Samstag, 27. November 2021

Die sieben Weihen

Die sieben Weihen: gleichsam der Advent des Priesteramts. Daher rechtzeitig zum Advent ein Abschnitt zu diesem Thema aus Wilhelm Stählins „Via vitæ“.

Freitag, 26. November 2021

Liturgisches von einem evangelischen Theologen

„Via vitæ“ – unter diesem Titel hat Wilhelm Stählin seine „Lebenserinnerungen“ veröffentlicht. Er war evangelischer Pastor und Theologieprofessor, Mitbegründer der Michaelsbruderschaft, einer achtenswerten evangelischen Vereinigung, die noch heute besteht. Der nationalsozialistischen Bewegung stand er von Anfang an scharf ablehnend gegenüber; doch trat er dem Regime nicht mit offenen Widerstand, sondern diplomatisch entgegen.
Sein Lebenswerk war vor allem der geistlichen und besonders auch der liturgischen Erneuerung im evangelischen Raum gewidmet. Wenn er auch sei
n Leben lang ein wenig jugendbewegt blieb und wenn er auch sich nachdrücklich dagegen verwahrte, katholisch, gar „römisch katholisch“ oder auch nur hochkirchlich zu sein, so bestand sein Erneuerungswerk doch zu einem großen Teil im Rückgriff auf katholische Traditionen.
In seinen Lebenserinnerungen steht vieles, was zitierenswert ist und ganz häufig sich auf die Liturgie bezieht. Daraus wollen wir einige Stellen wiedergeben; hier nun als erste zwei Erlebnisse aus der NS-Zeit: (Evangelische) „Kirche und Volk“ und „Rompilger“.

Samstag, 20. November 2021

Applaudieren im Gottesdienst

Umbau auf Orietur Occidens. Bisher haben wir eine Chronik geführt von kleinen Erlebnissen bei verschiedensten Gottesdiensten. Dabei hat sicher einiges Interessante gestanden; aber schließlich hat sich alles wiederholt. Darum wollen wir künftig eine Seite über liturgische Themata vorlegen, in der auf jene Chronik nur noch verwiesen wird, wo diese etwas zur Darstellung beiträgt.
Begonnen hatten wir gerade mit „Priesteramt und Berufung von Frauen“; nun geht es weiter mit „Applaudieren im Gottesdienst“.

Donnerstag, 18. November 2021

«Berufung zur Diakonin und Priesterin»?

»Weil Gott es so will« – unter diesem Titel hat eine Benediktinerin, Sr. Philippa Rath, ein Buch herausgegeben, in dem 150 Frauen von ihrer vorgeblichen «Berufung zur Diakonin und Priesterin» erzählen (Freiburg 2021), in dem sogar das Zeugnis dreier Heiliger angeführt wird, ein Buch, das, wie ich hören mußte, selbst in einer katholischen Sonntagsmesse in der Predigt kritiklos angeführt wurde.
Anlaß genug für uns, Stellung zu nehmen.

Samstag, 6. November 2021

Die zwölf Stämme Israels in der Lesung von Allerheiligen

Überlieferter und neuer Ordo – die Lesung von Allerheiligen im neuen zeigt einen Zug von Antijudaïsmus; doch was den markantesten Unterschied zwischen den beiden Ordines ausmacht, ist etwas anderes.

Adsumus, Sancte Spiritus

Ein Gebet zur „Synode zur Synodalität“, das ganz anders klingt als das Treiben des „Synodalen Wegs“ – ein Hoffnungsschimmer?

Sonntag, 31. Oktober 2021

Der ganze Talmud und auch in deutscher Übersetzung


 

Ja den gibt´s im Netz (In der klassischen Übersetzung von Lazarus Goldschmidt);

wenn auch ein bischen verschachtelt.

Zunächst diesen Link klicken:   Talmud

 Dann Kapitel auswählen 

und dann unter "Versions" auswählen.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Auch in der Kirche in Frankreich: Sexueller Mißbrauch

Eine furchtbare Zahl: von 1950 bis 2020 wurden zwischen 165.000 und 270.000 Kinder in Frankreich sexuell mißbraucht von Priestern oder Ordensleuten (Les violences sexuelles dans l’Église catholique / France 1950-2020. Rapport de la Commission indépendante sur les abus sexuels dans l’Église. Octobre 2021, § 0575, p. 222).
Daß Priester und Ordensleute überhaupt dergleichen begehen, ist furchtbar, aber irgendwie hat man sich in den letzten Jahren daran gewöhnt, davon zu hören; und daß 2,5-2,8 % der französischen Priester und Ordensleute sich in dieser Weise schuldig gemacht haben (§ 0070, p. 40), übertrifft die Erwartungen nicht. Und die geringeren Zahlen bei Schulen, Sport und Ferienlagern (ibid.) mögen davon beeinflußt sein, daß dort bisher weniger nachgeforscht wurde.
Was aber entsetzt, ist, daß die Hochphase dieser Taten die Jahre 1950-1970 umfaßt, also schon vor den Wirren der sechziger Jahre begonnen hat (§ 0267, p. 125 – freilich sank danach nicht nur die Zahl der Übergriffe, sondern auch die der Priester und Ordensleute, die sie begehen konnten). Was entsetzt, ist weniger, daß den Kindern nicht sogleich geglaubt wurde – daß man zunächst einmal Vertrauen zu Priestern und Ordensleuten hatte, war verhängnisvoll, aber dahinter steht ein Dilemma: «Jeder Obere, jeder Vorgesetzte muß Vertrauen haben zu denen, die ihm anvertraut sind» –, als vielmehr, daß, wenn es dann klar wurde, nicht die Normen des kanonischen Rechts strikt angewandt wurden (§ 0269, p. 125), sondern die Täter nur versetzt wurden oder auch in Spezialkliniken gewiesen und dann wieder im priesterlichen Dienst eingesetzt wurden (§ 0270, p. 126), als hätte Therapie eine gleichsam sakramentale Wirkung. «Namentlich in Diözesen mit schwacher religiöser Praxis» sei es nur zu Versetzungen gekommen – so führte der geistliche Niedergang in den Diözesen zu geistlichem Versagen der Ordinariate, das wiederum diesen Niedergang verschärfen mußte. Und schlimm ist, daß Opfer zu einem Eid des Schweigens gedrängt wurden (§ 0269).

Anderswo wurde berichtet, eine amerikanische Ordensfrau sei «von einem Freund gefragt worden, warum Katholiken nach all den Skandalen nicht austreten sollten, und nach einem langen Schweigen habe sie geantwortet: „Wir bleiben wegen Jesus Christus.“»
Dieser Antwort kann man nur beipflichten. Aber wenn von ebendieser Ordensfrau geschrieben wird, es falle ihr «in letzter Zeit sehr schwer, die Worte des Glaubensbekenntnisses zu rezitieren: „Eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“», so darf man sich daran erinnern, daß die Kirche nicht die Kirche all dieser Mietlinge, des Kardinals …, die der Bischöfe … und … und wie sie alle heißen (ich verzichte darauf, Namen anzuführen, die mir vor Augen sind) ist, sondern Kirche Jesu Christi, des Herrn, des Kyrios (Kyriakè Ekklesía), ist. Und es ist die Kirche der Apostel und Heiligen – und daß unter den Aposteln Christi auch Judas Iskariot war, hat damals niemanden vom Glauben an seine Kirche abgebracht.
Jedem Bischof, jedem Priester bleibt das Recht unbenommen, sich ganz privat nach seiner Façon auf den Weg in die Hölle zu machen. Wenn er allerdings dieses Recht mit seinem Auftreten in seinem Amt verbindet, so ist das schlimm – aber auch Judas Iskariot hat das schon getan.

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Ein Bischof vor einem Ministerthron

«Das Beichtgeheimnis hat für uns als Verpflichtung Vorrang vor den Gesetzen der Republik.» So ist es, und so sagte es klar Moulins-Beaufort, Erzbischof von Reims und Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz.
Dann aber bekam er Gegenwind von der Politik; und nun nannte er das «eine ungeschickte Formulierung».
Unsere Propsteikirche hat das Patrozinium des heiligen Johannes Nepomuk; dieser hätte diese Formulierung nicht ungeschickt gefunden.

Was ist der Priester in der Messe?

Ein Artikel, ein „Editorial“ von Abbé Louis-Marie Berthe, dem ich insgesamt durchaus nicht beipflichte (weshalb ich ihn auch nicht einlinke). Aber ein Absatz daraus ist zitierenswert:
«Je mehr ein Priester die traditionelle Messe feiert, desto mehr entdeckt er, daß er nicht so sehr der Vorsitzende einer Versammlung ist, sondern der Diener Jesu Christi, der sich am Kreuz opfert. Ist es nur ein Zufall, wenn die Zahl der Diözesanpriester sinkt, während dort, wo die traditionelle Messe gefeiert wird, dort viel mehr – verhältnismäßig gesprochen – Priesterberufungen entstehen?»

Sonntag, 3. Oktober 2021

25 Jahre Ewald & Ewald

Heute vor 25 Jahren haben wir zum ersten mal das Fest der heiligen Märtyrer Ewald & Ewald mit unserem Heft zu ihren Ehren gefeiert. Seither ist zu ihren Ehren alljährlich ein Heft erschienen. Und zur Feier dieses Halbjubiläums haben wir das Heft 25 im Netz der Öffentlichkeit übergeben.
Dort wird von kundiger Seite die vergebene Chance dargelegt, die die Corona-Epidemie für den Gesang in der Kirche eigentlich geboten hat, die aber unbeachtet blieb; es wird besprochen, was es mit dem Aussatz in der Bibel eigentlich auf sich hat und des weiteren, warum manche Apostel dort unter zwei verschiedenen Namen erscheinen; der 700. Todestags Dantes wird da gefeiert; und es wird erklärt, wie die Christologie der Zeugen J”s vom rechten Weg abgekommen ist, wieweit sie sich von der Lehre des Evangeliums entfernt hat.
Der Artikel über Thomas von Aquin allerdings durfte nur auf Papier erscheinen; wer ihn lesen will, muß das Heft bestellen oder sich mit einem Ligamen auf eine gesprochene etwas kürzere Version begnügen.
Die Geheimnisse der Arithmetik allerdings führen dazu, daß am 25. Jahrestag das 26. Heft erscheinen mußte. Das wurde am Vorabend nach der Vesper feierlich entkorkt; es kann nun auf Papier bestellt werden.

Dienstag, 31. August 2021

Ein Bischof auf den Spuren der Sowjetunion

Es gab eine Zeit, da in der Sowjetunion Dissidenten in psychiatrische Anstalten zwangseingewiesen wurden.
Diesem großen Vorbild eifert nun der Bischof von Alajuela in Costa Rica, Mons. Bartolomé Buigues Oller, nach: Pfarrer Sixto Eduardo Varela Santamaría hatte bisher nach dem außerordentlichen Usus zelebriert. Seit dem Erscheinen des Motu proprio Traditionis Custodes zelebrierte er nach dem Novus Ordo, auf Latein, zum Herrn gewandt. Daraufhin hat ihn der Bischof von allen Ämtern suspendiert und in eine Klinik zu «psychologischer Behandlung» geschickt.
(Priester suspendiert, weil er neue Messe auf Latein feierteLe motu proprio qui rend fou)

Freitag, 6. August 2021

Was an Traditionis Custodes besonders Sorgen bereitet

– das ist Artikel 6, der die bisherigen Ecclesia Dei-Institute der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften apostolischen Lebens unterstellt. Diese Kongregation hat mit ihrem Vorgehen etlichen Gemeinschaften gegenüber, von den Franziskanern der Immaculata bis zu Mariawald, bisher nicht zu zeigen vermocht, daß sie wirklich Sinn hätte für das Anliegen des überlieferten Ordo.
Gebet tut not für all diese Institute.

Donnerstag, 5. August 2021

Anmerkungen zu Traditionis Custodes

Aus der Einleitung des Motu proprio Summorum Pontificum von Papst Benedikt XVI.: «Nachdem die inständigen Bitten dieser Gläubigen schon von Unserem Vorgänger Johannes Paul II. über längere Zeit hin abgewogen worden sind und Wir auch die Kardinäle in dem am 23. März 2006 abgehaltenen Konsistorium angehört haben, nachdem alles reiflich abgewogen worden ist, nach Anrufung des Heiligen Geistes und fest vertrauend auf die Hilfe Gottes, BESCHLIESSEN WIR mit dem vorliegenden Apostolischen Schreiben folgendes:»
Aus der Einleitung des Motu proprio Traditionis Custodes von Papst Franziskus I.: «Nachdem ich nun die von den Bischöfen geäußerten Wünsche erwogen und die Meinung der Glaubenskongregation gehört habe, ist es meine Absicht, mit diesem Apostolischen Schreiben in der beständigen Suche nach der kirchlichen Gemeinschaft weiter fortzuschreiten. Daher habe ich es für angemessen gehalten, Folgendes zu bestimmen:»
Der Unterschied der beiden Formulierungen ist markant; zunächst: Papst Benedikt hat das Kardinalskollegium einbezogen, den Senat der römischen Kirche, Papst Franziskus aber nur eine kirchliche Behörde, die Glaubenskongregation, und dazu «die Bischöfe»: «Die eingegangenen Antworten [auf den ihnen zugeschickten Fragebogen] haben eine Situation offenbart, die mich traurig und besorgt macht, und mich darin bestätigt, dass es notwendig ist einzugreifen.». Doch deren Einbeziehung war, wie in Religión en Libertad dargelegt und von einer Vielzahl bischöflicher Stellungnahmen illustriert, wohl nur eine Formalität, ohne Bedeutung für die schon zuvor getroffene Entscheidung.
Vor allem aber kommen bei Benedikt auch der Heilige Geist vor und zudem die Gläubigen, die Laien, die bei Franziskus hier keine Rolle spielen – ebendies ist es, wovor er an anderer Stelle warnt, was er dort „Klerikalismus“ nennt.

In Traditionis Custodes erklärt der Artikel 1: «Die von den heiligen Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. in Übereinstimmung mit den Dekreten des Zweiten Vatikanischen Konzils promulgierten liturgischen Bücher sind die einzige Ausdrucksform der Lex orandi des Römischen Ritus.»
Solche Bücher gibt es nicht: am Beispiel des – unter den hier gemeinten Büchern besonders bedeutsamen – Missale Romanum von 1970 haben wir kürzlich dargelegt, daß dieses nicht nur nicht dem Geist der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium des II. Vaticanum entspricht, sondern ihm zudem dem Buchstaben nach mehrfach direkt widerspricht.

Mit der Aussage des Artikels 1 «.. sind die einzige Ausdrucksform der Lex orandi des Römischen Ritus» widerspricht Franziskus I. direkt Benedikt XVI., der im Artikel 1 von Summorum Pontificum schrieb: «Das vom hl. Pius V. promulgierte und vom sel. Johannes XXIII. neu herausgegebene Römische Meßbuch hat hingegen als außerordentliche Ausdrucksform derselben „Lex orandi“ der Kirche zu gelten» – dies ist eine Feststellung, was dieses Meßbuch ausdrückt, keine disziplinarische Anordnung.
Das heißt, daß Franziskus sich der päpstlichen Autorität Benedikts schlicht entgegenstellt. Er selber aber hat keine andere Autorität; somit bestreitet er damit auch seine eigene Autorität.

«Einerseits gilt es, für das Wohl derer zu sorgen, die in der vorhergehenden Zelebrationsform verwurzelt sind und Zeit brauchen, um zum Römischen Ritus zurückzukehren, wie er von den Heiligen Paul VI. und Johannes Paul II promulgiert wurde», schreibt Papst Franziskus in seinem Brief „an die Bischöfe in aller Welt, in dem er das Motu proprio «Traditionis Custodes» … vorstellt.“ Das zeigt das Ziel, den überlieferten Ordo mit der Zeit ganz aussterben zu lassen. Das das weder geistlich noch kirchenrechtlich möglich ist, haben wir vor längerer bei einem anderen, weniger bedeutsamen Anlaß, hat ebenso Martin Mosebach jetzt dargelegt. Und was mit denen werden soll, die durch das Erlebnis der Liturgie im überlieferten Ordo zum Glauben gekommen sind (hier ein Beispiel), wird vom Papst nicht berücksichtigt.
Überhaupt zeigt dieser Brief des Papstes ein völlig verzerrtes Bild von der Wirklichkeit: «Aber nicht weniger macht mich ein instrumenteller Gebrauch des Missale Romanum von 1962 traurig, der immer mehr gekennzeichnet ist von einer wachsenden Ablehnung nicht nur der Liturgiereform, sondern des Zweiten Vatikanischen Konzils ...» – unter den Traditionalisten außerhalb der Piusbruderschaft habe ich nie jemanden die Gültigkeit des II. Vaticanum in Frage stellen hören. Eine faktische Ablehnung des II. Vaticanum dagegen findet sich, wie oben bereits angesprochen, im Missale Pauls VI. selbst.

Franziskus I. schreibt in der Einleitung von Traditionis Custodes, er wolle mit seinem Erlaß «in der beständigen Suche nach der kirchlichen Gemeinschaft weiter fortzuschreiten», er schreibt in seinem Brief, es gehe ihm darum, «die Einheit des Leibes Christi zu verteidigen.» Aber diese Einheit zu stärken war schon Ziel und Leistung von Summorum Pontificum: «Diese zwei Ausdrucksformen der „Lex orandi“ der Kirche werden aber keineswegs zu einer Spaltung der „Lex credendi“ der Kirche führen», hatte Benedikt XVI. im Artikel 1 von Summorum Pontificum geschrieben; in seinem Begleitbrief schrieb er ausführlich, wie sehr es ihm um diese Einheit ging. Doch er hat dazu den Weg der Versöhnung und Anerkennung berechtigter Anliegen gewählt und viel Erfolg erzielt; nun aber, da die Einheit durchaus, doch keineswegs durch den überlieferten Ordo gefährdet ist, sucht Franziskus I. sie durch Restriktion gegen diesen Ordo zu erreichen.
Traditionis Custodes könnte man als große Maßnahme ansehen, der Piusbruderschaft Gläubige zuzuführen (die Piusbruderschaft allerdings ist nicht zynisch genug, das so zu sehen).

Anzumerken ist noch, daß es in Traditionalistengemeinschaften kaum Fälle von sexuellem Mißbrauch und Vertuschung gibt, während sie andererseits, von Kardinal McCarrick bis zu Mons. Zanchetta, bis in die unmittelbare Umgebung von Papst Franziskus reichen.

Mittwoch, 4. August 2021

Klare Stellungnahmen und couragierte Dekrete von Diözesanbischöfen

Seitdem das Motu proprio Traditionis Custodes erschienen ist, hat Acción Litúrgica (bitte jeweils am Ende zweimal auf Entradas antiguas klicken!) vom nächsten Tag an, dem 17. Juli, bis gestern, bis zum 3. August, Stellungnahmen veröffentlicht, vor allem von Kirchenfürsten, sowie Erklärungen und Dekrete zugunsten des überlieferten Ordo von einer so großen Zahl von Diözesanbischöfen, von Erzbischof Salvatore Cordileone von San Francisco über Bischof Georg Bätzing von Limburg (!) bis zu Erzbischof Pascal N´Koué («Ich zelebriere in beiden Formen») von Parakou, Benin, und Bischof Thomas Paprocki von Springfield, Illinois, daß mir die Mühe, sie zu zählen, zuviel wurde.
Besonderen Mut zeigt Bischof Thomas J. Olmsted von Phoenix, Arizona: er erklärt, daß «wir in der Diözese Phönix damit gesegnet sind, zahlreiche gläubige Mitglieder zu haben, die dieser Form des Gebetes der Kirche sehr hingegeben sind», er dekretiert, «daß, geschuldet den lebenssprühenden (vibrant) Gemeinschaften mit schon etablierten Messen nach dem 1962er Römischen Meßbuch, in Übereinstimmung mit dem Kanon 87 des Kodex des Kanonischen Rechts, ich von der Beschränkung der Örtlichkeit dispensiere und für folgenden Pfarreien Erlaubnis gewähre, sich zur eucharistischen Zelebration nach dem 1962er Römischen Meßbuch in der Pfarrkirche zu versammeln (Artikel 3, §2):» (es folgt die Auflistung von sieben Pfarreien, deren erste die der Kathedrale selbst ist).
Erzbischof Kenneth D. Richards von Kingston, Jamaica beschließt sein Dekret mit einem Zitat aus dem Brief Papst Benedikts an die Bischöfe anlässlich der Publikation von Summorum Pontificum: «Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein.»
Weihbischöfe haben weniger zu verlieren als Diözesanbischöfe. Besonders stark äußert sich Bischof Rob Mutsaerts, Weihbischof in ’s-Hertogenbosch: «Papst Franziskus propagiert Synodalität: jeder muß mit jedem sprechen können, jeder muß gehört werden. Davon war wenig die Rede bei seinem unlängst veröffentlichten Motu proprio Traditionis Custodes ... Daß Franziskus hier ohne jede Beratung zum Machtwort greift, zeigt, dass er an Autorität einbüßt. ... Franziskus schlägt die Tür mittels Traditionis Custodes stahlhart zu. Es fühlt sich an wie Verrat und ist ein Schlag ins Gesicht seiner Vorgänger. Die Kirche hat übrigens nie Liturgien abgeschafft. Auch Trient nicht. Franziskus bricht völlig mit dieser Tradition. ... Liturgie ist kein Spielzeug von Päpsten, sondern ist Erbgut der Kirche.» (Een kwaadaardige oekaze van paus Franciscus – Ein bösartiger Ukas von Papst Franziskus)

Zitiert wird ein Artikel von Religión en Libertad, herausgegeben von der Stiftung Nueva Evangelización para el siglo XXI im Sinne Benedikts XVI.: «Der Papst stellt seine Entscheidung hin als Folge des Fragebogens, den er der Glaubenskongregation bezüglich der Anwendung des Motu Proprio Benedikts XVI. in Auftrag gegeben hatte. „Die eingegangenen Antworten haben eine Situation offenbart, die mich traurig und besorgt macht, und mich darin bestätigt, dass es notwendig ist einzugreifen“, sagt er. Aber weder handelten die Fragen, die der Fragebogen umfaßte, von den beabsichtigten Elementen, die seinen Vorgänger dazu veranlaßt hatten, ihn 2007 zu veröffentlichen, noch zeichnen die bekannten Antworten (einige so bedeutsam wie die des französischen Episkopats, eines der am stärksten betroffenen [siehe auch: La respuesta prudente de los obispos de Francia]) eine Wirklichkeit, wie sie in dem Brief unmittelbar danach angegeben wird.
Als der Fragebogen vor einem Jahr bekannt wurde, vermuteten viele, dass damit der Weg für die vorgefaßte Entscheidung geebnet werden sollte, die am Freitag getroffen wurde. Die Tatsachen widerlegen sie nicht: eher denn als eine Folge des Fragebogens läßt sich Traditionis Custodes als dessen Grund erkennen.»
(Carmelo López-Arias: El final de Summorum Pontificum. 17 de julio 2021)
Vor einigen Jahren warnte Papst Franziskus vor einem «Klerikalismus, einer „Elite der Priester, Ordensleute und Bischöfe“, die sich über die Laien stelle ... Die Laien müssten dabei in ihrem Glaubensleben unterstützt werden, aber nicht, indem der Priester ihnen sage, was sie zu tun oder zu lassen hätten, sondern, indem er sie dort abhole, wo sie stünden.» Nach Art. 3. hat der Bischof: «§6 dafür Sorge zu tragen, die Bildung neuer Gruppen [«die nach dem Missale vor der Reform von 1970 zelebrieren» / von «Gläubigen, die zu diesen Gruppen gehören»] nicht zu genehmigen.
Acción Litúrgica nun zitiert aus der altehrwürdigen überkonfessionellen Zeitung The Tablet: «Schritte gegen die lateinische Messe scheinen mir typisch für einen klerikalen Haß gegen die Laien.»
(Daniel McGlone: In defence of the Traditional Latin Mass. 22 July 2021)

Samstag, 31. Juli 2021

Ein päpstlicher Angriff auf Papst Benedikt

Was wir vor fast drei Jahren über einen bischöflichen Angriff auf Papst Benedikt geschrieben haben, ist nun wieder aktuell geworden, mehr noch denn zuvor durch den Papst selbst:
Motu proprio Summorum Pontificum: Ein bischöflicher Angriff auf Papst Benedikt
Beachtenswert ist, daß die gleiche Bewertung der Gültigkeit oder vielmehr Nichtigkeit des Verbots des überlieferten Ordo missæ, die wir damals dargelegt heben, jetzt Martin Mosebach für die des Motu proprio Traditionis Custodes anführt:
Wie Martin Mosebach das Papstschreiben zur „Alten Messe“ bewertet
Ein scharfer Kommentar dieses Autors steht noch dort: «.. es zeigt sich mehr und mehr, dass er mit der „Hermeneutik des Bruchs“ sympathisiert, jener theologischen Schule, die behauptet, die Kirche habe im Zweiten Vatikanischen Konzil mit ihrer Tradition gebrochen und gleichsam eine Neugründung der Kirche vorgenommen.» Natürlich ist es nicht so; wenn es einen Bruch gab, dann – gerade haben wir es gezeigt – zwischen Zweitem Vatikanischen Konzil und Novus ordo missæ, der Frucht der Aktendeckel und der menschlichen Arbeit. Dieser aber hat die Tradition der Kirche verwässert, willkürlichen Eingriffen ausgesetzt, doch nicht mit ihr gebrochen. Wenn aber ein Konzil mit der Tradition der Kirche gebrochen hätte, so wäre es eine Räubersynode, wie die alte Kirche es klar nannte; wenn es eine Neugründung der Kirche vorgenommen hätte, so wäre diese Neugründung nicht mehr „des Herrn“, nicht mehr „Kirche“, nur noch eine Sekte.

Im „Schreiben von Papst Franziskus vom 20. August 2018 an das Volk Gottes zum Missbrauch in der katholischen Kirche“ steht: «Das zeigt sich deutlich in einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche – sehr verbreitet in zahlreichen Gemeinschaften, in denen sich Verhaltensweisen des sexuellen Missbrauchs wie des Macht- und Gewissensmißbrauchs ereignet haben –, nämlich als Klerikalismus». Wenn Klerikalismus (nicht nur, aber auch) Machtmißbrauch ist, der auf „einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche“ gegründet ist, so erscheint das Motu proprio Traditionis Custodes als Klerikalismus kat’ exochen.

Zwischen II. Vaticanum und Novus Ordo:
Sechs Brüche

«Die Konstitution Sacrosanctum Concilium hat diese Forderung [hinsichtlich der vollen, bewussten und tätigen Teilnahme des ganzen Volkes Gottes an der Liturgie] bestätigt, als sie die Erneuerung und Förderung der Liturgie beschloss und die Grundsätze aufstellte, welche die Erneuerung leiten sollten. ... Die Liturgiereform wurde auf der Grundlage dieser Prinzipien durchgeführt. Sie findet ihren höchsten Ausdruck im Römischen Messbuch, dessen Editio typica vom heiligen Paul VI. promulgiert und vom heiligen Johannes Paul II. erneuert wurde» – so schrieb Papst Franziskus in seinem Brief an die Bischöfe zur Präsentation des Motu proprio Traditionis Custodes.
Hier irrte der Papst. Ganz abgesehen von den Verletzungen des Sinns von Sacrosanctum Concilium konnten wir Brüche auch mit dem Buchstaben der Liturgiekonstitution aufweisen: Sechs Brüche.

Siehe auch: Liturgie im Sinne des II. Vatikanischen Konzils / Der Novus Ordo Missae; E&E 19 (2014), S. 14-44.
Siehe auch: Wo geht es katholischer zu?

Pikant ist eine Anweisung aus Art. 1. §4 des Motu proprio: «Der Priester soll für diese Aufgabe geeignet sein, eine Kompetenz im Hinblick auf den Gebrauch des Missale Romanum vor der Reform von 1970 besitzen, eine derartige Kenntnis der lateinischen Sprache haben, die es ihm erlaubt, die Rubriken und die liturgischen Texte vollständig zu verstehen» – es erscheint dem Papst also als normal, daß es Priester gibt, die nicht einmal soviel Latein verstehen, die also vom reichen Fundus der geistlichen Überlieferung der westlichen Kirche weitgehend abgeschnitten sind – man beachte, wieweit sich die Kirche Franziskus’ I. damit von der Apostolischen Konstitution Veterum Sapientia des von Franziskus heiliggesprochenen Johannes XXIII. entfernt hat.

Dienstag, 22. Juni 2021

Wo geht es katholischer zu?

Im Abstand von zwei Wochen: eine musikalische Vesper in der evangelischen Stadtkirche und ein Pontifikalamt zu festlichem Anlaß in den Kathedrale unserer Diözese. Da taucht die Frage auf: Wo geht es katholischer zu? Der Leser vergleiche!

Samstag, 8. Mai 2021

Anglizismen

werden oft – und nicht ohne Grund – kritisiert. Doch was stört, das sind weder Fremdwörter im allgemeinen noch englische Fremdwörter im besonderen.
Wir sind der Frage nachgegangen, was wirklich an ihnen stört.

Politische Korrektheit gegen Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft

Nein, ich schätze die IFN nicht sehr; es stört, daß sie sich in das hirnrissige Links-Rechts-Schema rechts einordnen, etwa im hier erwähnten Beitrag beiläufig Klimawandelskeptikern das Wort reden.
Aber wenn ein britisches Gericht Wissenschaftlern mitteilt, was wissenschaftlich erwiesen sei, wenn die Thesen der Politischen Korrektheit mit der gleichen Selbstverständlichkeit als wissenschaftlich erwiesen postuliert werden wie seinerzeit die des dialektischen und historischen Materialismus in den kommunistischen Regimen, wenn davon abweichende Meinungsäußerungen Menschen in Großbritannien und den USA an Universitäten den Arbeitsplatz kosten, wenn Politische Korrektheit zu einer säkularen Staatsreligion gemacht wird, dann ist das doch ein Grund, auf diesen Beitrag hinzuweisen.

Donnerstag, 29. April 2021

Der Bamf-Skandal

Käme es in Erdoğans Türkei oder in Lukaschenkos Weißrußland zu solch einem Strafprozeß, so wunderte das niemanden; und ginge er dort mit einem hohen Bußgeld aus statt mit einer schlimmen Verurteilung, so wäre man nicht zufrieden, aber doch erleichtert.
Aber dieser Prozeß hat in der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden; und dieses Bußgeld hat ein bundesdeutsches Gericht festgelegt.

Die Meßfeier: Lange und kurze Zeit

Im Sonntagshochamt ist die Predigt übermäßig lang. Darum: nach der Messe noch etwas Gebetszeit, und dann auf dem kürzesten (das heißt: nicht auf dem schöneren) Weg nach Hause, damit man nicht zu lange auf mich warten müsse. Doch (ich habe weder eine Uhr noch etwas Elektronisches bei mir) an der Uhr an einer Bushaltestelle sehe ich, daß es noch gar nicht so spät ist.
Bemerkenswert: wenn einmal die Liturgie länger dauert, bemerke ich es kaum, wundere mich, wie spät es geworden ist; zieht sich aber die Predigt ein wenig hin, so kommt mir das gleich als ganz lange Zeit vor.

Freitag, 16. April 2021

Mißbrauchte und mißgebildete Fremdwörter

Als Hans Weigel 1974 sein „Antiwörterbuch“ „Die Leiden der jungen Wörter“ veröffentlichte, brauchte er sich fast nur über stilistisch unpassende Wörter zu ereifern. Hans Weigel ist vor fast dreißig Jahren gestorben; was seither die deutsche Sprache überschwemmt hat, sind nicht nur stilistische Mängel, sondern sinnlos gebrauchte und mißgebildete Fremdwörter.
Er braucht sie nicht mehr zu ertragen, kann dazu nicht mehr Stellung nehmen. So haben wir uns an die ersten Einträge einer Art neuen „Antiwörterbuchs“ gemacht.
Neue Beiträge sind willkommen.

Donnerstag, 15. April 2021

Der Mietendeckel

Das Bundesverfassungsgericht hat den Mietendeckel des Landes Berlin aufgehoben. Aber es hat nicht dessen Inhalt beanstandet; darum liegt die Verantwortung nun anderswo.
Einige Worte darüber finden sich bei Orietur Occidens.

Montag, 12. April 2021

Verhüllte Erscheinungsberichte

Unter den Erscheinungsberichten im Neuen Testament sind mehrere, in denen der Herr nicht sogleich erkannt wurde. Es sind schöne Erzählungen; aber daß er zunächst nicht zu erkennen ist, mag manchem auch Raum für Zweifel geben. Deren Vorkommen sei nun nachgegangen.

Mittwoch, 7. April 2021

Die Bezeugung der Auferstehung im Neuen Testament

Die Auferstehung des Herrn selbst hat kein Mensch gesehen; was berichtet wird, das ist das leere Grab und das sind die Erscheinungen des Auferstandenen.
Doch auffällig ist: das wohl älteste Evangelium, das Markus Evangelium, kennt in seiner ursprünglichen Fassung keine Berichte von diesen Erscheinungen. Es endete ursprünglich mit Kapitel 16, Vers 8: die Frauen fanden das leere Grab vor, hörten die Botschaft des Engels – und flohen.
Die Verse 9 bis 20 sind nachträglich hinzugefügt, aber schon sehr früh: auch in ihnen wird von den Emmaus- Jüngern berichtet, aber unabhängig vom Lukas Evangelium, denn diesen Versen zufolge (v. 13) fanden die Emmaus-Jüngern keinen Glauben, während sie im Lukas Evangelium (24, 33 f.) schon mit der Nachricht empfangen wurden, daß der Herr dem Simon erschienen ist.
Paulus dagegen (I. Kor. 15, 2-8) berichtet ausführlich von den Erscheinungen, erwähnt aber das leere Grab nicht. Vorher dieser Unterschied?
Das leere Grab löste Erschrecken aus, was es bedeutet, war nicht zu begreifen; aber es war öffentlich sichtbar. Die Erscheinungen (wenn auch bei einigen der Herr nicht gleich zu erkennen war) boten einen überwältigenden Eindruck; so wurden sie die Grundlage des Glaubens der Jünger. Doch sie waren eben den Jüngern vorbehalten, während das leere Grab damals jeder sehen konnte. Darum waren die Erscheinungen für die Verkündigung in der Kirche und somit auch für die Briefe des Paulus entscheidend, das leere Grab aber war es für die Verkündigung nach außen.
Hat Markus sein Evangelium vor allem als missionarische Schrift verfaßt? Oder war es so gemeint, daß (ich habe in Erinnerung, daß Hans-Joachim Schulz (Die apostolische Herkunft der Evangelien. Freiburg 1995) es so gedeutet hat) auf die Lesung des ursprünglichen Schlusses des Markus-Evangeliums jeweils der Auftritt der Zeugen folgte? Jedenfalls gründete die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen in der Öffentlichkeit zunächst darauf, daß Augenzeugen zur Verfügung standen.

Die Feier der Ostertage

Der Höhepunkt der Ostertage ist seit ältester Zeit natürlich der Ostersonntag. Doch wie das jüdische Fest der ungesäuerten Brote umfaßte auch das christliche Osterfest von Anfang an eine ganze Festwoche, alle Tage der Osterwoche sind in den Diatagaí von ungefähr der Wende des IV. Jahrhunderts arbeitsfreie Tage (Entwicklung und Vollendung des römischen Kirchenjahrs). In den Quellen des Hochmittelalters sind die ersten drei Tage der Woche Hochfeste, die übrigen vier Tage einfache Feste, vom Rang eines Sonntags. Daher wird jetzt noch die monastische Vesper (ich habe die aus Le Barroux mitgebetet) von heute an mit schlichteren Melodien gesungen; und sie wird auch nicht mehr vom Pontifikalsegen des Abtes beschlossen.
1642 beschränkte Papst Urban VIII. die gebotenen Feiertage in der Osterwoche auf deren erste drei Tage, und mit dem CIC von 1917 wurden sie schließlich auf den Sonntag beschränkt. Festlichen Charakter aber hat die ganze Osterwoche bis heute.

Die eindrücklichste Osterpredigt meines Lebens

Uns allen hatte sich tief eingeprägt, auf die gesungenen Akklamationen, das Alleluja und ähnliches singend zu antworten. Das ist die große Herausforderung für die Liturgie in den Zeiten der Beschränkungen. Man hilft sich, indem man die Akklamationen nur spricht, sie auch, so zur Weihe der Osterkerze, ganz ausläßt. Unschöne Einschränkungen, aber es wird doch eine würdige Liturgie daraus.
Den Höhepunkt erreicht sie am Ostermontag. Es beginnt damit, daß von Kantor und einem zweiten Sänger das Victimæ paschali gesungen wird, auf Latein.
Nach der Kommunion dann höre ich die eindrücklichste Osterpredigt meines Lebens, nicht vom Priester, sondern vom Kirchenmusiker, nicht mit Worten, sondern mit Orgeltönen. Gesungen wird „Preis dem Todesüberwinder“, dem hier gebräuchlichen Text von „Alleluja, laßt uns singen“. Als Vorspiel improvisiert der Kantor eine Orgelphantasie über dieses Lied, die die Größe des Geschehens und die Begeisterung darüber in einer Weise erklingen läßt, wie es keine gesprochene Predigt könnte. Danke!

Samstag, 3. April 2021

Kartage in Zeiten des Confinement

Vorletztes Jahr konnte ich an der Osternacht nicht teilnehmen, weil ich Dienst hatte, letztes Jahr gab es nur elektronisch vermittelten Zugangzu den Gottesdienstes der Karwoche und der Ostertage. Um so mehr liegen mir die Gottesdienste dieses Jahres am Herzen.
Der Palmsonntag begann vielversprechend: wir durften zur Passion stehen bleiben. Leider wurde nur die Kurzfassung der Passion gelesen.
Für die Gottesdienste des Triduum sacrum habe ich die nahegelegene Kirche in unserem Gründerzeitviertel gewählt, teils um der späten Uhrzeit willen, teils, um die Propstei zu entlasten, für die es schon sehr viele Anmeldungen gab.
Am Gründonnerstag mußten wir auf die zweite Lesung verzichten, das heißt, auf den Bericht von der Einsetzung des Abendmahls. Für den Karfreitag, so wurde uns gesagt, sei eigentlich ein Gottesdienst zusammen mit der evangelischen Nachbarpfarrei geplant gewesen, der dann der geltenden Einschränkungen wegen doch nicht gemeinsam stattfinden konnte; dieser Plan habe jedoch Spuren hinterlassen in der Durchführung der nun getrennten Gottesdienste.
Angekündigt wurde, daß deshalb die Kreuzverehrung nicht stattfinden werde. Statt dessen bekam jeder eine Postkarte mit einem Bild von einem Kreuz (ohne Kruzifix) für die private Kreuzmeditation.
Dafür, daß der ursprünglichen Planung der gemeinsamen Feier mit der evangelischen Nachbarpfarrei wegen nun die Kreuzverehrung ausfällt, weiß ich nur eine Erklärung: daß das Kreuz unserer Kirche der evangelischen Kirche für eine dortige Kreuzverehrung ausgeliehen wurde – daß evangelischen Kirchen ein geeignetes Kreuz fehlt, ist durchaus vorstellbar. Aber daß es in unserer katholischen Kirche mit all ihren Gemeinderäumen kein zweites geeignetes Kreuz gibt, ist verwunderlich.
Und zum Schluß fiel auch die Kommunionausteilung weg. Ich bin darauf nach Hause gegangen und konnte noch vom letzten „Ecce lignum crucis“ an die Kreuzverehrung in Le Barroux mitverfolgen – ein großartiges Glaubenszeugnis; aber das ersetzte natürlich nicht die leibliche Teilnahme.

Montag, 22. März 2021

Die zwei Heiligen des heutigen Tages

Zwei große Heilige werden heute gefeiert: der heilige Vater Benedikt, weil gestern sein Fest vom Passionssonntag verdrängt wurde, es deshalb heute in den Kirchen seines Ordens nachgefeiert wird, und der selige Bischof Clemens August Kardinal v. Galen, der zwar noch nicht heiliggesprochen ist, was aber seiner Heiligkeit keinen Abbruch tut.
Ecce quomodo moritur justus – Prof. Sunder-Plaßmann, der aus Bonn angereiste ärztliche Spezialist, erklärte, er werde zeit seines Lebens den Kardinal, den er während der Tage der Krankheit immer wieder zu beobachten Gelegenheit gehabt habe, als Heiligen verehren (Heinrich Portmann: Kardinal von Galen / Ein Gottesmann seiner Zeit, S. 315).
«Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und lügnerisch alles Böse euch nachsagt um meinetwillen» – Heilige ziehen Verleumdung auf sich, auch von seiten katholischer Theologen. Um diesen Verleumdungen entgegenzutreten, haben wir aus leicht zugänglichen Quellen einiges zusammengetragen über Bischof Clemens August Graf v. Galen, das NS-Regime und die Juden.

Die letzten Worte des Kardinals

Heute vor 75 Jahren verlor nachmittags Bischof Clemens August das Bewußtsein; seine letzten Worte: «Wie Gott es will! Gott lohne es euch! ... Für Ihn weiterarbeiten ... o, Du lieber Heiland!»
Gegen 5 Uhr nachmittags starb er.
Quelle: Heinrich Portmann: Kardinal von Galen / Ein Gottesmann seiner Zeit. Münster 1948

Samstag, 20. März 2021

Die letzten Tage des Kardinals

Vor 75 Jahren: «Die Berichte der Ärzte wurden von Tag zu Tag ernster. Klaren und ruhigen Bewußtseins ging der Kardinal seinem Endziel entgegen. ... In dieser Ergebenheit dankte er allen, die Tag und Nacht nicht müde wurden, zu tun, was menschliche Kraft ... aufzubieten vermag ...»
Es ist eine große Liebe, mit der Heinrich Portmann als Augenzeuge Bischof Clemens Augusts letzte Tage schildert (Kardinal von Galen / Ein Gottesmann seiner Zeit. Münster 1948).

Freitag, 19. März 2021

Die Sterbesakramente

Heute vor 75 Jahren wurden morgens zwei Ärzte geholt; sie ordneten an, Bischof Clemens August ins Krankenhaus zu bringen. Als der Krankenwagen gekommen war, wies der Bischof auf das Cæremoniale Romanum, das aus Rom mitgebracht worden war: «Darin können Sie nachlesen, wie ein Kardinal begraben wird.» Im Krankenhaus empfing Bischof Clemens August die Sterbesakramente. Er merkte an: «Heute ist mein Tauftag, das Fest des heiligen Joseph, des Patrons der Strebenden.»
Als alle das Krankenzimmer verlassen hatten, rief er einen der Priester, seinen Kursusgenossen, zurück: «Wenn es diese Nacht zum Sterben geht, mußt du aber kommen, ich möchte dann nicht gern allein sein.»
An diesem Abend noch wurde er operiert; es zeigte sich ein durchgebrochener Blinddarm mit Darmlähmung.

Donnerstag, 18. März 2021

Sein letztes Meßopfer

Heute vor 75 Jahren – es war Montag – zelebrierte Bischof Clemens August seine letzte Messe. Bald danach zog er sich in sein Zimmer zurück, um auszuruhen, ohne noch etwas zu essen; doch er weigerte sich, einen Arzt hinzuzuziehen oder sich auch nur ins Bett zu legen.

Mittwoch, 17. März 2021

Sein letztes Pontifikalamt

Heute vor 75 Jahren – es war Sonntag – feierte Bischof Clemens August in Heilig Kreuz in Münster sein letztes Pontifikalamt. Danach zeigte er sich erschöpft, er hatte Schmerzen; abends konnte er nichts mehr essen.

Dienstag, 16. März 2021

ZdK und Glaube

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg befindet, daß eine «„Verheutigung“ der katholischen Lehre, wie sie Moraltheologen seit langem fordern,» «nicht einfach abgelehnt werden» dürfe. «Stattdessen plädiert das ZdK für „eine Weiterentwicklung der Lehre mit tragfähigen Argumenten“.»
Eine andere Meinung – die ich teile – ist, daß ein Mann, der vor etwa 1990 Jahren gekreuzigt wurde, wiederkommen wird, «zu richten über Lebende und Tote.» Geht jemand davon aus, daß Er sich dabei einer verheutigten und weiterentwickelten Lehre unterwerfen werde?

Münsters größter Tag

Heute vor 75 Jahren feierte das zerstörte Münster ein Freudenfest, wie es die Stadt seither nicht mehr erlebt hat: an diesem Tag, seinem 68. Geburtstag, zog Bischof Clemens August Graf v. Galen als Kardinal in die Stadt ein.
Mein Vater allerdings, der sich zu diesem Anlaß auf die angesichts der damaligen Verkehrsverhältnisse lange Fahrt dorthin gemacht hatte, sah dem Bischof schon an diesem Tag die tödliche Krankheit an.

Freitag, 12. März 2021

Antoine de Saint-Exupéry hatte mehr zu sagen als der zu Tode zitierte Fuchs

Als seine Kräfte schwanden, fühlte sich Giuseppe Tomasi di Lampedusa nicht mehr imstande, in seinem „Gattopardo“ seine Gedanken erzählerisch darzustellen, weswegen er sie gegen Ende des Romans einfach Padre Pirrone in den Mund legte – womit er selber ganz unzufrieden war, wie sein Adoptivsohn Gioacchino Lanza Tomasi (in seinem Vorwort zur Ausgabe von 1969) berichtet.
Ähnlich scheint es Antoine de Saint-Exupéry, bei seinen „Petit Prince“ ergangen zu sein: an einer Stelle hörte er auf zu erzählen und legte seine Gedanken einfach dem Fuchs in den Mund – literarisch ein gewaltiger Abstieg.
Antoine de Saint-Exupéry wird in frommen Kreisen und selbst bei Predigten oft zitiert, und fast immer aus dieser schwächsten Stelle des Buchs («Man sieht auch mit dem Herzen gut»).
Aber der Mann hatte auch anderes zu sagen. So etwa:
« Il n’y a qu’un problème, un seul de par le monde : rendre aux hommes une signification spirituelle. Faire pleuvoir sur eux quelque chose qui ressemble à un chant grégorien. Si j’avais la foi, il est bien certain que je ne supporterais plus que Solesmes. – Es gibt nur ein Problem, ein einziges auf der ganzen Welt: den Menschen eine spirituelle Bedeutung zurückzugeben. Etwas auf sie regnen zu lassen, das einem gregorianischen Gesang gleicht. Wenn ich den Glauben hätte, so wäre es ganz gewiß, daß ich nur noch Solesmes ertrüge. »
(Antoine de Saint-Exupéry, « Lettre au Général X », in: Figaro Littéraire vom 10 April 1948)

Dienstag, 9. März 2021

Frauentag

war gestern, in Berlin neuerdings gesetzlicher Feiertag, weshalb auch hierzulande die Tageszeitung nicht gekommen ist.
Frauentag: ein interessanter Gedanke, nur das Datum ist ganz ungünstig, zumeist tief in der Fastenzeit.
Mein Vorschlag: Frauentag als bundeseinheitlicher Feiertag am 15. August.

Altbackene moderne Theologie als Tragikomödie

„Junge Frauen“ in der Kirche haben einen Fürsprecher gefunden: den (nicht mehr so jungen) Theologen Zulehner, den katholisch.de ausführlich zitiert.
„Junge Frauen“ «hätten immer weniger „gute Gründe“, Teil der Kirche zu sein oder zu bleiben, sagte er im Interview der „Kleinen Zeitung“ (Sonntag) zum Weltfrauentag an diesem Montag.» Bei Licht betrachtet haben sie ebenso gute Gründe wie eh und je und wie alle anderen Menschen auch: in der Kirche ist der Herr zu finden, das heil zu finden.
«Der Theologe Paul Zulehner warnt vor einem Rückzug junger Frauen aus der katholischen Kirche.»
Eigentlich müßte er doch sagen: er «warnt junge Frauen vor einem Rückzug aus der katholischen Kirche.»
Aber liest man seine Worte einmal gegen den Strich, so zeigt sich, daß solch eine Warnung vielleicht gar nicht vonnöten ist:
«Sichtbar werde das Fehlen der jüngeren Frauengeneration in der Kirche auch bei den Mitgliedern der in Deutschland gestarteten Initiative „Maria 2.0“, wo es eher Vertreterinnen „aus der mutigen Konzilsgeneration“ gebe.»
Das heißt, so darf ich hoffen, daß die jungen Frauen, die heute noch in der Kirche sind, wirklich glauben, daß sie in der Kirche den Herrn suchen und mit Ihm auch seine Mutter, und zwar ohne „2.0“.

Mittwoch, 3. März 2021

Noch einmal zur „geschlechtsinklusiven“ Sprache

Nachdem wir uns vor drei Monaten der Tragödie (zu Lasten der deutschen Sprache) gewidmet hatten, liefert nun ein Leserbrief an eine Zeitung, die sich in solcher Sprache versucht, das Satyrspiel dazu: wie lautet der „geschlechtsinklusive“ Plural von „Ministerpräsident“?
Orietur Occidens ist der Frage gefolgt.

Mittwoch, 17. Februar 2021

Die moralische Versuchung des Predigers

Wunderberichte der Evangelien haben oft moralische Nebenaspekte, die ein ergiebiges Reservoir an Themen für Predigten bieten.

Da ist die Heilung eines Blinden (Mc. 10, 46-52; Lc. 18, 35-43; ähnlich Mtth. 20, 30-34): als er Jesus um Erbarmen («eleïson») gebeten hat, fragt Jesus noch nach, was er wolle; und erst als er es gesagt hat – daß sie wieder sehen können –, tut Jesus dieses Wunder.
Das Thema für den Prediger: man müsse erst klar wissen und auch aussprechen, was man will, dann erst könne es geschehen.
Aber: bei den meisten Wundern hat Er nicht weiter nachgefragt. Dem Gelähmten, der durchs Dach herabgelassen wurde (Mtth. 9, 2-8; Mc. 2, 2-12; Lc. 5, 18-26), vergab Er seine Sünden, worum niemand gebeten hatte und was niemand erwartet hatte; und erst nach einer Erläuterung tat Er das Wunder, das man erhofft, aber immer noch nicht ausdrücklich erbeten hatte.

Nach der Heilung jenes Blinden sagt Jesus: «Dein Glaube hat dich geheilt», einen Satz, den Er auch nach mehreren anderen Wundern sagt.
Das Thema für den Prediger: das, was eigentlich heilt, sei der Glaube.
Aber: bei den Brotvermehrungen hat zuvor niemand mit dem Wunder gerechnet, niemand einen Glaubensvorschuß geleistet. Und beim Weinwunder von Kana (Joh. 2, 1-11) hat nur Maria geglaubt, daß Jesus mit einem Wunder eingreifen könnte – und die war ja gar nicht die eigentliche Nutznießerin des Wunders. «Seine Jünger glaubten an ihn», steht am Ende des Berichts: der Glaube ging nicht dem Wunder voraus, sondern wurde durch ihn gestärkt.

Ein Aussätziger bittet um Heilung (Mtth. 8, 2; Mc. 1, 40-45; Lc. 5, 12-16). Jesus berührt ihn und heilt ihn.
Das Thema für den Prediger: Jesus berührt den, der aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen ist, der für die anderen unberührbar ist; ja, Jesus macht sich sogar selbst unrein, indem er ihn berührt.
Aber: sobald Jesus ihn berührt, ist der Mann geheilt, ist er rein. Die Vorschriften des Gesetzes über die Unreinheit von Aussätzigen stellt Jesus nicht in Frage; im Gegenteil: er trägt dem Geheilten auf, sich dieser Vorschrift gemäß dem Priester zu zeigen. Jesus wird von Schriftgelehrten manches vorgehalten: daß Er am Sabbat heilt, daß seine Jünger am Sabbat Ähren rupfen (Lc. 6, 1), daß sie mit ungewaschenen Händen essen (Mtth. 15, 2; Mc. 7, 8); aber daß Er nach der Berührung mit dem Aussätzigen nun selber unrein sei, kommt offenbar keinem Schriftgelehrten in den Sinn.

Es ist zu verstehen, daß Prediger bei jedem Wunder im Sonntagsevangelium einen besonderen Aspekt für ihre Predigt suchen; darum ist es erlaubt, solche moralischen Aspekte in den Blick zu nehmen. Aber schon bei der erwähnten Heilung des Aussätzigen zeigt sich, daß auch etwas ins Evangelium hineingelesen wird, was gar nicht darin steht.
Die schwererwiegende Gefahr aber ist, daß die eigentliche Bedeutung der Wunder aus dem Blick gerät: die göttliche Macht Jesu zu zeigen, die sich in den Wundern zeigt. Als Johannes, der Täufer, Jesus fragen läßt, ob Er der sei, der da kommen wird, beruft Jesus sich auf seine Wunder, um sich als Messias auszuweisen (Mtth. 3-5; Lc. 7, 19-22); und wenn Er auch sagt: «Selig sind die, die nicht sehen und [doch] glauben» (Joh. 20, 29), so sagt er an anderer Stelle (Joh. 10, 37 f.): «Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, glaubt ihr mir nicht. Wenn aber ich sie tue: auch wenn ihr mir nicht glauben wollt, glaubt den Werken, damit ihr erkennt und glaubt, daß in mir der Vater ist und ich im Vater.»

Besonders entstellend ist solche moralische Auslegung bei den Brotvermehrungen (Mtth. 14, 13-21; Mc. 6, 30-44; Lc. 9, 10-17; Joh. 6, 1-13; Mtth. 15, 32-39; Mc. 8, 1-10).
Die Sicht manches Predigers: Als die Jünger hervorgeholt hatten, was der Junge bei sich hatte (Joh.) / sie bei sich hatten (Synopt.), und es auszuteilen begonnen hatten, hätten alle ihren Proviant ausgepackt, und so seien alle satt geworden.
Aber: dadurch würden die vorherigen sorgenvollen Überlegungen und Besprechungen der Apostel, wie die Evangelien sie schildern, ad absurdum geführt; und Jesu späterer Hinweis auf das Verhältnis der Zahl der ausgeteilten Brote und der der Körbe mit eingesammelten Bröckchen (Mtth. 16, 9 f.; Mc. 8, 19 f.) wäre dieser Sicht nach belanglos. Diese Sicht tut den Evangelientexten Gewalt an – und doch ist sie mir nicht nur einmal begegnet.
Die Berichte von den Brotvermehrungen haben in den Evangelien besonderes Gewicht: kein anderes Wunder als die erste Brotvermehrung wird in allen vier Evangelien berichtet; und auf keine anderen Wunder geht Jesus selber danach noch so ausführlich ein (deswegen ist auch von zwei Brotvermehrungen auszugehen und nicht etwa von einer, die in zwei Evangelien je zweimal, jeweils etwas anders, erzählt würde).
Und sie stehen jeder psychosomatischen Erklärung, wie sie bei den Heilungen denkbar wäre, entgegen.
So erhebt sich der Verdacht, daß manch einer sie weginterpretieren will, weil er nicht Jesu göttliche Vollmacht auch über die Natur – «Welch einer ist dieser, daß auch die Winde und das Meer ihm gehorchen?» (Mtth. 8, 27) – anerkennen will.
Und so erlaube ich mir Vorbehalte gegen moralische Ausdeutungen von Wunderberichten, und ich bin dankbar für die klare Aussage der Berichte von den Brotvermehrungen.

Samstag, 16. Januar 2021

Warum wir der alten deutschen Rechtschreibung folgen

– hier ist es begründet, unter dem Thema des Triumphzugs der Dummheit durch unsere Kulturlandschaft, auf einer Seite, auf der auch dargestellt ist, was eigentlich abendländisch ist.

Und: ex Oriente lux – damit auch das Morgendland gebührende Erwähnung findet:
Das Wort „téktōn“ wird ins Deutsche üblicherweise mit „Zimmermann“ übersetzt. Und so sieht man auf deutschen Bildern der Heiligen Familie oft eine Werkstatt mit Säge und Hobel. Aber Joseph war kein Schreiner, er war Tekton. Was aber war die Arbeit eines Tekton im alten Galiläa? Da unmittelbare Zeugen nicht mehr befragt werden können, habe ich versucht, einer Antwort näherzukommen, indem ich Aramäer aus einer benachbarten Landschaft gefragt habe.

Mittwoch, 13. Januar 2021

Taufe des Herrn

Bis ins XVII. Jahrhundert war der heutige Tag, der Oktavtag von Epiphanie gebotener Feiertag, dem Gedenken der Taufe des Herrn gewidmet.
Heute noch festlich begangen und dankenswerterweise von dort übertragen wird er in Le Barroux; so kann ich ihn ein wenig mitfeiern.

Montag, 11. Januar 2021

Corona und Gesang

Von verschenkten Chancen: «.. Wenn die eigene Inbrunst so untrennbar ans Singen unliturgischer Texte gebunden ist, dass ich ohne sie meine, die Messe sei nicht wirklich vollständig, dann ist man von mündigem Mitvollzug weiter entfernt als damals, als man noch unschuldig Rosenkranz während der Messe hat beten können. ...»

Freitag, 8. Januar 2021

Segnungsfeiern für Verbindungen der besonderen Art

«Was passiert, wenn Paare ihre Beziehung unter den Segen Gottes stellen wollen, eine kirchliche Trauung aber nicht möglich ist?» – gemeint ist: wenn Paare den Segen der Kirche für Verbindungen wünschen, die den Geboten des Herrn widersprechen. Lange Zeit war es klar, wie die Kirche da vorgegangen ist: sie hat zur Umkehr aufgerufen. Jetzt aber verbreitet katholisch.de eine andere Idee: «Ein Buch stellt Abläufe für Segnungsfeiern zusammen».
Daß dann noch hinzugefügt wird: «die in der Praxis so gefeiert werden,» ist ebenso sachlich richtig wie beunruhigend.

Dienstag, 5. Januar 2021

Das Menschenrecht auf Leben

Die Richterin Nancy Poser in einem Interview (Richterin über Triage: „Wir werden als Erste geopfert“. taz vom 23.12.2020): «Und da hat aber das Bundesverfassungsgericht ganz klar gesagt: Das geht nicht. Ich darf selbst den totgeweihten Leuten im Flugzeug ihre Überlebenswahrscheinlichkeit, so minimal sie auch sein mag, nicht nehmen, um andere zu retten, weil ich sie damit zum Werkzeug degradiere und ihnen so die Menschenwürde nehme. Mit diesem Grundsatz bin ich auch groß geworden, als Mensch und als Juristin. Ich habe seit dem ersten Semester Jura gelernt, dass man Leben nicht gegen Leben abwägen kann, egal welche Chance man diesem Menschenleben beimisst.»
Wenn diesen hehren Grundsatz unseres Verfassungsrechts auch auf ungeborene Kinder angewendet würden ...