Samstag, 18. Mai 2024

Blau-gelbe Werbesprüche

«Morgen kommt von machen» lese ich auf einem Plakat der für die dümmlichsten Sprüche bekannten Partei. Etymologisch ist das Unsinn; und inhaltlich sagt es schlicht nichts.

«Öfter mal (an)stoßen? / Nachtleben in ........ verbessern» propagiert dieselbe Partei. Es ist der Finanzminister aus ebendieser Partei, der dafür gesorgt hat, daß nach der Corona-Zeit der Satz der Mehrwertsteuer für die Gastronomie von 7 Prozent wieder auf 19 angehoben wurde.

«Familien fördern» fordert die AfD auf einem Plakat. Ebendiese Partei zeigt sich in Programm und Gesetzesanträgen äußerst familienfeindlich: das Bürgergeld will sie kürzen, nach sechs Monaten will sie die Grundsicherung für Arbeitssuchende nur gegen «Teilnahme an der „Bürgerarbeit“ mit 15 Wochenstunden» gewähren – «grundsätzlich», nicht einmal alleinerziehende Mütter oder Väter sind ausgenommen; sie wendet sich gegen eine Erhöhung des Mindestlohns, gegen die Ausweitung von Tarifverträgen; sie lehnt nicht nur den „Mietendeckel“ ab, sondern will gar die Mietpreisbremse abschaffen.

• Wohnungsnot – ein lösbares Problem? •

Samstag, 4. Mai 2024

Sichtbarer und unsichtbarer Glaube

Es gibt viele Atheisten, die die Kantaten von Johann Sebastian Bach lieben, immer wieder gerne hören. Diese Kantaten sind voller Glaubensaussagen, meistens so gesungen, daß der Text gut verständlich ist. Warum finden diese Atheisten dennoch nicht zum Glauben?
«Worte sind Schall und Rauch», sagt man. Daß es gesagt wird, gesungen wird, schön klingt, das reicht nicht aus, es zu glauben; es reicht nicht einmal aus, zu glauben, daß die Sänger selber daran glauben (was auch in der Tat nicht immer gewährleistet ist). «Ich glaube nur, was ich sehe», ist eine andere Redensart, eine dumme zwar, die aber eine psychologische Grundlage hat: wenn ein Mensch etwas sagt, so muß das, was ich an ihm sehe, die Art seines Auftretens, seines Verhaltens, mit dem übereinstimmen, was er sagt, damit seine Worte glaubwürdig sind.
Unsichtbarer Glaube ist steril – darum ist die körperlich sichtbare Hinwendung zu Herrn, an dessen Gegenwart man glaubt, zentrales Element jeder Liturgie. Jede Kniebeuge, jede tiefe Verneigung, der man die Hingabe ansieht, sagt mehr als jede Predigt. Und jede Kniebeuge, die unterlassen wird, jede Verneigung, die nur angedeutet wird, macht mehr zunichte, als irgendeine Predigt es auszugleichen vermag.
Ich habe viele gute Priester kennengelernt, an deren Glauben nicht zu zweifeln ist (allerdings habe ich auch Priester erlebt, die ihren Unglauben offen gezeigt haben). Aber auch bei solchen gläubigen Priestern habe ich in den Messen, die sie zelebrierten, wenig von ihrem Glauben gesehen. So fühlte ich mich mit meinem schwachen Glauben oft allein – das Wissen kommt nicht an gegen das, was man sieht.
In deutschen katholischen Messen ist zu erleben, daß der Priester es eilig hat, zu Beginn nach flüchtigem Altarkuß die liturgischen Formeln zu erledigen, um dann bei seinen eigenen Worten an die Gemeinde zu verweilen. Man kann erleben, wie der Priester die Gemeinde willkommen heißt zum Gottesdienst, als sei er der Gastgeber, nicht der Diener («il Servo» sagte Papst Pius X.).
Vor wenigen Monaten habe ich erlebt, wie bei einer Festmesse, zu der Priester von auswärts angereist waren, die vier Priester schnell gemeinsam die Verehrung des Altares (Grundordnung des Römischen Messbuchs 211) erledigten, dann an den Sitzen sehr ausgiebig sich gegenseitig begrüßten – kein Einzelfall.
«Ma, se vi debbo esprimere un desiderio, (è) quello che in Chiesa ... non salutiate neanche il Papa, perché templum Dei, templum Dei – Aber wenn ich einen Wunsch äußern soll, dann den, daß ihr in der Kirche ... nicht einmal den Papst begrüßt, denn templum Dei, templum Dei (der Tempel Gottes ist Tempel Gottes)», sagte einst Papst Johannes XXIII. Die Grundordnung des Römischen Messbuchs erlaubt dem Priester, «mit ganz knappen Worten die Gläubigen in die Messe jenes Tages ein[zu]führen» – begrüßt werden darf nur mit den liturgischen Formeln, die den Herrn einbeziehen, die Aufmerksamkeit nicht von ihm abwenden.
Oft habe ich an der Nachtwache in St. Prokop in Hamburg teilgenommen. In dieser russisch-orthodoxen Kirche habe ich mit Staunen erleben können, daß der Glaube sichtbar ist. Priestern, Diakon, Ministranten, alle sind, körperlich sichtbar, ganz dem Herrn zugewandt, vollziehen mit große Achtsamkeit die Riten. Der Priester übt über mehr als zweieinhalb Stunden mit Hingabe seinen Dienst aus, ohne auch nur zu predigen; daran, daß er «einen schönen Sonntag» wünschte, ist gar nicht zu denken. So fühlen sich die Gläubigen in ihrer persönlichen Frömmigkeit ernstgenommen. Ihre Teilnahme ist viel aktiver als in deutschen katholischen Kirchen. Schon draußen vor der Kirchentür machen sie drei Metanien (Kreuzzeichen, verbunden mit einer tiefen Verneigung, die hier unsere Kniebeugen vertreten). Sie verehren die Ikonen, küssen das Evangelienbuch mit mehreren Metanien, greifen aber auch einmal praktisch zu, wenn vom Kirchenschmuck etwas verrutscht. Sie nehmen innerlich am Gesang des Chors teil, zeigen sich dabei keineswegs weniger intensiv beteiligt als Katholiken beim Mitsingen von GL-Liedern – man sieht, wie sie dabei zur rechen Zeit Kreuzzeichen und Metanien machen. Doch beim abschließenden langen Marien-Lied singen sie mit Inbrunst mit.
Einen ganz anderen Ritus erlebe ich in der syrisch-orthodoxen Kirche, doch in der geistlichen Substanz ist es das gleiche. Ob man in katholischen Kirchen mit Schuhen in den Altarraum treten dürfe, fragte mich der Bruder meines syrisch-orthodoxen Patenkindes mit leichtem Entsetzen. Ich schämte mich etwas, das bejahen zu müssen. Gern hätte ich gesagt: «Ja, aber andererseits ...»; doch leider fiel mir nichts an «aber andererseits» ein.

Donnerstag, 2. Mai 2024

Die „Vorstellungen der Kirche“

«„Früher war es so, dass eine Einrichtung dadurch katholisch sein sollte, dass Beschäftigte im Regelfall katholisch sind und ihr Privatleben nach den Vorstellungen der Kirche ausrichten“, warf Kollig, ein Mitglied der Arnsteiner Patres, ... „Das ist aber schon lange gar nicht mehr möglich – gerade hier im Erzbistum finden wir schlicht das Personal nicht, das zugleich fachlich qualifiziert und katholisch ist“», so ist bei CNA zu lesen. Er spricht zu Recht ein gravierendes Problem an; und in irgendeiner Weise wird die Kirche in dieser Sache unerfreuliche Kompromisse schließen müssen.
Nur: «ihr Privatleben nach den Vorstellungen der Kirche ausrichten» – warum sagt er nicht: «ihr Privatleben nach den Vorstellungen Christi ausrichten»?

Mittwoch, 1. Mai 2024

Romantik auf vier Notenlinien

Eckigen Noten auf vier Notenlinien, aber was am heutigen Fest gesungen wird, ist dennoch, deutlich zu hören, Romantik, keine Gregorianik.
Wann mögen diese romantischen Melodien entstanden sein? Die prunkvollen Antiphonen (Jacob autem), die beim heutigen Fest in beiden Vespern und in den Laudes gesungen werden, erscheinen beim Fest des heiligen Joseph am 19. März nur bei den Psalmen der I. Vesper; in Laudes und II. Vesper sind es andere (Ibant).
Das Fest am 19. März hat sich seit dem späten Mittelalter verbreitet. Im Breviarium Romanum von 1568 hatte es aber noch keine Eigentexte außer der Oration.
Das heutige Fest hat eine komplizierte Geschichte. Das eigentliche Fest des heiligen Joseph fällt ja stets in die Fastenzeit; so war es durchaus sinnvoll, diesem bedeutenden Heiligen, der gewissermaßen ein Spätgeborener des Heiligenkalenders ist, auch ein Fest ohne Fasten zu widmen. So wurde das Fest patrocinii S. Joseph 1847 von Papst Pius IX. eingeführt. Doch legte der Papst dieses zusätzliche Fest auf den 3. Sonntag nach Ostern, so daß ein Sonntag der Osterzeit verlorenging. Pius X. verlegte das Fest, nun einfach Solemnitas S. Joseph geheißen, dankenswerterweise auf den Mittwoch nach dem 2. Sonntag nach Ostern; doch gab er diesem Fest eine Oktav, eine einfache, nicht etwa nur eine gewöhnliche Oktav, so daß nun eine ganze Woche der Osterzeit (außer des Sonntags) dem heiligen Joseph gewidmet war, nicht mehr der Osterzeit selbst. Pius XII. schaffte dankenswerterweise diese Oktav wieder ab; doch verlegte er das Fest auf den 1. Mai, nun unter dem Namen S. Joseph opificis, des «Manns der Arbeit». Der 1. Mai war aber eigentlich das Fest der heiligen Apostel Philippus und Jakobus, das nun auf den 11. Mai weichen mußte. Und bei der Kalenderreform Pauls VI. mußte dieses letztere Fest noch weiterziehen, auf dem 3. Mai, wodurch das Fest der Auffindung des Heiligen Kreuzes verlorenging.
Sind die Melodien der Antiphonen des heutigen Festes (Jacob autem und die der Cantica) ihm schon 1847 zugedacht worden? Das Fest S. Joseph opificis jedenfalls hat sie von der Solemnitas S. Joseph übernommenen. Sie entsprachen dem Geschmack der Zeit: Das war wohl nicht einmal pastoral gemeint; man empfand einfach so. Und auch heute noch kann man das so schön finden; ich allerdings sehne mich doch etwas nach der Keuschheit der echten Gregorianik.

Gebet zum Herrn gewandt

Kürzlich ist mir Alexander Solschenizyns „August Vierzehn“ in die Hände geraten. Dabei fiel mir auf, was einfache Russen seinerzeit noch selbstverständlich an Wissen vom Gottesdienst hatten.
Wie ist das eigentlich bei uns heute?

Samstag, 27. April 2024

Irregeleiteter Kinderchor

Am vorigen Sonntag: in der Messe singt der Kinderchor. Er singt bemerkenswert gut.
Eines nur ist schade.

Einsatz gegen die Abtreibung

Von „Versorgungslücken“ bei „Schwangerschaftsabbrüchen“ ist heute oft die Rede. So zynisch auch die Ausdrucksweise ist – sie suggeriert, daß die Bevölkerung mit Abtreibungsmöglichkeiten „versorgt“ werden müsse –, dennoch geht der Bundesverband Lebensrecht in einer Pressemitteilung darauf ein: «Die Entwicklung der Abtreibungszahlen ist alarmierend. Mit 63 pro 10.000 Frauen im gebärfähigen Alter ist die Abtreibungsrate so hoch wie nie zuvor. ... Da es für Abtreibung und die durchführenden Stellen keine Melde-, sondern lediglich eine Auskunftspflicht gibt, ist dies bei weitem keine vollständige Erfassung. Spätestens mit dieser Statistik kann niemand mehr behaupten, es gebe bei Abtreibung eine „Versorgungslücke“.»

Außerdem ist noch zu lesen: «Bedenklich ist auch der hohe Anteil an verheirateten, also zumindest formal in einer festen Beziehung befindlichen Frauen, die sich offenbar nicht in der Lage sehen, ein (weiteres) Kind großzuziehen – hier werden unter anderem Wohnungsnot, Zukunftsangst, Inflation und finanzielle Schwierigkeiten eine größere Rolle spielen.» So wird wieder einmal bestätigt: es reicht nicht aus, allein mit strafrechtlichem Verbot gegen Abtreibungen vorgehen zu wollen. Es bedarf auch einer Sozialpolitik, die es auch armen Familien ermöglicht, Kinder großzuziehen, es alleinstehenden Müttern von Kleinkindern ermöglicht, das ausreichend lange ohne zusätzliche Erwerbsarbeit zu tun. Es bedarf, um ihnen sicheres Wohnen zu ermöglichen, einer Regulierung des Wohnungsmarkts, einer Mietpreisregulierung, wie es das in den 50er und 60er Jahren (deshalb befindet die Mietexpertin der Linken, Caren Lay („Wohnopoly“), Konrad Adenauer sei „nach heutigen Maßstäben fast schon Sozialist“ gewesen) schon einmal gab, in Großstädten noch länger.

Einsatz gegen die Abtreibung: das fordert ganz besonders, in der Öffentlichkeit das Bewußtsein zu wecken, daß auch ein ungeborenes Kind ein wirklicher Mensch ist. Das erfordert darüber hinaus gute soziale Sicherung und auch strafrechtlichen Schutz, wobei sich die Strafandrohungen nicht nur gegen die Mütter wenden dürfen, sondern auch und mehr noch Angehörige treffen müssen, die zur Abtreibung drängen und Hilfe versagen.

Samstag, 20. April 2024

Gewalt gegen Teilnehmer am Marsch für das Leben

Beim Marsch für das Leben in München am vorigen Samstag kam es zu zahlreichen Übergriffen von Gegendemonstranten. Nicht nur wurde, um die Veranstaltung zu behindern, die öffentliche Stromversorgung beschädigt (was allerdings die Stadtwerke rechtzeitig beheben konnten), nicht nur wurde versucht, die Redner auf der Bühne zu blenden, es wurden auch Teilnehmer körperlich angegriffen, drei Fälle wurden bekannt, in denen sie ins Gesicht geschlagen wurden.
Und dies sind durchaus nicht die ersten gewalttätigen Übergriffe gegen einen Marsch für das Leben.
Die öffentliche Resonanz: minimal; kaum Empörung über diese Taten. Stattdessen in den Medien etliche Versuche, den Marsch für das Leben zu diskreditieren, besonders indem er in Verbindung mit Rechtsextremen gebracht wird – eine Verbindung, die es nicht gibt, aber deren Behauptung ausgiebige Haßrede nährt.
Und politische Maßnahmen: nichts, was den Marsch vor Übergriffen schützen, nichts, was die Lebensrechtsbewegung vor Haßrede schützen könnte. Stattdessen ein Gesetzentwurf, der es untersagen soll, «in einem Bereich von 100 Metern um den Eingangsbereich der Beratungsstellen und Einrichtungen, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden», «eine [sic!] Schwangere gegen ihren erkennbaren Willen die eigene Meinung aufzudrängen, sie erheblich unter Druck zu setzen oder sie mit unwahren Tatsachenbehauptungen oder verstörenden Inhalten zu konfrontieren». Unwahre Tatsachenbehauptungen – natürlich sind die verwerflich, aber von solchen ist nichts zu hören. Und auch ihnen «gegen ihren erkennbaren Willen die eigene Meinung aufzudrängen, sie erheblich unter Druck zu setzen» ist schlechter Stil; doch das sind Gummiformulierungen, die zum juristischen Mißbrauch einladen. Keine Gummiformulierung aber ist das dafür angedrohte «Bußgeld von bis zu 5.000 Euro».
Absurd aber ist das Verbot, sie mit «verstörenden Inhalten zu konfrontieren». Einmal abgesehen davon, daß das Grundgesetz (Art. 5 (1)) zwar jedem erlaubt, seine Meinung frei zu äußern und zu verbreiten, nicht aber, von unliebsamen Informationen verschont zu werden – Abtreibung ist an sich verstörend, somit auch jede Information darüber.
Einst gab es die Hinrichtungsart des Vierteilens, die aber angesichts ihrer Grausamkeit nur sehr selten angewandt wurde; wenn es überhaupt zum Vierteilen kam, dann meistens zur Abschreckung am Leichnam des schon zuvor hingerichteten Delinquenten. Heute sehr verbreitete Abtreibungsmethoden aber – Curettage, Absaugmethode – ähneln sehr dem Vierteilen.
Daß Politiker sich statt mit der Gewalt gegen Teilnehmer am Marsch für das Leben eher damit beschäftigen, Maßnahmen gegen friedliche Demonstranten für das Lebensrecht zu planen, könnte dazu beitragen, diese Gewalt zu verharmlosen, die Gewaltbereitschaft zu fördern.
Woher dieser sonderbare Rückhalt der Abtreibungsbefürworter in der Politik? Es ist wohl die heimliche Allianz zwischen Politischer Korrektheit und Wirtschaftsliberalismus – eine Frau, die abgetrieben hat, kann sehr viel schneller wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen als eine, die ein Kind geboren hat.

Freitag, 29. März 2024

Gründonnerstag:
Eine mißverständliche Bibelübersetzung

Vor der Lesung aus dem I. Korintherbrief wird angesagt, daß das die älteste Überlieferung vom Letzten Abendmahl sei. Das ist zwar nicht der aktuelle Stand der Wissenschaft (es ist mittlerweile sehr wahrscheinlich, daß das Markus-Evangelium älter ist), aber diese Ansage gibt diesem Text doch ein besonderes Gewicht – er könnte der authentischste sein.
Gelesen wurde da: (I. Kor. 11, 24; EÜ 2016) «.. sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch.» Diese Übersetzung ist richtig, nur mißverständlich. Das Wort „für“ steht im Deutschen oft für subjektive Sicht («Für mich ist das ein ..., du magst das anders sehen»). Ärgerlich gerade an dieser Stelle: es könnte so verstanden werden, daß das gewandelte Brot nur «für euch» Leib des Herrn ist, nicht für andere, nicht etwa ganz real.
Auf den ersten Blick: Die Evangelientexte widersprechen solch einer Deutung – bei Matthäus (26, 26) und Markus (14, 22) heißt es einfach: «Das ist mein Leib».
Bei näherem Hinsehen zeigt sich dann, daß auch der Korintherbrief solch einer Deutung widerspricht: das griechische „hypér“ kennt diese Bedeutung des deutschen „für“ nicht (und ebensowenig das lateinische „pro“); für diese subjektive Bedeutung hätte es im Griechischen eher „kath’ hymâs“ heißen können.
Und es geht noch weiter: Im Griechischen steht: «tò sôma tò hypèr hymôn», wörtlich «der Leib, der für euch» – «für euch» ist demzufolge ein Attribut zu «Leib», kann also nicht bedeuten «ist für euch mein Leib». Das ist im Deutschen durch die Stellung angedeutet («mein Leib für euch»), aber noch nicht eindeutig. Die gleiche Konstruktion wird im Lukas-Evangelium (22, 19), wo sie durch «didómenon» erweitert ist, durch einen Relativsatz wiedergegeben: «Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird». Eindeutiger wäre auch im Korintherbrief ein Relativsatz: «Das ist mein Leib, der für euch ist» (oder «.. für euch da ist»).

Samstag, 23. März 2024

„Haßrede“

„Hatespeech“ ist ein häufiger Vorwurf geworden; und meistens richtet er sich gegen Rechtsradikale, und sehr oft zu recht. Wir selber haben schon Menschenverachtendes aus dieser Ecke angeprangert (als Christen können wir dem Islam keinen Beifall spenden, aber die persönliche Frömmigkeit ehrlicher und friedlicher Muslimîn müssen wir achten), Verleumdungen gegen Immigranten aufgedeckt.
Aber Haßrede gibt es nicht nur von Rechts; wenn es gegen Abtreibungsgegner geht, gibt es sie auch aus der scheinbaren Mitte der Gesellschaft, gar vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, konkret jetzt: dem ZDF. Es verunglimpft, spricht von einem «gefährliche[n] Netz der Abtreibungsgegner», das es sogleich mit «Rechte[n] und rechtsextreme[n] Gruppierungen» in Verbindung bringt, verleumdet die Verbände, die sich gegen Abtreibung einsetzen.
Die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA e.V.) hat die Verleumdungen in einer Erklärung und zwei Videos aufgeklärt – ergebnislos: noch lange danach, noch in dieser Woche ist diese „Reportage“ nicht nur in der ZDF-Mediathek zugänglich, sondern wird auch in der allgemeinen Presse kritiklos weitergegeben.
Haßrede gegen Abtreibungsgegner wird in der breiten Öffentlichkeit weder so genannt, noch empört man sich darüber.

Mittwoch, 21. Februar 2024

Alexander Nevskij

1.: → Sollen wir den 7. Oktober feiern?
2.: → Ukrainische Kirche entfernt Fürsten aus Heiligenkalender
Fürst Alexander Nevskij von Novgorod lebte im XIII. Jahrhundert, war auch Fürst von Kiev, wirkte aber vor allem in Nordrußland. Über seine Heiligkeit ließe sich disputieren, aber an Putins Krieg gegen die Ukraine ist er denkbar unschuldig. Ihn aus dem Heiligenkalender zu streichen, weil Putin ihn auf den Schild hebt, ist kein für die Kirche gültiger Grund. Die Orthodoxe Kirche der Ukraine, die das jetzt getan hat, ist die, die erst 2018 gegründet, 2019 vom Ökumenischen Patriarchen als autokephal anerkannt worden ist, die aber orthodoxerseits nur von den gräkophonen Kirchen anerkannt wird.
Eine Anmerkung: Die vom Domradio genannte konkurrierende „Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (UOK) des Moskauer Patriarchats“ hat sich 2022 vom Moskauer Patriarchat losgesagt. Sie ist es, deren Metropolit Onufrij Putins Krieg als «Wiederholung von Kains Sünde, welcher aus Neid seinen eigenen Bruder tötete», bezeichnete, dessen Kirche nichtsdestoweniger Verdächtigungen (die freilich einigen Angehörigen seiner Kirche gegenüber berechtigt sein mögen) und Anfeindungen ausgesetzt ist, die ihr Zentrum, das Kiewer Höhlenkloster, 2023 räumen mußte.

Montag, 12. Februar 2024

Zurückgekehrt

Nach etlichen Monaten, in denen ich mich zunächst ganz auf fachliche Aufgaben geworfen hatte, bin ich wieder ein wenig in die Welt der kirchlichen Nachrichten und Blögge zurückgekehrt.
Eine Enttäuschung bei der Rückkehr: Sandro Magisters Settimo cielo ist nur noch über Benutzernamen und Paßwort zu erreichen:
http://magister.blogautore.espresso.repubblica.it/
– und wie man daran kommen könnte, wird nicht mitgeteilt.
Ein großer Verlust, nur dadurch kompensiert, daß die französische Version bisher noch offen bleibt.

Karneval und Fastenzeit – was hat sich geändert

in den letzten Jahrzehnten?
— Jetzt gibt es in der Kirche – in Gemeinderäumen, im Gottesdienst selbst – viel mehr Karneval, stattdessen viel weniger Fasten.

Samstag, 10. Februar 2024

Blasiussegen

Die liturgische Tendenz unserer Zeit, gelegentlich schon moniert: Es gibt Laien de luxe, und es gibt die Laien der Touristenklasse hinten im Kirchenschiff.
Und nun:
 eine besonders ausgeprägte Manifestation.
Ich frage mich, was dahinterstecken mag: «Für den Priester allein ist es zuviel Arbeit»? Oder: «Wir sind doch alle gleich, Priester und Laien»? Oder: «auf dem langen Marsch zur Frauenordination»?

Montag, 5. Februar 2024

„Wort-Gottes-Feiern“

Eine gute Absicht: auch in entlegeneren Vororten des Großstädtchens sollen Sonntagsmessen stattfinden können. Ein Weg dazu, der mehr Probleme schafft als löst: „Wort-Gottes-Feiern“.

Samstag, 27. Januar 2024

Fiducia supplicans – worum geht es eigentlich?

„Fiducia supplicans“ bezeichnet sich eigentlich als „Erklärung über die pastorale Sinngebung von Segnungen“. Veröffentlicht vom Dikasterium für die Glaubenslehre, erscheint es also als Lehrschreiben; doch schon in der Präsentation wird klar, daß es wesentlich Anweisungen im Umgang mit „Paaren in irregulären Situationen und gleichgeschlechtliche Paare“ geht.
Ist daran etwas neu?
Zunächst: Segen. «Ohne jedwede Widerrede wird das Geringere vom Höherstehenden gesegnet» (Hebr. 7, 7) – Segen ist mehr als eine Fürbitte, wird gespendet von dem, dessen besondere Stellung ihm dazu die Vollmacht gibt, vom Bischof, vom Abt, vom Priester, schließlich vom Vater, von der Mutter den Kindern und Enkeln. Segen vermittelt Gnade. Doch es gibt besondere Arten des Segens, die darüber hinausgehen. Es gibt Segnungen, die eine konstitutive Kraft haben: durch eine Segnung wird der Mönch zum Abt, ein Gebäude zum Gottesdienstraum. Und auch Konsekrationen, die dem Bischof vorbehalten sind, gehören hierher: die Konsekration einer Kirche, die des Chrisams. Und es gibt Segnungen, die einen Akt kirchlich bestätigen: der Brautsegen bestätigt das Ehesakrament, das sich die Brautleute gespendet haben.
Die Erklärung (besonders 38.- 40.) macht deutlich, daß es hier nicht um solche Segnungen mit besonderer Kraft geht, sondern um einfache Vermittlung von Gnade. Auf keinen Fall wird in den Vermeldungen einer Pfarrgemeinde stehen können: «Segnung des Paares ...».
Nun wurden Menschen, die als gleichgeschlechtliches Paar zusammenlebten, schon immer gesegnet, wenn etwa sie eine Messe besuchten – der Schlußsegen wird ja allen gespendet. Was neu ist, ist, daß dem Text der Erklärung zufolge nicht einfach Menschen gesegnet werden, sondern ein Paar – das hat es in der Kirche noch nicht gegeben, außer beim Segen über die Brautleute in Verbindung mit dem Ehesakrament. Doch was bedeutet es, daß der Segen über das Paar gespendet wird? Der Erklärung nach nichts, was über den Segen über die beiden einzelnen hinausginge. Es handelt sich schlicht «um einen Segen, der ... Gebet der Fürbitte mit der Anrufung der Hilfe Gottes durch diejenigen verbindet, die sich demütig an ihn wenden (33.).
Paradigmatisch geht es in der Erklärung zwar um „gleichgeschlechtliche Paare“. Doch der Text reicht weit darüber hinaus anwenden; die Rede ist von „Paaren in irregulären Situationen“, ohne das irgendwie einzugrenzen. Da er keine rechtliche Bedeutung hat, keine doktrinäre Aussage macht, mit keiner Bewertung verbunden ist, ist die Deutung und ist die Anwendung ganz frei, frei etwa für: Paare unterschiedlicher Konfession oder Religion, wenn der katholische Teil das Versprechen verweigert, alles zu tun, um die Kinder katholisch taufen zu lassen und zu erziehen; geschiedene Menschen, die mit jemand anderem eine neue Verbindung eingehen wollen; Menschen, die zusätzlich zur bestehenden Ehe eine weitere eheähnliche Verbindung eingehen wollen; Menschen, die entgegen dem priesterlichen Zölibat oder einem Ordensgelübde eine eheähnliche Verbindung eingehen wollen; Geschwister, die eine eheähnliche Verbindung eingehen wollen ...
Es geht eben nur um «Gebet der Fürbitte», verbunden «mit der Anrufung der Hilfe Gottes».

Samstag, 6. Januar 2024

Publicatio festorum mobilium

Nachdem heute morgen im Festhochamt die Publicatio der beweglichen Feste feierlich gesungen wurde, veröffentlichen wir nun auch wieder nach nun schon altem Brauch die Ostertermine der drei Kalender (die leider wieder sehr voneinander abweichen).

Dienstag, 25. April 2023

Die Kreuze im staatlichen Raum verschwinden mehr und mehr – eines ist geblieben

Aus Gerichtssälen, aus Klassenzimmern verschwinden die Kreuze mehr und mehr; eines jedoch – ist das ein Trost? – scheint unbestritten im staatlichen Raum bleiben zu dürfen: das des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Dadurch, daß das Großkreuz in besonderer Ausführung (das ist die Sonderform des Ordens, die ehemaligen Bundeskanzlern verliehen wird, wenn sie mehr als zehn Jahre im Amt durchgehalten haben) der ehemaligen Bundeskanzlerin verliehen wurde, hat es öffentliche Aufmerksamkeit gefunden.
Zur Erinnerung: Neben Mönchs- und Chorherrenorden entstanden seit dem frühen XII. Jahrhundert geistliche Ritterorden, deren Mitgliedschaft dem Adel vorbehalten war. Seit dem späten XIII. Jahrhundert stifteten dann auch Fürsten Orden für ihre Gefolgsleute, Orden, die anfangs noch den Charakter einer mehr oder weniger – zunehmend weniger – geistlichen Gemeinschaft hatten, dann zu reinen Ehrenzeichen und seit dem XVII. Jahrhundert schließlich zu Verdienstorden für weitere Kreise wurden; dazu nun wurden sie in Rangstufen eingeteilt, die wiederum von den geistlichen Ritterorden – Commendator / Komtur – übernommen wurden. Das Kreuz aber blieb bei den meisten als Ordenszeichen erhalten. Völlig säkularisiert war dann Napoleons Légion d’honneur, die dem Kreuz einen fünften Arm hinzufügte und so zu einer Art von Stern ummodelte.
Solch ein säkularisierter „Orden“ ist eben auch der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, der aber anders als die Légion d’honneur die Form eines Kreuzes behielt (das Große Verdienstkreuz entspricht einem Komturkreuz).
Ein kläglicher Trost.
«Nichts darf unser Volk, unsere Heimat vom Kreuz losreißen», schrieb der selige Bischof Clemens August Graf von Galen in einem Hirtenbrief (vom 27. XI. 1936), als am Widerstand des Volkes ein Minister der NS-Regierung von Oldenburg gescheitert war, die Kreuze in den katholischen, die Lutherbilder in den evangelischen Schulen abhängen zu lassen („Oldenburger Kreuzstreit“).

Donnerstag, 20. April 2023

Ein Diktator bekommt in Deutschland eine Bühne, sich seines Eroberungskriegs zu rühmen

Wenige Tage, nachdem es wieder zu einem tödlichen Zusammenstoß zwischen aserbaidschanischen und armenischen Soldaten kam, empfängt der Bundeskanzler den aserbaidschanischen Diktator. Dabei gibt er dem Diktator, der das seit vorchristlicher Zeit armenische und seit dem IV. Jahrhundert christliche Bergkarabach („Arçach“ heißt die armenische Region, zu der Bergkarabach gehört) als «altes türkisches aserbaidschanisches Gebiet» bezeichnet, Gelegenheit, sich seines erfolgreichen Angriffskriegs gegen Bergkarabach zu rühmen: Aserbaidschan habe seine «Würde und territoriale Integrität auf dem Schlachtfeld wieder hergestellt».
Der Sinn dieses Empfangs, der dem Diktator solch eine Bühne bietet: Öl- und Gaslieferungen aus Aserbaidschan nach Deutschland zu vermehren, um Öl und Gas nicht mehr aus Rußland importieren zu müssen. Doch zum Teil sind die Sanktionen absurdes Theater:
Sanktionen gegen Rußland sind berechtigt, wenn sie Putins Regime treffen. Nun importiert Deutschland zwar nur noch ganz wenig Öl und Gas aus Rußland, was aber dem dortigen Regime nicht schadet, weil es andere Abnehmer findet, zu höherem Preis. Doch vor allem: da nun Aserbaidschan mehr Gas nach Deutschland exportiert, importiert es dafür seinerseits Gas aus Rußland.
Und während deutsche Politiker so den Diktator hofieren (siehe auch: „Aserbaidschan-Affäre“), tragen sie dazu bei, Rußland Gelegenheit zu geben, sich als die einzige Macht zu präsentieren, die wenigstens ansatzweise Armenien und Bergkarabach schützt.
Natürlich beschuldigen bei jedem Schußwechsel an der Grenze Armenien und Aserbaidschan gegenseitig, begonnen zu haben. Klar aber ist: Aserbaidschan will (zumindest) Bergkarabach erobern und kann sich auf seine wirtschaftliche Ressourcen (Öl!) und die damit finanzierte überlegene Bewaffnung stützen, Armenien weiß um diese Überlegenheit Aserbaidschans und will nichts als die Sicherheit für die Armenier in Armenien selbst und in Karabach gewährleisten.

Donnerstag, 9. März 2023

Bischof und Traditionalismus

Im Fastenhirtenbrief des Bischofs von Dresden / Meißen – „Mutig nach dem gemeinsam Möglichen suchen“ – finden sich die Sätze: «Wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Weder Traditionalismus, der einen einzelnen Moment aus der Geschichte Gottes mit uns Menschen absolut setzt, noch Nostalgie, die Vergangenes verklärt, werden uns helfen. Wir brauchen Tradition, die den Glauben in der jeweiligen Zeit verlebendigt. Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen, ohne sich gedankenlos dem Faktischen zu unterwerfen.»
Abgesehen davon, daß «die Zeichen der Zeit zu erkennen», wie das Evangelium diesen Ausdruck meint, sowieso alles andere bedeutet als «sich gedankenlos dem Faktischen zu unterwerfen»: «einen einzelnen Moment aus der Geschichte ... absolut» zu setzen, ist kein Traditionalismus, sondern eine undurchdacht konservative Haltung. Pietro Chiaranz hat zu Recht Traditionalismus sowohl dem Konservativismus als auch dem Progressismus gegenübergestellt.
Damit gemeint ist natürlich nicht jener „Traditionalismus“, den das I. Vaticanum verdammt hat und der in der reformatorischen „Diastasen“-Theologie Urständ feierte.
Traditionalismus sucht nicht «einen einzelnen Moment aus der Geschichte» zur Norm zu erheben, sondern das, was die Kirche von Anfang an „semper et ubique“ durch die Jahrhunderte überliefert hat. Diesen Traditionalismus könnte man auch einfach „Katholizismus“ nennen.
Wer sich heutzutage so wie hier der Bischof gegen „Traditionalismus“ wendet, setzt diese Tradition der Kirche, in der sich ihr Wesen niederschlägt, unterschiedslos mit zeitbedingten Strömungen und Moden der Vergangenheit gleich. Damit erweckt er den Eindruck, dieser Tradition stünden Strömungen und Moden der Gegenwart gleichwertig gegenüber, hätten sogar einen Vorzug, weil durch sie der Glaube „verlebendigt“ würde. Solche Gleichwertigkeit aber besitzt keine Strömung, am allerwenigsten eine, die sich von der Tradition der Kirche entfernt, nicht; und somit sicher nicht jene progressive Strömung, die den im Novus Ordo konservierten Klerikalismus der späten sechziger Jahre mit dem politisch korrekten Zeitgeist des XXI. Jahrhunderts verbindet.
Und diese Strömung vermag zwar noch sehr viel Aufhebens zu machen, geht geistlich aber längst aufs Nirvana zu. Die Zukunft der Kirche kann nur in echtem Traditionalismus liegen.

Freitag, 6. Januar 2023

Wie kann es sein, daß ...?
Einige Antworten auf Fragen an die Bibel

Zwei Artikel aus unseren Jahrbüchern zu Ehren der heiligen Ewald & Ewald sind nun direkt zugänglich:

Namen und Wörter der Bibel

Wie kann es sein, daß derselbe Apostel mal Matthäus, mal Levi, daß derselbe Apostel mal Judas, mal Thaddäus heißt?

Anmerkungen zur Familie Jesu

Wie kann es sein, daß der Herr Sohn der Jungfrau und zugleich durch Joseph Sohn Davids ist?
Und wie kann es sein, daß seine Brüder nicht an ihn glaubten (Joh. 7, 5) und später dann Jacobus, der Bruder des Herrn, zu den Säulen der Kirche gezählt wird (Gal. 2, 9)?
Und was sind eigentlich „Brüder des Herrn“, da doch Maria lebenslang Jungfrau war?

Zum Fest der Erscheinung des Herrn:
die Ostertermine.

Wie so oft, bringt die unterschiedliche Epakte es mit sich, daß die Kirchen des Ostens eine Woche später Ostern feiern als Lateiner und Juden. Hier nun die Termine.
Eine Anmerkung: Nach dem julianischen Kalender, wie er im Westen bis 1582 galt, mit der Epakte xx, hätten die gregorianischePublicatio festorum bietet Scuola Ecclesia Mater.n Termine übereingestimmt.
Die volle liturgische Publicatio festorum dieses Jahres bietet Scuola Ecclesia Mater.

Samstag, 31. Dezember 2022

Requiem æternam

dona ei, Domine; et lux perpetua luceat ei.
Requiescat in pace. Amen.

Dienstag, 6. Dezember 2022

Abtreibung und Kernkraftwerke – zwei sehr unterschiedliche Sachen, doch ganz ähnliche Argumente

Es war der katholische Philosoph Robert Spaemann, der sich gleichermaßen entschieden gegen Abtreibung und gegen Kernkraftwerke wandte. Doch diesen beiden so unterschiedlichen Sachen gemeinsam ist nicht nur die moralische Bewertung, sondern auch die Logik der Argumentation ihrer Befürworter.
Und hier wie dort geht es um das Leben von Kindern.

Samstag, 3. Dezember 2022

„Überbevölkerung“

ist eine Drohung, mit der man gerne der Kirche Schuld zuschob, weil sie der mit dem Verbot von Empfängnisverhütungsmitteln Vorschub leiste.
Nun sind es acht Milliarden Menschen; doch das Blatt beginnt sich zu wenden: nun erhält der «hartnäckige Mythos einer Überbevölkerung» Widerspruch von durchaus nichtkirchlicher Seite.
Und zu ungefähr gleicher Zeit ist an anderer Stelle zu erfahren, was wirklich die Ernährung der Weltbevölkerung beeinträchtigt.
Dies beides verdient, nebeneinandergesehen zu werden.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Sehr geehrte Herren Bischöfe des „Synodalen Wegs“,
liebe Genossinnen und Genossen auf diesem Weg,

ein Vorschlag zur Güte: Tretet zu den Unitariern über, gerne geschlossen! Dort dürft Ihr glauben, was immer Ihr wollt, Ihr dürft Riten vollziehen, welche und an wem Ihr immer wollt.
Die alte katholische Kirche ist ja eigentlich nur noch für eine Minderheit da, die nämlich, die das Heil bei ihrem Herrn finden wollen – um die braucht Ihr Euch ja nicht zu kümmern.
Tschüß!

Ein Kaplan, der Liebe zur Liturgie zeigt

«Die Kirche ist mehr als die Summe ihrer Kapläne», stöhnte man vor einem halben Jahrhundert. Heute ist es sehr anders: ganz häufig sind es die Kapläne, auf die man viel Hoffnung setzen darf.
Erlebnisse der letzten Wochen laden zu Anerkennung ein.

Dienstag, 11. Oktober 2022

Todesstrafe im Katechismus der Katholischen Kirche

Heute vor fünf Jahren hat Papst Franziskus I. eine Ansprache gehalten, von der ein Satz in den Katechismus der Katholischen Kirche gelangt ist: dieser Satz erklärt die Todesstrafe für unzulässig.
Es ist schwierig, dieser Neuformulierung des Paragraphen 2267. des KKK zu widersprechen, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, es solle die Todesstrafe befürwortet werden. Nun aber, nach fünf Jahren, sei es unternommen: Dogmenverkündigung auf kaltem Weg?

Samstag, 1. Oktober 2022

Auf die Fürsprache der heiligen Elisabeth von Thüringen vor Abschiebung bewahrt

Einem katholischen Vietnamese, der damals schon seit dreißig Jahren in Deutschland lebte, und seiner Familie – seiner Frau und seiner neugeborenen Tochter – war vor fünf Jahren wegen eines ausländerrechtlichen Formfehlers, an dem er keine Schuld trug (er war da krank), die Aufenthaltserlaubnis entzogen worden. Die Familie sollte abgeschoben werden; doch als das Abschiebungskommando sie abholen wollte, waren sie alle gerade bei einem Ausflug ihrer Pfarrgemeinde auf der Wartburg. Der Mann ist überzeugt davon, daß die Fürsprache der heiligen Elisabeth sie so vor der Abschiebung bewahrt hat (Christliche Gemeinde gibt Halt. Der Sonntag / Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, Nr. 39 vom 25. September 2022, S. 6).
Der Pfarrer der hiesigen vietnamesischen Kirchgemeinde setzt sich für sie ein, aber immer noch droht der Familie die Abschiebung, Im kommunistischen Vietnam herrscht zwar keine so extreme Christenverfolgung wie etwa in Nordkorea; aber auf den „Weltverfolgungsindex“ nimmt dieses Land doch den 19. Rang ein, Schulkinder werden kommunistischer Indoktrination ausgesetzt.
Noch bis zum 17. Oktober kann eine Petition gegen seine Abschiebung unterschrieben werden.

Donnerstag, 29. September 2022

„Zeichen der Zeit“

Kardinal Kurt «Koch hatte im Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ gesagt, es irritiere ihn, „dass neben den Offenbarungsquellen von Schrift und Tradition noch neue Quellen angenommen werden“», nämlich beim „Synodalen Weg“.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg «Bätzing wies diesen Vorwurf entschieden zurück», so heißt es; doch in Wirklichkeit bestätigt er ihn: «Im Orientierungstext des Synodalen Wegs habe man aufgezeigt, dass es um die sogenannten Zeichen der Zeit als Quellen theologischer Erkenntnis und für die Entwicklung der Lehre gehe.»
„Zeichen der Zeit“ – das ist ein Ausdruck, den der Herr selber gebraucht im Blick auf die Zeichen, die auf Sein Erscheinen hinweisen (Matth. 16, 3). Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes des II. Vatikanum gibt der Kirche dann auf (4. De spe et angore.), diese Zeichen «sub Evangelii luce – im Licht des Evangeliums» zu verstehen und so das Evangelium um so zielgenauer zu verkünden. Mons. Bätzing aber will das Gegenteil daraus machen: «Quellen theologischer Erkenntnis und für die Entwicklung der Lehre», die offenbar nicht bei der Verkündigung des Evangeliums helfen sollen, sondern ihm etwas von außen (der Zeit nämlich) hinzufügen sollen.
Kardinal Koch hätte natürlich in seiner Formulierung bedenken sollen, daß NS-Vergleiche zumindest aus deutschem Mund immer verstörend wirken. Doch das Anliegen des Kardinals, aus der Geschichte zu lernen – damals hat, anders als die „Deutschen Christen“, die katholische Kirche die „Zeichen der Zeit“ richtig verstanden hat –, ist berechtigt. Wenn Mons. Bätzing nun von Kardinal Koch «„im Sinne der Sache und der Synodalen“ eine öffentliche Entschuldigung» erwartet, und zwar «umgehend», und eine «Beschwerde beim Heiligen Vater» androht, so ist das absurdes Theater.

Mittwoch, 21. September 2022

Marsch für das Leben

I. Der Marsch
Es ist mühsam, hin zu gelangen: überall Absperrungen, um die Teilnehmer des Marsches vor den Gegendemonstranten zu schützen, die mit viel Lärm und Getöse den Platz umgeben. Aber als ich es dorthin geschafft habe, umgibt mich eine (trotz des Lärms von außen) ruhige, friedliche und entspannte Atmosphäre.
Einmal durchkreuzen zwei oder drei Gegendemonstranten lärmend den Versammlungsplatz, begleitet von Polizisten; etwas später das gleiche ohne Polizisten. Doch die Teilnehmer des Marsches lassen sich dadurch nicht stören; die friedliche Atmosphäre ist davon nicht zu beeinträchtigen. Später wird der Marsch selbst gelegentlich unterbrochen, doch auch davon lassen sich die Teilnehmer nicht aus der Ruhe bringen. Wo ihnen Lärm entgegenschlägt, antworten sie, indem sie ein Kirchenlied singen.
Es ist ein Marsch für das Leben, für das Leben von ungeborenen, für das Leben von kranken und hinfälligen Menschen, aber auch ein Marsch, den eine Atmosphäre von Leben und Freundlichkeit umgibt.
II. Die Berichterstattung
Am Abend zeigt mir ein Freund, was ein öffentlich-rechtlicher Rundfunksender, der RBB, über den Marsch berichtet. Ausführlich kommt die Seite der Gegendemonstranten zu Wort. Unter den Teilnehmern des Marsches aber bekommt eine Frau das Wort, die zwar für die Veranstaltung keine Rolle gespielt hat, die die wenigsten Teilnehmer des Marsches bemerkt haben, die sich aber einen schlechten Ruf erarbeitet hat, wie er von der Tendenz des Senders gewünscht wurde, eine Frau, die sich gar einer Organisation angeschlossen hatte, die gegen einen starken Sozialstaat steht, einen Sozialstaat, wie der Lebensschutz ihn erfordert.
«Wenn auf einer Demonstration unter viertausend Menschen einige sind, mit deren politischer Meinung ich nicht übereinstimme, oder gar einige, die ich von Herzen unsympathisch finde, kann ich beschließen, wegen dieser Leute wegzubleiben. Das wäre allerdings etwas überempfindlich. Ich werde nie viertausend Menschen finden, unter denen kein einziger ist, den ich nicht zum Nachbarn haben möchte», schreibt Claudia Sperlich. Als ich vor vier, vor fünf Jahren an Märschen gegen CETA teilgenommen habe, marschierten neben mir Menschen mit Plakaten der MLPD, einer Partei, die den Massenmörder Lenin im Namen trägt und unter deren Anhängern von Stalin geschwärmt wird – ich konnte mir damals nicht aussuchen, wer sonst dabei ist, und das Anliegen war und ist wichtig. Auch hier konnte ich es mir nicht aussuchen, hier aber habe ich diese Dame & Co. nicht einmal bemerkt.
III. Am nächsten Morgen
Zur Sonntagsmesse in Berlin: ich gehe nach St. Afra. Die Kirche ist gerammelt voll; und die meisten Teilnehmer des Gottesdienstes sind weniger als halb so alt wie ich. Es wird eine Choralmesse gesungen, die dem Sonntag entspricht (nicht eine der leichtgängigen Schlichtmessen), dazu das Credo in einem weniger üblichen Ton. Und so gut wie alle singen mit sicherer Stimme mit.

Dienstag, 13. September 2022

Das Ideal des „Synodalen Wegs“: die Kirche als Wundertüte

Ein „Moraltheologe“ Sautermeister erhält von katholisch.de ausführlich das Wort für seine „Kritik an Bischöfen“ unter dem Titel: „Kirche hat immer ihre Lehre geändert“. Diesem Thema ist dieses Positum gewidmet; dabei sei einmal die Frage all der Lehren, um die es ihm geht, beiseite gelassen.
«Und Weiterentwicklung und Vertiefung der theologisch-ethischen Grundeinsichten sind ein wichtiger Bestandteil der Treue zum Evangelium», sagt er; das ist richtig. Wie aber solche «Weiterentwicklung und Vertiefung» auszusehen hat, hat der heilige Vinzenz von Lérins in seinem Commonitorium ausführlich erläutert: «Allein es muß in Wahrheit ein Fortschritt im Glauben sein, keine Veränderung. Zum Fortschritt gehört nämlich, daß etwas in sich selbst zunehme, zur Veränderung aber, daß etwas aus dem einen sich in ein anderes verwandle.» (Cap. XXIII / 28)
Das ist aber nicht die Sicht des „Moraltheologen“; er meint: „Entscheidend sei das «Ernstnehmen der humanwissenschaftlichen Erkenntnisse»“ – das aber heißt, daß die Kirche die «Weiterentwicklung und Vertiefung» eben nicht aus eigenem nähme, sondern von außen, daß es Veränderung wäre, kein Fortschritt.
Nun hat die Kirche die Wissenschaft sehr zu achten; aber ein Lehramt der Humanwissenschaften – wer hätte das inne? die Meinungen sind in diesen Wissenschaften nicht minder weit gefächert als in der Kirche und alles andere als zeitlos feststehend – gibt es nicht, und Humanwissenschaften sind etwas anderes als Morallehre. Für ihre Lehre ist die Kirche allein verantwortlich.
Weiter sagt der „Moraltheologe“: «Es ließen sich noch weitere Beispiele anführen, die zeigen: Tradition ist geschichtlich und es gibt Lern- und Einsichtsprozesse auch in der kirchlichen Morallehre.» «Tradition ist geschichtlich» – das meint offensichtlich, die Offenbarung (die durch die Tradition vermittelt wird) habe keine zeitlose Gültigkeit; und die Kirche – «Lern- und Einsichtsprozesse» – müsse einmal etwas anders lernen und einsehen – und dann wohl auch lehren.
Diese Kirche wäre eine Wundertüte: der Christ glaubt an sie und muß sich überraschen lassen, was er morgen wird zu glauben haben.
Galilei darf natürlich nicht fehlen: «Ansonsten hätten wir einen neuen Fall Galilei im 21. Jahrhundert» – dankenswerterweise hat vor einiger Zeit katholisch.de selbst klargestellt, daß im Falle Galilei die Kirche keine wissenschaftliche Erkenntnis verboten hat.
Gerade habe ich die Vesper von Kreuzerhöhung mit Le Barroux mitgesungen. Die Kirche, die diese Texte im Gewand der Gregorianik betet, ist die, an die ich glaube; an eine Wundertüte wollte ich nicht glauben.

Krieg im Windschatten des Krieges

Scheinbar gute Nachrichten aus der Ukraine (was wird, bleibt völlig ungewiß) – und zugleich wird das, was zu befürchten war, Wirklichkeit, nicht zum ersten Mal, nun aber verschärft: im Windschatten des Ukrainekrieges greift Aserbaidschan Armenien an, nun nicht Karabach, sondern das armenische Staatsgebiet selbst.
Und während USA, EU und OSZE nur ein Ende der Kampfhandlungen fordern, während die Türkei, ein NATO-Land, Aserbaidschan dezent unterstützt, ist es nur Rußland, das sich ernsthaft daran macht, wenigstens eine Feuerpause zu vermitteln.
Die Indolenz der westlichen Länder führt dazu, daß als einziger Friedensbringer in diesem Krieg der Angreifer im anderen erscheint.

Samstag, 10. September 2022

Zum Stufengebet

Nach langer Unterbrechung nun wieder: Liturgisches von einem evangelischen Theologen – diesmal eigentlich nur zu einem einzelnen Gebet aus dem Stufengebet (das durch die Liturgiereform Pauls VI. abgeschafft wurde), aber mit einer Aussage, die darüber hinausgeht.

Samstag, 3. September 2022

Kommunionausteilung

Am vorletzten Sonntag: Im Hochamt – durchaus nicht wenig Kommunikanten – teilt der Priester allein die Kommunion aus.
Danke!
Am letzten Sonntag: Im Hochamt, diesmal in einer anderen Kirche unseres Großstädtchens, in unserem Viertel, legt der Priester die Hände in den Schoß und läßt zwei Laien die Kommunion austeilen.
Es ist ja ganz gut, sich manchmal mit der geistlichen Kommunion zu begnügen.
Und nun heißt es abwarten, was ich morgen erleben werde.

Montag, 8. August 2022

Hirtenbrief der europäischen Bischöfe der Russisch-orthodoxen Auslandskirche

Auf diesen Hirtenbrief, der zur Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine auffordert, hat kürzlich dankenswerterweise Barbara Wenz hingewiesen. Hier nun die Auszüge daraus, etwas erweitert, in deutscher Übersetzung:
«Während das Blutvergießen des Krieges den Boden in den Ländern unserer Väter befleckt, sind wir von den Qualen unserer Brüder und Schwestern betroffen, deren Leiden unser Leiden sein muß und deren Hilfe und Erlösung unser tiefersehnter Wunsch sein muss. Wir drücken unsere tiefe Dankbarkeit für die Reaktion unserer Geistlichen und Gläubigen auf unsere Aufrufe aus, Flüchtlingen aus der Ukraine zu helfen und auf viele andere Arten Hilfe und Unterstützung zu bieten. Doch sehen wir weiterhin die schrecklichen Kosten des Krieges; wir spüren den traurigen Wandel der Kulturen, da Haß alltäglich wird und Mißtrauen und Angst Liebe und Mitgefühl ersetzen; wir sehen Regierungen, die eher politische Interessen verfolgen als den Frieden und das Wohl ihrer Völker; und wir beobachten, daß überall um uns herum moralischer und ethischer Verfall zunehmen...
Die Kirche ist unser unerschütterliches Bollwerk in dieser Welt: Ihre Wahrheit ändert sich nie, ihr Herz schwindet nie, und ihr Leben ändert sich nie dazu, sich den Launen der Welt anzugleichen. Die mehr als fünfzehn europäischen Nationen, aus denen unsere Diözesen bestehen, haben in ihrer Geschichte viele Konflikte erlebt, aber die Einheit der Kirche ist größer als jeder Konflikt und darf in Zeiten der Prüfung niemals aufgegeben werden.»