Mittwoch, 18. Februar 2026

Frohes Fasten!

Warum Ostereier? – und einiges, was man sonst über die Fastenzeit wissen möchte

Freitag, 13. Februar 2026

Antiphonen und Antwortgesänge – Hinweise für Kirchenmusiker

Das Wissen, was eine Antiphon ist, war in den sechziger Jahren im Kirchenvolk nicht mehr allgemein verbreitet. In den Gebetbüchern fand sich zwar die Sonntags-Vesper mit ihren Antiphonen, doch die Bezeichnung „Antiphon“ stand nirgends dabei.
Als dann der Gesang des Stundengebets wieder mehr in die Gemeinden gebracht werden sollte, wurde eine Menge neuer deutscher Antiphonen ins neue Gesangbuch, das GL, gesetzt. Darunter sind eindrückliche Kompositionen, so die Antiphon zum 21./22. Psalm (176.2; 715.1 / 293). Viele dieser Antiphonen aber waren so, daß sie Anlaß gaben zu dem Spruch: «Hier ein Tönchen, da ein Tönchen; fertig ist ein Antiphönchen.»
Zum antiphonalen Psalmgesang gehört eine Regel: jeder Vers enthält eine Mediatio, die gekennzeichnet ist durch eine melodische Formel und die mit einer Pause verbunden ist; diese Pause soll etwa so lang sein wie zwei Töne. Nun hat sich in vielen Pfarrgemeinden, in denen Stundengebet gesungen wird, die Vorstellung ausgebreitet, diese Pause müsse richtig lang sein, müsse wehtun – und das läßt sich besonders gut erreichen, wenn die begleitende Orgel hart aufhört, um dann gleich ebenso hart wieder einzusetzen.
Doch das ist nicht die gute Form antiphonalen Gesangs. Beim Stundengebet von Klöstern, in denen man dieses Gesangs kundig ist, kann man hören, daß diese Pause so abgemessen ist, daß sie hörbar ist und doch nicht weh tut.
Auf die Lesungen folgt je ein Antwortgesang, das Graduale. Das ist ein Responsorium. Responsorien unterscheiden sich deutlich von antiphonalen Gesängen. Während beim antiphonalen Gesang die Verse abwechselnd von zwei Halbchören gesungen werden, werden sie bei einem Responsorium von einem Kantor gesungen. Das ermöglicht eine reichere Melodie. Eine ausgeprägte Pause bei der Mediatio kennen die Verse eines Responsoriums nicht.
Das Wort „Responsorium“ hat doppelte Bedeutung: es bezeichnet das eigentliche Responsorium, einen Kehrvers, ebenso wie den Gesang dieses Kehrverses mit den weiteren Versen als Ganzes. Zu Anfang des Responsoriums wird dieser Kehrvers vom Kantor gesungen und dann von der Gemeinde wiederholt, dann wieder (möglichst) nach jedem Vers wiederholt.
Die Antiphon dagegen muß nur am Ende gesungen werden, wird in der Regel auch (einmal!) am Anfang gesungen, gelegentlich auch zwischen einzelnen Versen, aber immer nur vom Chor.
Ein antiphonaler Psalm schließt in der Regel mit einem Ehre sei (natürlich vor der Antiphon). Ein Responsorium dagegen hat diesen Schluß nur in besonderen Fällen; der Antwortpsalm der Messe hat ihn niemals.
Das GL bietet leider keine Responsorien außer den Kurzresponsorien fürs Stundengebet, die musikalisch ungleich simpler sind als die Gradualia der Messe. Eine Ausnahme bilden nur die Alleluja (Alleluja ist der Kehrvers fürs Responsorium vor dem Evangelium), die hier freilich auch musikalisch sehr simpel sind.
Was also tun, wenn die Kehrverse der Responsorien vom Volk gesungen werden sollen?
Üblich ist dann, einfach eine Antiphon als Kehrvers zu nehmen; die Gesangsweise für die Verse des Responsoriums findet der Kirchenmusiker in seinen Büchern. Hat er das betreffende Buch nicht vor sich liegen, so ist es eine extreme Notlösung, statt dessen die simple Melodie des antiphonalen Psalms zu verwenden. Eine ausgeprägte Pause darf bei den Versen des Graduale nicht eingelegt werden.
Ganz barbarisch aber ist es, hier eine Pause einzulegen, die wehtut.

Samstag, 7. Februar 2026

Der Sinn der immer gleichen Gebete

Der evangelische Theologe, Wilhelm Stählin, dem wir einige Beiträge widmen, kam aus dem „liberalen“ Zweig der evangelischen Kirche; lange noch hat er den inneren Harnack nicht überwunden. Verständnis für Liturgie konnte er so kaum mitbringen. Daß er es doch entwickelt hat, verdankte er nicht zuletzt Erlebnissen und Begegnungen in der Anglikanischen Kirche.

Samstag, 31. Januar 2026

Ein evangelischer Jugendchor

Nach längerer Zeit hat die Chronik von Orietur Occidens die Reihe „Liturgisches von einem evangelischen Theologen“, Wilhelm Stählin nämlich, wieder aufgenommen.
Was er vom (evangelischen!) Jugendchor seiner Pfarrstelle in Osternburg berichtet, würde wohl jedem katholischen Jugendchor zur Ehre gereichen.

Samstag, 17. Januar 2026

Der heilige Paulus von Theben – hat es ihn gegeben?

Heute ist das Fest des heiligen Antonius. Wohl die berühmteste Geschichte aus seinem Leben ist die seiner Begegnung mit dem heiligen Paulus von Theben, dessen Fest, je nach Kalender, vorgestern oder vor einer Woche begangen wurde. Diese Begegnung aber ist nicht in der Vita Antonii des heiligen Athanasios zu finden, sondern nur in der Vita Pauli primi eremitae des heiligen Hieronymus.
Überhaupt ist die Lebensgeschichte des heiligen Paulus von Theben nur von Hieronymus überliefert. Der Schluß der Wikipedia daraus: „Die tatsächliche, geschichtliche Persönlichkeit des Paulus von Theben ist mehr als zweifelhaft. Es wird davon ausgegangen, dass Hieronymus mit seiner Geschichte eher daran gelegen war, sein literarisches Talent herauszustellen und der Vita Antonii des Athanasios einen Gegenentwurf für die christliche Heiligenlegende zur Seite zu stellen und mit der Darstellung eines älteren Wüstenheiligen zu übertreffen.“
Wenn dem so wäre: was wäre da geschehen?
Die Vita Pauli hat Hieronymus um 376 (Wikipedia) geschrieben. Daraufhin hätten fromme Leute in Ägypten eilends eine Grabstätte ausgesucht, die sie ihm zuschreiben konnten, und darüber das Pauluskloster (Deir Mari Bolos) errichtet, das auf die Mitte des IV. Jahrhunderts datiert wird – also: die Zeit war sehr knapp, um nach der Veröffentlichung der Vita noch in der Jahrhundertmitte (im weitesten Sinne) das Kloster zu bauen.
Der heilige Paulus von Theben wird in der koptischen Kirche verehrt, in der byzantinischen, der syro-antiochenischen. In der armenischen wird sein Name sogar im Hochgebet genannt. Welch große Wirkung dieser Schrift des heiligen Hieronymus.
In Wirklichkeit ist der heilige Hieronymus im Osten recht wenig bekannt. In den Diptychen von Jerusalem aus dem XII. Jahrhundert, die F. E. Brightman (Liturgies / Eastern and Western) als Appendix H veröffentlicht hat, finden sich die heiligen Ambrosius und Augustinus, nicht aber Hieronymus. Und natürlich steht da der heilige Paulus von Theben.
Der heilige Hieronymus hat lange Zeit in Bethlehem gelebt; doch nahm man ihn (der lateinisch schrieb, nicht griechisch) dort nicht als so wichtig war, daß er in die Diptychen des benachbarten Jerusalem eingedrungen wäre. Die von ihm verfaßte Vita eines von ihm frei erfundenen Heiligen aber hätte schnellstens dazu geführt, daß dieser Heilige im Orient und auch in Ägypten hoch verehrt wurde, ihm ein Grab zugeschrieben wurde?
Das Zeugnis der koptischen Kirche und der orientalischen Kirchen ist zwingend: den heiligen Paulus von Theben hat es gegeben. Wieweit seine Vita historisch ist, wieweit durch die frühe Überlieferung und dann durch den heiligen Hieronymus ausgeschmückt, ist heute nicht mehr zu klären.

Dienstag, 13. Januar 2026

Veröffentlichung der Ostertermine

Im Decretum Gelasii gehörte die Oktav der Epiphanie zu den gebotenen Feiertagen. Deren Antiphonen allerdings, die dem Gedächtnis der Taufe des Herrn galten, sind schon im Brevier Pius’ V. verschwunden, durch die Antiphonen vom Fest der Epiphanie selbst ersetzt. Nach der weitreichenden Verminderung der gebotenen Feiertage im XIX. Jahrhundert zählte dieser Oktavtag nicht einmal mehr zu den Festa suppressa. Die Reform von 1956 beseitigte sogar die Oktav von Epiphanie, doch dieser Tag blieb als Fest bestehen: als Gedächtnis der Taufe des Herrn. Auch der Konzils-Ordo hat ihn beibehalten; doch vom Novus Ordo wurde er auf den Sonntag nach Epiphanie verlegt.
Doch uns gelte dieser Oktavtag noch, um zu Epiphanie (etwas verspätet freilich) die Ostertermine zu veröffentlichen.

Freitag, 9. Januar 2026

Wetterbericht

Qui dat nivem sicut lanam,
nebulam sicut cinerem spargit.
Mittit cristallum suum sicut buccellas;
ante faciem frigoris eius quis sustinebit?

Samstag, 3. Januar 2026

Das Canticum Benedictus
– eine Anfrage an die Musiker –

Aus der altgallikanischen Liturgie ist überliefert, daß nach der Epistel das Benedictus (Dan. 3, 52-56) gesungen wurde.
In der römischen Liturgie wird dieses Canticum am Quatembersamstag vor Oration und Epistel gesungen. Die Frage ist, ob der Gesang dieses Canticum an diesen beiden Stellen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgeht oder ob dieser Gesang in Rom aus der altgallikanischen Liturgie übernommen wurde.
Lange habe ich gemeint, daß es ein gemeinsamer Ursprung sei; doch nun erscheinen mir die Belege überzeugend, daß der römische Gesang aus dem altgallikanischen übernommen wurde.
In den ältesten Belegen für die Liturgie des Quatembersamstags erscheinen die Daniel-Lesung und das Canticum noch nicht.
Sodann: ein Graduale in der römischen Liturgie – dessen Stelle das Canticum hier vertritt –, enthält niemals ein Gloria Patri
Gloria Patri
. Hier aber erscheint es; es widerspricht also den Gesetzen des römischen Ritus.
Außerdem: die Cantica aus Daniel enthalten im römischen und ebenso im byzantinischen Ritus niemals ein Gloria Patri, sondern stattdessen steht da – sowohl im Benedicite der Laudes als auch in den Benedictus-Versen in den Preces der Komplet (R.B. c. XVII) – Benedicamus Patrem.
N.B.: Benedicamus Patrem et Filium cum Sancto Spiritu * laudemus et superexaltemus eum in sæcula – eine schöne Darstellung der Dreifaltigkeit.
Aber auch die Gesangsweise wirkt wenig gregorianisch. Ist sie altgallikanisch?

Zum Vergleich:
Das Credo wurde in Rom nicht gesungen, bis es 1014 auf Wunsch von Kaiser Heinrich II. dort eingeführt wurde, mit dem Filioque, das zuvor in Rom nicht gebräuchlich war. Die erste musikalische Gestalt des Credo war in Rom wohl das heutige Credo I. Woher kommt es?
Zur uns bekannten Form der altgallikanischen Liturgie gehörte kein Credo, wohl aber zur visigothischen (moçarabischen), die mit ihr nahverwandt war (Missale Gothicum heißt eines der wichtigsten Dokumente der altgallikanischen Liturgie). Kam das Credo I etwa dorther? Oder von den Iren? Leider wissen wir ganz wenig von der keltischen Liturgie.
Klar scheint, daß es im gallikanisch-gothisch-fränkischen Raum entstanden ist. Darum also die Frage an die Musiker:
Läßt sich ein musikalischer Stil erkennen, der das Benedictus (iij puerorum) mit dem Credo I verbindet und somit ein letztes Zeugnis wäre des vorgregorianischen Kirchengesangs im gallikanisch-fränkischen Raum?