Posts mit dem Label Liturgie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Liturgie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 7. Mai 2026

Wallfahrt nach 480 Jahren Reformation

Einst eine bedeutende Wallfahrtskirche, bis heute im Glanz der wohlbehaltenen reichen spätgotischen Ausstattung, nur seit 480 Jahren ohne katholische Liturgie. Doch jetzt ...

Samstag, 28. März 2026

Der paradoxe Nutzen der «allgemeinen Unkirchlichkeit»

Der evangelische Theologe, aus dessen Autobiographie wir eine Anthologie bieten, erklärt, warum Protestanten in Gebieten mit verdorrtem kirchlichen Leben viel schönere Kirchen haben als Katholiken, bei denen die kirchliche Praxis sehr viel intensiver ist.

Freitag, 13. März 2026

Das Mysterion des Klanges der klassischen Sprache

Am Montag letzter Woche wurde in unserem Großstädtchen – zum ersten Mal, so wurde gesagt – eine koptische Liturgie zelebriert. Die Liturgie besteht ganz aus Gesang, so wurde gesagt und so war es zu hören.
Am Sonntag dann in Köln. Zu den geistlichen Höhepunkten der Stadt gehört das unscheinbare Kirchlein Maria Hilf. Auch dort besteht die Liturgie ganz aus Gesang.
Nur, leider: Es ist keine Schola mehr da. Das Asperges und das Ordinarium können dank einer sehr guten Solistin und einer gesangskundigen Gemeinde noch im Choral gesungen werden; aber das Proprium wird durch deutsche Lieder ersetzt, Graduale und Tractus durch Orgelspiel.
Schöne Lieder; dennoch: es ist ein markanter Abfall der geistlichen Ausdruckskraft gegenüber den Choralstücken.
Das liegt natürlich an der musikalischen Qualität des Chorals. Aber auch der Klang der klassischen Sprache, des Lateinischen und des Griechischen (Kyrie) spielt eine Rolle. Es ist eine Fügung, daß der christliche Glaube in die Welt kam, als diese beiden Sprachen das Imperium prägten.

Freitag, 27. Februar 2026

Gesang, Lesungen und Predigt

Es war das Erleben der – von ihm eingeführten – Christmette, die den evangelischen (!) Theologen zu einer bemerkenswerten liturgischen Entdeckung führte. Wenn auch jetzt eigentlich nicht die Zeit ist, über eine Christmette zu schreiben: die Entdeckung ist zeitlos, nicht ans Kirchenjahr gebunden.
Außerdem ist morgen Quatember-Samstag; wer Gelegenheit hat, da an einer Quatember-Messe teilzunehmen, kann Bestätigung für diese Entdeckung finden.

Freitag, 20. Februar 2026

Die Altäre der Kirche

Die Grundordnung des Römischen Messbuchs (303) schreibt vor: «Damit die Aufmerksamkeit der Gläubigen nicht vom neuen Altar abgelenkt wird, ist der alte nicht in besonderer Weise zu schmücken.»
In der Reihe von Beiträgen, die wir einem evangelischen Theologen gewidmet haben, ist nun zu lesen, wie er es als Pfarrer einer früher katholischen Kirche gehalten hat.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Frohes Fasten!

Warum Ostereier? – und einiges, was man sonst über die Fastenzeit wissen möchte

Freitag, 13. Februar 2026

Antiphonen und Antwortgesänge – Hinweise für Kirchenmusiker

Das Wissen, was eine Antiphon ist, war in den sechziger Jahren im Kirchenvolk nicht mehr allgemein verbreitet. In den Gebetbüchern fand sich zwar die Sonntags-Vesper mit ihren Antiphonen, doch die Bezeichnung „Antiphon“ stand nirgends dabei.
Als dann der Gesang des Stundengebets wieder mehr in die Gemeinden gebracht werden sollte, wurde eine Menge neuer deutscher Antiphonen ins neue Gesangbuch, das GL, gesetzt. Darunter sind eindrückliche Kompositionen, so die Antiphon zum 21./22. Psalm (176.2; 715.1 / 293). Viele dieser Antiphonen aber waren so, daß sie Anlaß gaben zu dem Spruch: «Hier ein Tönchen, da ein Tönchen; fertig ist ein Antiphönchen.»
Zum antiphonalen Psalmgesang gehört eine Regel: jeder Vers enthält eine Mediatio, die gekennzeichnet ist durch eine melodische Formel und die mit einer Pause verbunden ist; diese Pause soll etwa so lang sein wie zwei Töne. Nun hat sich in vielen Pfarrgemeinden, in denen Stundengebet gesungen wird, die Vorstellung ausgebreitet, diese Pause müsse richtig lang sein, müsse wehtun – und das läßt sich besonders gut erreichen, wenn die begleitende Orgel hart aufhört, um dann gleich ebenso hart wieder einzusetzen.
Doch das ist nicht die gute Form antiphonalen Gesangs. Beim Stundengebet von Klöstern, in denen man dieses Gesangs kundig ist, kann man hören, daß diese Pause so abgemessen ist, daß sie hörbar ist und doch nicht weh tut.
Auf die Lesungen folgt je ein Antwortgesang, das Graduale. Das ist ein Responsorium. Responsorien unterscheiden sich deutlich von antiphonalen Gesängen. Während beim antiphonalen Gesang die Verse abwechselnd von zwei Halbchören gesungen werden, werden sie bei einem Responsorium von einem Kantor gesungen. Das ermöglicht eine reichere Melodie. Eine ausgeprägte Pause bei der Mediatio kennen die Verse eines Responsoriums nicht.
Das Wort „Responsorium“ hat doppelte Bedeutung: es bezeichnet das eigentliche Responsorium, einen Kehrvers, ebenso wie den Gesang dieses Kehrverses mit den weiteren Versen als Ganzes. Zu Anfang des Responsoriums wird dieser Kehrvers vom Kantor gesungen und dann von der Gemeinde wiederholt, dann wieder (möglichst) nach jedem Vers wiederholt.
Die Antiphon dagegen muß nur am Ende gesungen werden, wird in der Regel auch (einmal!) am Anfang gesungen, gelegentlich auch zwischen einzelnen Versen, aber immer nur vom Chor.
Ein antiphonaler Psalm schließt in der Regel mit einem Ehre sei (natürlich vor der Antiphon). Ein Responsorium dagegen hat diesen Schluß nur in besonderen Fällen; der Antwortpsalm der Messe hat ihn niemals.
Das GL bietet leider keine Responsorien außer den Kurzresponsorien fürs Stundengebet, die musikalisch ungleich simpler sind als die Gradualia der Messe. Eine Ausnahme bilden nur die Alleluja (Alleluja ist der Kehrvers fürs Responsorium vor dem Evangelium), die hier freilich auch musikalisch sehr simpel sind.
Was also tun, wenn die Kehrverse der Responsorien vom Volk gesungen werden sollen?
Üblich ist dann, einfach eine Antiphon als Kehrvers zu nehmen; die Gesangsweise für die Verse des Responsoriums findet der Kirchenmusiker in seinen Büchern. Hat er das betreffende Buch nicht vor sich liegen, so ist es eine extreme Notlösung, statt dessen die simple Melodie des antiphonalen Psalms zu verwenden. Eine ausgeprägte Pause darf bei den Versen des Graduale nicht eingelegt werden.
Ganz barbarisch aber ist es, hier eine Pause einzulegen, die wehtut.

Samstag, 7. Februar 2026

Der Sinn der immer gleichen Gebete

Der evangelische Theologe, Wilhelm Stählin, dem wir einige Beiträge widmen, kam aus dem „liberalen“ Zweig der evangelischen Kirche; lange noch hat er den inneren Harnack nicht überwunden. Verständnis für Liturgie konnte er so kaum mitbringen. Daß er es doch entwickelt hat, verdankte er nicht zuletzt Erlebnissen und Begegnungen in der Anglikanischen Kirche.

Samstag, 31. Januar 2026

Ein evangelischer Jugendchor

Nach längerer Zeit hat die Chronik von Orietur Occidens die Reihe „Liturgisches von einem evangelischen Theologen“, Wilhelm Stählin nämlich, wieder aufgenommen.
Was er vom (evangelischen!) Jugendchor seiner Pfarrstelle in Osternburg berichtet, würde wohl jedem katholischen Jugendchor zur Ehre gereichen.

Dienstag, 13. Januar 2026

Veröffentlichung der Ostertermine

Im Decretum Gelasii gehörte die Oktav der Epiphanie zu den gebotenen Feiertagen. Deren Antiphonen allerdings, die dem Gedächtnis der Taufe des Herrn galten, sind schon im Brevier Pius’ V. verschwunden, durch die Antiphonen vom Fest der Epiphanie selbst ersetzt. Nach der weitreichenden Verminderung der gebotenen Feiertage im XIX. Jahrhundert zählte dieser Oktavtag nicht einmal mehr zu den Festa suppressa. Die Reform von 1956 beseitigte sogar die Oktav von Epiphanie, doch dieser Tag blieb als Fest bestehen: als Gedächtnis der Taufe des Herrn. Auch der Konzils-Ordo hat ihn beibehalten; doch vom Novus Ordo wurde er auf den Sonntag nach Epiphanie verlegt.
Doch uns gelte dieser Oktavtag noch, um zu Epiphanie (etwas verspätet freilich) die Ostertermine zu veröffentlichen.

Samstag, 3. Januar 2026

Das Canticum Benedictus
– eine Anfrage an die Musiker –

Aus der altgallikanischen Liturgie ist überliefert, daß nach der Epistel das Benedictus (Dan. 3, 52-56) gesungen wurde.
In der römischen Liturgie wird dieses Canticum am Quatembersamstag vor Oration und Epistel gesungen. Die Frage ist, ob der Gesang dieses Canticum an diesen beiden Stellen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgeht oder ob dieser Gesang in Rom aus der altgallikanischen Liturgie übernommen wurde.
Lange habe ich gemeint, daß es ein gemeinsamer Ursprung sei; doch nun erscheinen mir die Belege überzeugend, daß der römische Gesang aus dem altgallikanischen übernommen wurde.
In den ältesten Belegen für die Liturgie des Quatembersamstags erscheinen die Daniel-Lesung und das Canticum noch nicht.
Sodann: ein Graduale in der römischen Liturgie – dessen Stelle das Canticum hier vertritt –, enthält niemals ein Gloria Patri
Gloria Patri
. Hier aber erscheint es; es widerspricht also den Gesetzen des römischen Ritus.
Außerdem: die Cantica aus Daniel enthalten im römischen und ebenso im byzantinischen Ritus niemals ein Gloria Patri, sondern stattdessen steht da – sowohl im Benedicite der Laudes als auch in den Benedictus-Versen in den Preces der Komplet (R.B. c. XVII) – Benedicamus Patrem.
N.B.: Benedicamus Patrem et Filium cum Sancto Spiritu * laudemus et superexaltemus eum in sæcula – eine schöne Darstellung der Dreifaltigkeit.
Aber auch die Gesangsweise wirkt wenig gregorianisch. Ist sie altgallikanisch?

Zum Vergleich:
Das Credo wurde in Rom nicht gesungen, bis es 1014 auf Wunsch von Kaiser Heinrich II. dort eingeführt wurde, mit dem Filioque, das zuvor in Rom nicht gebräuchlich war. Die erste musikalische Gestalt des Credo war in Rom wohl das heutige Credo I. Woher kommt es?
Zur uns bekannten Form der altgallikanischen Liturgie gehörte kein Credo, wohl aber zur visigothischen (moçarabischen), die mit ihr nahverwandt war (Missale Gothicum heißt eines der wichtigsten Dokumente der altgallikanischen Liturgie). Kam das Credo I etwa dorther? Oder von den Iren? Leider wissen wir ganz wenig von der keltischen Liturgie.
Klar scheint, daß es im gallikanisch-gothisch-fränkischen Raum entstanden ist. Darum also die Frage an die Musiker:
Läßt sich ein musikalischer Stil erkennen, der das Benedictus (iij puerorum) mit dem Credo I verbindet und somit ein letztes Zeugnis wäre des vorgregorianischen Kirchengesangs im gallikanisch-fränkischen Raum?

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Die Tage um Weihnachten mit Le Barroux

Der Quatembersamstag: Leider ist er im Novus Ordo nicht mehr vorgesehen, wohl aber im Konzils-Ordo, wie er in Le Barroux gefeiert wird (und wie ich ihn in einem Schott von 1966 vorliegen haben).
Eine großartige Einführung ins Weihnachtsfest: die Jesaja-Lesungen, die Gradualia aus den Psalmen 18 und 79 (und wirklich: dieser Schott verwendet noch die Psalmen-Numerierung der Vulgata) und die einfühlsamen, ausdrucksstarken, doch unaufdringlichen Melodien der Gregorianik.
Das Fest des heiligen Johannes: Dieses Jahr fällt es auf einen Samstag; und in vielen deutschen Kirchen, und so auch in unseren Großstädtchen, werden samstags keine Messen gefeiert außer der Vorabendmesse für den Sonntag. Welch einen Heiligen zu feiern wird uns da vorenthalten! Und wieder hilft Le Barroux. Natürlich fehlt die physische Teilnahme an der Eucharistie. Doch Lesungen und Gesang bieten wieder eine intensive Art der Mitfeier, wie sie in deutschen Pfarrkirchen selten ist.

Samstag, 6. Dezember 2025

Advent in den verschiedenen Kirchen

Seit einer Woche ist die römische Kirche im Advent. Es ist eine „geschlossene Zeit“, eine Zeit, in der Hochzeiten und andere Feiern unterbleiben sollen, in der man auf Theater und andere weltliche Veranstaltungen verzichten soll. Eigentlich ist es eine Fastenzeit; doch war sie nie so streng wie die vor Ostern, Feste waren immer ausgenommen, und heute ist sie im lateinischen Raum weitgehend vergessen.
Zugleich hat diese Zeit einige liturgische Besonderheiten, die mit dem Fastencharakter zusammenhängen: Gloria und Te Deum fallen aus, ebenso das Orgelspiel, die liturgische Farbe ist Violett.
Der römische Advent beginnt mit dem 4. Sonntag vor Weihnachten, der in die Zeit vom 27. November bis zum 3. Dezember fällt. Ebenso lang ist er in der assyrisch-chaldäischen Kirche.
Zwei Wochen länger dauert der Advent in den zwei anderen noch lebendigen lateinischen Riten: im mozarabischen beginnt er also am 6. Sonntag vor Weihnachten, der in die Zeit vom 13. bis zum 19. November fällt. Ähnlich ist es im ambrosianischen; wenn allerdings hier der Heilige Abend auf einen Sonntag fällt, so wird der nicht als Adventssonntag gerechnet, so daß hier der Advent an dem Sonntag beginnt, der in die Zeit vom 12. bis zum 18. November fällt. In diesem Jahr war es in beiden Kirchen der 16. November.
Als „quaresima di san Martino“, „Martinsfasten“ war dieses längere Adventsfasten weit über die Mailänder Kirchenprovinz hinaus verbreitet; auch der heilige Franziskus hielt es ein.
Sechs Sonntage vor Weihnachten: das entspricht etwa 40 Tagen. 40 Tage lang fastete der Herr, 40 Tage dauert die Fastenzeit vor Ostern. Auch vor Weihnachten fasten die orthodoxen Kirchen 40 Tage; da dieses Fasten aber weniger streng ist, werden dabei auch die Samstage und Sonntage mitgezählt. Es beginnt also am 15. November (was bei den Altkalendariern dem 28. November des gregorianischen Kalenders entspricht). Sechs Wochen vorm Heiligen Abend beginnen die Kopten zu fasten, also am 12. November, dem 3. Hatur (was dem gregorianischen 25. November entspricht).
Doch besondere adventliche Texte gibt es in den orthodoxen Kirchen nur an den letzten beiden Sonntagen vor Weihnachten.
40 Tage vor Weihnachten fastete früher auch die syrisch-antiochenische Kirche, doch heute sind es nur die letzten noch zehn Tage. Der liturgische Advent aber ist in dieser Kirche am längsten: er beginnt am 8. Sonntag vor Weihnachten, an dem Sonntag also, der in die Zeit vom 30. Oktober bis zum 5. November fällt. In diesem Jahr war es der 2. November.
Am 6. Sonntag vor Weihnachten beginnt auch der Advent der armenischen Kirche. Doch diese Kirche feiert Weihnachten am 6. Januar, an dem Tag also, an dem die anderen Kirchen Epiphanie oder Theophanie feiern. Hier ist der 1. Adventssonntag der Sonntag, der in die Zeit vom 25. November bis zum 1. Dezember fällt. In diesem Jahr war es, wie in der römischen Kirche, der 30. November. Doch gefastet wird heute nur noch die letzten sieben Tage.

Freitag, 3. Oktober 2025

Klerikalismus

«Ich darf sie zu diesem Gottesdienst begrüßen», so höre ich oft einen Priester sagen.
Aber, gleichsam zum Trost: ein Jugendchor singt wahre geistliche Musik, straft alle Vorurteile Lügen, die man gegen Jugendensembles haben mag.

Samstag, 6. September 2025

Konzelebration ohne wirkliche Teilnahme der Konzelebranten

Ein Pontifikalamt, zu dem die ganze Großpfarrei eingeladen ist (alle Messen in der Stadt am Sonntagmorgen fallen aus).
Ein Erzbischof und einige Priester konzelebrieren.
Die Messe beginnt ganz vorschriftsgemäß. Doch „vorschriftsmäßig“ reicht nicht immer aus, wenn der Sinn des Ritus nicht beachtet wird. Obwohl es ganz vorschriftsgemäß ist, ist der Gottesdienst zu einem großen Teil so gestaltet, daß die Konzelebranten nicht wirklich daran teilnehmen.
Der Chronist von Orietur Occidens stellt das Problem dar.

Samstag, 16. August 2025

Wenn am Sonntag kein Priester da ist

Vor zwei Wochen: in der syrisch-orthodoxen Kirche St. Maria und St. Shmuni ist der Priester zusammen mit Angehörigen der Pfarrei auf einer Reise. Kein Problem: am Sonntag fährt man zur Nachbarkirche, St. Dimet. Sie ist etwa 14 km entfernt, mit Bus und Bahn braucht man etwa 40 Minuten.
Eine Woche später: in St. Joseph ist kein Priester zu haben. Allerdings ist zur gleichen Zeit eine Messe in St. Johannes Nepomuk. Diese Kirche ist etwa 3 km entfernt, mit Bus und Bahn braucht man etwas weniger als eine halbe Stunde. Doch diesen Weg zur Eucharistiefeier will man der Gemeinde nicht zumuten; so gibt es in St. Joseph statt der Messe eine „Wort-Gottes-Feier“.
«Sine dominico non possumus – ohne das Herren[opfer] können wir nicht», erklärte der Sprecher von 49 Christen, die im Jahr 304, während der diokletianischen Verfolgung, in Abitene in Africa proconsularis ergriffen wurden, als sie sich an einem Sonntag morgens zur Feier der Eucharistie versammelt hatten; sie wurden dann in Karthago gefoltert und hingerichtet.

Dienstag, 22. April 2025

Fastenzeit in der syrisch-orthodoxen Kirche

Eigentlich kein Thema an Ostern; aber beim Osteranruf mit meinen syrisch-orthodoxen Angehörigen (dankenswerterweise haben wir dieses Jahr denselben Ostertermin; es gibt Überlegungen, das für die Zukunft zur Regel zu machen) habe ich, wieder einmal, davon gehört.
Syrisch-orthodoxe Priester müssen in der Regel außerhalb der Kirche ihr Brot verdienen. Der Priester der Pfarrei meiner Angehörigen – ein hochgebildeter Mann – arbeitet als Arbeiter im Mehrschichtensystem.
Nichtsdestoweniger: jeden Abend ein Gottesdienst, der bei besonderer Gelegenheit drei Stunden dauern konnte; und an den entsprechenden Tagen auch zwei Gottesdienste.

Freitag, 18. April 2025

«.. zu meinem Gedächtnis»

Gestern war in der Epistel wieder der Satz zu hören: «Tut dies zu meinem Gedächtnis!» Dieser Satz wurde von den Reformatoren benutzt, das Altarssakrament umzudeuten. Seither klingt die Formulierung «.. zu meinem Gedächtnis» für deutsche Ohren verwirrend. Anlaß genug, darzulegen, was diese Formulierung wirklich bedeutet.

Montag, 24. Februar 2025

Aufgabe des Priesters und Usus in Gemeindekirchen

In unserem letzten Heft zu Ehren der heiligen Ewald & Ewald (28/2023) war die Heilige Eucharistie ein zentrales Thema und darunter besonders auch „Die Einheit des Sakraments – Die Austeilung der Kommunion“ (S. 15), die dem Wesen des Sakraments gemäß Aufgabe des Priesters ist.
Und nun erlebe ich am Sonntag in der Kirche in unserem Gründerzeitviertel: Ein Priester ist zu Gast, er konzelebriert. Aber zur Austeilung der Kommunion nimmt er Platz, legt die geweihten Hände in den Schoß und überläßt die Kommunionausteilung dem Hauptzelebranten und einer Laiin.

Sonntag, 9. Februar 2025

Die Riten der Kirche und die Fassungskraft der Gläubigen

«Ritus ... sint fidelium captui accommodati – Die Riten seien der Fassungskraft der Gläubigen angepaßt», so heißt es in Sacrosanctum Concilium, der Liturgiekonstitution des II. Vaticanum (34). Da steht nicht, daß die Gläubigen geistig beschränkt seien und die Riten dieser Beschränktheit angepaßt werden sollten.
Doch offenbar wurde es manchmal so verstanden.
Kürzlich schon haben wir Norbert Lohfink (Zur Perikopenordnung für die Sonntage im Jahreskreis. I. Probleme beim „Ordo lectionum Missae“) zitiert. Er schreibt da über «eine Diskussion, die auf der entscheidenden Sitzung des nachkonziliaren „Coetus XI de lectionibus“ in Klosterneuburg einen ganzen Tag beanspruchte.» Dort wurde gesagt: «Der moderne Mensch habe keine Zeit mehr und vertrage keine langen Texte.» Wenn der „Coetus“ auch letzte Konsequenzen daraus vermied, so stellt der Autor doch fest, «daß die dadurch entstandene Sensibilität für die angebliche Unfähigkeit des modernen Menschen, einer Sache mehr als einige wenige Minuten zuzuhören, wesentlich dazu beitrug, daß der „Coetus“ mit eiserner Härte an seinen gekürzten und verstümmelten Bibelperikopen festhielt – gegen alle Einwände, und die gab es bald in Menge.»
Wer den Laien nicht zutraut, Lesungen zu verstehen, wird ihnen ebensowenig zutrauen, Riten zu verstehen. Und so mußte ich wieder und wieder erleben, daß während des Gottesdienstes der Ritus erklärt wird, daß etwa während einer Taufe ein Priester – ein ausdeutender Priester also – den Gläubigen erklärt, Chrisamsalbung, Taufkleid und Taufkerze seien «ausdeutende Zeichen». Abgesehen davon, daß die Chrisamsalbung eine hochrangige Segnung darstellt, also nicht einfach ein «ausdeutendes Zeichen» ist: meint der Priester, das könnten die Laien nicht selber verstehen?
Erklären lädt ein, sich dem rationalem Verstehen zu widmen. Aber Liturgie heißt, sich der Begegnung mit dem Herrn zu widmen. Insofern ist die Forderung, die Riten seien «fidelium captui accommodati», eher sinnvoll als das Erklären (dessen wirklicher Platz die Katechese ist).
Aber die Riten der Kirche sind von alters her «fidelium captui accommodati», sie sind von großer Ausdruckskraft. Natürlich versteht von ihnen ein kleines Kind nur ganz begrenzt etwas – aber doch mehr als nichts. Und der Königsweg zum Verstehen ist das Mitfeiern. Laien, die regelmäßig die Liturgie mitfeiern, verstehen sehr viel mehr, als so mancher Priester erwartet.
Zum Beispliel:
Was etwa bei der Taufe ein neues Kleid, was ein weißes Kleid, was eine brennende Kerze bedeutet, wird der gläubige Laie verstehen; und das eigentliche Verstehen geht über das hinaus, was mit Worten erklärt werden kann. Das in der Messe das Kreuzesopfer des Herrn wirklich gegenwärtig wir, hatte er in der Katechese zu lernen; was Teilnahme (participatio actuosa) an diesem Opfer ist, können Worte nicht erklären, das wird er durch ebendiese Teilnahme mehr und mehr verstehen.
«Ritus ... sint fidelium captui accommodati», das kann nur heißen, daß in der Liturgie Christen ständig etwas erleben, was ihre geistlichen Sinne weiter schärft, was all das, was bereits geklärt und einfach erscheint, übersteigt.
Doch wird dem Menschen nur das vorgesetzt, was er leicht versteht, wird ihm alles Verständnis vorgekaut, so entwickelt er sich nicht weiter. Und schließlich wird er sich dabei langweilen – Stimmen säkularer Autoren sind da sehr deutlich: «Was ich verstehe, interessiert mich nicht» (Günther Eich); «Kunstwerke, die der Betrachtung und dem Gedanken ohne Rest aufgehen, sind keine» (Theodor Adorno).
Es ist zu befürchten, daß so in den letzten Jahrzehnten Scharen liturgieblinder und -tauber Christen herangezogen wurden.
Ein Versehen, ein Irrweg. Oder? Karl-Rahner schrieb eint einen Aufsatz über das Thema: «Der mündige Christ». Doch was er wirklich von mündigen Christen hielt, zeigt sein und Herbert Vorgrimlers „Kleines Konzilskompendium“: «.. jene Schichten des viel zitierten und vielfach überschätzten „gläubigen Volkes“ [(die folgenden Relativsätze bieten Injurien gegen eigenständige mündige Gläubige)]. Es handelt sich um jene Schichten, denen die Heilssorge der Kirche zwar immer zu gelten hat, die aber keinesfalls zum Maßstab kirchlichen Selbstvollzugs gemacht werden dürfen … diese Wortstarken und teilweise Einflußreichen, aber in der Humanität gescheiterten Randfiguren der Kirche». Erwünscht waren also «mündige» Christen, die sich das vorbehaltlos zu eigen machten, was ihnen von der theologischen Prominenz vorgegeben wurde. Dazu eignet sich eine Liturgie, in der erklärt wird und alles vermieden wird, was zur Entwicklung eigenen geistlichen Verständnisses führen könnte.