Samstag, 15. Dezember 2018

Klares Urteil und unklare Wahrheit

Einerseits: Kardinal Pell, ein australischer Kardinal, von Papst Franziskus in den Kardinalsrat der Neun berufen.
Andererseits: Marco Tosatti, ein katholischer Blogger, engagiert für die Aufdeckung sexuellen Mißbrauchs, kein Freund des Bergoglio-Regimes.
Nun ist Kardinal Pell von einem australischen Gericht wegen sexuellen Mißbrauchs verurteilt worden. Doch Marco Tosatti jubelt nicht, sondern, ganz im Gegenteil, bemängelt, daß das Urteil in einem nichtöffentlichen Prozeß von einer „hang jury“, einem Geschworenengericht, das nicht in der Lage war, ein wahres Urteil zu fällen, aufgrund wenig glaubwürdiger Anklagen gefällt worden ist.
Ob Kardinal Pell schuldig ist oder nicht, weiß Marco Tosatti nicht – und ich erst recht nicht. Doch ich achte den Blogger, der nicht einfach froh ist über Nachrichten, die zu seiner Richtung passen, sondern die Wahrheit wissen will und auch klarstellt, daß sie, so sehr man sich das auch anders wünscht, keineswegs immer erkennbar ist.

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Klerikalismus in Ost und West

Bartholomäus I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, am 1. September 2018 bei einer Bischofskonferenz:
«Manchmal begegnen wir Prüfungen und Versuchungen eigens, weil manche Personen irrigerweise glauben, die orthodoxe Kirche lieben zu können, ohne aber den Ökumenischen Patriarchen zu lieben, wobei sie vergessen, daß er das authentische Ethos der orthodoxen Kirche verkörpert. „Im Anfang war das Wort ... in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh. 1, 1. 4). Der Anfang der orthodoxen Kirche ist das Ökumenische Patriarchat; „in diesem ist Leben, und das Leben ist das Licht der Kirchen“. Der (N.N., ein persönlicher Freund) hat zurecht unterstrichen, daß „die Orthodoxie nicht existieren kann ohne das Ökumenische Patriarchat“.»
Can Orthodoxy Exist Without the Ecumenical Patriarchate?

Kardinal João Braz de Aviz, Präfekt der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens, am 21. November 2018 bei einer Begegnung mit mehr als dreihundert Nonnen kontemplativer Orden, um die antimonastischen vatikanischen Erlasse zu erklären:
«Es handelt sich nicht darum, auf einen von uns zu hören, einen Kardinal, einen Bischof, den Papst. Nein. Es ist Hören auf den Herrn, der heute zu uns spricht. Und er spricht zu uns durch Petrus. Uns interessiert es nicht, wie Petrus genannt wird. Aber in diesem Moment ist Franziskus Petrus, und daher sind alle Formen der Nostalgie, die uns aus der [Jetzt-] Zeit herausnehmen oder die uns veranlassen, die Sendung Petri aus der Zeit herauszubringen, nicht in Ordnung.»
Monache di clausura. Dal “quaerere Deum” all’aggiornamento. Senza rispetto per le contemplative

Dienstag, 4. Dezember 2018

Zweifach zur falschen Zeit

Am Samstagabend standen zwei Vespern zur Auswahl: eine liturgische in der nahegelegenen Kirche im Gründerzeitviertel und eine musikalische in der Thomaskirche in Leipzig.
Wohin also, wo ist der geistliche Gehalt größer? Sicher: der musikalischen Vesper fehlt das priesterliche Gebet, aber Monteverdis Komposition ist in sich geistlich; und in der Kirche in unserem Viertel droht erfahrungsgemäß eine Homilie.
Und ich war lange schon darauf gespannt, die Marienvesper nach Jahren wieder in einer Kirche hören zu können.

Nur schade: an die Vesper angehängt wurde noch ein „Actus Musicus auf Weyh-Nachten“. Weihnachtsmusik zu Beginn des Advents!
Doch auch in einer zweiten Weise wurde dieser „Actus Musicus“ zur falschen Zeit geboten: der Marienvesper läßt sich nichts hinzufügen. Daß das dennoch geschehen ist, tat weder – wie schon geahnt – dem Werk des hochachtenswerten Johann Schelle gut noch wurde es der Marienvesper gerecht. Schlimmer noch: auf diese Weise entstand eine Länge, die zu einer Pause nötigte – zwischen dem Psalm Lauda Jerusalem und der Sonata sopra Sancta Maria.
Und dennoch: es war großartig.

Privatisierung und Preisentwicklung

In den letzten Jahren kam die Türkei vor allem durch die Bemühungen ihres Präsidenten in die Schlagzeilen, den Staat in eine Tyrannis umzugestalten. Zudem aber führte sein Regime wirtschaftsliberale Reformen durch.
Die Folgen referiert Orietur Occidens aus einem Zeitungsartikel.

Sonntag, 2. Dezember 2018

Das erste Licht brennt

– seit heute abend nicht nur bei den Christen des römischen Ritus, sondern auch bei den Juden.

Vgl.: Joh.10,22