Freitag, 16. April 2021

Mißbrauchte und mißgebildete Fremdwörter

Als Hans Weigel 1974 sein „Antiwörterbuch“ „Die Leiden der jungen Wörter“ veröffentlichte, brauchte er sich fast nur über stilistisch unpassende Wörter zu ereifern. Hans Weigel ist vor fast dreißig Jahren gestorben; was seither die deutsche Sprache überschwemmt hat, sind nicht nur stilistische Mängel, sondern sinnlos gebrauchte und mißgebildete Fremdwörter.
Er braucht sie nicht mehr zu ertragen, kann dazu nicht mehr Stellung nehmen. So haben wir uns an die ersten Einträge einer Art neuen „Antiwörterbuchs“ gemacht.
Neue Beiträge sind willkommen.

Donnerstag, 15. April 2021

Der Mietendeckel

Das Bundesverfassungsgericht hat den Mietendeckel des Landes Berlin aufgehoben. Aber es hat nicht dessen Inhalt beanstandet; darum liegt die Verantwortung nun anderswo.
Einige Worte darüber finden sich bei Orietur Occidens.

Montag, 12. April 2021

Verhüllte Erscheinungsberichte

Unter den Erscheinungsberichten im Neuen Testament sind mehrere, in denen der Herr nicht sogleich erkannt wurde. Es sind schöne Erzählungen; aber daß er zunächst nicht zu erkennen ist, mag manchem auch Raum für Zweifel geben. Deren Vorkommen sei nun nachgegangen.

Mittwoch, 7. April 2021

Die Bezeugung der Auferstehung im Neuen Testament

Die Auferstehung des Herrn selbst hat kein Mensch gesehen; was berichtet wird, das ist das leere Grab und das sind die Erscheinungen des Auferstandenen.
Doch auffällig ist: das wohl älteste Evangelium, das Markus Evangelium, kennt in seiner ursprünglichen Fassung keine Berichte von diesen Erscheinungen. Es endete ursprünglich mit Kapitel 16, Vers 8: die Frauen fanden das leere Grab vor, hörten die Botschaft des Engels – und flohen.
Die Verse 9 bis 20 sind nachträglich hinzugefügt, aber schon sehr früh: auch in ihnen wird von den Emmaus- Jüngern berichtet, aber unabhängig vom Lukas Evangelium, denn diesen Versen zufolge (v. 13) fanden die Emmaus-Jüngern keinen Glauben, während sie im Lukas Evangelium (24, 33 f.) schon mit der Nachricht empfangen wurden, daß der Herr dem Simon erschienen ist.
Paulus dagegen (I. Kor. 15, 2-8) berichtet ausführlich von den Erscheinungen, erwähnt aber das leere Grab nicht. Vorher dieser Unterschied?
Das leere Grab löste Erschrecken aus, was es bedeutet, war nicht zu begreifen; aber es war öffentlich sichtbar. Die Erscheinungen (wenn auch bei einigen der Herr nicht gleich zu erkennen war) boten einen überwältigenden Eindruck; so wurden sie die Grundlage des Glaubens der Jünger. Doch sie waren eben den Jüngern vorbehalten, während das leere Grab damals jeder sehen konnte. Darum waren die Erscheinungen für die Verkündigung in der Kirche und somit auch für die Briefe des Paulus entscheidend, das leere Grab aber war es für die Verkündigung nach außen.
Hat Markus sein Evangelium vor allem als missionarische Schrift verfaßt? Oder war es so gemeint, daß (ich habe in Erinnerung, daß Hans-Joachim Schulz (Die apostolische Herkunft der Evangelien. Freiburg 1995) es so gedeutet hat) auf die Lesung des ursprünglichen Schlusses des Markus-Evangeliums jeweils der Auftritt der Zeugen folgte? Jedenfalls gründete die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen in der Öffentlichkeit zunächst darauf, daß Augenzeugen zur Verfügung standen.

Die Feier der Ostertage

Der Höhepunkt der Ostertage ist seit ältester Zeit natürlich der Ostersonntag. Doch wie das jüdische Fest der ungesäuerten Brote umfaßte auch das christliche Osterfest von Anfang an eine ganze Festwoche, alle Tage der Osterwoche sind in den Diatagaí von ungefähr der Wende des IV. Jahrhunderts arbeitsfreie Tage (Entwicklung und Vollendung des römischen Kirchenjahrs). In den Quellen des Hochmittelalters sind die ersten drei Tage der Woche Hochfeste, die übrigen vier Tage einfache Feste, vom Rang eines Sonntags. Daher wird jetzt noch die monastische Vesper (ich habe die aus Le Barroux mitgebetet) von heute an mit schlichteren Melodien gesungen; und sie wird auch nicht mehr vom Pontifikalsegen des Abtes beschlossen.
1642 beschränkte Papst Urban VIII. die gebotenen Feiertage in der Osterwoche auf deren erste drei Tage, und mit dem CIC von 1917 wurden sie schließlich auf den Sonntag beschränkt. Festlichen Charakter aber hat die ganze Osterwoche bis heute.

Die eindrücklichste Osterpredigt meines Lebens

Uns allen hatte sich tief eingeprägt, auf die gesungenen Akklamationen, das Alleluja und ähnliches singend zu antworten. Das ist die große Herausforderung für die Liturgie in den Zeiten der Beschränkungen. Man hilft sich, indem man die Akklamationen nur spricht, sie auch, so zur Weihe der Osterkerze, ganz ausläßt. Unschöne Einschränkungen, aber es wird doch eine würdige Liturgie daraus.
Den Höhepunkt erreicht sie am Ostermontag. Es beginnt damit, daß von Kantor und einem zweiten Sänger das Victimæ paschali gesungen wird, auf Latein.
Nach der Kommunion dann höre ich die eindrücklichste Osterpredigt meines Lebens, nicht vom Priester, sondern vom Kirchenmusiker, nicht mit Worten, sondern mit Orgeltönen. Gesungen wird „Preis dem Todesüberwinder“, dem hier gebräuchlichen Text von „Alleluja, laßt uns singen“. Als Vorspiel improvisiert der Kantor eine Orgelphantasie über dieses Lied, die die Größe des Geschehens und die Begeisterung darüber in einer Weise erklingen läßt, wie es keine gesprochene Predigt könnte. Danke!

Samstag, 3. April 2021

Kartage in Zeiten des Confinement

Vorletztes Jahr konnte ich an der Osternacht nicht teilnehmen, weil ich Dienst hatte, letztes Jahr gab es nur elektronisch vermittelten Zugangzu den Gottesdienstes der Karwoche und der Ostertage. Um so mehr liegen mir die Gottesdienste dieses Jahres am Herzen.
Der Palmsonntag begann vielversprechend: wir durften zur Passion stehen bleiben. Leider wurde nur die Kurzfassung der Passion gelesen.
Für die Gottesdienste des Triduum sacrum habe ich die nahegelegene Kirche in unserem Gründerzeitviertel gewählt, teils um der späten Uhrzeit willen, teils, um die Propstei zu entlasten, für die es schon sehr viele Anmeldungen gab.
Am Gründonnerstag mußten wir auf die zweite Lesung verzichten, das heißt, auf den Bericht von der Einsetzung des Abendmahls. Für den Karfreitag, so wurde uns gesagt, sei eigentlich ein Gottesdienst zusammen mit der evangelischen Nachbarpfarrei geplant gewesen, der dann der geltenden Einschränkungen wegen doch nicht gemeinsam stattfinden konnte; dieser Plan habe jedoch Spuren hinterlassen in der Durchführung der nun getrennten Gottesdienste.
Angekündigt wurde, daß deshalb die Kreuzverehrung nicht stattfinden werde. Statt dessen bekam jeder eine Postkarte mit einem Bild von einem Kreuz (ohne Kruzifix) für die private Kreuzmeditation.
Dafür, daß der ursprünglichen Planung der gemeinsamen Feier mit der evangelischen Nachbarpfarrei wegen nun die Kreuzverehrung ausfällt, weiß ich nur eine Erklärung: daß das Kreuz unserer Kirche der evangelischen Kirche für eine dortige Kreuzverehrung ausgeliehen wurde – daß evangelischen Kirchen ein geeignetes Kreuz fehlt, ist durchaus vorstellbar. Aber daß es in unserer katholischen Kirche mit all ihren Gemeinderäumen kein zweites geeignetes Kreuz gibt, ist verwunderlich.
Und zum Schluß fiel auch die Kommunionausteilung weg. Ich bin darauf nach Hause gegangen und konnte noch vom letzten „Ecce lignum crucis“ an die Kreuzverehrung in Le Barroux mitverfolgen – ein großartiges Glaubenszeugnis; aber das ersetzte natürlich nicht die leibliche Teilnahme.