Mittwoch, 4. August 2021

Klare Stellungnahmen und couragierte Dekrete von Diözesanbischöfen

Seitdem das Motu proprio Traditionis Custodes erschienen ist, hat Acción Litúrgica (bitte jeweils am Ende zweimal auf Entradas antiguas klicken!) vom nächsten Tag an, dem 17. Juli, bis gestern, bis zum 3. August, Stellungnahmen veröffentlicht, vor allem von Kirchenfürsten, sowie Erklärungen und Dekrete zugunsten des überlieferten Ordo von einer so großen Zahl von Diözesanbischöfen, von Erzbischof Salvatore Cordileone von San Francisco über Bischof Georg Bätzing von Limburg (!) bis zu Erzbischof Pascal N´Koué («Ich zelebriere in beiden Formen») von Parakou, Benin, und Bischof Thomas Paprocki von Springfield, Illinois, daß mir die Mühe, sie zu zählen, zuviel wurde.
Besonderen Mut zeigt Bischof Thomas J. Olmsted von Phoenix, Arizona: er erklärt, daß «wir in der Diözese Phönix damit gesegnet sind, zahlreiche gläubige Mitglieder zu haben, die dieser Form des Gebetes der Kirche sehr hingegeben sind», er dekretiert, «daß, geschuldet den lebenssprühenden (vibrant) Gemeinschaften mit schon etablierten Messen nach dem 1962er Römischen Meßbuch, in Übereinstimmung mit dem Kanon 87 des Kodex des Kanonischen Rechts, ich von der Beschränkung der Örtlichkeit dispensiere und für folgenden Pfarreien Erlaubnis gewähre, sich zur eucharistischen Zelebration nach dem 1962er Römischen Meßbuch in der Pfarrkirche zu versammeln (Artikel 3, §2):» (es folgt die Auflistung von sieben Pfarreien, deren erste die der Kathedrale selbst ist).
Erzbischof Kenneth D. Richards von Kingston, Jamaica beschließt sein Dekret mit einem Zitat aus dem Brief Papst Benedikts an die Bischöfe anlässlich der Publikation von Summorum Pontificum: «Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein.»
Weihbischöfe haben weniger zu verlieren als Diözesanbischöfe. Besonders stark äußert sich Bischof Rob Mutsaerts, Weihbischof in ’s-Hertogenbosch: «Papst Franziskus propagiert Synodalität: jeder muß mit jedem sprechen können, jeder muß gehört werden. Davon war wenig die Rede bei seinem unlängst veröffentlichten Motu proprio Traditionis Custodes ... Daß Franziskus hier ohne jede Beratung zum Machtwort greift, zeigt, dass er an Autorität einbüßt. ... Franziskus schlägt die Tür mittels Traditionis Custodes stahlhart zu. Es fühlt sich an wie Verrat und ist ein Schlag ins Gesicht seiner Vorgänger. Die Kirche hat übrigens nie Liturgien abgeschafft. Auch Trient nicht. Franziskus bricht völlig mit dieser Tradition. ... Liturgie ist kein Spielzeug von Päpsten, sondern ist Erbgut der Kirche.» (Een kwaadaardige oekaze van paus Franciscus – Ein bösartiger Ukas von Papst Franziskus)

Zitiert wird ein Artikel von Religión en Libertad, herausgegeben von der Stiftung Nueva Evangelización para el siglo XXI im Sinne Benedikts XVI.: «Der Papst stellt seine Entscheidung hin als Folge des Fragebogens, den er der Glaubenskongregation bezüglich der Anwendung des Motu Proprio Benedikts XVI. in Auftrag gegeben hatte. „Die eingegangenen Antworten haben eine Situation offenbart, die mich traurig und besorgt macht, und mich darin bestätigt, dass es notwendig ist einzugreifen“, sagt er. Aber weder handelten die Fragen, die der Fragebogen umfaßte, von den beabsichtigten Elementen, die seinen Vorgänger dazu veranlaßt hatten, ihn 2007 zu veröffentlichen, noch zeichnen die bekannten Antworten (einige so bedeutsam wie die des französischen Episkopats, eines der am stärksten betroffenen [siehe auch: La respuesta prudente de los obispos de Francia]) eine Wirklichkeit, wie sie in dem Brief unmittelbar danach angegeben wird.
Als der Fragebogen vor einem Jahr bekannt wurde, vermuteten viele, dass damit der Weg für die vorgefaßte Entscheidung geebnet werden sollte, die am Freitag getroffen wurde. Die Tatsachen widerlegen sie nicht: eher denn als eine Folge des Fragebogens läßt sich Traditionis Custodes als dessen Grund erkennen.»
(Carmelo López-Arias: El final de Summorum Pontificum. 17 de julio 2021)
Vor einigen Jahren warnte Papst Franziskus vor einem «Klerikalismus, einer „Elite der Priester, Ordensleute und Bischöfe“, die sich über die Laien stelle ... Die Laien müssten dabei in ihrem Glaubensleben unterstützt werden, aber nicht, indem der Priester ihnen sage, was sie zu tun oder zu lassen hätten, sondern, indem er sie dort abhole, wo sie stünden.» Nach Art. 3. hat der Bischof: «§6 dafür Sorge zu tragen, die Bildung neuer Gruppen [«die nach dem Missale vor der Reform von 1970 zelebrieren» / von «Gläubigen, die zu diesen Gruppen gehören»] nicht zu genehmigen.
Acción Litúrgica nun zitiert aus der altehrwürdigen überkonfessionellen Zeitung The Tablet: «Schritte gegen die lateinische Messe scheinen mir typisch für einen klerikalen Haß gegen die Laien.»
(Daniel McGlone: In defence of the Traditional Latin Mass. 22 July 2021)

Samstag, 31. Juli 2021

Ein päpstlicher Angriff auf Papst Benedikt

Was wir vor fast drei Jahren über einen bischöflichen Angriff auf Papst Benedikt geschrieben haben, ist nun wieder aktuell geworden, mehr noch denn zuvor durch den Papst selbst:
Motu proprio Summorum Pontificum: Ein bischöflicher Angriff auf Papst Benedikt
Beachtenswert ist, daß die gleiche Bewertung der Gültigkeit oder vielmehr Nichtigkeit des Verbots des überlieferten Ordo missæ, die wir damals dargelegt heben, jetzt Martin Mosebach für die des Motu proprio Traditionis Custodes anführt:
Wie Martin Mosebach das Papstschreiben zur „Alten Messe“ bewertet
Ein scharfer Kommentar dieses Autors steht noch dort: «.. es zeigt sich mehr und mehr, dass er mit der „Hermeneutik des Bruchs“ sympathisiert, jener theologischen Schule, die behauptet, die Kirche habe im Zweiten Vatikanischen Konzil mit ihrer Tradition gebrochen und gleichsam eine Neugründung der Kirche vorgenommen.» Natürlich ist es nicht so; wenn es einen Bruch gab, dann – gerade haben wir es gezeigt – zwischen Zweitem Vatikanischen Konzil und Novus ordo missæ, der Frucht der Aktendeckel und der menschlichen Arbeit. Dieser aber hat die Tradition der Kirche verwässert, willkürlichen Eingriffen ausgesetzt, doch nicht mit ihr gebrochen. Wenn aber ein Konzil mit der Tradition der Kirche gebrochen hätte, so wäre es eine Räubersynode, wie die alte Kirche es klar nannte; wenn es eine Neugründung der Kirche vorgenommen hätte, so wäre diese Neugründung nicht mehr „des Herrn“, nicht mehr „Kirche“, nur noch eine Sekte.

Im „Schreiben von Papst Franziskus vom 20. August 2018 an das Volk Gottes zum Missbrauch in der katholischen Kirche“ steht: «Das zeigt sich deutlich in einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche – sehr verbreitet in zahlreichen Gemeinschaften, in denen sich Verhaltensweisen des sexuellen Missbrauchs wie des Macht- und Gewissensmißbrauchs ereignet haben –, nämlich als Klerikalismus». Wenn Klerikalismus (nicht nur, aber auch) Machtmißbrauch ist, der auf „einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche“ gegründet ist, so erscheint das Motu proprio Traditionis Custodes als Klerikalismus kat’ exochen.

Zwischen II. Vaticanum und Novus Ordo:
Sechs Brüche

«Die Konstitution Sacrosanctum Concilium hat diese Forderung [hinsichtlich der vollen, bewussten und tätigen Teilnahme des ganzen Volkes Gottes an der Liturgie] bestätigt, als sie die Erneuerung und Förderung der Liturgie beschloss und die Grundsätze aufstellte, welche die Erneuerung leiten sollten. ... Die Liturgiereform wurde auf der Grundlage dieser Prinzipien durchgeführt. Sie findet ihren höchsten Ausdruck im Römischen Messbuch, dessen Editio typica vom heiligen Paul VI. promulgiert und vom heiligen Johannes Paul II. erneuert wurde» – so schrieb Papst Franziskus in seinem Brief an die Bischöfe zur Präsentation des Motu proprio Traditionis Custodes.
Hier irrte der Papst. Ganz abgesehen von den Verletzungen des Sinns von Sacrosanctum Concilium konnten wir Brüche auch mit dem Buchstaben der Liturgiekonstitution aufweisen: Sechs Brüche.

Siehe auch: Liturgie im Sinne des II. Vatikanischen Konzils / Der Novus Ordo Missae; E&E 19 (2014), S. 14-44.
Siehe auch: Wo geht es katholischer zu?

Pikant ist eine Anweisung aus Art. 1. §4 des Motu proprio: «Der Priester soll für diese Aufgabe geeignet sein, eine Kompetenz im Hinblick auf den Gebrauch des Missale Romanum vor der Reform von 1970 besitzen, eine derartige Kenntnis der lateinischen Sprache haben, die es ihm erlaubt, die Rubriken und die liturgischen Texte vollständig zu verstehen» – es erscheint dem Papst also als normal, daß es Priester gibt, die nicht einmal soviel Latein verstehen, die also vom reichen Fundus der geistlichen Überlieferung der westlichen Kirche weitgehend abgeschnitten sind – man beachte, wieweit sich die Kirche Franziskus’ I. damit von der Apostolischen Konstitution Veterum Sapientia des von Franziskus heiliggesprochenen Johannes XXIII. entfernt hat.

Dienstag, 22. Juni 2021

Wo geht es katholischer zu?

Im Abstand von zwei Wochen: eine musikalische Vesper in der evangelischen Stadtkirche und ein Pontifikalamt zu festlichem Anlaß in den Kathedrale unserer Diözese. Da taucht die Frage auf: Wo geht es katholischer zu? Der Leser vergleiche!

Samstag, 8. Mai 2021

Anglizismen

werden oft – und nicht ohne Grund – kritisiert. Doch was stört, das sind weder Fremdwörter im allgemeinen noch englische Fremdwörter im besonderen.
Wir sind der Frage nachgegangen, was wirklich an ihnen stört.

Politische Korrektheit gegen Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft

Nein, ich schätze die IFN nicht sehr; es stört, daß sie sich in das hirnrissige Links-Rechts-Schema rechts einordnen, etwa im hier erwähnten Beitrag beiläufig Klimawandelskeptikern das Wort reden.
Aber wenn ein britisches Gericht Wissenschaftlern mitteilt, was wissenschaftlich erwiesen sei, wenn die Thesen der Politischen Korrektheit mit der gleichen Selbstverständlichkeit als wissenschaftlich erwiesen postuliert werden wie seinerzeit die des dialektischen und historischen Materialismus in den kommunistischen Regimen, wenn davon abweichende Meinungsäußerungen Menschen in Großbritannien und den USA an Universitäten den Arbeitsplatz kosten, wenn Politische Korrektheit zu einer säkularen Staatsreligion gemacht wird, dann ist das doch ein Grund, auf diesen Beitrag hinzuweisen.

Donnerstag, 29. April 2021

Der Bamf-Skandal

Käme es in Erdoğans Türkei oder in Lukaschenkos Weißrußland zu solch einem Strafprozeß, so wunderte das niemanden; und ginge er dort mit einem hohen Bußgeld aus statt mit einer schlimmen Verurteilung, so wäre man nicht zufrieden, aber doch erleichtert.
Aber dieser Prozeß hat in der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden; und dieses Bußgeld hat ein bundesdeutsches Gericht festgelegt.

Die Meßfeier: Lange und kurze Zeit

Im Sonntagshochamt ist die Predigt übermäßig lang. Darum: nach der Messe noch etwas Gebetszeit, und dann auf dem kürzesten (das heißt: nicht auf dem schöneren) Weg nach Hause, damit man nicht zu lange auf mich warten müsse. Doch (ich habe weder eine Uhr noch etwas Elektronisches bei mir) an der Uhr an einer Bushaltestelle sehe ich, daß es noch gar nicht so spät ist.
Bemerkenswert: wenn einmal die Liturgie länger dauert, bemerke ich es kaum, wundere mich, wie spät es geworden ist; zieht sich aber die Predigt ein wenig hin, so kommt mir das gleich als ganz lange Zeit vor.

Freitag, 16. April 2021

Mißbrauchte und mißgebildete Fremdwörter

Als Hans Weigel 1974 sein „Antiwörterbuch“ „Die Leiden der jungen Wörter“ veröffentlichte, brauchte er sich fast nur über stilistisch unpassende Wörter zu ereifern. Hans Weigel ist vor fast dreißig Jahren gestorben; was seither die deutsche Sprache überschwemmt hat, sind nicht nur stilistische Mängel, sondern sinnlos gebrauchte und mißgebildete Fremdwörter.
Er braucht sie nicht mehr zu ertragen, kann dazu nicht mehr Stellung nehmen. So haben wir uns an die ersten Einträge einer Art neuen „Antiwörterbuchs“ gemacht.
Neue Beiträge sind willkommen.

Donnerstag, 15. April 2021

Der Mietendeckel

Das Bundesverfassungsgericht hat den Mietendeckel des Landes Berlin aufgehoben. Aber es hat nicht dessen Inhalt beanstandet; darum liegt die Verantwortung nun anderswo.
Einige Worte darüber finden sich bei Orietur Occidens.

Montag, 12. April 2021

Verhüllte Erscheinungsberichte

Unter den Erscheinungsberichten im Neuen Testament sind mehrere, in denen der Herr nicht sogleich erkannt wurde. Es sind schöne Erzählungen; aber daß er zunächst nicht zu erkennen ist, mag manchem auch Raum für Zweifel geben. Deren Vorkommen sei nun nachgegangen.

Mittwoch, 7. April 2021

Die Bezeugung der Auferstehung im Neuen Testament

Die Auferstehung des Herrn selbst hat kein Mensch gesehen; was berichtet wird, das ist das leere Grab und das sind die Erscheinungen des Auferstandenen.
Doch auffällig ist: das wohl älteste Evangelium, das Markus Evangelium, kennt in seiner ursprünglichen Fassung keine Berichte von diesen Erscheinungen. Es endete ursprünglich mit Kapitel 16, Vers 8: die Frauen fanden das leere Grab vor, hörten die Botschaft des Engels – und flohen.
Die Verse 9 bis 20 sind nachträglich hinzugefügt, aber schon sehr früh: auch in ihnen wird von den Emmaus- Jüngern berichtet, aber unabhängig vom Lukas Evangelium, denn diesen Versen zufolge (v. 13) fanden die Emmaus-Jüngern keinen Glauben, während sie im Lukas Evangelium (24, 33 f.) schon mit der Nachricht empfangen wurden, daß der Herr dem Simon erschienen ist.
Paulus dagegen (I. Kor. 15, 2-8) berichtet ausführlich von den Erscheinungen, erwähnt aber das leere Grab nicht. Vorher dieser Unterschied?
Das leere Grab löste Erschrecken aus, was es bedeutet, war nicht zu begreifen; aber es war öffentlich sichtbar. Die Erscheinungen (wenn auch bei einigen der Herr nicht gleich zu erkennen war) boten einen überwältigenden Eindruck; so wurden sie die Grundlage des Glaubens der Jünger. Doch sie waren eben den Jüngern vorbehalten, während das leere Grab damals jeder sehen konnte. Darum waren die Erscheinungen für die Verkündigung in der Kirche und somit auch für die Briefe des Paulus entscheidend, das leere Grab aber war es für die Verkündigung nach außen.
Hat Markus sein Evangelium vor allem als missionarische Schrift verfaßt? Oder war es so gemeint, daß (ich habe in Erinnerung, daß Hans-Joachim Schulz (Die apostolische Herkunft der Evangelien. Freiburg 1995) es so gedeutet hat) auf die Lesung des ursprünglichen Schlusses des Markus-Evangeliums jeweils der Auftritt der Zeugen folgte? Jedenfalls gründete die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen in der Öffentlichkeit zunächst darauf, daß Augenzeugen zur Verfügung standen.

Die Feier der Ostertage

Der Höhepunkt der Ostertage ist seit ältester Zeit natürlich der Ostersonntag. Doch wie das jüdische Fest der ungesäuerten Brote umfaßte auch das christliche Osterfest von Anfang an eine ganze Festwoche, alle Tage der Osterwoche sind in den Diatagaí von ungefähr der Wende des IV. Jahrhunderts arbeitsfreie Tage (Entwicklung und Vollendung des römischen Kirchenjahrs). In den Quellen des Hochmittelalters sind die ersten drei Tage der Woche Hochfeste, die übrigen vier Tage einfache Feste, vom Rang eines Sonntags. Daher wird jetzt noch die monastische Vesper (ich habe die aus Le Barroux mitgebetet) von heute an mit schlichteren Melodien gesungen; und sie wird auch nicht mehr vom Pontifikalsegen des Abtes beschlossen.
1642 beschränkte Papst Urban VIII. die gebotenen Feiertage in der Osterwoche auf deren erste drei Tage, und mit dem CIC von 1917 wurden sie schließlich auf den Sonntag beschränkt. Festlichen Charakter aber hat die ganze Osterwoche bis heute.

Die eindrücklichste Osterpredigt meines Lebens

Uns allen hatte sich tief eingeprägt, auf die gesungenen Akklamationen, das Alleluja und ähnliches singend zu antworten. Das ist die große Herausforderung für die Liturgie in den Zeiten der Beschränkungen. Man hilft sich, indem man die Akklamationen nur spricht, sie auch, so zur Weihe der Osterkerze, ganz ausläßt. Unschöne Einschränkungen, aber es wird doch eine würdige Liturgie daraus.
Den Höhepunkt erreicht sie am Ostermontag. Es beginnt damit, daß von Kantor und einem zweiten Sänger das Victimæ paschali gesungen wird, auf Latein.
Nach der Kommunion dann höre ich die eindrücklichste Osterpredigt meines Lebens, nicht vom Priester, sondern vom Kirchenmusiker, nicht mit Worten, sondern mit Orgeltönen. Gesungen wird „Preis dem Todesüberwinder“, dem hier gebräuchlichen Text von „Alleluja, laßt uns singen“. Als Vorspiel improvisiert der Kantor eine Orgelphantasie über dieses Lied, die die Größe des Geschehens und die Begeisterung darüber in einer Weise erklingen läßt, wie es keine gesprochene Predigt könnte. Danke!

Samstag, 3. April 2021

Kartage in Zeiten des Confinement

Vorletztes Jahr konnte ich an der Osternacht nicht teilnehmen, weil ich Dienst hatte, letztes Jahr gab es nur elektronisch vermittelten Zugangzu den Gottesdienstes der Karwoche und der Ostertage. Um so mehr liegen mir die Gottesdienste dieses Jahres am Herzen.
Der Palmsonntag begann vielversprechend: wir durften zur Passion stehen bleiben. Leider wurde nur die Kurzfassung der Passion gelesen.
Für die Gottesdienste des Triduum sacrum habe ich die nahegelegene Kirche in unserem Gründerzeitviertel gewählt, teils um der späten Uhrzeit willen, teils, um die Propstei zu entlasten, für die es schon sehr viele Anmeldungen gab.
Am Gründonnerstag mußten wir auf die zweite Lesung verzichten, das heißt, auf den Bericht von der Einsetzung des Abendmahls. Für den Karfreitag, so wurde uns gesagt, sei eigentlich ein Gottesdienst zusammen mit der evangelischen Nachbarpfarrei geplant gewesen, der dann der geltenden Einschränkungen wegen doch nicht gemeinsam stattfinden konnte; dieser Plan habe jedoch Spuren hinterlassen in der Durchführung der nun getrennten Gottesdienste.
Angekündigt wurde, daß deshalb die Kreuzverehrung nicht stattfinden werde. Statt dessen bekam jeder eine Postkarte mit einem Bild von einem Kreuz (ohne Kruzifix) für die private Kreuzmeditation.
Dafür, daß der ursprünglichen Planung der gemeinsamen Feier mit der evangelischen Nachbarpfarrei wegen nun die Kreuzverehrung ausfällt, weiß ich nur eine Erklärung: daß das Kreuz unserer Kirche der evangelischen Kirche für eine dortige Kreuzverehrung ausgeliehen wurde – daß evangelischen Kirchen ein geeignetes Kreuz fehlt, ist durchaus vorstellbar. Aber daß es in unserer katholischen Kirche mit all ihren Gemeinderäumen kein zweites geeignetes Kreuz gibt, ist verwunderlich.
Und zum Schluß fiel auch die Kommunionausteilung weg. Ich bin darauf nach Hause gegangen und konnte noch vom letzten „Ecce lignum crucis“ an die Kreuzverehrung in Le Barroux mitverfolgen – ein großartiges Glaubenszeugnis; aber das ersetzte natürlich nicht die leibliche Teilnahme.

Montag, 22. März 2021

Die zwei Heiligen des heutigen Tages

Zwei große Heilige werden heute gefeiert: der heilige Vater Benedikt, weil gestern sein Fest vom Passionssonntag verdrängt wurde, es deshalb heute in den Kirchen seines Ordens nachgefeiert wird, und der selige Bischof Clemens August Kardinal v. Galen, der zwar noch nicht heiliggesprochen ist, was aber seiner Heiligkeit keinen Abbruch tut.
Ecce quomodo moritur justus – Prof. Sunder-Plaßmann, der aus Bonn angereiste ärztliche Spezialist, erklärte, er werde zeit seines Lebens den Kardinal, den er während der Tage der Krankheit immer wieder zu beobachten Gelegenheit gehabt habe, als Heiligen verehren (Heinrich Portmann: Kardinal von Galen / Ein Gottesmann seiner Zeit, S. 315).
«Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und lügnerisch alles Böse euch nachsagt um meinetwillen» – Heilige ziehen Verleumdung auf sich, auch von seiten katholischer Theologen. Um diesen Verleumdungen entgegenzutreten, haben wir aus leicht zugänglichen Quellen einiges zusammengetragen über Bischof Clemens August Graf v. Galen, das NS-Regime und die Juden.

Die letzten Worte des Kardinals

Heute vor 75 Jahren verlor nachmittags Bischof Clemens August das Bewußtsein; seine letzten Worte: «Wie Gott es will! Gott lohne es euch! ... Für Ihn weiterarbeiten ... o, Du lieber Heiland!»
Gegen 5 Uhr nachmittags starb er.
Quelle: Heinrich Portmann: Kardinal von Galen / Ein Gottesmann seiner Zeit. Münster 1948

Samstag, 20. März 2021

Die letzten Tage des Kardinals

Vor 75 Jahren: «Die Berichte der Ärzte wurden von Tag zu Tag ernster. Klaren und ruhigen Bewußtseins ging der Kardinal seinem Endziel entgegen. ... In dieser Ergebenheit dankte er allen, die Tag und Nacht nicht müde wurden, zu tun, was menschliche Kraft ... aufzubieten vermag ...»
Es ist eine große Liebe, mit der Heinrich Portmann als Augenzeuge Bischof Clemens Augusts letzte Tage schildert (Kardinal von Galen / Ein Gottesmann seiner Zeit. Münster 1948).

Freitag, 19. März 2021

Die Sterbesakramente

Heute vor 75 Jahren wurden morgens zwei Ärzte geholt; sie ordneten an, Bischof Clemens August ins Krankenhaus zu bringen. Als der Krankenwagen gekommen war, wies der Bischof auf das Cæremoniale Romanum, das aus Rom mitgebracht worden war: «Darin können Sie nachlesen, wie ein Kardinal begraben wird.» Im Krankenhaus empfing Bischof Clemens August die Sterbesakramente. Er merkte an: «Heute ist mein Tauftag, das Fest des heiligen Joseph, des Patrons der Strebenden.»
Als alle das Krankenzimmer verlassen hatten, rief er einen der Priester, seinen Kursusgenossen, zurück: «Wenn es diese Nacht zum Sterben geht, mußt du aber kommen, ich möchte dann nicht gern allein sein.»
An diesem Abend noch wurde er operiert; es zeigte sich ein durchgebrochener Blinddarm mit Darmlähmung.

Donnerstag, 18. März 2021

Sein letztes Meßopfer

Heute vor 75 Jahren – es war Montag – zelebrierte Bischof Clemens August seine letzte Messe. Bald danach zog er sich in sein Zimmer zurück, um auszuruhen, ohne noch etwas zu essen; doch er weigerte sich, einen Arzt hinzuzuziehen oder sich auch nur ins Bett zu legen.

Mittwoch, 17. März 2021

Sein letztes Pontifikalamt

Heute vor 75 Jahren – es war Sonntag – feierte Bischof Clemens August in Heilig Kreuz in Münster sein letztes Pontifikalamt. Danach zeigte er sich erschöpft, er hatte Schmerzen; abends konnte er nichts mehr essen.

Dienstag, 16. März 2021

ZdK und Glaube

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg befindet, daß eine «„Verheutigung“ der katholischen Lehre, wie sie Moraltheologen seit langem fordern,» «nicht einfach abgelehnt werden» dürfe. «Stattdessen plädiert das ZdK für „eine Weiterentwicklung der Lehre mit tragfähigen Argumenten“.»
Eine andere Meinung – die ich teile – ist, daß ein Mann, der vor etwa 1990 Jahren gekreuzigt wurde, wiederkommen wird, «zu richten über Lebende und Tote.» Geht jemand davon aus, daß Er sich dabei einer verheutigten und weiterentwickelten Lehre unterwerfen werde?

Münsters größter Tag

Heute vor 75 Jahren feierte das zerstörte Münster ein Freudenfest, wie es die Stadt seither nicht mehr erlebt hat: an diesem Tag, seinem 68. Geburtstag, zog Bischof Clemens August Graf v. Galen als Kardinal in die Stadt ein.
Mein Vater allerdings, der sich zu diesem Anlaß auf die angesichts der damaligen Verkehrsverhältnisse lange Fahrt dorthin gemacht hatte, sah dem Bischof schon an diesem Tag die tödliche Krankheit an.

Freitag, 12. März 2021

Antoine de Saint-Exupéry hatte mehr zu sagen als der zu Tode zitierte Fuchs

Als seine Kräfte schwanden, fühlte sich Giuseppe Tomasi di Lampedusa nicht mehr imstande, in seinem „Gattopardo“ seine Gedanken erzählerisch darzustellen, weswegen er sie gegen Ende des Romans einfach Padre Pirrone in den Mund legte – womit er selber ganz unzufrieden war, wie sein Adoptivsohn Gioacchino Lanza Tomasi (in seinem Vorwort zur Ausgabe von 1969) berichtet.
Ähnlich scheint es Antoine de Saint-Exupéry, bei seinen „Petit Prince“ ergangen zu sein: an einer Stelle hörte er auf zu erzählen und legte seine Gedanken einfach dem Fuchs in den Mund – literarisch ein gewaltiger Abstieg.
Antoine de Saint-Exupéry wird in frommen Kreisen und selbst bei Predigten oft zitiert, und fast immer aus dieser schwächsten Stelle des Buchs («Man sieht auch mit dem Herzen gut»).
Aber der Mann hatte auch anderes zu sagen. So etwa:
« Il n’y a qu’un problème, un seul de par le monde : rendre aux hommes une signification spirituelle. Faire pleuvoir sur eux quelque chose qui ressemble à un chant grégorien. Si j’avais la foi, il est bien certain que je ne supporterais plus que Solesmes. – Es gibt nur ein Problem, ein einziges auf der ganzen Welt: den Menschen eine spirituelle Bedeutung zurückzugeben. Etwas auf sie regnen zu lassen, das einem gregorianischen Gesang gleicht. Wenn ich den Glauben hätte, so wäre es ganz gewiß, daß ich nur noch Solesmes ertrüge. »
(Antoine de Saint-Exupéry, « Lettre au Général X », in: Figaro Littéraire vom 10 April 1948)

Dienstag, 9. März 2021

Frauentag

war gestern, in Berlin neuerdings gesetzlicher Feiertag, weshalb auch hierzulande die Tageszeitung nicht gekommen ist.
Frauentag: ein interessanter Gedanke, nur das Datum ist ganz ungünstig, zumeist tief in der Fastenzeit.
Mein Vorschlag: Frauentag als bundeseinheitlicher Feiertag am 15. August.

Altbackene moderne Theologie als Tragikomödie

„Junge Frauen“ in der Kirche haben einen Fürsprecher gefunden: den (nicht mehr so jungen) Theologen Zulehner, den katholisch.de ausführlich zitiert.
„Junge Frauen“ «hätten immer weniger „gute Gründe“, Teil der Kirche zu sein oder zu bleiben, sagte er im Interview der „Kleinen Zeitung“ (Sonntag) zum Weltfrauentag an diesem Montag.» Bei Licht betrachtet haben sie ebenso gute Gründe wie eh und je und wie alle anderen Menschen auch: in der Kirche ist der Herr zu finden, das Heil zu finden.
«Der Theologe Paul Zulehner warnt vor einem Rückzug junger Frauen aus der katholischen Kirche.»
Eigentlich müßte er doch sagen: er «warnt junge Frauen vor einem Rückzug aus der katholischen Kirche.»
Aber liest man seine Worte einmal gegen den Strich, so zeigt sich, daß solch eine Warnung vielleicht gar nicht vonnöten ist:
«Sichtbar werde das Fehlen der jüngeren Frauengeneration in der Kirche auch bei den Mitgliedern der in Deutschland gestarteten Initiative „Maria 2.0“, wo es eher Vertreterinnen „aus der mutigen Konzilsgeneration“ gebe.»
Das heißt, so darf ich hoffen, daß die jungen Frauen, die heute noch in der Kirche sind, wirklich glauben, daß sie in der Kirche den Herrn suchen und mit Ihm auch seine Mutter, und zwar ohne „2.0“.

Mittwoch, 3. März 2021

Noch einmal zur „geschlechtsinklusiven“ Sprache

Nachdem wir uns vor drei Monaten der Tragödie (zu Lasten der deutschen Sprache) gewidmet hatten, liefert nun ein Leserbrief an eine Zeitung, die sich in solcher Sprache versucht, das Satyrspiel dazu: wie lautet der „geschlechtsinklusive“ Plural von „Ministerpräsident“?
Orietur Occidens ist der Frage gefolgt.

Mittwoch, 17. Februar 2021

Die moralische Versuchung des Predigers

Wunderberichte der Evangelien haben oft moralische Nebenaspekte, die ein ergiebiges Reservoir an Themen für Predigten bieten.

Da ist die Heilung eines Blinden (Mc. 10, 46-52; Lc. 18, 35-43; ähnlich Mtth. 20, 30-34): als er Jesus um Erbarmen («eleïson») gebeten hat, fragt Jesus noch nach, was er wolle; und erst als er es gesagt hat – daß sie wieder sehen können –, tut Jesus dieses Wunder.
Das Thema für den Prediger: man müsse erst klar wissen und auch aussprechen, was man will, dann erst könne es geschehen.
Aber: bei den meisten Wundern hat Er nicht weiter nachgefragt. Dem Gelähmten, der durchs Dach herabgelassen wurde (Mtth. 9, 2-8; Mc. 2, 2-12; Lc. 5, 18-26), vergab Er seine Sünden, worum niemand gebeten hatte und was niemand erwartet hatte; und erst nach einer Erläuterung tat Er das Wunder, das man erhofft, aber immer noch nicht ausdrücklich erbeten hatte.

Nach der Heilung jenes Blinden sagt Jesus: «Dein Glaube hat dich geheilt», einen Satz, den Er auch nach mehreren anderen Wundern sagt.
Das Thema für den Prediger: das, was eigentlich heilt, sei der Glaube.
Aber: bei den Brotvermehrungen hat zuvor niemand mit dem Wunder gerechnet, niemand einen Glaubensvorschuß geleistet. Und beim Weinwunder von Kana (Joh. 2, 1-11) hat nur Maria geglaubt, daß Jesus mit einem Wunder eingreifen könnte – und die war ja gar nicht die eigentliche Nutznießerin des Wunders. «Seine Jünger glaubten an ihn», steht am Ende des Berichts: der Glaube ging nicht dem Wunder voraus, sondern wurde durch ihn gestärkt.

Ein Aussätziger bittet um Heilung (Mtth. 8, 2; Mc. 1, 40-45; Lc. 5, 12-16). Jesus berührt ihn und heilt ihn.
Das Thema für den Prediger: Jesus berührt den, der aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen ist, der für die anderen unberührbar ist; ja, Jesus macht sich sogar selbst unrein, indem er ihn berührt.
Aber: sobald Jesus ihn berührt, ist der Mann geheilt, ist er rein. Die Vorschriften des Gesetzes über die Unreinheit von Aussätzigen stellt Jesus nicht in Frage; im Gegenteil: er trägt dem Geheilten auf, sich dieser Vorschrift gemäß dem Priester zu zeigen. Jesus wird von Schriftgelehrten manches vorgehalten: daß Er am Sabbat heilt, daß seine Jünger am Sabbat Ähren rupfen (Lc. 6, 1), daß sie mit ungewaschenen Händen essen (Mtth. 15, 2; Mc. 7, 8); aber daß Er nach der Berührung mit dem Aussätzigen nun selber unrein sei, kommt offenbar keinem Schriftgelehrten in den Sinn.

Es ist zu verstehen, daß Prediger bei jedem Wunder im Sonntagsevangelium einen besonderen Aspekt für ihre Predigt suchen; darum ist es erlaubt, solche moralischen Aspekte in den Blick zu nehmen. Aber schon bei der erwähnten Heilung des Aussätzigen zeigt sich, daß auch etwas ins Evangelium hineingelesen wird, was gar nicht darin steht.
Die schwererwiegende Gefahr aber ist, daß die eigentliche Bedeutung der Wunder aus dem Blick gerät: die göttliche Macht Jesu zu zeigen, die sich in den Wundern zeigt. Als Johannes, der Täufer, Jesus fragen läßt, ob Er der sei, der da kommen wird, beruft Jesus sich auf seine Wunder, um sich als Messias auszuweisen (Mtth. 3-5; Lc. 7, 19-22); und wenn Er auch sagt: «Selig sind die, die nicht sehen und [doch] glauben» (Joh. 20, 29), so sagt er an anderer Stelle (Joh. 10, 37 f.): «Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, glaubt ihr mir nicht. Wenn aber ich sie tue: auch wenn ihr mir nicht glauben wollt, glaubt den Werken, damit ihr erkennt und glaubt, daß in mir der Vater ist und ich im Vater.»

Besonders entstellend ist solche moralische Auslegung bei den Brotvermehrungen (Mtth. 14, 13-21; Mc. 6, 30-44; Lc. 9, 10-17; Joh. 6, 1-13; Mtth. 15, 32-39; Mc. 8, 1-10).
Die Sicht manches Predigers: Als die Jünger hervorgeholt hatten, was der Junge bei sich hatte (Joh.) / sie bei sich hatten (Synopt.), und es auszuteilen begonnen hatten, hätten alle ihren Proviant ausgepackt, und so seien alle satt geworden.
Aber: dadurch würden die vorherigen sorgenvollen Überlegungen und Besprechungen der Apostel, wie die Evangelien sie schildern, ad absurdum geführt; und Jesu späterer Hinweis auf das Verhältnis der Zahl der ausgeteilten Brote und der der Körbe mit eingesammelten Bröckchen (Mtth. 16, 9 f.; Mc. 8, 19 f.) wäre dieser Sicht nach belanglos. Diese Sicht tut den Evangelientexten Gewalt an – und doch ist sie mir nicht nur einmal begegnet.
Die Berichte von den Brotvermehrungen haben in den Evangelien besonderes Gewicht: kein anderes Wunder als die erste Brotvermehrung wird in allen vier Evangelien berichtet; und auf keine anderen Wunder geht Jesus selber danach noch so ausführlich ein (deswegen ist auch von zwei Brotvermehrungen auszugehen und nicht etwa von einer, die in zwei Evangelien je zweimal, jeweils etwas anders, erzählt würde).
Und sie stehen jeder psychosomatischen Erklärung, wie sie bei den Heilungen denkbar wäre, entgegen.
So erhebt sich der Verdacht, daß manch einer sie weginterpretieren will, weil er nicht Jesu göttliche Vollmacht auch über die Natur – «Welch einer ist dieser, daß auch die Winde und das Meer ihm gehorchen?» (Mtth. 8, 27) – anerkennen will.
Und so erlaube ich mir Vorbehalte gegen moralische Ausdeutungen von Wunderberichten, und ich bin dankbar für die klare Aussage der Berichte von den Brotvermehrungen.

Samstag, 16. Januar 2021

Warum wir der alten deutschen Rechtschreibung folgen

– hier ist es begründet, unter dem Thema des Triumphzugs der Dummheit durch unsere Kulturlandschaft, auf einer Seite, auf der auch dargestellt ist, was eigentlich abendländisch ist.

Und: ex Oriente lux – damit auch das Morgendland gebührende Erwähnung findet:
Das Wort „téktōn“ wird ins Deutsche üblicherweise mit „Zimmermann“ übersetzt. Und so sieht man auf deutschen Bildern der Heiligen Familie oft eine Werkstatt mit Säge und Hobel. Aber Joseph war kein Schreiner, er war Tekton. Was aber war die Arbeit eines Tekton im alten Galiläa? Da unmittelbare Zeugen nicht mehr befragt werden können, habe ich versucht, einer Antwort näherzukommen, indem ich Aramäer aus einer benachbarten Landschaft gefragt habe.

Mittwoch, 13. Januar 2021

Taufe des Herrn

Bis ins XVII. Jahrhundert war der heutige Tag, der Oktavtag von Epiphanie gebotener Feiertag, dem Gedenken der Taufe des Herrn gewidmet.
Heute noch festlich begangen und dankenswerterweise von dort übertragen wird er in Le Barroux; so kann ich ihn ein wenig mitfeiern.

Montag, 11. Januar 2021

Corona und Gesang

Von verschenkten Chancen: «.. Wenn die eigene Inbrunst so untrennbar ans Singen unliturgischer Texte gebunden ist, dass ich ohne sie meine, die Messe sei nicht wirklich vollständig, dann ist man von mündigem Mitvollzug weiter entfernt als damals, als man noch unschuldig Rosenkranz während der Messe hat beten können. ...»

Freitag, 8. Januar 2021

Segnungsfeiern für Verbindungen der besonderen Art

«Was passiert, wenn Paare ihre Beziehung unter den Segen Gottes stellen wollen, eine kirchliche Trauung aber nicht möglich ist?» – gemeint ist: wenn Paare den Segen der Kirche für Verbindungen wünschen, die den Geboten des Herrn widersprechen. Lange Zeit war es klar, wie die Kirche da vorgegangen ist: sie hat zur Umkehr aufgerufen. Jetzt aber verbreitet katholisch.de eine andere Idee: «Ein Buch stellt Abläufe für Segnungsfeiern zusammen».
Daß dann noch hinzugefügt wird: «die in der Praxis so gefeiert werden,» ist ebenso sachlich richtig wie beunruhigend.

Dienstag, 5. Januar 2021

Das Menschenrecht auf Leben

Die Richterin Nancy Poser in einem Interview (Richterin über Triage: „Wir werden als Erste geopfert“. taz vom 23.12.2020): «Und da hat aber das Bundesverfassungsgericht ganz klar gesagt: Das geht nicht. Ich darf selbst den totgeweihten Leuten im Flugzeug ihre Überlebenswahrscheinlichkeit, so minimal sie auch sein mag, nicht nehmen, um andere zu retten, weil ich sie damit zum Werkzeug degradiere und ihnen so die Menschenwürde nehme. Mit diesem Grundsatz bin ich auch groß geworden, als Mensch und als Juristin. Ich habe seit dem ersten Semester Jura gelernt, dass man Leben nicht gegen Leben abwägen kann, egal welche Chance man diesem Menschenleben beimisst.»
Wenn diesen hehren Grundsatz unseres Verfassungsrechts auch auf ungeborene Kinder angewendet würden ...

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Morgengrauen um 10 Uhr morgens?

„Mitternachtsvorlesungen“ wurde unter Studenten Vorlesungen genannt, die um acht oder neun Uhr früh begannen. So sehr solchem Lebensgefühl auch zuzustimmen ist: chronologisch ist das nicht richtig.
Doch nun hat am Weihnachtstag solch ein Lebensgefühl in unserer Kirche die Oberhand gewonnen.

Mittwoch, 23. Dezember 2020

Rorate-Messen

durchziehen heute den Advent.
Was ist ihr Ursprung? Und wann wollen sie zelebriert werden?

Lehren aus dem Advent unter dem Regime der Viren

1. In Kirchen des byzantinischen Ritus (und auch orientalischer Riten) ist es üblich, daß ein kleiner Chor singt, an nichtstaatlichen Feiertagen manchmal nur drei Sänger. Und: es klingt, nichts fehlt; die Gemeinde fühlt sich durchaus nicht unbeteiligt. Nun singt auch in unseren westlichen Kirchen nur eine Schola. Und: es klingt. Selber singen kann ich zu Hause.
2. Neue virologische Erkenntnis, die den Virologen entgangen ist: Wenn wer schweigt (der Zelebrant etwa), auch wenn er ganz alleine da steht oder sitzt, muß er einen Atemschutz tragen. Wenn er aber spricht, ist der nicht mehr so wichtig; er kann ihn dann solange abnehmen. (Habe ich da etwas falsch gemacht? – auch bei einem einstündigen Vortrag habe ich das Ding aufbehalten.)
3. Hellgrünblauer Atemschutz zu violettem Ornat: das geht nicht (gelber auch nicht).
4. Traditionelle Adventspräfation, wie sie etwa in Le Barroux gesungen wird.

Freitag, 18. Dezember 2020

.. und morgen früh die Liturgie des Quatembersamstags

mit ihren fünf alttestamentlichen Lesungen.
So ärgerlich das Confinement auch ist, so traurig dessen Anlaß, es bringt uns doch den Nutzen, daß wir wieder – wie seinerzeit schon ausführlich besprochen – im Netz an den Messen von Le Barroux teilnehmen können. Da bei uns in Deutschland die Messen in unseren Kirchen weiterhin zugänglich sind, wenn auch mit begrenzter Teilnehmerzahl, ist das für die meisten und so auch für mich in der Regel nicht von Bedeutung; doch an den festlichen Quatembermessen teilzunehmen (morgens im Anschluß an die Terz um halb zehn) lasse ich mir nicht entgehen, und ebensowenig, bei den Vespern mitzusingen, in denen in diesen Tagen die O-Antiphonen in ihrem natürlichen Biotop erscheinen.
Anmerkung: die Freude an der Quatemberliturgie ist natürlich nur vollkommen, wenn man an diesen Tagen auch fastet.

Freitag, 4. Dezember 2020

„Generisches Maskulinum“ – gibt es das?

Seit Jahren gibt es die Forderung nach „geschlechtergerechter“ oder „geschlechtsinklusiver“ Sprache, gibt es Formen mit „Innen“, „_innen“, „*innen“ und „:innen“. Dem wird entgegengehalten, das sei nicht nötig dank des „generischen Maskulinums“; darauf wird erwidert, das gebe es gar nicht.
Grundsätzlich besprochen wurde anderswo die Frage schon vor mehr als drei Jahren: Dichterin oder Dichter? Zum generischen Maskulinum.
Wir nun haben uns darangemacht, die Frage von dem her, was die Bedeutung der Sprache bestimmt, nämlich vom wirklichen Sprachgebrauch her zu untersuchen.

Mittwoch, 25. November 2020

Abendländische Werte, zu verteidigen gegen falsche Freunde

Eine dumme (und böswillige) Äußerung einer Kolumnistin, die als „konservativ“ gehandelt wird und „westliche Werte“ zu verteidigen vorgibt, hat Anlaß zu Überlegungen über falsche Freunde des Abendlands und über den Begriff „konservativ“ gegeben.
Orietur Occidens, die „Interessengemeinschaft Abendland“, nimmt Stellung.

Montag, 23. November 2020

Nachlese zum Krieg gegen Karabach

Berg-Karabach-Konflikt: Warum Armenien vom Westen verraten wird. Eine Kolumne von Wolfram Weimer:
«Menschenrechtsorganisationen berichten von Streubomben gegen die Zivilbevölkerung, von gezielten Angriffen auf Krankenhäuser und Kirchen, weil sie christliche Kreuze trugen. Kriegsgefangene Armenier sollen gefoltert und dabei gefilmt worden sein. ... Videos von Hinrichtungen haben die Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet, zu einem Alarmruf veranlasst ...
... Man müsse die Region „von den Ungläubigen befreien“, hat Erdogan den Religionskrieg ausgerufen.»

Donnerstag, 19. November 2020

Die Türkei will Truppen nach Bergkarabach schicken

Armenier verlassen ihre Häuser, viele von ihnen gehen wohl der Obdachlosigkeit entgegen, bevor dem Waffenstillstandsabkommen nach aserbaidschanische Truppen einrücken. Währenddessen hat die Türkei beschlossen, Truppen zur Überwachung der Waffenruhe nach Bergkarabach schicken – der Waffenruhe nach einem Krieg, den sie selber mit vorangetrieben hat.
Zur Erinnerung: Nach ersten Ansätzen seit 1895 hat der türkische Staat seit 1915 einen Völkermord an Armeniern und Aramäern verübt, dem wohl weit über eine Million Christen zum Opfer fielen, den aber die Türkei bis heute leugnet. Als nach dem I. Weltkrieg das türkische Reich aufgeteilt wurde, blieben die neugeschaffenen arabischen Länder wie Syrien, der Iraq, Palästina und Transjordanien, die zunächst französisches oder englisches Mandatsgebiet wurden, frei (ausgenommen der syrische Sandjak Alexandrette, der schließlich doch wieder annektiert wurde), während andererseits die Türkei nicht nur die zuvor türkisch beherrschten Gebiete der vom Friedensvertrag von Sèvres anerkannten Republik Armenien zurückeroberte, sondern darüber hinaus auch zuvor zum Zarenreich gehörende armenische Gebiete bis hin zum Araxes, so daß der Ararat, der heilige Berg Armeniens, nun für Armenier zwar noch zu sehen, aber nicht mehr zugänglich ist.
Siehe auch: zwei (1.) - (2.) Nachträge

Dienstag, 17. November 2020

„Islamistische“ Morde

Für den Lehrer, der im Unterricht die berüchtigten Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte und daraufhin ermordet wurde, hat der französische Präsident eine Trauerrede gehalten, in der er ihn als «die Inkarnation der Republik» bezeichnete, «weil er seinen Schülern beibringen wollte, wie man zu Bürgern dieses Landes wird. Wofür Samuel Paty kämpfte: Republikaner hervorzubringen.»
Dieser Mord war ein zutiefst verwerfliches Verbrechen; nur: was hatte der Unterrichtsgegenstand, den dieser Lehrer behandelt hatte, damit zu tun, «zu Bürgern dieses Landes» zu werden», «Republikaner hervorzubringen»?
Warum bei der berechtigten Empörung darüber ein unangenehmer Beigeschmack bleibt, haben wir in unserer Chronik ausgeführt. Nun aber bin ich auch auf einen Zeitungsartikel eines durchaus selber laїzistischen Autors gestoßen, der die Haltung des Präsidenten und seiner laїzistischen Gesinnungsgenossen beschreibt – er paraphrasiert: «Frankreich versteht sich dabei als Leuchtturm der republikanischen Idee, als Nation der Menschenrechte» und bezeichnet die zugrundeliegende Idee offen als die «eines aufgeklärten, offenen, humanistischen und atheistischen [!] Westens» – und stellt dann dieser Vorstellung einer in der französischen Republik sich manifestierenden «Nation der Menschenrechte» sehr ausführlich die Wirklichkeit der Geschichte dieser Republik gegenüber von den antichristlich begründeten Massakern an den katholischen Bauern in der Vendée über die rassistische Begründung des französischen Kolonialismus bis zu dessen Massakern, bis zu deren letztem 1961 an friedlich demonstrierenden Algeriern in Paris.
Angemerkt sei: natürlich hat die Kolonialherrschaft auch Gutes gebracht, so die Befreiung von den Sklavenjägerstaaten Westafrikas; aber das rechtfertigt nicht das in diesem Artikel beschriebene Vorgehen der Kolonialmacht.

Samstag, 14. November 2020

Das Kirchenjahr

Es mangelt nicht an Literatur über das Kirchenjahr und ebensowenig an Übersichten und Tabellen. Doch zugleich sind sie von einer störenden Unvollständigkeit, die sogar für die Wissenschaft Folgen zeigte. So meinte der große Camillus Callewaert zu erkennen – und darin folgten ihm sehr viele –, daß Duplex-Feste nicht etwa, wie es liturgische Praxis war und bis dahin allgemein angenommen wurde, die Feste seien, in denen die Antiphonen doppelt, vor und nach den Psalmen und Cantica, gesungen wurden, sondern die, die nach altem römischem Brauch doppelte Vigilien hatten, zusätzlich zu den nächtlichen noch abendliche.
Ein Vergleich des Ordo des Laterans mit Durands Rationale Divinorum Officiorum, der ältesten Quelle, die die Duplex-Feste auflistet, hätte genügt: bei Durand erscheinen als Duplex-Feste die, die im Lateran doppelte Antiphonen haben, nicht die, die doppelte Vigilien haben.
Schon seit mehr als einem Jahr stehen bei uns Tabellen im Netz, die das aufzeigen, die sich um Vollständigkeit bemühen. Doch diese Tabellen bedurften noch einiger Ergänzungen und Präzisierungen. Die sind nun geschehen; so lohnt ein neuer Blick auf unser Tabellenwerk.
Ebenfalls seit mehr als einem Jahr steht, im Anschluß daran, der Artikel des E&E-Heftes 23 im Netz, der das Kirchenjahr als System darzustellen sich bemüht, wie es sich von den Anfängen an in der ganzen Kirche des Ostens und Westens und im besonderen im Raum des römischen Ritus entwickelt hat. Auch hier zeigte es sich, daß zu dem Artikel einige Ergänzungen wünschenswert waren; so habe ich jetzt an St. Martin einen Satz über das Martinsfasten hinzugefügt. Diese Ergänzungen sind nun – gekennzeichnet – seiner html-Fassung eingefügt.
Während sich das Kirchenjahr bis zu Beginn der Neuzeit nur ganz allmählich entwickelt hatte und im wesentlichen bestehen blieb, kam es seither zu einer immer größeren Menge von Veränderungen, die schließlich dazu führten, daß das ganze System ins Wanken geriet und dann grundlegenden Novellierungen unterzogen wurde. Diese Veränderungen als System, mit ihren Ursachen darzustellen ist das Thema des Anschlußartikels im E&E-Heft 24. Auch der ist nun in html-Fassung ins Netz gestellt.

Waffenstillstand und Hoffnung auf Frieden

Ein Waffenstillstand für fünf Jahre, von russischem Militär überwacht – das gibt Hoffnung auf Frieden. Ein bitterer Friede für Armenier: Schuschi (russ.: Schuscha), früher die bedeutendste Stadt der Region, ist den Eroberern zum Opfer gefallen; der Angriffskrieg hat sich für sie ausgezahlt. Aber dennoch: Friede ist besser als das Unheil weiteren Krieges.
«Vor Ausbruch des Krieges im Jahr 1988 waren circa zwei Drittel der Einwohner Schuschis aserbaidschanisch», lese ich; und anderswo steht ähnliches. Doch in Meyers Konversationslexikon von 1907 steht s.v. Schuscha über die Einwohner der Stadt: «meist Armenier». 1916 seien es laut Wikipedia noch 53,3 % gewesen, bis es 1920, vor allem durch « aserbaidschanische und türkische Armeesoldaten», zum Pogrom gegen die armenischen Bewohner kam, das «zu deren weitgehender Auslöschung» führte. «Die Armenierviertel der Stadt Schuscha wurden dabei vollständig zerstört» (Wikipedia s.v. Schuscha-Pogrom).
1992 von Karabach erobert, ist Schuschi nun wieder in aserbaidschanischer Hand.
Rußland wird von der EU sanktioniert – aus durchaus guten Gründen; aber nicht weniger Grund gäbe es, die Türkei und Aserbaischan zu sanktionieren. Doch «Deutschland blockiert europäische Sanktionen gegen Ankara» (Telepolis). «Noch Ende Oktober hatte Außenminister Heiko Maaß erklärt, die internationale Gemeinschaft werde eine militärische Lösung im Konflikt um Bergkarabach nicht akzeptieren» (tagesschau.de); und nun hat diese «internationale Gemeinschaft» durch Untätigkeit dafür gesorgt, daß Aserbaidschan die Früchte seines militärischen Vorgehens einbringen kann. Das einzige Land aber, von dem Armenien und Bergkarabach überhaupt irgendwelchen Schutz erwarten können, ist Rußland.

Nachtrag aus Tigran Petrosyan: Krieg aus der Ferne:
«Nach der Sowjetisierung des Südkaukasus gliederten die Kommunisten am 4. Juli 1921 Bergkarabach in die armenische Sowjetrepublik ein. Als Antwort darauf protestierten die aserbaidschanischen Vertreter in Moskau und meldeten ihren Anspruch auf Bergkarabach an. Am nächsten Tag schlug Josef Stalin Bergkarabach als armenisches Autonomiegebiet der Sowjetrepublik Aserbaidschan zu.»
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«Das Jahr 1988 sei ein einziger Horror gewesen. .... Immer die Bilder der Stadt Sumgait im Kopf, wo Armenier*innen totgeschlagen und vertrieben worden waren.
„An einem Abend kam meine Schwester weinend zu uns und berichtete, dass eine Gruppe aserbaidschanischer Männer in ihr Haus eingebrochen sei und die Möbel zerhackt habe“, erzählt M... Ärzte durften Armenier*innen nicht mehr in den Klinken behandeln. Schwangere entbanden in Kirchen. ...
Sie erinnert sich aber auch an gute aserbaidschanische Nachbarn, die mit den Armeniern gemeinsam nachts draußen Wache hielten und ihnen bei der Flucht halfen.»

Donnerstag, 5. November 2020

Islamistische Gewalttäter in großer Zahl aktiv

Islamistische Gewalttäter sind in großer Zahl – Rußland schätzt: zweitausend – als Söldner Aserbaischans in Karabach aktiv. Aserbaischan macht immer größere Eroberungen, Bergkarabachs Hauptstadt Stepanakert wird immer weiter durch aserbaidschanischen Beschuß auf zivile Ziele zerstört.

Dienstag, 3. November 2020

Der Eroberungskrieg schreitet fort

Aserbaidschan will Bergkarabach vollständig mit seinen Truppen in seine Gewalt bringen, erklärte jetzt Diktator Ilham Alijew der staatlichen Nachrichtenagentur Azertag zufolge. Das von Armeniern besiedelte, aber von der Sowjet-Union Aserbaidschan zugeteilte Bergkarabach hatte sich nach Massakern an Armeniern in Aserbaidschan und dann auch in Karabach selbst von Aserbaidschan befreit und sich für unabhängig erklärt. Wenn, wie zu befürchten ist, der Plan des aserbaidschanischen Diktators ausgeführt wird, so muß die armenische Bevölkerung von Bergkarabach mit neuen Massakern rechnen – der Haß ist in den letzten Jahrzehnten keineswegs geringer geworden. Und daß die Türkei, die den eigenen Völkermord an den Armeniern immer noch leugnet, fest auf Seiten Aserbaidschans steht, läßt erst recht die Hoffnung schwinden. Das heißt, daß ein Strom von mehr als hunderttausend Flüchtlingen aus Bergkarabach und den umliegenden Gebieten zu erwarten sein wird.
Daß Bergkarabach völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, ist immer wieder zu lesen. Das ist richtig: infolge eines Beschlusses der sowjetischen Staatsführung gehört das seit alter Zeit ganz überwiegend von Armeniern besiedelte Karabach völkerrechtlich zu Aserbaidschan, ebenso wie Nordzypern, das einen türkischen Bevölkerungsanteil hatte, völkerrechtlich zu Zypern gehörte, als es vom türkischen Militär für die Gründung eines türkischen Staates freigekämpft wurde (die Übergriffe des griechisch-zypriotischen Putschistenführers Nikos Sampson gegen die türkische Minderheit lieferte freilich der damaligen türkischen Regierung guten Grund zum Eingreifen), ebenso wie das Kosovo völkerrechtlich zu Serbien gehörte, als es von der NATO freigekämpft wurde.
Haß erzeugt Haß; es schmerzt, zu sehen, daß es auch armenische Übergriffe gegen Aseris gegeben hat, daß auch die Armee Karabachs Wohnbauten zumindest mit beschossen hat, als sie militärische Anlagen unter Beschuß genommen hat.
Das ist nicht zu rechtfertigen; wenigstens beschönigt das niemand als „Kollateralschäden“, wie damals die NATO es bei ihrem Krieg ums Kosovo gegen Serbien tat. Doch der Haß, den die Gewalt der einen Seite auf der anderen Seite auslöst, entschuldigt nicht die Gewalt, die am Anfang stand. Und systematischen Beschuß ziviler Ziele, vor allem der Hauptstadt Karabachs, Stepanakert, gibt es jetzt anscheinend durch das aserbaidschanische Militär.

Als Phileirenos zu bloggen habe ich in Armenien, in Eriwan begonnen, um meiner Begeisterung Ausdruck zu geben über das, was ich mit armenischen Menschen erlebt habe. Und daß nun Armenier in einen Krieg gedrängt worden sind, der wohl Tausenden Menschen beider Nationen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit kostet und noch kosten wird, der noch viel mehr Menschen die Wohnung kostet und noch kosten wird durch Beschuß oder Vertreibung, das schmerzt.

Montag, 2. November 2020

Der Text des
„Großen Glaubensbekenntnisses“ im GL:
ein Mißverständnis

Im Allerheiligenhochamt wird dankenswerterweise das „Große Glaubensbekenntnis“ gesprochen, das Nicæno-Constantinopolitanum also. Es wird auf Deutsch gesprochen; und so steht der Gläubige wieder einmal vor dem Phänomen, daß im GL im lateinischen Text selbstverständlich „Credo“, „Confiteor“ und „exspecto“ steht, im deutschen aber „Wir glauben“, „Wir bekennen“, „Wir erwarten“.
Warum?
Man könnte natürlich an eine Mystifikation denken à la «In der Messe treten die Gläubigen als Gemeinde gemeinsam auf, also muß es „wir“ heißen, nicht „ich“». Aber gegen solch platte Erklärung steht, daß im deutschen Apostolicum richtig „Ich glaube“ steht. Es muß also einen anderen Grund geben.
Es dürfte dieser sein:
Das Nicæno-Constantinopolitanum ist zunächst als Bekenntnis und Lehrtext des Concilium Constantinopolitanum; es drückt dort also den für die Kirche verbindlichen gemeinsamen Glauben der Konzilsväter aus, darum heißt es dort: „Pisteúomen“, „Homologoûmen“, „Prosdokômen“, und das haben anscheinend die GL-Verfasser übersetzt. In der Messe aber ist das Glaubensbekenntnis gleichsam der Ausweis, durch den sich jeder Gläubige für die Teilnahme an der eucharistischen Liturgie legitimiert; darum heißt es dort notwendigerweise „Credo – Ich glaube“, „Confiteor – Ich bekenne“ und „exspecto – ich erwarte“. Und darum heißt es in der griechischen Liturgie selbstverständlich ebenfalls „Pisteúo“, „homologô“ und „Prosdokô“.

Samstag, 31. Oktober 2020

Kein deutsches Kriegsgerät in Spannungsgebiete – wohl aber nach Aserbaidschan

«Die ... KSZE ... hat aufgrund des Konflikts in der Kaukasus-Region Nagorny-Karabach mit Beschluss vom 28. Februar 1992 alle Teilnehmerstaaten ... ersucht, ein Embargo über alle Waffen- und Munitionslieferungen gegen die beiden Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan zu verhängen.
Nachdem kein ausdrückliches Ausfuhrverbot ... besteht, erfolgt die Umsetzung des Waffenembargos auf der administrativen Ebene, das heißt es werden keine Ausfuhrgenehmigungen für Güter ... der Ausfuhrliste für Ausfuhren nach Armenien / nach Aserbaidschan erteilt.»

Soweit der deutsche Zoll. Armenien gegenüber gelingt das auch; Aserbaidschan gegenüber aber sieht es anders aus.
Für «Kriegswaffen aus Deutschland» bleibt die Türkei «bester Kunde»; und die Türkei unterstützt Aserbaidschan im Eroberungskrieg um Karabach ganz massiv. Sodann ist Deutschland «Israels größter Waffenlieferant»; und: «Etwa 60 Prozent der Rüstungsimporte Aserbaidschans stammen aus Israel.»
Daher ist im Karabach-Konflikt auch deutsches Kriegsgerät zu sehen, freilich nur auf Seiten Aserbaidschans.

Dienstag, 27. Oktober 2020

Die – nicht mehr ganz – neuen E&E-Hefte

Und wieder: Quarantäne.
Der damaligen Seuchengefahr fiel im März die feierliche Entkorkung der E&E-Hefte zum Opfer; nur an schon bekannte Interessenten konnten wir Hefte verschicken.
Nun aber lädt die neuerliche Quarantäne dazu ein, die Hefte in anderer Weise zur Verfügung zu stellen.
♦ Der heilige Joseph war „Zimmermann“, wie das Wort „Tekton“ üblicherweise übersetzt wird. Was ist eigentlich die Arbeit eines „Zimmermanns“ im Morgenland – ein solcher beschreibt es.
♦ «Vom Zeitgeist» handelt ein «polemischer Essay».
♦ Wie Juden einen Zaun um das Gesetz bauen, so bauen gewisse Theologen einen «Zaun um den Unglauben»; wir beobachten ihren Bau.
Wer Hefte zugeschickt bekommen möchte, der melde sich; wer sich mit dem Heft im Netz begnügt, kann sie am Rechner lesen oder selber auszudrucken. Herzliche Einladung dazu!

Montag, 26. Oktober 2020

Musiker und Zelebrant

Die Quarantäne zwingt mich wieder einmal, an der Messe nur im Netz teilzunehmen. Wieder entscheide ich mich für die Famille Missionnaire de Notre-Dame. Sie zelebriert im Novus Ordo; doch ich habe den Eindruck, daß diese Feier im ordentlichen Usus dem Außerordentlichen näher steht als dem, was in unseren Pfarreien Usus ist.
Das weist mich auf die Frage, was den Unterschied zwischen wahrer Ars celebrandi und dem liturgischen Alltag ausmacht.

Montag, 12. Oktober 2020

Das jüdische Erbe im liturgischen Alltag

Während wir kürzlich, wieder einmal, reichlich Anlaß hatten, über katholisch.de zu nölen, war dort doch auch etwas Sinnvolles zu finden: «Wie Christen jüdisches Leben „normal“ sein lassen können», hieß es.
Der erste Satz – «Das Christentum verdankt sich der jüdischen Tradition» – ist zwar Unfug: das Christentum verdankt sich Christus. Aber der Hinweis «In jedem Sonntagsgottesdienst muss eine Lesung aus der jüdischen Bibel gelesen werden [gemeint ist der „ordentliche“ Usus] – oft wird sie „aus Zeitgründen“ weggelassen» und der Satz «Von Antisemitismus entsetzt sein und die alttestamentliche Lesung weglassen, die biblische Geschichte, den jüdischen Philosophen – das ist ein Widerspruch in sich» sind sehr berechtigt.
Schade nur, daß der Autor – es geht ja um den „ordentlichen“ Usus – nicht den Skandal der Leseordnung dieses Usus angesprochen hat – in kaum drei Wochen wird es uns ja wieder anspringen –, daß aus der Apokalypselesung des Festes (7, 2-14) die zwölf Stämme Israels (vv. 5-8) säuberlich herausgeschnitten sind, obwohl ohne ihre Aufzählung die Zahl „hundertvierundvierzigtausend“ (v. 4) kaum verständlich ist.
Siehe auch: Antijudaïsmus in der Liturgie?

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Was ist Laizismus?

Laizismus, das ist die Trennung von Staat und Kirche, wird hierzulande oft geantwortet.
Französische Laizisten sehen das anders. Ich zitiere aus Une religion pour la République von Vincent Peillon (Seuil 2010, hier nach den Auszügen von Alain Escada):

«La laïcité française, son ancrage premier dans l’école, est l’effet d’un mouvement entamé en 1789, celui de la recherche permanente, incessante, obstinée de la religion qui pourra réaliser la Révolution comme promesse politique, morale, sociale, spirituelle. Il faut pour cela une religion universelle : ce sera la laïcité. Il lui faut aussi son temple ou son église : ce sera l’école. Enfin, il lui faut son nouveau clergé : ce seront les hussards noirs de la République. – Der französische Laizismus, seine erste Verankerung in der Schule, ist das Ergebnis einer 1789 begonnenen Bewegung, der ständigen, unablässigen, hartnäckigen Suche nach einer Religion, welche die Revolution als politisches, moralisches, soziales, spirituelles Versprechen wird verwirklichen können. Dafür nötig ist eine universelle Religion: das wird der Laizismus sein. Dafür nötig ist auch ihr Tempel oder ihre Kirche: das wird die Schule sein. Schließlich ist dafür nötig ihr neuer Klerus: das werden die schwarzen Husaren der Republik sein.»
«Toute l’opération consiste bien, avec la foi laïque, à changer la nature même de la religion, de Dieu, du Christ, et à terrasser définitivement l’Église – Das ganze Vorgehen besteht nun darin, mit dem laizistischen Glauben das Wesen selbst der Religion, Gottes und Christi zu verändern und die Kirche endgültig niederzuwerfen.»

Nun ist Vincent Peillon nicht irgendwer; er war von 2012 bis 2014 der französische Minister für Bildung, Jugend und Sport.
Wenn nun – so hat er es am 2. Oktober erklärt – Präsident Macron die Schulpflicht für alle vom Alter von drei Jahren an (entwicklungspsychologisch gesehen eine Monstrosität) einführen will und Schulunterricht daheim strikt begrenzen will, insbesondere auf gesundheitliche Notwendigkeiten, um gegen «die Separatismen» anzugehen, so verstehe ich die Sorgen, die das französischen Katholiken bereitet.

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Abenteuer bei der Lektüre von katholisch.de

Der Regens des Limburger Priesterseminars hat eine Predigt gehalten, in der er auf breiter Front die Lehre der Kirche angreift. Eine Pfarrei hat sie auf Facebook veröffentlicht mit dem Kommentar «Eine beeindruckende Predigt», und katholisch.de berichtet darüber ohne (wen wundert es?) jedwede Distanz.
Nichts darin ist neu oder gar originell; dennoch seien ihr (zitiert aus katholisch.de) einige Bemerkungen gewidmet:
«.. Menschen, die nach einer Scheidung in einer neuen Beziehung leben: „Die beiden wollen nicht heiraten, sie wollen einen Segen. Ich darf nicht zu ihnen sagen: So ist es gut.“» – In der Tat nicht, denn, wenn es eine sexuelle Beziehung ist, so ist es nicht gut; das lehrt nicht nur die Kirche von heute, sondern schon das Evangelium (Matth. 5, 31 f.). («Es gibt hierzulande zwei Ansätze, gegen die Krise der Kirche anzugehen; der eine: Mehr Christus, die Welt ihm untergeordnet – der andere: Weniger Christus, mehr Welt», hatten wir einmal geschrieben.)
«.. eines gleichgeschlechtlichen Paares, das sich in einer Gemeinde in vielfältiger Weise engagiert: „Segnen darf ich sie nicht.“» – Doch, er darf sie segnen, nur eben die einzelnen Menschen, nicht ihre Verbindung.
«Theologen, die für das Weiheamt der Frau argumentieren, würden mundtot gemacht.» – Wir erleben es Tag für Tag, daß diese Leute keineswegs mundtot sind; aber die Kirche darf natürlich Theologen, die gegen ihre Lehre reden, in der Kirche nicht das Wort geben.

In einem anderen Artikel wird dagegen raisonniert, daß Laien nicht in der Messe predigen dürfen. Nun, ich etwa könnte zu einem Lesungstext sinnvolle Dinge sagen, sinnvollere als manche Priester und Diakone; nur: ich habe nicht die Autorität dazu, daß als offizielle Verkündigung zu tun. Diese Autorität haben Priester und Diakone durch die Weihe, sie kommt vom Herrn, könnte mir also auch nicht durch eine Sondererlaubnis von einem Amtsträger gegeben werden.
«Zudem kommt es nicht selten zu der kuriosen Situation, dass ein Priester sich bei seiner Homilie einer publizierten Predigtvorlage eines Laien bedienen kann, dieser Laie dieselbe Homilie aber nicht vortragen darf.» – Das ist nicht kurios: wenn der Priester den Text des Laien für gut befindet, ihn sich zu eigen macht und vorträgt, dann ist es nicht mehr der Text des Laien, sondern der des Priesters (das geistige Urheberrecht spielt hierfür keine Rolle).
Grundlegender noch:
«„Wir müssen überlegen, was die Predigt ist, was sie soll und welche Kompetenz man für sie benötigt – unabhängig davon, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist.“ Auch Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hat bereits laut darüber nachgedacht, ob nicht auch begabte Nichttheologen in der Heiligen Messe die Heilige Schrift auslegen könnten.» – In der Tat sollte das überlegt werden; die Antwort: die Predigt ist nicht nur die Mitteilung von Inhalten, sondern Teil der Liturgie. Die Liturgie aber steht unter einem Gesetz, das die Tradition der ganzen Kirche festhält: die liturgische Funktion der Predigt kommt nur dem Priester oder Diakon zu; in den orthodoxen Kirchen ist es ebenso.

Montag, 5. Oktober 2020

Ein Vergleich: Bergkarabach und Kosovo

Diese Länder zeigen deutliche Übereinstimmungen:
 • Beide Länder waren autonomer Teil eines Nachbarlandes, Bergkarabach von Aserbaidschan, das Kosovo von Serbien.
 • In beiden Ländern gehört die Bevölkerungsmehrheit zu einer anderen Nation: in Bergkarabach sind es Armenier, im Kosovo Albaner.
 • Über Jahrzehnte waren die Gegensätze unter Kontrolle dadurch, daß die Staaten einem größeren Bundesstaat angehörten, Aserbaidschan zu Sowjet-Union, Serbien zu Jugoslawien.
 • Bei deren Zusammenbruch gab Gewalttaten von Seiten des Staatsvolks gegen die örtliche Bevölkerungsmehrheit.
 • Daraufhin erklärten sich beide Länder für unabhängig, 1991 Bergkarabach, 1992 das Kosovo.
 • Es kam zum Krieg, beide Seiten erhielten militärische Hilfe von außen.
 • Schließlich wurden beide Länder unabhängig.

Damit aber sind die Übereinstimmungen erschöpft; die Unterschiede sind groß:
 • Militärische Hilfe erhielt Bergkarabach nur vom kleinen Nachbarland Armenien, das Kosovo aber von der NATO.
 • Die Unabhängigkeit Bergkarabachs wird völkerrechtlich bisher nur von Armenien anerkannt; die des Kosovo aber, zunächst nur von Albanien anerkannt, wird, seit es 2008 noch einmal seine Unabhängigkeit erklärt hat, von den meisten westlichen Staaten anerkannt.

Ebenso unterschiedlich ist die Vorgeschichte:
 • Außerhalb der Zeiten der Besetzung durch Perser, Araber, Seldschuken waren Bergkarabach und angrenzende Gebiete immer von Armeniern regiert, bis schließlich ganz Transkaukasien zum russischen Reich kam. Das Kosovo demgegenüber war nie albanisch regiert, sondern mal serbisch, mal byzantinisch und auch bulgarisch, bis es zum Osmanenreich kam.
 • Die Bevölkerung in Bergkarabach und angrenzenden Gebieten war immer ganz überwiegend armenisch, während im Kosovo sich erst im XIX. oder XX. Jahrhundert eine albanische Mehrheit ergab, doch eine große serbische Minderheit bestehen blieb.
 • Beiderseitige Gewalttätigkeiten in der Zeit des Niedergangs und der Auflösung Jugoslawiens und der Sowjet-Union gab es auch im Kosovo (wobei Thema in der westlichen Presse vor allem die serbischen waren), Pogrome und Massaker großen Ausmaßes aber sind nur aus Karabach und Aserbaidschan gegen Armenier bekannt: so kam es 1990 zu einem Pogrom in Baku, 1992 in Bergkarabach zum Massaker von Chodschali und zu dem von Maraga.

Die Unabhängigkeit Bergkarabachs ist nicht weniger begründet, die Unabhängigkeitserklärung nicht weniger gerechtfertigt als die des Kosovo. Aber was folgte, ist sehr unterschiedlich: Das Eingreifen der NATO (mit einem nicht zu rechtfertigenden Bombenkrieg gegen Serbien) und diplomatische Anerkennung durch die meisten westlichen Länder: das hat dem Kosovo Sicherheit gegeben; Bergkarabach dagegen, nur von Armenien anerkannt, ist ohne Schutz einem von der Türkei unterstützten Eroberungskrieg ausgesetzt.
«Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte dem Nachbarland aber zuvor jede Art von Unterstützung zugesichert.» – «In einem offenen Brief an den türkischen Präsidenten schrieb der aserbaidschanische Staatschef, die offenen Worte Erdoğans hätten gezeigt, dass Aserbaidschan „nicht allein steht mit seinem gerechten Anliegen“, die eroberten Gebiete in und um Berg-Karabach herum zurückzugewinnen.» – «US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Kremlchef Wladimir Putin hatten gemeinsam eine sofortige Waffenruhe und einen Dialog gefordert. Während sich Armenien offen dafür zeigte, lehnte Aserbaidschan ab. Aliyew forderte die Rückgabe Berg-Karabachs ...» (SZ)

Nachtrag: siehe auch: Aschot L. Manutscharjan: Der Berg-Karabach-Konflikt nach der Unabhängigkeit des Kosovo

Mittwoch, 30. September 2020

Noch einmal: Krieg gegen Karabach

Wenn es zu Gewalttätigkeit, gar zu Krieg kommt, dann machen sich zumeist über kurz oder lang beide Seiten schuldig. Was alles bisher geschehen ist, läßt sich von außen kaum einschätzen.
Aber vieles spricht dafür, daß es eine Angriffskrieg ist, den Aserbaidschan zusammen mit der Türkei vorbereitet hat: «Allerdings hatte sich die erneute Eskalation auch durch türkisches Zutun angekündigt: Laut mehreren Berichten wurden zuletzt Hunderte türkische Kämpfer von Libyen und Syrien nach Aserbaidschan verlegt», lese ich in der Zeitung; und die Iraqi Christian Foundation weiß von Tausenden von Dschihadisten, Reuters hat von Söldnern aus Syrien erfahren.
«Erdoğan sagt, Armenien müsse sich zurückziehen aus aserischen Ländern», so Reuters – diese aserischen Länder sind armenisch besiedelte und in der Zeit vor der russischen Eroberung von armenischen Fürsten regierte Länder, die von der Sowjet-Union Aserbaidschan zugeschlagen wurden, aber als Autonomes Gebiet. Erst das unabhängige Aserbaidschan hat nach der Auflösung der Sowjet-Union diese Autonomie nicht mehr respektiert; es kam zu antiarmenischen Pogromen und darauf zur militärisch erkämpften Unabhängigkeit.

Dienstag, 29. September 2020

Krieg gegen Karabach

Was wäre wohl, wenn Serbien heute versuchte, das Kosovo wieder militärisch zu erobern? Anzunehmen ist, daß dann westliche Länder, die NATO etwa, energisch einschritten.
Heute versucht Aserbaidschan, Karabach militärisch zurückzuerobern. Rußland bemüht sich um Vermittlung, der UNO-Generalsekretär ruft zum sofortigen Ende der Kämpfe auf – sonst nichts.
Nein, ein Bombenkrieg, wie er damals gegen Serbien geführt wurde, um das Kosovo den Albanern zu überlassen, wäre unverantwortlich – so wie er damals unverantwortlich war. Aber dem reichen Ölland Aserbaidschan militärisch freie Bahn zu geben, Friedensbemühungen nur Rußland und dem nicht sehr mächtigen UNO-Generalsekretär zu überlassen, ist auch nicht annehmbar.
Jedenfalls verbindet das Kosovo sehr viel mehr mit Serbien als Karabach mit Aserbaidschan, dem es nur in der Sowjetzeit zugeschlagen worden war.

Montag, 28. September 2020

Als die Kirche im falschen „Paradigma“ gelandet war

In zwei Texten, die auf Settimo Cielo veröffentlicht wurden (auf den einen hatten wir bereits hingewiesen), führt Roberto Pertici, unter Berufung auf Carlo Galli und Eric J. Hobsbawm, die in der Zeit des II. Vatikanum sich ausbreitende Krise der Kirche auf einen kultur- und geistesgeschichtlichen Wandel zurück: eine konservative Kultur sei durch eine progressive verdrängt worden.
Im „konservativen Paradigma“ sei der Sinn des Lebens nicht das Glück; überindividuelle „Logiken“ wie der Tradition, dem Staat, der Nation, der Familie, aber auch der Kirche werde der Vorrang zugesprochen, an sie müsse sich der Einzelne anpassen. Opferbreitschaft, Ehre, Mut, Gehorsam, Treue seien die höheren Werte.
Dieser konservativen Kultur gegenüber habe dann eine progressive die Oberhand gewonnen, ein „moralischer Individualismus“, eine „Kultur des Bedürfnisses“, die sich nur schwer einer Norm unterwerfe.
Am härteten getroffen habe dieser Umschwung die traditionelle Familie und die traditionellen Kirchen.
Soziologisch ist die Darlegung sicher berechtigt – und das ist schlimm.
Sicher sind mit dem „konservativen Paradigma“ Werte verbunden – Opferbreitschaft, Ehre, Mut, Gehorsam, Treue –, die auch der christliche Glaube hochschätzt; aber es sind für den Christen keine Werte um ihrer selbst willen. Umgekehrt: daß, ganz im Gegensatz zu diesem „Paradigma“, «das letzte Ziel des menschlichen Lebens das Glücklichsein oder die Seligkeit» ist, lehrt, ganz in der eudämonistischen Tradition des Sokrates, der heilige Thomas (S. Th. Ia IIæ q. 90 a. 2). Gemeinschaften wie Familie und Kirche haben für den Christen hohen Wert, aber sie sind nicht Selbstzweck. Schon in den Zehn Geboten steht, «ehre deinen Vater und deine Mutter», und der Herr selber hat den Mangel an Beistand für sie seitens der Schriftgelehrten gerügt (Marc. 11-13); aber es geht hierbei um die Menschen selbst, nicht um eine Gemeinschaft als Kollektiv. Andererseits ist schon durch Ezechiel (18, 2-4) klargestellt, daß Verantwortung jeder einzelne trägt, nicht etwa die Familie als Kollektiv; und der Herr selber hat gesagt, daß Ihm nachzufolgen den Vorrang hat gegenüber der Familie (Luc. 14, 26), daß der Glaube an Ihn auch Familien spalten werde (Matth. 10, 35-37; Luc. 12, 53). Und Heilige wie Franziskus und Thomas von Aquin haben sich ihrer Familie entgegengestellt, um ihrer Berufung zu folgen.
Noch als Schüler in der zweiten Hälfte des XX. Jahrhunderts mußte ich manchmal hören, man müsse sich der Gemeinschaft unterordnen; und dieser Satz hat mich geärgert. Weder jenes „konservative Paradigma“ noch der normenlose progressive „moralische Individualismus“ (der heute, in Zeiten der politischen Korrektheit, in nie gekannter Weise von Normen überwuchert ist) entsprechen dem christlichen Glauben; letztlich sind sie zwei – wenn auch gegensätzliche – Varianten des Modernismus. Aber es stimmt, daß der Abstand des Christentums von der konservativen Variante, wie sie sich seit dem XIX. Jahrhundert entwickelt hatte, oft nicht sichtbar war und so vor der Welt das Profil des Glaubens verwischt erschien – was das Überhandnehmen der progressiven Variante begünstigt hat.

Freitag, 25. September 2020

Kultur – Rasse – Intelligenzmessung

«.. wissenschaftliche Scheinergebnisse ..., die unterschiedliche Intelligenz der verschiedenen Rassen anzeigen. Scheinergebnisse: hier ist nicht der Raum, darzulegen, wieso diese Ergebnisse haltlos sind; ich bin aber bereit, auf Nachfrage darauf einzugehen», hatten wir in unserem Text über Rassismus und Ultra-Rassismus geschrieben. Wir haben gesehen, daß diese Nachfrage in der Tat besteht; darum nun ein Text über Kultur – Rasse – Intelligenzmessung.

Samstag, 19. September 2020

Nein, darüber bin ich nicht glücklich

Im Jahre 2000 Sir Steven Runciman: Manchmal – sozusagen – fühle ich mich sehr enttäuscht von den anderen Kirchen des Westens. Doch bin ich glücklich darüber, zu denken, daß in den nächsten 100 Jahren die Orthodoxie die einzige existierende historische Kirche sein wird.

Im Jahre 2020 eine Statistik: Wer glaubt noch (wirklich) an Gott?

Abtreibung

Worte des US-amerikanischen Obersten Gerichtshofs: «Wesen einer unteren Ordnung, um so viel tiefer stehend, daß sie keine Rechte hätten, die der ... Mensch zu respektieren hätte.» Nein, damit waren nicht ungeborene Kinder gemeint; doch setzte man hier «ungeborene Kinder» ein, so gäbe das ebendie Denkweise wieder, die diesen Gerichtshof ein gutes Jahrhundert später dazu veranlasste (Roe v. Wade), dem ungeborenen Kind den Titel einer «Person» zu verweigern.

Dieses Positum als Zeichen der Solidarität mit dem heutigen Marsch für das Leben, an dem ich der Corona-Gefährdung wegen physisch nicht teilnehme. 

Nachtrag zur «Öffnung zur Welt»

Mit diesem Positum kritisiere ich natürlich nicht das II. Vaticanum, ebensowenig aber pauschal die damit verbundenen Reformen.
Reformen waren in den sechziger Jahren dringend notwendig. Bis dahin galt noch der Index librorum prohibitorum, der einen Großteil der neueren philosophischen Literatur – selbst solche von gläubigen katholischen Denkern wie René Descartes – zu lesen Katholiken strikt untersagte, so daß sie, wenn sie nicht eine Sondererlaubnis ihres Beichtvaters hatten, im Gespräch mit Nichtkatholiken schwerlich mitreden konnten, ganz im Kontrast zu ihren Aufgaben im Laienapostolat, in der katholischen Aktion, wie sie von den Päpsten seit Leo XIII. gewollt und gefördert worden waren.
Bis dahin galt noch das Dekret der Propaganda Fide (nicht des Papstes!) von 1729, das jede Communicatio in sacris, selbst jede Gebetsgemeinschaft zwischen katholischen und orthodoxen Christen strikt untersagte, im Kontrast zu dem, was das Tridentinum gewollt hatte.
Reformen waren dringend notwendig. Nur: außer der notwendigen Reformen gab es auch andere, darunter solche, die den Intentionen der Konzilstexte direkt zuwiderliefen, wie wir es für die Reform der Liturgie aufgezeigt haben. Und das Thema «Öffnung zur Welt» steht besonders für unglückliche Reformen.

Donnerstag, 17. September 2020

Öffnung zur Welt

«Erneuerung nach innen – Öffnung zur Welt» betitelt katholisch.de („weltkirche.de" ist weltkirche.katholisch.de) seine Seite über das II. Vaticanum.
Schon einmal zuvor hat es in der Kirchengeschichte eine Öffnung zur Welt gegeben: im IV. Jahrhundert die „Konstantinische Wende“. Sie ging damals vom Staat aus, vom Kaiser. Sie gab der Kirche Freiheit und ermöglichte ihr außerordentliche geistliche Entfaltung – die folgenden gut hundert Jahre waren die große Zeit der Kirchenväter. Doch sie hatte auch andere Folgen: Mächtige des Staates begannen sich in das kirchliche Leben einzumischen, kirchliche Stellungen wurden auch attraktiv für Menschen mit mehr weltlichen Interessen; so kam es dann auch zu Verweltlichung – der allerdings das zur gleichen Zeit entstandene Mönchtum entgegentrat.
Die Öffnung zur Welt in der Folge des Konzils geschah unter ungünstigeren geistesgeschichtlichen Umständen. So konnte es durch sie zu keiner ähnlichen geistlichen Entfaltung kommen; doch ungünstige Folgen gab es wiederum.
So könnte die „Konstantinische Wende“ als das große Vorbild gelten für die Öffnung zur Welt des XX. Jahrhunderts. Doch sonderbar: ebendieses Vorbild wurde nicht gewollt. Auf einer anderen Seite von katholisch.de – «Konzil, Reich Gottes und Kirche der Armen» – wird Papst Johannes XXIII., der das II. Vaticanum einberufen hat, der Ausspruch zugeschrieben, «der imperiale Staub der Vergangenheit der Konstantinischen Ära müsse weggewischt werden. ... zugunsten des „Aggiornamentos“, des „Heute-Werdens“, der Kirche.» Aus einem Vortrag wird zitiert, «dass sich mit der Konstantischen Wende im Jahre 313 aus einer prophetisch-messianischen Christenheit ein imperial-kolonisierendes Christentum entwickelt hätte, das bis in die Gegenwart die Kirche geprägt hätte. Mit dem Konzil sei allerdings eine Rückbesinnung auf die Bibel, auf das Wort Gottes eingeleitet worden.»
Was nun: Rückbesinnung oder Aggiornamento, wie es die Kirche bei der „Konstantinischen Wende“ schon einmal betrieben hat – damals freilich sehr viel behutsamer, mit sehr viel mehr Rückbindung an das Wort Gottes.

Zu empfehlen: Roberto Pertici: IL POST-CONCILIO E I “GRANDI BALZI IN AVANTI” DELLA MODERNITÀ (in vier Sprachen)

Siehe auch: Nachtrag

Dienstag, 15. September 2020

Geistlicher Reichtum im Kirchenkonzert

Die Sehnsucht der katholischen Messe nach katholischer Kirchenmusik bleibt leider meistens ungestillt – daran erinnerte ein Blick über die Konfessionsgrenze hinaus.

Samstag, 12. September 2020

Fest des Namens Mariæ

Dieser Tag feiert eigentlich den Sieg über die osmanischen Belagerer vor Wien 1683. Darf man militärische Siege feiern? Wir haben einmal die Gegenprobe gemacht und seinerzeit aus Anlaß eines ähnlichen Festes – des Rosenkranzfestes – dargestellt.

Freitag, 11. September 2020

Rassismus und Ultra-Rassismus

Von Angehörigen und Freunden dunklerer Hautfarbe hierzulande zu hören, daß sie rassistische Anfeindungen und Pöbeleien erleben, ist schmerzlich.
Zu einem drängenden Thema aber ist Rassismus jetzt dadurch geworden, daß sich besonders in den USA rassistische Gewalt – von beiden Seiten (obwohl die politische Korrektheit schwarzen Rassismus nicht war haben will) – aufgeschaukelt hat. Von welcher Seite her es als schlimmer erscheint, hängt von der politischen Ausrichtung der jeweiligen Quelle ab. Dazu Stellung zu nehmen ist ein Navigieren zwischen Skylla – der Verharmlosung der offenbar dort sehr verbreiteten rassistischen Gewalt und US-amerikanischen Polizeigewalt – und Charybdis (politisch korrekter Instrumentalisierung).
(Jedenfalls ist die Gewalt der einen Seite nicht durch die der anderen zu entschuldigen. Nichtsdestoweniger aber ist die Frage moralisch bedeutsam, von wem die Gewalt anfangs ausging; denn wenn aus einer Gruppe heraus Gewalt gegen eine andere angewandt wird, so erzeugt das regelmäßig Gegengewalt, für die der, der begonnen hat, mitverantwortlich ist.)
Interessante Beiträge zu diesem Thema waren in letzter Zeit in Blöggen erschienen: „Wie man Hashtags nicht anwendet“, „Statuen stürzen?“, „Was ist Rassismus?“ – und auch zwischen ihnen gibt es Reibungen.
Wir haben nun uns bemüht, darzulegen, was Rassismus eigentlich ist, ohne dabei an Skylla oder Charybdis zu stoßen.

Montag, 7. September 2020

Die Cantorianer

Ein Orden, den es nur in einem Film – «Vaya con Dios» – gibt, ist der Namenspatron dieses Ensembles; die Motette „Tu solus“ von Josquin Desprez, mit der dieser Film begann, war 2003 das erste Werk, das dieses Ensembles sang. 
Nun aber eine Aufführung unter Corona-Bedingungen: Abstand im Chor, Abstand unter den Zuhörern, so daß deren Zahl beschränkt bleiben mußte. Doch das tat der Sache nichts: der Abstand war der Klarheit eher förderlich, die Stücke, von Josquin Desprez bis zu Arvo Pärt, mit sicherem Geschmack ausgewählt – und der Gesang war vollkommen. 
Das großartigste Musikerlebnis seit sehr lange Zeit.

Dienstag, 1. September 2020

Covidzeitliche Liturgie

Verschiedene Vorsichtsmaßnahmen gegen Corona-Viren haben sich eingebürgert: kein Weihwasser am Eingang, dafür Desinfektionsmittel, keine ausgelegten GL, begrenzte Plätze: nun gut – oder vielmehr nicht gut, aber um der Sicherheit willen begründet.
Und man kann nur hoffen und beten, daß nicht irgendwelche Katholiken in der Zeit der aufgehobenen Sonntagspflicht sich die Meßteilnahme ganz abgewöhnen.
Zur Kommunionausteilung wird «Der Leib des Herrn» wie ein zweites «Sehet das Lamm ...» an die Allgemeinheit vorausgeschickt; nichtsdestoweniger tragen viele Priester bei der Austeilung eine Atemschutzmaske – in Ordnung.
Außerdem desinfiziert sich der Priester vor der Austeilung die Hände; und da setzt meine Frage an: Warum nicht schon bei der Handwaschung am Ende der Opferung? – da paßte es vom Ritus her gut hin, und es bestünde noch keine Gefahr, daß dabei Partikel vom Leib des Herrn verwischt werden (wenn ich die Handkommunion empfangen habe, schaue ich auf meine Hand und finde dort nicht oft, aber doch immer wieder Partikel).

Donnerstag, 27. August 2020

Nachricht und Wirklichkeit

Ein junger Mann, Augustin, ist in Lyon durch eine Gewalttat schwer verletzt worden. Doch diese Nachricht wird so weitergegeben, daß etwas ganz anderes daraus wird: nicht ein Täter, sondern eine Horde von Migranten habe zugeschlagen usw. usf.

Montag, 24. August 2020

.. damit nichts zugrundegehe

Zwei Frauen sind wegen Diebstahls verurteilt worden, weil sie „containert“ haben, noch genießbare Lebensmittel aus dem Müll eines Supermarktes geholt haben. Aus christlicher, aus moralischer und auch aus rechtlicher Sicht gilt es, zu diesem Urteil, gilt es, zum „Containern“ Stellung zu nehmen.

Dank an Kaplan M.R.

Er hat sich über lange und teilweise schwierige Zeit in unserer Pfarrei als guter Priester bewährt.

Zwei Kapläne waren es, die das geistliche Leben in unserer Stadt bereichert haben und kurz nacheinander uns nun verlassen haben. Nun hoffe ich auf die neuen Priester am Ort – eine große Aufgabe ist ihnen überlassen.

Dienstag, 18. August 2020

Einer Äbtissin droht das Gefängnis

Wo christlicher Glaube und Grundgesetz gleichermaßen Bleiberecht für einen Flüchtling fordern, da gewährt eine Äbtissin Kirchenasyl. Deshalb droht ihr eine «empfindliche Freiheitsstrafe».
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Montag, 17. August 2020

Urlaub im Ausland

Gestern als Evangelium (ord. Usus) die Perikope von der kanaanäischen (oder [Mc.]: syrophönizischen) Frau (Matth. 15, 21-28; cf. Marc. 7, 24-30).
Jesus begab sich mit seinen Jüngern (Mtth. 15, 23) nach Phönizien (dem heutigen Libanon), in heidnisches Gebiet also, und wollte niemanden kennenlernen (Mc. 7, 24), also nicht predigen, in keiner Weise wirken, was ihm freilich nicht ganz gelang.
Wozu diese Reise? Ein Grund, der etwas mit der Berufung Jesu zu tun hätte, läßt sich nicht erkennen.
Es bleibt nur die einfache Antwort: es war eine Urlaubsreise ins Ausland – auch der Herr und seine Jünger brauchten gelegentliche Entspannung.

Harsch erscheint in dieser Perikope sein Umgang mit der Kanaanäerin. Der Grund dafür ist nicht einfach der, daß sie zu einem anderen Volk gehört, sondern, daß sie zu den Heiden gehört, die Götzendienst betreiben. Das Verbot des Götzendienstes steht am Anfang der Zehn Gebote (Ex. 20, 3-6; Deut. 5, 7-10), ist aber keineswegs nur Gebot für Israel, das Bundesvolk, sondern wird von allen Völkern eingefordert; über vier Kapitel hin (13-16) stellt das Buch der Weisheit dar, wie sehr der Götzendienst der Heiden zu verurteilen ist. Doch als die Kanaanäerin demütig ihren Glauben gezeigt hat, erhält sie vom Herrn Anerkennung und Erhörung.

Dank an Kaplan M.M.

Er hat sich in schwierigen Zeiten in unserer Pfarrei als guter Priester bewährt.

Freitag, 14. August 2020

Ein wirklicher Feiertag

In Deutschlands Fernem Osten ist Assumptionis zwar kein Feiertag, aber da es dieses Jahr auf den Samstag fällt, kann es doch ganz als Feiertag gehalten werden (außer, leider, von Verkäufern und einigen anderen).
Am Sonntag ist in der Propstei zu festtäglicher Zeit, um 10 Uhr, die Festmesse (wem haben wir zu danken: dem polnischen Kaplan oder dem neuen Propst? – doch sicherlich beiden). In der Kirche im Gründerzeitviertel gibt es eine Abendmesse mit Kräuterweihe (allerdings: «gestaltet vom Frauenkreis»). Nur ist denen, die sonst gewohnt sind, zu dieser Zeit an der sonntäglichen Vorabendmesse teilzunehmen, ist zu wünschen, daß sie vorher bemerken, daß sie die heute nicht finden werden.

Donnerstag, 6. August 2020

Die Verbindlichkeit der Form der Sakramente

Aus einem Responsum der Glaubenskongregation, approbiert von Papst Franziskus I.: «.. aus eigener Initiative die Form der Zelebration eines Sakraments zu modifizieren stellt nicht einen einfachen liturgischen Mißbrauch dar wie die Überschreitung einer positiven Norm, sondern eine Wunde, die zu einer Zeit der kirchlichen Gemeinschaft und der Erkennbarkeit des [sakramentalen] Handelns Christi zugefügt wird, die in schwereren Fällen das Sakrament selbst ungültig macht, weil die Natur des dienenden Handelns [des priesterlichen Dienstes] es erfordert, mit Treue das zu übermitteln, was man empfangen hat. ...»

Fest der Verklärung Christi

In den Ostkirchen ein Hochfest, wird dieses Fest im lateinischen Westen viel weniger gewürdigt. Immerhin: wenn auch zur werktäglichen Gottesdienstzeit (früher aufstehen!), war hier doch eine Messe zum Fest gut erreichbar.
Oft wird gesagt, Petrus habe auf Tabor Unsinn geredet; dem sei hier nachgegangen – mit etwas anderem Ergebnis.

Mittwoch, 5. August 2020

Wohltuendes aus Messen des außerordentlichen wie des ordentlichen Ritus

Es sind scheinbare Kleinigkeiten, die zeigen, daß Priester wirklich das meinen, was sie tun, wenn sie die Messe zelebrieren: ein Zelebrant, der keine Abstriche macht an seinem Amt; ein anderer, der sich aufs II. Vaticanum zurückbesinnt. Und zum Schluß ein etwas schmerzhaftes musikalisches Erlebnis.