Mittwoch, 7. Oktober 2020

Abenteuer bei der Lektüre von katholisch.de

Der Regens des Limburger Priesterseminars hat eine Predigt gehalten, in der er auf breiter Front die Lehre der Kirche angreift. Eine Pfarrei hat sie auf Facebook veröffentlicht mit dem Kommentar «Eine beeindruckende Predigt», und katholisch.de berichtet darüber ohne (wen wundert es?) jedwede Distanz.
Nichts darin ist neu oder gar originell; dennoch seien ihr (zitiert aus katholisch.de) einige Bemerkungen gewidmet:
«.. Menschen, die nach einer Scheidung in einer neuen Beziehung leben: „Die beiden wollen nicht heiraten, sie wollen einen Segen. Ich darf nicht zu ihnen sagen: So ist es gut.“» – In der Tat nicht, denn, wenn es eine sexuelle Beziehung ist, so ist es nicht gut; das lehrt nicht nur die Kirche von heute, sondern schon das Evangelium (Matth. 5, 31 f.). («Es gibt hierzulande zwei Ansätze, gegen die Krise der Kirche anzugehen; der eine: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet – der andere: Weniger Christus, mehr Welt», hatten wir einmal geschrieben.)
«.. eines gleichgeschlechtlichen Paares, das sich in einer Gemeinde in vielfältiger Weise engagiert: „Segnen darf ich sie nicht.“» – Doch, er darf sie segnen, nur eben die einzelnen Menschen, nicht ihre Verbindung.
«Theologen, die für das Weiheamt der Frau argumentieren, würden mundtot gemacht.» – Wir erleben es Tag für Tag, daß diese Leute keineswegs mundtot sind; aber die Kirche darf natürlich Theologen, die gegen ihre Lehre reden, in der Kirche nicht das Wort geben.

In einem anderen Artikel wird dagegen raisonniert, daß Laien nicht in der Messe predigen dürfen. Nun, ich etwa könnte zu einem Lesungstext sinnvolle Dinge sagen, sinnvollere als manche Priester und Diakone; nur: ich habe nicht die Autorität dazu, daß als offizielle Verkündigung zu tun. Diese Autorität haben Priester und Diakone durch die Weihe, sie kommt vom Herrn, könnte mir also auch nicht durch eine Sondererlaubnis von einem Amtsträger gegeben werden.
«Zudem kommt es nicht selten zu der kuriosen Situation, dass ein Priester sich bei seiner Homilie einer publizierten Predigtvorlage eines Laien bedienen kann, dieser Laie dieselbe Homilie aber nicht vortragen darf.» – Das ist nicht kurios: wenn der Priester den Text des Laien für gut befindet, ihn sich zu eigen macht und vorträgt, dann ist es nicht mehr der Text des Laien, sondern der des Priesters (das geistige Urheberrecht spielt hierfür keine Rolle).
Grundlegender noch:
«„Wir müssen überlegen, was die Predigt ist, was sie soll und welche Kompetenz man für sie benötigt – unabhängig davon, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist.“ Auch Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hat bereits laut darüber nachgedacht, ob nicht auch begabte Nichttheologen in der Heiligen Messe die Heilige Schrift auslegen könnten.» – In der Tat sollte das überlegt werden; die Antwort: die Predigt ist nicht nur die Mitteilung von Inhalten, sondern Teil der Liturgie. Die Liturgie aber steht unter einem Gesetz, das die Tradition der ganzen Kirche festhält: die liturgische Funktion der Predigt kommt nur dem Priester oder Diakon zu; in den orthodoxen Kirchen ist es ebenso.

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