetzt sein und die alttestamentliche Lesung weglassen, die biblische Geschichte, den jüdischen Philosophen – das ist ein Widerspruch in sich» sind sehr berechtigt.
Schade nur, daß der Autor – es geht ja um den „ordentlichen“ Usus – nicht den Skandal der Leseordnung dieses Usus angesprochen hat – in kaum drei Wochen wird es uns ja wieder anspringen –, daß aus der Apokalypselesung des Festes (7, 2-14) die zwölf Stämme Israels (vv. 5-8) säuberlich herausgeschnitten sind, obwohl ohne ihre Aufzählung die Zahl „hundertvierundvierzigtausend“ (v. 4) kaum verständlich ist.
Siehe auch: Antijudaïsmus in der Liturgie?

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Was ist Laizismus?

Laizismus, das ist die Trennung von Staat und Kirche, wird hierzulande oft geantwortet.
Französische Laizisten sehen das anders. Ich zitiere aus Une religion pour la République von Vincent Peillon (Seuil 2010, hier nach den Auszügen von Alain Escada):

«La laïcité française, son ancrage premier dans l’école, est l’effet d’un mouvement entamé en 1789, celui de la recherche permanente, incessante, obstinée de la religion qui pourra réaliser la Révolution comme promesse politique, morale, sociale, spirituelle. Il faut pour cela une religion universelle : ce sera la laïcité. Il lui faut aussi son temple ou son église : ce sera l’école. Enfin, il lui faut son nouveau clergé : ce seront les hussards noirs de la République. – Der französische Laizismus, seine erste Verankerung in der Schule, ist das Ergebnis einer 1789 begonnenen Bewegung, der ständigen, unablässigen, hartnäckigen Suche nach einer Religion, welche die Revolution als politisches, moralisches, soziales, spirituelles Versprechen wird verwirklichen können. Dafür nötig ist eine universelle Religion: das wird der Laizismus sein. Dafür nötig ist auch ihr Tempel oder ihre Kirche: das wird die Schule sein. Schließlich ist dafür nötig ihr neuer Klerus: das werden die schwarzen Husaren der Republik sein.»
«Toute l’opération consiste bien, avec la foi laïque, à changer la nature même de la religion, de Dieu, du Christ, et à terrasser définitivement l’Église – Das ganze Vorgehen besteht nun darin, mit dem laizistischen Glauben das Wesen selbst der Religion, Gottes und Christi zu verändern und die Kirche endgültig niederzuwerfen.»

Nun ist Vincent Peillon nicht irgendwer; er war von 2012 bis 2014 der französische Minister für Bildung, Jugend und Sport.
Wenn nun – so hat er es am 2. Oktober erklärt – Präsident Macron die Schulpflicht für alle vom Alter von drei Jahren an (entwicklungspsychologisch gesehen eine Monstrosität) einführen will und Schulunterricht daheim strikt begrenzen will, insbesondere auf gesundheitliche Notwendigkeiten, um gegen «die Separatismen» anzugehen, so verstehe ich die Sorgen, die das französischen Katholiken bereitet.

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Abenteuer bei der Lektüre von katholisch.de

Der Regens des Limburger Priesterseminars hat eine Predigt gehalten, in der er auf breiter Front die Lehre der Kirche angreift. Eine Pfarrei hat sie auf Facebook veröffentlicht mit dem Kommentar «Eine beeindruckende Predigt», und katholisch.de berichtet darüber ohne (wen wundert es?) jedwede Distanz.
Nichts darin ist neu oder gar originell; dennoch seien ihr (zitiert aus katholisch.de) einige Bemerkungen gewidmet:
«.. Menschen, die nach einer Scheidung in einer neuen Beziehung leben: „Die beiden wollen nicht heiraten, sie wollen einen Segen. Ich darf nicht zu ihnen sagen: So ist es gut.“» – In der Tat nicht, denn, wenn es eine sexuelle Beziehung ist, so ist es nicht gut; das lehrt nicht nur die Kirche von heute, sondern schon das Evangelium (Matth. 5, 31 f.). («Es gibt hierzulande zwei Ansätze, gegen die Krise der Kirche anzugehen; der eine: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet – der andere: Weniger Christus, mehr Welt», hatten wir einmal geschrieben.)
«.. eines gleichgeschlechtlichen Paares, das sich in einer Gemeinde in vielfältiger Weise engagiert: „Segnen darf ich sie nicht.“» – Doch, er darf sie segnen, nur eben die einzelnen Menschen, nicht ihre Verbindung.
«Theologen, die für das Weiheamt der Frau argumentieren, würden mundtot gemacht.» – Wir erleben es Tag für Tag, daß diese Leute keineswegs mundtot sind; aber die Kirche darf natürlich Theologen, die gegen ihre Lehre reden, in der Kirche nicht das Wort geben.

In einem anderen Artikel wird dagegen raisonniert, daß Laien nicht in der Messe predigen dürfen. Nun, ich etwa könnte zu einem Lesungstext sinnvolle Dinge sagen, sinnvollere als manche Priester und Diakone; nur: ich habe nicht die Autorität dazu, daß als offizielle Verkündigung zu tun. Diese Autorität haben Priester und Diakone durch die Weihe, sie kommt vom Herrn, könnte mir also auch nicht durch eine Sondererlaubnis von einem Amtsträger gegeben werden.
«Zudem kommt es nicht selten zu der kuriosen Situation, dass ein Priester sich bei seiner Homilie einer publizierten Predigtvorlage eines Laien bedienen kann, dieser Laie dieselbe Homilie aber nicht vortragen darf.» – Das ist nicht kurios: wenn der Priester den Text des Laien für gut befindet, ihn sich zu eigen macht und vorträgt, dann ist es nicht mehr der Text des Laien, sondern der des Priesters (das geistige Urheberrecht spielt hierfür keine Rolle).
Grundlegender noch:
«„Wir müssen überlegen, was die Predigt ist, was sie soll und welche Kompetenz man für sie benötigt – unabhängig davon, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist.“ Auch Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hat bereits laut darüber nachgedacht, ob nicht auch begabte Nichttheologen in der Heiligen Messe die Heilige Schrift auslegen könnten.» – In der Tat sollte das überlegt werden; die Antwort: die Predigt ist nicht nur die Mitteilung von Inhalten, sondern Teil der Liturgie. Die Liturgie aber steht unter einem Gesetz, das die Tradition der ganzen Kirche festhält: die liturgische Funktion der Predigt kommt nur dem Priester oder Diakon zu; in den orthodoxen Kirchen ist es ebenso.

Montag, 5. Oktober 2020

Ein Vergleich: Bergkarabach und Kosovo

Diese Länder zeigen deutliche Übereinstimmungen:
 • Beide Länder waren autonomer Teil eines Nachbarlandes, Bergkarabach von Aserbaidschan, das Kosovo von Serbien.
 • In beiden Ländern gehört die Bevölkerungsmehrheit zu einer anderen Nation: in Bergkarabach sind es Armenier, im Kosovo Albaner.
 • Über Jahrzehnte waren die Gegensätze unter Kontrolle dadurch, daß die Staaten einem größeren Bundesstaat angehörten, Aserbaidschan zu Sowjet-Union, Serbien zu Jugoslawien.
 • Bei deren Zusammenbruch gab Gewalttaten von Seiten des Staatsvolks gegen die örtliche Bevölkerungsmehrheit.
 • Daraufhin erklärten sich beide Länder für unabhängig, 1991 Bergkarabach, 1992 das Kosovo.
 • Es kam zum Krieg, beide Seiten erhielten militärische Hilfe von außen.
 • Schließlich wurden beide Länder unabhängig.

Damit aber sind die Übereinstimmungen erschöpft; die Unterschiede sind groß:
 • Militärische Hilfe erhielt Bergkarabach nur vom kleinen Nachbarland Armenien, das Kosovo aber von der NATO.
 • Die Unabhängigkeit Bergkarabachs wird völkerrechtlich bisher nur von Armenien anerkannt; die des Kosovo aber, zunächst nur von Albanien anerkannt, wird, seit es 2008 noch einmal seine Unabhängigkeit erklärt hat, von den meisten westlichen Staaten anerkannt.

Ebenso unterschiedlich ist die Vorgeschichte:
 • Außerhalb der Zeiten der Besetzung durch Perser, Araber, Seldschuken waren Bergkarabach und angrenzende Gebiete immer von Armeniern regiert, bis schließlich ganz Transkaukasien zum russischen Reich kam. Das Kosovo demgegenüber war nie albanisch regiert, sondern mal serbisch, mal byzantinisch und auch bulgarisch, bis es zum Osmanenreich kam.
 • Die Bevölkerung in Bergkarabach und angrenzenden Gebieten war immer ganz überwiegend armenisch, während im Kosovo sich erst im XIX. oder XX. Jahrhundert eine albanische Mehrheit ergab, doch eine große serbische Minderheit bestehen blieb.
 • Beiderseitige Gewalttätigkeiten in der Zeit des Niedergangs und der Auflösung Jugoslawiens und der Sowjet-Union gab es auch im Kosovo (wobei Thema in der westlichen Presse vor allem die serbischen waren), Pogrome und Massaker großen Ausmaßes aber sind nur aus Karabach und Aserbaidschan gegen Armenier bekannt: so kam es 1990 zu einem Pogrom in Baku, 1992 in Bergkarabach zum Massaker von Chodschali und zu dem von Maraga.

Die Unabhängigkeit Bergkarabachs ist nicht weniger begründet, die Unabhängigkeitserklärung nicht weniger gerechtfertigt als die des Kosovo. Aber was folgte, ist sehr unterschiedlich: Das Eingreifen der NATO (mit einem nicht zu rechtfertigenden Bombenkrieg gegen Serbien) und diplomatische Anerkennung durch die meisten westlichen Länder: das hat dem Kosovo Sicherheit gegeben; Bergkarabach dagegen, nur von Armenien anerkannt, ist ohne Schutz einem von der Türkei unterstützten Eroberungskrieg ausgesetzt.
«Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte dem Nachbarland aber zuvor jede Art von Unterstützung zugesichert.» – «In einem offenen Brief an den türkischen Präsidenten schrieb der aserbaidschanische Staatschef, die offenen Worte Erdoğans hätten gezeigt, dass Aserbaidschan „nicht allein steht mit seinem gerechten Anliegen“, die eroberten Gebiete in und um Berg-Karabach herum zurückzugewinnen.» – «US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Kremlchef Wladimir Putin hatten gemeinsam eine sofortige Waffenruhe und einen Dialog gefordert. Während sich Armenien offen dafür zeigte, lehnte Aserbaidschan ab. Aliyew forderte die Rückgabe Berg-Karabachs ...» (SZ)

Nachtrag: siehe auch: Aschot L. Manutscharjan: Der Berg-Karabach-Konflikt nach der Unabhängigkeit des Kosovo

Mittwoch, 30. September 2020

Noch einmal: Krieg gegen Karabach

Wenn es zu Gewalttätigkeit, gar zu Krieg kommt, dann machen sich zumeist über kurz oder lang beide Seiten schuldig. Was alles bisher geschehen ist, läßt sich von außen kaum einschätzen.
Aber vieles spricht dafür, daß es eine Angriffskrieg ist, den Aserbaidschan zusammen mit der Türkei vorbereitet hat: «Allerdings hatte sich die erneute Eskalation auch durch türkisches Zutun angekündigt: Laut mehreren Berichten wurden zuletzt Hunderte türkische Kämpfer von Libyen und Syrien nach Aserbaidschan verlegt», lese ich in der Zeitung; und die Iraqi Christian Foundation weiß von Tausenden von Dschihadisten, Reuters hat von Söldnern aus Syrien erfahren.
«Erdoğan sagt, Armenien müsse sich zurückziehen aus aserischen Ländern», so Reuters – diese aserischen Länder sind armenisch besiedelte und in der Zeit vor der russischen Eroberung von armenischen Fürsten regierte Länder, die von der Sowjet-Union Aserbaidschan zugeschlagen wurden, aber als Autonomes Gebiet. Erst das unabhängige Aserbaidschan hat nach der Auflösung der Sowjet-Union diese Autonomie nicht mehr respektiert; es kam zu antiarmenischen Pogromen und darauf zur militärisch erkämpften Unabhängigkeit.

Dienstag, 29. September 2020

Krieg gegen Karabach

Was wäre wohl, wenn Serbien heute versuchte, das Kosovo wieder militärisch zu erobern? Anzunehmen ist, daß dann westliche Länder, die NATO etwa, energisch einschritten.
Heute versucht Aserbaidschan, Karabach militärisch zurückzuerobern. Rußland bemüht sich um Vermittlung, der UNO-Generalsekretär ruft zum sofortigen Ende der Kämpfe auf – sonst nichts.
Nein, ein Bombenkrieg, wie er damals gegen Serbien geführt wurde, um das Kosovo den Albanern zu überlassen, wäre unverantwortlich – so wie er damals unverantwortlich war. Aber dem reichen Ölland Aserbaidschan militärisch freie Bahn zu geben, Friedensbemühungen nur Rußland und dem nicht sehr mächtigen UNO-Generalsekretär zu überlassen, ist auch nicht annehmbar.
Jedenfalls verbindet das Kosovo sehr viel mehr mit Serbien als Karabach mit Aserbaidschan, dem es nur in der Sowjetzeit zugeschlagen worden war.

Montag, 28. September 2020

Als die Kirche im falschen „Paradigma“ gelandet war

In zwei Texten, die auf Settimo Cielo veröffentlicht wurden (auf den einen hatten wir bereits hingewiesen), führt Roberto Pertici, unter Berufung auf Carlo Galli und Eric J. Hobsbawm, die in der Zeit des II. Vatikanum sich ausbreitende Krise der Kirche auf einen kultur- und geistesgeschichtlichen Wandel zurück: eine konservative Kultur sei durch eine progressive verdrängt worden.
Im „konservativen Paradigma“ sei der Sinn des Lebens nicht das Glück; überindividuelle „Logiken“ wie der Tradition, dem Staat, der Nation, der Familie, aber auch der Kirche werde der Vorrang zugesprochen, an sie müsse sich der Einzelne anpassen. Opferbreitschaft, Ehre, Mut, Gehorsam, Treue seien die höheren Werte.
Dieser konservativen Kultur gegenüber habe dann eine progressive die Oberhand gewonnen, ein „moralischer Individualismus“, eine „Kultur des Bedürfnisses“, die sich nur schwer einer Norm unterwerfe.
Am härteten getroffen habe dieser Umschwung die traditionelle Familie und die traditionellen Kirchen.
Soziologisch ist die Darlegung sicher berechtigt – und das ist schlimm.
Sicher sind mit dem „konservativen Paradigma“ Werte verbunden – Opferbreitschaft, Ehre, Mut, Gehorsam, Treue –, die auch der christliche Glaube hochschätzt; aber es sind für den Christen keine Werte um ihrer selbst willen. Umgekehrt: daß, ganz im Gegensatz zu diesem „Paradigma“, «das letzte Ziel des menschlichen Lebens das Glücklichsein oder die Seligkeit» ist, lehrt, ganz in der eudämonistischen Tradition des Sokrates, der heilige Thomas (S. Th. Ia IIæ q. 90 a. 2). Gemeinschaften wie Familie und Kirche haben für den Christen hohen Wert, aber sie sind nicht Selbstzweck. Schon in den Zehn Geboten steht, «ehre deinen Vater und deine Mutter», und der Herr selber hat den Mangel an Beistand für sie seitens der Schriftgelehrten gerügt (Marc. 11-13); aber es geht hierbei um die Menschen selbst, nicht um eine Gemeinschaft als Kollektiv. Andererseits ist schon durch Ezechiel (18, 2-4) klargestellt, daß Verantwortung jeder einzelne trägt, nicht etwa die Familie als Kollektiv; und der Herr selber hat gesagt, daß Ihm nachzufolgen den Vorrang hat gegenüber der Familie (Luc. 14, 26), daß der Glaube an Ihn auch Familien spalten werde (Matth. 10, 35-37; Luc. 12, 53). Und Heilige wie Franziskus und Thomas von Aquin haben sich ihrer Familie entgegengestellt, um ihrer Berufung zu folgen.
Noch als Schüler in der zweiten Hälfte des XX. Jahrhunderts mußte ich manchmal hören, man müsse sich der Gemeinschaft unterordnen; und dieser Satz hat mich geärgert. Weder jenes „konservative Paradigma“ noch der normenlose progressive „moralische Individualismus“ (der heute, in Zeiten der politischen Korrektheit, in nie gekannter Weise von Normen überwuchert ist) entsprechen dem christlichen Glauben; letztlich sind sie zwei – wenn auch gegensätzliche – Varianten des Modernismus. Aber es stimmt, daß der Abstand des Christentums von der konservativen Variante, wie sie sich seit dem XIX. Jahrhundert entwickelt hatte, oft nicht sichtbar war und so vor der Welt das Profil des Glaubens verwischt erschien – was das Überhandnehmen der progressiven Variante begünstigt hat.

Freitag, 25. September 2020

Kultur – Rasse – Intelligenzmessung

«.. wissenschaftliche Scheinergebnisse ..., die unterschiedliche Intelligenz der verschiedenen Rassen anzeigen. Scheinergebnisse: hier ist nicht der Raum, darzulegen, wieso diese Ergebnisse haltlos sind; ich bin aber bereit, auf Nachfrage darauf einzugehen», hatten wir in unserem Text über Rassismus und Ultra-Rassismus geschrieben. Wir haben gesehen, daß diese Nachfrage in der Tat besteht; darum nun ein Text über Kultur – Rasse – Intelligenzmessung.

Samstag, 19. September 2020

Nein, darüber bin ich nicht glücklich

Im Jahre 2000 Sir Steven Runciman: Manchmal – sozusagen – fühle ich mich sehr enttäuscht von den anderen Kirchen des Westens. Doch bin ich glücklich darüber, zu denken, daß in den nächsten 100 Jahren die Orthodoxie die einzige existierende historische Kirche sein wird.

Im Jahre 2020 eine Statistik: Wer glaubt noch (wirklich) an Gott?

Abtreibung

Worte des US-amerikanischen Obersten Gerichtshofs: «Wesen einer unteren Ordnung, um so viel tiefer stehend, daß sie keine Rechte hätten, die der ... Mensch zu respektieren hätte.» Nein, damit waren nicht ungeborene Kinder gemeint; doch setzte man hier «ungeborene Kinder» ein, so gäbe das ebendie Denkweise wieder, die diesen Gerichtshof ein gutes Jahrhundert später dazu veranlasste (Roe v. Wade), dem ungeborenen Kind den Titel einer «Person» zu verweigern.

Dieses Positum als Zeichen der Solidarität mit dem heutigen Marsch für das Leben, an dem ich der Corona-Gefährdung wegen physisch nicht teilnehme. 

Nachtrag zur «Öffnung zur Welt»

Mit diesem Positum kritisiere ich natürlich nicht das II. Vaticanum, ebensowenig aber pauschal die damit verbundenen Reformen.
Reformen waren in den sechziger Jahren dringend notwendig. Bis dahin galt noch der Index librorum prohibitorum, der einen Großteil der neueren philosophischen Literatur – selbst solche von gläubigen katholischen Denkern wie René Descartes – zu lesen Katholiken strikt untersagte, so daß sie, wenn sie nicht eine Sondererlaubnis ihres Beichtvaters hatten, im Gespräch mit Nichtkatholiken schwerlich mitreden konnten, ganz im Kontrast zu ihren Aufgaben im Laienapostolat, in der katholischen Aktion, wie sie von den Päpsten seit Leo XIII. gewollt und gefördert worden waren.
Bis dahin galt noch das Dekret der Propaganda Fide (nicht des Papstes!) von 1729, das jede Communicatio in sacris, selbst jede Gebetsgemeinschaft zwischen katholischen und orthodoxen Christen strikt untersagte, im Kontrast zu dem, was das Tridentinum gewollt hatte.
Reformen waren dringend notwendig. Nur: außer der notwendigen Reformen gab es auch andere, darunter solche, die den Intentionen der Konzilstexte direkt zuwiderliefen, wie wir es für die Reform der Liturgie aufgezeigt haben. Und das Thema «Öffnung zur Welt» steht besonders für unglückliche Reformen.