Donnerstag, 9. Januar 2020

„Zeichen der Zeit“

Noch einmal zurück zur Epiphanie-Predigt eines Bischofs, dem es an Mut zu klaren Worten gebricht:
« „Auch heute ist der sogenannte Zeitgeist nicht nur ein negatives Phänomen. In ihm, mit ihm und durch ihn kann nämlich immer noch der Heilige Geist wirken und uns als Kirche etwas sagen.“
Christen sollten deshalb nicht von vornherein skeptisch sein, „wenn etwas nicht unserer eigenen Überzeugung entspricht“, betonte Feige. Gott spreche „zu anderen Menschen ja vielleicht gerade auch in Bildern und Vorstellungen, die uns fremd sind. Seine Gnade wirkt auch außerhalb der Kirchenmauern.“
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe für dieses oft verborgene Wirken Gottes den Begriff „Zeichen der Zeit“ geprägt, so Feige weiter. »

Die „Zeichen der Zeit“, von denen das Evangelium redet, sind kein Wirken des Heiligen Geistes im Zeitgeist, sondern es sind die Zeichen, die den Messias anzeigen; es ist „das Zeichen des Jonas“, die Auferstehung (Matth. 16, 4), es werden die Ereignisse sein – «Es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ...» (Luc. 21, 10 f.) –, die die Wiederkunft ankündigen: ein Anlaß nicht, sich anzupassen, sondern sich bereit zu machen für Sein Erscheinen.

Mittwoch, 8. Januar 2020

Epiphanie vorm Dreikönigsschrein und am Rhein

Das vormittägliche Pontifikalamt zum Fest: wie in den Jahren zuvor eine geistlich reiche Feier. Eine mehrstimmige Messe; nur das Credo war das Choral-Credo (III), aber doch mit eingeschobenem mehrstimmigem Et incarnatus est. Und das Kyrie nicht für den Bußakt umgenutzt.
Ist das neu? – ich jedenfalls habe es in den vergangenen Jahren nicht bemerkt: An den Kommunionbänken wird das Sakrament von den meisten knieend empfangen.
Nur leider fiel die Annuntiatio festorum mobilium dem Zeitmaß des WDR zum Opfer, der die Messe übertrug (à propos: Annuntiatio festorum mobilium).
Dennoch war es der Sache wert, die Messe zu übertragen, denn die Predigt Kardinal Woelkis hatte Gewicht: ausgiebig warnte er davor, die Lehre der Kirche durch den Zeitgeist zu verwässern (es gibt Bischöfe, denen es zu so klaren Worten an Mut gebricht).

Nach Ende der Messe – noch vor dem Programmpunkt „Plauderei mit Sternsingern“ – mache ich mich auf den Weg über den Rhein. Eine Stunde vor unserem Pontifikalamt hatte in der griechisch-orthodoxen Kirche die Liturgie begonnen, die mit der Wasserweihe ausklingen soll. Ich komme dort zur Kommunion an, kann so die Wasserweihe vollständig erleben: den Weiheritus in der Kirche, die Prozession zum Rhein, die Weihe des Flußwassers.





Und danach bin ich immerhin noch zum dritten Heiligendreikönig bei der Purificatio der Laien angelangt.

Der Ruhrbischof und die Diskussion über das Weiheamt

« Ich persönlich bin den letzten Monaten und Jahren sehr nachdenklich geworden, weil ich erlebe, dass die Begründungslogiken für die Zulassung oder Nichtzulassung von Frauen zu bestimmten Ämtern und Diensten für ganz viele nicht mehr nachvollziehbar und für immer mehr Menschen auch nicht mehr akzeptabel sind. Das verschärft die Lage. Diskussionen zu dieser Frage werden nicht mehr verstummen, dessen bin ich sicher. Darum sind wir in unserer Kirche gut beraten, heute keine Mauern auf Dauer zu verfestigen, mit denen Frauen die Teilhabe an der Mitverantwortung verweigert wird. » So Bischof Franz-Josef Overbeck in seiner Predigt im Pontifikalamt zum Oktavtag von Weihnachten.
Geht es ihm da um das Weiheamt? Der Eindruck, daß es darum geht, läßt sich nur schwer abzuweisen. Dann aber ist die Formulierung «Zulassung oder Nichtzulassung von Frauen zu bestimmten Ämtern und Diensten» irreführend; denn die Frage ist nicht, ob Frauen zugelassen werden, sondern ob ihre Weihe möglich ist.

Nun ist die Frage einer etwaigen Weihe von Frauen durch eine authentische Erklärung des Lehramts, Johannes Pauls II. Apostolisches Schreiben Ordinatio Sacerdotalis beantwortet. Um eine authentische – nur authentische, nicht ex cathedra verkündete – Lehrentscheidung zu revidieren, bedürfte es klarer Argumente: hatten womöglich weibliche Bischöfe in einem Ökumenischen Sitz und Stimme? oder haben orthodoxe Kirchenväter geschrieben, daß die Kirche die Vollmacht habe, Frauen zu Bischöfen oder Priestern zu weihen? Wer solches nachweisen kann, der zeige es auf; wer das nicht kann, der bekenne sich zu Ordinatio Sacerdotalis.

Dienstag, 7. Januar 2020

«Willkommen zu dieser Messe!»

Eine bemerkenswerte Lektion, wie Klerikalismus sich äußert, hat eine Kirche im entlegener Gegend geboten.
Bei Orietur Occidens wird berichtet.

Sonntag, 5. Januar 2020

Zum Fest der Erscheinung des HERRN:
Die Ostertermine

Wie so oft, bleibt wegen der unterschiedlichen Berechnung der Mondphasen der Ostertermin dem julianischen Kalender nach unserem gegenüber um eine Woche zurück, während der jüdische Termin zu unserem paßt.
Hier zu den Osterterminen der drei Kalender.

Samstag, 28. Dezember 2019

Geistliche Weihnachten

Die Kirchen unseres obersächsischen Großstädtchens boten in diesem Jahr Gelegenheit zu wirklich geistlicher Weihnachtsfeier.
Eine festliche Messe in der Heiligen Nacht. Es wurde das „große Credo“, das nicæno-constantinopolitanische Glaubensbekenntnis gesprochen; und der polnische Kaplan versäumte es nicht (es ist heute wohl wirklich nicht mehr allen bewußt), darauf hinzuweisen, daß man zum «Er hat Fleisch angenommen» niederkniet.
Ein nicht minder festliches Hochamt am ersten Weihnachtstag. Hier, in Deutschlands Fernem Osten, wird verläßlich korrekt der Johannes-Prolog als Evangelium gelesen (im Norden habe ich anderes erlebt). Und die Messe wird bereichert durch Instrumentalmusik, was besonders bei der Opferung die Hinwendung auf das Geschehen am Altar mehr fördert als ein übliches Kirchenlied.
Nur: in den Vermeldungen dankt der Zelebrant der Frau, «die für uns Flöte gespielt hat» – man darf hoffen, daß sie für den Herrn gespielt hat (in der evangelischen Nachbarkirche weiß man es besser).
Daß auch das Fest des heiligen Stephanus entsprechend gefeiert wird, ist hierzulande selbstverständlich. Aber das nicht minder hohe Fest des heiligen Johannes, dessen Evangelientext das Weihnachtshochamt geistlich bereichert hat, das aber kein staatlicher Feiertag ist, wird gerne ignoriert (ich fürchte, im nächsten Jahr wird es dem Fest der heiligen Familie zum Opfer fallen).
Hier aber wird es heute gefeiert. Als ich ankomme, ist gerade noch das Allerheiligste ausgesetzt – eine schöne Vorbereitung auf die Eucharistiefeier. Abendmessen an Festen, die keine staatlichen Feiertage sind, besonders in der dunklen Jahreszeit, mag ich sehr; und ich schätze es, wenn ein sehr alter Priester in der Schlichtheit seines Alters zelebriert, ohne alle pastoral gemeinten Sperenzien (und dieser Priester ist dankenswerterweise noch in der Lage, selber, und natürlich allein, die Kommunion auszuteilen).
Darf man an diesem Hochfest, das der geltende Kirchenkalender nicht als solches gelten läßt, das dieses Jahr auf einen Freitag fällt, Fleisch essen? Ich habe es mir gestattet.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Wo Grausamkeit selbstverständlich ist ...

Aus einem Zeitungsartikel von Jutta Lietsch (Lektion China lieben lernen. taz vom 30.11.2019):
«Das „Verschwindenlassen“, das Verschleppen und Festhalten ohne rechtliche Grundlage ist in China nichts Ungewöhnliches. Die Kommunistische Partei (KP) ist das Gesetz, Polizei, Armee und Geheimdienste sind ihre Erfüllungsgehilfen. ...
Wer nur halbwegs bei politischem Verstand ist, muss sich fragen, wie es sein kann, dass die Politiker in Peking und ihre Statthalter in Urumqi ernsthaft glauben können, etwas anderes als heillose Wut, tiefe Kränkung und heftige Aggressionen in einer wichtigen Region ihres Landes zu ernten, wenn sie uigurische Frauen und Männer, Alte und Junge, hinter Stacheldraht sperren? ...
Die Antwort: Es ist ihnen völlig egal. Die Generation, die heute an der Macht ist, hat ihre Jugend in der Kulturrevolution der sechziger und siebziger Jahre erlebt [in der Zeit also, als in Deutschland durchaus nicht nur die K-Gruppen von Mao schwärmten], als Denunziationen, Folter und Massenkampagnen an der Tagesordnung waren. ...
Politiker wie der heutige KP-Chef Xi Jinping sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass politisch nur überlebt, wer stärker und härter ist als die anderen.»

Im Wettstreit um den Titel der grausamsten Diktatur der Erde führt zwar immer noch Nord-Korea, aber den Sudan und Eritrea hat China jetzt weit hinter sich gelassen.

Montag, 2. Dezember 2019

Deutsche Beihilfe zur Christenverfolgung

Nach wie vor werden vom Islam konvertierte Christen aus Deutschland und Österreich in den Iran abgeschoben, wo ihnen Folter und Lebensgefahr drohen.
Wieder drängt sich dieses Thema auf, ist darüber weiter zu lesen bei Orietur Occidens.

Samstag, 30. November 2019

Der blutleere Karneval der liturgischen Revolution

Harte Worte; aber sie sind mir gestattet, weil harte Worte darüber zuvor schon andere gebraucht haben, Große der Kirche, so die Kardinäle Ottaviani und Bacci, so Kardinal Ratzinger.
50 Jahre lang Novus Ordo: Orietur Occidens blickt zurück.

Dienstag, 26. November 2019

Donnerstag, 7. November 2019

Umgang mit Mißbrauch in der Kirche

Mons. Werner Thissen, emeritierter Erzbischof von Hamburg, hat über den Umgang mit sexuellem Mißbrauch im Bistum Münster gesprochen, dessen Personalwesen er in den frühen achtziger Jahren vorstand, dessen Generalvikar er in den späten achtziger und den neunziger Jahren war.
In diesem Gespräch mit der Bistumszeitung hat er Fehler eingestanden, die in Wirklichkeit nicht einfach seine persönlichen Fehler waren, sondern im Personalwesen allgemein verbreiteter Brauch, ein Brauch, der auf noch weiter verbreiteten Mißverständnissen vom Wesen von Therapie beruht.
Man hat der Therapie vertraut. Aber Psychotherapie ist kein Sakrament, sie wirkt nicht ex opere operato. Die wesentliche Leistung in einer Therapie ist die des Klienten: er muß therapiefähig sein, die erforderliche Beziehungs- und Introspektionsfähigkeit haben und darüber hinaus den psychischen (sagen wir einmal so:) Humus für Veränderung haben; und er muß sich willentlich und mit allem Einsatz auf die Therapie einlassen. Und selbst dann ist der Therapieerfolg nicht einfach gewährleistet.
Mißbrauchsverdächtige wurden irgendwann wieder in der Pfarrseelsorge eingesetzt, dann nämlich, wenn der Therapeut das für richtig erachtete. Ich arbeite seit mehr als zehn Jahren mit Alkoholikern; ich weiß, daß ich nicht wirklich vorhersagen kann, ob ein Patient rückfällig wird. Nun hat auch das Verhalten von Pädophilen und Teknophilen Suchtcharakter; bei ihnen ist ebensowenig vorherzusagen, ob sie rückfällig werden (die sexuelle Orientierung auf Kinder und Jugendliche selbst ist im sehr begrenzten Rahmen einer üblichen Therapie nicht aufhebbar).
Damals, in den achtziger Jahren, habe er keine Vorstellung davon gehabt, «was für ein Schaden bei einem jungen Menschen angerichtet wird durch Missbrauch» . Damit nun war er in jenen Jahren wenn nicht in guter, so doch in reichhaltiger Gesellschaft. Das ist mittlerweile (ihn belaste das heute sehr) dankenswerterweise sehr anders; dringend zu wünschen ist, das in den Ordinariaten darüber hinaus der Glaube an die quasi-sakramentale Wirkung von Therapie und an die Allwissenheit der Therapeuten geschwunden ist.

Mittwoch, 6. November 2019

Lohnprellerei

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Es bleibt legal ...
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Dienstag, 5. November 2019

Inkulturation im antiken Patras

Aus den Akten des seligen Apostels Andreas:
Die ganze Stadt [Patras] freute sich über die Genesung des Prokonsuls, und aus den Vororten kamen Menschenmengen, und sie brachten Kranke, die an verschiedenen Krankheiten litten. Er betete für sie, rief den Namen des Herrn Jesus Christus an, legte ihnen die Hände auf und heilte sie alle. Alle Einwohner der Stadt waren von Staunen ergriffen und riefen: «Groß ist die Macht des ausländischen Gottes! Groß ist der Gott, der vom Ausländer Andreas verkündet wird! Heute beginnen wir, unsere geschnitzten Götzenbilder zu zerstören, ihre Haine zu fällen, die götzendienerische Kenntnis der falschen Götzen und der Dämonen zu unterdrücken. Wir erkennen statt dessen den wahren Gott an, der von Andreas verkündet wird; groß ist der Gott von Andreas!» Alle zusammen stürzten sich auf die Tempel, hauten die Götzenbilder in Stücke, zerschlugen sie, vernichteten sie, zerstampften sie, zerstörten sie und verbrannten sie mit dem Ruf: «Genannt werde allein der Gott von Andreas.» Der Prokonsul Lesbius war froh über den Ruf der Menge und und freute sich über die Taten des Volks.
(cod. Vat. GR 807, 6, 1-2; zitiert nach Scuola Ecclesia Mater)

Sonntag, 27. Oktober 2019

Das Erste Gebot

Ich bin der HERR, dein Gott
•› Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
•› Du sollst Dir kein Bildwerk machen noch was immer ähnlich ist dem, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist.
•› Du sollst Dich nicht vor ihnen niederwerfen noch sie verehren:
Ich bin der HERR, dein Gott


Das «unidentifizierte Objekt», vor dem auf vatikanischem Boden sich manche niedergeworfen haben, mit dem eine Kirche in Rom geschändet worden ist, das im Tiber versenkt worden und wieder hervorgeholt worden ist, ist also doch – autòs éphe – Pachamama, die Demeter der Inkas.
«Beuge dein Haupt, stolzer Sicamber, verbrenne, was du angebetet hast, und bete an, was du verbrannt hast», sagte der heilige Remigius bei der Taufe Chlodwigs. Möge der Papst nun solche Worte zu denen sagen, die sich vor diesem Götzenbild niedergeworfen haben.

Samstag, 26. Oktober 2019

Das soziale Engagement der Kirche

Nein, anders als P. Martín Lasarte Topolanski halte ich es nicht für Klerikalismus, dringend zu wünschen, daß alle Christen zumindest allsonntäglich die Möglichkeit haben, an der Zelebration der Opferfeier teilzunehmen. Doch ähnlich wie er, wenn auch aus anderen Gründen, setze ich keine Hoffnung auf die Weihe verheirateter Männer zu Priestern, einerseits aus Gründen, die wir bereits an anderer Stelle ausgeführt haben, andererseits weil ich nicht glaube, das in Teilkirchen, in denen das geistliche Leben derart ist, daß es so keine Priesterberufungen mehr gibt, es wirklich die geistlich reifsten verheirateten Männer wären, die zum Priesteramt ausersehen würden.

Aber seine Darstellung der «Drei Krankheiten, die die Evangelisation Amazoniens steril machen», ist überzeugend; und überzeugend ist im Besonderen seine Bewertung des sozialen Engagements der Kirche:
« L’impegno sociale della Chiesa, nell’evangelica opzione per i più poveri, […] senza dubbio è stato e continua ad essere un aspetto costitutivo del processo di evangelizzazione, che esprime la dimensione “diaconale” della Chiesa. Un impegno del genere ha costituito una ricchezza non solo per la Chiesa latinoamericana, ma per la Chiesa universale.
Il problema sorge quando questo genere di attività assorbe il resto della vita e i dinamismi della Chiesa, lasciando in ombra, mettendo a tacere o dando per scontate le altre dimensioni: kerigmatica, catechetica, liturgica, la koinonia… Siamo in una tensione irrisolta tra Marta e Maria. »
Quelle: Ital.: Un missionario chiamato dal papa al sinodo sull’Amazzonia spiega in che cosa la Chiesa sbaglia – Engl.: A Missionary Called By the Pope To the Synod On the Amazon Explains What the Church Gets Wrong – Span.: Un misionero llamado por el Papa para participar en el sínodo sobre la Amazonia explica en qué se equivoca la Iglesia – Franz.: Un missionnaire appelé par le Pape au synode sur l’Amazonie explique en quoi l’Église se trompe

Samstag, 12. Oktober 2019

Kirchliches Leben in Fülle

Wieder einmal einige Tage in Wigratzbad im Priesterseminar der Petrusbruderschaft. Leider erlebe ich dieses Mal keinen Sonntag noch ein höheres kirchliches Fest; doch im übrigen ist wieder, wie damals, alles da, was ich mir wünschen kann: eine herzliche Atmosphäre, großes geistiges Interesse und Gottesdienste, die wirkliche Gottesdienste sind.
Einige Beobachtungen dazu sind unter der Chronik von Orietur Occidens zu finden.
Die Zahl der Angehörigen der Bruderschaft hat in diesen acht Jahren beträchtlich zugenommen: Heute umfaßt sie 290 inkardinierte Priester sowie 14 weitere, die in verschiedener Art assoziiert sind, und zudem 14 Diakone. 30 Seminaristen sind in diesem Herbst neu im Seminar in Wigratzbad aufgenommen worden, mehr als je zuvor; weitere 15 sind es im Seminar der Bruderschaft in Denton.
Noch einmal der Aufruf: Kirchensteuermittel erhält die Bruderschaft nicht, alles wird durch Spenden finanziert. Wer für die Zukunft der Kirche spenden will: hier ist dazu Gelegenheit.

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Ein sonderbarer Feiertag

Als „Tag der deutschen Einheit“ wurde 1953 der 17. Juni zum Feiertag erklärt.
Sinn eines Feiertags ist es, eines bedeutenden Geschehens zu gedenken, es zu feiern: so wurde am damaligen „Tag der deutschen Einheit“ des Arbeiteraufstands in der DDR an diesem Tag gedacht – jenes Aufstands, der Bertolt Brecht zu den berühmten Versen veranlaßte: «Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?»
Wieder kam es im Spätsommer und Herbst 1989 in der DDR zu einem Aufstand des Volks gegen die Regierung, in dessen Brennpunkt die Montagsdemonstrationen in Leipzig seit dem 4. September standen und der seinen Höhepunkt mit der Montagsdemonstration am 9. Oktober erreichte, der friedlichen Versammlung der Siebzigtausend – der Angst vor der „chinesischen Lösung“ zum Trotz, vor einem Massaker wie drei Monate zuvor in Peking. Diese Demonstration bedeutete das Ende der Alleinherrschaft der SED und öffnete den Weg zur künftigen deutschen Einheit.
Doch als im nächsten Jahr es wirklich zu dieser deutschen Einheit kam, wurde als neuer „Tag der deutschen Einheit“ der 3. Oktober ausgerufen, ein Tag, der keine eigene Bedeutung gehabt hatte (an das Fest der heiligen Märtyrer Ewald & Ewald an diesem Tag dachte anscheinend kein Politiker), sondern durch einen einfachen Rechtsakt als Tag des juristischen Vollzugs der Wiedervereinigung festgelegt worden war (und es war auch nicht etwa ein Montag, auf den dieser juristische Akt gelegt worden war, sondern ein Mittwoch).
Warum dieser sonderbare Feiertag ohne eigenen Anlaß?
Ein Verdacht drängt sich auf: mehr und mehr wurde in jener Zeit der Eindruck erweckt, die Wiedervereinigung sei nicht das Werk des Volks der DDR, sondern des „Einheitskanzlers“, dem diese Wiedervereinigung eher unverhofft in den Schoß gefallen ist.

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Abenteuer in schwäbischen Kirchen

Am Samstagabend:
Geistliches Konzert in der evangelischen Kirche


Geistliche Gesänge, unterbrochen von Lesung und Gebet – so wird das Konzert zum Gottesdienst gemacht. Und das ist ernst gemeint: zum Schluß zieht der Chor singend aus der Kirche aus; so gibt es keine Gelegenheit zum Applaus – denn geistlicher Gesang richtet sich ja wesentlich an den Herrn, nicht an die Gemeinde.

Am Sonntagmorgen:
Eine Messe in der katholischen Kirche


• Ein Priester, der es gut meint •

Mittwoch, 18. September 2019

Der große Plumps

Nach langer Zeit wieder: es wird, der Kantorei sei Dank, ein lateinisches Meß-Ordinarium gesungen. Es ist eine Schubertmesse (mit der berühmten Textstelle «unum baptisma in remissionem peccatorum mortuorum»). Das Benedictus, das nach gegenwärtiger Liturgieordnung nicht an seiner eigentlichen Stelle erscheinen kann, wird sinnvollerweise zur Kommunion gesungen, so wie wir es schon aus den Apostolischen Konstitutionen (VIII.) kennen. Und sinnvollerweise wird hier, nach der Wandlung, statt «Benedictus qui venit» «Benedictus qui vēnit» gesungen.
Doch zurück zur Wandlung: nach der Präfation tritt ein Phänomen ein, das sich auch sonst gelegentlich in Kirchen zeigt, die des liturgischen Chorgesangs, wie ihn die Liturgiekonstitution des II. Vaticanum fordert (Sacr. Conc. 116.), entwöhnt sind: der große Plumps – die Gemeinde, die sich zur Präfation erhoben hatte, ist plötzlich, statt stehend oder schon kniend mitzubeten, fast kollektiv auf ihren Sitzflächen gelandet.

Freitag, 30. August 2019

Die Entwicklung des römischen Kirchenjahrs

Es mangelt nicht an Büchern und Artikeln über die Geschichte des römischen Kirchenjahrs. Doch in der Regel erscheint sie als Geschichte einzelner Feste, ohne daß das System angemessen sichtbar würde, daß ihnen zugrunde lag. Es ist dann von Duplex-Feste die Rede, es wird erwähnt, daß diese im Mittelalter viel weniger waren als in der Neuzeit; es ist zu erfahren, daß es viele Oktaven gab, die die normalen Tage verdrängt hätten – aber welche Duplex-Feste gab es eigentlich, welche Oktaven; und was bedeuteten sie im Organismus des Festkalenders?
Und was lag der grundlegenden Veränderung des Kalenders in der Neuzeit zugrunde?
Fragen, die wenig Beachtung gefunden haben. Darum ist dem ersten dieser Fragenkomplexe in unserem neuen Heft zu Ehren der heiligen Märtyrer Ewald & Ewald eine längerer Abhandlung gewidmet, ergänzt durch Tabellen im Netz. Diese Abhandlung ist nun außerdem als html-Datei zugänglich:
Entwicklung und Vollendung des römischen Kirchenjahrs
Und dort zeigt sich, daß es in Wirklichkeit ein wohlgeformter Organismus war, es kein Übermaß etwa an Oktaven und dergleichen gab.

Der zweite Fragenkomplex aber soll im nächsten Heft abgehandelt werden.

Dienstag, 27. August 2019

Unklare Wahrheit?

«Unklare Wahrheit oder Legenda nera?» haben wir vor acht Monaten in Sachen Kardinal Pell geschrieben. Nun erklärt ein amerikanischer Journalist, der sich zuvor bei der Aufdeckung von Kardinal McCarricks Taten engagiert hat, mit ausführlicher Darstellung der Beschuldigung Kardinal Pells, daß «wir die Pflicht haben, George Pell zu schützen, so wie wir uns verausgabt haben, Theodore McCarrick zu verurteilen.»
Natürlich: ich weiß nach wie vor nichts Sicheres. Aber einfaches Vertrauen in die australische Rechtsprechung scheint nicht am Platze zu sein.

Montag, 26. August 2019

Liebesleben – ?

«Bettgeschichte? Benutzt Kondome.» So ist zu lesen auf Plakaten, die auch den Hinweis auf „liebesleben.de“ enthalten.
Nun bieten bei Bettgeschichten Kondome epidemiologisch einen gewissen (für den einzelnen freilich eher ungewissen) Schutz vor venerischen Infektionen.
Aber wenn es sich um Liebesleben handelte, bedürfte es keiner Kondome.

Samstag, 24. August 2019

Ewald & Ewald – das neue Jahrbuch zu Ehren der beiden Märtyrer des Niederrheins

Seit einigen Monaten ist unser neues Heft erschienen; nun sei es der internetten Öffentlichkeit vorgelegt.
Zwei sehr verschiedene Artikel daraus seien kurz vorgestellt:

«Wahre und makellose Religion vor Gott dem Vater ist, die Waisen und Witwen in ihrer Bedrückung zu besuchen und sich unbefleckt zu erhalten vom Zeitgeist.» Damit sagt Jakobus (1, 27) nicht, daß sich die christliche Religion hierin erschöpfe; aber ohne daß in solcher Weise das Christentum im praktischem Leben des Christen Raum fände, wäre jeder tiefere geistliche Anspruch hohl.
«Der Primat des Christentums» – ein sperriger Titel. Die Frage, die er stellt: was hat im praktischen und besonders im politischen christlichen Leben den Primat? Darauf gibt einer unserer Autoren ganz im Sinne des heiligen Jakobus eine Antwort für die politischen Debatten unserer Zeit.

Vigilien sind keine Feste; „Halloween – der Heiligen [Vor-] Abend“ ist ein Fasttag, kein Fest; das damit verbundene makabre Kinderfest ist US-amerikanischer Herkunft. Dennoch ist „Halloween“ in den aus der DDR hervorgegangenen Bundesländern zum stattlichen Feiertag geworden.
Eine niederrheinische Autorin zeigt, daß das Bedürfnis nach Makabrem bestens mit niederrheinischen Mitteln gestillt werden kann, ohne daß dazu amerikanische Peinlichkeiten benötigt werden.

Samstag, 17. August 2019

Das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel im Diaspora-Großstädtchen

Vor fünf Jahren noch gab es zu diesem Fest in der Propstei, nahe der Innenstadt, eine Abendmesse; nun bleibt für den berufstätigen Katholiken in unserem Diaspora-Großstädtchen nur noch eine Messe in einer Kirche am äußersten Stadtrand (zwar gibt es auch eine Abendmesse im Gründerzeitviertel, die aber, «gestaltet vom Frauenkreis», kraft übelster Erinnerungen nicht in Betracht kommt).
Also: ein Auto geliehen, dann geht die Fahrt zunächst bis ans Ende der Welt (nein, da ist kein Bretterzaun, sondern ein „Südring“ aus Asphalt), dann nach links, dann wieder nach rechts, und dann ist rechts der Straße ein Irrgarten, in den man hineinfährt; und nach einigen Irrungen und Wirrungen gelangt man tatsächlich an eine Kirche.
Und wirklich: dort wird eine Festmesse gefeiert. Zum Einzug wird sogar Weihrauch getragen; am Ende wird sogar ein Marienlied gesungen.

Hausrecht vor Grundrechten

Am Oktavtag des heiligen Diakons Laurentius, der mit den damals spärlichen Besitztümern der Kirche die Armen beschenkt hat, sei darauf hingewiesen, wie heutigentags ein bundeseigenes Unternehmen mit Armen umgeht.
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Dienstag, 6. August 2019

Wiedergefunden!

Drei Jahre ist es her, daß das Senftöpfchen untergegangen ist; und trotz scheinbar einschlägigen Hinweisen schien die Steuerfrau in den Weiten des Netzes verschollen. Nun ist sie – Claudiæ gratias! – als Mitglied eines Triumfeminats wiedergefunden und (samt ihren Mitstreiterinnen) Maskulin wie Feminin empfohlen:
katholisch & feminin
Allerdings ist das letzte Positum vom Mai – zu hoffen ist, daß es nicht dabei bleibt.

Montag, 29. Juli 2019

Abba – Vater

Schon als Schüler hatte ich davon gehört, daß Abba eine Zärtlichkeitsform sei, wie „Papa“. Damals habe ich das unkritisch aufgenommen und es auch einmal in einem langen Gespräch mit einem Zeugen J”s erwähnt. Herr Zöllfell widersprach: das entspreche nicht der Höhe der Sprache des Evangeliums. Nun habe ich keine Sympathie für diese Sekte, doch habe ich so manche achtenswerte Person aus ihr kennengelernt; und diese Antwort beeindruckte mich. Ich bin später dieser Frage weiter nachgegangen, mit klarem Ergebnis: Abba ist im Palästinensischen Aramäisch der Status emphaticus und damit auch die Anredeform von ab – Vater, es ist dafür nur diese Form überliefert. Die Frage ist nur, woher das geminierte b stammt, daß es naturgemäß im Status absolutus und Status constructus nicht gibt, aber ebensowenig in den Formen mit Possessivsuffix.
Als ich in E&Ewald (Aus dem Schilfdickicht des Jordan. E&E 7 (2002), S.23-26) diese Frage besprochen habe, habe ich mich Joachim Jeremias angeschlossen, der (wenn er auch der Lallform-These beipflichtet) darin eine analoge Bildung zu imma – Mutter erkennt.
Als dieses Wort in den Meßtexten des heutigen Sonntags auftaucht, habe ich weiter Gelegenheit, darüber nachzudenken. Dabei kommt mir eine zweite Analogie in den Sinn, die bei der Entstehung dieser Form nicht minder bedeutsam gewesen sein könnte.
Rabb- bedeutet „viel“ und dann auch „stark, mächtig“. Im Arabischen bedeutet es auch „Herr“, im Späthebräischen und Aramäischen „Meister“. In dieser Bedeutung wird es oft mit dem Possessivsuffix der 1. P. Sg. verbunden: rabbî, im Jiddischen stehen für die Religionsgelehrten die Form mit diesem Suffix und die ohne es nebeneinander: Row und Rebbe.
Der aramäische Status emphaticus dieses Wortes ist natürlich rabba. Rabba und daneben aba: das könnte dazu beigetragen haben, dieses letztere Wort, das ja auch als ehrende Anrede geistlicher Persönlichkeiten benutzt wurde (J. Jeremias erwähnt es, Jesus spielt darauf an: Matth. 23, 9), anzugleichen zu abba.

Samstag, 27. Juli 2019

„Identitäre Bewegung“ und „Theologie der Religionen“

Die „Theologie der Religionen“ – genauer: „Pluralistische Theologie der Religionen“ – ist bei etlichen progressiven Christen – genauer: „Christen“ – beliebt. Sie lehrt, daß alle Religionen gleichermaßen Anteil an der Wahrheit hätten, Wege zum Heil seien.
Die „Identitäre Bewegung“ ist bei etlichen konservativen Christen beliebt. Sie vertritt den „Ethnopluralismus“, dessen Kern einer ihrer Vorkämpfer (Mario Müller: Kontrakultur. Steigra 2017 – das Zitat habe ich in einem Zeitungsartikel entdeckt) so definiert: «Ethnopluralismus ist die Überzeugung, dass die Vielfalt der Völker, Kulturen und Religionen dieser Erde ihren Reichtum ausmacht und daher als Wert an sich erhaltenswert ist.»
So haben wir auf der konservativen Seite des Spektrums unter anderer Flagge die gleiche „Pluralistische Theologie der Religionen“.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Nach deutscher Ernährungslehre

ernähren sich die Spanier sehr ungesund. Und die Folgen?
Eine Zeitungskolumne von Heiko Werning schildert sie eindrücklich.
Dazu noch eine WHO-Studie.