Mittwoch, 30. Juni 2010

Alte Messe ist Zeitgenossenschaft


Aus einem Brief an einen Professor für Kirchengeschichte:

herzlichen Dank für die beiden Texte. Ich habe sie mit Freude und Gewinn gelesen – und fühlte mich ein wenig in die gute alte Studienzeit versetzt.


Natürlich kann und will ich keine historische Diskussion versuchen. Ein „Urzustand“ der Liturgie ist ja ohnehin wissenschaftlich immer eine Hypothese und kann daher redlicherweise nicht als Ideal für die heutige Liturgie gelten, weil morgen schon neue historische Erkenntnisse gewonnen werden können. Außerdem: Die Menschen des 4. Jahrhundert lebten in einem anderen kulturellen Kontext als wir.

Lassen Sie mich meinen Zugang zur Liturgie mit einem Vergleich beginnen: In meiner Studienzeit bot der Alttestamentliche Lehrstuhl noch Vorlesungen „Zur Theologie der Priesterschrift“ an. Das ist vielleicht ein interessantes Unterfangen, bringt aber glaubensmäßig nichts. Sicher ist es z.B. gut, die verschiedenen Schöpfungsmythen Babylons und Ägyptens zu kennen, um deren Spuren in der Bibel wieder zu entdecken. Aber das bringt mich nicht näher zu Gott. (Entschuldigung, aber als Pastor kommt man sehr schnell zu der schlichten Frage: Was bringt das?) Natürlich bin ich ein großer Freund der Geschichte und der Geschichtswissenschaft, denn das „bringt“ Identitätsbewußtsein. Es geht mir nicht um eine unwissende, geschichtsvergessene Naivität – im Gegenteil. Meines Erachtens sollten wir aber anerkennen, daß es genau diese Geschichte ist, die uns zum gegenwärtigen Zustand geführt hat – und daß diese Geschichte, insofern sie die Kirche, die Liturgie oder die Heilige Schrift betrifft, vom Heiligen Geist gewirkt oder wenigstens durchdrungen ist. Das heißt: die „real existierende Gegenwart“ der Kirche und ihrer Liturgie ist nicht das Ergebnis einer Dekadenz, sondern einer – vorsichtig gesagt – vom heiligen Geist begleiteten Entwicklung, die, da durch und mit Menschen geschehend, immer auch Fehler beinhaltet, als ganze aber nicht irregeht.

Praktisch gesagt: Ich muß mich mit dem Meßbuch in erster Linie versöhnen und nicht es kritisieren. Wenn ich z.B. höre, daß bei einer Klausur in Liturgiewissenschaft an einem deutschen Lehrstuhl die Aufgabe gestellt wird „Kritisieren Sie das II. Hochgebet“, dann frage ich: Was bringt das? Und: Wo führt das hin? Und die letzte Frage ist leicht zu beantworten: zum Ringbuch und zu einer Vergewaltigung der Gläubigen durch die meist doch recht dürftigen Eigenkreationen von Priestern, die sich besser an das Meßbuch hielten. Sicher hatte Papst Gregor der Große eine viel freiere und großherzigere Haltung in dieser Frage als Pius V.. Aber die ausgehende Antike war auch eine andere Zeit als die nachreformatorische Zeit. Wenn Papst Gregor wüßte, was viele Priester der Kirche heute am Altar den Gläubigen „bieten“, wäre er sehr schnell bei der Lösung Pius’ V: ein verbindliches Meßbuch für alle.

Wir müssen auch die Mobilität und Kommunikationsmöglichkeiten der Moderne berücksichtigen: Was der Papst heute morgen auf dem Petersplatz sagt, lese ich eine Stunde später an meinem Schreibtisch. Menschen verreisen, ziehen öfter um und fahren mit dem Auto zu einer Kirche, die ihnen aus irgendwelchen Gründen zusagt. Soll es da von Kirche zu Kirche so zugehen, wie es dem Priester oder einem Liturgiekreis gefällt? Das wäre doch Gift, brächte Verwirrung und Spaltung hervor. In Städten mag eine gewisse „Angebotsbreite“ gerechtfertigt sein, namentlich in Universitäts- oder Studentenkirchen (obwohl ich auch da skeptisch bin). Aber in einer Pfarrgemeinde (mit dem „Auftrag zur flächendeckenden Grundversorgung“), muß nach dem gültigen Missale zelebriert werden, vor allem um die Gläubigen vor Einseitigkeit, Willkür, Geschmacklosigkeit und Platitüden zu schützen.

Vor diesem Hintergrund sehe ich auch die Erlaubnis, nach dem alten Missale zu zelebrieren. Das ist kein zurück in die Unfreiheit – das geschieht Anfang des 21. Jahrhunderts, in dem sich sehr individuelle Christen über weblogs und facebook vernetzen und auf einmal feststellen: es gibt viele, die die alte Messe lieben und wollen, die aber nichts mit den Piusbrüdern zu schaffen haben wollen und „merkwürdigerweise“ menschlich völlig normal sind. Es ist ein Akt der Freiheit, der in sehr bewußter Zeitgenossenschaft geschieht – in Faszination für die „Objektivität“, Erhabenheit und Sakralität des Ritus, von dem natürlich jeder weiß, daß auch er seine Geschichte und seine Brüche hat. Aber in unserer orientierungslosen, hastigen und jenseitsvergessenen Zeit steht der alte Ordo mit den genannten Eigenschaften für das, was die Menschen zum Heil führen kann. Kurz: Das ist jetzt „dran“.

Dienstag, 29. Juni 2010

Literarische und wirkliche Anliegen

Wichtige Anliegen wurden in den Fürbitten am Sonntag genannt – doch sie erscheinen als zufällig, es sind bei der Gottesdienstvorbereitung erdachte Schriebtischanliegen.
Literarische und wirkliche Anliegen meint der Chronist unterscheiden zu müssen.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Die öffentliche Meinung ist lutherisch

– sie verzeiht nur aus Gnade, ohne Anrechnung von Verdienst. So hat Frau Käßmann ihre Verzeihung erlangt, Bischof Mixa nicht.

Ein tragischer Unfall anno 2010

Ein Fußgänger will über die Straße gehen, sieht sich um, sieht nur ein paar Deutschlandfahnen kommen. Fahnen sind ungefährlich, denkt er und geht über die Straße. Doch er hat nicht gesehen, daß sich unter den Fahnen ein Auto verbirgt, und so wird er überfahren.

Samstag, 12. Juni 2010

Stockholm-Syndrom und Sparmaßnahmen

Stockholm-Syndrom – Geiseln beginnen mit den Geiselnehmern zu sympathisieren – und Sparmaßnahmen: was hat das miteinander zu tun?
Vom Chronisten könnt Ihr es erfahren.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Kinder mögen

alles, was grell und bunt, süß, laut und häßlich ist, könnte man meinen, wenn man auf die Angebote der Warenwelt für Kinder sieht.
Aber das ist falsch. Ich etwa habe schon als Kind alles Laute gehaßt; und daß Kinder erst dazu erzogen werden, gerne Süßes zu mögen, ist mir längst aufgefallen (und bei mir ist die Erziehung dazu glücklicherweise mißlungen). Daß auch grell, bunt und häßlich nicht sein muß, konnte eine Familie erfahren, die völlige Plastikabstinenz beschlossen hat. «Überhaupt keinen Streit gab es dagegen, als die Kinder ihre Spielsachen einer Inventur unterziehen sollten. Die Kleinen haben da „mehr Instinkt“ und sind noch nicht so sehr an die Plastikwelt gewöhnt wie wir» und «Auch in der Schule der Kinder gebe es keine Hänseleien wegen des außergewöhnlichen Experiments», wird berichtet.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Fronleichnam in Obersachsen

Ein verregneter Tag. Erst als ich nach getaner Arbeit nach Hause ging, hatte der Regen aufgehört. Aber es blieb feucht und ungemütlich.
Hier in Obersachsen ist Fronleichnam kein Feiertag. Darum begann das Hochamt erst um 6 Uhr nachmittags. Während der Messe kamen erste Sonnenstrahlen durch die Fensterscheiben, nach der Messe war die Wolkendecke aufgerissen, der Schlußsegen schließlich wurde bei strahlendem Sonnenschein gegeben.

Dienstag, 1. Juni 2010

Hatte Clemens XIV. doch recht?

In der tageszeitung wird wenig wohlwollend der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten zitiert.
Über die Opfer des Mißbrauchs sagt er: «Ausdrücklich wende ich mich an dieser Stelle an alle, die sich als „Opfer“, „Überlebende“ oder einfach „Betroffene“ des Missbrauchs in den Einrichtungen unseres Ordens erfahren. Im Namen des Ordens anerkenne ich mit Scham die Schuld und das Versagen des Ordens und bitte ich sie noch einmal um Entschuldigung.»
Über die Täter sagt er: «Sie gehören zu uns, und wir werden sie nicht aus unserer Gemeinschaft verstoßen. Der Schutz ihres Persönlichkeitsrechts muss gewährleistet werden, bei Bedarf auch mit Hilfe von Anwälten.»
Die tageszeitung findet, daß das, was der Provinzial über die Opfer sagt, weniger herzlich klingt als das, was er über die Täter sagt.
Leider hat die tageszeitung recht.
Was die finanzielle Entschädigung angeht, findet er es «wichtiger, Gelder in die Prävention zu stecken». Das freilich geht an den bisherigen Opfern vorbei – abgesehen davon glaube ich nicht, daß die geeignete Prävention durch finanziellen Aufwand zu bewerkstelligen ist; intensiveres geistliches Leben schiene mir sinnvoller. Aber vielleicht wird das Geld ja auch schon für die «Hilfe von Anwälten» gebraucht.
Achtenswert war allerdings, wie P Mertes sich um Aufdeckung bemühte. Andererseits jedoch hat er die Gelegenheit genutzt, seine frisch gewonnene Popularität zu Propaganda zu nutzen für seine sehr persönlichen Vorstellungen.

Auch Ordinariate haben sich in der gegenwärtigen Affairenserie nicht immer überzeugend verhalten, etwa in der Art, wie sie verständliche Wünsche der Opfer abbügeln. Aber die SJ ...
Nein, Clemens XIV. hatte nicht recht; die damaligen Jesuiten waren unschuldig; und auch heute noch mangelt es nicht an hochachtenswerten Priester dieser Gesellschaft. Aber meine Sympathie für die SJ hat gelitten.

Samstag, 29. Mai 2010

Hilfe! Hilfe! Hilfe!

Kennt Ihr St. Afra? Eine schöne Kirche mitten in Berlin, im Wedding, in der schöne Liturgie gefeiert wird – weshalb diese Kirche nicht aus Kirchensteuermitteln finanziert wird, sondern, vom Institut St. Philipp Neri getragen, durch Spenden unterhalten wird.
St. Afra ist in Not. Darum ruft das Institut um Hilfe. Aber es schreibt auch: «Wenn jeder, der diesen Brief empfängt, € 50 gäbe, wären unsere Probleme für die Zeit gelöst, die wir brauchen, um neue Spender (etwa durch eine englische Website) anzusprechen. Für manchen sind € 50 ein unerreichbar hoher Betrag - vielleicht ist aber gerade für Sie sogar ein größerer Betrag möglich. Wenn jeder großherzig tut, was er kann, ist das Institut gerettet.»
Machen wir mit! Ich will auf diese Weise dazu beitragen, daß möglichst viele Menschen diesen Brief empfangen.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Das fehlte hier noch:

Dienstag, 25. Mai 2010

Der „Großinquisitor“

Die Brochure «Männer um den Papst», ein Pamphlet aus dem Zentralverlag der NSDAP gegen die katholische Kirche, das wohl durch meinen Onkel in den Familienbesitz gekommen ist – er betätigte sich in der Jugendarbeit der Diözese Münster und wollte wohl den Feind genauer beobachten; er ist später im II. Weltkrieg gefallen –, hatte ich hervorgeholt, um die braunen Angriffe gegen Kardinal Pacelli aufzuzeigen. Dabei bin ich auf Angriffe gegen eine weitere dem Kundigen wohlbekannte Persönlichkeit der Kirche gestoßen.
Die Brochure umfaßt, wie bereits gesagt, außer vier Anhängen sechs Kapitel, deren erstes die Organisation der Kurie darstellt, die nächsten vier beschreiben vier Männer der Kurie, das sechste einige Nuntien. Von jenen Männern der Kurie sind zwei Kardinäle – Eugenio Pacelli und Giuseppe Pizzardo –, der dritte ein Erzbischof – Celso Costantini –, der vierte aber ein einfacher Monsignore aus dem heiligen Officium, weswegen dieses Kapitel «Der „Großinquisitor“» überschrieben ist (S.20). Daß er seinem so mäßigen Rang zum Trotz so ausführlich besprochen wird, zeigt die Gefährlichkeit, die die Nationalsozialisten ihm als Gegner beimaßen.

Bilder, auf denen Alfredo Kardinal Ottaviani zu sehen war, gelangten schon 1963 in die breite Öffentlichkeit, als er als Kardinal-Protodiakon die Wahl Kardinal Montinis zum Papst verkündete und ihn dann mit der Tiara krönte. Bekannter wurde er aber sechs Jahre später, als er zusammen mit Kardinal Bacci das Breve esame critico del «Novus Ordo Missae» herausgab – das veranlaßte den Papst zwar, die Einleitung dieses Novus Ordo abzuändern, nicht aber den Ordo selbst.
Etwas weniger bekannt ist, daß Ottaviani, ein Mann aus dem einfachen Volk sich mit großem Engagement persönlich und finanziell der armen Jugendlichen von Trastevere und aus der Umgebung des Vatikan und von Trastevere annahm. Und er trat zudem ein für die Bekämpfung sexuellen Mißbrauchs; er verfaßte Crimen sollicitationis, eine Schrift, durch die das Vorgehen dagegen mit entschiedener Strenge geregelt wurde – ausgerechnet dieses Werk wurde vier Jahrzehnte später mittels falscher Wiedergabe zur Diffamierung des Kardinals benutzt.
Alfredo Kardinal Ottaviani war ein durchaus konservativer Mann. Nichtsdestoweniger aber bekannte er sich schon 1947 zu einem klaren Pazifismus, erklärte: «Bellum omnino est interdicendum».
Ein Mann also, der sich gleichermaßen um das Wohl der Kirche, um ihre Lehre, ihre Liturgie, und um das Wohl armer und gefährdeter Jugendlicher verdient gemacht hat.
Dieser Alfredo Ottaviani war es, der schon in der dreißiger Jahren den Nationalsozialisten als hochgefährlicher Gegner, als «Großinquisitor» erschien:
«Der eigentliche Chef des Heiligen Offiziums ist aber der sehr junge und ungewöhnlich tatkräftige Assessor Mgr. Alfredo Ottaviani ... ein Todfeind des totalen Staates» (S.6), befindet die braune Brochure.
«Das heilige Offizium wacht und duldet keinen Abstrich an der reinen Lehre, und diese Lehre der Kirche verurteilt als öffentliche Todsünde die „Statolatrie“, die „Staatsvergötzung“» (S.20).
«.. und sein
[Mgr. Ottavianis] „Lehrbuch des Kirchenrechts“, das im Jahre 1935/36 in 2. Auflage erschien und das besonders die Beziehungen des Staates zur Kirche behandelt, ...
Natürlich enthält das Buch die bekannte katholische Lehre vom Staat, der nicht die Quelle des Rechtes ist, sondern eine ganze Reihe von überstaatlichen Gebilden und Rechten, Familie, Stamm, Elternrechte und Rechte der Person, kurzum das gesamte Naturrecht, bereits vorfindet, wozu noch das göttliche Recht der Kirche kommt. Das Staatsrecht wird durch diese älteren Rechtssphären begrenzt, und der Zweck des Staates besteht lediglich in der Sorge um das zeitliche Wohl der Bürger, die nur soweit in Anspruch genommen werden dürfen, als es das Gemeinwohl verlangt. ... Ein Staat, der sich selbst als alleinige Quelle des Rechts betrachtete oder dem als Aufgabe etwa der Schutz oder die Erhaltung der Reinheit des Blutes und der germanischen Rasse zugewiesen wird, mißachtet die göttliche Rechtsordnung und begeht die Todsünde der „Statolatrie“. Darum verurteilt Ottaviani in diesem Lehrbuch in aller Form die [S.22] faschistische und nationalsozialistische Staatslehre, den „Hitlerismus“, wie er sich wörtlich ausdrückt (Band II, Seite 17)»
(S.21 f.).

PS. Die braune Brochure habe ich gescannt und als pdf-Datei gespeichert. Wer sie für die Dokumentation des Kampfes des NS-Regimes gegen die Kirche brauchen kann, kann von mir eine Kopie erhalten.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Pius XII. – Pacelli in brauner Sicht

Mein im II. Weltkrieg gefallener Onkel dürfte sich einst die Brochure beschafft haben, die seitdem in unserem Familienbesitz ist. Er betätigte sich früher in der Jugendarbeit der Diözese Münster und wollte wohl den Feind genauer beobachten.
«Männer um den Papst/Wer macht die Politik des Vatikans?» heißt sie. Sie ist 1938 erschienen im «Zentralverlag der NSDAP. Franz Eher Nachf G. m. b. H., Berlin», im 121. bis 150. Tausend. Angemerkt ist: «Diese Broschüre ist als Fortsetzungsfolge im „Angriff“ vom 11.11.37 bis 20.11.37 erschienen».
Die Texte wie auch der Druck der Brochure gehen also auf das Pontifikat Pius XI. zurück, auf die Zeit, als Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII., Kardinalstaatssekretär war.
Eigentlich mußten die Nationalsozialisten Papst Pius XI. hassen. Schon 1928 hatte er den Antisemitismus durch das Heilige Offizium verdammen lassen, im März 1937 durch die Enzyklika «Mit brennender Sorge» den Nationalsozialismus im besonderen verdammt. Seine Erklärung «Wir sind im geistlichen Sinne Semiten» stammt allerdings erst aus dem September 1938.
Aber die Autoren der Brochure hielten es wohl für taktisch klüger, nicht den Papst anzugreifen, sondern seine Ratgeber.
Ihr besonderer Haß gilt dem Kardinal Pacelli. Die Titelseite zeigt ein geschickt ausgewähltes Photo, auf dem ein dicker glatzköpfiger Mann dem breit lächelnden Kardinal den Ring küßt. Sie umfaßt (außer vier Anhängen) sechs Kapitel, deren erstes die Organisation der Kurie darstellt, die nächsten vier beschreiben vier Männer der Kurie, das sechste einige Nuntien.
Gleich das II. Kapitel (S. 8-11) gilt dem «Kardinal=Staatssekretär Pacelli». Einige Zitate aus diesem Kapitel sollen zeigen, wie die Nationalsozialisten den Kardinal und späteren Papst bewerteten, dem gewisse moderne Autoren Sympathie zum NS-Regime zu unterstellen sich mühen:
«.. und als ihm [Kardinal Pacelli] sein hohes Amt große Reisen nach Nord= und Südamerika und nach Frankreich ermöglichte, war er schon festgefahren und stellte auch diese Reisen noch in den Dienst eines unversöhnlichen Kampfes gegen den Nationalsozialismus. ... und eine unglückliche Liebe zum Deutschland des Weimarer Systems verleitet ihn nur noch mehr, gegen die heutige Staatsauffassung anzukämpfen. Diesem Kampf wird auf katholischer Seite alles geopfert, und alle erreichbaren Kräfte werden gegen das Dritte Reich mobilisiert. ... Pacelli hat sich mit diesem Kampf auf einen Weg begeben, der eines Tages die katholische Hierarchie des Auslandes, die Kardinäle und den Papst vor die Frage stellen wird: Ist der Vatikan für den Kampf Pacellis gegen das Dritte Reich da oder hat Pacelli dem Vatikan zu dienen?
... Pacelli ist schließlich verantwortlich für die schroffe Haltung des Vatikans gegen die Achse Rom – Berlin. Er hofft auf eine Rettung seines politischen Systems durch eine Anlehnung an die westlichen Demokratien»
(S.11).

Samstag, 15. Mai 2010

Pius XII.:
eine wahre Verschwörungsgeschichte

Die Mär vom «Schweigen des Papstes» gibt es nicht erst seit Hochhuths berüchtigtem «Stellvertreter» von 1963; sie war schon kurz erzählt in Peyrefittes «Les clés de Saint Pierre» (1955; deutsch: Die Schlüssel von Sankt Peter, Karlsruhe 1964). Aber Hochhuth hat doch wohl den größten Schaden anzurichten gewußt. Eigentlich fällt mir es schwer, an Geheimdienst-Verschwörungen zu glauben; aber in diesem Fall konnte Michael F. Feldkamp klar aufzeigen, daß das Ganze in der Tat auf sowjetische Propaganda zurückgeht und vom KGB lanciert wurde.

Da immer wieder allüberall Hochhuthiana und Goldhageniana auftauchen, habe ich mich bemüht, mich einigermaßen kundig zu machen. Falls jemand da noch Informationsbedarf hat, seien kurz die nach meinem Kenntnisstand interessantesten Quellen genannt:
Die bemerkenswerteste Darstellung der wahren Bedeutung des Papstes hat Pinchas E. Lapide geschrieben mit «Rom und die Juden» (Herder, Freiburg 1967; spätere Auflagen erschienen druckfehlerreich mit dem Untertitel «Papst Pius XII. und die Judenverfolgung» im Hess-Verlag). An Büchern sind zudem nennenswert «Goldhagens unwillige Kirche» (München 2003) von Michael F. Feldkamp und «Der Papst, der Hitler trotzte: Die Wahrheit über Pius XII.» von Michael Hesemann (2008).
Im Netz sind zu finden unter vielem anderen ein interessantes Interview mit dem Relator des Seligsprechungsprozesses für Pius XII., P. Peter Gumpel, und eine Widerlegung neuerer Verleumdungen durch Gianni Valente (auch auf deutsch).

Von dem, was ich selber an Unterlagen habe, will ich später berichten.

Dienstag, 11. Mai 2010

Pius XII.

ist jetzt sehr groß auf diesem Blog zu sehen, nicht als Schmuck, sondern als Bekenntnis.
Er ist der Papst, der - postum - viel mehr noch verleumdet wurde als jedweder heutige Kirchenfürst. Und wie ich mich zu Papst Benedikt bekenne, so will ich mich auch zu diesem großen Papst bekennen, der so entschieden und energisch sich gegen den Nationalsozialismus und für die Juden eingesetzt hat.

Montag, 3. Mai 2010

Der Weltethiker

« Kontakt

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Sie möchten Prof. Hans Küng kontaktieren?
Schreiben Sie uns, rufen Sie an, Mailen Sie oder schicken Sie ein Fax.

Stiftung Weltethos
Waldhäuser Straße 23
D-72076 Tübingen

E-Mail office@weltethos.org
Telefon +49 7071 62646
Fax +49 7071 610140 »

Vor einer Woche habe ich dieses Angebot genutzt: ich habe auf einen Offenen Brief eine Offene Antwort geschrieben, sie an diese e-Adresse geschickt und zur gleichen Zeit ins Netz gestellt.
In dieser Offenen Antwort habe ich mich bewußt nicht auf Themata eingelassen, die differenzierter Diskussion bedürfen, ich habe mich nicht auf die Frage eingelassen, ob das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung vielleicht ethisch begründet ist, ob kirchlicherseits der Gebrauch von Kondomen überhaupt verboten ist, wenn nur Infektionsprophylaxe intendiert ist, nicht aber Empfängnisverhütung. Ich habe nicht gefragt, für wie nützlich Weltethiker Kondome halten, die die Lagerungsbedingungen afrikanischer Dörfer oder Slums zu durchstehen hatten.
Ich habe nicht gefragt, wie es weltethisch zu bewerten ist, für die Stammzellenforschung Menschen zum alsbaldigen Verbrauch zu produzieren (denn nur darum kann es gehen – Forschung mit «adulten Stammzellen» ist theologisch ja schwerlich zu beanstanden). Ich habe auch nicht gefragt, ob als weltethische Richtschnur Versprechungen der Wissenschaftsindustrie taugen, die offensichtlich darauf ausgerichtet sind, in der Öffentlichkeit möglichst viel Stimmung zu machen, nicht aber an realistischen Erwartungen der Wissenschaft orientiert sind.
Ich habe nur auf offenkundige logische Brüche im Offenen Brief hingewiesen.
Welche Antwort nun habe ich vom Protagonisten des Dialogs bisher bekommen? – Keine!

Caffè sospeso und Brot vom Haken

In Neapel entdeckt ein Türke einen guten sozialen Brauch, den caffè sospeso, der freilich im Aussterben begriffen scheint; er überträgt ihn ins Türkische, bringt ihn nach Istanbul. Dort lernt ihn ein türkisches Ehepaar kennen, bringt ihn nach Hamburg. Danke!
Bemerkenswert ist die – glaubhafte – Begründung, warum dieser Brauch auszusterben droht: die Bedürftigen schämen sich. Wie steht es ums christliche Abendland, wenn die Armen, die doch das Evangelium selig preist, sich ihrer Bedürftigkeit zu schämen haben!

Freitag, 30. April 2010

Warum ich Papst Benedikt vertraue

Ein Treffen guter Katholiken in einer Vorstadtkirche. Die Messe zum Fest der heiligen Katharina von Siena wird gefeiert, sehr Novo ordine, aber der Prediger steht treu zu Kirche und Papst.
Danach, im Gespräch mit einem Mann aus der kleinen Schar: aber als der Papst noch Erzbischof von München war, da habe es doch einen Fall gegeben, wo ...
Nun, was für ein Mißbrauchsfall das wirklich gewesen wäre, wird nicht ganz klar; aber ich sehe, daß die Verdächtigungen schon bis hinein in fromme Kreise geschwappt sind.
Was ich bisher mitbekommen habe, sind zwei entstellende Zitate von Dokumenten der Glaubenskongregation, von der New York Times in die Welt gesetzt, von der deutschen Presse bereitwillig übernommen, ein nicht minder entstellender Hinweis von Hans Küng auf ein weiteres Dokument, und dann noch eine Geschichte aus München aus der Zeit, als Kardinal Ratzinger dort Erzbischof war: nicht, daß es klar sei, daß der Erzbischof davon gewußt hätte, aber es könnte sein. Und nicht, daß da etwas passiert wäre, aber es hätte etwas passieren können.
Nun, wenn man offensichtlich mit aller Macht sucht und nichts Aussagekräftiges findet, dann zeigt das, daß es nichts gibt, was gegen Papst Benedikt spräche. Sicher ist damit zu rechnen, daß man noch mehr an den Haaren herbeizerren wird; und darum werde ich bei jeder neuen Beschuldigung äußerst skeptisch sein.
Und ich bemerke, daß diese Energie, mit der man abträgliche Belege sucht, gegen einen Mann gerichtet ist, der in den letzten zehn Jahren, in schroffem Gegensatz zu allen Beschuldigungen, aufgefallen ist durch seien Einsatz zur Bekämpfung sexuellen Mißbrauchs. Das Motiv, gerade gegen ihn Beschuldigungen zu fabrizieren, kann nur Haß gegen die Kirche, kann nur odium nominis Christiani sein.
Ich habe großes Vertrauen zu Papst Benedikt als Person, so wie ich es schon zu Kardinal Ratzinger hatte; die gegenwärtigen Ereignisse zeigen mir, daß ich nicht nur vertrauen kann, sondern auch in der Pflicht bin, mein Vertrauen offen auszusprechen.

Beati estis cum maledixerint vobis et persecuti vos fuerint et dixerint omne malum adversum vos mentientes propter me; gaudete et exultate, quoniam merces vestra copiosa est in caelis: sic enim persecuti sunt prophetas qui fuerunt ante vos. (Matth. 5, 11-12)

Montag, 26. April 2010

Offene Antwort auf einen Offenen Brief

Sehr geehrter Herr Professor Küng,

Ihren Offenen Brief habe ich mit Interesse gelesen. Bitte gestatten Sie mir eine offene Antwort:

«Vertan die Annäherung an die evangelischen Kirchen: Sie seien überhaupt keine Kirchen im eigentlichen Sinn, deshalb keine Anerkennung ihrer Ämter und keine gemeinsamen Abendmahlsfeiern möglich», lese ich. Meiner Kenntnis nach beanspruchen die evangelischen Kirchen in Deutschland gar nicht, ein Amt in apostolischer Sukzession zu besitzen, lehnen ein solches gar grundsätzlich ab. Darum gibt es in ihnen gar keine Ämter, die man anerkennen könnte.

«Der Papst führt eine vorkonziliare Fürbitte für die Erleuchtung der Juden wieder ein», lese ich. Ich erinnere mich, daß der Papst eine vorkonziliare Fürbitte für die Erleuchtung der Juden abgeschafft, durch eine unbestimmtere Formulierung ersetzt hat.

«Der Papst ... nimmt notorisch antisemitische schismatische Bischöfe in die Kirche auf», lese ich, womit doch nur Bischöfe der Pius-Bruderschaft gemeint sein können. Von einem dieser vier Bischöfe wurden nach der Aufhebung der Exkommunikation Äußerungen bekannt, die es begründen, ihm Antisemitismus zu unterstellen. Einen Zusammenhang zwischen der Exkommunikation der vier und dem später dann offenkundig gewordenen Antisemitismus des einen gibt es nicht.

Von «Benedikts Regensburger Rede, in der er, schlecht beraten, den Islam als Religion der Gewalt und Unmenschlichkeit karikiert», lese ich. Ich erinnere mich, daß Papst Benedikt damals nicht den Islam «karikiert», sondern Kaiser Manuel II. zitiert hat, der seinerseits den Islam nicht «karikiert», sondern sehr direkt angegriffen hat.

«Vertan die Chance, mit den modernen Wissenschaften Frieden zu schließen: durch unzweideutige Anerkennung der Evolutionstheorie ...», lese ich. Sie selbst haben das päpstliche Lehramt in Sachen der Glaubenslehre und der Moral einst in Zweifel gezogen. Nun wollen Sie, daß der Papst auch noch ein Lehramt in Sachen der Naturwissenschaft ausübt: «durch unzweideutige Anerkennung der Evolutionstheorie ...».

«Vertan die Annäherung an die evangelischen Kirchen»
und «Er realisiert nicht die in offiziellen ökumenischen Dokumenten (ARCIC) vorgezeichnete Verständigung mit der Anglikanischen Kirche», lese ich einerseits, «Er hat außerhalb der katholischen Kirche illegal ordinierte Bischöfe der traditionalistischen Pius-Bruderschaft, die das Konzil in zentralen Punkten ablehnen, ohne Vorbedingungen in die Kirche aufgenommen» andererseits. Das heißt doch, daß wir anerkennen müssen, daß er die Annäherung an die Piusbruderschaft nicht vertan, sondern die Verständigung mit ihr wirklich realisiert hat. Und die Piusbruderschaft erkennt sehr viel mehr ökumenische Konzilien an als die evangelischen Kirchen und als die Anglikanische Kirche.
Und Sie selbst, Herr Professor Küng, haben sich einst in den Ruf gesetzt, in einem zentralen Punkt das I. Vaticanum nicht anzuerkennen; heißt das also, daß Sie jetzt das I. Vaticanum eindeutiger anerkennen als die Bischöfe der Pius-Bruderschaft das II.?

«Vertan die Chance, den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils endlich auch im Vatikan zum Kompass der katholischen Kirche zu machen und ihre Reformen voranzutreiben», lese ich einerseits, «Er fördert mit allen Mitteln die mittelalterliche Tridentinische Messe und feiert selber die Eucharistiefeier gelegentlich auf Latein ...» andererseits. Tridentinisch ist mittelalterlich? Ein Mittelalter, das vom späten XVI. Jahrhundert bis 1969 dauerte? Ich allerdings habe Papst Benedikt so verstanden, daß er die ins christliche Altertum zurückreichende Form der Liturgie wieder ermöglichen wollte, sei es nun ihre tridentinische Ausprägung, ihre örtliche Ausprägung in Lyon oder Braga oder eine der alten Orden.
Was aber das II. Vaticanum angeht, so hatte es doch gewollt, daß der Gebrauch der lateinischen Sprache bewahrt werde. Wenn also Papst Benedikt die Eucharistiefeier gelegentlich auf Latein feiert, so macht er damit dieses Konzil wieder ein wenig mehr zum «Kompass der katholischen Kirche».
 
«Noch am 18. Mai 2001 sandte Ratzinger ein feierliches Schreiben über die schwereren Vergehen („Epistula de delictis gravioribus“) an alle Bischöfe. Darin werden die Missbrauchsfälle unter das „Secretum Pontificium“ gestellt, bei dessen Verletzung man sich schwere Kirchenstrafen zuziehen kann»,
lese ich. Dieses Schreiben besagt nicht etwa, daß es den Opfern, ihren Vertrauenspersonen, den Zeugen oder sonst wem untersagt wird, über diese Taten zu sprechen, sondern es fordert nur die auch im staatlichen Bereich bei gerichtlichen Verfahren selbstverständliche Verschwiegenheit über den Prozeß selbst und die Prozeßakten.

«Er realisiert nicht die in offiziellen ökumenischen Dokumenten (ARCIC) vorgezeichnete Verständigung mit der Anglikanischen Kirche, sondern versucht verheiratete anglikanische Geistliche durch Verzicht auf die Zölibatsverpflichtung in die römisch-katholische Kirche zu locken», lese ich. Ich erinnere mich, daß der Wunsch nach Vereinigung mit der katholischen Kirche bei den anglikanischen Geistlichen selbst bestand, die durch das Vorgehen ihres Episkopats in Gewissensnöte geraten waren. Darf ein Papst Christen, die danach suchen, die Vereinigung mit der katholischen Kirche versagen?

«Papst Benedikt XVI. scheint sich zunehmend von der großen Mehrheit des Kirchenvolkes zu entfernen, das sich ohnehin immer weniger um Rom kümmert und sich bestenfalls noch mit Ortsgemeinde und Ortsbischof identifiziert», lese ich. Ich kann versichern, daß der Großteil der Katholiken, die ich kenne, ebenso wie ich selber Papst Benedikt keineswegs als entfernt erleben, sondern als uns sehr zugewandt, mehr noch denn «Ortsgemeinde und Ortsbischof».

Mit freundlichen Grüßen
W.H.W.

Die Pädophilophilie der «68er»

wird dankenswerterweise in einigen ausführlichen Artikeln der tageszeitung dargestellt, die auch die eigene Beteiligung daran nicht verleugnet: „Es gab ein heroisiertes Bild des Kindes“Kuscheln mit den IndianernDie Illusion von Freiwilligkeit.
Freilich wird bestritten, daß «das damals geschaffene libertäre gesellschaftliche Klima» «den Boden bereitet» habe «für das, was heute ans Licht kommt: jahrelanger massenhafter sexueller Missbrauch von Kindern in Schulen, Heimen und kirchlichen Einrichtungen» – es ist aber doch wenig glaubhaft, daß solch öffentliche Verherrlichung der «sexuellen Befreiung» ohne Wirkung auf die Menschen geblieben wäre, die sich mit ihren eigenen pädophilen Neigungen auseinanderzusetzen hatten und dann gescheitert sind.
Interessant auch, daß die Pädophilen als Teil der «Homosexuellenbewegung» akzeptiert worden seien, während sie von den «Feministinnen» strikt abgelehnt wurden.

Letztlich kann es nicht Wunder nehmen, wenn angesichts der damaligen Faszination durch die «sexuelle Befreiung» auch Pädophilie akzeptabel erschien – solange man nicht selbst Kinder hatte oder aber die religiösen Gebote akzeptiert, ungeachtet jeden Zeitgeistes.

Tèn toû Phileirénou Bastelei

übernehmen wir, und wir empfehlen sie weiter (auch für Bloggerinnen) – er hat sie ja zur «Freiware» erklärt.
Das Zdk erscheint als ein Vehikel, mit dem Politiker auch in der Kirche Macht ausüben wollen. Nun, sie richten in der Politik schon genug an; in der Kirche besteht daran kein Bedarf.