Samstag, 23. Mai 2009
Hintergründe - Abgründe?
Kardinal Lehmanns Weigerung, den Hessischen Kulturpreis anzunehmen, könnte doch nicht nur auf eine zu flüchtige Lektüre zurückzuführen sein: Lesen Sie hier.
Nachrichten aus einem fernen Land
Wieder einmal habe ich eine e-Oase erreicht und nutze die Gelegenheit, bevor ich wieder durch die e-Wüste pilgern muß, auf einen Erlebnisbericht aus Obersachsen hinzuweisen.
Sonntag, 17. Mai 2009
Der Papst im deutschen Fernsehen
Eine aufschlußreiche Analyse der Darstellung und Bewertung der Papstreise ins Heilige Land durch das deutsche Fernsehen findet sich hier.
Samstag, 9. Mai 2009
Freitag, 8. Mai 2009
Donnerstag, 7. Mai 2009
Sonntag, 3. Mai 2009
Mehr Mut zur Unzeitgemäßheit
Was Prof. Norbert Bolz, Medientheoretiker an der TU Berlin, ein Außenstehener und "religiös Unmusikalischer", über Pro Reli und die Piusbriderschaft sagt, und was er der Kirche rät, lesen Sie hier.
Samstag, 2. Mai 2009
Die Hungernden der Welt
In der tageszeitung ist zu lesen, das die Agrarminister der G8-Staaten die Zahl der Hungernden bis 2015 halbieren wollen. Zugleich sprechen sie sich entschieden für Liberalisierung des Welthandels aus, verpflichteten sich, die Öffnung der Märkte zu unterstützen und jeden Protektionismus abzulehnen. Hoffen sie, daß dank dieser Maßnahmen die Hälfte der heute hungernden Menschen bis 2015 verhungern wird?
Siehe auch: Den Welthandel gestalten
Siehe auch: Den Welthandel gestalten
Mittwoch, 29. April 2009
Montag, 27. April 2009
Was heißt "Das Zweite Vaticanum annehmen"?
Von Robert Spaemann
Nur eine Hermeneutik des Konzils kann die künftigen Gespräche der katholischen Kirche mit den Traditionalisten fruchtbar machen
Der Erfolg künftiger Gespräche mit der Pius-Bruderschaft hängt weitgehend davon ab, ob sich die Parteien über das Zweite Vatikanum verständigen können. Die Fragen sind nicht neu: Auch nach der Abspaltung der Lefèvbrianer hat die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei die strittigen Punkte mit den traditionsverbundenen Gläubigen diskutiert. Doch was ist darunter zu verstehen, dass jemand uneingeschränkt auf dem Boden des Konzils stehen soll? Die Forderung nach vollständiger Anerkennung aller Konzilstexte wird auch erhoben von Menschen, die für ihren Teil weit entfernt davon sind, dieser Forderung zu entsprechen. Der folgende Beitrag beleuchtet dieses Dilemma.
Mitglieder der Pius-Bruderschaft, denen es ernst ist mit dem Willen zur Versöhnung, werden zwei Probleme haben. Das erste betrifft die Liturgie. Erzbischof Lefèbvre weigerte sich, die Messe nach den Büchern Pauls VI. zu feiern. Dass die Neue Messe die „Messe des Konzils“ sei, diese Behauptung wird durch häufige Wiederholung nicht wahrer. Als Messe des Konzils, als Verwirklichung der Konzilsbeschlüsse hat der damalige Kardinalstaatssekretär das Missale von 1965 präsentiert, das wenige Jahre danach in der Versenkung verschwand und 1970 durch den „Novus Ordo Missae“ ersetzt wurde. Dieser neue Messritus und mehr noch die gegenwärtige tatsächliche Messpraxis stehen in offenkundigem Widerspruch zu mehreren Forderungen der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanum, der ja übrigens auch Erzbischof Lefèbvre zugestimmt hatte.
Dennoch, der Ritus Pauls VI. ist durch den legitimen Gesetzgeber eingeführt, und an seiner Rechtmäßigkeit und Gültigkeit kann kein Zweifel bestehen. Schon Johannes Paul II. aber hatte das Verbot der alten Messe zurückgenommen (von dem Benedikt XVI sagt, es habe nie wirklich bestanden) und die Bischöfe dringend gebeten, den Gläubigen „großherzig“ entgegenzukommen, die sich dem alten Ritus verbunden fühlten. Da Großherzigkeit in der Folge sich leider nicht einstellen wollte, entsprach Benedikt XVI. der bereits vor Jahren präsentierten Petition von 70 000 der Pius-Bruderschaft nicht verbundenen Katholiken, gab allen darum bittenden Gläubigen einen Rechtsanspruch auf Messfeiern im nun offiziell legitimierten „außerordentlichen Usus“ des römischen Ritus und jedem katholischen Priester das Recht, ohne irgendeine weitere Genehmigung die heilige Messe in der alten Form zu feiern. Er selbst hatte als Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation wenigstens zweimal im alten Ritus zelebriert, davon einmal das Osterhochamt im Kreis der Petrusbruderschaft in Wigratzbad und einmal auf einer Jahrestagung der Laienvereinigung Pro Missa Tridentina. Seine jetzige Entscheidung traf er aus eigener Überzeugung – motu proprio –, erfüllte aber damit zugleich eine der beiden Bedingungen, an die die Pius-Bruderschaft ihre Dialogbereitschaft geknüpft hatte.
Zur Kirche gehören und die Papstmesse ablehnen? Nein!
Das Problem, das die Bruderschaft nach wie vor hat, ist die Anerkennung der Gültigkeit und Legitimität der „neuen Messe“. Was sie im Gegensatz zu ihrer gegenwärtigen Praxis zweifellos wird anerkennen müssen, ist, dass jeder Katholik seine „Sonntagspflicht“ erfüllt, wenn er der Messe im neuen Ritus beiwohnt, vorausgesetzt, dass diese tatsächlich nach den Büchern der Kirche gefeiert wird. Auch weitere Akte der Anerkennung können verlangt werden, so zum Beispiel die Benutzung der konsekrierten Hostien im Tabernakel, die aus einer Messfeier im Novus Ordo stammen oder auch den Kommunionempfang in der Messe des Ortsbischofs. Absurd ist der Gedanke, es könnte jemand der katholischen Kirche angehören, es aber ablehnen, beim Papst zur Messe zu gehen und aus seiner Hand die Kommunion zu empfangen. Das muss der Bruderschaft klar sein. Nicht verlangt werden kann die Konzelebration, was das Konzil ausdrücklich betont.
Die Forderung nach „vollständiger Annahme aller Konzilstexte“ hört sich allerdings seltsam an aus dem Munde von Priestern, die ihrer Verachtung des außerordentlichen Gebrauchs, also der alten Messe, offen Ausdruck geben. So, um nur ein Beispiel zu nennen, ein Prälat, Stadtdekan und Dompfarrer, der auf die Frage eines Gläubigen, ob er nicht auch einmal das erste Hochgebet, den römischen Kanon, benutzen könne, antwortete: „Den fasse ich nicht einmal mit der Beißzange an“. Dazu muss man wissen, dass das Trienter Konzil jeden mit der Exkommunikation belegt hat, der diesem Hochgebet irgendeine Mangelhaftigkeit vorwirft.
Die zweite Bedingung der Bruderschaft, die Aufhebung der Exkommunikation, erfüllte der Papst erst, als sie nicht mehr in der Form einer Bedingung vorgetragen wurde, sondern als demütige Bitte. Auch hat der Papst die damalige Exkommunikation nicht für ungültig von Anfang an erklärt, sondern sie nur ab sofort beendet.
In den künftigen Gesprächen wird eine Bedingung der Kirche an die Bruderschaft sein: „Annahme des Zweiten Vatikanischen Konzils“. So hat es Papst Benedikt XVI. in seinem Schreiben an den Weltepiskopat vom 10. März formuliert. Die Deutsche Bischofskonferenz, die hier von Rechts wegen überhaupt nichts zu erlauben oder zu verbieten hat, glaubte die Bedingungen für einen Dialog noch verschärfen zu müssen, indem sie von „vollständiger Annahme“ des Konzils spricht. Aber was heißt „Annahme“? Hier liegt das zweite Problem der Pius-Bruderschaft, allerdings auch das der meisten ihrer Gegner. Annahme kann heißen, das Konzil nicht wie eine Räubersynode behandeln und auf die Anklagebank zu setzen (wie es Lefèbvre getan hat), sondern es als rechtmäßiges, vom Papst einberufenes und präsidiertes Konzil anzuerkennen und damit seine Erklärungen, Konstitutionen und Dekrete als rechtmäßige Akte der höchsten kirchlichen Autorität zu respektieren.
„Vollständig annehmen“, das kann aber auch heißen, allen Beschlüssen des Konzils vollinhaltlich bedingungslos zustimmen. So klingt es in der Forderung an die Bruderschaft von der Deutschen Bischofskonferenz, und so wird es von vielen verstanden. Dieses Verständnis ist aber falsch. Wenn es richtig wäre, dann müsste ein großer Teil der heutigen katholischen Theologieprofessoren, aber auch der Bischöfe, exkommuniziert, aber zumindest suspendiert werden. Denn sie denken gar nicht an eine solche vollständige Annahme des Konzils, die sie von anderen verlangen. Hier wirft jemand aus dem Glashaus mit Steinen. Schon das Kleine Konzilskompendium von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler erteilt munter denjenigen Texten des Konzils Zensuren, die den eigenen theologischen Vorstellungen nicht entsprechen. Ich nenne im Folgenden einige Beispiele offenen Dissenses und Ungehorsams, die bisher niemals sanktioniert wurden.
1. Da gibt es zunächst die Leugnung von Glaubenssätzen, die im Zweiten Vatikanum wiederholt, aber bereits von früheren Konzilien definiert wurden, und zum festen Glaubensbestand der katholischen Kirche gehören: Die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes, die Lehre von der Gottheit Jesu Christi und von seiner jungfräulichen Empfängnis, der Charakter des Kreuzestodes Jesu als eines Opfers zur Vergebung der Sünden, der bereits in den Abendmahlsworten Jesu formuliert wird und im Zentrum der Verkündigung aller Apostel steht. Das Konzil benützt das Wort „Messopfer“ über zwanzigmal. Die Anwendung des „Gottesknechtsliedes“ des Propheten Jesaja auf Jesus ist ein Topos der christlichen Verkündigung schon in der Apostelgeschichte. Mit der Bestreitung dieser Deutung durch katholische Theologieprofessoren (darunter ein Guardini-Preisträger) und sogar Bischöfen wird natürlich auch die Deutung der Messe als einer Gegenwärtigsetzung des Opfers Christi und damit der Begriff des „Messopfers“ obsolet. Den Opfercharakter der Messe aber hat das Konzil von Trient zum Dogma erhoben. Und das Zweite Vatikanum benutzt den Ausdruck „Messopfer“ über zwanzigmal.
2. Das Zweite Vatikanum spricht von der Heilsnotwendigkeit der Kirche und der alleinigen Mittlerschaft Jesu Christi und formuliert: „Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen.“ Dass Christus, um den Heilsweg immer offenzuhalten, die höchste Autorität der Kirche mit der Gabe der Unfehlbarkeit in Glaubens- und Sittenlehren ausgestattet hat, wird ebenfalls vom Zweiten Vatikanum betont. Dessen ungeachtet wird eine Relativierung und ein skeptischer Pluralismus heute von einer bedeutenden Zahl von Theologen vertreten. Man kann nun so fortfahren.
3. Da ist der Zölibat der Priester, der als kostbare Gabe bezeichnet wird, um deren Erhaltung Priester und Gläubige dringlich und inständig beten sollen. Ist es ein unglücklicher Zufall, dass mir in den letzten vierzig Jahren ein Aufruf zu solchem inständigen Gebet geschweige denn ein gemeinsames Gebet in der Kirche in diesem Anliegen nie bekannt geworden ist?
4. Die tägliche Feier der heiligen Messe ist für Priester nicht mehr selbstverständlich. Mancherorts wird Priestern die Einzelzelebration unmöglich gemacht, während das Konzil schreibt, „dass die tägliche Feier des Werkes unserer Erlösung dringend empfohlen wird. Sie ist auch dann, wenn keine Gläubigen dabeisein können, ein Akt Christi und der Kirche.“ Wer von denen, die die „vollständige Annahme“ aller Konzilstexte verlangen, hat die hier erwähnten Texte jemals „angenommen“?
5. Und wenn im Dekret über die Priesterausbildung gesagt wird, die jungen Theologen sollten „mit dem Heiligen Thomas als Meister“ lernen, „in die Heilsgeheimnisse spekulativ tiefer einzudringen“, so ist doch auch dies offenkundig ein frommer Wunsch geblieben.
6. Als Probierstein für die Anerkennung des Zweiten Vatikanum wird häufig die Stellung zu dem Dekret über Kirche und Welt, Gaudium et spes, hervorgehoben. Einer der Sätze dieser Konstitution lautet: „Es ist den Kindern der Kirche nicht erlaubt, in der Geburtenregelung Wege zu beschreiten, die das Lehramt in Auslegung des göttlichen Gesetzes verwirft.“ In der Königsteiner Erklärung hat die Deutsche Bischofskonferenz bereits vor vielen Jahren das Gegenteil erklärt. Eine ähnliche Erklärung haben die österreichischen Bischöfe seinerzeit in Maria Trost abgegeben. Nur wenige Hirten haben bisher „den Sündenfall der Bischöfe“ (Kardinal Schönborn) öffentlich kritisiert. Viele Priester und Lehrer der Theologie lehnen den zitierten Satz des Konzils mit Entschiedenheit ab.
7. Das Konzil hat verboten, irgendeine liturgische Neuerung einzuführen, die nicht durch einen „sicher zu erwartenden“ geistlichen Nutzen gerechtfertigt sei. Es hat das Lateinische als die Sprache der römischen Liturgie bestätigt und nur für Teile der Messe – gedacht war an den Wortgottesdienst – den Gebrauch der Volkssprache ermöglicht. Es hat den gregorianischen Choral als den spezifischen Gesang der Kirche bezeichnet und gefordert, dass die Gläubigen die ihnen zukommenden lateinischen Texte entsprechend singen können. Es hat davon gesprochen, dass der Priester „an der Spitze des Gottesvolkes“ dessen Gebete vor Gott trägt, und nicht, dass er seine Gebetsrichtung umkehrt und dem Volk gegenübertritt. Dass der Priester in der Kommunion nicht Gastgeber, sondern erster Empfänger ist, der die Gabe weitergibt, die er empfangen hat, kommt in der kurzen Bestimmung zum Ausdruck, dass die Kommunion der Gläubigen nach der des Priesters stattfindet. Kein Konzilsvater wäre ferner auf die Idee gekommen, das Nizänische Glaubensbekenntnis, das uns mit allen katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen verbindet und das die evangelischen Konfirmanden bis heute auswendig lernen, zum Verschwinden zu bringen und durch das Apostolische zu ersetzen. Das aber ist geschehen. Dabei konnte früher jeder Katholik, der zur Messe ging, das große Credo auswendig. „Vollständige Annahme des Konzils“?
Die größte Schwierigkeit scheint die Pius-Bruderschaft zu haben mit dem Dekret über die Religionsfreiheit, das der Bruderschaft in seinem Kern der traditionellen Lehre der Kirche zu widersprechen scheint. Dass es sich um einen solchen Bruch handelt, darin sind sich die Bruderschaft und leidenschaftliche Verteidiger der neuen kirchlichen Lehre über die Religionsfreiheit wie Ernst Wolfgang Böckenförde einig. Für die einen ist dieser Bruch ein Argument für die Illegitimität der neuen These, für die anderen ein Argument gegen die Verbindlichkeit der Tradition. Tatsächlich haben es die Konzilsväter versäumt, das Verhältnis der Lehre dieses Dekrets zu der Tradition zu thematisieren. Lediglich in der Einleitung heißt es, dass die Lehre von der Religionsfreiheit „die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi unangetastet lasse“. Das heißt aber, dass jede Auslegung dieser neuen Lehre, die im Widerspruch zu diesem Satz steht, der Intention des Konzils widerspricht, falls man hier überhaupt von einer einheitlichen Intention sprechen kann. In diesem Falle also müssten alle Harmonisierungsbestrebungen unterstützt werden, wie sie vor allem in Frankreich mit Erfolg versucht worden sind (vor allem in der römischen Dissertation von Basil Valuet, Mönch der Abtei in Le Barroux, die den Titel trägt „Le droit à la liberté religieuse dans la tradition de léglise?“) Jedenfalls scheint die Bestreitung der traditionellen Lehre von „den Pflichten der Gesellschaft gegenüber der einzig wahren Kirche“ im Widerspruch zu dem nachfolgenden Konzilstext zu stehen. Nur eine „Hermeneutik des Konzils“ (Benedikt XVI.) kann hier weiterhelfen und zu einem Konsens führen. Der Dialog, der hier begonnen wird, wird mühsam sein. Im besten Fall wird er zu einer Vertiefung der kirchlichen Lehre von der bürgerlichen Freiheit öffentlicher Religionsausübung führen. Allerdings handelt es sich hier um einen Dissens ohne jede praktische Bedeutung.
Der religiös homogene Staat hat seinen Status als „societas perfecta“ längst verloren. Wir leben in einer multireligiösen Weltgesellschaft, wie Gorbatschow klar sah, als er der kommunistischen Partei erklärte, weltanschauliche Homogenität sei nicht mehr möglich. Für eine solche Gesellschaft gilt das von Pius XII. formulierte Toleranzprinzip. Die Situation ist vergleichbar der Aufhebung des anderthalb Jahrtausende alten Zinsverbots durch die Kirche, der sich damals zum Beispiel die Dominikaner leidenschaftlich widersetzten. Die Sache war nur die: Zins in einer neuzeitlichen Geldwirtschaft ist nicht mehr dasselbe wie der Zins, den ich nehme für eine Leihgabe an einen Bruder, der in einer Notlage ist.
Die Differenz zur Pius-Bruderschaft kann sich nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Warum der Religionsfreiheit drehen – Religionsfreiheit entweder personalistisch begründet oder aus den Erfordernissen des Gemeinwohls. Das Resultat ist dasselbe. Also ein folgenloser Prinzipienstreit. Aber für diesen gilt das Wort Wittgensteins: „Ein Rad, bei dessen Drehung sich nichts mitdreht, gehört nicht zur Maschine.
Der Erfolg der Gespräche mit der Pius-Bruderschaft ist keineswegs sicher. Diesen von vornherein als „unwahrscheinlich“ zu bezeichnen, ist der Sache nicht angemessen. Wo es um das Wirken des Heiligen Geistes durch ein Versöhnungswerk geht, haben Christen nicht pessimistische oder optimistische Wahrscheinlichkeitskalküle anzustellen, sondern zu beten und ein Wunder zu erflehen. Der christliche Glaube ist Wunderglaube. Er vertraut auf das Wort des Herrn: „Wenn schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird euer himmlischer Vater den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten.“
Nur eine Hermeneutik des Konzils kann die künftigen Gespräche der katholischen Kirche mit den Traditionalisten fruchtbar machen
Der Erfolg künftiger Gespräche mit der Pius-Bruderschaft hängt weitgehend davon ab, ob sich die Parteien über das Zweite Vatikanum verständigen können. Die Fragen sind nicht neu: Auch nach der Abspaltung der Lefèvbrianer hat die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei die strittigen Punkte mit den traditionsverbundenen Gläubigen diskutiert. Doch was ist darunter zu verstehen, dass jemand uneingeschränkt auf dem Boden des Konzils stehen soll? Die Forderung nach vollständiger Anerkennung aller Konzilstexte wird auch erhoben von Menschen, die für ihren Teil weit entfernt davon sind, dieser Forderung zu entsprechen. Der folgende Beitrag beleuchtet dieses Dilemma.
Mitglieder der Pius-Bruderschaft, denen es ernst ist mit dem Willen zur Versöhnung, werden zwei Probleme haben. Das erste betrifft die Liturgie. Erzbischof Lefèbvre weigerte sich, die Messe nach den Büchern Pauls VI. zu feiern. Dass die Neue Messe die „Messe des Konzils“ sei, diese Behauptung wird durch häufige Wiederholung nicht wahrer. Als Messe des Konzils, als Verwirklichung der Konzilsbeschlüsse hat der damalige Kardinalstaatssekretär das Missale von 1965 präsentiert, das wenige Jahre danach in der Versenkung verschwand und 1970 durch den „Novus Ordo Missae“ ersetzt wurde. Dieser neue Messritus und mehr noch die gegenwärtige tatsächliche Messpraxis stehen in offenkundigem Widerspruch zu mehreren Forderungen der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanum, der ja übrigens auch Erzbischof Lefèbvre zugestimmt hatte.
Dennoch, der Ritus Pauls VI. ist durch den legitimen Gesetzgeber eingeführt, und an seiner Rechtmäßigkeit und Gültigkeit kann kein Zweifel bestehen. Schon Johannes Paul II. aber hatte das Verbot der alten Messe zurückgenommen (von dem Benedikt XVI sagt, es habe nie wirklich bestanden) und die Bischöfe dringend gebeten, den Gläubigen „großherzig“ entgegenzukommen, die sich dem alten Ritus verbunden fühlten. Da Großherzigkeit in der Folge sich leider nicht einstellen wollte, entsprach Benedikt XVI. der bereits vor Jahren präsentierten Petition von 70 000 der Pius-Bruderschaft nicht verbundenen Katholiken, gab allen darum bittenden Gläubigen einen Rechtsanspruch auf Messfeiern im nun offiziell legitimierten „außerordentlichen Usus“ des römischen Ritus und jedem katholischen Priester das Recht, ohne irgendeine weitere Genehmigung die heilige Messe in der alten Form zu feiern. Er selbst hatte als Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation wenigstens zweimal im alten Ritus zelebriert, davon einmal das Osterhochamt im Kreis der Petrusbruderschaft in Wigratzbad und einmal auf einer Jahrestagung der Laienvereinigung Pro Missa Tridentina. Seine jetzige Entscheidung traf er aus eigener Überzeugung – motu proprio –, erfüllte aber damit zugleich eine der beiden Bedingungen, an die die Pius-Bruderschaft ihre Dialogbereitschaft geknüpft hatte.
Zur Kirche gehören und die Papstmesse ablehnen? Nein!
Das Problem, das die Bruderschaft nach wie vor hat, ist die Anerkennung der Gültigkeit und Legitimität der „neuen Messe“. Was sie im Gegensatz zu ihrer gegenwärtigen Praxis zweifellos wird anerkennen müssen, ist, dass jeder Katholik seine „Sonntagspflicht“ erfüllt, wenn er der Messe im neuen Ritus beiwohnt, vorausgesetzt, dass diese tatsächlich nach den Büchern der Kirche gefeiert wird. Auch weitere Akte der Anerkennung können verlangt werden, so zum Beispiel die Benutzung der konsekrierten Hostien im Tabernakel, die aus einer Messfeier im Novus Ordo stammen oder auch den Kommunionempfang in der Messe des Ortsbischofs. Absurd ist der Gedanke, es könnte jemand der katholischen Kirche angehören, es aber ablehnen, beim Papst zur Messe zu gehen und aus seiner Hand die Kommunion zu empfangen. Das muss der Bruderschaft klar sein. Nicht verlangt werden kann die Konzelebration, was das Konzil ausdrücklich betont.
Die Forderung nach „vollständiger Annahme aller Konzilstexte“ hört sich allerdings seltsam an aus dem Munde von Priestern, die ihrer Verachtung des außerordentlichen Gebrauchs, also der alten Messe, offen Ausdruck geben. So, um nur ein Beispiel zu nennen, ein Prälat, Stadtdekan und Dompfarrer, der auf die Frage eines Gläubigen, ob er nicht auch einmal das erste Hochgebet, den römischen Kanon, benutzen könne, antwortete: „Den fasse ich nicht einmal mit der Beißzange an“. Dazu muss man wissen, dass das Trienter Konzil jeden mit der Exkommunikation belegt hat, der diesem Hochgebet irgendeine Mangelhaftigkeit vorwirft.
Die zweite Bedingung der Bruderschaft, die Aufhebung der Exkommunikation, erfüllte der Papst erst, als sie nicht mehr in der Form einer Bedingung vorgetragen wurde, sondern als demütige Bitte. Auch hat der Papst die damalige Exkommunikation nicht für ungültig von Anfang an erklärt, sondern sie nur ab sofort beendet.
In den künftigen Gesprächen wird eine Bedingung der Kirche an die Bruderschaft sein: „Annahme des Zweiten Vatikanischen Konzils“. So hat es Papst Benedikt XVI. in seinem Schreiben an den Weltepiskopat vom 10. März formuliert. Die Deutsche Bischofskonferenz, die hier von Rechts wegen überhaupt nichts zu erlauben oder zu verbieten hat, glaubte die Bedingungen für einen Dialog noch verschärfen zu müssen, indem sie von „vollständiger Annahme“ des Konzils spricht. Aber was heißt „Annahme“? Hier liegt das zweite Problem der Pius-Bruderschaft, allerdings auch das der meisten ihrer Gegner. Annahme kann heißen, das Konzil nicht wie eine Räubersynode behandeln und auf die Anklagebank zu setzen (wie es Lefèbvre getan hat), sondern es als rechtmäßiges, vom Papst einberufenes und präsidiertes Konzil anzuerkennen und damit seine Erklärungen, Konstitutionen und Dekrete als rechtmäßige Akte der höchsten kirchlichen Autorität zu respektieren.
„Vollständig annehmen“, das kann aber auch heißen, allen Beschlüssen des Konzils vollinhaltlich bedingungslos zustimmen. So klingt es in der Forderung an die Bruderschaft von der Deutschen Bischofskonferenz, und so wird es von vielen verstanden. Dieses Verständnis ist aber falsch. Wenn es richtig wäre, dann müsste ein großer Teil der heutigen katholischen Theologieprofessoren, aber auch der Bischöfe, exkommuniziert, aber zumindest suspendiert werden. Denn sie denken gar nicht an eine solche vollständige Annahme des Konzils, die sie von anderen verlangen. Hier wirft jemand aus dem Glashaus mit Steinen. Schon das Kleine Konzilskompendium von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler erteilt munter denjenigen Texten des Konzils Zensuren, die den eigenen theologischen Vorstellungen nicht entsprechen. Ich nenne im Folgenden einige Beispiele offenen Dissenses und Ungehorsams, die bisher niemals sanktioniert wurden.
1. Da gibt es zunächst die Leugnung von Glaubenssätzen, die im Zweiten Vatikanum wiederholt, aber bereits von früheren Konzilien definiert wurden, und zum festen Glaubensbestand der katholischen Kirche gehören: Die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes, die Lehre von der Gottheit Jesu Christi und von seiner jungfräulichen Empfängnis, der Charakter des Kreuzestodes Jesu als eines Opfers zur Vergebung der Sünden, der bereits in den Abendmahlsworten Jesu formuliert wird und im Zentrum der Verkündigung aller Apostel steht. Das Konzil benützt das Wort „Messopfer“ über zwanzigmal. Die Anwendung des „Gottesknechtsliedes“ des Propheten Jesaja auf Jesus ist ein Topos der christlichen Verkündigung schon in der Apostelgeschichte. Mit der Bestreitung dieser Deutung durch katholische Theologieprofessoren (darunter ein Guardini-Preisträger) und sogar Bischöfen wird natürlich auch die Deutung der Messe als einer Gegenwärtigsetzung des Opfers Christi und damit der Begriff des „Messopfers“ obsolet. Den Opfercharakter der Messe aber hat das Konzil von Trient zum Dogma erhoben. Und das Zweite Vatikanum benutzt den Ausdruck „Messopfer“ über zwanzigmal.
2. Das Zweite Vatikanum spricht von der Heilsnotwendigkeit der Kirche und der alleinigen Mittlerschaft Jesu Christi und formuliert: „Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen.“ Dass Christus, um den Heilsweg immer offenzuhalten, die höchste Autorität der Kirche mit der Gabe der Unfehlbarkeit in Glaubens- und Sittenlehren ausgestattet hat, wird ebenfalls vom Zweiten Vatikanum betont. Dessen ungeachtet wird eine Relativierung und ein skeptischer Pluralismus heute von einer bedeutenden Zahl von Theologen vertreten. Man kann nun so fortfahren.
3. Da ist der Zölibat der Priester, der als kostbare Gabe bezeichnet wird, um deren Erhaltung Priester und Gläubige dringlich und inständig beten sollen. Ist es ein unglücklicher Zufall, dass mir in den letzten vierzig Jahren ein Aufruf zu solchem inständigen Gebet geschweige denn ein gemeinsames Gebet in der Kirche in diesem Anliegen nie bekannt geworden ist?
4. Die tägliche Feier der heiligen Messe ist für Priester nicht mehr selbstverständlich. Mancherorts wird Priestern die Einzelzelebration unmöglich gemacht, während das Konzil schreibt, „dass die tägliche Feier des Werkes unserer Erlösung dringend empfohlen wird. Sie ist auch dann, wenn keine Gläubigen dabeisein können, ein Akt Christi und der Kirche.“ Wer von denen, die die „vollständige Annahme“ aller Konzilstexte verlangen, hat die hier erwähnten Texte jemals „angenommen“?
5. Und wenn im Dekret über die Priesterausbildung gesagt wird, die jungen Theologen sollten „mit dem Heiligen Thomas als Meister“ lernen, „in die Heilsgeheimnisse spekulativ tiefer einzudringen“, so ist doch auch dies offenkundig ein frommer Wunsch geblieben.
6. Als Probierstein für die Anerkennung des Zweiten Vatikanum wird häufig die Stellung zu dem Dekret über Kirche und Welt, Gaudium et spes, hervorgehoben. Einer der Sätze dieser Konstitution lautet: „Es ist den Kindern der Kirche nicht erlaubt, in der Geburtenregelung Wege zu beschreiten, die das Lehramt in Auslegung des göttlichen Gesetzes verwirft.“ In der Königsteiner Erklärung hat die Deutsche Bischofskonferenz bereits vor vielen Jahren das Gegenteil erklärt. Eine ähnliche Erklärung haben die österreichischen Bischöfe seinerzeit in Maria Trost abgegeben. Nur wenige Hirten haben bisher „den Sündenfall der Bischöfe“ (Kardinal Schönborn) öffentlich kritisiert. Viele Priester und Lehrer der Theologie lehnen den zitierten Satz des Konzils mit Entschiedenheit ab.
7. Das Konzil hat verboten, irgendeine liturgische Neuerung einzuführen, die nicht durch einen „sicher zu erwartenden“ geistlichen Nutzen gerechtfertigt sei. Es hat das Lateinische als die Sprache der römischen Liturgie bestätigt und nur für Teile der Messe – gedacht war an den Wortgottesdienst – den Gebrauch der Volkssprache ermöglicht. Es hat den gregorianischen Choral als den spezifischen Gesang der Kirche bezeichnet und gefordert, dass die Gläubigen die ihnen zukommenden lateinischen Texte entsprechend singen können. Es hat davon gesprochen, dass der Priester „an der Spitze des Gottesvolkes“ dessen Gebete vor Gott trägt, und nicht, dass er seine Gebetsrichtung umkehrt und dem Volk gegenübertritt. Dass der Priester in der Kommunion nicht Gastgeber, sondern erster Empfänger ist, der die Gabe weitergibt, die er empfangen hat, kommt in der kurzen Bestimmung zum Ausdruck, dass die Kommunion der Gläubigen nach der des Priesters stattfindet. Kein Konzilsvater wäre ferner auf die Idee gekommen, das Nizänische Glaubensbekenntnis, das uns mit allen katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen verbindet und das die evangelischen Konfirmanden bis heute auswendig lernen, zum Verschwinden zu bringen und durch das Apostolische zu ersetzen. Das aber ist geschehen. Dabei konnte früher jeder Katholik, der zur Messe ging, das große Credo auswendig. „Vollständige Annahme des Konzils“?
Die größte Schwierigkeit scheint die Pius-Bruderschaft zu haben mit dem Dekret über die Religionsfreiheit, das der Bruderschaft in seinem Kern der traditionellen Lehre der Kirche zu widersprechen scheint. Dass es sich um einen solchen Bruch handelt, darin sind sich die Bruderschaft und leidenschaftliche Verteidiger der neuen kirchlichen Lehre über die Religionsfreiheit wie Ernst Wolfgang Böckenförde einig. Für die einen ist dieser Bruch ein Argument für die Illegitimität der neuen These, für die anderen ein Argument gegen die Verbindlichkeit der Tradition. Tatsächlich haben es die Konzilsväter versäumt, das Verhältnis der Lehre dieses Dekrets zu der Tradition zu thematisieren. Lediglich in der Einleitung heißt es, dass die Lehre von der Religionsfreiheit „die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi unangetastet lasse“. Das heißt aber, dass jede Auslegung dieser neuen Lehre, die im Widerspruch zu diesem Satz steht, der Intention des Konzils widerspricht, falls man hier überhaupt von einer einheitlichen Intention sprechen kann. In diesem Falle also müssten alle Harmonisierungsbestrebungen unterstützt werden, wie sie vor allem in Frankreich mit Erfolg versucht worden sind (vor allem in der römischen Dissertation von Basil Valuet, Mönch der Abtei in Le Barroux, die den Titel trägt „Le droit à la liberté religieuse dans la tradition de léglise?“) Jedenfalls scheint die Bestreitung der traditionellen Lehre von „den Pflichten der Gesellschaft gegenüber der einzig wahren Kirche“ im Widerspruch zu dem nachfolgenden Konzilstext zu stehen. Nur eine „Hermeneutik des Konzils“ (Benedikt XVI.) kann hier weiterhelfen und zu einem Konsens führen. Der Dialog, der hier begonnen wird, wird mühsam sein. Im besten Fall wird er zu einer Vertiefung der kirchlichen Lehre von der bürgerlichen Freiheit öffentlicher Religionsausübung führen. Allerdings handelt es sich hier um einen Dissens ohne jede praktische Bedeutung.
Der religiös homogene Staat hat seinen Status als „societas perfecta“ längst verloren. Wir leben in einer multireligiösen Weltgesellschaft, wie Gorbatschow klar sah, als er der kommunistischen Partei erklärte, weltanschauliche Homogenität sei nicht mehr möglich. Für eine solche Gesellschaft gilt das von Pius XII. formulierte Toleranzprinzip. Die Situation ist vergleichbar der Aufhebung des anderthalb Jahrtausende alten Zinsverbots durch die Kirche, der sich damals zum Beispiel die Dominikaner leidenschaftlich widersetzten. Die Sache war nur die: Zins in einer neuzeitlichen Geldwirtschaft ist nicht mehr dasselbe wie der Zins, den ich nehme für eine Leihgabe an einen Bruder, der in einer Notlage ist.
Die Differenz zur Pius-Bruderschaft kann sich nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Warum der Religionsfreiheit drehen – Religionsfreiheit entweder personalistisch begründet oder aus den Erfordernissen des Gemeinwohls. Das Resultat ist dasselbe. Also ein folgenloser Prinzipienstreit. Aber für diesen gilt das Wort Wittgensteins: „Ein Rad, bei dessen Drehung sich nichts mitdreht, gehört nicht zur Maschine.
Der Erfolg der Gespräche mit der Pius-Bruderschaft ist keineswegs sicher. Diesen von vornherein als „unwahrscheinlich“ zu bezeichnen, ist der Sache nicht angemessen. Wo es um das Wirken des Heiligen Geistes durch ein Versöhnungswerk geht, haben Christen nicht pessimistische oder optimistische Wahrscheinlichkeitskalküle anzustellen, sondern zu beten und ein Wunder zu erflehen. Der christliche Glaube ist Wunderglaube. Er vertraut auf das Wort des Herrn: „Wenn schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird euer himmlischer Vater den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten.“
Freitag, 24. April 2009
JUDENMISSION - Gott ist kein Bigamist
von Robert Spaemann, 20. April 2009
„Komm, wir gehen für unser Volk“ sind die letzten überlieferten Worte der Philosophin und Karmeliternonne Edith Stein zu ihrer Schwester Rosa, als die beiden in Holland zum Transport nach Auschwitz abgeholt wurden. Das Wort wurde seither oft zitiert, aber in der Regel ohne Kenntnis, was das „für“ eigentlich meinte. Was es meinte, erfährt man aus dem Testament Edith Steins von 1939. Ihren gewaltsamen Tod vorausahnend, schreibt sie, sie gebe ihr Leben „zur Sühne für den Unglauben des jüdischen Volkes“.
Dazu muss man wissen, dass für Edith Stein die Konversion zum Christentum zugleich die Wiederentdeckung ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und eine tiefe Solidarisierung mit diesem bedeutete. Das Bekenntnis zu Jesus Christus war für sie (ebenso wie später für den nachmaligen Erzbischof von Paris, Kardinal Lustiger) die Erfüllung der jüdischen Bestimmung.
Alles falsch - erklärt uns nun, einige Jahre nach Kardinal Lehmann, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in einer Broschüre, die den Titel trägt: „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“. Kardinal Lehmann wollte die beiden genannten großen Gestalten christlicher Juden noch als Ausnahmen gelten lassen, während der normale Heilsweg der Juden (im Unterschied zu dem aller übrigen Menschen) nicht über Jesus gehe. Das ZdK geht den Weg konsequent zu Ende. Es gibt also danach nicht mehr, wie es die Apostel und mit ihnen die ganze christliche Tradition sahen, das eine Bundesvolk Israel, das sich in Christus nun für alle Völker öffnet und zur „Kirche aus Juden und Heiden“ wird.
Christliches Gebet für die Juden?
Die Kirche braucht angeblich die Juden nicht mehr. Sie ist zur Heidenkirche geworden und soll nun nichts anderes mehr sein wollen. Verschwinden muss nicht nur „Judenmission“, was immer das heißen mag, die Christen müssen auch aufhören, den Juden im Gebet das Beste zu erbitten, was jeder Christ seinem Nächsten erbitten kann: die Erkenntnis Jesu als seines Erlösers. Juden brauchen keinen Erlöser, lesen wir in der Broschüre. Das muss also wohl heißen, dass sie den „Gottesknecht“ des Propheten Jesaja an die Christen abgetreten haben, die ihre Deutung des Todes Jesu als eines erlösenden Sühnetodes vor allem dem Gottesknechtlied des Jesaja verdanken, das sie an jedem Karfreitag lesen und in dem es heißt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen, . . . auf dass wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt.“
Man muss den Anlass zu der Broschüre verstehen. Im Jahre 1989, als Reaktion auf die illegalen Priesterweihen des Erzbischofs Lefebvre und das damals entstandene Schisma, ersuchte Papst Johannes Paul II. die Bischöfe der Welt um großherziges Entgegenkommen gegenüber den Gläubigen, die um die Feier der Messe in der Form des Missale von Papst Johannes XXIII. aus dem Jahr 1962 baten. Diese „alte Messe“ enthielt am Karfreitag im Rahmen der großen Fürbitten auch ein Gebet für die Juden, an dem Johannes XXIII. nur eine kleine Korrektur vorgenommen hatte: Aus der Aufforderung, für die „untreuen Juden“ zu beten, wurde das Wort „untreu“ gestrichen. Das Gebet selbst blieb unverändert. Es enthält die (paulinische) Bitte um Wegnahme des „Schleiers von ihrem Herzen“, der sie hindert, in Jesus ihren Messias und Erlöser zu erkennen.
In Korrektur: die „alte Messe“
Man kann aus dem Text des Gebetes einen gewissen diskriminierenden Ton heraushören. Johannes Paul II. sah dennoch bei der Wiederzulassung der alten Messe keinen Grund, den Text zu ändern. Erst Benedikt XVI. ging in der Liberalisierung einen Schritt weiter und gab den Gläubigen einen Rechtsanspruch auf die Feier in der „außerordentlichen Form“. In diesem Zusammenhang formulierte er die Fürbitte für die Juden neu. Sie ist nun in einem brüderlichen Ton gehalten: „Lasst uns auch beten für die Juden, dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen.“ Die Formulierung macht die eschatologische Dimension der Bitte deutlich: Nach Paulus wird Gott sie spätestens erhören, wenn „die Fülle der zur Bekehrung berufenen Heiden (der Völker)“ eingetreten ist.
Dass ausgerechnet diese ganz und gar israelfreundliche Korrektur eine breite publizistische Kritik auslöste, der sich sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und - natürlich - das Zentralkomitee der deutschen Katholiken anschloss, ist schwer begreiflich. Gegen Johannes XXIII. und gegen Johannes Paul II. wurde eine solche Kritik wegen ihres Festhaltens am früheren Text nie erhoben. Was die Kritiker nun fordern, ist die Ersetzung des Gebetes in der „alten Messe“ durch das Fürbittgebet der neuen Liturgie Pauls VI. - und zwar deshalb, weil in diesem Gebet der Name Jesus gar nicht mehr vorkommt. Das soll den Text auch für Juden akzeptabel machen, an die doch diese Bitte gar nicht gerichtet ist und die für sie auch nicht verantwortlich sind.
Dass es absurd ist, Papst Benedikt XVI. dieses Gebet vorzuwerfen, schrieb bereits vor einem Jahr der hochangesehene New Yorker Rabbiner Jacob Neusner, der darauf hinwies, dass doch die Juden selbst in ihrer Liturgie täglich für die Bekehrung aller Nichtjuden beten. „So wenig wie das Christentum und der Islam Anstoß am israelitischen Gebet nehmen, sollte auch das heilige Israel keinen Einwand gegen das katholische Gebet erheben. Beide Gebete . . . erfassen die Logik des Monotheismus und seine eschatologische Hoffnung.“
Dialog oder Mission?
Die Thesen der von Juden und Christen gemeinsam verfassten Broschüre sind, kurz gefasst, folgende. Erstens: Die Karfreitagsbitte legt es nahe, dass die Kirche „Judenmission“ für möglich hält, wie sie heute zum Beispiel von den „messianischen Juden“ in Israel praktiziert wird. Zweitens: Versuche, Juden von der Messianität Jesu zu überzeugen, sind zu missbilligen. Es gibt keinen Auftrag Jesu, Juden zum Glauben an ihn und zur Taufe zu bewegen. Drittens: Es gibt eine mit anderen interreligiösen Beziehungen unvergleichbare Beziehung zwischen Christentum und Judentum. Beide beruhen auf göttlicher Offenbarung. Bezüglich des Alten Testaments glauben das beide; bezüglich des Neuen nur die Christen selbst.
Viertens: Neben dem „Bundesvolk“ Israel gibt es nach christlichem Glauben ein zweites, das Volk Gottes aus den Völkern, das heißt den Nichtjuden. Der neue Bund ersetzt nicht den alten, sondern tritt als ein zweiter Bund neben diesen. Fünftens: Beide sind vollgültige, von Gott gewollte Heilswege. Für Juden gibt es keinen Grund, an Jesus zu glauben und sich taufen zu lassen. Sechstens: Die Vereinigung beider Wege mag, wie Paulus denkt, am Ende der Zeiten geschehen. Bis dahin sollen sie getrennt bleiben. Die Erwartung von Christen, dass Juden schon heute Jesus als den Christus, das heißt den Messias anerkennen, würde „die Basis für den katholisch-jüdischen Dialog zerstören“. Siebtens: Dialog zwischen Juden und Christen soll stattfinden. Christen sollen in diesem Dialog ihren Glauben bezeugen, aber ohne den Partner von der Wahrheit dieses Glaubens überzeugen zu wollen, denn das wäre „Mission“ und deshalb verwerflich.
Nur ein Volk Gottes
Man muss sich klarmachen, dass die Annahme der meisten dieser Thesen einen Bruch mit dem Selbstverständnis der Kirche seit den Tagen der Apostel bedeuten würde. Ich für meinen Teil könnte dieser Kirche nicht mehr angehören. Denn seit dem sogenannten Apostelkonzil versteht sich die Kirche als Kirche aus Juden und Heiden seit Jesus, wie Paulus schreibt, durch sein Kreuz den Zaun zwischen Juden und Heiden niedergerissen hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mit dem Verschwinden des Judenchristentums als eigener Gruppe in der Kirche unter dem Druck von Byzanz und dem Islam die christliche Kirche phänotypisch zur Heidenkirche geworden ist.
Das ist aber für Christen nicht, wie die Broschüre suggeriert, ein Idealzustand. Die israelischen Judenchristen dringen auf eine Wiederherstellung der „ecclesia ex circumcisione“. Das Zweite Vatikanische Konzil, so heißt es in der Broschüre, „bekennt . . ., dass die Kirche mit dem Stamm Abrahams geistlich verbunden“ ist. Die katholische Liturgie (sowohl in der alten wie in der neuen Form) geht aber weit darüber hinaus. Sie spricht nicht von Verbundenheit, sondern von Identität. In der Osternacht, der Taufnacht, spricht sie davon, dass in dieser Nacht Gott „unsere Väter, die Kinder Israels“, trockenen Fußes durch das Rote Meer geführt hat. Sie dankt Gott, dass er durch die Taufe „den Abraham zum Stammvater vieler Völker macht“, und wenn sie bittet, dass die Fülle der ganzen Welt Teil gewinne „an der Kindschaft Abrahams und an der Würde Israels“, dann wirkt das, was das Konzil hierzu zu sagen hat, eher blass. Jedenfalls ist der Gedanke von zwei Bundesvölkern dem Neuen Testament vollkommen fremd. Es gibt nur das eine Volk Gottes, dessen „geborene Mitglieder“ die Juden und dessen adoptierte Mitglieder die Heiden sind.
Plätze für Juden freihalten
Dieses Volk Gottes wird von Paulus mit dem Ölbaum verglichen, dem die Heiden als wilde Schösslinge eingepfropft werden, während die Juden die „natürlichen Zweige“ sind, über die die Heidenchristen sich nicht erheben dürfen. Die Erklärung zitiert diese Stelle auch, aber ohne den Kontext. Paulus sieht nämlich in dem „Unglauben“ der Juden die historische Voraussetzung für die Berufung der Heiden und bezeichnet die nicht an Jesus glaubenden Juden als Zweige, die von dem einen Ölbaum ausgebrochen sind und so Platz für die neuen Zweige gemacht haben, die von derselben Wurzel getragen werden.
Auch die Sünden, die Gott zulässt, haben einen providentiellen Sinn. Nirgends aber ist davon die Rede, dass Gott einen zweiten Baum gepflanzt hat. Und wenn Paulus auch in der Verblendung der Juden ein providentielles Ereignis sieht, das bis ans Ende der Geschichte fortwirkt, so tut er doch alles, was er kann, „um wenigstens einige von ihnen zu retten“. Die große Rückkehr Israels erwartet die Kirche, wiederum Paulus folgend, erst für die Zeit der Wiederkunft Christi. Und indem sie für diese Rückkehr betet, betet sie, wie seit jeher, für die baldige Wiederkunft, deren Zeitpunkt wir ja nicht kennen. Unterdessen aber sollten eigentlich in jeder Kirche die vordersten Plätze am Sonntag für die Juden freigehalten werden.
Begründen und überzeugen
Sie sind, wie Papst Johannes XXIII. sagte, unser „älterer Bruder“, der, wie es im Gleichnis Jesu heißt, „immer beim Vater geblieben“ ist und nun ein Problem hat, weil der Vater zur Rückkehr des verlorenen Sohnes ein Festmahl veranstaltet. Trotz dringlicher Bitten des Vaters will er nicht daran teilnehmen. Das Festmahl ist aber erst wirklich gelungen, wenn er daran teilnimmt. Wenn der wiedergekehrte verlorene Sohn ihm sagen würde: „Du kannst ruhig bleiben, wo du bist, das Fest ist auch ohne dich ganz schön“, dann hätte ihn der Vater wohl nicht wieder aufgenommen. Der Gedanke, das Problem durch die Gründung einer zweiten Familie zu lösen, hat mit dem Neuen Testament nichts zu tun. Das Bundesvolk wird im Alten Testament auch als Braut dargestellt und Gott als eifersüchtiger Bräutigam. Die Braut soll nicht fremdgehen. Aber auch Gott ist kein Bigamist, dem es genügt, wenn die beiden Familien „im Gespräch sind“.
Die Broschüre will „Dialog ohne Mission“. Jeder soll seinen Glauben vor dem anderen bezeugen, ohne den anderen überzeugen zu wollen. Petrus dagegen fordert die Christen auf, nicht einen blinden Glauben zu bezeugen, sondern „jedermann Rechenschaft zu geben über den Grund unserer Hoffnung“. Ein Grund (eine „raison“) ist etwas nur, wenn es wirklich begründet. Und wenn jemand den Grund einsieht, dann heißt das, er hat ihn überzeugt. Der christliche Glaube hat seit jeher etwas mit Erkenntnis und mit Wahrheit zu tun. In dem letzten großen Gebet Jesu heißt es: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Christus.“
Zu wenig Auskunft
Zum allein wahren Gott müssen Juden nicht „bekehrt“ werden. Juden und Christen beten denselben Gott an, wenngleich Christus im Johannesevangelium sagt: „Ihr kennt ihn nicht, ich aber kenne ihn.“ Aber Christen glauben auch, dass Jesus der ist, „den du gesandt hast“, und dass, wenn Paulus schreibt, vor dem Namen Jesu müsse sich „jedes Knie beugen, im Himmel, auf Erden und unter der Erde“, er damit nicht jedes Knie, ausgenommen das der Juden, meinte. Universalistische Religionen sind in ihrem Wesen „missionarisch“. Sie würden sich aufgeben, wenn sie ihre Botschaft partikularisieren und damit relativieren würden. Auch das frühe Judentum war missionarisch und machte „Proselyten“, bis seine Mission zum Erliegen kam, in erster Linie aufgrund der christlichen „Schleuderkonkurrenz“ - durch die Aussicht, in den Gottesbund ohne Beschneidung und ohne das Gesetz (mit Ausnahme der Zehn Gebote) eintreten zu können.
Zum Kern des Christentums gehört der Glaube an die Auferstehung Jesu. Wenn Jesus nur „für uns“ auferstanden ist, dann heißt das: Er ist in Wirklichkeit eben nicht auferstanden. Es heißt, der Glaube glaubt nicht deshalb, weil es wahr ist; es ist nur wahr „für den Glauben“. Das ist gleichbedeutend mit der Meinung, es sei tatsächlich eben nicht wahr, sondern nur eine gläubige Fiktion.
Der Austausch zwischen Christen und Juden hat immer schon zu vertieften Einsichten beider Partner und zu gegenseitigem Lernen geführt (zu Zeiten Rosenzweigs und Bubers mehr übrigens als heute, weil der Relativismus noch nicht alles durchdrang). „Nicht glauben, was man glaubt“, so definierte Charles Péguy den „Modernismus“. Aber das ist ein Thema für sich, ebenso wie die Begriffe „Bund“, „Bundesvolk“, „Heil“ und „Heilsweg“, die in der Broschüre ständig vorausgesetzt werden, ohne dass der Versuch gemacht wird, über ihre Bedeutung näher Auskunft zu geben. Vielleicht ist es überhaupt nur das, woran die Broschüre krankt.
Der Streit um die Judenmission
Die Botschaft Jesu Christi richtet sich an alle Menschen. Was das für das Verhältnis der Christen zu den Juden bedeutet, ist in der katholischen wie in der evangelischen Kirche immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen. Auf protestantischer Seite steht Synodenbeschlüssen zur Abkehr von der organisierten Judenmission das Engagement evangelikaler Gruppen gegenüber. Auf katholischer Seite sorgte die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte des tridentinischen Ritus durch Papst Benedikt XVI. für Streit. Jetzt hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken eine „Erklärung“ unter dem Titel „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“ publiziert. Dort wird dargelegt, es gebe zwei Völker Gottes, das jüdische Volk und ein Weltvolk aus Nichtjuden.
„Komm, wir gehen für unser Volk“ sind die letzten überlieferten Worte der Philosophin und Karmeliternonne Edith Stein zu ihrer Schwester Rosa, als die beiden in Holland zum Transport nach Auschwitz abgeholt wurden. Das Wort wurde seither oft zitiert, aber in der Regel ohne Kenntnis, was das „für“ eigentlich meinte. Was es meinte, erfährt man aus dem Testament Edith Steins von 1939. Ihren gewaltsamen Tod vorausahnend, schreibt sie, sie gebe ihr Leben „zur Sühne für den Unglauben des jüdischen Volkes“.
Dazu muss man wissen, dass für Edith Stein die Konversion zum Christentum zugleich die Wiederentdeckung ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und eine tiefe Solidarisierung mit diesem bedeutete. Das Bekenntnis zu Jesus Christus war für sie (ebenso wie später für den nachmaligen Erzbischof von Paris, Kardinal Lustiger) die Erfüllung der jüdischen Bestimmung.
Alles falsch - erklärt uns nun, einige Jahre nach Kardinal Lehmann, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in einer Broschüre, die den Titel trägt: „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“. Kardinal Lehmann wollte die beiden genannten großen Gestalten christlicher Juden noch als Ausnahmen gelten lassen, während der normale Heilsweg der Juden (im Unterschied zu dem aller übrigen Menschen) nicht über Jesus gehe. Das ZdK geht den Weg konsequent zu Ende. Es gibt also danach nicht mehr, wie es die Apostel und mit ihnen die ganze christliche Tradition sahen, das eine Bundesvolk Israel, das sich in Christus nun für alle Völker öffnet und zur „Kirche aus Juden und Heiden“ wird.
Christliches Gebet für die Juden?
Die Kirche braucht angeblich die Juden nicht mehr. Sie ist zur Heidenkirche geworden und soll nun nichts anderes mehr sein wollen. Verschwinden muss nicht nur „Judenmission“, was immer das heißen mag, die Christen müssen auch aufhören, den Juden im Gebet das Beste zu erbitten, was jeder Christ seinem Nächsten erbitten kann: die Erkenntnis Jesu als seines Erlösers. Juden brauchen keinen Erlöser, lesen wir in der Broschüre. Das muss also wohl heißen, dass sie den „Gottesknecht“ des Propheten Jesaja an die Christen abgetreten haben, die ihre Deutung des Todes Jesu als eines erlösenden Sühnetodes vor allem dem Gottesknechtlied des Jesaja verdanken, das sie an jedem Karfreitag lesen und in dem es heißt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen, . . . auf dass wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt.“
Man muss den Anlass zu der Broschüre verstehen. Im Jahre 1989, als Reaktion auf die illegalen Priesterweihen des Erzbischofs Lefebvre und das damals entstandene Schisma, ersuchte Papst Johannes Paul II. die Bischöfe der Welt um großherziges Entgegenkommen gegenüber den Gläubigen, die um die Feier der Messe in der Form des Missale von Papst Johannes XXIII. aus dem Jahr 1962 baten. Diese „alte Messe“ enthielt am Karfreitag im Rahmen der großen Fürbitten auch ein Gebet für die Juden, an dem Johannes XXIII. nur eine kleine Korrektur vorgenommen hatte: Aus der Aufforderung, für die „untreuen Juden“ zu beten, wurde das Wort „untreu“ gestrichen. Das Gebet selbst blieb unverändert. Es enthält die (paulinische) Bitte um Wegnahme des „Schleiers von ihrem Herzen“, der sie hindert, in Jesus ihren Messias und Erlöser zu erkennen.
In Korrektur: die „alte Messe“
Man kann aus dem Text des Gebetes einen gewissen diskriminierenden Ton heraushören. Johannes Paul II. sah dennoch bei der Wiederzulassung der alten Messe keinen Grund, den Text zu ändern. Erst Benedikt XVI. ging in der Liberalisierung einen Schritt weiter und gab den Gläubigen einen Rechtsanspruch auf die Feier in der „außerordentlichen Form“. In diesem Zusammenhang formulierte er die Fürbitte für die Juden neu. Sie ist nun in einem brüderlichen Ton gehalten: „Lasst uns auch beten für die Juden, dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen.“ Die Formulierung macht die eschatologische Dimension der Bitte deutlich: Nach Paulus wird Gott sie spätestens erhören, wenn „die Fülle der zur Bekehrung berufenen Heiden (der Völker)“ eingetreten ist.
Dass ausgerechnet diese ganz und gar israelfreundliche Korrektur eine breite publizistische Kritik auslöste, der sich sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und - natürlich - das Zentralkomitee der deutschen Katholiken anschloss, ist schwer begreiflich. Gegen Johannes XXIII. und gegen Johannes Paul II. wurde eine solche Kritik wegen ihres Festhaltens am früheren Text nie erhoben. Was die Kritiker nun fordern, ist die Ersetzung des Gebetes in der „alten Messe“ durch das Fürbittgebet der neuen Liturgie Pauls VI. - und zwar deshalb, weil in diesem Gebet der Name Jesus gar nicht mehr vorkommt. Das soll den Text auch für Juden akzeptabel machen, an die doch diese Bitte gar nicht gerichtet ist und die für sie auch nicht verantwortlich sind.
Dass es absurd ist, Papst Benedikt XVI. dieses Gebet vorzuwerfen, schrieb bereits vor einem Jahr der hochangesehene New Yorker Rabbiner Jacob Neusner, der darauf hinwies, dass doch die Juden selbst in ihrer Liturgie täglich für die Bekehrung aller Nichtjuden beten. „So wenig wie das Christentum und der Islam Anstoß am israelitischen Gebet nehmen, sollte auch das heilige Israel keinen Einwand gegen das katholische Gebet erheben. Beide Gebete . . . erfassen die Logik des Monotheismus und seine eschatologische Hoffnung.“
Dialog oder Mission?
Die Thesen der von Juden und Christen gemeinsam verfassten Broschüre sind, kurz gefasst, folgende. Erstens: Die Karfreitagsbitte legt es nahe, dass die Kirche „Judenmission“ für möglich hält, wie sie heute zum Beispiel von den „messianischen Juden“ in Israel praktiziert wird. Zweitens: Versuche, Juden von der Messianität Jesu zu überzeugen, sind zu missbilligen. Es gibt keinen Auftrag Jesu, Juden zum Glauben an ihn und zur Taufe zu bewegen. Drittens: Es gibt eine mit anderen interreligiösen Beziehungen unvergleichbare Beziehung zwischen Christentum und Judentum. Beide beruhen auf göttlicher Offenbarung. Bezüglich des Alten Testaments glauben das beide; bezüglich des Neuen nur die Christen selbst.
Viertens: Neben dem „Bundesvolk“ Israel gibt es nach christlichem Glauben ein zweites, das Volk Gottes aus den Völkern, das heißt den Nichtjuden. Der neue Bund ersetzt nicht den alten, sondern tritt als ein zweiter Bund neben diesen. Fünftens: Beide sind vollgültige, von Gott gewollte Heilswege. Für Juden gibt es keinen Grund, an Jesus zu glauben und sich taufen zu lassen. Sechstens: Die Vereinigung beider Wege mag, wie Paulus denkt, am Ende der Zeiten geschehen. Bis dahin sollen sie getrennt bleiben. Die Erwartung von Christen, dass Juden schon heute Jesus als den Christus, das heißt den Messias anerkennen, würde „die Basis für den katholisch-jüdischen Dialog zerstören“. Siebtens: Dialog zwischen Juden und Christen soll stattfinden. Christen sollen in diesem Dialog ihren Glauben bezeugen, aber ohne den Partner von der Wahrheit dieses Glaubens überzeugen zu wollen, denn das wäre „Mission“ und deshalb verwerflich.
Nur ein Volk Gottes
Man muss sich klarmachen, dass die Annahme der meisten dieser Thesen einen Bruch mit dem Selbstverständnis der Kirche seit den Tagen der Apostel bedeuten würde. Ich für meinen Teil könnte dieser Kirche nicht mehr angehören. Denn seit dem sogenannten Apostelkonzil versteht sich die Kirche als Kirche aus Juden und Heiden seit Jesus, wie Paulus schreibt, durch sein Kreuz den Zaun zwischen Juden und Heiden niedergerissen hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mit dem Verschwinden des Judenchristentums als eigener Gruppe in der Kirche unter dem Druck von Byzanz und dem Islam die christliche Kirche phänotypisch zur Heidenkirche geworden ist.
Das ist aber für Christen nicht, wie die Broschüre suggeriert, ein Idealzustand. Die israelischen Judenchristen dringen auf eine Wiederherstellung der „ecclesia ex circumcisione“. Das Zweite Vatikanische Konzil, so heißt es in der Broschüre, „bekennt . . ., dass die Kirche mit dem Stamm Abrahams geistlich verbunden“ ist. Die katholische Liturgie (sowohl in der alten wie in der neuen Form) geht aber weit darüber hinaus. Sie spricht nicht von Verbundenheit, sondern von Identität. In der Osternacht, der Taufnacht, spricht sie davon, dass in dieser Nacht Gott „unsere Väter, die Kinder Israels“, trockenen Fußes durch das Rote Meer geführt hat. Sie dankt Gott, dass er durch die Taufe „den Abraham zum Stammvater vieler Völker macht“, und wenn sie bittet, dass die Fülle der ganzen Welt Teil gewinne „an der Kindschaft Abrahams und an der Würde Israels“, dann wirkt das, was das Konzil hierzu zu sagen hat, eher blass. Jedenfalls ist der Gedanke von zwei Bundesvölkern dem Neuen Testament vollkommen fremd. Es gibt nur das eine Volk Gottes, dessen „geborene Mitglieder“ die Juden und dessen adoptierte Mitglieder die Heiden sind.
Plätze für Juden freihalten
Dieses Volk Gottes wird von Paulus mit dem Ölbaum verglichen, dem die Heiden als wilde Schösslinge eingepfropft werden, während die Juden die „natürlichen Zweige“ sind, über die die Heidenchristen sich nicht erheben dürfen. Die Erklärung zitiert diese Stelle auch, aber ohne den Kontext. Paulus sieht nämlich in dem „Unglauben“ der Juden die historische Voraussetzung für die Berufung der Heiden und bezeichnet die nicht an Jesus glaubenden Juden als Zweige, die von dem einen Ölbaum ausgebrochen sind und so Platz für die neuen Zweige gemacht haben, die von derselben Wurzel getragen werden.
Auch die Sünden, die Gott zulässt, haben einen providentiellen Sinn. Nirgends aber ist davon die Rede, dass Gott einen zweiten Baum gepflanzt hat. Und wenn Paulus auch in der Verblendung der Juden ein providentielles Ereignis sieht, das bis ans Ende der Geschichte fortwirkt, so tut er doch alles, was er kann, „um wenigstens einige von ihnen zu retten“. Die große Rückkehr Israels erwartet die Kirche, wiederum Paulus folgend, erst für die Zeit der Wiederkunft Christi. Und indem sie für diese Rückkehr betet, betet sie, wie seit jeher, für die baldige Wiederkunft, deren Zeitpunkt wir ja nicht kennen. Unterdessen aber sollten eigentlich in jeder Kirche die vordersten Plätze am Sonntag für die Juden freigehalten werden.
Begründen und überzeugen
Sie sind, wie Papst Johannes XXIII. sagte, unser „älterer Bruder“, der, wie es im Gleichnis Jesu heißt, „immer beim Vater geblieben“ ist und nun ein Problem hat, weil der Vater zur Rückkehr des verlorenen Sohnes ein Festmahl veranstaltet. Trotz dringlicher Bitten des Vaters will er nicht daran teilnehmen. Das Festmahl ist aber erst wirklich gelungen, wenn er daran teilnimmt. Wenn der wiedergekehrte verlorene Sohn ihm sagen würde: „Du kannst ruhig bleiben, wo du bist, das Fest ist auch ohne dich ganz schön“, dann hätte ihn der Vater wohl nicht wieder aufgenommen. Der Gedanke, das Problem durch die Gründung einer zweiten Familie zu lösen, hat mit dem Neuen Testament nichts zu tun. Das Bundesvolk wird im Alten Testament auch als Braut dargestellt und Gott als eifersüchtiger Bräutigam. Die Braut soll nicht fremdgehen. Aber auch Gott ist kein Bigamist, dem es genügt, wenn die beiden Familien „im Gespräch sind“.
Die Broschüre will „Dialog ohne Mission“. Jeder soll seinen Glauben vor dem anderen bezeugen, ohne den anderen überzeugen zu wollen. Petrus dagegen fordert die Christen auf, nicht einen blinden Glauben zu bezeugen, sondern „jedermann Rechenschaft zu geben über den Grund unserer Hoffnung“. Ein Grund (eine „raison“) ist etwas nur, wenn es wirklich begründet. Und wenn jemand den Grund einsieht, dann heißt das, er hat ihn überzeugt. Der christliche Glaube hat seit jeher etwas mit Erkenntnis und mit Wahrheit zu tun. In dem letzten großen Gebet Jesu heißt es: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Christus.“
Zu wenig Auskunft
Zum allein wahren Gott müssen Juden nicht „bekehrt“ werden. Juden und Christen beten denselben Gott an, wenngleich Christus im Johannesevangelium sagt: „Ihr kennt ihn nicht, ich aber kenne ihn.“ Aber Christen glauben auch, dass Jesus der ist, „den du gesandt hast“, und dass, wenn Paulus schreibt, vor dem Namen Jesu müsse sich „jedes Knie beugen, im Himmel, auf Erden und unter der Erde“, er damit nicht jedes Knie, ausgenommen das der Juden, meinte. Universalistische Religionen sind in ihrem Wesen „missionarisch“. Sie würden sich aufgeben, wenn sie ihre Botschaft partikularisieren und damit relativieren würden. Auch das frühe Judentum war missionarisch und machte „Proselyten“, bis seine Mission zum Erliegen kam, in erster Linie aufgrund der christlichen „Schleuderkonkurrenz“ - durch die Aussicht, in den Gottesbund ohne Beschneidung und ohne das Gesetz (mit Ausnahme der Zehn Gebote) eintreten zu können.
Zum Kern des Christentums gehört der Glaube an die Auferstehung Jesu. Wenn Jesus nur „für uns“ auferstanden ist, dann heißt das: Er ist in Wirklichkeit eben nicht auferstanden. Es heißt, der Glaube glaubt nicht deshalb, weil es wahr ist; es ist nur wahr „für den Glauben“. Das ist gleichbedeutend mit der Meinung, es sei tatsächlich eben nicht wahr, sondern nur eine gläubige Fiktion.
Der Austausch zwischen Christen und Juden hat immer schon zu vertieften Einsichten beider Partner und zu gegenseitigem Lernen geführt (zu Zeiten Rosenzweigs und Bubers mehr übrigens als heute, weil der Relativismus noch nicht alles durchdrang). „Nicht glauben, was man glaubt“, so definierte Charles Péguy den „Modernismus“. Aber das ist ein Thema für sich, ebenso wie die Begriffe „Bund“, „Bundesvolk“, „Heil“ und „Heilsweg“, die in der Broschüre ständig vorausgesetzt werden, ohne dass der Versuch gemacht wird, über ihre Bedeutung näher Auskunft zu geben. Vielleicht ist es überhaupt nur das, woran die Broschüre krankt.
Der Streit um die Judenmission
Die Botschaft Jesu Christi richtet sich an alle Menschen. Was das für das Verhältnis der Christen zu den Juden bedeutet, ist in der katholischen wie in der evangelischen Kirche immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen. Auf protestantischer Seite steht Synodenbeschlüssen zur Abkehr von der organisierten Judenmission das Engagement evangelikaler Gruppen gegenüber. Auf katholischer Seite sorgte die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte des tridentinischen Ritus durch Papst Benedikt XVI. für Streit. Jetzt hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken eine „Erklärung“ unter dem Titel „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“ publiziert. Dort wird dargelegt, es gebe zwei Völker Gottes, das jüdische Volk und ein Weltvolk aus Nichtjuden.
«Theologie der Religionen»
Am Mittwochabend ist in einer Pfarrei ein Vortrag zum Thema «Ursprüngliche Wirklichkeit – Gott als Ursprung» angesagt. Etwas Schöpfungstheologie – das kann interessant werden; ich gehe also hin.
Der Saal ist voll. Ein gewisser Professor Johannes Soukop trägt vor; offensichtlich ist er hier vielen schon bekannt. Er bittet, sich auf ungewohnte Gedankengänge einzulassen; am Ende werde es dann ganz fromm.
Das wird es nicht. Er beginnt erkenntnistheoretisch, auf ganz ansehnlichem philosophischen Niveau, entfaltet dann eine akosmistische Theorie, die mich zunächst an Berkeley denken läßt. Während er den Mangel an logischer Stringenz im alltäglichen ebenso wie im wissenschaftlichen Denken geißelt, verzichtet er da, wo es um seine eigene Position geht, selbst auf solche Stringenz – etwa indem er ungeordnet zwischen Epistemologie und Ontologie wechselt: daraus, daß man aus der menschlichen Wahrnehmung der Außenwelt nicht zwingend auf die Existenz dieser Außenwelt schließen kann, folgert er, daß es die gar nicht gebe. Anderes, was er konsequenterweise dann ebenfalls verwerfen müßte, die Existenz anderer Menschen, behält er ebenso entschieden wie unbegründet bei, ebenso Geburt, Embryonaldasein und Sterben des Körpers (nicht des Menschen, der könne nicht sterben; eine Seele allerdings gebe es nicht) – obwohl er die Existenz einer Welt «auf dem Zeitstrahl» ablehnt.
Gott als Ursprung läßt er gelten – das ist ja sein Thema. Aber dann wird sein Reden über Gott recht pantheïstisch; immerhin beruft er sich auf Meister Eckhart. Überhaupt fällt kein indisches Wort, kein indischer Name; aber schließlich ist seine Theorie doch klar als hinduistisch, als Vedânta zu erkennen für jeden, der etwas von dieser Lehre weiß, der die «großen Worte» kennt und weiß, was man (in späterer Zeit) mit «Schleier der Mâyâ» meint.
Auch, was ich als «Theologie der Religionen» kenne, erscheint – unbenannt – in seinem Vortrag: das allermeiste sei unbekannt, unzugänglich; alle Religionen seien Annäherungen daran. Das Christentum als Annäherung an Unzugängliches aufzufassen, dem sich andere, gerade auch indische Religionen ebenso nähern, ist freilich nur möglich, wenn man das Christentum völlig entkernt – das aber tut er ja auch. Ein Hinweis darauf, daß «Theologie der Religionen» oft bedeutet, daß das Christentum entkernt und dann von indischer Religion vereinnahmt wird.
In der Diskussion wird Prof. Soukop schwammig, wenn die Fragen scharf werden. Aber außer von mir hat er wenig zu befürchten, trotz eines anscheinend recht gebildeten Publikums; der Abend wird beschlossen von einer Dame, die erklärt, zu 85 % mit ihm übereinzustimmen. Immerhin bittet der Referent gelegentlich den Pfarrer, jetzt einmal nicht hinzuhören; aber auch das, wobei der Pfarrer hinhören darf, ist eindeutig. Ich hoffe, in einigen Tagen Gelegenheit zu haben, den Pfarrer darauf einmal anzusprechen.
Der Saal ist voll. Ein gewisser Professor Johannes Soukop trägt vor; offensichtlich ist er hier vielen schon bekannt. Er bittet, sich auf ungewohnte Gedankengänge einzulassen; am Ende werde es dann ganz fromm.
Das wird es nicht. Er beginnt erkenntnistheoretisch, auf ganz ansehnlichem philosophischen Niveau, entfaltet dann eine akosmistische Theorie, die mich zunächst an Berkeley denken läßt. Während er den Mangel an logischer Stringenz im alltäglichen ebenso wie im wissenschaftlichen Denken geißelt, verzichtet er da, wo es um seine eigene Position geht, selbst auf solche Stringenz – etwa indem er ungeordnet zwischen Epistemologie und Ontologie wechselt: daraus, daß man aus der menschlichen Wahrnehmung der Außenwelt nicht zwingend auf die Existenz dieser Außenwelt schließen kann, folgert er, daß es die gar nicht gebe. Anderes, was er konsequenterweise dann ebenfalls verwerfen müßte, die Existenz anderer Menschen, behält er ebenso entschieden wie unbegründet bei, ebenso Geburt, Embryonaldasein und Sterben des Körpers (nicht des Menschen, der könne nicht sterben; eine Seele allerdings gebe es nicht) – obwohl er die Existenz einer Welt «auf dem Zeitstrahl» ablehnt.
Gott als Ursprung läßt er gelten – das ist ja sein Thema. Aber dann wird sein Reden über Gott recht pantheïstisch; immerhin beruft er sich auf Meister Eckhart. Überhaupt fällt kein indisches Wort, kein indischer Name; aber schließlich ist seine Theorie doch klar als hinduistisch, als Vedânta zu erkennen für jeden, der etwas von dieser Lehre weiß, der die «großen Worte» kennt und weiß, was man (in späterer Zeit) mit «Schleier der Mâyâ» meint.
Auch, was ich als «Theologie der Religionen» kenne, erscheint – unbenannt – in seinem Vortrag: das allermeiste sei unbekannt, unzugänglich; alle Religionen seien Annäherungen daran. Das Christentum als Annäherung an Unzugängliches aufzufassen, dem sich andere, gerade auch indische Religionen ebenso nähern, ist freilich nur möglich, wenn man das Christentum völlig entkernt – das aber tut er ja auch. Ein Hinweis darauf, daß «Theologie der Religionen» oft bedeutet, daß das Christentum entkernt und dann von indischer Religion vereinnahmt wird.
In der Diskussion wird Prof. Soukop schwammig, wenn die Fragen scharf werden. Aber außer von mir hat er wenig zu befürchten, trotz eines anscheinend recht gebildeten Publikums; der Abend wird beschlossen von einer Dame, die erklärt, zu 85 % mit ihm übereinzustimmen. Immerhin bittet der Referent gelegentlich den Pfarrer, jetzt einmal nicht hinzuhören; aber auch das, wobei der Pfarrer hinhören darf, ist eindeutig. Ich hoffe, in einigen Tagen Gelegenheit zu haben, den Pfarrer darauf einmal anzusprechen.
Freiheit oder doch nicht?
Was will er nun? Im selben Interview sagte der Vorsitzende der Unionsfraktion des Bundestags:
(über die Agenda 2010:) «Ohne die Union hätte es doch die rot-grünen Sozialreformen gar nicht gegeben» und dann im besonderen: «Auch die Erkenntnis, dass jede zumutbare Arbeit angenommen werden muss, hatten wir schon lange vor der SPD.»
Etwas später aber: «Entscheidend ist das Bild vom Menschen. Er ist zur Freiheit berufen, heißt es im Galaterbrief. Ich füge hinzu: nicht zur Gängelung durch den Staat.»
«Zumutbare Arbeit» meint bekanntlich Arbeit, die der Staat, nicht, die der Betroffene zumutbar findet. Was also will er: Freiheit oder Zwangsarbeit?
(über die Agenda 2010:) «Ohne die Union hätte es doch die rot-grünen Sozialreformen gar nicht gegeben» und dann im besonderen: «Auch die Erkenntnis, dass jede zumutbare Arbeit angenommen werden muss, hatten wir schon lange vor der SPD.»
Etwas später aber: «Entscheidend ist das Bild vom Menschen. Er ist zur Freiheit berufen, heißt es im Galaterbrief. Ich füge hinzu: nicht zur Gängelung durch den Staat.»
«Zumutbare Arbeit» meint bekanntlich Arbeit, die der Staat, nicht, die der Betroffene zumutbar findet. Was also will er: Freiheit oder Zwangsarbeit?
Neue Abenteuer im Reiche der Liturgie
Nach langer Peregrinatio durch die e-Wüste bin ich gerade wieder in eine e-Oase gelangt und nutze als erstes die Gelegenheit, auf die neuesten Abenteuer des Chronisten in einer byzantinischen und einer konfektionslateinischen Kirche hinzuweisen.
Sonntag, 19. April 2009
RESURREXIO DOMINI SPES NOSTRA
"Was ist nach dem Tod? Das heutige Hochfest erlaubt uns, auf dieses Rätsel zu antworten, daß der Tod nicht das letzte Wort hat, denn schließlich ist es das Leben, das siegt. Und diese unsere Gewißheit gründet sich nicht auf bloße menschliche Überlegungen, sondern auf eine geschichtliche Gegebenheit des Glaubens: Jesus Christus, der gekreuzigt und begraben wurde, ist mit seinem verherrlichten Leib auferstanden."
Die Ansprache Papst Benedikts zum Segen Urbi et Orbi Ostern 2009.
Die Ansprache Papst Benedikts zum Segen Urbi et Orbi Ostern 2009.
Dienstag, 7. April 2009
Montag, 6. April 2009
Freitag, 3. April 2009
Intoleranz und Diskriminierung in deutschem Staatsbetrieb
Der Westdeutsche Rundfunk gehört zu den letzten großen Staatsbetrieben, die die Privatisierungswelle zum Ende des 20. Jahrhunderts überlebt haben. Man sollte paradiesische Verhältnisse vermuten. Weit gefehlt!
Montag, 30. März 2009
Einführung des 76. Bischofs von Münster
Ein Bericht über das Pontifikalamt zur Einführung von Dr. Felix Genn als 75. Nachfolger des hl. Ludgerus findet sich hier.
Donnerstag, 26. März 2009
Umfrage – die richtige Antwort
Umfragen auf Blogs sind schwierig – alle sollten antworten, keiner tut es.
Also:
Es ist ureigenstes Gedankengut der katholischen Lehre, dass die Annahme des Glaubens frei und ungezwungen sein muss. ...
Diese Freiheit des Glaubens ist genuin christlicher Natur.
...
Genau so will auch die Katholische Kirche heute wieder missionieren: Nicht mit Zwang, sondern mit einem Heilsangebot! „Siehe, ob nicht Christus der Weg für dich ist!“
...
Wahre Mission besteht darin, den Glauben mit Überzeugung zu predigen, die Annahme aber immer frei zu lassen.
– all diese Aussagen stammen aus dem Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. Nr. 362 (S.31) vom März 2009. Und so frage ich mich, was denn das Verständnis der Piusbruderschaft von Religionsfreiheit von dem der übrigen Kirche unterscheiden könnte.
Also:
Es ist ureigenstes Gedankengut der katholischen Lehre, dass die Annahme des Glaubens frei und ungezwungen sein muss. ...
Diese Freiheit des Glaubens ist genuin christlicher Natur.
...
Genau so will auch die Katholische Kirche heute wieder missionieren: Nicht mit Zwang, sondern mit einem Heilsangebot! „Siehe, ob nicht Christus der Weg für dich ist!“
...
Wahre Mission besteht darin, den Glauben mit Überzeugung zu predigen, die Annahme aber immer frei zu lassen.
– all diese Aussagen stammen aus dem Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. Nr. 362 (S.31) vom März 2009. Und so frage ich mich, was denn das Verständnis der Piusbruderschaft von Religionsfreiheit von dem der übrigen Kirche unterscheiden könnte.
„Afrikaner können selbst denken“
erklärt ein Kardinal aus dem Senegal, Erzbischof Theodore-Andrien Sarr von Dakar (also ein Nachfolger von Erzbischof Marcel Lefèbvre) – Dank sei Elsa für ihren ausführlichen Bericht!
Welch eine Aporie für die politisch Korrekten! Bestreiten können sie es nicht – das wäre nicht politisch korrekt. Zugestehen können sie es auch nicht – was der Kardinal sagt, ist nicht politisch korrekt. Was sollen sie machen?
Welch eine Aporie für die politisch Korrekten! Bestreiten können sie es nicht – das wäre nicht politisch korrekt. Zugestehen können sie es auch nicht – was der Kardinal sagt, ist nicht politisch korrekt. Was sollen sie machen?
Montag, 23. März 2009
Marktwirtschaft – Theorie und Wirklichkeit
«Um ihre Preise festzusetzen, benötigen sie [die Spargelbauern] nämlich Daten der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) in Bonn. ... die Organisation ist i. L. – in Liquidation.
... Die beiden Einrichtungen [CMA und ZMP] wurden per Zwangsabgabe der Landwirte finanziert. Karlsruhe hatte dies für unzulässig gehalten.
Doch vor allem auf die Zahlen der ZMP sind viele Landwirte angewiesen, wie zum Beispiel die Spargelbauern. ... Denn wenn die Preisinformationen fehlten, fehle den Bauern die Entscheidungsgrundlage ...» – so war es in der tageszeitung zu lesen.
Preise werden von Angebot und Nachfrage bestimmt, haben wir in der Schule gelernt. Doch daß die Anbieter dafür angewiesen sind auf die Informationen quasi-staatlicher Stellen, haben wir damals noch nicht erfahren.
... Die beiden Einrichtungen [CMA und ZMP] wurden per Zwangsabgabe der Landwirte finanziert. Karlsruhe hatte dies für unzulässig gehalten.
Doch vor allem auf die Zahlen der ZMP sind viele Landwirte angewiesen, wie zum Beispiel die Spargelbauern. ... Denn wenn die Preisinformationen fehlten, fehle den Bauern die Entscheidungsgrundlage ...» – so war es in der tageszeitung zu lesen.
Preise werden von Angebot und Nachfrage bestimmt, haben wir in der Schule gelernt. Doch daß die Anbieter dafür angewiesen sind auf die Informationen quasi-staatlicher Stellen, haben wir damals noch nicht erfahren.
Mittwoch, 18. März 2009
Gerechtigkeit – auch für Bauern?
fragt, angestachelt von einem Artikel der tageszeitung, der Chronist, der also wieder einmal für Gerechtigkeit eifert.
Dienstag, 17. März 2009
Außerordentlich und ordentlich
Dicht nacheinander hat der Chronist außerordentliche Freude und ordentlichen Schlamassel erlebt.
Montag, 16. März 2009
Umfrage – bitte antwortet!
Was meint Ihr, wer hat das wohl gesagt:
Es ist ureigenstes Gedankengut der katholischen Lehre, dass die Annahme des Glaubens frei und ungezwungen sein muss. ...
Diese Freiheit des Glaubens ist genuin christlicher Natur.
...
Genau so will auch die Katholische Kirche heute wieder missionieren: Nicht mit Zwang, sondern mit einem Heilsangebot! „Siehe, ob nicht Christus der Weg für dich ist!“
...
Wahre Mission besteht darin, den Glauben mit Überzeugung zu predigen, die Annahme aber immer frei zu lassen.
?
Es ist ureigenstes Gedankengut der katholischen Lehre, dass die Annahme des Glaubens frei und ungezwungen sein muss. ...
Diese Freiheit des Glaubens ist genuin christlicher Natur.
...
Genau so will auch die Katholische Kirche heute wieder missionieren: Nicht mit Zwang, sondern mit einem Heilsangebot! „Siehe, ob nicht Christus der Weg für dich ist!“
...
Wahre Mission besteht darin, den Glauben mit Überzeugung zu predigen, die Annahme aber immer frei zu lassen.
?
Mittwoch, 11. März 2009
Wirtschaftsgerechte Entsorgung von Kleinstkindern – etwa doch nicht mehr?
Schon wiederholt wurde uns berichtet über die ständigen Forderungen von Politikern, Kleinkinder zu kasernieren, um die Eltern ganz für die Wirtschaft verfügbar zu machen.
Wenn aber wirkliche Probleme auftreten, sieht alles ganz anders aus. «Die [Zahl] der Gewalttaten [in Schleswig-Holstein] nimmt zu. Unter den Tätern sind immer mehr Jugendliche», lese ich in der tageszeitung; Innenminister Lothar Hay: «„Der Anstieg der Rohheitsdelikte ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung, in den wir nicht sorgenfrei sehen dürfen.“ Hay erklärte, dass die Politik sich diesem Problem widmen müsse. Schuld seien oft die Elternhäuser, die ihrer Verantwortung nicht nachkämen.»
Wenn aber wirkliche Probleme auftreten, sieht alles ganz anders aus. «Die [Zahl] der Gewalttaten [in Schleswig-Holstein] nimmt zu. Unter den Tätern sind immer mehr Jugendliche», lese ich in der tageszeitung; Innenminister Lothar Hay: «„Der Anstieg der Rohheitsdelikte ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung, in den wir nicht sorgenfrei sehen dürfen.“ Hay erklärte, dass die Politik sich diesem Problem widmen müsse. Schuld seien oft die Elternhäuser, die ihrer Verantwortung nicht nachkämen.»
Sonntag, 8. März 2009
Das Konzil meiner Kindheit
Das II. Vaticanum war das große Ereignis meiner Kindheit. Ich wurde gelehrt, begeistert zu sein; und ich war begeistert. Ich war begeistert vom guten Papst Johannes – freilich war ich zuvor ebenso begeistert vom Papst meiner frühen Kindheit, Pius XII. Vom Konzil erfuhr ich konkret eher wenig; begeistert waren wir vom Mythos des Konzils, der ebenso alt ist wie das Konzil selbst. Auch danach, unter Paul VI., erlebte ich einen Aufbruch in der Kirche, der mir gefiel – nicht in allem, aber doch insgesamt gefiel.
Meine Enttäuschung begann, als ich Paul VI. persönlich erlebte. An seiner Gläubigkeit, Ehrlichkeit und Intelligenz habe ich nie gezweifelt; aber seine Trockenheit erschreckte mich. Und dann sah ich in den 70er Jahren, wie an die Stelle der Aufbruchsstimmung mehr und mehr bleierne Langeweile trat.
Was ist nach all diesen Jahren geblieben? Johannes XXIII. ist für mich immer noch eine beeindruckende Gestalt – aber auch eine Sphinx.
Das Konzil meiner Kindheit jedoch ist mir geraubt worden. Es ist zum Geßlerhut gemacht worden, zu dem man sich zu bekennen hat, zur Waffe der Verfechter des gnadenlosen «Immer nur weiter so» gegen jedwede Neubesinnung. Das Wort «Konzil» hat einen schalen Geschmack bekommen.
Und dazu ist es zu schade. Ich weiß, daß dieses Konzil Notwendiges und Gutes gebracht hat. Aber das wirkliche Konzil scheint fast verschüttet unter dem Konzil der Konzilsbeschwörer. Und ich wünsche mir, daß die Erinnerung an dieses Konzil nicht dadurch zerstört wird, daß an die Stelle jeglicher Erwägung seiner geistlichen und pastoralen Ziele die Pflicht des sinnentleerten Bekenntnisses «zum Konzil» gesetzt wird.
Meine Enttäuschung begann, als ich Paul VI. persönlich erlebte. An seiner Gläubigkeit, Ehrlichkeit und Intelligenz habe ich nie gezweifelt; aber seine Trockenheit erschreckte mich. Und dann sah ich in den 70er Jahren, wie an die Stelle der Aufbruchsstimmung mehr und mehr bleierne Langeweile trat.
Was ist nach all diesen Jahren geblieben? Johannes XXIII. ist für mich immer noch eine beeindruckende Gestalt – aber auch eine Sphinx.
Das Konzil meiner Kindheit jedoch ist mir geraubt worden. Es ist zum Geßlerhut gemacht worden, zu dem man sich zu bekennen hat, zur Waffe der Verfechter des gnadenlosen «Immer nur weiter so» gegen jedwede Neubesinnung. Das Wort «Konzil» hat einen schalen Geschmack bekommen.
Und dazu ist es zu schade. Ich weiß, daß dieses Konzil Notwendiges und Gutes gebracht hat. Aber das wirkliche Konzil scheint fast verschüttet unter dem Konzil der Konzilsbeschwörer. Und ich wünsche mir, daß die Erinnerung an dieses Konzil nicht dadurch zerstört wird, daß an die Stelle jeglicher Erwägung seiner geistlichen und pastoralen Ziele die Pflicht des sinnentleerten Bekenntnisses «zum Konzil» gesetzt wird.
Mittwoch, 4. März 2009
«ULF von FATIMA»
Ich gebe zu: ich mußte ein wenig überlegen, als ich diese Inschrift auf einer Heiligenstatue im Kleinen Michel gelesen hatte.
Freitag, 27. Februar 2009
Konzilsspiritisten
«"Man könne nicht die Anliegen des Kirchenvolksbegehren unterstützen und gleichzeitig die Anerkennung des 2. Vatikanums fordern", meint ein sichtlich frustrierter Priester (...). Für "Wir sind Kirche" dürften die Beschlüsse nie mehr gelten als reine "Abstimmungsergebnisse." Es gehe um den "Geist des Konzils" aber sicher nicht um das Konzil selbst, das völlig in der "alten Tradition der Kirche verhaftet sei"», ist auf kath.net zu lesen (danke, Stanislae!).
Offenbar habe ich es mit diesem Ausdruck, den ich seit einiger Zeit benutze, genau getroffen.
Offenbar habe ich es mit diesem Ausdruck, den ich seit einiger Zeit benutze, genau getroffen.
Donnerstag, 26. Februar 2009
Manchmal weiß man nicht, wo man es veröffentlichen soll -
also in mehreren Blogs:
Grotefend, Hermann:
Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit.
2 Bde, Hannover 1891-1898.
Ist sehr schön digital zu haben
Mit ca. 75 Diözesan- und 16 Ordenskalender
und Heiligenregister.
also in mehreren Blogs:
Grotefend, Hermann:
Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit.
2 Bde, Hannover 1891-1898.
Ist sehr schön digital zu haben
Mit ca. 75 Diözesan- und 16 Ordenskalender
und Heiligenregister.
Mittwoch, 25. Februar 2009
Resigniert und zuversichtlich
Schade, die Petition Lateranum IV ist zurückgezogen. Schade sage ich, auch wenn ich mitgemeuchelt habe. Es war eine blendende Idee, nur das falsche Konzil – obgleich gerade das Lateranum IV zeigt, wie relativ die Anerkennung ist, die man für ein Konzil (außerhalb der Lehrdefinitionen) beanspruchen kann.
Im nachhinein (leider erst) denke ich, eine Petition Nicaenum II hätte sich gut gemacht – dessen Forderungen, die Bilder hochzuhalten und die Kirchenausstattung zu bewahren, hätte für die Konzilsspiritisten einiges zum Nachdenken zu bieten gehabt.
Aber nun ist es auch wieder egal – der Sturm geht zu Ende, die wilde Meute zieht weiter. Heute oder morgen will ich die einstweilen letzte Unterschriftenliste für den Papst zur Post geben.
Freilich, die Meute wird wiederkommen. Spätestens die Seligsprechung Pius’ XII. dürfte die nächste Gelegenheit sein – die Seligsprechung des Papstes, dem die Welt nicht verzeihen kann, daß er lieber rettete als redete (obwohl er ja durchaus nicht geschwiegen hat, eben auch geredet hat, aber cum discretione [im alten, nicht im modernen Sinn des Wortes]).
Aber einstweilen dürfen wir, so hoffe ich, uns in Frieden auf Ostern freuen.
Im nachhinein (leider erst) denke ich, eine Petition Nicaenum II hätte sich gut gemacht – dessen Forderungen, die Bilder hochzuhalten und die Kirchenausstattung zu bewahren, hätte für die Konzilsspiritisten einiges zum Nachdenken zu bieten gehabt.
Aber nun ist es auch wieder egal – der Sturm geht zu Ende, die wilde Meute zieht weiter. Heute oder morgen will ich die einstweilen letzte Unterschriftenliste für den Papst zur Post geben.
Freilich, die Meute wird wiederkommen. Spätestens die Seligsprechung Pius’ XII. dürfte die nächste Gelegenheit sein – die Seligsprechung des Papstes, dem die Welt nicht verzeihen kann, daß er lieber rettete als redete (obwohl er ja durchaus nicht geschwiegen hat, eben auch geredet hat, aber cum discretione [im alten, nicht im modernen Sinn des Wortes]).
Aber einstweilen dürfen wir, so hoffe ich, uns in Frieden auf Ostern freuen.
Fastenzeit
In der Chronik ist wieder eine kurze Erklärung der Entstehung der Fastenzeit angezeigt. Und ich sitze nun hungrig vorm Rechner und schreibe mein Positum zum Fasten. Es hat geistliche Ziele, hat uns vor einigen Jahren unser Pfarrer erklärt, es dürfe nicht um bella figura gehen.
In der Schule:
Es wird angekündigt, daß Schüler, deren Eltern arm sind, eine einmalige finanzielle Unterstützung erhalten können. Ich melde mich – damals herrschte noch nicht der Neoliberalismus, Armut galt noch nicht als Schande. Das Geld reicht für eine maßgeschneiderte Lederhose.
Jahrzehnte später:
Längere Zeit habe ich meine Lederhose nicht tragen können. Nun ist sie repariert; aber sie spannt ein wenig. Nicht, daß sie nicht mehr paßte, aber sie spannt eben ein wenig. Darf ich mich nicht doch darauf freuen, daß sie zu Ostern wieder bequem sitzen wird?
In der Schule:
Es wird angekündigt, daß Schüler, deren Eltern arm sind, eine einmalige finanzielle Unterstützung erhalten können. Ich melde mich – damals herrschte noch nicht der Neoliberalismus, Armut galt noch nicht als Schande. Das Geld reicht für eine maßgeschneiderte Lederhose.
Jahrzehnte später:
Längere Zeit habe ich meine Lederhose nicht tragen können. Nun ist sie repariert; aber sie spannt ein wenig. Nicht, daß sie nicht mehr paßte, aber sie spannt eben ein wenig. Darf ich mich nicht doch darauf freuen, daß sie zu Ostern wieder bequem sitzen wird?
Dienstag, 24. Februar 2009
Bildungskrise
Der frischgebackene Wirtschaftsminister spricht von einer «ultissima ratio». «Ultissima» bedeutet etwa: «die sich am meisten gerächt hat».
Eine Philoxenia-Tagung
bringt den Chronisten zu neuen Eindrücken von – nicht nur – östlicher Liturgie.
Donnerstag, 19. Februar 2009
Konzilien anerkennen?
Wenn ich mich als Traditionalisten bezeichne, wird wohl niemand widersprechen. Aber nichtsdestoweniger habe ich keine Schwierigkeiten, das II. Vaticanum anzuerkennen – obwohl in den Dekreten so viel Schaum steckt, daß es oft schwierig ist zu sagen, was ich da anerkennen soll.
Verpflichtet aber sehe ich mich nur, mich zu den Definitionen der Konzilien zu bekennen; und das tue ich – allerdings gibt es vom II. Vaticanum keine.
Im außerdogmatischen Bereich jedoch behalte ich es mir vor, Konzilsdekrete nicht anzuerkennen. Und diese Freiheit nehme ich mir in der Tat, und zwar beim IV. Lateranum!
Verpflichtet aber sehe ich mich nur, mich zu den Definitionen der Konzilien zu bekennen; und das tue ich – allerdings gibt es vom II. Vaticanum keine.
Im außerdogmatischen Bereich jedoch behalte ich es mir vor, Konzilsdekrete nicht anzuerkennen. Und diese Freiheit nehme ich mir in der Tat, und zwar beim IV. Lateranum!
Mittwoch, 18. Februar 2009
«Gute Apokalypse!»
Wird es Zeit, daß wir anstelle von «Guten Morgen – Tag – Abend!» nun diesen Gruß benutzen?
Bedrückend ist es, wie ein wochenlanges All-Medien-Feuerwerk gegen die Kirche – also gegen uns alle – antwortet auf einen päpstlichen Akt der Liebe und der Hirtensorge. Nun ist das so weit gegangen, daß ein guter Priester die Berufung zum Weihbischof ablehnt, anscheinend weil er die Massenmedien mehr fürchtet als er auf Bischöfe und Gläubige zu hoffen wagt.
Heißt das in einer Zeit, in der ja auch Gläubige ihre Informationen diesen Medien zu entnehmen pflegen, daß die Kirche von ihnen abhängig ist und damit von den Menschen, die in diesen Medien und durch sie herrschen, daß die Kirche also gelähmt ist?
Aber die Kirche in Deutschland wirkt doch schon lange gelähmt. Die Gottesdienstteilnahme schwindet, die Glaubensverkündigung läßt nach, die Zahl der Gläubigen sinkt. Eigentlich ist es schon lange klar, daß es mit einem einfachen «Nur weiter so!» nicht weiter geht.
Daß die Anhänger des «Nur weiter so!» es nicht einfach geschehen lassen, und die Feinde der Kirche ebenso wenig, wenn sich die Kirche um Erneuerung bemüht, kann nicht verwundern.
Sehen wir auch die andere Seite: noch vor drei Jahren habe ich es nicht für möglich gehalten, daß Kardinal Ratzinger Papst wird – zu alt schien er, fast achtzig, zu unbeliebt bei den Progressiven, auch bei denen im Kardinalskollegium. Im letzten Jahr noch habe ich eine baldige Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft nicht für möglich gehalten. Und als die Exkommunikation aufgehoben war, habe ich nicht erwartet, daß Bischof Fellay seinen Amtsbruder, der aus dem Ruder gelaufen ist, so entschieden zur Ordnung ruft und daß seine Bruderschaft dabei so hinter ihm steht.
Und ich habe nicht erwartet, daß unter den Katholiken, mit denen ich rede, Treue zum Papst zumeist selbstverständlich ist, daß sich fast alle eintragen in die Unterschriftenlisten, die ich ihnen vorlege. Und so sehe ich, daß zwar die Lehmannkirche am Ende ist, die katholische Kirche in Deutschland aber durchaus nicht.
[Lehmannkirche ist ein Ausdruck, der gebräuchlich geworden ist, wohl weil Lehmann solch archetypischer deutscher Name ist (ob es irgendwo jemanden gibt, der ein typischer Vertreter dieser besonderen Kirche ist und wirklich Lehmann heißt, kann offen gelassen werden) – all die, die Lehmann heißen, bitte ich um Nachsicht, daß ich diesen Ausdruck übernehme.]
Und so erkenne ich Gottes Wirken hinter all diesen unerwarteten Ereignissen. Apokalypse steht in der Umgangssprache für furchtbare Geschehnisse; aber die eigentliche Bedeutung des Wortes ist ja Enthüllung, gemeint ist damit letztlich Enthüllung des Wirkens Gottes.
Auch ich fürchte, was auf uns zukommt, aber ich lerne auch, Gott mehr zu vertrauen. In diesem Sinn wünsche ich uns allen:
– Gute Apokalypse!
Bedrückend ist es, wie ein wochenlanges All-Medien-Feuerwerk gegen die Kirche – also gegen uns alle – antwortet auf einen päpstlichen Akt der Liebe und der Hirtensorge. Nun ist das so weit gegangen, daß ein guter Priester die Berufung zum Weihbischof ablehnt, anscheinend weil er die Massenmedien mehr fürchtet als er auf Bischöfe und Gläubige zu hoffen wagt.
Heißt das in einer Zeit, in der ja auch Gläubige ihre Informationen diesen Medien zu entnehmen pflegen, daß die Kirche von ihnen abhängig ist und damit von den Menschen, die in diesen Medien und durch sie herrschen, daß die Kirche also gelähmt ist?
Aber die Kirche in Deutschland wirkt doch schon lange gelähmt. Die Gottesdienstteilnahme schwindet, die Glaubensverkündigung läßt nach, die Zahl der Gläubigen sinkt. Eigentlich ist es schon lange klar, daß es mit einem einfachen «Nur weiter so!» nicht weiter geht.
Daß die Anhänger des «Nur weiter so!» es nicht einfach geschehen lassen, und die Feinde der Kirche ebenso wenig, wenn sich die Kirche um Erneuerung bemüht, kann nicht verwundern.
Sehen wir auch die andere Seite: noch vor drei Jahren habe ich es nicht für möglich gehalten, daß Kardinal Ratzinger Papst wird – zu alt schien er, fast achtzig, zu unbeliebt bei den Progressiven, auch bei denen im Kardinalskollegium. Im letzten Jahr noch habe ich eine baldige Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft nicht für möglich gehalten. Und als die Exkommunikation aufgehoben war, habe ich nicht erwartet, daß Bischof Fellay seinen Amtsbruder, der aus dem Ruder gelaufen ist, so entschieden zur Ordnung ruft und daß seine Bruderschaft dabei so hinter ihm steht.
Und ich habe nicht erwartet, daß unter den Katholiken, mit denen ich rede, Treue zum Papst zumeist selbstverständlich ist, daß sich fast alle eintragen in die Unterschriftenlisten, die ich ihnen vorlege. Und so sehe ich, daß zwar die Lehmannkirche am Ende ist, die katholische Kirche in Deutschland aber durchaus nicht.
[Lehmannkirche ist ein Ausdruck, der gebräuchlich geworden ist, wohl weil Lehmann solch archetypischer deutscher Name ist (ob es irgendwo jemanden gibt, der ein typischer Vertreter dieser besonderen Kirche ist und wirklich Lehmann heißt, kann offen gelassen werden) – all die, die Lehmann heißen, bitte ich um Nachsicht, daß ich diesen Ausdruck übernehme.]
Und so erkenne ich Gottes Wirken hinter all diesen unerwarteten Ereignissen. Apokalypse steht in der Umgangssprache für furchtbare Geschehnisse; aber die eigentliche Bedeutung des Wortes ist ja Enthüllung, gemeint ist damit letztlich Enthüllung des Wirkens Gottes.
Auch ich fürchte, was auf uns zukommt, aber ich lerne auch, Gott mehr zu vertrauen. In diesem Sinn wünsche ich uns allen:
– Gute Apokalypse!
Montag, 16. Februar 2009
Liberalismus und Realität
Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten haben sich gegen Protektionismus ausgesprochen; die WTO-Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels sollen zum Abschluß gebracht werden.
Seit Monaten ist der Kampf gegen die Wirtschaftskrise auf alle Politikerfahnen geschrieben; und in der Presse lese ich nun öfters, daß (so ist es in der Tat) der Staat wieder gefragt sei, daß jetzt der Neoliberalismus überwunden sei.
Und nun diese Nachricht. Schon vor Wochen waren es die Bundeskanzlerin, dann die EU, die, als der neue amerikanische Präsident Anstalten machte, wirklich gegen die Wirtschaftskrise vorzugehen, vor Protektionismus warnten; nun sind es die G7 – also ist auch der amerikanische Präsident umgeschwenkt.
Hat das etwas zu tun mit den Ereignissen der letzten Wochen, der Skandalisierung der begonnenen Versöhnung der Kirche mit der Priesterbruderschaft Pius X.?
Ja. Es zeigt das Verhältnis zweier Spielarten des Liberalismus – der Marktideologie und des Antiklerikalismus – zur Realität. Im einen Fall wird trotz der Wirtschaftskrise, die man angeblich bekämpfen will, deren Ursache, der freie Markt, der Freihandel weitergetrieben; im anderen wird trotz den offensichtlichen Tatsachen – daß niemand rehabilitiert worden ist, sondern nur partiell begnadigt; daß sich diese Begnadigung keineswegs auf eine Scho’aleugnung bezog; daß durch diese Maßnahme dem Papst es nicht nur gelungen ist, der Einheit der Kirche einen Schritt näher zu kommen, sondern auch, den inkriminierten Bischof in dessen eigener Bruderschaft auszugrenzen – vorgegeben, man müsse den Papst, da er einen Scho’aleugner rehabilitiert habe, zur Ordnung rufen.
Liberalismus und Wirklichkeit – das paßt eben nicht zusammen.
Seit Monaten ist der Kampf gegen die Wirtschaftskrise auf alle Politikerfahnen geschrieben; und in der Presse lese ich nun öfters, daß (so ist es in der Tat) der Staat wieder gefragt sei, daß jetzt der Neoliberalismus überwunden sei.
Und nun diese Nachricht. Schon vor Wochen waren es die Bundeskanzlerin, dann die EU, die, als der neue amerikanische Präsident Anstalten machte, wirklich gegen die Wirtschaftskrise vorzugehen, vor Protektionismus warnten; nun sind es die G7 – also ist auch der amerikanische Präsident umgeschwenkt.
Hat das etwas zu tun mit den Ereignissen der letzten Wochen, der Skandalisierung der begonnenen Versöhnung der Kirche mit der Priesterbruderschaft Pius X.?
Ja. Es zeigt das Verhältnis zweier Spielarten des Liberalismus – der Marktideologie und des Antiklerikalismus – zur Realität. Im einen Fall wird trotz der Wirtschaftskrise, die man angeblich bekämpfen will, deren Ursache, der freie Markt, der Freihandel weitergetrieben; im anderen wird trotz den offensichtlichen Tatsachen – daß niemand rehabilitiert worden ist, sondern nur partiell begnadigt; daß sich diese Begnadigung keineswegs auf eine Scho’aleugnung bezog; daß durch diese Maßnahme dem Papst es nicht nur gelungen ist, der Einheit der Kirche einen Schritt näher zu kommen, sondern auch, den inkriminierten Bischof in dessen eigener Bruderschaft auszugrenzen – vorgegeben, man müsse den Papst, da er einen Scho’aleugner rehabilitiert habe, zur Ordnung rufen.
Liberalismus und Wirklichkeit – das paßt eben nicht zusammen.
Dienstag, 10. Februar 2009
Lieber unverfroren als impertinent
Ein Kirchenvolksbegehren für die Anerkennung des II. Vaticanum läuft durchs Netz; Stanislaus zitiert einen recht unverfrorenen Kommentar zu diesem Thema.
Wenn ich nun die Impertinenz sehe, mit der sich im Kleingedruckten dieses Kirchenvolksbegehren auch gegen den Papst wendet, gefällt mir die Unverfrorenheit jenes Kommentars entschieden besser.
Wenn ich nun die Impertinenz sehe, mit der sich im Kleingedruckten dieses Kirchenvolksbegehren auch gegen den Papst wendet, gefällt mir die Unverfrorenheit jenes Kommentars entschieden besser.
Montag, 9. Februar 2009
Alle haben unterschrieben
Sonntag habe ich in meine Pfarrkirche (sie ist ohne jedweden traditionalistischen Einschlag) Unterschriftenlisten mitgebracht. Beim Kirchenkaffee haben alle unterschrieben, alle anwesenden erwachsenen Katholiken.
Kehrtwende?
Der Papst habe eine Kehrtwende gemacht, laß ich nun, bezogen auf die Verlautbarung des Staatssekretariats.
Wieder eine Lüge. Glaubt jemand, der Papst wäre vorher bereit gewesen, Bischof Williamson eine Funktion in der Kirche anzuvertrauen, solange der keine öffentliche Kehrtwende gemacht hat?
Auch die Piusbruderschaft hat ihn ja kaltgestellt – einen Bischof, der zur Diakonenweihe gebeten worden war, wieder auszuladen, und das öffentlich-demonstrativ, wie es das Seminar in Zaitzkofen nun getan hat, das ist nicht alltäglich in der Kirche.
Wieder eine Lüge. Glaubt jemand, der Papst wäre vorher bereit gewesen, Bischof Williamson eine Funktion in der Kirche anzuvertrauen, solange der keine öffentliche Kehrtwende gemacht hat?
Auch die Piusbruderschaft hat ihn ja kaltgestellt – einen Bischof, der zur Diakonenweihe gebeten worden war, wieder auszuladen, und das öffentlich-demonstrativ, wie es das Seminar in Zaitzkofen nun getan hat, das ist nicht alltäglich in der Kirche.
Freitag, 6. Februar 2009
Donnerstag, 5. Februar 2009
Schützenhilfe aus der Ökumene
Diese Gedanken eines Anglikanischen Priesters zur Hatz auf Papst Benedikt sind angenehm klar.
Mittwoch, 4. Februar 2009
Die wilde Jagd geht weiter
Heute ist zu erfahren: die Bundeskanzlerin fordert vom Papst, das zu tun, was er schon vor einer Woche getan hat.
Die Stellungnahme des Vatikans finden ist hier zu finden.
Die Stellungnahme des Vatikans finden ist hier zu finden.
Dienstag, 3. Februar 2009
Was mich erschreckt
ist nicht, daß die Horden der Medien über den Papst herfallen – das haben sie schon lange immer wieder getan und das werden sie weiterhin immer wieder tun.
Was mich erschreckt, ist vielmehr, wie deutsche Bischöfe, bis hinauf zum Erzbischof, zum Kardinal, dabei mitmachen, die Falschinformationen der Presse übernehmen.
Wer wissen will, was wirklich geschehen ist, warum es geschehen ist, kann sich an vielen Stellen informieren, zum Beispiel beim Chronisten.
Was mich erschreckt, ist vielmehr, wie deutsche Bischöfe, bis hinauf zum Erzbischof, zum Kardinal, dabei mitmachen, die Falschinformationen der Presse übernehmen.
Wer wissen will, was wirklich geschehen ist, warum es geschehen ist, kann sich an vielen Stellen informieren, zum Beispiel beim Chronisten.
Freitag, 30. Januar 2009
Dienstag, 27. Januar 2009
Samstag, 24. Januar 2009
Dienstag, 20. Januar 2009
Wie wird man seine Milliarden los?
Folter
Nun hat es eine Frau aus dem Pentagon ganz offiziell zugegeben: in Guantanamo wurde gefoltert.
Folter ist ganz uneingeschränkt ein Übel für den Rechtsstaat. Dennoch soll das, was von dort berichtet worden ist, näher betrachtet werden.
Der Häftling, von dem sie redet, sei «durch einen Militärhund eingeschüchtert worden», er «sei an 48 von 54 Tagen jeweils 18 bis 20 Stunden verhört worden».
Das ist klassische Folter: Ängstigung und körperliche Mißhandlung.
«Er sei gezwungen worden, nackt vor einer weiblichen Ermittlerin zu stehen», «ihm sei ein BH angezogen und ein Tangaslip über den Kopf gezogen worden»; er sei «an der Hundeleine durch den Raum geführt worden».
Hier richtet sich die Folter nicht mehr gegen die körperliche Unversehrtheit, sondern gegen die Menschenwürde, gegen die sexuelle Integrität, gegen das nomen humanum – man beachte, daß für den Orientalen viel mehr noch als für den Westler der Hund die Würdelosigkeit verkörpert.
Das hätte man auch im Mittelalter wohl nicht mehr als statthaft betrachtet.
«Seine Mutter und seine Schwester hätten die Militärs als Huren beschimpft.» Hier wurde also auch die Ehre unbeteiligter Menschen angegriffen.
Es hat hier demnach ein Maß des Angriffs auf die Menschenwürde gegeben, das noch weit hinausgeht über das, was gemeinhin Folter genannt wird.
Folter ist ganz uneingeschränkt ein Übel für den Rechtsstaat. Dennoch soll das, was von dort berichtet worden ist, näher betrachtet werden.
Der Häftling, von dem sie redet, sei «durch einen Militärhund eingeschüchtert worden», er «sei an 48 von 54 Tagen jeweils 18 bis 20 Stunden verhört worden».
Das ist klassische Folter: Ängstigung und körperliche Mißhandlung.
«Er sei gezwungen worden, nackt vor einer weiblichen Ermittlerin zu stehen», «ihm sei ein BH angezogen und ein Tangaslip über den Kopf gezogen worden»; er sei «an der Hundeleine durch den Raum geführt worden».
Hier richtet sich die Folter nicht mehr gegen die körperliche Unversehrtheit, sondern gegen die Menschenwürde, gegen die sexuelle Integrität, gegen das nomen humanum – man beachte, daß für den Orientalen viel mehr noch als für den Westler der Hund die Würdelosigkeit verkörpert.
Das hätte man auch im Mittelalter wohl nicht mehr als statthaft betrachtet.
«Seine Mutter und seine Schwester hätten die Militärs als Huren beschimpft.» Hier wurde also auch die Ehre unbeteiligter Menschen angegriffen.
Es hat hier demnach ein Maß des Angriffs auf die Menschenwürde gegeben, das noch weit hinausgeht über das, was gemeinhin Folter genannt wird.
Mittwoch, 14. Januar 2009
Dienstag, 13. Januar 2009
Einen interessanten Vorschlag, die Liturgiereform weiterzuführen
ganz im Geiste der Konzilsspiritisten, bietet uns, von einem englischen Vikar angeregt, «die wahrheit».
Sonntag, 11. Januar 2009
Samstag, 3. Januar 2009
Pacta sunt servanda – was heißt das?
Der Chronist scheint aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt und erörtert die moralische Frage, die hinter der Entscheidung des ecuadorianischen Präsidenten steht, Zinszahlungen für Staatsschulden nicht zurückzuzahlen.
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Dienstag, 30. Dezember 2008
Sonntag, 28. Dezember 2008
Dienstag, 23. Dezember 2008
Die FDP gibt der Kirche Wegweisung
Nur Kirchensteuerzahler, entnahm ich der Presse, sollen an Weihnachtsgottesdiensten teilnehmen dürfen, regte ein (für FDP-Verhältnisse) prominenter FDP-Politiker an. Ein interessanter Vorschlag! Ich möchte ihn ergänzen: nur FDP-Mitgliedsbeitragszahler sollen FDP wählen dürfen.
Montag, 15. Dezember 2008
Einmal ein optimistischer Kommentar zur Krise
Daß das, womit ein Vierteljahrhundert lang marktliberale Politik begründet wurde, Tricksereien waren, daß die Sachzwänge, denen die Politik unterworfen sei, von den Politikern erst geschaffen wurden, daß nationalstaatliche Politik machtlos geworden war, weil die Politiker sie selbst entmachtet hatten, daß bemerkte der nachdenkliche Bürger schon sehr lange. Auch zu lesen war es immer wieder, leider aber nur da, wo es nicht jeder las. Und so bin ich dankbar für eine Zusammenfassung der ganzen Sache durch einen fachkundigen Wissenschaftler und Journalisten. Und daß er zum Schluß Friedhelm Hengsbach das Wort läßt, erfreut natürlich den Katholiken.
Die Hoffnung aber, daß verantwortliche Politiker öffentlich eingestehen könnten, daß ihre Politik grundlegend falsch war, ob aus eigener Einsicht oder aufgrund von politischem Druck, daß also Frau M. und Herr M. von der einen, Herr St. und Herr St. und Herr St. von der anderen großen Regierungspartei öffentlich bekennen könnten, daß sie das Land in eine Sackgasse hineinregiert haben, und daß sie fortan eine entgegengesetzte Politik verfolgen könnten, habe ich leider nicht. Und damit, daß – da demokratietheoretisch gesehen die Krise zeitlich so günstig liege, weil 2009 viel gewählt werde – deshalb 2009 alle, denen die Linke nicht sympathisch genug ist, ÖDP wählen werden, wage ich ebensowenig zu rechnen.
Aber gern ließe ich mich – sei es von den Parteipolitikern, sei es von den Wählern – eines besseren belehren.
Die Hoffnung aber, daß verantwortliche Politiker öffentlich eingestehen könnten, daß ihre Politik grundlegend falsch war, ob aus eigener Einsicht oder aufgrund von politischem Druck, daß also Frau M. und Herr M. von der einen, Herr St. und Herr St. und Herr St. von der anderen großen Regierungspartei öffentlich bekennen könnten, daß sie das Land in eine Sackgasse hineinregiert haben, und daß sie fortan eine entgegengesetzte Politik verfolgen könnten, habe ich leider nicht. Und damit, daß – da demokratietheoretisch gesehen die Krise zeitlich so günstig liege, weil 2009 viel gewählt werde – deshalb 2009 alle, denen die Linke nicht sympathisch genug ist, ÖDP wählen werden, wage ich ebensowenig zu rechnen.
Aber gern ließe ich mich – sei es von den Parteipolitikern, sei es von den Wählern – eines besseren belehren.
Sammeln Sie mit!
Das Abendland (genauer: die Interessengemeinschaft Abendland) sammelt, sammeln Sie mit (es kostet nichts)!
Donnerstag, 11. Dezember 2008
Mosebach in Münster
Ein Bericht über das Streitgespräch zwischen dem Romancier Martin Mosebach ("Häresie der Formlosigkeit") und Prof. Dr. Thomas Sternberg, Leiter der Bildungsakademie "Franz-Hitze-Haus" des Bistums Münster, im münsterischen Priesterseminar.
Sonntag, 30. November 2008
Gemeindemesse
Zu Besuch in einem süddeutschen Städtchen. Ich werde gefragt, warum ich ins Kloster in der Umgebung zur Messe gehe und nicht in die Stiftskirche in der Stadt; die sei doch auch sehr schön. Die ist in der Tat sehr schön, aber – wie kann ich es sagen? die Cistercienserinnen singen gregorianisch; und es ist dort eben weniger eine Gemeindemesse.
Und bei meiner Antwort fällt mir auf, welch abschreckenden Klang das Wort «Gemeindemesse» bekommen hat.
Und bei meiner Antwort fällt mir auf, welch abschreckenden Klang das Wort «Gemeindemesse» bekommen hat.
Freitag, 28. November 2008
Mission auf weltlich
Mission war immer, seitdem sie sich auf Länder der «Dritten Welt» zu richten pflegt, beides: Glaubensverkündigung und caritative Hilfe. So könnte man fragen, ob Mission nicht auch auf weltlich möglich wäre: Caritas ohne Verkündigung, ohne Glauben.
Nun, eben das wird ja von all den En Dschie Ous versucht; und im altlinken Monde diplomatique war zu erfahren, daß das nur schlecht gelingt: die Einstellung der weltlichen Missionare zu den bedürftigen Menschen paßt einfach nicht.
Nun, eben das wird ja von all den En Dschie Ous versucht; und im altlinken Monde diplomatique war zu erfahren, daß das nur schlecht gelingt: die Einstellung der weltlichen Missionare zu den bedürftigen Menschen paßt einfach nicht.
Mittwoch, 26. November 2008
Herzhafte liturgische Schnitzer
«Herzhafte Priester, die herzhaft ihre Gottesdienste zelebrieren und sich dabei liturgische Schnitzer leisten, die er herzhaft monieren kann» wünschte sich einst der Chronist, und da scheint es doch noch zu geben: er ist wieder fündig geworden, doppelt sogar.
Donnerstag, 20. November 2008
Altbekannte Ungerechtigkeit – neu aufgelegt
entdeckt Phileirenos in der bundesdeutschen Politik. Wenn es auch befremdet, daß er als Opfer ausgerechnet ein Zulieferunternehmen für die Autoindustrie anführt – in der Sache hat er recht.
Mittwoch, 19. November 2008
«Pünktlich zur Wiedereröffnung des Mariendoms
wird die neue Homepage http://www.mariendomhamburg.de/ freigeschaltet», las ich gestern; und so war dann, seit gestern nachmittag der Erzbischof die Segnung der Bits und Bytes vorgenommen hatte, eine bemerkenswert gut gestaltete Seite im Netz zu sehen. Bisher erscheint sie nur auf Deutsch; aber in den nächsten Tagen – die feierliche Wiedereröffnung ist erst am kommenden Sonntag – sollen vier weitere Sprachen hinzukommen («Expositio huius textus in linqua latina adhuc non es parata. Habeatis patientiam per aliquot dies»).
Die Seite bietet einen virtuellen Rundgang und Rundblick, die einige Eindrücke vermitteln:
Es ging beim Umbau nicht zuletzt darum, dem Erzbischof eine würdige Kathedra zur Verfügung zu stellen, und das ist geglückt: um drei Stufen ist sie erhöht gegenüber Altar und Tabernakel.
Künftig werden die Domherren wohl von großem Eifer beflügelt sein, einst selbst Erzbischof zu werden, denn dessen Kathedra ist offensichtlich die einzige einigermaßen bequeme Sitzgelegenheit im Chor.
Der Altar läßt hoffen, daß er im Gottesdienst großzügig mit Altartüchern bedeckt werden wird. (Aber lassen wir das; Schönheit gehörte nicht zu den vorrangigen Zielen des Umbaus. Und finanziert wurde er ausschließlich durch Spenden.)
Das Tabernakel ist ganz angemessen in einer Seitenkappelle untergebracht. Leider gibt es zwischen Chorraum und Seitenkappelle keine Wand noch sonstigen Sichtschutz, so daß vom Chor aus gesehen die Domherren doch mit dem Rücken zum Tabernakel werden sitzen müssen.
Eine kleine Kritik an der Betextung des Rundgangs: Unter «Die Marienbilder» ist zu lesen: « Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bekam die Marienkirche wie alle katholischen Kirchen einen freistehenden Altar im Chorraum.» Alle? In der Tat bekommt man leicht diesen Eindruck; aber ganz stimmt das glücklicherweise nicht.
Die Seite bietet einen virtuellen Rundgang und Rundblick, die einige Eindrücke vermitteln:
Es ging beim Umbau nicht zuletzt darum, dem Erzbischof eine würdige Kathedra zur Verfügung zu stellen, und das ist geglückt: um drei Stufen ist sie erhöht gegenüber Altar und Tabernakel.
Künftig werden die Domherren wohl von großem Eifer beflügelt sein, einst selbst Erzbischof zu werden, denn dessen Kathedra ist offensichtlich die einzige einigermaßen bequeme Sitzgelegenheit im Chor.
Der Altar läßt hoffen, daß er im Gottesdienst großzügig mit Altartüchern bedeckt werden wird. (Aber lassen wir das; Schönheit gehörte nicht zu den vorrangigen Zielen des Umbaus. Und finanziert wurde er ausschließlich durch Spenden.)
Das Tabernakel ist ganz angemessen in einer Seitenkappelle untergebracht. Leider gibt es zwischen Chorraum und Seitenkappelle keine Wand noch sonstigen Sichtschutz, so daß vom Chor aus gesehen die Domherren doch mit dem Rücken zum Tabernakel werden sitzen müssen.
Eine kleine Kritik an der Betextung des Rundgangs: Unter «Die Marienbilder» ist zu lesen: « Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil bekam die Marienkirche wie alle katholischen Kirchen einen freistehenden Altar im Chorraum.» Alle? In der Tat bekommt man leicht diesen Eindruck; aber ganz stimmt das glücklicherweise nicht.
Dienstag, 18. November 2008
Gehirn und Geist
Im XVII. Jahrhundert trat Thomas Hobbes hervor mit der Behauptung, alles sei Materie, somit gebe es keine Seele, darum auch keinen freien Willen, im XVIII. David Hume, im XIX. Ludwig Feuerbach – um nur die auffälligsten zu nennen. Mittlerweile war man zu dem Schluß gekommen, das Denken sei nichts anderes als das Phosphoreszieren der grauen Zellen des Gehirns. Um die Wende des XIX. Jahrhunderts hat man das Gehirn ganz in Areale einzuteilen gewußt, für jede psychische Funktion eines. Dieser große Wurf wurde dann aber wieder etwas zurückgezogen, weil er an der Realität scheiterte. In den 60er Jahre entdeckte es der Kreis um Theo Löbsack als große Neuheit, daß alles Seelische letztlich nur materiell sei, während Jacques Monod es wohl schon immer gewußt hat. Dann trat diese Diskussion ein wenig in den Hintergrund, weil nun die marxistische Widerspiegelungstheorie den Vordergrund einnahm. Und die wurde eher beschworen als daß über sie diskutiert worden wäre, weil sie sowieso niemand verstand. Um die Wende des XX. Jahrhunderts übernahm wieder die Gehirnforschung die Meinungsführerschaft, denn dank der neuen bildgebenden Verfahren erkannte man, daß bei psychischen Prozessen im Gehirn jeweils irgend etwas blinkt, woraus man nun – große Neuheit! – schließt, daß alles Materie sei, somit es keine Seele gebe, darum auch keinen freien Willen.
Einen Eindruck vom Stand der Diskussion hat der Chronist bei einer Tagung bekommen.
Einen Eindruck vom Stand der Diskussion hat der Chronist bei einer Tagung bekommen.
Montag, 17. November 2008
Die Stasi und Wikimedia
Was einem so alles verboten wird, kann hier nachgelesen werden. Möchte nicht wissen, wie viele Leute nun auf dieser Seite nachlesen werden.
Freitag, 14. November 2008
Liberale Politik
Der Chronist scheint wieder in der Gegenwart angekommen und bietet zwei aktuelle Beobachtungen:
• Freies Spiel der Kräfte ohne rechtliche Regulierung führt offenkundig unweigerlich zur größtmöglichen Gemeinheit. Lesen Sie selbst!
• Regierungspolitiker sind dabei, die Gewaltenteilung abzuschaffen. Lesen Sie selbst!
• Freies Spiel der Kräfte ohne rechtliche Regulierung führt offenkundig unweigerlich zur größtmöglichen Gemeinheit. Lesen Sie selbst!
• Regierungspolitiker sind dabei, die Gewaltenteilung abzuschaffen. Lesen Sie selbst!
Mittwoch, 12. November 2008
«Mijn huis is een huis des gebeds; maar gij hebt dat tot een Oosterhuis gemaakt»
So sollen Kundige den Zustand der Kirchen in den Niederlanden charakterisieren.
Ein Artikel in der Münsteraner Kirchenzeitung stößt auf Bedenken des Chronisten.
Ein Artikel in der Münsteraner Kirchenzeitung stößt auf Bedenken des Chronisten.
Dienstag, 11. November 2008
Sonntag, 9. November 2008
Mittwoch, 5. November 2008
Neues aus der real existierenden Liturgie
hat Phileirenos beobachtet. Lesen Sie es, lesen Sie es selbst!
Dienstag, 4. November 2008
Beiläufig nur
erfährt man gelegentlich wunderliche Eigenheiten unseres Rechtsstaates. Zweierlei etwa las ich ganz am Rande in der tageszeitung eines einzigen Tages:
• Gegen Maßnahmen des Bahnvorstandes, die den Eindruck erwecken können, Männern ebendieses Vorstandes mehr zu nützen als den Bahnfahrern, gebe es keine Weisungsmöglichkeit des Bundes, obwohl der Bund hundertprozentiger Eigentümer des Unternehmens ist. «Das Aktienrecht mache es auch einem Eigentümer schwer, Einfluss auf operative Entscheidungen zu nehmen», erfährt man vom Sprecher des Verkehrsministers.
Das Recht auf Eigentum ist ein Grundrecht, das hierzulande gerne überbewertet wird derart, daß der andere Satz des Grundgesetztes, daß Eigentum verpflichtet, zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll, hintangestellt wird. Nun aber erfahre ich, daß dem Aktienrecht nach das Recht des Eigentümers ebenso wie das Wohl der Allgemeinheit zurückzustehen hat gegenüber der Macht der Funktionäre.
• Geldstrafen werden gerechterweise nach Tagessätzen bemessen. Jedoch lese ich nun, daß das Strafgesetzbuch den Tagessatz auf höchstens 5.000 € begrenzt. Der Tagessatz, den etwa der Vorstandsvorsitzende der Bahn zu zahlen hätte (über sein Einkommen hat gerade der andere Artikel aufgeklärt), betrüge also relativ nur wenig mehr als die Hälfte des Tagessatzes eines Sozialhilfeempfängers.
• Gegen Maßnahmen des Bahnvorstandes, die den Eindruck erwecken können, Männern ebendieses Vorstandes mehr zu nützen als den Bahnfahrern, gebe es keine Weisungsmöglichkeit des Bundes, obwohl der Bund hundertprozentiger Eigentümer des Unternehmens ist. «Das Aktienrecht mache es auch einem Eigentümer schwer, Einfluss auf operative Entscheidungen zu nehmen», erfährt man vom Sprecher des Verkehrsministers.
Das Recht auf Eigentum ist ein Grundrecht, das hierzulande gerne überbewertet wird derart, daß der andere Satz des Grundgesetztes, daß Eigentum verpflichtet, zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll, hintangestellt wird. Nun aber erfahre ich, daß dem Aktienrecht nach das Recht des Eigentümers ebenso wie das Wohl der Allgemeinheit zurückzustehen hat gegenüber der Macht der Funktionäre.
• Geldstrafen werden gerechterweise nach Tagessätzen bemessen. Jedoch lese ich nun, daß das Strafgesetzbuch den Tagessatz auf höchstens 5.000 € begrenzt. Der Tagessatz, den etwa der Vorstandsvorsitzende der Bahn zu zahlen hätte (über sein Einkommen hat gerade der andere Artikel aufgeklärt), betrüge also relativ nur wenig mehr als die Hälfte des Tagessatzes eines Sozialhilfeempfängers.
Samstag, 18. Oktober 2008
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Brauchen wir Mafiamitarbeiter im Justizministerium?
Der Chronist scheint zurückzukehren; er ist schon im September angekommen. Lesen Sie seine Überlegungen über die Mitarbeiter bundesdeutscher Ministerien!
Sonntag, 28. September 2008
Da gibt´s das Blog für die außerordentliche Form
und das Blog für die ordentliche Form....
aber die Frage aller Fragen könnt Ihr in der Umfrage dieses Blogs beantworten!
und das Blog für die ordentliche Form....
aber die Frage aller Fragen könnt Ihr in der Umfrage dieses Blogs beantworten!
Donnerstag, 25. September 2008
Unser Stadtteil soll öder werden II.
Wir hatten uns schon in Worten ereifert; Sie können aber auch Bilder sehen von dem bedrohten Gebiet - und auch sehen, was man dagegen zu tun sucht.
Montag, 22. September 2008
Donnerstag, 11. September 2008
Nach den Tragödien folgt das Satyrspiel
Nachrichten eines Tages:
Der südossetische Präsident erklärt, Südossetien wolle nicht unabhängig werden, sondern sich mit Nordossetien vereinigen und so Teil der Russischen Föderation werden. Daraufhin erklärt der russische Außenminister, Südossetien werde unabhängig bleiben. Darauf nun erklärt der südossetische Präsident, er sei mißverstanden worden, natürlich wolle Südossetien unabhängig bleiben.
So etwas also nennt man Unabhängigkeit.
Der südossetische Präsident erklärt, Südossetien wolle nicht unabhängig werden, sondern sich mit Nordossetien vereinigen und so Teil der Russischen Föderation werden. Daraufhin erklärt der russische Außenminister, Südossetien werde unabhängig bleiben. Darauf nun erklärt der südossetische Präsident, er sei mißverstanden worden, natürlich wolle Südossetien unabhängig bleiben.
So etwas also nennt man Unabhängigkeit.
Donnerstag, 4. September 2008
Mensch Clemens
Eine katholische Blogger-Initiative antwortet dem protestantischen Liedermacher und Pfarrer Clemens Bittlinger auf dessen Papstgesang: hier.
Freitag, 29. August 2008
Nachrichten aus Eriwan
Unter diesem Titel ist in einem Blog ein Reisebericht aus Armenien zu finden, den ich empfehlen kann.
Montag, 25. August 2008
Samstag, 23. August 2008
Mittwoch, 20. August 2008
Dienstag, 5. August 2008
Zweierlei Maß
Aufstand in der SPD: Herr Clement soll ausgeschlossen werden, weil er vor der Landtagswahl in Hessen, öffentlich davon abgeraten hatte, die Spitzenkandidatin seiner Partei, Andrea Ypsilanti, zu wählen. So etwas nennt man gemeinhin parteischädigendes Verhalten, und dafür gilt wohl in allen Parteien der Ausschluß als angemessene Reaktion. Einen besonderen Haut goût bekommt die Sache dadurch, daß Herr Clement seine Ablehnung von Frau Ypsilanti mit ihrem energiepolitischen Kurs begründete – er sitzt im Aufsichtsrat von «RWE-Power».
Aber die Parteigrößen der SPD protestieren gegen seinen Parteiausschluß.
Zum Vergleich: schon im April wurde, weil er vor der Landtagswahl in Niedersachsen zur Wahl der Linken aufgerufen hatte, Detlev von Larcher, ehemaliger SPD-Bundesabgeordneter, ehemaliger SPD-Unterbezirksvorsitzender, umgehend aus der SPD ausgeschlossen.
Damals aber protestierte keine der Parteigrößen. Hier wird also mit zweierlei Maß gemessen. Der mir erkennbare Unterschied ist der, daß Herr von Larcher, der sich nur bei Attac engagiert, nicht bei RWE, keinerlei Haut goût zu bieten hat, sondern sich letztlich, wenn auch reichlich über die Bande gespielt, für das Wohl seiner Partei einsetzen will.
Einen interessanten Vorschlag macht der SPD-Bundestagsabgeordnete Gerd Andres, der den Parteiausschluß für eine Abrechnung mit der Agenda 2010 hält: „Aber wenn man das will in der SPD, dann müssen sie auch mich ausschließen, Gerhard Schröder, Frank-Walter Steinmeier, Ulla Schmidt – also das ganze Kabinett. “
Na, denn man tau!
Aber die Parteigrößen der SPD protestieren gegen seinen Parteiausschluß.
Zum Vergleich: schon im April wurde, weil er vor der Landtagswahl in Niedersachsen zur Wahl der Linken aufgerufen hatte, Detlev von Larcher, ehemaliger SPD-Bundesabgeordneter, ehemaliger SPD-Unterbezirksvorsitzender, umgehend aus der SPD ausgeschlossen.
Damals aber protestierte keine der Parteigrößen. Hier wird also mit zweierlei Maß gemessen. Der mir erkennbare Unterschied ist der, daß Herr von Larcher, der sich nur bei Attac engagiert, nicht bei RWE, keinerlei Haut goût zu bieten hat, sondern sich letztlich, wenn auch reichlich über die Bande gespielt, für das Wohl seiner Partei einsetzen will.
Einen interessanten Vorschlag macht der SPD-Bundestagsabgeordnete Gerd Andres, der den Parteiausschluß für eine Abrechnung mit der Agenda 2010 hält: „Aber wenn man das will in der SPD, dann müssen sie auch mich ausschließen, Gerhard Schröder, Frank-Walter Steinmeier, Ulla Schmidt – also das ganze Kabinett. “
Na, denn man tau!
Wieder gute Nachrichten
Auf Mailand bezieht sich «Summorum pontificum ja eigentlich gar nicht; Aber nichtsdestoweniger trägt es auch dort Früchte.
Freitag, 1. August 2008
«Wer soll diese Plörre saufen?»
fragte die tageszeitung auf der Titelseite. Dazu findet man einen Artikel – samt Leserbrief –, der erklärt, wieso immer mehr Bier einen faden Einheitsgeschmack bietet, sowie eine kleine Übersicht, welche Biersorten bereits zu den allergrößten Konzernen gehören. Und schließlich beim Chronisten eine Betrachtung über Bier auf dem freien Markt.
Die Grenzen unseres Rechtsstaats
Todesstrafe und Folter sind bei uns abgeschafft. Der Chronist aber äußert Zweifel, ob dem wirklich so ist.
Unser Stadtteil soll öder werden
– das ist der offizielle Zweck (wörtlich: «lichte Umgebung»), weshalb der Stadtbezirk Eimsbüttel an der bisher beliebten Isebek-Uferpromenade etliche Bäume fällen lassen und durch Beton und übersichtliche Ziersträucher ersetzen will. 240 000 € will der Bezirk dafür springen lassen.
Daß in Hamburg gespart werden muß, ist wohlbekannt; nun erfährt man wieder einmal, wofür gespart werden muß.
Daß in Hamburg gespart werden muß, ist wohlbekannt; nun erfährt man wieder einmal, wofür gespart werden muß.
Sonntag, 27. Juli 2008
Donnerstag, 24. Juli 2008
Montag, 21. Juli 2008
Immer wieder gute Nachrichten
aus Rom und nun aus Sidney.
Gregorianik mit Ison! selbst in Dinslaken waren wir noch nicht immer ganz so weit.Da bin ich gespannt auf den nächsten Tag der Abendländischen Musik.
Und Mundkommunion im Knien, wenn der Papst die Kommunion spendet. Daß der Empfang im Knien dringend wünschenswert ist, bedarf keiner Diskussion.
Und Mundkommunion? Ich praktiziere dort, wo es allgemein üblich ist, die Handkommunion. Ich finde sie an sich durchaus angemessen, aber es ist doch eine gewisse Last, dann zuerst die Hand nach Bröckchen absuchen zu müssen. Aber daß ich des öfteren auch welche finde, zeigt, wie notwendig das ist.
Jedoch - eigentlich sollte man ja während der Kommunion nicht beobachten, aber gelegentlich tue ich es dennoch - macht sich der Großteil der Kommunikanten nicht diese notwendige Mühe; und außerdem sehe ich, daß die meisten nicht die Hand, in der sie den Leib des Herrn empfangen haben, zum Munde führen, wie es in der Urkirche geschah und ähnlich auch konzelebrierende Priester der Ostkirche bis heute tun, sondern daß sie aus dem Empfang eine Selbstspendung machen, indem sie mit der einen Hand den Leib des Herrn aus der anderen nehmen. Ein in der Beschreibung geringfügig klingender Unterschied; wenn man es aber sieht oder praktiziert, zeigt sich, daß dieser Unterschied die Bedeutung der Sakramentsspendung berührt.
Und ich fürchte, daß der Weg zurück zur angemessenen Form der Handkommunion schwieriger wäre als die Rückkehr zur Mundkommunion. Also hat der Papst wohl auch da recht.
Gregorianik mit Ison! selbst in Dinslaken waren wir noch nicht immer ganz so weit.Da bin ich gespannt auf den nächsten Tag der Abendländischen Musik.
Und Mundkommunion im Knien, wenn der Papst die Kommunion spendet. Daß der Empfang im Knien dringend wünschenswert ist, bedarf keiner Diskussion.
Und Mundkommunion? Ich praktiziere dort, wo es allgemein üblich ist, die Handkommunion. Ich finde sie an sich durchaus angemessen, aber es ist doch eine gewisse Last, dann zuerst die Hand nach Bröckchen absuchen zu müssen. Aber daß ich des öfteren auch welche finde, zeigt, wie notwendig das ist.
Jedoch - eigentlich sollte man ja während der Kommunion nicht beobachten, aber gelegentlich tue ich es dennoch - macht sich der Großteil der Kommunikanten nicht diese notwendige Mühe; und außerdem sehe ich, daß die meisten nicht die Hand, in der sie den Leib des Herrn empfangen haben, zum Munde führen, wie es in der Urkirche geschah und ähnlich auch konzelebrierende Priester der Ostkirche bis heute tun, sondern daß sie aus dem Empfang eine Selbstspendung machen, indem sie mit der einen Hand den Leib des Herrn aus der anderen nehmen. Ein in der Beschreibung geringfügig klingender Unterschied; wenn man es aber sieht oder praktiziert, zeigt sich, daß dieser Unterschied die Bedeutung der Sakramentsspendung berührt.
Und ich fürchte, daß der Weg zurück zur angemessenen Form der Handkommunion schwieriger wäre als die Rückkehr zur Mundkommunion. Also hat der Papst wohl auch da recht.
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