Freitag, 28. Dezember 2018

Wohltuender Fortschritt

zeigte sich in dieser Woche wiederholt in unserer Kirche. Der Chronist von Orietur Occidens hat die Freude, darüber zu berichten.

Samstag, 22. Dezember 2018

Unklare Wahrheit oder Legenda nera?


Natürlich: ich weiß nach wie vor nichts Sicheres. Aber die Nachrichten zum Fall Kardinal Pell scheinen zunehmend klarer zu werden in für mich unerwartete Richtung:
• After guilty verdict, questions raised about Pell trial •
• Der Fall Kardinal Pell: Cui Bono? •

Samstag, 15. Dezember 2018

Klares Urteil und unklare Wahrheit

Einerseits: Kardinal Pell, ein australischer Kardinal, von Papst Franziskus in den Kardinalsrat der Neun berufen.
Andererseits: Marco Tosatti, ein katholischer Blogger, engagiert für die Aufdeckung sexuellen Mißbrauchs, kein Freund des Bergoglio-Regimes.
Nun ist Kardinal Pell von einem australischen Gericht wegen sexuellen Mißbrauchs verurteilt worden. Doch Marco Tosatti jubelt nicht, sondern, ganz im Gegenteil, bemängelt, daß das Urteil in einem nichtöffentlichen Prozeß von einer „hang jury“, einem Geschworenengericht, das nicht in der Lage war, ein wahres Urteil zu fällen, aufgrund wenig glaubwürdiger Anklagen gefällt worden ist.
Ob Kardinal Pell schuldig ist oder nicht, weiß Marco Tosatti nicht – und ich erst recht nicht. Doch ich achte den Blogger, der nicht einfach froh ist über Nachrichten, die zu seiner Richtung passen, sondern die Wahrheit wissen will und auch klarstellt, daß sie, so sehr man sich das auch anders wünscht, keineswegs immer erkennbar ist.

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Klerikalismus in Ost und West

Bartholomäus I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, am 1. September 2018 bei einer Bischofskonferenz:
«Manchmal begegnen wir Prüfungen und Versuchungen eigens, weil manche Personen irrigerweise glauben, die orthodoxe Kirche lieben zu können, ohne aber den Ökumenischen Patriarchen zu lieben, wobei sie vergessen, daß er das authentische Ethos der orthodoxen Kirche verkörpert. „Im Anfang war das Wort ... in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh. 1, 1. 4). Der Anfang der orthodoxen Kirche ist das Ökumenische Patriarchat; „in diesem ist Leben, und das Leben ist das Licht der Kirchen“. Der (N.N., ein persönlicher Freund) hat zurecht unterstrichen, daß „die Orthodoxie nicht existieren kann ohne das Ökumenische Patriarchat“.»
Can Orthodoxy Exist Without the Ecumenical Patriarchate?

Kardinal João Braz de Aviz, Präfekt der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens, am 21. November 2018 bei einer Begegnung mit mehr als dreihundert Nonnen kontemplativer Orden, um die antimonastischen vatikanischen Erlasse zu erklären:
«Es handelt sich nicht darum, auf einen von uns zu hören, einen Kardinal, einen Bischof, den Papst. Nein. Es ist Hören auf den Herrn, der heute zu uns spricht. Und er spricht zu uns durch Petrus. Uns interessiert es nicht, wie Petrus genannt wird. Aber in diesem Moment ist Franziskus Petrus, und daher sind alle Formen der Nostalgie, die uns aus der [Jetzt-] Zeit herausnehmen oder die uns veranlassen, die Sendung Petri aus der Zeit herauszubringen, nicht in Ordnung.»
Monache di clausura. Dal “quaerere Deum” all’aggiornamento. Senza rispetto per le contemplative

Dienstag, 4. Dezember 2018

Zweifach zur falschen Zeit

Am Samstagabend standen zwei Vespern zur Auswahl: eine liturgische in der nahegelegenen Kirche im Gründerzeitviertel und eine musikalische in der Thomaskirche in Leipzig.
Wohin also, wo ist der geistliche Gehalt größer? Sicher: der musikalischen Vesper fehlt das priesterliche Gebet, aber Monteverdis Komposition ist in sich geistlich; und in der Kirche in unserem Viertel droht erfahrungsgemäß eine Homilie.
Und ich war lange schon darauf gespannt, die Marienvesper nach Jahren wieder in einer Kirche hören zu können.

Nur schade: an die Vesper angehängt wurde noch ein „Actus Musicus auf Weyh-Nachten“. Weihnachtsmusik zu Beginn des Advents!
Doch auch in einer zweiten Weise wurde dieser „Actus Musicus“ zur falschen Zeit geboten: der Marienvesper läßt sich nichts hinzufügen. Daß das dennoch geschehen ist, tat weder – wie schon geahnt – dem Werk des hochachtenswerten Johann Schelle gut noch wurde es der Marienvesper gerecht. Schlimmer noch: auf diese Weise entstand eine Länge, die zu einer Pause nötigte – zwischen dem Psalm Lauda Jerusalem und der Sonata sopra Sancta Maria.
Und dennoch: es war großartig.

Privatisierung und Preisentwicklung

In den letzten Jahren kam die Türkei vor allem durch die Bemühungen ihres Präsidenten in die Schlagzeilen, den Staat in eine Tyrannis umzugestalten. Zudem aber führte sein Regime wirtschaftsliberale Reformen durch.
Die Folgen referiert Orietur Occidens aus einem Zeitungsartikel.

Sonntag, 2. Dezember 2018

Das erste Licht brennt

– seit heute abend nicht nur bei den Christen des römischen Ritus, sondern auch bei den Juden.

Vgl.: Joh.10,22

Mittwoch, 28. November 2018

Ein diskreditierter «globaler Führer» gegen die Erderwärmung

Im Rahmen einer internationalen Klimakonferenz wurde im Vatikan ein Programm vorgestellt, den Klimawandel unter Kontrolle zu bringen – und einschlägige konservative katholische Blogger schäumen.
Warum?
Der Chronist von Orietur Occidens bemüht sich um Antwort.

Mittwoch, 21. November 2018

Ein bischöflicher Angriff auf Papst Benedikt

ist jüngst erfolgt bei der Versammlung der Italienischen Bischofskonferenz. Die eigentliche Antwort darauf hatte lange zuvor schon Joseph Kardinal Ratzinger gegeben, er brauchte nur zitiert zu werden; doch lohnte es, noch eine Anmerkung über das Wesen des Kirchenrechts hinzuzufügen. So ist es zu finden bei Orietur Occidens.

Montag, 19. November 2018

Kinder im Gottesdienst

haben etwas zu erzählen, so wird angekündigt.
Aber dann ...
Der Chronist von Orietur Occidens berichtet.

Samstag, 17. November 2018

Das Wiedererstarken der armenischen Kirche

Trotz aller Schwierigkeiten der Kirche in diesem Land: der Chronist von Orietur Occidens konnte auch etwas weiteren Fortschritt feststellen.

Die Lehre der Kirche, der Generalobere und die Ordenshochschule der Jesuiten

«Pater Wucherpfennig hatte eine Erklärung abgegeben, in der er sagte, dass er als Ordensmann und Priester dm authentischen Lehramt der Kirche verpflichtet sei. Wo es seine Ämter verlangten, lege er die Lehre der Kirche über die Möglichkeit der Weihe von Frauen (Ordinatio sacerdotalis) und von Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare (Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Seelsorge für homosexuelle Personen) vollständig und umfassend dar. Als Seelsorger und Wissenschaftler werde er auch in Zukunft die Fragen, die er an diese Lehre richte, als seine persönliche Auslegung kennzeichnen.
Als Christ und Wissenschaftler, so Wucherpfennig, habe er die persönliche Hoffnung, dass die kirchliche Lehre, die in den beiden römischen Schreiben dargelegt wird, sich weiter öffne und weiterentwickle.»
So ist in einer Erklärung des Generaloberen der Jesuiten über einen Priester seines Ordens zu lesen. Man kann es so zusammenfassen: P. Wucherpfennig glaubt zwar nicht an die Lehre der Kirche, hofft, daß die Kirche künftig statt der eigenen Lehre seine Meinung zur Glaubensnorm erklären werde, ist aber bis dahin bereit, «wo es seine Ämter verlangten», neben seiner eigenen Meinung auch die Lehre der Kirche darzulegen.
Der naïve Katholik erwartet nun, daß der Generalobere nun erklären werde, daß sich P. Wucherpfennig dadurch die Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen hat und damit auch die kirchliche Lehrbefugnis verliert.
Aber statt dessen ernennt er ihn «mit sofortiger Wirkung zum Rektor von St. Georgen (philosophische und theologische Fakultät SJ)».

Freitag, 16. November 2018

Stockender Fortschritt bei der Einheitsübersetzung

Seit 2016 gibt es die neue EÜ, aber in den Kirchen gelesen wird immer noch nach der von 1980.
Weshalb hier schnelle Einführung der neuen Übersetzung not tut, stellt der Chronist von Orietur Occidens dar.

Dienstag, 6. November 2018

Der Aufstieg zur Propsteikirche

Die Propsteikirche liegt auf einer Anhöhe; der Weg dort hinauf wird durch vier Treppchen gegliedert, die eine reiche Zahlensymbolik zeigen. Da in der Kirche keine Erklärung dazu gegeben wird, bietet die Chronik von Orietur Occidens, mit herbstlichen Bildern ausgestattet, dafür den Platz.

Montag, 5. November 2018

Priestermangel der anderen Art

Priestermangel liegt durchaus nicht immer daran, daß es zu wenig Priester gibt.
Der Chronist von Orietur Occidens mußte es (wieder einmal) beobachten.

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Die „kalte Schulter“

Wunderliches, das beim Pontifikalamt zu Ehren der Heiligsprechung Mutter Theresas vorgefallen war, wiederholt sich beim Pontifikalamt zu Ehren der Heiligsprechung M. Alfons Marias, der Gründerin der Schwestern vom Göttlichen Erlöser:
Nach dem liturgischen Gruß des Bischofs trat der assistierende Priester vor zur Begrüßung – «Sehr verehrter Herr Bischof ...» – und wendete dem Bischof dabei halb die linke Schulter, halb den Rücken zu.
Ob in einer Eucharistiefeier der Bischof begrüßt werden soll, darüber kann man verschiedener Meinung sein – dem byzantinischen Ritus jedenfalls ist solch eine Begrüßung sehr fremd. Wenn er aber begrüßt wird, dann kann diese Begrüßung nur an ihn gerichtet werden, ihm zugewandt.

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Sexuelle und weitere Übergriffe –
Wie kann es dazu kommen?
Wie kann es sein, daß sie gedeckt werden?
Was ist dagegen zu tun?

In den letzten Jahren waren sexuelle Übergriffe das große Thema; doch nicht minder schwer wiegen Mißhandlungen von Kindern und Jugendlichen in Kinderheimen und Internaten – besonders aus Irland wurde von Nonnenkonventen Schlimmstes berichtet. Aber auch hierzulande wußte noch vor nicht sehr langer Zeit jeder Katholik, daß es unterschiedlichste Nonnen gibt, äußerst liebevolle ebenso wie haßerfüllte, grausame.

Wie konnte das sein, wie konnte es dazu kommen?

Bis ins frühe XX. Jahrhundert war es üblich, daß Familien unversorgte Töchter ins Kloster wiesen; auch daß Eltern ihre Töchter dorthin schickten, weil sie das für ein frommes Werk hielten, war nicht ungewöhnlich. So gab es in vielen Konventen Nonnen, die keine wirkliche Ordensberufung hatten. Auch in Männerkonventen gab es, wenn zwar wohl etwas seltener, doch ähnliches.
Wer nun ohne echte Ordensberufung sein Leben in einem Ordenskonvent zu verbringen hat, kann dort natürlich doch noch zu einem geistlichen Leben dort finden; er kann aber auch seine Enttäuschung auf verschiedenste ungute Weise ausleben.

Dies spielt für Übergriffe der letzten Jahre wohl keine Rolle mehr, aber anderes wird noch heute gelten:

Auch wer eine Berufung verspürt, kann vom Ordensleben enttäuscht werden. Schon durch einen neuen Oberen kann sich das Leben, für das man sich entschieden hat völlig ändern. Aber schwerer wiegt wohl etwas anderes: Wo Konvente die Betreuung von Kindern oder Jugendlichen zu ihren Aufgaben zählen, kann es geschehen, daß solche Aufgaben Ordensleuten übertragen werden, die dadurch durchaus nicht begabt sind, die nun im Konvent nicht ihre Berufung leben können, sondern sich aufreiben an Aufgaben, die ihnen fremd sind.

Solches kann zu sinnlosem Zwang, zu Grausamkeiten, aber auch zu sexuellen Übergriffen führen. Für sexuelle Übergriffe im Besonderen ist etwas anderes bedeutsam:

Wo immer Umgang mit Kindern und Jugendlichen selbstverständlich gegeben ist, da werden Pädophile angezogen. So sind kirchliche Kinder- und Jugendarbeit, Kinderheime und Internate für sie ein naheliegender Anziehungspunkt.
Sexuelle Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche gehen besonders häufig von Männern aus, die sich kumpelhaft anbiedernd geben und sich damit oft sehr beliebt zu machen wissen. Wo im heutigen Pfarrleben der Eindruck entsteht, daß hier für solchen Umgang viel Raum sei, ist es für Pädophile besonders anziehend.
Gelegentlich wird darauf hingewiesen, daß solche Übergriffe sich ganz überwiegend nicht gegen Kinder, sondern gegen Jugendliche richten, es sich daher nicht um Pädophile handle. Aber das ist ein Mißverständnis des Wortes paîs: in der Antike galt Päderastie als erlaubt, jedoch nicht mit Kindern unter etwa zwölf Jahren. Paîdes bezeichnet demnach durchaus auch Jugendliche.

Wie kann es sein, daß solche Übergriffe gedeckt werden?

Es gibt eine große Scheu menschlicher Gemeinschaften, Übles nach außen dringen zu lassen – das deutsche Wort «Nestbeschmutzer», das als Schimpfwort benutzt wird, legt Zeugnis davon ab. Das durch solche Haltung, solchen Corpsgeist, Übeltaten gedeckt und verharmlost werden, sogar in der Kirche, ist schlimm – aber es geschieht.
Doch jenseits des «Right or wrong, my country», des «Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus»: daß man die Ehre der Kirche nicht durch Schandtaten beschmutzt wissen will, mag zwar verständlich erscheinen; aber eine Ehre, die auf Verleugnung von Tatsachen beruht, ist keine Ehre.
Natürlich ist es nicht angemessen, jede je geschehene Übeltat an die Öffentlichkeit zu bringen – auch die Betroffenen müssen da Mitspracherecht haben –; aber wenn Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden oder Betroffene keinen Zugang zu den Unterlagen bekommen, die sie betreffen, so ist das verwerflich.

Aber neben diesen beiden verwerflichen Motiven (die eigentlich verschiedene Ausprägungen desselben Motivs sind), gibt es ein anderes, das nicht verwerflich ist, sondern ein Dilemma zeigt:

Man kann keine menschliche Gemeinschaft führen ohne Vertrauen. Jeder Obere, jeder Vorgesetzte muß Vertrauen haben zu denen, die ihm anvertraut sind, mit denen er arbeitet. Beschuldigungen sind nicht von vornherein immer wahr. Daher ist es legitim, daß ein Vorgesetzter zunächst einmal, wenn jemand von seinen Untergebenen beschuldigt wird, nicht sogleich das Vertrauen zu ihm über Bord wirft, sondern die Beschuldigungen erst einmal mit Zurückhaltung anhört. Nichtsdestoweniger müssen die Opfer von Übergriffen ihr Recht bekommen, sie müssen Gehör finden. Hier ist ein echtes Dilemma; und ohne vertrauenswürdige Personen von außen einzubeziehen wird es oft nicht zu lösen sein.

Was ist gegen die Übergriffe zu tun?

Mit der Instruktion Crimen sollicitationis, 1922 von Kardinal Rafael Merry del Val herausgebracht, 1962 von Kardinal Ottaviani verschärft, hat die Kirche schon viel getan gegen sexuelle Übergriffe – doch es reichte nicht. Es folgte das Motu Proprio Sacramentorum sanctitatis tutela samt dem Brief De delictis gravioribus von Kardinal Ratzinger von 2001, 2010 noch einmal verschärft – jetzt scheint es besser zu greifen.
Das bezieht sich nur auf sexuelle Übergriffe; Grausamkeiten in Kinderheimen und Internaten geschehen heute wohl viel weniger, aber die der Vergangenheit bedürfen noch der Aufarbeitung; besonders dringlich ist, daß die Betroffenen vollen Zugang zu ihren Akten und Unterlagen erhalten.

Aber offensichtlich reicht das alles noch nicht, Übergriffe und deren Vertuschung zu unterbinden.

«Es gibt hierzulande zwei Ansätze, gegen die Krise der Kirche anzugehen; der eine: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet – der andere: Weniger Christus, mehr Welt», haben wir zu Anfang des Jahres geschrieben. Auf der Suche nach einer Lösung für das Problem der Übergriffe zeigen sich wieder diese beiden Ansätze.

Die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz verfaßte MHG-Studie Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz – ihren wissenschaftlichen Wert hat Manfred Lütz trotz des reißerischen Titels in der Tagespost (Missbrauchsstudie „mangelhaft und kontraproduktiv“) sehr differenziert überprüft – nennt (S. 13) „Klerikalismus“ «eine wichtige Ursache» für sexuellen Mißbrauch. «Klerikalismus meint ein hierarchisch-autoritäres System, das auf Seiten des Priesters zu einer Haltung führen kann, nicht geweihte Personen in Interaktionen zu dominieren, weil er qua Amt und Weihe eine übergeordnete Position inne hat. Sexueller Missbrauch ist ein extremer Auswuchs dieser Dominanz.» Amt und Weihe führten demnach im Extrem dazu, daß der Priester etwas tut, was dem Wesen dieser Weihe diametral entgegensteht.
«Die Studienergebnisse machen es aber notwendig, sich damit zu beschäftigen, welche Bedeutung den spezifischen Vorstellungen der katholischen Sexualmoral zu Homosexualität im Kontext des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zukommt. ... Anstelle solcher Haltungen ist eine offene und toleranzfördernde Atmosphäre zu schaffen» (S. 17). Toleranz ist eine gute Sache; aber Toleranz als Mittel gegen sexuelle Übergriffe?
«Die grundsätzlich ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Weihe homosexueller Männer ist dringend zu überdenken.» Natürlich kann gefragt werden, ob ein homosexuell empfindender Mann nicht auch berufen sein und den Zölibat strikt einhalten kann. Allerdings an anderer Stelle (S. 259) ist zu lesen: «Homosexuelle Beziehungen oder Praktiken werden im offiziellen, nach außen hin sichtbaren Handeln der Kirche aber abgelehnt. Somit besteht die Gefahr, dass entsprechende Neigungen versteckt gelebt werden (müssen).» Wie nun: kann man Männern mit solchen Neigungen vertrauen, daß sie zölibatär leben, oder «(müssen)» diese Neigungen «gelebt werden»?
«Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den Themen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und der eigenen sexuellen Identitätsbildung im Rahmen der Priesterausbildung wurde erkannt und spiegelt sich in der Implementierung entsprechender Weiterbildungsmodule in den Priesterseminaren» (S. 53). Wenn solche Weiterbildungsmodule und «Fort- und Weiterbildungsangeboten für Priester oder Diakone» wirksam wären gegen sexuelle Übergriffe: wie kann es dann sein, daß es solche Übergriffe von intensivst ausgebildeten Psychotherapeuten gegen ihre Klienten gibt?

Soweit der Ansatz: Weniger Christus, mehr Welt. Den Ansatz: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet bietet P. Komorowski, der neue Generalobere der Petrusbruderschaft, in einem Interview (Die Zukunft der Kirche sind gute und heiligmäßige Priester. Informationsblatt 10/2018):
«Es ist sehr bedauerlich, daß wir wieder von Missbrauch und Vertuschung in der Kirche hören. Wir beten für alle Opfer, aber auch für die Täter, damit sie sich bekehren und Buße tun. Viele Verantwortliche in der Kirche haben gravierende Fehler begangen, die Opfer nicht ausreichend geschützt oder sie nicht ernst genommen. Man hat Fälle vertuscht, um den guten Namen der Kirche zu schützen. Zuerst muß man aber an der Seite der Opfer stehen, vor allem der minderjährigen, und die Wahrheit, so bitter sie auch sein mag, offenlegen. Die Täter müssen ihre Schuld eingestehen, um Vergebung bitten und sich einer gerechten Strafe unterziehen. Sie haben nicht nur andere missbraucht, was an sich schon schrecklich ist, sondern die ganze Kirche verletzt und das Vertrauen in sie zerstört. Jetzt kann uns nur volle Transparenz und die konsequente Umsetzung des Null-Toleranz-Prinzips helfen, die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.
Letztlich liegen diesen Vorfällen aber geistliche Probleme zugrunde. Der moralische Verfall kommt von einem mangelhaften geistlichen Leben. Kleriker, die solche Taten begangen haben, verleugnen ihre Berufung. Nur wenn wieder Gott und die zehn Gebote in den Mittelpunkt gestellt werden, findet man aus dieser Krise heraus.
Auch die Formung zukünftiger Priester darf sich nicht nur auf die akademische Bildung beschränken. Eine gesunde Spiritualität, tiefe Frömmigkeit und ein Geist der Abtötung sind wirksame Präventionsmaßnahmen.»

Beachtenswert ist noch die Stellungnahme eines Seligen aus dem vorigen Jahrhundert.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Nachlese zur „Benedikt-Option“

Vor gut anderthalb Jahren erschien The Benedict Option von Rod Dreher, vor etwa einem Jahr auch auf Deutsch, Die Benedikt-Option, «das wichtigste Buch des Jahrzehnts zu einem religiösen Thema», wie Sandro Magister, David Brooks zitierend, schreibt.
Über dieses Buch mehr zu schreiben erscheint nicht notwendig; aber zwei Zitate erscheinen dabei, die es lohnen, als Nachlese wiedergegeben zu werden.

1. In der „Civiltà Cattolica“ – man erinnere sich: es ist jene Zeitschrift der Jesuiten, die, nachdem Papst Pius XI. den Antisemitismus verdammt hatte, noch zehn Jahre lang antisemitische Texte veröffentlichte – erschien ein Artikel, in dem das Buch und damit sein Autor der Häresie, nämlich des Donatismus beschuldigt wurde. Rod Dreher hat in einem Interview mit „la Nef“ geantwortet (teilweise von Sandro Magister wiedergegeben). Einige Sätze daraus:
«Benedikt XVI., wiederum er, hatte sehr recht, zu sagen, daß die zwei stärksten Argumente zugunsten der Kirche die christliche Kunst und die Heiligen sind. Die Logik und die Vernunft haben ihren Platz, aber die Bekehrung entspringt oft einer Begegnung mit der Schönheit (der Kunst) und der Liebe (den Heiligen). Erheben wir die Standarten des Schönen und des Guten, um diese antirationale Welt zu bekehren, denn sie führen sie, sicherer als alles Übrige, zur Wahrheit.

2. Aus Anlaß der Vorstellung des Buchs in Italien schrieb Sandro Magister, mit Blick auf eine Ansprache (wiederum) Benedikts XVI.:
«Das große Mönchtum, begründet von Benedikt, war nicht abgetrennt von der Welt. Vielmehr trug es in entscheidender Weise dazu bei, die moderne europäische Zivilisation zu errichten, gegründet auf den Konzepten der Person und der Freiheit.
Wenn heute die „Diktatur des Relativismus“, entlarvt von Benedikt XVI., regiert, ist es unvermeidlich, daß sich auch die zwei Angelpunkte, die Person und die Freiheit, auflösen. Aber dies ist ein Motiv mehr dafür, daß die Christen als „kreative Minderheit“ sich nicht zurückziehen ins Private oder in Werke der Nächstenliebe
[womit natürlich nicht Werke der Nächstenliebe an sich gemeint sind, sondern Werke der Nächstenliebe anstatt ...] – wie die Welt es will und wozu sie Beifall spendet –, sondern fortfahren, im öffentlichen Raum zu wirken, im Licht des „Quarere Deum“.»

Was ist ein Heiliger?

Heilige werden in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Neuen Testaments alle Christen genannt, die sich zu ihren Kirchen halten. Aber in späterer Zeit – schon erahnbar in der Apokalypse – sind Heilige die, die, durch besondere Gnade berufen, in besonderer Weise ihre Hingabe an den Herrn leben. Pietro C. (La canonizzazione dei santi) spricht von «dieser Gnade, dieser besonderen Kraft, die sie sicher, heiter, stark sein läßt, auch vor tausend Leiden. Die Gegenwart dieser Kraft ist das Einzige, was einige drängt, alles zurückzulassen, heiter dem Tod entgegenzutreten. Die Gegenwart dieser Kraft hält die Märtyrer aufrecht und gibt ihnen Heiterkeit.»
Ein Heiliger in diesem Sinne war Paul VI. nicht. Er hat einst (Reinhard Raffalt schreibt davon in Wohin steuert der Vatikan. München 1973) öffentlich erklärt, seine größte Sehnsucht sei, geliebt zu werden – von Menschen. Auch ein Heiliger kann sich der Liebe von Menschen freuen; aber er ist nicht um sie besorgt: «Dios solo basta», dichtete die heilige Theresia von Avila, «Gott allein genügt».
Doch ist es seit den sechziger Jahren wieder üblich geworden, das Wort „Heilige“ auf alle Christen zu beziehen. Und eine Heiligsprechung sagt ja nur sicher aus, das der Betreffende nach seinem Tod nicht in den unteren Etagen der jenseitigen Welt versunken ist. Zwei Wunder sind bezeugt: das reicht nach den Regeln Johannes Pauls II. zu einer Heiligsprechung, hätte nach den überlieferten Maßstäben der Kirche eine Seligsprechung gestattet.
Allerdings wären dazu auch eine Überprüfung der Schriften und die Feststellung „heroischer Tugend“ erforderlich. Zugute gehalten wird da Paul VI. vor allem, daß er mit seiner Enzyklika Humanae vitae dem Zeitgeist widerstanden hat.
Doch ansonsten folgte er irgendwelchen Ratgebern, zum Teil wider besseres Wissen. «Ein seliger Papst – ein unseliger Pontifikat» haben wir bei seiner Seligsprechung geschrieben.
Bei seiner Predigt am Fest der Apostel Petrus und Paulus 1972 sagte der Papst, «aus irgendeinem Spalt sei der Rauch des Satans in den Tempel Gottes eingedrungen.» Das kann als Bilanz seines Pontifikats betrachtet werden.

Binnen eines Menschenalters sind von den Päpsten von der Mitte des XIX. bis zur Wende des XX. Jahrhunderts fünf Päpste selig-, vier gar auch heiliggesprochen worden. Die großen Päpste dieser Zeit – Leo XIII., Pius XI., Pius XII. – sind nicht darunter.

Montag, 15. Oktober 2018