Samstag, 18. August 2018

Schönheit und Ideologie

Ein Interview (von Alem Grabovac) mit Stephan Trüby, einem Professor für Architektur und Kulturtheorie und Direktor des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen der Universität Stuttgart, dessen «Onkel die meisten katholischen Kirchen Deutschlands gebaut hat, viele davon im brutalistischen Stil» (die Identität dieses Onkels konnte ich nicht auf die Schnelle klären).
Seine Meinung: für die Rekonstruktion historischer Gebäude und Altstädte setzen sich besonders häufig Rechtsradikale ein, darum «sollten [wir] ganz genau beobachten, mit wem wir da eigentlich Stadtpolitik betreiben. Und dafür wäre ein Rekonstruktions-Watch wichtig.»
Das heißt letztlich, die Wiederherstellung historischer Gebäude und Altstädte sei wegen der Beteiligung von Rechtsradikalen anrüchig, darum sollte man sie ihnen ganz überlassen – anstatt daß kulturell engagierte Bürger sich für die Wiederherstellung alles Wiederherstellenswerten so einsetzen, daß Rechtsradikalen dort kein Raum bleibt, sich hervorzutun.
Entblößend ist seine Antwort auf die Frage: «(in einem brutalistischen Betonhochhaus) Können Sie verstehen, dass viele Menschen solche Gebäude hässlich finden?» Der Professor: «Schönheit oder Hässlichkeit sind Begriffe, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Sobald etwas hundert Jahre alt ist, finden wir es schön. Da setzt dann automatisch ein Romantisierungsprozess ein.»
Abgesehen davon, daß längst nicht alles Frühere uns schön erscheint, von den Häßlichkeiten der alten Zeit aber eben nicht so vieles erhalten worden ist: die berechtigte Aussage, Schönheit oder Hässlichkeit seien Begriffe, die von der Wissenschaft noch nicht wirklich verstanden sind, formuliert er so um, daß es klingt, als sei Schönheit bedeutungslos. Nur: wenn dem so wäre, wozu brauchte man dann noch Professoren für Architektur und Kulturtheorie und Institute für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen? Bauingenieure, die für Statik und Benutzbarkeit einstünden, würden ausreichen.

Darum, den Begriff der Schönheit zu verstehen, haben wir uns bereits unter dem Patrocinium der heiligen Ewald & Ewald bemüht (und weiteres entdeckt).

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