Posts mit dem Label Gottes ist der Orient werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gottes ist der Orient werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 17. Januar 2026

Der heilige Paulus von Theben – hat es ihn gegeben?

Heute ist das Fest des heiligen Antonius. Wohl die berühmteste Geschichte aus seinem Leben ist die seiner Begegnung mit dem heiligen Paulus von Theben, dessen Fest, je nach Kalender, vorgestern oder vor einer Woche begangen wurde. Diese Begegnung aber ist nicht in der Vita Antonii des heiligen Athanasios zu finden, sondern nur in der Vita Pauli primi eremitae des heiligen Hieronymus.
Überhaupt ist die Lebensgeschichte des heiligen Paulus von Theben nur von Hieronymus überliefert. Der Schluß der Wikipedia daraus: „Die tatsächliche, geschichtliche Persönlichkeit des Paulus von Theben ist mehr als zweifelhaft. Es wird davon ausgegangen, dass Hieronymus mit seiner Geschichte eher daran gelegen war, sein literarisches Talent herauszustellen und der Vita Antonii des Athanasios einen Gegenentwurf für die christliche Heiligenlegende zur Seite zu stellen und mit der Darstellung eines älteren Wüstenheiligen zu übertreffen.“
Wenn dem so wäre: was wäre da geschehen?
Die Vita Pauli hat Hieronymus um 376 (Wikipedia) geschrieben. Daraufhin hätten fromme Leute in Ägypten eilends eine Grabstätte ausgesucht, die sie ihm zuschreiben konnten, und darüber das Pauluskloster (Deir Mari Bolos) errichtet, das auf die Mitte des IV. Jahrhunderts datiert wird – also: die Zeit war sehr knapp, um nach der Veröffentlichung der Vita noch in der Jahrhundertmitte (im weitesten Sinne) das Kloster zu bauen.
Der heilige Paulus von Theben wird in der koptischen Kirche verehrt, in der byzantinischen, der syro-antiochenischen. In der armenischen wird sein Name sogar im Hochgebet genannt. Welch große Wirkung dieser Schrift des heiligen Hieronymus.
In Wirklichkeit ist der heilige Hieronymus im Osten recht wenig bekannt. In den Diptychen von Jerusalem aus dem XII. Jahrhundert, die F. E. Brightman (Liturgies / Eastern and Western) als Appendix H veröffentlicht hat, finden sich die heiligen Ambrosius und Augustinus, nicht aber Hieronymus. Und natürlich steht da der heilige Paulus von Theben.
Der heilige Hieronymus hat lange Zeit in Bethlehem gelebt; doch nahm man ihn (der lateinisch schrieb, nicht griechisch) dort nicht als so wichtig war, daß er in die Diptychen des benachbarten Jerusalem eingedrungen wäre. Die von ihm verfaßte Vita eines von ihm frei erfundenen Heiligen aber hätte schnellstens dazu geführt, daß dieser Heilige im Orient und auch in Ägypten hoch verehrt wurde, ihm ein Grab zugeschrieben wurde?
Das Zeugnis der koptischen Kirche und der orientalischen Kirchen ist zwingend: den heiligen Paulus von Theben hat es gegeben. Wieweit seine Vita historisch ist, wieweit durch die frühe Überlieferung und dann durch den heiligen Hieronymus ausgeschmückt, ist heute nicht mehr zu klären.

Samstag, 6. Dezember 2025

Advent in den verschiedenen Kirchen

Seit einer Woche ist die römische Kirche im Advent. Es ist eine „geschlossene Zeit“, eine Zeit, in der Hochzeiten und andere Feiern unterbleiben sollen, in der man auf Theater und andere weltliche Veranstaltungen verzichten soll. Eigentlich ist es eine Fastenzeit; doch war sie nie so streng wie die vor Ostern, Feste waren immer ausgenommen, und heute ist sie im lateinischen Raum weitgehend vergessen.
Zugleich hat diese Zeit einige liturgische Besonderheiten, die mit dem Fastencharakter zusammenhängen: Gloria und Te Deum fallen aus, ebenso das Orgelspiel, die liturgische Farbe ist Violett.
Der römische Advent beginnt mit dem 4. Sonntag vor Weihnachten, der in die Zeit vom 27. November bis zum 3. Dezember fällt. Ebenso lang ist er in der assyrisch-chaldäischen Kirche.
Zwei Wochen länger dauert der Advent in den zwei anderen noch lebendigen lateinischen Riten: im mozarabischen beginnt er also am 6. Sonntag vor Weihnachten, der in die Zeit vom 13. bis zum 19. November fällt. Ähnlich ist es im ambrosianischen; wenn allerdings hier der Heilige Abend auf einen Sonntag fällt, so wird der nicht als Adventssonntag gerechnet, so daß hier der Advent an dem Sonntag beginnt, der in die Zeit vom 12. bis zum 18. November fällt. In diesem Jahr war es in beiden Kirchen der 16. November.
Als „quaresima di san Martino“, „Martinsfasten“ war dieses längere Adventsfasten weit über die Mailänder Kirchenprovinz hinaus verbreitet; auch der heilige Franziskus hielt es ein.
Sechs Sonntage vor Weihnachten: das entspricht etwa 40 Tagen. 40 Tage lang fastete der Herr, 40 Tage dauert die Fastenzeit vor Ostern. Auch vor Weihnachten fasten die orthodoxen Kirchen 40 Tage; da dieses Fasten aber weniger streng ist, werden dabei auch die Samstage und Sonntage mitgezählt. Es beginnt also am 15. November (was bei den Altkalendariern dem 28. November des gregorianischen Kalenders entspricht). Sechs Wochen vorm Heiligen Abend beginnen die Kopten zu fasten, also am 12. November, dem 3. Hatur (was dem gregorianischen 25. November entspricht).
Doch besondere adventliche Texte gibt es in den orthodoxen Kirchen nur an den letzten beiden Sonntagen vor Weihnachten.
40 Tage vor Weihnachten fastete früher auch die syrisch-antiochenische Kirche, doch heute sind es nur die letzten noch zehn Tage. Der liturgische Advent aber ist in dieser Kirche am längsten: er beginnt am 8. Sonntag vor Weihnachten, an dem Sonntag also, der in die Zeit vom 30. Oktober bis zum 5. November fällt. In diesem Jahr war es der 2. November.
Am 6. Sonntag vor Weihnachten beginnt auch der Advent der armenischen Kirche. Doch diese Kirche feiert Weihnachten am 6. Januar, an dem Tag also, an dem die anderen Kirchen Epiphanie oder Theophanie feiern. Hier ist der 1. Adventssonntag der Sonntag, der in die Zeit vom 25. November bis zum 1. Dezember fällt. In diesem Jahr war es, wie in der römischen Kirche, der 30. November. Doch gefastet wird heute nur noch die letzten sieben Tage.

Samstag, 3. Mai 2025

Fast vergessen: Christen im Gazastreifen

Die Zeitungen und E-Kanäle sind voll von Nachrichten aus dem Gazastreifen. Doch von den Christen dort ist kaum etwas zu lesen. Dank darum der „tageszeitung“, die sich sonst meistens sehr antiklerikal zeigt, die aber, nachdem sie kürzlich über die Christen im Westjordanland berichtet hatte, nun denen im Gazastreifen einen langen Artikel widmet.
«Etwa 1.000 christliche Familien hätten vor dem Krieg im Gazastreifen gelebt», wird berichtet. «Ungefähr die Hälfte, schätzt Ayad [ein orthodoxer Christ], habe den Gazastreifen seit Kriegsbeginn verlassen. Wer eine zweite Staatsbürgerschaft hat, wurde evakuiert, andere zahlten viel Geld für die Ausreise nach Ägypten.»
Sie werden von der Hamas geduldet, leiden aber seit langem, wohl mehr noch als viele Muslime, unter deren Terror; sie leiden jetzt wie alle Menschen im Gazastreifen unter dem Bombardement, unter dem Mangel an Nahrung, an Wasser. «„Nach so langer Zeit, in der die Grenzen geschlossen sind und keinerlei humanitäre Hilfe hereingelassen wird, ist die Lage in vielen Gegenden absolut kritisch“, berichtet Romanelli», der katholische Pfarrer.
Es gibt noch zwei Kirchen in Gaza: die orthodoxe Sankt Porphyrius-Kirche und die katholische Kirche der heiligen Familie (bei der zu Lebzeiten Papst Franziskus täglich angerufen hat). Das Gelände der Kirchen wird nicht bombardiert; so wurde das Kirchgelände zur Notunterkunft für christliche Familien, deren Häuser ja ebenso bombardiert wurden wie die aller anderen Palästinenser. Und natürlich werden auch ausgebombte muslimische Familien aufgenommen.
Das Gelände der Kirchen wird eigentlich nicht bombardiert – aber bei einem israelischen Luftangriff wurde doch einmal das Gelände der orthodoxen Kirche getroffen. Es starben mindestens 17 Menschen, eine ganze Großfamilie.
Den Christen im Gazastreifen, so sagt einer von ihnen, bleibe zu Ostern «nur die traditionelle Liturgie und das Gebet.»

Ein Konzert syrischer Christen

In einer evangelischen Kirche singt ein Chor syrischer Christen. Vor allem geistliche Gesänge, zum Schluß auch Volkslieder.
Hörenswerte Musik; und dankenswerterweise sind viele Einheimische gekommen, sie erfahren so etwas von der syrischen Christenheit. In der Pause ist auch ein Vortrag mit Bildern von syrischen Klöstern eingefügt (die sehr unter dem IS gelitten haben).
Was aber mich besonders beeindruckt: bevor die Sänger zu singen beginnen, machen sie ein Kreuzzeichen, nicht organisiert, jeder für sich.

Dienstag, 22. April 2025

Fastenzeit in der syrisch-orthodoxen Kirche

Eigentlich kein Thema an Ostern; aber beim Osteranruf mit meinen syrisch-orthodoxen Angehörigen (dankenswerterweise haben wir dieses Jahr denselben Ostertermin; es gibt Überlegungen, das für die Zukunft zur Regel zu machen) habe ich, wieder einmal, davon gehört.
Syrisch-orthodoxe Priester müssen in der Regel außerhalb der Kirche ihr Brot verdienen. Der Priester der Pfarrei meiner Angehörigen – ein hochgebildeter Mann – arbeitet als Arbeiter im Mehrschichtensystem.
Nichtsdestoweniger: jeden Abend ein Gottesdienst, der bei besonderer Gelegenheit drei Stunden dauern konnte; und an den entsprechenden Tagen auch zwei Gottesdienste.

Sonntag, 5. Januar 2025

Publicatio festorum mobilium

Die Kirche veröffentlicht heute die beweglichen Feste und liturgischen Zeiten dieses Jahres. Nach nun schon altem Brauch veröffentlichen wir nun wieder die Ostertermine der drei Kalender. Dieses Jahr stimmen endlich wieder einmal Ost und West, julianischer und gregorianischer Kalender überein.
Der erste Frühlingsvollmond ist, wie der gregorianische Kalender richtig berechnet, am Sonntag, den 13. April. Darum ist der 19. April der nächstfolgende Samstag, also die Osternacht.
Doch dieser Frühlingsvollmond hat in Europa und in Vorderasien kurz nach Mitternacht statt. Die jüdische Kalenderrechnung nun setzt ihn schon am Samstag an; darum feiern die Juden schon am 12. April Pascha.

Freitag, 29. November 2024

Eine immer wieder vergessene Minderheit:
Christen im Heiligen Land

Was allgemein bekannt ist: Vor gut einem Jahr ein grauenhaftes Verbrechen einer islamistischen Terrorarmee an unschuldigen jüdischen Zivilisten. Darauf eine grauenhafte Reaktion des israelischen Staates, die vor allem die unschuldige palästinensische Zivilbevölkerung trifft. Zugleich eine weltweite Welle eines oft gewalttätigen Antisemitismus, dessen Opfer absurderweise Angehörige eben des Volkes sind, dem schon die ersten Opfer dieses Aktes der Konflikte im Heiligen Land angehören.
Es gibt zahlreiche Gruppen und Organisationen, in denen sich jüdische Israelis und Palästinenser gemeinsam um Frieden und Versöhnung im Heiligen Land bemühen, leider mit wenig Erfolg und auch wenig öffentlicher Resonanz. Und dennoch werden allüberall Juden für das Handeln der israelischen Regierung, Palästinenser für die Untaten der islamistischen Terrorarmeen verantwortlich gemacht.
Was kaum bekannt ist, ist das, was die besondere Aufmerksamkeit von Christen verdient: was geschieht mit den Christen im Heiligen Land?
Bemerkenswerterweise ist es dieselbe tageszeitung, die gelegentlich wüst antichristliche Artikel in die Welt setzt, von denen wir jüngst einen besprochen haben, die oft aber auch die Not der Christen im Nahen Osten aufzeigt.
Schon vor etwa zwei Jahren wurde berichtet (Lisa Schneider: Christen im Westjordanland / Reise nach Bethlehem), daß Christen aus dem Westjordanland, etwa um Weihnachten in Bethlehem zu feiern, große Umwege fahren müssen (über viel schlechtere Straßen, Schnellstraßen sind für sie gesperrt), weil ihnen der kurze Weg durch Jerusalem nicht gestattet ist. Um nach Jerusalem zu fahren, «dort Freunde, Verwandte oder die Grabeskirche zu besuchen», brauchen Palästinenser, also auch christliche Palästinenser, «eine Genehmigung», die sie «bei der israelischen Ziviladministration für das Westjordanland beantragen» müssen. «Während Israel zum Ende des Ramadan normalerweise die Einreiseregeln lockert und Frauen, Kinder und einige Männer aus dem Westjordanland so auch ohne Genehmigung die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem besuchen dürfen, gibt es für Christen keine solchen Lockerungen» zu Ostern etwa.
Im Gaza-Streifen lebten damals noch etwa 1.000 Christen. Auch sie brauchten eine Genehmigung des Staates Israel, um ins Westjordanland reisen zu dürfen. Zu Weihnachten 2022 wurden von etwa 800 Anträgen aus Gaza rund 200 nicht bewilligt.
Was im Westjordanland schon lange, jetzt aber verschärft geschieht, ist Thema eines anderen Artikels (Mirco Keilberth: Siedlungsbau im Westjordanland / Zwischen den Fronten).
Christliche Palästinenser werden aus ihren Häusern, von ihren Grundstücken vertrieben, nicht aufgrund irgendwelcher Beschuldigungen, sondern einfach, um ihr Land für zionistische Siedler in Beschlag zu nehmen. Als ein Beispiel dient ein zuvor gutlaufendes Restaurant mit ausgedehntem Obst- und Olivengarten: «Frühmorgens», am 31. Juli 2024, «tauchte eine Gruppe junger Siedler auf, wortlos tauschten sie das Eingangstor des Grundstücks mitsamt Schloss aus und besetzten das Gelände. Soldaten begleiteten die Eindringlinge, ebenso der Bürgermeister der benachbarten jüdischen Siedlung Gusch Etzion. Anfang Oktober kamen sie mit Bulldozern wieder und rissen das Haus nieder.» «Eine Anordnung der israelischen Armee verbietet der Palästinenserin [der Tochter der betroffenen Familie, Alice Kisiya] auf unbestimmte Zeit, das Al-Makhrour-Tal [wo Restaurant und Grundstück lagen] zu betreten» – obwohl die Frau israelische Staatsbürgerin ist. «Weil sie aggressiv gegenüber der Armee und den Siedlern aufgetreten sein soll, verbrachte Alice Kisiya eine Nacht im Gefängnis.»
«Die Siedler nutzen den Umstand aus, dass die Besitzverhältnisse in Palästina bis 1967 meist mit Handschlag geregelt wurden.» Doch in diesem Fall ist es anders:
Die Besetzer «begründen ihre Übernahme mit einem vermeintlichen Richterspruch. „Sie sagen, sie hätten ein Gerichtsurteil, das ihnen nach über 55 Jahren ihren Besitz wieder gebe. ... Sie behaupten, meine Familie hätte das damals von der JNF gekaufte Grundstück besetzt, aber konnten weder uns noch unserem Rechtsanwalt irgendwelche Beweise dafür vorlegen. Wir hingegen haben unsere Besitzdokumente offengelegt.“» «Mit ihrem Versuch, ihr Recht endgültig geltend zu machen, scheiterten sie 2023, als ein Jerusalemer Zivilgericht die Enteignung bestätigte. „Wir setzen dennoch auf die Gerichte“, sagt Alica Kisiya, „und auf friedlichen Widerstand.“»
«Als Palästinenserin mit israelischem Pass habe sie sich bisher irgendwie geschützt gefühlt, sagt Alice Kisiya. „Aber nun zeigt sich, wie machtlos die Gesetze gegenüber den Plänen der Nationalisten sind.“»
Eine andere christliche Familie in einer anderen Region gehört zu den «der wenigen Familien im Westjordanland, die Besitzdokumente im Original aus osmanischer und britischer Kolonialzeit vorweisen können.
Dennoch müssen sich die Nassars vor israelischen Militärgerichten gegen ihre Enteignung wehren, seit 30 Jahren» – vor Militärgerichten, sie sind keine israelischen Staatsbürger. «Die israelische Behörde COGAT, die für „Palästinenserangelegenheiten“ zuständig ist, hat das Gebiet rund um Nahalin verstaatlicht. ...
Immer wieder tauchen Siedler aus der direkt unterhalb [des Hofes der Familie] gebauten Tora-Schule auf und beschimpfen das Ehepaar und ihre drei Kinder. „Manchmal schaue ich nachts in die Gewehrläufe einer Armeepatrouille, die sich auf unser Privatgrundstück verirrt hat“, sagt die 50-jährige Amal Nassar, Daouds Frau und Mitstreiterin. Über 50 Gerichtstermine hat die Familie bereits hinter sich. Die nächste Entscheidung darüber, ob das Grundstück wieder auf ihren Namen registriert werden kann oder ob sie gehen müssen, findet am 18. Dezember vor einem Militärgericht statt.»
Alice Kisiya meint, daß christliche Palästinenser unter besonderem Druck der Siedler stehen: «Sie stünden dem Narrativ israelischer Radikaler im Weg, nach der alle Palästinenser islamistischen Ideologien folgen würden.»
Viele Nachbarn sind dem Druck der Siedler gewichen: «In den letzten Monaten tauchten immer wieder Bewaffnete oder Patrouillen der israelischen Armee auf ihren Grundstücken auf, berichten sie. ... Die Siedler haben automatische M16-Schnellfeuergewehre geschultert.»
«Nach den großen Auswanderungswellen in der Folge der beiden Intifadas packen nun zum dritten Mal viele christliche Palästinenser [und Palästinenser]innen ihre Sachen und verlassen ihre Heimat. Ihr Bevölkerungsanteil im Westjordanland ist von 10 Prozent im Jahr 1967 auf ein Prozent gesunken.»
Die Haltung der verbliebenen Christen stellt Amal Nassar so dar: «„So profan es klingt: Wir halten dem Druck nur deswegen stand, weil wir uns weigern, Feinde zu sein“, sagt die gläubige Christin und zeigt auf das Kreuz, das über der Veranda ihres Steinhauses hängt. „Wir weigern uns, den Hass zu empfinden, der uns von den Siedlern entgegenschlägt. Als unsere Olivenbäume von einem Bulldozer zerstört wurden, haben wir eben neue gepflanzt.“»
Aber es gibt auch eine andere Seite: Auch Israelis, unter ihnen „Rabbiner für Menschenrechte“ aus Israel, sind ins Al-Makhrour-Tal gereist, «um sich für die Rückkehr der Kisiyas auf ihr Land einzusetzen.»
Schon vor anderthalb Jahren berichtete katholisch.de (Druck auf Christen im Heiligen Land nehme zu / Abt Nikodemus Schnabel: Werde als Christ in Israel täglich bespuckt) von häufiger Gewalt im Heiligen Land und namentlich in Jerusalem gegen Christen; das geht bis zu einem «verheerenden Brandanschlag» gegen ein Kloster in Tabgha.
Eine Kolumne (Charlotte Wiedemann: Siedler in Jerusalem: Hass auf alles Nichtjüdische) berichtet von der Situation der Christen in Jerusalem. Die Autorin spricht zunächst von einem Besuch am Grab der griechisch-orthodoxen Al-Jazeera-Reporterin Shirin Abu Akleh, «erschossen vom israelischen Militär», geht dann über zum nahegelegenen armenischen Viertel. Schon «bei Israels Staatsgründung 1948 wurden auch viele Armenier vertrieben.»
Vor den Kriegen seit der Mitte des XX. Jahrhunderts wurde Jerusalem (die heutige Altstadt) in vier Viertel unterteilt: das jüdische, das islamische, das christliche und ein zweites christliches, nämlich das armenische Viertel.
«Wie andere christliche Gemeinden zuvor kämpfen die Armenier gegen aggressive Siedlergangs, die Geschäftsleute bedrohen und Priester bespucken.»
«Die Siedler, sagt [ein Armenier], wollen hingegen die Altstadt judaisieren. Und die aggressiven Jungen, die sogenannte Hügeljugend, seien dazu erzogen worden, vor niemandem Respekt zu haben.»
«„Möge es niederbrennen“ wurde dieser Tage auch beim Überfall auf die Armenian Tavern gerufen, ein alteingesessenes Restaurant in der Nähe des armenischen Konvents, wenige Meter vor einer Polizeistation. Mit Hoodies über Schläfenlocken versprühten sie Pfefferspray und zerschlugen Mobiliar. Sie kamen zweimal in einer Woche.»
Und auch hier gilt wieder: «Die armenischen Aktivisten bekommen Unterstützung aus der jüdischen wie der palästinensischen Zivilgesellschaft.»
Und an all dem kommt den gern geschmähten „Ultraorthodoxen“ keine Schuld zu.
Und von der Hamas und ähnlichen Parteien und Terrorarmeen haben die Christen am allerwenigsten Gutes zu erwarten.
Nachtrag: Weihnachten im Kriegsgebiet
«Ein normaler, unmöglicher Tag – Für christliche Gemeinden im Westjordanland und im Gazastreifen steht ein zweites Weihnachten inmitten des Krieges zwischen Israel und der Hamas an.»

Sonntag, 5. Januar 2020

Zum Fest der Erscheinung des HERRN:
Die Ostertermine

Wie so oft, bleibt wegen der unterschiedlichen Berechnung der Mondphasen der Ostertermin dem julianischen Kalender nach unserem gegenüber um eine Woche zurück, während der jüdische Termin zu unserem paßt.
Hier zu den Osterterminen der drei Kalender.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Ein großer Schritt – in die ökumenische Sackgasse?

Einst hat Papst Paul VI. einige Teile der Gebeine des heiligen Petrus für seine persönliche Andacht in einem eigens dafür anfertigten Reliquienschrein in seine Privatkapelle verbringen lassen. Nun hat Papst Franziskus I. – «.. ich benutze diese Kapelle nie, ich feiere hier keine Heilige Messe ...» – sie dem Ökumenischen Patriarchen geschenkt. Ob es gerechtfertigt ist, daß Franziskus I. auf diese Weise auch für seine Nachfolger entscheidet, kann man fragen, aber: «Diese prophetische Geste ist ein weiterer großer Schritt auf dem Pfad zur konkreten Einheit», so der Delegat des Ökumenischen Patriarchen, der sie in Empfang nahm; und Patriarch Bartholomäus selber «drückte seine immense Freude aus.»
Das klingt gut; nur: Bartholomäus I. ist nicht irgendeiner in der Reihe der Ökumenischen Patriarchen; er ist der, der eine Vollmacht über die orthodoxen Kirchen beansprucht, wie sie keiner seiner Vorgänger zuvor beansprucht hat, und die der des römischen Papstamts gleichkommt.
Auf einer rechtlich und auch geistlich sehr zweifelhaften Grundlage hat er aus zwei schismatischen Kirchen eine neue ukraïnische Kirche gebildet und ihr die Autokephalie verliehen. Mit diesem Schritt hat er ein Schisma mit der russischen Kirche provoziert; dabei wenden sich gegen ihn nicht nur slawische Kirchen, sondern auch die Patriarchen von Antiochien, Jerusalem und Georgien.
Dem, daß Papst Franziskus jetzt diesem Patriarchen, der sich ins Schisma mit dem Großteil der orthodoxen Kirchen gebracht hat und für sich selbst einen gleichsam päpstlichen Anspruch erhebt, ausgerechnet Reliquien des heiligen Petrus schenkt, könnten andere orthodoxe Kirchen eine Bedeutung beimessen, die Franziskus schwerlich im Blick hatte und die alles andere bedeutet als einen weiteren großen «Schritt auf dem Pfad zur konkreten Einheit».

Montag, 1. Juli 2019

Psalm 121 (120)

Mal endlich wieder ein wenig übersetzt:

------------------------------------------------------------

Pss 121 (120)

Ein Lied für die Stufen

Ich erhebe meine Auge auf zu den Bergen.
                        Von wo wird mir Hilfe kommen?

Meine Hilfe ist vom HErrn,
                        der erschafft Himmel und die Erde.

Nicht wird er schwanken lassen deinen Fuß;
                        nicht wird ruhen dein Hüter.

Ja, nicht wird er ruhen und nicht schlummern
                        der Hüter Israels.

Der HErr ist dein Hüter;
                        Der HErr ist dein Schatten, dir zur rechten Hand.

Bei Tag wird die Sonne dich nicht schlagen
                        und der Mond (nicht) bei Nacht!

Der HErr wird dich behüten vor allem Übel;
                        er wird deine Seele behüten.

Der HErr wird dein Kommen und dein Gehen behüten
                        von nun und bis in Ewigkeit.


Samstag, 19. Januar 2019

Herzliche Segenswünsche zur Theophanie

unseren orthodoxen und den katholischen Lesern des byzantinischen Ritus alten julianischen Kalenders!

Und ein besonderes Ereignis für uns, für Orietur Occidens und die Allotria Catholica: dies ist das 1000. Positum.

Samstag, 17. November 2018

Das Wiedererstarken der armenischen Kirche

Trotz aller Schwierigkeiten der Kirche in diesem Land: der Chronist von Orietur Occidens konnte auch etwas weiteren Fortschritt feststellen.

Dienstag, 6. März 2018

Die 21 koptischen Märtyrer

21 koptische Christen sind am 15. Februar 2015 vom „IS“ ermordet worden; bis zuletzt haben sie ihren Glauben bekannt. Nun ist – veranlaßt vom Erscheinen eines Buches von Martin Mosebach über seine Reise auf den Spuren dieser Märtyrer – vom Institut St. Philipp Neri zu erfahren, daß diese katholische Gemeinschaft bereits seit 2016 eine Kopie einer Ikone dieser koptisch-orthodoxen Märtyrer besitzt.

Dienstag, 1. August 2017

Kircheneintritte und muslimische Flüchtlinge

Im Jahre 2016 sind in die katholische Kirche 9.100 Menschen eingetreten, in die protestantischen kirchlichen Gemeinschaften 25.000. Eine blamabel geringe Zahl im Vergleich zu den Austritten: aus der katholische Kirche 182.000, bei den Protestanten 210.000.
Die Bilanz ist demnach für die katholische Kirche günstiger; doch das ist ein sehr schwacher Trost.
Es treten eben doch viel mehr Menschen bei den Protestanten ein als in die katholische Kirche. Natürlich können bei ihnen mehr wiedereintreten, weil mehr ausgetreten sind; aber das ist nur eine sehr unzureichende Erklärung der Zahlen. Vielmehr höre ich angesichts der Scharen von Muslimîn, die zur Zeit sich nach Deutschland flüchten, ständig von den vielen, die sich in protestantischen Landes- und Freikirchen zum christlichen Glauben bekehren; daß solches in der katholischen Kirche geschieht, davon höre ich nicht.
Wo bleiben wir, wo bleibt die Kirche mit ihrem missionarischen Einsatz?

Der Kalender der Äthiopischen Kirche


Wer das Abendland retten will, darf das Morgenland nicht gering schätzen.