Donnerstag, 22. Juli 2010

Öffentliche Mittel für private Patente

Eine Studentin macht einen sinnvollen Vorschlag – und er wird von einer renommierten Hochschulklinik angenommen!
Und ganz nebenbei erfahre ich, daß Forschungsergebnisse, an denen staatliche Einrichtungen maßgeblich beteiligt waren, bedingungslos der Privatindustrie überlassen werden, die daraus dann Patente machen kann.

Freitag, 16. Juli 2010

Die Bilder der Apostel

In einer römischen Katakombe habe ich einmal eine Zeichnung gesehen, wohl noch aus der Märtyrerzeit, die, obwohl ohne Beschriftung, leicht als Portrait des Apostels Petrus zu erkennen ist. Offensichtlich hat es in der Urkirche eine bildliche Tradition gegeben, durch die uns die Gesichtszüge einiger Heiliger überliefert worden sind.
Aus nur wenig späterer Zeit ist nun eine prachtvolle farbige Darstellung entdeckt worden.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die Ethik der Ethikkommissionen

Ein Psychotherapeut steht oft vor der Frage: will jemand Therapie machen, um sich mit deren Hilfe zu ändern, oder will er sie machen, um sich nicht ändern zu müssen? Ebenso gibt es die Frage: konsultiert jemand eine Ethikkommission, um sich mit deren Hilfe ethisch zu verhalten, oder konsultiert er sie, um sich nicht ethisch verhalten zu müssen?
Lest nach beim Chronisten!

Mittwoch, 14. Juli 2010

Neue Wege gehen...

... mehr Chancen eröffnen, Potenziale (sic!) nutzen.

Das ist der Titel des Koalitionsvertrags der neuen nordrhein-westfälischen Landesregierung.

Unter diesem Motto hat die kleinste Pfarrei des Bistums Münster ihre Konsequenzen gezogen.

Wie sagte doch die Schneiderin? "Mittelalterliches muß nicht teuer sein."

Samstag, 10. Juli 2010

Der Mythos vom friedlichen Buddhismus

Der Buddhismus sei an sich friedlich, habe anders als das Christentum niemals Krieg geführt, lese oder höre ich nicht selten. Nun, daß das historisch falsch ist, ist bekannt, wenn man es denn wissen will. Auch die Dalai Lamas haben keineswegs nur mit friedlichen Mitteln Politik getrieben; und die Machtkämpfe der buddhistischen Orden im Mittelalter sind berüchtigt (nicht minder als die des Deutschen Ordens in Preußen), vom Einsatz der Mönchssoldaten des Tendai-shu bis zur Zwangsrekrutierung der Anhänger des Jodo-shu mittels Exkommunikationsdrohung.
Das ist Vergangenheit – heute gibt es keine buddhistischen Institutionen mehr, die die Macht über Staaten oder auch nur größere Herrschaftsgebiete innehätten. Aber auf Ceylon, lese ich in der tageszeitung, gehören buddhistische Mönche zu denen, die das Bureau der Vereinten Nationen in Colombo belagerten und das Ende der Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkriegs gegen die tamilischen Aufständischen forderten.

Freitag, 9. Juli 2010

Montag, 5. Juli 2010

Trennung von Staat und Kirche

Eine in Italien wohnende Finnin hat gegen die Republik Italien vorm Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte darauf geklagt, die Kreuze aus staatlichen Schulen zu entfernen. Einen Schein von Rechtfertigung erhält ihre Klage dadurch, daß in Italien Staat und Kirche laut Verfassung getrennt sind.
Aber es ist nur ein Anschein. Zwei Argumente stellt der Chronist dementgegen.

«Suchen und finden»

Wieder droht allseitiges Händehalten zum Pater noster. Diesmal folge ich, freilich ein wenig verlegen, Dilettanti Anweisung. Ich muß nicht einmal hinausgehen, hinten in der Kirche ist alles leer.
Ein weiterer Eindruck von der Religiösen Kinderwoche ist beim Chronisten zu finden.

Donnerstag, 1. Juli 2010

«Hilfsschule» – der Kreis schließt sich

Als ich klein war, gab es «Hilfsschulen». Daraus wurden dann «Sonderschulen», dann «Förderschulen». Und nun habe ich erfahren, daß sie nun zu «Schulen für Lernhilfe» geworden sind – der Kreis schließt sich.
Übrigens haben sich diese Schulen wieder einmal als ein «Segen» für ihre Schüler erwiesen.

Gibt es ein Recht auf Eigentum?

Das Eigentumsrecht erscheint hierzulande als höchstes Prinzip – von den Rechten der Alteigentümer im früheren Deutschdemokratien bis zu den Rechten von Unternehmenseignern gegenüber ihren Arbeitnehmern (ungeachtet der grundgesetzlichen Norm, Eigentum verpflichte). Aber gilt er auch für kleine Gewerbetreibende?
Der Chronist hat darüber berichtet.

Mittlerweile hat sich dort allerdings die Sachlage verändert: der Gewerbebetrieb muß ausziehen; darum darf der Besitzer – bei unveränderter Sicherheitslage – sein Eigentum bergen. Ob die monatelange Schließzeit nötig war, wird sich freilich wohl nicht mehr herausstellen; seine Aussichten auf Schadensersatz jedenfalls sind gering.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Alte Messe ist Zeitgenossenschaft


Aus einem Brief an einen Professor für Kirchengeschichte:

herzlichen Dank für die beiden Texte. Ich habe sie mit Freude und Gewinn gelesen – und fühlte mich ein wenig in die gute alte Studienzeit versetzt.


Natürlich kann und will ich keine historische Diskussion versuchen. Ein „Urzustand“ der Liturgie ist ja ohnehin wissenschaftlich immer eine Hypothese und kann daher redlicherweise nicht als Ideal für die heutige Liturgie gelten, weil morgen schon neue historische Erkenntnisse gewonnen werden können. Außerdem: Die Menschen des 4. Jahrhundert lebten in einem anderen kulturellen Kontext als wir.

Lassen Sie mich meinen Zugang zur Liturgie mit einem Vergleich beginnen: In meiner Studienzeit bot der Alttestamentliche Lehrstuhl noch Vorlesungen „Zur Theologie der Priesterschrift“ an. Das ist vielleicht ein interessantes Unterfangen, bringt aber glaubensmäßig nichts. Sicher ist es z.B. gut, die verschiedenen Schöpfungsmythen Babylons und Ägyptens zu kennen, um deren Spuren in der Bibel wieder zu entdecken. Aber das bringt mich nicht näher zu Gott. (Entschuldigung, aber als Pastor kommt man sehr schnell zu der schlichten Frage: Was bringt das?) Natürlich bin ich ein großer Freund der Geschichte und der Geschichtswissenschaft, denn das „bringt“ Identitätsbewußtsein. Es geht mir nicht um eine unwissende, geschichtsvergessene Naivität – im Gegenteil. Meines Erachtens sollten wir aber anerkennen, daß es genau diese Geschichte ist, die uns zum gegenwärtigen Zustand geführt hat – und daß diese Geschichte, insofern sie die Kirche, die Liturgie oder die Heilige Schrift betrifft, vom Heiligen Geist gewirkt oder wenigstens durchdrungen ist. Das heißt: die „real existierende Gegenwart“ der Kirche und ihrer Liturgie ist nicht das Ergebnis einer Dekadenz, sondern einer – vorsichtig gesagt – vom heiligen Geist begleiteten Entwicklung, die, da durch und mit Menschen geschehend, immer auch Fehler beinhaltet, als ganze aber nicht irregeht.

Praktisch gesagt: Ich muß mich mit dem Meßbuch in erster Linie versöhnen und nicht es kritisieren. Wenn ich z.B. höre, daß bei einer Klausur in Liturgiewissenschaft an einem deutschen Lehrstuhl die Aufgabe gestellt wird „Kritisieren Sie das II. Hochgebet“, dann frage ich: Was bringt das? Und: Wo führt das hin? Und die letzte Frage ist leicht zu beantworten: zum Ringbuch und zu einer Vergewaltigung der Gläubigen durch die meist doch recht dürftigen Eigenkreationen von Priestern, die sich besser an das Meßbuch hielten. Sicher hatte Papst Gregor der Große eine viel freiere und großherzigere Haltung in dieser Frage als Pius V.. Aber die ausgehende Antike war auch eine andere Zeit als die nachreformatorische Zeit. Wenn Papst Gregor wüßte, was viele Priester der Kirche heute am Altar den Gläubigen „bieten“, wäre er sehr schnell bei der Lösung Pius’ V: ein verbindliches Meßbuch für alle.

Wir müssen auch die Mobilität und Kommunikationsmöglichkeiten der Moderne berücksichtigen: Was der Papst heute morgen auf dem Petersplatz sagt, lese ich eine Stunde später an meinem Schreibtisch. Menschen verreisen, ziehen öfter um und fahren mit dem Auto zu einer Kirche, die ihnen aus irgendwelchen Gründen zusagt. Soll es da von Kirche zu Kirche so zugehen, wie es dem Priester oder einem Liturgiekreis gefällt? Das wäre doch Gift, brächte Verwirrung und Spaltung hervor. In Städten mag eine gewisse „Angebotsbreite“ gerechtfertigt sein, namentlich in Universitäts- oder Studentenkirchen (obwohl ich auch da skeptisch bin). Aber in einer Pfarrgemeinde (mit dem „Auftrag zur flächendeckenden Grundversorgung“), muß nach dem gültigen Missale zelebriert werden, vor allem um die Gläubigen vor Einseitigkeit, Willkür, Geschmacklosigkeit und Platitüden zu schützen.

Vor diesem Hintergrund sehe ich auch die Erlaubnis, nach dem alten Missale zu zelebrieren. Das ist kein zurück in die Unfreiheit – das geschieht Anfang des 21. Jahrhunderts, in dem sich sehr individuelle Christen über weblogs und facebook vernetzen und auf einmal feststellen: es gibt viele, die die alte Messe lieben und wollen, die aber nichts mit den Piusbrüdern zu schaffen haben wollen und „merkwürdigerweise“ menschlich völlig normal sind. Es ist ein Akt der Freiheit, der in sehr bewußter Zeitgenossenschaft geschieht – in Faszination für die „Objektivität“, Erhabenheit und Sakralität des Ritus, von dem natürlich jeder weiß, daß auch er seine Geschichte und seine Brüche hat. Aber in unserer orientierungslosen, hastigen und jenseitsvergessenen Zeit steht der alte Ordo mit den genannten Eigenschaften für das, was die Menschen zum Heil führen kann. Kurz: Das ist jetzt „dran“.

Dienstag, 29. Juni 2010

Literarische und wirkliche Anliegen

Wichtige Anliegen wurden in den Fürbitten am Sonntag genannt – doch sie erscheinen als zufällig, es sind bei der Gottesdienstvorbereitung erdachte Schriebtischanliegen.
Literarische und wirkliche Anliegen meint der Chronist unterscheiden zu müssen.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Die öffentliche Meinung ist lutherisch

– sie verzeiht nur aus Gnade, ohne Anrechnung von Verdienst. So hat Frau Käßmann ihre Verzeihung erlangt, Bischof Mixa nicht.

Ein tragischer Unfall anno 2010

Ein Fußgänger will über die Straße gehen, sieht sich um, sieht nur ein paar Deutschlandfahnen kommen. Fahnen sind ungefährlich, denkt er und geht über die Straße. Doch er hat nicht gesehen, daß sich unter den Fahnen ein Auto verbirgt, und so wird er überfahren.

Samstag, 12. Juni 2010

Stockholm-Syndrom und Sparmaßnahmen

Stockholm-Syndrom – Geiseln beginnen mit den Geiselnehmern zu sympathisieren – und Sparmaßnahmen: was hat das miteinander zu tun?
Vom Chronisten könnt Ihr es erfahren.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Kinder mögen

alles, was grell und bunt, süß, laut und häßlich ist, könnte man meinen, wenn man auf die Angebote der Warenwelt für Kinder sieht.
Aber das ist falsch. Ich etwa habe schon als Kind alles Laute gehaßt; und daß Kinder erst dazu erzogen werden, gerne Süßes zu mögen, ist mir längst aufgefallen (und bei mir ist die Erziehung dazu glücklicherweise mißlungen). Daß auch grell, bunt und häßlich nicht sein muß, konnte eine Familie erfahren, die völlige Plastikabstinenz beschlossen hat. «Überhaupt keinen Streit gab es dagegen, als die Kinder ihre Spielsachen einer Inventur unterziehen sollten. Die Kleinen haben da „mehr Instinkt“ und sind noch nicht so sehr an die Plastikwelt gewöhnt wie wir» und «Auch in der Schule der Kinder gebe es keine Hänseleien wegen des außergewöhnlichen Experiments», wird berichtet.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Fronleichnam in Obersachsen

Ein verregneter Tag. Erst als ich nach getaner Arbeit nach Hause ging, hatte der Regen aufgehört. Aber es blieb feucht und ungemütlich.
Hier in Obersachsen ist Fronleichnam kein Feiertag. Darum begann das Hochamt erst um 6 Uhr nachmittags. Während der Messe kamen erste Sonnenstrahlen durch die Fensterscheiben, nach der Messe war die Wolkendecke aufgerissen, der Schlußsegen schließlich wurde bei strahlendem Sonnenschein gegeben.

Dienstag, 1. Juni 2010

Hatte Clemens XIV. doch recht?

In der tageszeitung wird wenig wohlwollend der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten zitiert.
Über die Opfer des Mißbrauchs sagt er: «Ausdrücklich wende ich mich an dieser Stelle an alle, die sich als „Opfer“, „Überlebende“ oder einfach „Betroffene“ des Missbrauchs in den Einrichtungen unseres Ordens erfahren. Im Namen des Ordens anerkenne ich mit Scham die Schuld und das Versagen des Ordens und bitte ich sie noch einmal um Entschuldigung.»
Über die Täter sagt er: «Sie gehören zu uns, und wir werden sie nicht aus unserer Gemeinschaft verstoßen. Der Schutz ihres Persönlichkeitsrechts muss gewährleistet werden, bei Bedarf auch mit Hilfe von Anwälten.»
Die tageszeitung findet, daß das, was der Provinzial über die Opfer sagt, weniger herzlich klingt als das, was er über die Täter sagt.
Leider hat die tageszeitung recht.
Was die finanzielle Entschädigung angeht, findet er es «wichtiger, Gelder in die Prävention zu stecken». Das freilich geht an den bisherigen Opfern vorbei – abgesehen davon glaube ich nicht, daß die geeignete Prävention durch finanziellen Aufwand zu bewerkstelligen ist; intensiveres geistliches Leben schiene mir sinnvoller. Aber vielleicht wird das Geld ja auch schon für die «Hilfe von Anwälten» gebraucht.
Achtenswert war allerdings, wie P Mertes sich um Aufdeckung bemühte. Andererseits jedoch hat er die Gelegenheit genutzt, seine frisch gewonnene Popularität zu Propaganda zu nutzen für seine sehr persönlichen Vorstellungen.

Auch Ordinariate haben sich in der gegenwärtigen Affairenserie nicht immer überzeugend verhalten, etwa in der Art, wie sie verständliche Wünsche der Opfer abbügeln. Aber die SJ ...
Nein, Clemens XIV. hatte nicht recht; die damaligen Jesuiten waren unschuldig; und auch heute noch mangelt es nicht an hochachtenswerten Priester dieser Gesellschaft. Aber meine Sympathie für die SJ hat gelitten.

Samstag, 29. Mai 2010

Hilfe! Hilfe! Hilfe!

Kennt Ihr St. Afra? Eine schöne Kirche mitten in Berlin, im Wedding, in der schöne Liturgie gefeiert wird – weshalb diese Kirche nicht aus Kirchensteuermitteln finanziert wird, sondern, vom Institut St. Philipp Neri getragen, durch Spenden unterhalten wird.
St. Afra ist in Not. Darum ruft das Institut um Hilfe. Aber es schreibt auch: «Wenn jeder, der diesen Brief empfängt, € 50 gäbe, wären unsere Probleme für die Zeit gelöst, die wir brauchen, um neue Spender (etwa durch eine englische Website) anzusprechen. Für manchen sind € 50 ein unerreichbar hoher Betrag - vielleicht ist aber gerade für Sie sogar ein größerer Betrag möglich. Wenn jeder großherzig tut, was er kann, ist das Institut gerettet.»
Machen wir mit! Ich will auf diese Weise dazu beitragen, daß möglichst viele Menschen diesen Brief empfangen.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Das fehlte hier noch:

Dienstag, 25. Mai 2010

Der „Großinquisitor“

Die Brochure «Männer um den Papst», ein Pamphlet aus dem Zentralverlag der NSDAP gegen die katholische Kirche, das wohl durch meinen Onkel in den Familienbesitz gekommen ist – er betätigte sich in der Jugendarbeit der Diözese Münster und wollte wohl den Feind genauer beobachten; er ist später im II. Weltkrieg gefallen –, hatte ich hervorgeholt, um die braunen Angriffe gegen Kardinal Pacelli aufzuzeigen. Dabei bin ich auf Angriffe gegen eine weitere dem Kundigen wohlbekannte Persönlichkeit der Kirche gestoßen.
Die Brochure umfaßt, wie bereits gesagt, außer vier Anhängen sechs Kapitel, deren erstes die Organisation der Kurie darstellt, die nächsten vier beschreiben vier Männer der Kurie, das sechste einige Nuntien. Von jenen Männern der Kurie sind zwei Kardinäle – Eugenio Pacelli und Giuseppe Pizzardo –, der dritte ein Erzbischof – Celso Costantini –, der vierte aber ein einfacher Monsignore aus dem heiligen Officium, weswegen dieses Kapitel «Der „Großinquisitor“» überschrieben ist (S.20). Daß er seinem so mäßigen Rang zum Trotz so ausführlich besprochen wird, zeigt die Gefährlichkeit, die die Nationalsozialisten ihm als Gegner beimaßen.

Bilder, auf denen Alfredo Kardinal Ottaviani zu sehen war, gelangten schon 1963 in die breite Öffentlichkeit, als er als Kardinal-Protodiakon die Wahl Kardinal Montinis zum Papst verkündete und ihn dann mit der Tiara krönte. Bekannter wurde er aber sechs Jahre später, als er zusammen mit Kardinal Bacci das Breve esame critico del «Novus Ordo Missae» herausgab – das veranlaßte den Papst zwar, die Einleitung dieses Novus Ordo abzuändern, nicht aber den Ordo selbst.
Etwas weniger bekannt ist, daß Ottaviani, ein Mann aus dem einfachen Volk sich mit großem Engagement persönlich und finanziell der armen Jugendlichen von Trastevere und aus der Umgebung des Vatikan und von Trastevere annahm. Und er trat zudem ein für die Bekämpfung sexuellen Mißbrauchs; er verfaßte Crimen sollicitationis, eine Schrift, durch die das Vorgehen dagegen mit entschiedener Strenge geregelt wurde – ausgerechnet dieses Werk wurde vier Jahrzehnte später mittels falscher Wiedergabe zur Diffamierung des Kardinals benutzt.
Alfredo Kardinal Ottaviani war ein durchaus konservativer Mann. Nichtsdestoweniger aber bekannte er sich schon 1947 zu einem klaren Pazifismus, erklärte: «Bellum omnino est interdicendum».
Ein Mann also, der sich gleichermaßen um das Wohl der Kirche, um ihre Lehre, ihre Liturgie, und um das Wohl armer und gefährdeter Jugendlicher verdient gemacht hat.
Dieser Alfredo Ottaviani war es, der schon in der dreißiger Jahren den Nationalsozialisten als hochgefährlicher Gegner, als «Großinquisitor» erschien:
«Der eigentliche Chef des Heiligen Offiziums ist aber der sehr junge und ungewöhnlich tatkräftige Assessor Mgr. Alfredo Ottaviani ... ein Todfeind des totalen Staates» (S.6), befindet die braune Brochure.
«Das heilige Offizium wacht und duldet keinen Abstrich an der reinen Lehre, und diese Lehre der Kirche verurteilt als öffentliche Todsünde die „Statolatrie“, die „Staatsvergötzung“» (S.20).
«.. und sein
[Mgr. Ottavianis] „Lehrbuch des Kirchenrechts“, das im Jahre 1935/36 in 2. Auflage erschien und das besonders die Beziehungen des Staates zur Kirche behandelt, ...
Natürlich enthält das Buch die bekannte katholische Lehre vom Staat, der nicht die Quelle des Rechtes ist, sondern eine ganze Reihe von überstaatlichen Gebilden und Rechten, Familie, Stamm, Elternrechte und Rechte der Person, kurzum das gesamte Naturrecht, bereits vorfindet, wozu noch das göttliche Recht der Kirche kommt. Das Staatsrecht wird durch diese älteren Rechtssphären begrenzt, und der Zweck des Staates besteht lediglich in der Sorge um das zeitliche Wohl der Bürger, die nur soweit in Anspruch genommen werden dürfen, als es das Gemeinwohl verlangt. ... Ein Staat, der sich selbst als alleinige Quelle des Rechts betrachtete oder dem als Aufgabe etwa der Schutz oder die Erhaltung der Reinheit des Blutes und der germanischen Rasse zugewiesen wird, mißachtet die göttliche Rechtsordnung und begeht die Todsünde der „Statolatrie“. Darum verurteilt Ottaviani in diesem Lehrbuch in aller Form die [S.22] faschistische und nationalsozialistische Staatslehre, den „Hitlerismus“, wie er sich wörtlich ausdrückt (Band II, Seite 17)»
(S.21 f.).

PS. Die braune Brochure habe ich gescannt und als pdf-Datei gespeichert. Wer sie für die Dokumentation des Kampfes des NS-Regimes gegen die Kirche brauchen kann, kann von mir eine Kopie erhalten.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Pius XII. – Pacelli in brauner Sicht

Mein im II. Weltkrieg gefallener Onkel dürfte sich einst die Brochure beschafft haben, die seitdem in unserem Familienbesitz ist. Er betätigte sich früher in der Jugendarbeit der Diözese Münster und wollte wohl den Feind genauer beobachten.
«Männer um den Papst/Wer macht die Politik des Vatikans?» heißt sie. Sie ist 1938 erschienen im «Zentralverlag der NSDAP. Franz Eher Nachf G. m. b. H., Berlin», im 121. bis 150. Tausend. Angemerkt ist: «Diese Broschüre ist als Fortsetzungsfolge im „Angriff“ vom 11.11.37 bis 20.11.37 erschienen».
Die Texte wie auch der Druck der Brochure gehen also auf das Pontifikat Pius XI. zurück, auf die Zeit, als Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII., Kardinalstaatssekretär war.
Eigentlich mußten die Nationalsozialisten Papst Pius XI. hassen. Schon 1928 hatte er den Antisemitismus durch das Heilige Offizium verdammen lassen, im März 1937 durch die Enzyklika «Mit brennender Sorge» den Nationalsozialismus im besonderen verdammt. Seine Erklärung «Wir sind im geistlichen Sinne Semiten» stammt allerdings erst aus dem September 1938.
Aber die Autoren der Brochure hielten es wohl für taktisch klüger, nicht den Papst anzugreifen, sondern seine Ratgeber.
Ihr besonderer Haß gilt dem Kardinal Pacelli. Die Titelseite zeigt ein geschickt ausgewähltes Photo, auf dem ein dicker glatzköpfiger Mann dem breit lächelnden Kardinal den Ring küßt. Sie umfaßt (außer vier Anhängen) sechs Kapitel, deren erstes die Organisation der Kurie darstellt, die nächsten vier beschreiben vier Männer der Kurie, das sechste einige Nuntien.
Gleich das II. Kapitel (S. 8-11) gilt dem «Kardinal=Staatssekretär Pacelli». Einige Zitate aus diesem Kapitel sollen zeigen, wie die Nationalsozialisten den Kardinal und späteren Papst bewerteten, dem gewisse moderne Autoren Sympathie zum NS-Regime zu unterstellen sich mühen:
«.. und als ihm [Kardinal Pacelli] sein hohes Amt große Reisen nach Nord= und Südamerika und nach Frankreich ermöglichte, war er schon festgefahren und stellte auch diese Reisen noch in den Dienst eines unversöhnlichen Kampfes gegen den Nationalsozialismus. ... und eine unglückliche Liebe zum Deutschland des Weimarer Systems verleitet ihn nur noch mehr, gegen die heutige Staatsauffassung anzukämpfen. Diesem Kampf wird auf katholischer Seite alles geopfert, und alle erreichbaren Kräfte werden gegen das Dritte Reich mobilisiert. ... Pacelli hat sich mit diesem Kampf auf einen Weg begeben, der eines Tages die katholische Hierarchie des Auslandes, die Kardinäle und den Papst vor die Frage stellen wird: Ist der Vatikan für den Kampf Pacellis gegen das Dritte Reich da oder hat Pacelli dem Vatikan zu dienen?
... Pacelli ist schließlich verantwortlich für die schroffe Haltung des Vatikans gegen die Achse Rom – Berlin. Er hofft auf eine Rettung seines politischen Systems durch eine Anlehnung an die westlichen Demokratien»
(S.11).

Samstag, 15. Mai 2010

Pius XII.:
eine wahre Verschwörungsgeschichte

Die Mär vom «Schweigen des Papstes» gibt es nicht erst seit Hochhuths berüchtigtem «Stellvertreter» von 1963; sie war schon kurz erzählt in Peyrefittes «Les clés de Saint Pierre» (1955; deutsch: Die Schlüssel von Sankt Peter, Karlsruhe 1964). Aber Hochhuth hat doch wohl den größten Schaden anzurichten gewußt. Eigentlich fällt mir es schwer, an Geheimdienst-Verschwörungen zu glauben; aber in diesem Fall konnte Michael F. Feldkamp klar aufzeigen, daß das Ganze in der Tat auf sowjetische Propaganda zurückgeht und vom KGB lanciert wurde.

Da immer wieder allüberall Hochhuthiana und Goldhageniana auftauchen, habe ich mich bemüht, mich einigermaßen kundig zu machen. Falls jemand da noch Informationsbedarf hat, seien kurz die nach meinem Kenntnisstand interessantesten Quellen genannt:
Die bemerkenswerteste Darstellung der wahren Bedeutung des Papstes hat Pinchas E. Lapide geschrieben mit «Rom und die Juden» (Herder, Freiburg 1967; spätere Auflagen erschienen druckfehlerreich mit dem Untertitel «Papst Pius XII. und die Judenverfolgung» im Hess-Verlag). An Büchern sind zudem nennenswert «Goldhagens unwillige Kirche» (München 2003) von Michael F. Feldkamp und «Der Papst, der Hitler trotzte: Die Wahrheit über Pius XII.» von Michael Hesemann (2008).
Im Netz sind zu finden unter vielem anderen ein interessantes Interview mit dem Relator des Seligsprechungsprozesses für Pius XII., P. Peter Gumpel, und eine Widerlegung neuerer Verleumdungen durch Gianni Valente (auch auf deutsch).

Von dem, was ich selber an Unterlagen habe, will ich später berichten.

Dienstag, 11. Mai 2010

Pius XII.

ist jetzt sehr groß auf diesem Blog zu sehen, nicht als Schmuck, sondern als Bekenntnis.
Er ist der Papst, der - postum - viel mehr noch verleumdet wurde als jedweder heutige Kirchenfürst. Und wie ich mich zu Papst Benedikt bekenne, so will ich mich auch zu diesem großen Papst bekennen, der so entschieden und energisch sich gegen den Nationalsozialismus und für die Juden eingesetzt hat.

Montag, 3. Mai 2010

Der Weltethiker

« Kontakt

Sie möchten die Stiftung Weltethos in Tübingen kontaktieren?
Sie möchten Prof. Hans Küng kontaktieren?
Schreiben Sie uns, rufen Sie an, Mailen Sie oder schicken Sie ein Fax.

Stiftung Weltethos
Waldhäuser Straße 23
D-72076 Tübingen

E-Mail office@weltethos.org
Telefon +49 7071 62646
Fax +49 7071 610140 »

Vor einer Woche habe ich dieses Angebot genutzt: ich habe auf einen Offenen Brief eine Offene Antwort geschrieben, sie an diese e-Adresse geschickt und zur gleichen Zeit ins Netz gestellt.
In dieser Offenen Antwort habe ich mich bewußt nicht auf Themata eingelassen, die differenzierter Diskussion bedürfen, ich habe mich nicht auf die Frage eingelassen, ob das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung vielleicht ethisch begründet ist, ob kirchlicherseits der Gebrauch von Kondomen überhaupt verboten ist, wenn nur Infektionsprophylaxe intendiert ist, nicht aber Empfängnisverhütung. Ich habe nicht gefragt, für wie nützlich Weltethiker Kondome halten, die die Lagerungsbedingungen afrikanischer Dörfer oder Slums zu durchstehen hatten.
Ich habe nicht gefragt, wie es weltethisch zu bewerten ist, für die Stammzellenforschung Menschen zum alsbaldigen Verbrauch zu produzieren (denn nur darum kann es gehen – Forschung mit «adulten Stammzellen» ist theologisch ja schwerlich zu beanstanden). Ich habe auch nicht gefragt, ob als weltethische Richtschnur Versprechungen der Wissenschaftsindustrie taugen, die offensichtlich darauf ausgerichtet sind, in der Öffentlichkeit möglichst viel Stimmung zu machen, nicht aber an realistischen Erwartungen der Wissenschaft orientiert sind.
Ich habe nur auf offenkundige logische Brüche im Offenen Brief hingewiesen.
Welche Antwort nun habe ich vom Protagonisten des Dialogs bisher bekommen? – Keine!

Caffè sospeso und Brot vom Haken

In Neapel entdeckt ein Türke einen guten sozialen Brauch, den caffè sospeso, der freilich im Aussterben begriffen scheint; er überträgt ihn ins Türkische, bringt ihn nach Istanbul. Dort lernt ihn ein türkisches Ehepaar kennen, bringt ihn nach Hamburg. Danke!
Bemerkenswert ist die – glaubhafte – Begründung, warum dieser Brauch auszusterben droht: die Bedürftigen schämen sich. Wie steht es ums christliche Abendland, wenn die Armen, die doch das Evangelium selig preist, sich ihrer Bedürftigkeit zu schämen haben!

Freitag, 30. April 2010

Warum ich Papst Benedikt vertraue

Ein Treffen guter Katholiken in einer Vorstadtkirche. Die Messe zum Fest der heiligen Katharina von Siena wird gefeiert, sehr Novo ordine, aber der Prediger steht treu zu Kirche und Papst.
Danach, im Gespräch mit einem Mann aus der kleinen Schar: aber als der Papst noch Erzbischof von München war, da habe es doch einen Fall gegeben, wo ...
Nun, was für ein Mißbrauchsfall das wirklich gewesen wäre, wird nicht ganz klar; aber ich sehe, daß die Verdächtigungen schon bis hinein in fromme Kreise geschwappt sind.
Was ich bisher mitbekommen habe, sind zwei entstellende Zitate von Dokumenten der Glaubenskongregation, von der New York Times in die Welt gesetzt, von der deutschen Presse bereitwillig übernommen, ein nicht minder entstellender Hinweis von Hans Küng auf ein weiteres Dokument, und dann noch eine Geschichte aus München aus der Zeit, als Kardinal Ratzinger dort Erzbischof war: nicht, daß es klar sei, daß der Erzbischof davon gewußt hätte, aber es könnte sein. Und nicht, daß da etwas passiert wäre, aber es hätte etwas passieren können.
Nun, wenn man offensichtlich mit aller Macht sucht und nichts Aussagekräftiges findet, dann zeigt das, daß es nichts gibt, was gegen Papst Benedikt spräche. Sicher ist damit zu rechnen, daß man noch mehr an den Haaren herbeizerren wird; und darum werde ich bei jeder neuen Beschuldigung äußerst skeptisch sein.
Und ich bemerke, daß diese Energie, mit der man abträgliche Belege sucht, gegen einen Mann gerichtet ist, der in den letzten zehn Jahren, in schroffem Gegensatz zu allen Beschuldigungen, aufgefallen ist durch seien Einsatz zur Bekämpfung sexuellen Mißbrauchs. Das Motiv, gerade gegen ihn Beschuldigungen zu fabrizieren, kann nur Haß gegen die Kirche, kann nur odium nominis Christiani sein.
Ich habe großes Vertrauen zu Papst Benedikt als Person, so wie ich es schon zu Kardinal Ratzinger hatte; die gegenwärtigen Ereignisse zeigen mir, daß ich nicht nur vertrauen kann, sondern auch in der Pflicht bin, mein Vertrauen offen auszusprechen.

Beati estis cum maledixerint vobis et persecuti vos fuerint et dixerint omne malum adversum vos mentientes propter me; gaudete et exultate, quoniam merces vestra copiosa est in caelis: sic enim persecuti sunt prophetas qui fuerunt ante vos. (Matth. 5, 11-12)

Montag, 26. April 2010

Offene Antwort auf einen Offenen Brief

Sehr geehrter Herr Professor Küng,

Ihren Offenen Brief habe ich mit Interesse gelesen. Bitte gestatten Sie mir eine offene Antwort:

«Vertan die Annäherung an die evangelischen Kirchen: Sie seien überhaupt keine Kirchen im eigentlichen Sinn, deshalb keine Anerkennung ihrer Ämter und keine gemeinsamen Abendmahlsfeiern möglich», lese ich. Meiner Kenntnis nach beanspruchen die evangelischen Kirchen in Deutschland gar nicht, ein Amt in apostolischer Sukzession zu besitzen, lehnen ein solches gar grundsätzlich ab. Darum gibt es in ihnen gar keine Ämter, die man anerkennen könnte.

«Der Papst führt eine vorkonziliare Fürbitte für die Erleuchtung der Juden wieder ein», lese ich. Ich erinnere mich, daß der Papst eine vorkonziliare Fürbitte für die Erleuchtung der Juden abgeschafft, durch eine unbestimmtere Formulierung ersetzt hat.

«Der Papst ... nimmt notorisch antisemitische schismatische Bischöfe in die Kirche auf», lese ich, womit doch nur Bischöfe der Pius-Bruderschaft gemeint sein können. Von einem dieser vier Bischöfe wurden nach der Aufhebung der Exkommunikation Äußerungen bekannt, die es begründen, ihm Antisemitismus zu unterstellen. Einen Zusammenhang zwischen der Exkommunikation der vier und dem später dann offenkundig gewordenen Antisemitismus des einen gibt es nicht.

Von «Benedikts Regensburger Rede, in der er, schlecht beraten, den Islam als Religion der Gewalt und Unmenschlichkeit karikiert», lese ich. Ich erinnere mich, daß Papst Benedikt damals nicht den Islam «karikiert», sondern Kaiser Manuel II. zitiert hat, der seinerseits den Islam nicht «karikiert», sondern sehr direkt angegriffen hat.

«Vertan die Chance, mit den modernen Wissenschaften Frieden zu schließen: durch unzweideutige Anerkennung der Evolutionstheorie ...», lese ich. Sie selbst haben das päpstliche Lehramt in Sachen der Glaubenslehre und der Moral einst in Zweifel gezogen. Nun wollen Sie, daß der Papst auch noch ein Lehramt in Sachen der Naturwissenschaft ausübt: «durch unzweideutige Anerkennung der Evolutionstheorie ...».

«Vertan die Annäherung an die evangelischen Kirchen»
und «Er realisiert nicht die in offiziellen ökumenischen Dokumenten (ARCIC) vorgezeichnete Verständigung mit der Anglikanischen Kirche», lese ich einerseits, «Er hat außerhalb der katholischen Kirche illegal ordinierte Bischöfe der traditionalistischen Pius-Bruderschaft, die das Konzil in zentralen Punkten ablehnen, ohne Vorbedingungen in die Kirche aufgenommen» andererseits. Das heißt doch, daß wir anerkennen müssen, daß er die Annäherung an die Piusbruderschaft nicht vertan, sondern die Verständigung mit ihr wirklich realisiert hat. Und die Piusbruderschaft erkennt sehr viel mehr ökumenische Konzilien an als die evangelischen Kirchen und als die Anglikanische Kirche.
Und Sie selbst, Herr Professor Küng, haben sich einst in den Ruf gesetzt, in einem zentralen Punkt das I. Vaticanum nicht anzuerkennen; heißt das also, daß Sie jetzt das I. Vaticanum eindeutiger anerkennen als die Bischöfe der Pius-Bruderschaft das II.?

«Vertan die Chance, den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils endlich auch im Vatikan zum Kompass der katholischen Kirche zu machen und ihre Reformen voranzutreiben», lese ich einerseits, «Er fördert mit allen Mitteln die mittelalterliche Tridentinische Messe und feiert selber die Eucharistiefeier gelegentlich auf Latein ...» andererseits. Tridentinisch ist mittelalterlich? Ein Mittelalter, das vom späten XVI. Jahrhundert bis 1969 dauerte? Ich allerdings habe Papst Benedikt so verstanden, daß er die ins christliche Altertum zurückreichende Form der Liturgie wieder ermöglichen wollte, sei es nun ihre tridentinische Ausprägung, ihre örtliche Ausprägung in Lyon oder Braga oder eine der alten Orden.
Was aber das II. Vaticanum angeht, so hatte es doch gewollt, daß der Gebrauch der lateinischen Sprache bewahrt werde. Wenn also Papst Benedikt die Eucharistiefeier gelegentlich auf Latein feiert, so macht er damit dieses Konzil wieder ein wenig mehr zum «Kompass der katholischen Kirche».
 
«Noch am 18. Mai 2001 sandte Ratzinger ein feierliches Schreiben über die schwereren Vergehen („Epistula de delictis gravioribus“) an alle Bischöfe. Darin werden die Missbrauchsfälle unter das „Secretum Pontificium“ gestellt, bei dessen Verletzung man sich schwere Kirchenstrafen zuziehen kann»,
lese ich. Dieses Schreiben besagt nicht etwa, daß es den Opfern, ihren Vertrauenspersonen, den Zeugen oder sonst wem untersagt wird, über diese Taten zu sprechen, sondern es fordert nur die auch im staatlichen Bereich bei gerichtlichen Verfahren selbstverständliche Verschwiegenheit über den Prozeß selbst und die Prozeßakten.

«Er realisiert nicht die in offiziellen ökumenischen Dokumenten (ARCIC) vorgezeichnete Verständigung mit der Anglikanischen Kirche, sondern versucht verheiratete anglikanische Geistliche durch Verzicht auf die Zölibatsverpflichtung in die römisch-katholische Kirche zu locken», lese ich. Ich erinnere mich, daß der Wunsch nach Vereinigung mit der katholischen Kirche bei den anglikanischen Geistlichen selbst bestand, die durch das Vorgehen ihres Episkopats in Gewissensnöte geraten waren. Darf ein Papst Christen, die danach suchen, die Vereinigung mit der katholischen Kirche versagen?

«Papst Benedikt XVI. scheint sich zunehmend von der großen Mehrheit des Kirchenvolkes zu entfernen, das sich ohnehin immer weniger um Rom kümmert und sich bestenfalls noch mit Ortsgemeinde und Ortsbischof identifiziert», lese ich. Ich kann versichern, daß der Großteil der Katholiken, die ich kenne, ebenso wie ich selber Papst Benedikt keineswegs als entfernt erleben, sondern als uns sehr zugewandt, mehr noch denn «Ortsgemeinde und Ortsbischof».

Mit freundlichen Grüßen
W.H.W.

Die Pädophilophilie der «68er»

wird dankenswerterweise in einigen ausführlichen Artikeln der tageszeitung dargestellt, die auch die eigene Beteiligung daran nicht verleugnet: „Es gab ein heroisiertes Bild des Kindes“Kuscheln mit den IndianernDie Illusion von Freiwilligkeit.
Freilich wird bestritten, daß «das damals geschaffene libertäre gesellschaftliche Klima» «den Boden bereitet» habe «für das, was heute ans Licht kommt: jahrelanger massenhafter sexueller Missbrauch von Kindern in Schulen, Heimen und kirchlichen Einrichtungen» – es ist aber doch wenig glaubhaft, daß solch öffentliche Verherrlichung der «sexuellen Befreiung» ohne Wirkung auf die Menschen geblieben wäre, die sich mit ihren eigenen pädophilen Neigungen auseinanderzusetzen hatten und dann gescheitert sind.
Interessant auch, daß die Pädophilen als Teil der «Homosexuellenbewegung» akzeptiert worden seien, während sie von den «Feministinnen» strikt abgelehnt wurden.

Letztlich kann es nicht Wunder nehmen, wenn angesichts der damaligen Faszination durch die «sexuelle Befreiung» auch Pädophilie akzeptabel erschien – solange man nicht selbst Kinder hatte oder aber die religiösen Gebote akzeptiert, ungeachtet jeden Zeitgeistes.

Tèn toû Phileirénou Bastelei

übernehmen wir, und wir empfehlen sie weiter (auch für Bloggerinnen) – er hat sie ja zur «Freiware» erklärt.
Das Zdk erscheint als ein Vehikel, mit dem Politiker auch in der Kirche Macht ausüben wollen. Nun, sie richten in der Politik schon genug an; in der Kirche besteht daran kein Bedarf.

Mittwoch, 21. April 2010

Zu früh die Blauhemden abgelegt

Wer darf in Zeiten des Antidiskriminierungsgesetzes noch diskriminiert werden?
Christen natürlich; sie dürfen bei Bedarf auch ins Gefängnis gesteckt werden. Behinderte Menschen vor der Geburt. Arbeitslose natürlich, besonders Langzeitarbeitslose. Kinderreiche Familien wohl auch.
Das ist alles klar; aber auch Neues hat der Chronist zu bieten.

Montag, 19. April 2010

Im Sturm

Am Montag vor einer Woche fand ich in der Zeitung einen Artikel mit einem neuen schweren Vorwurf gegen Kardinal Ratzinger. Ich suchte nach Aufklärung; doch so ganz zügig zu finden war sie nicht. Beim Portal zur katholischen Geisteswelt fand ich schließlich den entscheidenden Verweis auf kathweb (wo ich erfuhr, daß es wieder eine von der New York Times produzierte Ente war) – Pater Recktenwald sei Dank.
Ansonsten aber nimmt alles seinen gewohnten Gang. Am Sonntag in der Kirche keine besondere Fürbitte für den Papst, geschweige denn ein Hinweis, wo man sich realistisch informieren kann (viele Katholiken lassen sich heute nur von Tagespresse, Funk und Fernsehen informieren und laufen so Gefahr, den Verleumdungen zu glauben, die allerorten verbreitet werden). Das Schiff droht unterzugehen, und die Besatzung kümmert es nicht.
Nein! Die Kirche ist kein Schiff, das untergehen könnte: portae inferi non praevalebunt adversum eam! Auch dem Papst selbst schadet es nicht: beati estis cum maledixerint vobis et persecuti vos fuerint et dixerint omne malum adversum vos mentientes propter me; gaudete et exultate, quoniam merces vestra copiosa est in caelis. Sic enim persecuti sunt prophetas, qui fuerunt ante vos.
Aber daß das Ansehen dieses Papstes in der deutschen Öffentlichkeit zerstört zu werden droht, daß die Chance verloren zu gehen droht, die sein Wirken für die Erneuerung der Kirche bietet, ist ein Unglück für uns.
Mich jedenfalls kümmert es.

Montag, 12. April 2010

Im Taxi zur Kirche

Sonntagmorgen. Trübes Wetter. Ich bin müde. In der Propstei ist die Vorstellung der Erstkommunikanten angekündigt. Also bleibe ich noch eine halbe Stunde liegen und gehe in die nahe Pfarrkirche in meinem Gründerzeitviertel.
Meßdiener, der Diakon, und dann – nein, kein Priester. Der Pfarrer sei «mit der Gemeinde» irgendwo, sagt er Diakon, darum nun ein Wortgottesdienst.
Ich überlege: bleiben und es damit genug sein lassen? Das ist mir doch zu wenig. Bleiben und heute abend in die Propstei? Keine Lust! Noch herüberlaufen zur Propstei? Dann komme ich viel zu spät. Aber bald weiß ich, auf welchen Kompromiß ich mich einlassen will: ich laufe, renne zum Bahnhof, falle auch nicht die kleine Treppe hinunter, die erst im letzten Augenblick zu sehen ist, werfe mich in ein Taxi: «Zur Propsteikirche bitte». So etwas kennt der Taxifahrer nicht. Ich erkläre ihm den Weg, soweit ich passionierter Fußgänger es kann, und vereint schaffen wir es.
Aber: so etwas kennt der Taxifahrer nicht, und überhaupt, die Mißbrauchsfälle, und der Papst, damals noch in München. Und so habe ich einige Minuten Zeit, es ihm zu erklären: Mißbrauch gibt es überall, in den Familien, in Sportvereinen, in säkularen Schulen, und auch in der Kirche – in der Kirche aber am wenigsten. Und der Papst: damals ist in München doch offensichtlich nichts Übles geschehen, was man Kardinal Ratzinger vorwerfen könnte; und in den Jahren, bevor das Thema Mißbrauch öffentlich hochkochte, war es Kardinal Ratzinger, der sich ganz besonders für die Aufklärung der Mißbrauchsfälle einsetzte und sich bemühte, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu verbessern.
Erstaunlich: ich höre dann, der kirchenferne Taxifahrer habe so etwas von der Kirche nicht gedacht. Ich muß ihm auch das sagen: jeder Christ, der seine Kirche langjährig kennt, weiß, das es in ihren Einrichtungen beides gibt, bewundernswert gute Menschen und wahre Drachen. Letzteres ist traurig, kann mich aber nicht mehr erschüttern. Warum das so ist, das zu erklären führt zu weit für solch eine Taxifahrt. Aber mir scheint, sie hat sich auch so schon gelohnt.
Und als ich endlich in die Propstei komme, geht die Vorstellung der Erstkommunikanten gerade zu Ende; und ich kann noch am wesentlichsten Teil der Messe teilnehmen. Und auch die Mutter-Theresa-Schwestern aus der heimischen Pfarrei sehe ich hier.
Nur die Texte der Katechumenenmesse muß ich mir noch zu Hause privat zu Gemüte führen.

Difficile est satiram non scribere

Eine «Ecclesiola in ecclesia» wünschte sich Philipp Jakob Spener; heute hat sich eine Geheimkirche in der evangelischen Kirche gebildet (aber so hatte Spener das eher nicht gemeint).
Schwierig aber wurde es für die Geheimkirche, als sie aufhörte, ganz geheim zu sein; der neugeweihte Bischof wurde vom Pastorenamt suspendiert, ein Verfahren gegen ihn wurde eingeleitet.
Nun aber ist wieder Friede eingekehrt: eine Vereinbarung wurde getroffen, welche besagt, «Innerhalb der verfassten evangelischen Kirche dürfe er [(der neugeweihte Bischof)] nicht als „Inhaber eines Bischofsamtes oder Bischofstitels“ auftreten. Allerdings dürfe er sich „Apostolischer Vorsteher“ nennen».
Der neugeweihte Bischof wird zufrieden sein; «innerhalb der verfassten evangelischen Kirche» «als „Inhaber eines Bischofsamtes oder Bischofstitels“» aufzutreten hat er sicherlich nicht beabsichtigt – er kennt ja den Verein. Und „Apostolischer Vorsteher“ – nicht schlecht! Ins lateinische wird man es zwanglos mit „Antistes Apostolicus“ übersetzen. „Antistes“ ist der Bischofstitel, der im Kanon verwendet wird («.. una cum famulo tuo Papa nostro N. et Antistite nostro N. ...»), „Apostolicus“ war im Mittelalter ein gerne benutzter Titel des Papstes.
Ad multos annos!

Integration

soll nach dem Wunsch deutscher Politiker nach dem Prinzip verlaufen: «Wir tun so, als ob ihr ganz normale Deutsche wäret; und ihr tut gefälligst auch so». Und wenn das nicht klappt, wundert man sich.
Zwei Zeitungsartikel sind mir in den letzten Tagen in die Hand gekommen, die andere Möglichkeiten zeigen. In Ungarn bemüht man sich um die Integration von Zigeunern in Dörfern – und es scheint zu gelingen. In Kanada gründet man eine Schule für Schwarze – und es scheint zu nutzen (trotz einigen groben Unfugs: „Im Westen stehen individuelle Leistungen im Vordergrund. Wir sehen uns als eine Gemeinschaft von Lernenden“; und gar eine «Schule für Schwule und Lesben» wird kanadischen Kindern zugemutet).

Dienstag, 6. April 2010

Vom Rhein - das heißt: vom Abendland.

Vom Rhein - noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas! Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor - seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant - das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt - und - und der der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald und - ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt - wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein - das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. (Carl Zuckmayer, Des Teufels General)

Und Altkanzler Helmut Kohl ergänzt: "Das ist für mich katholisch."

So isset!

Donnerstag, 1. April 2010

Verba dierum

Schon einige Zeit liegt der Urlaub zurück. Zunächst galt es einerseits, Arbeit nachzuholen, andererseits, im Netz, erst einmal überall den neuen Aufruf zur Unterstützung des Papstes einzustellen. Ich habe auch etwas zur Kampagne gegen ihn geschrieben, aber dann schnell wieder gelöscht – gegen Böswilligkeit lohnt es sich nicht anzuargumentieren.
Aber jetzt darf ich mich auch einmal erinnern: Endlich Urlaub! hieß es. Erzählen will ich nicht; aber einige Eindrücke sollen hier doch genannt werden:

Quatembersamstag

Am Samstag, den 27. Februar, wurde in einer zusätzlichen Venner Messe der Quatembersamstag begangen. «Das Mehr an Lesungen bedeutet wirklich ein Mehr an Intensität» – meine Behauptung hat sich bestätigt. Und der kleinen Schola sei Dank, die der Herausforderung so vieler Gradualia so selbstverständlich gerecht geworden ist.

Anschließend wird bei einem Convivium der neue Jahrgang der E&Ewald-Hefte entkorkt. Auch dazu: Willkommen!
«Der 14. Jahrgang – Ewald & Ewald sind in der Pubertät (die Hefte, natürlich nicht die Heiligen). Da ist mit einigem zu rechnen. ... Begabte Jugendliche werden in diesem Alter philosophisch. Auch das ist in diesem Heft zu besichtigen.»
«Das «naturwissenschaftliche Weltbild» ist bei uns zu etwas wie einer informellen Staatsreligion geworden, als sei es gleichsam objektiv gegeben.
Das ist es aber nicht. Einerseits ist mittlerweile dieses Weltbild von der Naturwissenschaft, der Physik, weitgehend verlassen worden; andererseits entspringt es keineswegs unmittelbar der empirischen Wissenschaft, sondern einer historischen philosophischen Vorentscheidung.»
Weiteres ist zu finden im E&E 14.

Und die angekündigten fünf Blogger waren maßgeblich bei Messe und Convivium dabei.

Und nun auf die Reise!

Von der Reise hat schon unsere Freundin und perfekte Dolmetscherin kurz berichtet. Einige eigene Erinnerungen: Beeindruckt haben mich die Kirchen im nördlichen Batakland.
Eindrücke von der Kirche in einem fernen Land konnte ich am Sonntag aufnehmen.

Auf Gedanken über «Marktwirtschaft» kam ich im Zug.

Daß hier gerade uniformierte Händler zu sehen sind, ist Zufall – die meisten waren ganz individuell gekleidet.

Und auch der erste Sonntag wieder in Deutschland – mittlerweile war die Passionszeit angebrochen – hinterließ Eindrücke.

Freitag, 26. März 2010

Der Urlaub ist zu Ende – die Hatz leider nicht

Kaum zurück, kaum wieder eingetaucht in die Welt der deutschen Nachrichten, erfahre ich, das die Hatz Früchte zu tragen droht: dem Papst, der so offen und entschieden gegen Mißbrauch und Mißhandlung wendet, wird die Schuld daran unterschoben, nicht nur von üblen Meinungsmachern, sondern nun auch von der «öffentlichen Meinung» (dem «Klappern der Bretter, die die Leute vor den Köpfen haben», wie sie so schön definiert worden ist).
Und so folge ich schleunigst dem Wunsch von Soutien à Benoît XVI und werbe mit dem Comité de soutien für Unterschriften.

Aber bald sollen auch einige kleine Reiseerzählungen folgen.

Sonntag, 21. März 2010

Mißbrauch des Mißbrauchs beim WDR

An die Intendantin des WDR
Frau Monika Piel

Betr.: Diesseits von Eden - Mißbrauch des Mißbrauchs durch den WDR

Sehr geehrte Frau Piel,

soeben habe ich zum ersten Mal am Sonntagmorgen das Radio ausgeschaltet, weil ich es nicht mehr aushalte. Herr Dierkes wollte mir einreden, daß die katholische Kirche in Deutschland durch die Mißbrauchsfälle in der schwersten Krise seit der Reformation steckt, und "belegt" dies mit Beiträgen aus einem Internetforum. Jeder weiß, wie "objektiv" solche Stimmen zusammenkommen. Es wäre ein Leichtes, Herrn Dierkes in wenigen Minuten eine lange Reihe gegenteilig lautender Äußerungen zusammenzustellen.

Die leicht zu durchschauende Absicht, das Thema "Mißbrauch" immer und immer wieder hochzukochen, um der Kirche zu schaden, widert mich an. In den Medien - auch durch den WDR - wird seit Wochen in dieser Sache kein Journalismus betrieben, sondern Stimmungsmache. Es werden "Erwartungen" an den Papst geäußert und dann die Enttäuschung darüber, daß er die Erwartung nicht erfüllt hat.

Ich bitte dringend um seriösen Umgang mit der Kirche und um die Versetzung von Herrn Dierkes in die Sportredaktion.

Dienstag, 23. Februar 2010

Bildung

ist für mich ein hohes Gut; ich bin immer dafür, auch Menschen aus armen Familien den Weg zu bahnen zu höchstmöglicher Bildung.
Aber Bildung gegen die Wirtschaftskrise, gegen die Verarmung immer weiterer Schichten der Bevölkerung?
«Mehr als ein Viertel der ehemaligen Hartz-IV-Bezieher arbeiteten unter ihrem Qualifikationsniveau», sagte Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, der Thüringer Allgemeinen. Hat man also Bildung erworben, so wird man dann vom Arbeitsamt verpflichtet, unter seinem Niveau zu arbeiten. Was also bringt da Bildung wirtschaftlich?

Mittwoch, 17. Februar 2010

Einladung zur Quatemberfeier

Am Samstag, den 27. Februar, wird in einer zusätzlichen Venner Messe der Quatembersamstag begangen. Auch wer noch nie einen Quatembersamstag miterlebt hat, komme! Das Mehr an Lesungen bedeutet wirklich ein Mehr an Intensität.
Anschließend wird bei einem Convivium in der gegenüberliegenden Gaststätte der neue Jahrgang der E&Ewald-Hefte entkorkt. Auch dazu: Willkommen!
Wer das Bloggertreffen in Köln versäumt hat, komme! Fünf Blogger sind bereits angesagt.
Bis dahin: Frohes Fasten!

Warum fasten? Warum Ostereier?

Die Antwort auf diese Frage ist wieder bei Orietur Occidens zu finden.

Samstag, 13. Februar 2010

Die Verkindergärtnerung der Kirche

Eigentlich gehe ich recht gern hierher zur Kirche. Aber auch eine Kirche mit ansonsten verantwortbarer Liturgie ist nicht sicher vor engagierten Kaplänen.

Dienstag, 9. Februar 2010

Nachträge zum Mißbrauchsskandal

Ein ehemaliger Schüler eines Täters berichtet der taz: «„Meine Freunde und ich waren immer sehr fasziniert von diesem Mann, weil er im Vergleich zu den meisten anderen Jesuiten sehr fortschrittlich dachte.“»

Ein anderer Schüler auf die Frage «Warum haben die Schüler nichts unternommen?»:
«„Wir waren links und hatten ganz andere Interessen, als irgendwelchen Gerüchten nachzugehen.“»

Freitag, 5. Februar 2010

Sehr geehrter Herr Otto Kallscheuer,

in der tageszeitung habe ich ein Interview mit Ihnen gelesen über die Fälle sexuellen Mißbrauchs am Canisius-Kolleg und an anderen Jesuitenschulen. Sie setzen für die Aufklärung dieser Verbrechen einige Hoffnung aufden Rektor des Canisius-Kollegs, P. Mertes – ob zu recht, kann ich nicht beurteilen – und auf die deutschen Ordensprovinz.
Auffällig ist, daß Sie diese Gelegenheit nutzen, ausgerechnet Papst Benedikt abzubügeln, der energischer als seine Vorgänger sich bemüht, allem sexuellen Mißbrauch in katholischen Einrichtungen Einhalt zu gebieten; Sie sprechen von «Papst Benedikts verdammt unglücklicher Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Williamson». Sie seien Katholik, Philosoph und Politikwissenschaftler, lese ich. Als einigermaßen informierter Katholik werden Sie wissen, daß Sie da eine Unwahrheit weitergeben. Bischof Williamson ist nicht rehabilitiert worden, sondern begnadigt; auch betraf diese Begnadigung nicht ihn als Einzelperson und schon gar nicht als «Holocaust-Leugner», sondern die Bischöfe der Piusbruderschaft insgesamt, sie betraf ihr Vergehen gegen die Kirchendisziplin.
Die gegenwärtig inkriminierten Mißbrauchsfälle sind ab 1971 geschehen, seitdem die paulisextanischen Reformen zu greifen begonnen haben, seitdem der Jesuitenorden «eher individualistisch, modernistisch, um nicht zu sagen liberal» geworden ist, seit der Entwicklung also, der die Piusbruderschaft sich widersetzt hat.
Ich will die Verhältnisse in Ordensschulen und -heimen in der Zeit zuvor keineswegs beschönigen. Wie jeder Katholik mit langjähriger Kirchenerfahrung weiß ich, daß es dort verschiedenartigste Charaktere gab, Ordensfrauen und -männer von großer Güte und Freundlichkeit ebenso wie wahre Drachen – und mir scheint, daß sich dort gerade die Extreme. häuften. So war Lieblosigkeit bis hin zu Brutalität leider nicht selten – ich habe da von üblen Dingen gehört, und einige solche Fälle sind ja in den letzten Jahren endlich ans Licht gekommen.
Dennoch erscheint es mir nicht als zufällig, daß gerade solche Fälle sexuellen Mißbrauchs vom liberal gewordenen Jesuitenorden berichtet werden und eben nicht von der Piusbruderschaft.
Hier nun aber den gar nicht involvierten Papst Benedikt in schlechteres Licht zu rücken als etwa die deutsche Ordensprovinz der Jesuiten, erscheint abwegig.
Darum bitte ich Sie höflichst, daß Sie Ihre Äußerungen über den Papst zurücknehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Peregrinus

Mittwoch, 3. Februar 2010

St. Blasius – die Fastenzeit naht

Nur noch zwei Wochen – dann kommt die Zeit, da man als guter Christ kein Fleisch mehr ist, und, wenn man es streng nimmt, auch keine Eier. Wenn man dann nicht ganz karg leben will, wird man nun mehr Fisch essen.
Und da hilft der heilige Bischof und Märtyrer Blasius, der auf dem Weg zum irdischen Richter ein Kind heilte, welches an einer verschluckten Gräte würgte. Der frühestmögliche Termin für den Aschermittwoch ist der 4. Februar; St. Blasius wird am 3.Februar gefeiert.
So ist stets Gelegenheit, uns rechtzeitig durch den Blasiussegen vor Gräten zu schützen – ich konnte dankenswerterweise schon die Gelegenheit nutzen; hier in Obersachsen ist das leichter als zuvor in der hanseatischen Metropole.

Dienstag, 19. Januar 2010

Bloggözesanentreffen in Köln

Zwei Wollpullover überm Wollhemd, Jacke, Schal (dick!), Wintermantel, drei Paar Strümpfe und so weiter – so läßt sich ein winterliches Pontifikalamt im Kölner Dom doch aushalten. Eine Sängerin veredelt GL-Lieder mit schmälzender Stimme. So sind wir eingestimmt auf das Jahresgedenken für den Gründer von «Kirche in Not», die uns daraufhin zum Mittagsimbiß einlädt. Die Länge der Schlangen läßt uns dann doch weiterziehen; aber jedenfalls haben wir im Maternushaus unter dem Zeichen des heiligen Thomas von Aquin, dem Ochsen, begonnen.

Und so feiert die Bloggözese, heute vertreten durch den Einstiegsdroguisten Dybarth, Maxistranten, Dilettantum, Stanislaum (der freilich zu spät kommt, um noch auf den offiziellen Photos zu erscheinen) und Peregrinum, sich selbst.
Allerdings sind die offiziellen Photos ein Problem. Man drückt irgendeinem freundlichen Menschen den Apparat in die Hand mit der Bitte, das Photo zu machen. «Wo muß ich drücken?» – Hm! Erst die Brennweite wählen, dann halb drücken wegen des Autofokus, dann durchdrücken – wer solche Apparate kennt, dem braucht man das nicht lange zu erklären; aber freundliche Menschen kennen solche Apparate eben nicht. Also: «Hier bitte drücken!»

Erster Versuch:

Dilettantus, Maxistrant, Dybart, Peregrinus

Zweiter Versuch:

Peregrinus, Dybart, Maxistrant, Dilettantus

Dritter Versuch:

Dybart, Maxistrant, Dilettantus, Peregrinus

Was aber dabei alles gesprochen wurde, das kann ein einfaches Positum eines Blogs nicht fassen. Wer aber selbst solches erleben möchte, sei herzlich eingeladen zur außerordentlichen Venner Messe am Quatembersamstag in der Fastenzeit, den 27. Februar dieses Jahres, nach der auch die neuen E&E-Hefte entkorkt werden.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Programmhinweis

Am morgigen Freitag sendet das domradio um 21 Uhr den bereits vielfach in der Blogoezese erwähnten Vortrag von Weihbischof em. Dr. Klaus Dick:

„Die liturgische Spiritualität von Papst Benedikt XVI. im Lichte des Zweiten Vatikanischen Konzils“

Mittwoch, 6. Januar 2010

Was heißt C M B?

Mal höre ich «Kaspar, Melchior, Baltassar», mal «Christus mansionem benedicat». Das eine ist der genuine Text, das andere ein volkstümliche Umdeutung. Klar; aber was ist was?
Die moderne Tendenz geht dahin, «Christus mansionem benedicat» für ursprünglich zu halten; aber ich möchte es sicher wissen. Darum schlage ich nach.

Dienstag, 5. Januar 2010

Ostertermin

Meiner traditionalistischen Gesinnung getreu veröffentliche ich wieder zum Fest der Erscheinung die Ostertermine, habe dabei mit Freude gesehen, daß Westen und Osten in diesem Jahr wieder einmal übereinstimmen. Und dieser gemeinsame Ostertermin liegt auch wieder in den Tagen der Ungesäuerten Brote der Juden.
Zunächst aber allen ein segensreiches Fest der Erscheinung des Herrn und auch der Heiligen drei Könige!

Am Neujahrsmorgen

Am Neujahrsmorgen in der Propsteikirche. Wenn es auch meines schrägen Geschmacks bedarf, die Kirche schön zu finden (wie ich von Dilettanto erfahre), so gibt es dort doch eine recht ordentliche Liturgie.
Allerdings zelebriert heute ein Aushilfepriester. Wir singen das Eingangslied «Gelobet seist Du, Jesu Christ».
Danach legt der Priester das GL auf den Altar und seine Brille noch dazu.
Nach den liturgischen Eröffnungsworten hören wir, daß wir das Kyrie ja schon im Eingangslied gesungen hätten.
Muß ich noch eigens hinzufügen, daß die Predigt über eine Perikope aus dem Kleinen Prinzen gehalten wird?

P.S.: Jetzt fängt noch kein neues Jahrzehnt an!
Kleine Ergänzung zum vorhergehenden Artikel:

Wer Freunde hat, die wie folgt für einen Werbung machen, braucht keine Feinde mehr:

Katrin H., klopfen Sie doch einfach mal bei der Evangelischen Kirche von Westfalen an und beantragen Sie deren Vocatio. Mit einer Konversion sind Sie mit einem Schlag auch anderen katholischen Ballast los ;-).

#2 von evangelisch.de, am 25.12.2009 um 14:03


Der ganze Artikel/Fall

Mittwoch, 30. Dezember 2009

zumkatholischwerden

nennt sich der Moderator eines Internetkreises. So aber, wie er sich in seinem Kreis darbietet, wird er das, so fürchte ich, niemals schaffen.
Aber vielleicht kann ich ihm helfen. Zu Weihnachten habe ich meiner Frau ein Buch geschenkt – «Wenn Er anklopft» – mit den Erlebnisberichten von zwölf Menschen, die das geschafft haben. Hier trifft sich die glückliche Gegenwart der Bloggözese (Elsa) mit ihrer großen Vergangenheit (Petra); ein schon historischer Name (Sr. Isa Vermehren) ist ebenso dabei wie Orietur Occidens (taceo).
Mittlerweile habe ich schon drei weitere Exemplare des Buchs bestellt.

Montag, 28. Dezember 2009

Alter Ritus – einmal anders

Zur Christvesper wird in die evangelische Stadtkirche St. Jakobi eingeladen; angekündigt ist eine «Figuralvesper nach der Agenda für St. Jakob von 1714».
Alter Ritus bei Protestantens – kann das etwas werden?
Ich war dabei – lest selbst!

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Wieder einmal: Gehirn und Geist

Mehrmals schon hatte ich mich den Ansprüchen der Hirnforscher gewidmet. Und so freue ich mich, auch einmal in meiner nicht gerade christlich orientierten Tageszeitung einen kritischen Artikel darüber zu lesen, zu sehen, daß auch sie darauf hinweist, daß der freie Wille nicht so einfach wegzuinterpretieren ist.
Allerdings fällt mir auch auf, daß sich die moderne biologistische Denkweise auch in diesem Artikel wiederfindet:
«.. Die Übereinstimmungen zwischen Auffälligkeiten des Gehirns und der Persönlichkeit sind bei Krankheiten längst bekannt. ...
„Aber fast jedes abnormale Verhalten kann von einer Störung im Gehirn verursacht werden, etwa Schizophrenie oder die Depression“, so Walter. ...
Der Philosoph Ansgar Beckermann ... sieht in der Lokalisierung von Charaktereigenschaften in Gehirn keinen Widerspruch zur freien Entscheidungsmöglichkeit: „Alles, was wir denken und fühlen, hat eine Basis in unserem Gehirn.“ ...
„Ich halte es für denkbar, dass man in Zukunft herausfinden kann, ob es im Gehirn eine Veranlagung für Pädophilie gibt“, sagt Beckermann: „Daraus folgt aber nichts, was die Verantwortlichkeit von Menschen angeht. Die Frage ist, wie eine Person mit der Veranlagung umgeht.“»
Alles ja irgendwie richtig. nur klingt es so, als wäre, wenn es eine Übereinstimmung zwischen Besonderheiten des Gehirns und Eigenarten der Persönlichkeit gibt, selbstverständlich die Besonderheit des Gehirns die Ursache. In einzelnen Fällen stimmt das auch; nur typisch ist der umgekehrte Fall: die Psyche formt sich das Gehirn ihren Eigenarten gemäß. Bekannt ist, daß das Gehirn von Musikern Strukturen aufweist, die der Beherrschung ihres Instruments dienen und die nicht etwa angeboren sind, sondern die die Musiker durch Übung erworben haben. Und andererseits gibt es Gehirnveränderungen, die durch traumatische Erlebnisse, also rein psychisch bedingt sind und die in der Folge recht störend sein können.
Der Geist prägt das Gehirn und ist keineswegs dessen Sklave.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Neue alte Riten

Mit mäßigem Interesse lese ich einen Artikel über die fortdauernde rechtliche Zulässigkeit des Missale Pius’ V. – meine eigene Argumentation ist wesentlich anders, traditionalistischer.
Aber dann finde ich einen Schatz: «Das Konzil begnügte sich also, in Artikel 4 zu erklären, daß nicht nur alle bestehenden Riten, sondern alle Riten, die die rechtlichen Bedingungen erfüllen, vor der Kirche gleiche Geltung haben sollen», wird J. A. Jungmanns Kommentar zur Liturgiekonstitution «Sacrosanctum Concilium» (LThK, Bd. 1, 17) zitiert. Und wirklich heißt es dort: «Sacrosanctum Concilium declarat Sanctam Matrem Ecclesiam omnes Ritus legitime agnitos aequo iure atque honore habere, eosque in posterum servari et omnimode foveri velle.»
Mit anderen Worten: Hochwürdige Herren, liebe Priester, seid dem II. Vatikanischen Konzil treu: die alten liturgischen Bücher gibt es ja noch – zelebriert den Kölner, den Münsteraner Ritus!

Deutschland und die Muslimât

Ein früherer Berliner Finanzsenator und gegenwärtiges Bundesbank-Vorstandsmitglied profiliert sich als islamischer Theologe: «Ich würde Kopftücher im Unterricht untersagen. Sie sind kein religiöses Symbol, sondern ein politisches».
Sie seien «Symbol des Machtanspruchs des Mannes über die Frau», erklärt er. Ein Mann will also Frauen Kopftücher verbieten, weil die «Symbol des Machtanspruchs des Mannes über die Frau» seien.
Eigentlich bin ich ja kein Freund des Islam. Aber die Anti-Islamisten sind mir einfach zu dumm; da sind mir doch die Muselmanen entschieden lieber.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Die dritte Kerze

haben gestern abend wir Christen in Deutschland angezündet; heute abend zünden die Juden sie an: es ist Hanukka.
«Facta sunt autem encenia in Hierosolymis et hiems erat; et ambulabat Jesus in templo in porticu Salomonis – es fand aber Hanukka in Jerusalem statt; und Jesus ging im Tempel umher in der Säulenhalle Salomons» (Joh. 10, 22 f.) – auch Er beging also dieses Fest, das schon im Alten Testament angeordnet ist (I. Makk. 13, 51 f., II. Makk. 10, 5-8).

Samstag, 12. Dezember 2009

Ewald & Ewald

im Netz nehmen zu.
In den «Streifzügen durch die Bibel» erscheint nun auch ein Essay über das Benedicite, das Canticum der drei Jünglinge. Nicht nur protestantische Exegeten finden es pflichtgemäß apokryph, auch die Einheitsübersetzung behauptet, daß es «in Griechisch (...) abgefaßt» wurde. Und: «Die nur griechisch vorhandenen Abschnitte» seien «ursprünglich selbständige Texteinheiten» gewesen.
Darum lohnt es sich, das Offensichtliche auszusprechen und darüber hinaus näher hinzusehen.
Das ist geschehen. Das Canticum der drei Jünglinge gehört zum Danieltext und war ursprünglich auf Aramäisch verfaßt.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Auch eine kleine Partei

– in diesem Fall dankenswerterweise eine christlich orientierte kleine Partei – kann einen großen Erfolg haben.
(Congaudeant quaeso et fumatores!)

Dienstag, 8. Dezember 2009

Ekles von Alt- und Neo-68ern

Ein bekennender Alt-68er läßt seinem Antisemitismus und Religionshaß freie Bahn, indem er die Bibel – das Bundesbuch des Judentums also – mit dem Parteiprogramm der NPD gemeinsam wüst verunglimpft und das zum «Grundrecht (Artikel 5)» erklärt.
Ein «Campus:grün» kämpft tapfer gegen eine Professorin, weil die sich für Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit eingesetzt hat (so wie wir seinerzeit auch).

Samstag, 5. Dezember 2009

Islam in der Schweiz – und in Bundesdeutschland

Das Schweizer Volksbegehren gegen den Minarettbau hat Furore gemacht. Und ich bin ambivalent – ich wäre gegen dieses Verbot gewesen, denn es liefert islamischen Staaten eine billige Entschuldigung für die Unterdrückung der Kirchen. Aber dem liberalen Protest gegen dieses Verbot kann ich nicht beipflichten, denn er stellt Christentum und Islam auf eine Stufe.
Wenige Tage später gibt es eine (partiell) antiislamische Entscheidung vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig: Funktionäre der «islamistischen» Gemeinschaft Milli Görüş können die deutsche Staatsbürgerschaft nur dann erhalten, wenn sie sich nachweislich der internen Reformströmung angeschlossen haben – hiergegen nun protestiert kein Liberaler.
Ein deutsches Gericht als islamisch-theologische Autorität! Es ist doch denkbar, daß der eigentliche Islam der reformfreie ist, wie Milli Görüş ihn vertritt. Wenn das so sein sollte, hieße das, daß echte Muslimûn in Deutschland nicht eingebürgert werden können. Mir wäre das recht; aber dann sollte man doch offen zugeben, daß Christentum und Islam in unserem Staat nicht gleichwertig sind.

Freitag, 27. November 2009

Immer die gleichen Rezepte für immer neue Probleme

– das ist die Strategie unserer Zeitgeistler. So etwa Kondome: zuerst sollten sie gegen die Überbevölkerung helfen, dann gegen AIDS, nun gegen den Klimawandel. Ein Leserbrief – «Kondome für Reiche» – enthüllt in diesem Fall den Denkfehler (wenn ich auch dem Gegenvorschlag des Schreibers natürlich nicht zustimme).

Donnerstag, 26. November 2009

Die neue Religion

oder, genauer gesagt, das moderne Religionssurrogat wird gefährlich: nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

Mittwoch, 25. November 2009

Dreimal Ewald & Ewald 11 im Netz?

Liebe Leser!
Mit leisem Schreckeen sah ich, das im Netz dreimal E&E 11 erschien, ob man nun E&E 11/06, E&E 12/07 oder E&E 13/08 anklickte. Zum Teil liegt das daran, das auf der Titelseite des E&E von 2007 fälschlich die Nummer 11 steht - das ist redlicherweise nicht mehr zu ändern.
Aber unter E&E 13/08 erschien noch einmal das Heft von 2007.
Ich bitte um Nachsicht: jetzt ist das berichtigt und E&E 13/2008 an der richtigen Stelle richtig eingelinkt.
E&E 14/2009 freilich ist noch in Arbeit - wir rechnen da das Jahr stilo florentino, also bis zum nächsten 25. März. Ein Vorabdruck existiert ja bereits.
Viel Freude beim Lesen!

Eheprobleme

Im Falle der Zerrüttung einer Ehe kennt die Kirche die Trennung von Tisch und Bett.
Hierzu ist ein von Wohlwollen getragenes Gespräch unter den beiden Partnern hilfreich, um unschöne Verwürfnisse zu vermeiden.

Montag, 23. November 2009

Es macht doch wieder Freude, zur Kirche zu gehen

Samstag vor einer Woche war ich in der Venner Messe. Eine kleine Schola genügte zur festlichen Gestaltung der Messe. Die Begeisterung reichte auch noch, um die Vorabendmesse der Nachbarkirche als Choralamt zu gestalten. Und mit Freude konnte ich sehen, daß es viele Kommunikanten waren und dennoch keine Ungeduld entstand, obwohl der Priester sich die Mühe machte, allein die Kommunion auszuteilen.
Eine Woche später hatte ich Gelegenheit, am Sonntagshochamt in St. Afra teilzunehmen. Nachdem ich zwei Wochen zuvor mich ereifert hatte, was eben keine Participatio actuosa ist, konnte ich nun wirkliche Teilnahme erleben.

Donnerstag, 19. November 2009

Donnerstag, 5. November 2009

Hoffnung für seine Pfarrei

hat der Chronist noch - aber er braucht Geduld.

Abendländische Eßkultur

Immer öfter erlebe ich, daß anstelle dessen, was ich eigentlich als Fleisch kenne, sogenannte Hähnchenschnitzel angeboten werden oder sich irgendwo in einem Gericht irgendwelche Putenstreifen sinnlos herumtreiben. Daß die Sache System hat, hat der Chronist in einem spannenden Essay dargelegt gefunden.
Liebe Leser, seht mir nach, daß ich das so spät erst in den Blog setze. Zwischen trockenzulegenden Trinkern, dem Vortrag, der für den Tag der Abendländischen Musik am Samstag nächster Woche vorbereitet sein will, und auch noch dem nächsten Heft der heiligen Ewald & Ewald kommt die edle Kunst des Balatus (ist das die richtige Übersetzung für «Bloggen»?) leider zu kurz.
Einen Nutzen aber hat meine Verspätung: zwei Wochen später habe ich noch einen entsprechenden kaum minder spannenden Artikel über den Wein entdeckt.

Zwei Meldungen am selben Tag

1. Der tschechische Präsident unterzeichnet als letztes Staatsoberhaupt der EU die Lissabon-Verträge unterzeichnet, die somit bald in Kraft treten können.
2. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärt Kreuze in staatlichen Schulen für menschenrechtswidrig.

Montag, 2. November 2009

Ein Maoist im schwarz-gelben Kabinett

«Deutschland wird von der Mitte aus regiert. Die Ränder haben nichts zu sagen» sagte der designierte deutsche Außenminister.
Solch eine Idee ist nicht neu. «Demokratischen Zentralismus» nannte das Mao Tse Tung.

Sinnvolle Gesetze darf es nicht geben

Bisher gab es in den Niederlanden ein recht sinnvolles Gesetz: wenn ein Gebäude mindestens ein Jahr lang leer stand, konnte einziehen, wer wollte; er mußte Tisch, Stuhl und Bett aufstellen und sich dann bei der Polizei anmelden.
Dieses Gesetz war eigentümerfreundlich: der Hauseigentümer konnte die Wohnung wieder räumen lassen, wenn er nur Nutzungspläne aufwies.
Aber manchen Politikern war es nicht eigentümerfreundlich genug: kürzlich wurde ein neues Gesetz beschlossen, das dieses «Kraaken» verbietet.

Seit dem römischen Recht gab es ein Schikaneverbot: Rechte wie das Eigentumsrecht galten nicht, wenn der Eigentümer (oder sonstige Rechtsinhaber) kein echtes eigenes Interesse hatte, sondern sein Recht nur ausüben wollte, um einem anderen zu schaden.
Dieses Verbot scheint keine Beachtung mehr zu finden.

Noch einmal

Wieder eine Kündigung aus nichtigem Anlaß: eine Frau, die in einem Heim arbeitete, hatte vier Maultaschen mit nach Hause nehmen wollen, die sonst weggeworfen worden wären. Es sei üblich gewesen, daß Personal Reste des Essens verzehre.
Ein Gericht bestätigte die Kündigung (laut tageszeitung): «„Dennoch bestimmt allein der Arbeitgeber darüber, wie mit seinem Eigentum verfahren wird, und zwar selbst dann, wenn er die Reste der Entsorgung zuführt.“ Der einzelne Beschäftigte könne nicht seinen Willen über denjenigen des Arbeitgebers stellen, urteilte das Gericht.»
Eigentum scheint nicht mehr zu verpflichten, Eigentümerwillkür erhält den Vorrang.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Deutschland und die Muslimûn

Von türkischer Seite war nur gefordert worden, islamische Feiertage in deutsche Kalender einzutragen; ein – ansonsten durchaus achtenswerter – deutscher Politiker fordert jedoch gleich, allen Schulkindern an einem muslimischen Feiertag freizugeben, hat angeregt, im Gegenzug einen christlichen Feiertag zu streichen.
Tut man den Muslimen etwas Gutes, wenn man zu ihren Gunsten der eingesessenen Bevölkerung ein wertvolles Kulturgut nimmt, einen Feiertag, angesichts dessen daß uns sowieso nur noch ganz wenige christliche Feiertage geblieben sind? Kann es sinnvoll sein, daß bei jeder Einwanderung wir darum zittern müssen, was uns um deretwillen noch von unserer Kultur verloren geht? Es sind jedenfalls nicht die Muslimûn selbst, die so etwas fordern.

Ein deutsches Architekturbureau hat die Einstellung einer Muslima abgelehnt und dabei eine Fatwa erstellt: «Das Kopftuch ist ein Symbol politisch gewollter Unterdrückung und kein Ausdruck persönlichen Glaubens (wie fälschlicherweise oft behauptet wird).»
Es wundert mich doch, daß es in solch einem Bureau einen Mufti gibt, der kompetent ist, solch eine Fatwa zu erlassen.
Die Muslima selbst scheint das jedenfalls nicht zu überzeugen; sie klagt dagegen.

Freitag, 16. Oktober 2009

Mit dem Tag der Abendländischen Musik

scheint es doch noch ernst zu werden - angekündigt ist er jetzt schon viel détaillierter als zuvor. Kommt alle!

Ganz naïv den Tatsachen zu glauben

ist manchmal eine gute Wahl. Und so freue ich mich ganz schlicht über das neue Eucharistiewunder.

Neue Sitten, neue Unsitten, neue Asozialität

Der Chronist hat wieder einmal Anlaß gefunden, sich zu échauffieren: ein Politiker einer sich «christlich» nennenden Partei will Sicherheit im öffentlichen Raum den Wohlhabenden vorbehalten.
Und er hat wieder Grund gefunden, sich über eine neue liturgische Mode zu wundern.

Montag, 12. Oktober 2009

Ausländerfeindlichkeit von links

Der Autor eines Leserbriefs – «Wenig hilfreicher Applaus» – sorgt sich: «Applaus von Leuten wie ... fördern Rassismus und eine weitere Spaltung der Gesellschaft.»
Doch dann: «Wenn die Menschen von uns voll akzeptiert und anerkannt werden, in Medien, Politik und Sport mehr Migranten als Vorbilder präsent sind, erledigt sich religiöser Übereifer, mit Moscheebauten, Kulturvereinen und Kopftüchern von ganz alleine, und diejenigen, die das immer noch brauchen sollten, können von uns locker toleriert werden.»
Mit anderen Worten: Wenn die Deutschen nur die Ausländer genügend in unsere Welt des Medien-, Politik- und Sportkonsums integrieren, werden die schon aufhören, richtige Ausländer zu sein; und einige verbleibende könnten ja toleriert werden.
Ich halte dagegen: ich gestehe Ausländern das Recht zu, auch in Deutschland Ausländer zu bleiben, ebenso Muslimen das Recht, Muslime zu bleiben (freilich freue ich mich, wenn Muslime sich zum Christentum bekehren, doch das verlange ich natürlich nicht von ihnen). Freilich erwarte ich von ihnen, daß sie uns unser deutsches, unser christliches Leben nicht verwehren – allerdings tun sie das ja kaum, sie bereichern es eher (ich kaufe auch gerne einmal türkische oder arabische Waren); die, die christliche öffentliche Feiertage durch islamische ersetzen wollen, sind, soweit ich es erkennen kann, vor allem Deutsche.

Unfug gibt es auch umgekehrt:
«Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth macht sich für Migranten … in einem schwarz-gelben Kabinett stark», ist zu lesen, und: «Die Türkische Gemeinde in Deutschland unterstützte die Forderung. „Es wäre ein starkes Signal, etwa den FDP-Politiker Philipp Rösler ins Kabinett aufzunehmen“, sagte ihr Vorsitzender …».
Herr Rösler ist seinem offiziellen Lebenslauf nach als Kind von noch nicht einmal einem Jahr von Deutschen adoptiert worden, das heißt, seiner ganzen Kultur nach ist er einfach ein Deutscher, wenn er auch unter Deutschen somatisch etwas auffällt.
Ebenso wie es Krampf ist, jeden Ausländer, der einmal die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, ständig als Deutschen zu vereinnahmen, ebenso ist es Krampf, jemanden, der außer der leiblichen Abstammung und einiger Monate nach seiner Geburt nichts Ausländisches hat, zum Migranten zu erklären.

Pädagogik ohne Ideologie

Auch das ist möglich: die Tageszeitung veröffentlicht einen Leserbrief, in dem eine Mutter sachkundig, ohne jegliche Ideologie von ihren Erfahrungen berichtet und dabei mit einer der liebsten Zwangsvorstellungen unserer Linken, der Schule für alle, bricht: «Die oft so beklagte "Abschiebung" lernbehinderter Kinder in Förderschulen bedeutet für die Kinder (und auch deren Eltern) oft die erste positive Bildungserfahrung mit unserem (Berliner) Bildungssystem.»
Lesen Sie selbst – unter «Soziale Isolation»!

Dienstag, 6. Oktober 2009

Sollen wir den Regierungen gratulieren

– wie es sich für gute Verlierer ziemt – zu ihrem neuen Sieg über das Gemeinwohl und den Volkswillen? Ich tue es nicht – es ist mir zu viel Falschspielerei dabei gewesen.
Worum es geht, stellt Ralf Sotscheck (in der tageszeitung vom 1.10.2009) prägnant klar: «Der Vertrag von Lissabon erhebt die Privatisierungspolitik zum Gebot, er stärkt den Europäischen Gerichtshof und seine arbeitnehmerfeindlichen Urteile, er schränkt die eigenständige Außenpolitik weiter ein und treibt vor allem die Militarisierung der EU voran. Bislang hatten, zumindest formal, die Mitgliedstaaten einen gewissen Ermessens- oder Interpretationsspielraum, wie denn „Dienstleistungen im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse“ zu regeln seien. Nun aber kann die EU-Ebene diese Interpretation vorgeben. Zwar standen die Dienstleistungen schon bisher unter hohem Privatisierungsdruck seitens der EU, doch der Lissabon-Vertrag verstärkt das in Artikel 14 noch. Die fatalen Folgen der Privatisierung von Eisenbahn und Wasser sind in Großbritannien zu besichtigen.
In dem Zusatzprotokoll für Irland wird auf Wunsch der irischen Regierung noch mal auf die Grundrechtecharta hingewiesen, die angeblich die Arbeitnehmerrechte sichert. Diese Charta ist im Vergleich zu den üblicherweise bestehenden internationalen sozialen Verpflichtungen europäischer Länder extrem schwach. Aber das EU-Recht steht immer noch darüber, und der Europäische Gerichtshof lässt keinen Zweifel daran, dass er das EU-Recht auch über die nationalen Verfassungen stellt».
Daß dieser Vertrag auch der deutschen Verfassung widerspricht, zeigen die Herren Buchner und Striedl.

Salvum fac populum tuum, Domine, et benedic hereditati tuae et rege eos et extolle illos usque in aeternum!

Religionsfreiheit

Einem muslimischen Schüler ist gerichtlich erlaubt worden, in der Schule zu beten, was ihm die Schulleiterin untersagt hatte.
Interessant ist, wer diesem Urteil beipflichtet, wer ihm lauthals widerspricht.Die Kirchen jedenfalls sprechen sich für dieses Urteil aus.
Dennoch sei noch einmal bedacht, was vom christlichen Standpunkt aus hierzu zu sagen ist. Da ergeben sich ganz verschiedene Antworten – das Ergebnis freilich ist immer gleich.
Oberflächlich ist zunächst festzustellen, daß ein solches Verbot von Gebet sich sicher nicht einfach gegen den Islam richtet, sondern gegen jedwede Religion. Darum ist es schon das eigene Interesse der Christen, hier auf Religionsfreiheit zu pochen.
Auf der nächsten Ebene erscheint es als eine Frage der Ehrlichkeit. Grundgesetzlich ist den Angehörigen auch anderer Religionen, auch eben den Muslimen Religionsfreiheit zugesichert worden. An diese Zusicherung ist der Staat gebunden.
Aber auch wenn unser Staat verfassungsmäßig christlich werde: Achtung vor dem Gewissen, also auch Religionsfreiheit, solange sie die Rechte anderer Menschen nicht verletzt, ist eine Forderung des Naturrechts: «Ein Gehorsam, der die Seelen der Menschen knechtet, der in das innerste Heiligtum der menschlichen Freiheit, in das Gewissen, greift, ist roheste Barbarei!» (Clemens August Graf v. Galen, Xanten 1936) – was auch rigorose Katholiken wissen.
Jede dieser Erwägungen fordert also von uns Christen, die Religionsfreiheit auch der Muslime einzufordern.

Mittwoch, 30. September 2009

Wie betet ein Traditionalist den Rosenkranz?

Auf Latein natürlich. Dabei fiel mir auf, daß die übliche deutsche Übersetzung ungenau ist. Siebenmal erscheint in ihr in den Geheimnissen die Anrede «o Jungfrau», im Lateinischen aber «Virgo» nur zweimal, im freudenreichen Rosenkranz: «quem virgo concepisti» und «quem virgo genuisti».
Warum hier, und warum nur hier?
Der Sinn gibt die Antwort: «Virgo» ist hier keine Anrede, sondern Praedicativum: «Den Du (als) Jungfrau empfangen, geboren hast».

Ein harter Tag

Was soll ich wählen: Sozialabbau? Gentechnik? ungezügelte Atomkraftwerke? oder Begünstigung der Abtreibung? Kasernierung der Kinder? Hochjubeln homosexueller Beziehungen zu Quasi-Ehen?
Die kleine Partei, zu der auszuweichen ich mich entschlossen hatte, kandidiert im Freistaat Sachsen nicht. Ich muß mich entscheiden. Und ich entscheide mich, ich wähle.
Aber ich sage nicht, was ich gewählt habe, denn es schmerzt, Wähler zu sein und doch nicht ruhigen Gewissens wählen zu können.

Der Tag der Abendländischen Musik muß weichen

– aber nur um einige Wochen und etliche Meilen: Dies praestitutae!

Donnerstag, 24. September 2009

Bin ich zu moralisch?

Wohl die meisten meiner Beiträge in diesem Blog gehören zur Kategorie «Moralisches»; und meistens geht es dann gegen den Wirtschaftsliberalismus. Daher taucht die Frage auf: Bin ich zu moralisch? gibt es keine besseren Themata? (kurzer Exkurs: mein Rechtschreibprogramm kennt keine Themata!)
Schließlich meine ich, ganz im Gegensatz zum Slogan einer Wirtschaftszeitung:
Es gibt nichts Langweiligeres als Wirtschaft! (Nein, nicht einmal Sport ist noch langweiliger.)

Aber dann erlebe ich es wieder hautnah. In meiner Therapiegruppe habe ich die Frage gestellt, was die Patienten im Leben beschwert. Bei den meisten ist es das Arbeitsamt (momentan wird es wohl «Arge» genannt). Die Menschen sehen sich dort mißachtet, werden zu sinnlosen Aktivitäten gedrängt, aussichtslosen Bewerbungen etwa in großen Mengen, erhalten aber bei der wirklichen Arbeitssuche keine Hilfe. Und die meisten wollen wirklich arbeiten. Auf Leistungen, die ihnen zustehen, werden sie nicht aufmerksam gemacht, Anträge bleiben unbehandelt liegen, Akten verschwinden. Wenn sie selbst jedoch einmal etwas nicht korrekt fristgerecht einreichen, was von ihnen gefordert wird, setzt es sofort Sanktionen. Und sie werden entmutigt, indem ihnen suggeriert wird, sie selbst seien schuld an ihrer Arbeitslosigkeit. Dabei kann doch, wer immer die Zahlen zur Kenntnis nimmt, sehen, daß in unserem Wirtschaftssystem weniger Menschen zur Arbeit gebraucht werden, zur Produktion und Wartung der Güter also und all dem, was sonst noch bezahlt wird, als zum Konsum ebendieser Güter, das also in unserer Wirtschaft Arbeitslose für den Konsum notwendig sind. Das politische Problem aber, das Skandal der Arbeitslosigkeit, versucht man gerne zu lösen durch «blaming the victim – Opferbeschuldigung». Ist das nicht ein Verstoß gegen das 8. Gebot: Du sollst nicht falsches Zeugnis geben! – ?

So werde ich wohl auch weiterhin so öde moralisch bleiben.

Dienstag, 22. September 2009

Was man so nach der Kommunion hört ...

Sonntagsmesse in der Propsteikirche. Während der Kommunion kommt eine Kinderschar herein, einige tragen ein gewaltiges Schild aus Karton mit sich, sie ziehen zum Altar. Natürlich alles unter erwachsener Aufsicht. Nach dem Schlußgebet geht ein Mann (klar: ein Erwachsener!) zum Lesepult, und erzählt uns, worüber die Kinder im Kindergottesdienst gesprochen hätten. Sie hätten auch ein Lied gelernt (Ubi caritas et amor) – freilich nicht so gut, daß sie es jetzt vorsingen könnten. Aha!
Ich plane jetzt, doch mit dem Rosenkranzbeten anzufangen, das mir bisher immer noch etwas fremd geblieben ist. Nächsten Sonntag möchte ich meinen Rosenkranz mit zur Messe nehmen.

Sonntag, 20. September 2009

Das 2000. Anniversarium

der Schlacht im Teutoburger Wald in der 3. Dekade des September (also in der Zeit vom 21. bis zum 30.) begeht Orietur Occidens mit einem Novum: einem Vorabdruck aus dem E&Ewald, der am 3. Oktober erscheinen soll (soll!). Nach einem kurzen Hinweis auf die Ereignisse, auch einmal in moderner Sprache («Eine Schar germanischer Terroristen unter dem Warlord Arminius hat eine Truppe bewaffneter römischer Entwicklungshelfer mit robustem Mandat massakriert»), folgt eine ausgiebige Eloge auf das Imperium Romanum (Eloge ist laut Duden wirklich Femininum!), die ich den Lesern empfehlen will.

Freitag, 11. September 2009

Niedrigsteuern können tödlich sein

Auf jeder Zigarettenpackung muß (dankenswerterweise) eine Warnung stehen, etwa daß Rauchen tödlich sein kann. Auch Tabakwerbung wird deshalb inkriminiert.
Aus Bericht und – vor allem – Kommentar in der tageszeitung ist zu erfahren, daß auch niedrige Steuern töten können. Werbung dafür aber ist leider nicht verboten.

Freitag, 4. September 2009

Hoffnung für Europa

Bösartig zwar in der Tendenz, aber in der Sache spannend ist eine Kolumne über Indien: «.. Die Globalisierung ist eine Lüge. Die Welt wächst nicht zusammen, sondern trennt sich immer mehr. Zwischen uns und den immer so gehypten Schwellenländern klafft inzwischen ein kultureller Graben, der nicht mehr zu schließen ist. ... die totale Fixierung aufs Religiöse ... Im Fernsehen laufen zwölf rein religiöse Programme, auch christliche. ... Doch es ist kein Medienphänomen – die Menschen leben das auch. Selbst gebildete Studenten kommen im Gespräch immer wieder auf den religiösen Punkt zurück: Bist du Muslim, Christ, oder Hindu? Was heißt das für dich? Ist es ein Problem für dich, wenn dein Gesprächspartner kein Christ ist? ... Manchmal werden spätnachts noch alte Filme gezeigt, aus den 70ern oder noch früher. Die jungen Inder dort haben lange Haare, rauchen Joints, diskutieren viel und hören britische Popmusik – genau wie überall auf der damaligen Welt. Denn damals gab es die Globalisierung, heute nicht.»
«Denn keiner kann mir erzählen, dass das bei uns möglich wäre», meint er. Aber mir macht das doch Hoffnung, auch für Europa.