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Samstag, 16. August 2025

Wenn am Sonntag kein Priester da ist

Vor zwei Wochen: in der syrisch-orthodoxen Kirche St. Maria und St. Shmuni ist der Priester zusammen mit Angehörigen der Pfarrei auf einer Reise. Kein Problem: am Sonntag fährt man zur Nachbarkirche, St. Dimet. Sie ist etwa 14 km entfernt, mit Bus und Bahn braucht man etwa 40 Minuten.
Eine Woche später: in St. Joseph ist kein Priester zu haben. Allerdings ist zur gleichen Zeit eine Messe in St. Johannes Nepomuk. Diese Kirche ist etwa 3 km entfernt, mit Bus und Bahn braucht man etwas weniger als eine halbe Stunde. Doch diesen Weg zur Eucharistiefeier will man der Gemeinde nicht zumuten; so gibt es in St. Joseph statt der Messe eine „Wort-Gottes-Feier“.
«Sine dominico non possumus – ohne das Herren[opfer] können wir nicht», erklärte der Sprecher von 49 Christen, die im Jahr 304, während der diokletianischen Verfolgung, in Abitene in Africa proconsularis ergriffen wurden, als sie sich an einem Sonntag morgens zur Feier der Eucharistie versammelt hatten; sie wurden dann in Karthago gefoltert und hingerichtet.

Montag, 24. Februar 2025

Aufgabe des Priesters und Usus in Gemeindekirchen

In unserem letzten Heft zu Ehren der heiligen Ewald & Ewald (28/2023) war die Heilige Eucharistie ein zentrales Thema und darunter besonders auch „Die Einheit des Sakraments – Die Austeilung der Kommunion“ (S. 15), die dem Wesen des Sakraments gemäß Aufgabe des Priesters ist.
Und nun erlebe ich am Sonntag in der Kirche in unserem Gründerzeitviertel: Ein Priester ist zu Gast, er konzelebriert. Aber zur Austeilung der Kommunion nimmt er Platz, legt die geweihten Hände in den Schoß und überläßt die Kommunionausteilung dem Hauptzelebranten und einer Laiin.

Sonntag, 9. Februar 2025

Die Riten der Kirche und die Fassungskraft der Gläubigen

«Ritus ... sint fidelium captui accommodati – Die Riten seien der Fassungskraft der Gläubigen angepaßt», so heißt es in Sacrosanctum Concilium, der Liturgiekonstitution des II. Vaticanum (34). Da steht nicht, daß die Gläubigen geistig beschränkt seien und die Riten dieser Beschränktheit angepaßt werden sollten.
Doch offenbar wurde es manchmal so verstanden.
Kürzlich schon haben wir Norbert Lohfink (Zur Perikopenordnung für die Sonntage im Jahreskreis. I. Probleme beim „Ordo lectionum Missae“) zitiert. Er schreibt da über «eine Diskussion, die auf der entscheidenden Sitzung des nachkonziliaren „Coetus XI de lectionibus“ in Klosterneuburg einen ganzen Tag beanspruchte.» Dort wurde gesagt: «Der moderne Mensch habe keine Zeit mehr und vertrage keine langen Texte.» Wenn der „Coetus“ auch letzte Konsequenzen daraus vermied, so stellt der Autor doch fest, «daß die dadurch entstandene Sensibilität für die angebliche Unfähigkeit des modernen Menschen, einer Sache mehr als einige wenige Minuten zuzuhören, wesentlich dazu beitrug, daß der „Coetus“ mit eiserner Härte an seinen gekürzten und verstümmelten Bibelperikopen festhielt – gegen alle Einwände, und die gab es bald in Menge.»
Wer den Laien nicht zutraut, Lesungen zu verstehen, wird ihnen ebensowenig zutrauen, Riten zu verstehen. Und so mußte ich wieder und wieder erleben, daß während des Gottesdienstes der Ritus erklärt wird, daß etwa während einer Taufe ein Priester – ein ausdeutender Priester also – den Gläubigen erklärt, Chrisamsalbung, Taufkleid und Taufkerze seien «ausdeutende Zeichen». Abgesehen davon, daß die Chrisamsalbung eine hochrangige Segnung darstellt, also nicht einfach ein «ausdeutendes Zeichen» ist: meint der Priester, das könnten die Laien nicht selber verstehen?
Erklären lädt ein, sich dem rationalem Verstehen zu widmen. Aber Liturgie heißt, sich der Begegnung mit dem Herrn zu widmen. Insofern ist die Forderung, die Riten seien «fidelium captui accommodati», eher sinnvoll als das Erklären (dessen wirklicher Platz die Katechese ist).
Aber die Riten der Kirche sind von alters her «fidelium captui accommodati», sie sind von großer Ausdruckskraft. Natürlich versteht von ihnen ein kleines Kind nur ganz begrenzt etwas – aber doch mehr als nichts. Und der Königsweg zum Verstehen ist das Mitfeiern. Laien, die regelmäßig die Liturgie mitfeiern, verstehen sehr viel mehr, als so mancher Priester erwartet.
Zum Beispliel:
Was etwa bei der Taufe ein neues Kleid, was ein weißes Kleid, was eine brennende Kerze bedeutet, wird der gläubige Laie verstehen; und das eigentliche Verstehen geht über das hinaus, was mit Worten erklärt werden kann. Das in der Messe das Kreuzesopfer des Herrn wirklich gegenwärtig wir, hatte er in der Katechese zu lernen; was Teilnahme (participatio actuosa) an diesem Opfer ist, können Worte nicht erklären, das wird er durch ebendiese Teilnahme mehr und mehr verstehen.
«Ritus ... sint fidelium captui accommodati», das kann nur heißen, daß in der Liturgie Christen ständig etwas erleben, was ihre geistlichen Sinne weiter schärft, was all das, was bereits geklärt und einfach erscheint, übersteigt.
Doch wird dem Menschen nur das vorgesetzt, was er leicht versteht, wird ihm alles Verständnis vorgekaut, so entwickelt er sich nicht weiter. Und schließlich wird er sich dabei langweilen – Stimmen säkularer Autoren sind da sehr deutlich: «Was ich verstehe, interessiert mich nicht» (Günther Eich); «Kunstwerke, die der Betrachtung und dem Gedanken ohne Rest aufgehen, sind keine» (Theodor Adorno).
Es ist zu befürchten, daß so in den letzten Jahrzehnten Scharen liturgieblinder und -tauber Christen herangezogen wurden.
Ein Versehen, ein Irrweg. Oder? Karl-Rahner schrieb eint einen Aufsatz über das Thema: «Der mündige Christ». Doch was er wirklich von mündigen Christen hielt, zeigt sein und Herbert Vorgrimlers „Kleines Konzilskompendium“: «.. jene Schichten des viel zitierten und vielfach überschätzten „gläubigen Volkes“ [(die folgenden Relativsätze bieten Injurien gegen eigenständige mündige Gläubige)]. Es handelt sich um jene Schichten, denen die Heilssorge der Kirche zwar immer zu gelten hat, die aber keinesfalls zum Maßstab kirchlichen Selbstvollzugs gemacht werden dürfen … diese Wortstarken und teilweise Einflußreichen, aber in der Humanität gescheiterten Randfiguren der Kirche». Erwünscht waren also «mündige» Christen, die sich das vorbehaltlos zu eigen machten, was ihnen von der theologischen Prominenz vorgegeben wurde. Dazu eignet sich eine Liturgie, in der erklärt wird und alles vermieden wird, was zur Entwicklung eigenen geistlichen Verständnisses führen könnte.

Montag, 13. Januar 2025

Das Evangelium vom Feste der Taufe des Herrn

In älteren Leseordnung bestanden die Lesungen in der Regel aus einem zusammenhängenden Stück eines biblischen Buches. Daß ein Stück gelesen wurde, bei dem Sätze oder auch größere Textstücke ausgelassen sind, war selten; und es gab das nur bei alttestamentlichen Lesungen und Lesungen aus der Apostelgeschichte. In der neuen Leseordnung ist das häufiger geworden, kommt nun auch bei Evangelien vor.
So auch beim Evangelium vom Feste der Taufe des Herrn im Lukas-Jahr (Lk. 3, 15-16. 21-22). Daß die Verse 19-20 ausgelassen werden, hat einen einleuchtenden Grund: sie bilden einen Exkurs, handeln von der Gefangennahme des Täufers, die erst später geschehen ist, darum auch bei Matthäus und Markus erst später berichtet wird.
Die Verse 17-18 aber gehören wirklich hierher; es gibt keinen vernünftigen Grund, sie auszulassen:
«Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.»
Diese Verse fallen nicht ganz weg, am III. Adventssonntag erscheinen sie und auch im Matthäus-Jahr ihre Parallele; nichtsdestoweniger ein Mangel an Respekt vor dem Evangelisten.
Eine Erklärung weiß Norbert Lohfink (Zur Perikopenordnung für die Sonntage im Jahreskreis. Heiliger Dienst 55 (2001) 37-57; I. Probleme beim "Ordo lectionum Missae"):
«5. Dann – was nicht allgemein bekannt ist – gibt es eine Gesamtsumme der Minuten, die alle drei Lesungen zusammen dauern dürfen. Ist eine Lesung ungewöhnlich lang, müssen die andern kürzer sein. Entsprechend sind viele biblische Texte am Rande gestutzt und auch im Innern zusammengestrichen.»
«(Zu 5.) Hinter der festen Zeitregel steht vermutlich vor allem eine Diskussion, die auf der entscheidenden Sitzung des nachkonziliaren "Coetus XI de lectionibus" in Klosterneuburg einen ganzen Tag beanspruchte. Dort schlug nämlich jemand vor, das alte System eigentlicher Lesungen aufzugeben. Der moderne Mensch habe keine Zeit mehr und vertrage keine langen Texte. Außerdem habe die Exegese nachgewiesen, daß in den Evangelien nicht alle Jesusworte wirklich vom historischen Jesus stammten. Deshalb sei es am besten, ähnlich wie in der modernen Produktwerbung mit griffigen Slogans zu arbeiten. Man könne sich dafür kurze und historisch vertrauenswürdige Jesusworte aussuchen. Jedem Sonntag ein knappes, aber eindrucksvoll proklamiertes echtes Jesuswort – das genüge und sei wirksamer als lange Texte.
Nach heftiger Diskussion wurde dieser Vorschlag dann doch nicht angenommen. Aber es scheint, daß die dadurch entstandene Sensibilität für die angebliche Unfähigkeit des modernen Menschen, einer Sache mehr als einige wenige Minuten zuzuhören, wesentlich dazu beitrug, daß der "Coetus" mit eiserner Härte an seinen gekürzten und verstümmelten Bibelperikopen festhielt – gegen alle Einwände, und die gab es bald in Menge.» (Es lohnt sich, weiterzulesen.)
Weiterzulesen – an einer Stelle jedenfalls hat Norbert Lohfink Unrecht: «(Zu 4.) Die Dreizahl der Lesejahre ist erstaunlich reibungslos akzeptiert worden, obwohl es dafür eigentlich keinerlei Tradition gab, zumindest keine christliche» – die Zürcher und Peterlinger Messbuch-Fragmente aus dem Beneventanischen Ritus, der eng mit dem römischen verwandt ist, bezeugen das Gegenteil.
Also eine Art theologisch zensierter Reader’s Digest-Version kirchlicher Lesungen. Was aber die «Gesamtsumme der Minuten» angeht, so ist meistens die Predigt länger als alle drei Lesungen zusammen – hier lohnte es sich, Minuten zu sparen.

Samstag, 28. Dezember 2024

Kirchliche Feiertage

Von der orthodoxen Kirche kenne ich es, daß an jedem höheren Feiertag, auch wenn es kein staatlicher Feiertag ist (wie es dort ja meistens der Fall ist), die Göttliche Liturgie gefeiert wird (lang!) und am Vorabend die Nachtwache (noch länger!). Priester und Sänger (wenn auch deutlich weniger als an Sonntagen) sind immer vorhanden – obwohl orthodoxe Priester hierzulande meistens noch einem profanen Beruf nachgehen müssen.
Das Fest des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes hat den gleichen liturgischen Rang wie das des heiligen Stephanus. Aber während in unserem Großstädtchen beim Fest des heiligen Stephanus Messen in ähnlicher Zahl wie an Sonntagen gefeiert wurden, herrschte an dem des heiligen Johannes Werktagsordnung: in der Propstei gar keine Messe, in der Kirche in unserem Gründerzeitviertel in der kleinen Seitenkapelle eine Messe mit minimaler Festlichkeit.
Der Priestermangel schlägt bei uns noch nicht allzusehr durch, daran kann es nicht liegen. Und wahrscheinlich wären auch Organist, Kantor und Ministranten zu haben gewesen.
Warum also wird hier uns dieses hohe Fest vorenthalten?

Mittwoch, 18. September 2024

Das Leiden der Kirche an neuzeitlicher Theologie

Man stelle sich vor, jemand behauptete: „C. Julius Caesar war ein mäßig erfolgreicher römischer Politiker in den Wirren der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts (einer unter vielen), der dann wie so viele andere im Laufe der Bürgerkriege ermordet wurde. Doch als es dann C. Octavius gelang, die Herrschaft über das Römische Reich dauerhaft an sich zu ziehen, erklärte er Caesar, der im Unterschied zu ihm selbst aus einem der angesehensten Geschlechter Roms stammte, zu seinem Adoptivvater, sich selbst zu seinem Erben, nahm dessen Namen an (mit dem Beinamen Octavianus) und ließ ihn verherrlichen als großen Feldherrn und großen Herrscher über Rom, gütig („clementia Caesaris“) und reich an Verdiensten, dessen glorreiche Herrschaft durch den Mord an ihm unterbrochen worden sei und nun von ihm, Octavianus Augustus, vollendet werde.“
Es mag sein, daß diese These von dem einen oder anderen Feuilleton bejubelt würde, aber bei Altphilologen und Althistorikern würde sie keinen Augenblick ernstgenommen.
Doch in der Theologie tauchen vergleichbare Thesen auf. Jesus sei ein Wanderprediger gewesen (einer unter vielen); er „wollte keine Kirche gründen, schon gar nicht im Sinn der konstantinischen Wende. Er kannte seine späteren Hoheitstitel nicht [damit sind offenbar die in den Evangelien überlieferten „Titel“ wie Christus – Messias, Sohn Gottes, Heiliger Gottes, König von Israel gemeint] und suchte nicht seinen Tod, schon gar nicht einen Sühnetod, hätte auch von der Erbsünde nichts verstanden.“ All das sei ihm später erst von den Jüngern, den Aposteln zugeschrieben worden, besonders von Paulus, oder auch von einer nicht näher faßbaren Stimme der „Gemeinde“ („Gemeindebildung“).
Solche Thesen sind nicht nur von dem einen oder anderen Feuilleton bejubelt worden, sondern Konsens geworden in großen Bereichen der Theologie beider großer westlicher Konfessionen. Das Zitat in der Mitte stammt von einem katholischen Theologen, Hermann Häring („Hat die Institution Kirche im 21. Jahrhundert ausgedient?“).
Die Frage, wer größere Möglichkeiten gehabt hätte, eine solch unhistorische Sicht durchzusetzen, ist leicht zu beantworten: Augustus standen alle Machtmittel des Imperium zur Verfügung, und es mangelte zu seiner Zeit nicht an großen Dichtern und Geschichtsschreibern, die ihm ergeben waren. Die Urkirche hatte keine Machtmittel, konnte Dissidenten nicht kontrollieren; und antichristliche Polemik war im Römischen Reich noch über die Konstantinische Wende hinaus möglich.
Wer unbefangen die Evangelien liest, kann nur entweder Jesus absurde Größenphantasien zusprechen oder aber in Ihm einen einzigartigen Einbruch Gottes in diese Welt erkennen. Wenn aber jemand das letztere nicht glauben will, vorm ersteren aber zurückschreckt, sei es, weil er noch eine sentimentale Bindung ans Christentum hat, sei es, weil die Kirche gut dotierte Stellen zu vergeben hat oder zumindest die Missio canonica für solche erteilen muß, so kann er sich mit solchen Thesen durchzulavieren suchen. Dafür aber muß er sehr vieles von der biblischen Überlieferung „exegetisch entsorgen“, wie Klaus Berger es formulierte.
Doch wenn jemand keine solche Stelle innehat noch sie sucht: welchen Sinn sollte für ihn ein so entleerter Glaube haben? „Hat die Institution Kirche im 21. Jahrhundert ausgedient?“ Mit solcher Theologie hätte sie schon längst ausgedient.
Allerdings geht der oben angeführte Hermann Häring (aus dem Hause „Weltethos“, „Promotion und Habilitation wurden von Prof. Dr. Hans Küng begleitet“) noch weiter. Zuvor hatte er noch Alfred Loisys beliebten polemischen Spruch zitiert: „Jesus verkündete das Reich Gottes, doch gekommen ist die Kirche.“ Doch selber läßt er auch das Reich Gottes weg: „Durch sein Handeln und seine Zuwendung zu den Verlorenen ließ er vielmehr das durch und durch säkulare, weil human orientierte Reich der Gerechtigkeit beginnen.“

Samstag, 14. September 2024

Papst Franziskus Rede in Singapur

„Alle Religionen sind ein Weg, um zu Gott zu gelangen“, sagte Papst Franziskus in Singapur, „sie sind – ich mache einen Vergleich – wie verschiedene Sprachen, verschiedene Idiome, um dorthin zu gelangen.“
Dieser Vergleich sei einmal durchdacht.
Wenn jemand sagt: „Allà kaì eàn hemeîs è ángelos ex ouranoû euangelízetai hymîn par’ hò euangelisámetha hymîn, anáthema ésto“, wenn jemand anderes sagt: „Sed licet nos aut angelus de cælo evangelizet vobis præterquam quod evangelizavimus vobis, anathema sit“, wenn wieder jemand anders sagt: „Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium verkündete außer dem Evangelium, was wir euch verkündet haben: er sei verflucht“, so sind das verschiedene Sprachen, verschiedene Idiome, doch kann das alles nebeneinander bestehen; im Kern ist das alles das Gleiche, führt zum selben Ziel.
Doch wenn jemand sagt: „Aber wenn auch wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium verkündigte außer dem Evangelium, was wir euch verkündigt haben: er sei verflucht“, wenn jemand anderes aber sagt: „Mohammed ist der Gesandte Gottes“, so ist das durchaus nicht das Gleiche.
Was davon richtig ist, erschließt sich erst bei näherer Betrachtung; klar aber ist von vornherein (wenn man beachtet, daß Paulus mehr als ein halbes Jahrtausend älter ist als Mohammed), daß nicht beides richtig sein kann.
„Alle Religionen sind ein Weg, um zu Gott zu gelangen“? Das Christentum ist der von Gott gewiesene Weg, zu Ihm zu gelangen. Andere Religionen sind von Menschen geschaffene Wege, die zu Ihm oder auch ganz woandershin (im Buddhismus etwa: zum Nirvana, zum Verlöschen) zu gelangen anstreben.
Und natürlich können auch jene Gläubige anderer Religionen, „die an unüberwindbarem Unwissen um unsere heiligste Religion leiden und die das Naturgesetz und seine Gebote, die in aller Herzen von Gott eingeprägt sind, eifrig zu beachten bereit, ein ehrbares und richtiges Leben führen“ (Papst Pius IX.), zu Gott gelangen. Aber in anderen Religionen gibt es Wahrheiten, das Christentum ist wesentlich wahr.

Freitag, 6. September 2024

Ja. Nein.

Ist es den Katholiken der Stadt zumutbar, wenn in der Kirche in ihrer Nähe die Sonntagsmesse ausfällt, sich auf den Weg zur Sonntagsmesse in einer anderen Kirche der Stadt zu machen?
Die Antwort der Leitung der Stadtpfarrei:
1. Ja.
2. Nein.
– Synthese: keine.
Der Chronist von Orietur Occidens berichtet.

Donnerstag, 8. August 2024

Sprachen der Mathematik und der Theologie

«1+1=2» – so pflegten die Mathematiker bisher zu sagen.
Nun stelle man sich vor, moderne Mathematiker würden fortan sagen:
«Die Einheit vereint sich mit einer Einheit, die eine ganz andere und doch wesenhaft das Gleiche ist, in und zu einer Zweiheit, die in sich Zweiheit ist und als solche erscheint und sich uns darbietet und die in und mit sich zugleich eine neue Einheit ist und so sich vollendet und überhöht als Einheit von Einheit und Zweiheit.»
Absurd.
Nur: ich hatte in letzter Zeit Anlaß, einiges von theologischen Schriften aus den letzten sechzig Jahren zu lesen (und durchaus von soliden Theologen). Und siehe: bei ihnen klingt es gerade so wie bei jenen fiktiven modernen Mathematikern. Und von der Sprache etwa des heiligen Thomas ist ihre Sprache ebenso weit entfernt wie jener fiktive (pseudo-) mathematische Satz vom klassischen «1+1=2».

Freitag, 26. Juli 2024

Ein neuer britischer Appell für die überlieferte Liturgie

Ein Gerücht ging um, der Vatikan wolle die überlieferte Liturgie noch über das heillose Traditionis Custodes hinaus einschränken. Dieses Gerücht wurde aber von vatikanischen Quellen, die La Croix schon am 1. Juli anführte, dementiert.
Doch wieder, wie schon vor mehr als fünfzig Jahren, kam eine Antwort aus dem britischen Raum. Nach den damaligen Reformen hatten 1971 mehr als hundert britische Künstler und Schriftsteller den Appeal to preserve Mass unterzeichnet, unter ihnen Agatha Christie, Graham Greene und Yehudi Menuhin. Das hatte Paul VI. zum „Agatha-Christie-Indult“ veranlaßt.
Nun belebten wieder britische Persönlichkeiten den Geist dieses Appeal: ausdrücklich in Erinnerung daran veröffentlichten sie am 3. Juli, ebenso wie damals in The Times, einen Appell an den Heiligen Stuhl, von neuen Einschränkungen der überlieferten Liturgie Abstand zu nehmen. Unterzeichnet wurde dieser Appell fast fünfzig Personen, darunter auch von einem Mitglied des Königshauses; aber vor allem sind viele Musiker dabei. Ganz besonders zu nennen: Kiri Te Kanawa.
Danke!

Donnerstag, 2. Mai 2024

Die „Vorstellungen der Kirche“

«„Früher war es so, dass eine Einrichtung dadurch katholisch sein sollte, dass Beschäftigte im Regelfall katholisch sind und ihr Privatleben nach den Vorstellungen der Kirche ausrichten“, warf Kollig, ein Mitglied der Arnsteiner Patres, ... „Das ist aber schon lange gar nicht mehr möglich – gerade hier im Erzbistum finden wir schlicht das Personal nicht, das zugleich fachlich qualifiziert und katholisch ist“», so ist bei CNA zu lesen. Er spricht zu Recht ein gravierendes Problem an; und in irgendeiner Weise wird die Kirche in dieser Sache unerfreuliche Kompromisse schließen müssen.
Nur: «ihr Privatleben nach den Vorstellungen der Kirche ausrichten» – warum sagt er nicht: «ihr Privatleben nach den Vorstellungen Christi ausrichten»?

Samstag, 27. April 2024

Irregeleiteter Kinderchor

Am vorigen Sonntag: in der Messe singt der Kinderchor. Er singt bemerkenswert gut.
Eines nur ist schade.

Montag, 12. Februar 2024

Karneval und Fastenzeit – was hat sich geändert

in den letzten Jahrzehnten?
— Jetzt gibt es in der Kirche – in Gemeinderäumen, im Gottesdienst selbst – viel mehr Karneval, stattdessen viel weniger Fasten.

Montag, 5. Februar 2024

„Wort-Gottes-Feiern“

Eine gute Absicht: auch in entlegeneren Vororten des Großstädtchens sollen Sonntagsmessen stattfinden können. Ein Weg dazu, der mehr Probleme schafft als löst: „Wort-Gottes-Feiern“.

Donnerstag, 9. März 2023

Bischof und Traditionalismus

Im Fastenhirtenbrief des Bischofs von Dresden / Meißen – „Mutig nach dem gemeinsam Möglichen suchen“ – finden sich die Sätze: «Wir können die Zeit nicht zurückdrehen. Weder Traditionalismus, der einen einzelnen Moment aus der Geschichte Gottes mit uns Menschen absolut setzt, noch Nostalgie, die Vergangenes verklärt, werden uns helfen. Wir brauchen Tradition, die den Glauben in der jeweiligen Zeit verlebendigt. Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen, ohne sich gedankenlos dem Faktischen zu unterwerfen.»
Abgesehen davon, daß «die Zeichen der Zeit zu erkennen», wie das Evangelium diesen Ausdruck meint, sowieso alles andere bedeutet als «sich gedankenlos dem Faktischen zu unterwerfen»: «einen einzelnen Moment aus der Geschichte ... absolut» zu setzen, ist kein Traditionalismus, sondern eine undurchdacht konservative Haltung. Pietro Chiaranz hat zu Recht Traditionalismus sowohl dem Konservativismus als auch dem Progressismus gegenübergestellt.
Damit gemeint ist natürlich nicht jener „Traditionalismus“, den das I. Vaticanum verdammt hat und der in der reformatorischen „Diastasen“-Theologie Urständ feierte.
Traditionalismus sucht nicht «einen einzelnen Moment aus der Geschichte» zur Norm zu erheben, sondern das, was die Kirche von Anfang an „semper et ubique“ durch die Jahrhunderte überliefert hat. Diesen Traditionalismus könnte man auch einfach „Katholizismus“ nennen.
Wer sich heutzutage so wie hier der Bischof gegen „Traditionalismus“ wendet, setzt diese Tradition der Kirche, in der sich ihr Wesen niederschlägt, unterschiedslos mit zeitbedingten Strömungen und Moden der Vergangenheit gleich. Damit erweckt er den Eindruck, dieser Tradition stünden Strömungen und Moden der Gegenwart gleichwertig gegenüber, hätten sogar einen Vorzug, weil durch sie der Glaube „verlebendigt“ würde. Solche Gleichwertigkeit aber besitzt keine Strömung, am allerwenigsten eine, die sich von der Tradition der Kirche entfernt, nicht; und somit sicher nicht jene progressive Strömung, die den im Novus Ordo konservierten Klerikalismus der späten sechziger Jahre mit dem politisch korrekten Zeitgeist des XXI. Jahrhunderts verbindet.
Und diese Strömung vermag zwar noch sehr viel Aufhebens zu machen, geht geistlich aber längst aufs Nirvana zu. Die Zukunft der Kirche kann nur in echtem Traditionalismus liegen.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Sehr geehrte Herren Bischöfe des „Synodalen Wegs“,
liebe Genossinnen und Genossen auf diesem Weg,

ein Vorschlag zur Güte: Tretet zu den Unitariern über, gerne geschlossen! Dort dürft Ihr glauben, was immer Ihr wollt, Ihr dürft Riten vollziehen, welche und an wem Ihr immer wollt.
Die alte katholische Kirche ist ja eigentlich nur noch für eine Minderheit da, die nämlich, die das Heil bei ihrem Herrn finden wollen – um die braucht Ihr Euch ja nicht zu kümmern.
Tschüß!

Dienstag, 11. Oktober 2022

Todesstrafe im Katechismus der Katholischen Kirche

Heute vor fünf Jahren hat Papst Franziskus I. eine Ansprache gehalten, von der ein Satz in den Katechismus der Katholischen Kirche gelangt ist: dieser Satz erklärt die Todesstrafe für unzulässig.
Es ist schwierig, dieser Neuformulierung des Paragraphen 2267. des KKK zu widersprechen, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, es solle die Todesstrafe befürwortet werden. Nun aber, nach fünf Jahren, sei es unternommen: Dogmenverkündigung auf kaltem Weg?

Donnerstag, 29. September 2022

„Zeichen der Zeit“

Kardinal Kurt «Koch hatte im Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ gesagt, es irritiere ihn, „dass neben den Offenbarungsquellen von Schrift und Tradition noch neue Quellen angenommen werden“», nämlich beim „Synodalen Weg“.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg «Bätzing wies diesen Vorwurf entschieden zurück», so heißt es; doch in Wirklichkeit bestätigt er ihn: «Im Orientierungstext des Synodalen Wegs habe man aufgezeigt, dass es um die sogenannten Zeichen der Zeit als Quellen theologischer Erkenntnis und für die Entwicklung der Lehre gehe.»
„Zeichen der Zeit“ – das ist ein Ausdruck, den der Herr selber gebraucht im Blick auf die Zeichen, die auf Sein Erscheinen hinweisen (Matth. 16, 3). Die Pastoralkonstitution Gaudium et spes des II. Vatikanum gibt der Kirche dann auf (4. De spe et angore.), diese Zeichen «sub Evangelii luce – im Licht des Evangeliums» zu verstehen und so das Evangelium um so zielgenauer zu verkünden. Mons. Bätzing aber will das Gegenteil daraus machen: «Quellen theologischer Erkenntnis und für die Entwicklung der Lehre», die offenbar nicht bei der Verkündigung des Evangeliums helfen sollen, sondern ihm etwas von außen (der Zeit nämlich) hinzufügen sollen.
Kardinal Koch hätte natürlich in seiner Formulierung bedenken sollen, daß NS-Vergleiche zumindest aus deutschem Mund immer verstörend wirken. Doch das Anliegen des Kardinals, aus der Geschichte zu lernen – damals hat, anders als die „Deutschen Christen“, die katholische Kirche die „Zeichen der Zeit“ richtig verstanden hat –, ist berechtigt. Wenn Mons. Bätzing nun von Kardinal Koch «„im Sinne der Sache und der Synodalen“ eine öffentliche Entschuldigung» erwartet, und zwar «umgehend», und eine «Beschwerde beim Heiligen Vater» androht, so ist das absurdes Theater.

Dienstag, 13. September 2022

Das Ideal des „Synodalen Wegs“: die Kirche als Wundertüte

Ein „Moraltheologe“ Sautermeister erhält von katholisch.de ausführlich das Wort für seine „Kritik an Bischöfen“ unter dem Titel: „Kirche hat immer ihre Lehre geändert“. Diesem Thema ist dieses Positum gewidmet; dabei sei einmal die Frage all der Lehren, um die es ihm geht, beiseite gelassen.
«Und Weiterentwicklung und Vertiefung der theologisch-ethischen Grundeinsichten sind ein wichtiger Bestandteil der Treue zum Evangelium», sagt er; das ist richtig. Wie aber solche «Weiterentwicklung und Vertiefung» auszusehen hat, hat der heilige Vinzenz von Lérins in seinem Commonitorium ausführlich erläutert: «Allein es muß in Wahrheit ein Fortschritt im Glauben sein, keine Veränderung. Zum Fortschritt gehört nämlich, daß etwas in sich selbst zunehme, zur Veränderung aber, daß etwas aus dem einen sich in ein anderes verwandle.» (Cap. XXIII / 28)
Das ist aber nicht die Sicht des „Moraltheologen“; er meint: „Entscheidend sei das «Ernstnehmen der humanwissenschaftlichen Erkenntnisse»“ – das aber heißt, daß die Kirche die «Weiterentwicklung und Vertiefung» eben nicht aus eigenem nähme, sondern von außen, daß es Veränderung wäre, kein Fortschritt.
Nun hat die Kirche die Wissenschaft sehr zu achten; aber ein Lehramt der Humanwissenschaften – wer hätte das inne? die Meinungen sind in diesen Wissenschaften nicht minder weit gefächert als in der Kirche und alles andere als zeitlos feststehend – gibt es nicht, und Humanwissenschaften sind etwas anderes als Morallehre. Für ihre Lehre ist die Kirche allein verantwortlich.
Weiter sagt der „Moraltheologe“: «Es ließen sich noch weitere Beispiele anführen, die zeigen: Tradition ist geschichtlich und es gibt Lern- und Einsichtsprozesse auch in der kirchlichen Morallehre.» «Tradition ist geschichtlich» – das meint offensichtlich, die Offenbarung (die durch die Tradition vermittelt wird) habe keine zeitlose Gültigkeit; und die Kirche – «Lern- und Einsichtsprozesse» – müsse einmal etwas anders lernen und einsehen – und dann wohl auch lehren.
Diese Kirche wäre eine Wundertüte: der Christ glaubt an sie und muß sich überraschen lassen, was er morgen wird zu glauben haben.
Galilei darf natürlich nicht fehlen: «Ansonsten hätten wir einen neuen Fall Galilei im 21. Jahrhundert» – dankenswerterweise hat vor einiger Zeit katholisch.de selbst klargestellt, daß im Falle Galilei die Kirche keine wissenschaftliche Erkenntnis verboten hat.
Gerade habe ich die Vesper von Kreuzerhöhung mit Le Barroux mitgesungen. Die Kirche, die diese Texte im Gewand der Gregorianik betet, ist die, an die ich glaube; an eine Wundertüte wollte ich nicht glauben.

Donnerstag, 4. August 2022

Ein katholischer Priester predigt im evangelisch-lutherischen Dom

Die heutige katholische Kirche in Meißen ist etwas abgelegen, darum ziehe ich es vor, abends an der Messe daheim teilzunehmen und am Vormittag in den heute evangelisch-lutherischen Dom zu gehen.
„Sommerpredigten“ sind angesagt. Das heißt: heute tritt der Dompfarrer und Superintendent zusammen mit einem katholischen Priester, einem emeritierten Pfarrer der Stadt, heran.
Der Priester, in Albe und Stola, hat die Aufgabe, über das Abendmahl zu predigen.
Eine delikate Aufgabe. Er bewältigt sie, indem er erklärt, das Sakrament – Abendmahl und Eucharistie – habe drei Aspekte. Und dann führt er diese Aspekte aus, drei nachrangige Aspekte des eucharistischen Sakraments.
So hat er sich gut aus der Affaire gezogen. Nur: schade, daß so die Protestanten nichts vom wirklichen Wesen der Eucharistie zu hören bekommen.