Samstag, 19. September 2020

Nein, darüber bin ich nicht glücklich

Im Jahre 2000 Sir Steven Runciman: Manchmal – sozusagen – fühle ich mich sehr enttäuscht von den anderen Kirchen des Westens. Doch bin ich glücklich darüber, zu denken, daß in den nächsten 100 Jahren die Orthodoxie die einzige existierende historische Kirche sein wird.

Im Jahre 2020 eine Statistik: Wer glaubt noch (wirklich) an Gott?

Abtreibung

Worte des US-amerikanischen Obersten Gerichtshofs: «Wesen einer unteren Ordnung, um so viel tiefer stehend, daß sie keine Rechte hätten, die der ... Mensch zu respektieren hätte.» Nein, damit waren nicht ungeborene Kinder gemeint; doch setzte man hier «ungeborene Kinder» ein, so gäbe das ebendie Denkweise wieder, die diesen Gerichtshof ein gutes Jahrhundert später dazu veranlasste (Roe v. Wade), dem ungeborenen Kind den Titel einer «Person» zu verweigern.

Dieses Positum als Zeichen der Solidarität mit dem heutigen Marsch für das Leben, an dem ich der Corona-Gefährdung wegen physisch nicht teilnehme. 

Nachtrag zur «Öffnung zur Welt»

Mit diesem Positum kritisiere ich natürlich nicht das II. Vaticanum, ebensowenig aber pauschal die damit verbundenen Reformen.
Reformen waren in den sechziger Jahren dringend notwendig. Bis dahin galt noch der Index librorum prohibitorum, der einen Großteil der neueren philosophischen Literatur – selbst solche von gläubigen katholischen Denkern wie René Descartes – zu lesen Katholiken strikt untersagte, so daß sie, wenn sie nicht eine Sondererlaubnis ihres Beichtvaters hatten, im Gespräch mit Nichtkatholiken schwerlich mitreden konnten, ganz im Kontrast zu ihren Aufgaben im Laienapostolat, in der katholischen Aktion, wie sie von den Päpsten seit Leo XIII. gewollt und gefördert worden waren.
Bis dahin galt noch das Dekret der Propaganda Fide (nicht des Papstes!) von 1729, das jede Communicatio in sacris, selbst jede Gebetsgemeinschaft zwischen katholischen und orthodoxen Christen strikt untersagte, im Kontrast zu dem, was das Tridentinum gewollt hatte.
Reformen waren dringend notwendig. Nur: außer der notwendigen Reformen gab es auch andere, darunter solche, die den Intentionen der Konzilstexte direkt zuwiderliefen, wie wir es für die Reform der Liturgie aufgezeigt haben. Und das Thema «Öffnung zur Welt» steht besonders für unglückliche Reformen.

Donnerstag, 17. September 2020

Öffnung zur Welt

«Erneuerung nach innen – Öffnung zur Welt» betitelt katholisch.de („weltkirche.de" ist weltkirche.katholisch.de) seine Seite über das II. Vaticanum.
Schon einmal zuvor hat es in der Kirchengeschichte eine Öffnung zur Welt gegeben: im IV. Jahrhundert die „Konstantinische Wende“. Sie ging damals vom Staat aus, vom Kaiser. Sie gab der Kirche Freiheit und ermöglichte ihr außerordentliche geistliche Entfaltung – die folgenden gut hundert Jahre waren die große Zeit der Kirchenväter. Doch sie hatte auch andere Folgen: Mächtige des Staates begannen sich in das kirchliche Leben einzumischen, kirchliche Stellungen wurden auch attraktiv für Menschen mit mehr weltlichen Interessen; so kam es dann auch zu Verweltlichung – der allerdings das zur gleichen Zeit entstandene Mönchtum entgegentrat.
Die Öffnung zur Welt in der Folge des Konzils geschah unter ungünstigeren geistesgeschichtlichen Umständen. So konnte es durch sie zu keiner ähnlichen geistlichen Entfaltung kommen; doch ungünstige Folgen gab es wiederum.
So könnte die „Konstantinische Wende“ als das große Vorbild gelten für die Öffnung zur Welt des XX. Jahrhunderts. Doch sonderbar: ebendieses Vorbild wurde nicht gewollt. Auf einer anderen Seite von katholisch.de – «Konzil, Reich Gottes und Kirche der Armen» – wird Papst Johannes XXIII., der das II. Vaticanum einberufen hat, der Ausspruch zugeschrieben, «der imperiale Staub der Vergangenheit der Konstantinischen Ära müsse weggewischt werden. ... zugunsten des „Aggiornamentos“, des „Heute-Werdens“, der Kirche.» Aus einem Vortrag wird zitiert, «dass sich mit der Konstantischen Wende im Jahre 313 aus einer prophetisch-messianischen Christenheit ein imperial-kolonisierendes Christentum entwickelt hätte, das bis in die Gegenwart die Kirche geprägt hätte. Mit dem Konzil sei allerdings eine Rückbesinnung auf die Bibel, auf das Wort Gottes eingeleitet worden.»
Was nun: Rückbesinnung oder Aggiornamento, wie es die Kirche bei der „Konstantinischen Wende“ schon einmal betrieben hat – damals freilich sehr viel behutsamer, mit sehr viel mehr Rückbindung an das Wort Gottes.

Zu empfehlen: Roberto Pertici: IL POST-CONCILIO E I “GRANDI BALZI IN AVANTI” DELLA MODERNITÀ (in vier Sprachen)

Siehe auch: Nachtrag

Dienstag, 15. September 2020

Geistlicher Reichtum im Kirchenkonzert

Die Sehnsucht der katholischen Messe nach katholischer Kirchenmusik bleibt leider meistens ungestillt – daran erinnerte ein Blick über die Konfessionsgrenze hinaus.

Samstag, 12. September 2020

Fest des Namens Mariæ

Dieser Tag feiert eigentlich den Sieg über die osmanischen Belagerer vor Wien 1683. Darf man militärische Siege feiern? Wir haben einmal die Gegenprobe gemacht und seinerzeit aus Anlaß eines ähnlichen Festes – des Rosenkranzfestes – dargestellt.

Freitag, 11. September 2020

Rassismus und Ultra-Rassismus

Von Angehörigen und Freunden dunklerer Hautfarbe hierzulande zu hören, daß sie rassistische Anfeindungen und Pöbeleien erleben, ist schmerzlich.
Zu einem drängenden Thema aber ist Rassismus jetzt dadurch geworden, daß sich besonders in den USA rassistische Gewalt – von beiden Seiten (obwohl die politische Korrektheit schwarzen Rassismus nicht war haben will) – aufgeschaukelt hat. Von welcher Seite her es als schlimmer erscheint, hängt von der politischen Ausrichtung der jeweiligen Quelle ab. Dazu Stellung zu nehmen ist ein Navigieren zwischen Skylla – der Verharmlosung der offenbar dort sehr verbreiteten rassistischen Gewalt und US-amerikanischen Polizeigewalt – und Charybdis (politisch korrekter Instrumentalisierung).
(Jedenfalls ist die Gewalt der einen Seite nicht durch die der anderen zu entschuldigen. Nichtsdestoweniger aber ist die Frage moralisch bedeutsam, von wem die Gewalt anfangs ausging; denn wenn aus einer Gruppe heraus Gewalt gegen eine andere angewandt wird, so erzeugt das regelmäßig Gegengewalt, für die der, der begonnen hat, mitverantwortlich ist.)
Interessante Beiträge zu diesem Thema waren in letzter Zeit in Blöggen erschienen: „Wie man Hashtags nicht anwendet“, „Statuen stürzen?“, „Was ist Rassismus?“ – und auch zwischen ihnen gibt es Reibungen.
Wir haben nun uns bemüht, darzulegen, was Rassismus eigentlich ist, ohne dabei an Skylla oder Charybdis zu stoßen.

Montag, 7. September 2020

Die Cantorianer

Ein Orden, den es nur in einem Film – «Vaya con Dios» – gibt, ist der Namenspatron dieses Ensembles; die Motette „Tu solus“ von Josquin Desprez, mit der dieser Film begann, war 2003 das erste Werk, das dieses Ensembles sang. 
Nun aber eine Aufführung unter Corona-Bedingungen: Abstand im Chor, Abstand unter den Zuhörern, so daß deren Zahl beschränkt bleiben mußte. Doch das tat der Sache nichts: der Abstand war der Klarheit eher förderlich, die Stücke, von Josquin Desprez bis zu Arvo Pärt, mit sicherem Geschmack ausgewählt – und der Gesang war vollkommen. 
Das großartigste Musikerlebnis seit sehr lange Zeit.

Dienstag, 1. September 2020

Covidzeitliche Liturgie

Verschiedene Vorsichtsmaßnahmen gegen Corona-Viren haben sich eingebürgert: kein Weihwasser am Eingang, dafür Desinfektionsmittel, keine ausgelegten GL, begrenzte Plätze: nun gut – oder vielmehr nicht gut, aber um der Sicherheit willen begründet.
Und man kann nur hoffen und beten, daß nicht irgendwelche Katholiken in der Zeit der aufgehobenen Sonntagspflicht sich die Meßteilnahme ganz abgewöhnen.
Zur Kommunionausteilung wird «Der Leib des Herrn» wie ein zweites «Sehet das Lamm ...» an die Allgemeinheit vorausgeschickt; nichtsdestoweniger tragen viele Priester bei der Austeilung eine Atemschutzmaske – in Ordnung.
Außerdem desinfiziert sich der Priester vor der Austeilung die Hände; und da setzt meine Frage an: Warum nicht schon bei der Handwaschung am Ende der Opferung? – da paßte es vom Ritus her gut hin, und es bestünde noch keine Gefahr, daß dabei Partikel vom Leib des Herrn verwischt werden (wenn ich die Handkommunion empfangen habe, schaue ich auf meine Hand und finde dort nicht oft, aber doch immer wieder Partikel).

Donnerstag, 27. August 2020

Nachricht und Wirklichkeit

Ein junger Mann, Augustin, ist in Lyon durch eine Gewalttat schwer verletzt worden. Doch diese Nachricht wird so weitergegeben, daß etwas ganz anderes daraus wird: nicht ein Täter, sondern eine Horde von Migranten habe zugeschlagen usw. usf.

Montag, 24. August 2020

.. damit nichts zugrundegehe

Zwei Frauen sind wegen Diebstahls verurteilt worden, weil sie „containert“ haben, noch genießbare Lebensmittel aus dem Müll eines Supermarktes geholt haben. Aus christlicher, aus moralischer und auch aus rechtlicher Sicht gilt es, zu diesem Urteil, gilt es, zum „Containern“ Stellung zu nehmen.

Dank an Kaplan M.R.

Er hat sich über lange und teilweise schwierige Zeit in unserer Pfarrei als guter Priester bewährt.

Zwei Kapläne waren es, die das geistliche Leben in unserer Stadt bereichert haben und kurz nacheinander uns nun verlassen haben. Nun hoffe ich auf die neuen Priester am Ort – eine große Aufgabe ist ihnen überlassen.

Dienstag, 18. August 2020

Einer Äbtissin droht das Gefängnis

Wo christlicher Glaube und Grundgesetz gleichermaßen Bleiberecht für einen Flüchtling fordern, da gewährt eine Äbtissin Kirchenasyl. Deshalb droht ihr eine «empfindliche Freiheitsstrafe».
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Montag, 17. August 2020

Urlaub im Ausland

Gestern als Evangelium (ord. Usus) die Perikope von der kanaanäischen (oder [Mc.]: syrophönizischen) Frau (Matth. 15, 21-28; cf. Marc. 7, 24-30).
Jesus begab sich mit seinen Jüngern (Mtth. 15, 23) nach Phönizien (dem heutigen Libanon), in heidnisches Gebiet also, und wollte niemanden kennenlernen (Mc. 7, 24), also nicht predigen, in keiner Weise wirken, was ihm freilich nicht ganz gelang.
Wozu diese Reise? Ein Grund, der etwas mit der Berufung Jesu zu tun hätte, läßt sich nicht erkennen.
Es bleibt nur die einfache Antwort: es war eine Urlaubsreise ins Ausland – auch der Herr und seine Jünger brauchten gelegentliche Entspannung.

Harsch erscheint in dieser Perikope sein Umgang mit der Kanaanäerin. Der Grund dafür ist nicht einfach der, daß sie zu einem anderen Volk gehört, sondern, daß sie zu den Heiden gehört, die Götzendienst betreiben. Das Verbot des Götzendienstes steht am Anfang der Zehn Gebote (Ex. 20, 3-6; Deut. 5, 7-10), ist aber keineswegs nur Gebot für Israel, das Bundesvolk, sondern wird von allen Völkern eingefordert; über vier Kapitel hin (13-16) stellt das Buch der Weisheit dar, wie sehr der Götzendienst der Heiden zu verurteilen ist. Doch als die Kanaanäerin demütig ihren Glauben gezeigt hat, erhält sie vom Herrn Anerkennung und Erhörung.

Dank an Kaplan M.M.

Er hat sich in schwierigen Zeiten in unserer Pfarrei als guter Priester bewährt.

Freitag, 14. August 2020

Ein wirklicher Feiertag

In Deutschlands Fernem Osten ist Assumptionis zwar kein Feiertag, aber da es dieses Jahr auf den Samstag fällt, kann es doch ganz als Feiertag gehalten werden (außer, leider, von Verkäufern und einigen anderen).
Am Sonntag ist in der Propstei zu festtäglicher Zeit, um 10 Uhr, die Festmesse (wem haben wir zu danken: dem polnischen Kaplan oder dem neuen Propst? – doch sicherlich beiden). In der Kirche im Gründerzeitviertel gibt es eine Abendmesse mit Kräuterweihe (allerdings: «gestaltet vom Frauenkreis»). Nur ist denen, die sonst gewohnt sind, zu dieser Zeit an der sonntäglichen Vorabendmesse teilzunehmen, ist zu wünschen, daß sie vorher bemerken, daß sie die heute nicht finden werden.

Donnerstag, 6. August 2020

Die Verbindlichkeit der Form der Sakramente

Aus einem Responsum der Glaubenskongregation, approbiert von Papst Franziskus I.: «.. aus eigener Initiative die Form der Zelebration eines Sakraments zu modifizieren stellt nicht einen einfachen liturgischen Mißbrauch dar wie die Überschreitung einer positiven Norm, sondern eine Wunde, die zu einer Zeit der kirchlichen Gemeinschaft und der Erkennbarkeit des [sakramentalen] Handelns Christi zugefügt wird, die in schwereren Fällen das Sakrament selbst ungültig macht, weil die Natur des dienenden Handelns [des priesterlichen Dienstes] es erfordert, mit Treue das zu übermitteln, was man empfangen hat. ...»

Fest der Verklärung Christi

In den Ostkirchen ein Hochfest, wird dieses Fest im lateinischen Westen viel weniger gewürdigt. Immerhin: wenn auch zur werktäglichen Gottesdienstzeit (früher aufstehen!), war hier doch eine Messe zum Fest gut erreichbar.
Oft wird gesagt, Petrus habe auf Tabor Unsinn geredet; dem sei hier nachgegangen – mit etwas anderem Ergebnis.

Mittwoch, 5. August 2020

Wohltuendes aus Messen des außerordentlichen wie des ordentlichen Ritus

Es sind scheinbare Kleinigkeiten, die zeigen, daß Priester wirklich das meinen, was sie tun, wenn sie die Messe zelebrieren: ein Zelebrant, der keine Abstriche macht an seinem Amt; ein anderer, der sich aufs II. Vaticanum zurückbesinnt. Und zum Schluß ein etwas schmerzhaftes musikalisches Erlebnis.

Freitag, 31. Juli 2020

Das Lob des Herrn für den ungerechten Verwalter

Das Tagesevangelium heute (ao. Usus) ist die Perikope vom ungerechten Verwalter (Luc. 16, 1-9).
Der Prediger weist darauf hin – ohne dem zuzustimmen –, daß für den 8. Vers auch eine andere Übersetzung und ein anderes Verständnis vorgeschlagen worden ist.
Dem sei hier nachgegangen.

Donnerstag, 16. Juli 2020

Der Weiheritus: Papst Pius XII. und das Florentinum

Zweimal hat Sandro Magister auf Settimo Cielo Kardinal Brandmüller das Wort gegeben, das II. Vaticanum gegen Angriffe zu verteidigen: zuerst gegen Mons. Viganò, der sich gegen dieses Konzil insgesamt wandte, dann gegen Mons. Athanasius Schneider, der die Berichtigung einzelner Lehren forderte, zusammen mit dem Hinweis, das früher bereits die Kirche falsche Lehrentscheidungen – natürlich keine definierten Dogmen – von Konzilien aufgehoben habe; zwei Beispiele nennt er dafür.
Gegen Mons. Viganòs Angriff zeigt Kardinal Brandmüller auf, daß die Konzilsdekrete aus ihrer Zeit, nicht aus der unseren heraus zu begreifen sind und so recht verstanden keine Irrlehren sind. Hier ist ihm völlig zuzustimmen.
Gegenüber Mons. Schneider stellt er im einen Fall klar, daß das betreffende Dekret die Irrlehre, die Mons. Schneider darin sieht, gar nicht enthält. Im anderen Fall aber bedarf Kardinal Brandmüllers Argumentation näherer Erörterung.

Dienstag, 14. Juli 2020

Welch ein Fest!

Heute vor 231 Jahren wurde in Paris ein befestigtes Gefängnis belagert. Der Kommandant erklärte sich schließlich bereit, den Belagerern das Gefängnis zu übergeben gegen die Zusicherung freien Geleits für ihn und die Wachmannschaften; das wurde ihnen gewährt, aber trotzdem wurden dann er und andere Angehörige des Gefängnispersonals massakriert. Dafür aber wurden einige Eierdiebe befreit.
Diese Ereignisse feiert seither die Grande nation alljährlich mit ganz großem Trara. Meine Glückwünsche!

Freitag, 10. Juli 2020

Verkehrte Welt

Für „die Welt“ ist der jetzige US-Präsident der Böse, sein Vorgänger der Gute; manche Christen aber sehen es umgekehrt. Und die Wahrheit? Sie ist einfach: den „Guten“ gibt es da nicht. Doch eine üble Maßnahme des früheren hat dem jetzigen Gelegenheit gegeben, christliche Sympathien abzuschöpfen.
Unser Chronist stellt es dar.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Der Marsch für das Leben 2020 findet statt

am 19.IX.2020; aber es wird eine Anmeldung erbeten.

Das Elend der Diskretion

(Gemeint ist hier Diskretion im modernen Sinn, nicht die „discretio“ des heiligen Vaters Benedikt.)
Unter den jüngst veröffentlichten Akten des Vatikans hat Alexandra v. Teuffenbach Belege dafür gefunden, das P. Kentenich Marienschwestern seiner Schönstattfamilie mißbraucht hat und darum auf Anordnung des Heiligen Offiziums von Schönstatt und von seiner Gründung verwiesen wurde. Frau v. Teuffenbach hat über ihre Funde Sandro Magister und dann auch der Tagespost (die Schönstatt durchaus gewogen erscheint) berichtet; wenn auch Schönstatt stante pede eine scharf ablehnende Stellungnahme veröffentlichte, so erscheint ihre Darstellung doch klar und gut belebt zu sein.
Dabei geht es nicht eindeutig um körperlichen sexuellen Missbrauch, zumindest aber um Demütigungen mit sexueller Färbung. Visitatoren und Heiliges Offizium seien sehr angemessen vorgegangen, schreibt Alexandra v. Teuffenbach; es endete damit, daß, von Papst Pius XII. bestätigt, P. Kentenich seiner Gründung verwiesen wurde und ihm jeglicher weiterer Kontakt mit deren Schwestern verboten wurde. Doch das Heilige Offizium ging sehr diskret damit um – es wollte nicht das Werk schädigen, sondern nur den Schwestern helfen: P. Kentenich wurde ins Exil geschickt, aber die Gründe, die peinlichen Tatsachen wurden nicht veröffentlicht – „der Mantel der christlichen Nächstenliebe“, wie man gern sagt, wurde darüber ausgebreitet. Doch Diskretion ist manchmal etwas anderes als Nächstenliebe.

Diskretion an falscher Stelle: Nun wurde verbreitet, daß P. Kentenich verbannt worden sei, weil die «pädagogischen Methoden seiner Spiritualität» der Kirche nicht traditionell genug gewesen seien. Sandro Magister weist auf die italienische Wikipedia hin, die unter Josef Kentenich seine Biograpie im «Stil einer Hagiographie» darbietet und im Abschnitt Contrasti con la Chiesa aus dieser Sicht ein neues Kapitel der Leggenda nera gegen die Kirche ausarbeitet (während in die deutsche Wikipedia die Entdeckungen Alexandras v. Teuffenbach schnellstens eingearbeitet wurden, ist jener Text in der italienischen bis heute unverändert).

Diskretion an falscher Stelle: So konnte P. Kentenich das Kontaktverbot übertreten; ihm hörige Schwestern ließen sich das gefallen. Und nach vierzehn Jahren ließ ein anderer Papst, Paul VI., ihn, als sei er rehabilitiert, nach Schönstatt zurückkehren.

Diskretion an falscher Stelle: Sie leistet Verdächtigungen und übler Nachrede Vorschub. Durch solches Vorgehen in der Vergangenheit kann Verdacht in gegenwärtigen Fällen neu belebt werden. Ich denke an die Maßnahmen gegen den Gründer der Franziskaner und derFranziskanerinnen der Immaculata, P. Stefano Manelli. Auch er wurde als Generaloberer seines Amtes enthoben, freilich von der Ordenskongregation, die in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung einen sehr viel weniger guten Ruf genießt als das Heilige Offizium. Eine Schmutzkampagne gegen ihn schloß sich an, mit dem Ergebnis, das alles unklar erscheint. P. Kentenich war, vor den Übergriffen noch, vorzuwerfen, daß er gegen das Kirchenrecht als Mann als Oberer einer Frauengemeinschaft fungierte; aber auch P. Manelli muß sich entgegenhalten lassen, daß er offenbar etliche Zeit in trauter Gemeinschaft beim weiblichen Zweig seines Instituts verbrachte. Aber es gibt übelste Vorwürfe gegen ihn darüber hinaus, von denen einige gerichtlich widerlegt sind, andere aber nicht zu klären scheinen. So kann der Gedanke auftauchen, daß das scheinbar unbegründete Vorgehen gegen ihn Gründe haben könne, die die Kongregation aus Diskretion für sich behalte. Das heißt, der Grundsatz der Diskretion mit dem Motiv christlicher Nächstenliebe verkehrt seine Wirkung, indem er zu Spekulationen über etwaige üble Verfehlungen einlädt angesichts eines Sumpfs von ungeklärten Vorwürfen.

Aktualisierung:
«Und nach vierzehn Jahren ließ ein anderer Papst, Paul VI., ihn [P. Kentenich], als sei er rehabilitiert, nach Schönstatt zurückkehren», hatten wir geschrieben – ein Irrtum, den Alexandra v. Teuffenbach jetzt anhand eines Briefes des seinerzeitigen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzingers, aufklären konnte: als P. Kentenich ohne Erlaubnis aus den USA nach Deutschland zurückgekehrt war, war ihm von der Glaubenskongregation zwar erlaubt worden, als Diözesanpriester im Lande zu bleiben, aber weiterhin untersagt worden, ins Priesterinstitut von Schönstatt zurückzukehren oder wieder die Leitung des Schönstattwerks zu übernehmen.

Sonntag, 28. Juni 2020

Heilige gegen den Geist unserer Zeit

Es gibt Heilige, die zu bewundern uns leicht fällt, Heilige der Nächstenliebe wie Pater Damian de Veuster, der Leprakranke pflegte, bis er selber an Lepra erkrankte und schließlich starb, wie Pater Maximilian Kolbe, der – zum zweiten Mal – ins KZ kam, weil er in seiner Missionsstadt Niepokalanów über 2000 Juden vor dem NS-Regime versteckt hatte und im Hungerbunker umkam, weil er sich um eines Familienvaters willen – «Ich will an der Stelle dieses Gefangenen sterben» – selber dazu angeboten hatte.
Doch würde man diesen Heiligen nicht gerecht, wollte man sie darauf reduzieren, Heilige der Nächstenliebe zu sein: beide waren zunächst geistliche Männer und Missionare.

Heute abend aber beginnt nach gregorianischem Kalender das Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus.
Ihrem Rang im Neuen Testament gemäß ist ihre Heiligkeit in der Kirche unumstritten. Jenem Zeitgeist allerdings entsprechen Petrus und die Apostel nicht – sie erklärten, als einige Witwen in der Kirche zu kurz kamen (Act. 6, 2-4): «Es ist nicht angemessen, daß wir das Wort Gottes beiseite lassen und bei den Tischen dienen. ... wir aber werden dem Gebet und dem Dienst des Wortes gewidmet bleiben.»
Doch – und der fromme Zeitgeist jedenfalls schätzt auch das hoch – sie engagierten sich ganz inmitten der Gemeinde.
Ein Lied zu Ehren des heiligen Petrus

Nach julianischem Kalender aber beginnt heute abend das Fest der Translation des heiligen Feofan Zatwornik, Theophanes’ des Klausners.
Feofan, 1815 geboren, wurde Mönch, wurde Priester, wurde mit 44 Jahren Bischof. Sieben Jahre später bat er um die Erlaubnis, seiner Diözese zu entsagen und sich in ein Kloster zurückzuziehen. Das wurde ihm gewährt; er wurde zum Oberen des Klosters ernannt, aber, wiederum auf seine Bitte hin, schon nach drei Monaten auch von dieser Aufgabe befreit. In den ersten Jahren nahm er noch ein wenig am Klosterleben teil, er überlegte zwischendurch auch, ins Bischofsamt zurückzukehren – 1872 wurde ihm sogar die Diözese Moskau angetragen –, doch ein Jahr später entschloß er sich, sich völlig in seine Klause zurückzuziehen. Fortan weihte er sich ganz dem Herrn, der Gemeinschaft mit ihm; er entzog sich völlig jeder menschlichen Gemeinschaft. In seiner Zelle errichtete er eine kleine Kapelle, die er mit dem Titel der Theophanie weihte; dort zelebrierte er zunächst sonn- und feiertags, bald dann täglich alleine die Göttliche Liturgie. Dort starb er schließlich, längst krank und ganz alleine, mit 88 Jahren am Fest der Theophanie.
Ein Heiliger, der sich jeder menschlichen Gemeinschaft entzog, der immer allein blieb, nur für sich allein die Messe zelebrierte.
Manchem modernen Menschen mag da der Vorwurf in den Sinn kommen, er habe sich nur von anderen versorgen lassen – natürlich erhielt er sein Essen von außen –, ohne selber etwas für die Gemeinschaft zu tun. Kein Vorwurf könnte abwegiger sein – er tat sehr viel für andere: er betete und er schrieb. Er schrieb geistliche Bücher, übersetzte aus dem Griechischen, so etwa die Philokalie, und verfaßte eigene Werke; einen bedeutenden Satz daraus haben wir anderswo zitiert. Auch wurde er Mitglied eines Wohltätigkeitsvereins, der Bruderschaft des heiligen Fürsten Wladimir, gegründet, um «notleidenden russischen Staatsbürgern jeder christlichen Konfession und orthodoxen Christen jeder Nationalität zu helfen». Nur für sich selbst verzichtete er auf alle menschliche Gemeinschaft.
Feofan Zatwornik wurde von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen. Ganz privat aber darf wohl auch ein Katholik beten: «Sancte Theophanes recluse, ora pro nobis!»
Théophane le Reclus
Феофан Затворник

Dienstag, 23. Juni 2020

Klare Worte von der Kanzel

Dreimal haben wir in den letzten Wochen auf katholische Theologen hingewiesen (1.2.3.), die unverblümt gefordert haben, die Lehre der Kirche zu verändern – und beim weiteren Durchstreifen von katholisch.de («das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland») stößt man noch auf weiteres dergleichen, ohne daß («Katholisch.de versteht sich als Nachrichten- und Erklärportal») sich die Redaktion bemüßigt fühlte, zu erklären, wie solche Ansichten sich zum katholischen Glauben verhalten. Nun hat in seiner Sonntagspredigt unser polnischer Kaplan klare Worte gesagt zur Glaubenswahrheit und zur Notwendigkeit, sich zu ihr zu bekennen, und auch darauf hingewiesen, daß anderenfalls es auch postletale Folgen haben könnte. Danke!

Freitag, 19. Juni 2020

Dogmenenthobenheit einer Dogmatikerin

Johanna Rahner, die eine „Einführung in die Katholische Dogmatik“ veröffentlicht hat und deren Aussagen katholisch.de wiedergibt mit: «Wer von „ewigen Wahrheiten“ schwadroniere, gleite in eine Ideologie der „Geschichtsenthobenheit“ ab» (mich wundert immer wieder, daß Leute, die solch eine Ansicht vertreten, niemals die „Geschichtsenthobenheit“ von Mathematikern anprangern, die die uralte Behauptung, daß zweimal zwei vier sei, wie eine ewige Wahrheit behandeln), hat sich dafür ausgesprochen, die Exkommunikation Martin Luthers durch Papst Leo X. aufzuheben: «Die formelle Rücknahme der Exkommunikation Luthers wäre ein wichtiges „ökumenisches Zeichen“, sagte die Tübinger Dogmatikerin gegenüber katholisch.de am Montag. „Dadurch könnte die katholische Kirche ihre heutige Wertschätzung der Protestanten ausdrücken.“» Sie übersieht dabei das Wesentliche: Exkommunikation ist bei Häresie eine Tatstrafe; sie bleibt, unabhängig von jedweder Bulle, an sich bestehen, solange der Schuldige nicht umdenkt (μετανοεῖ) – und das kann Martin Luther ja nicht mehr.
Was heute an sehr vielen Protestanten in der Tat wertzuschätzen ist, ist ihre Abkehr von manchen Lehren Luthers wie besonders von seinem «sola fide», wenn es leider auch rein formelhaft oft noch von ihnen im Mund geführt wird.

Samstag, 6. Juni 2020

Was von uns von Le Barroux bleibt

Das ist das gesungene Stundengebet.
Darauf weisen wir gerne hin – und dabei sei auch auf eine schöne liturgische Besonderheit aufmerksam gemacht (um 17.30 beginnt die Vesper mit dem Responsorium prolixum Benedictus).

Freitag, 5. Juni 2020

Gute und schlechte Lehren aus der Zeit der Verbote

In der Zeit der Verbote wurden sehr unterschiedliche Gottesdienste im Netz übertragen; aber auch Vorschläge zur Gestaltung solcher Gottesdienste wurden veröffentlicht.
Nun ist es Zeit, diese Erfahrungen auszuwerten.

Samstag, 23. Mai 2020

Kirche und katholische Universitätstheologie (II.)

Ein Professor für katholische Theologie, Thomas Hieke, hat ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Bibel, falsch verstanden“; darauf wurde er vom Deutschlandfunk interviewt, und Kernsätze dieses Interviews sind auch, ganz unkritisch, auf katholisch.de wiedergegeben.
Bemerkenswerte Meinungen äußert der Professor im Interview: «Auch viele meiner Kolleginnen und Kollegen, die da diese Stellen deuten, sagen, dass der Katechismus geändert werden kann. Das ist keine große Sache. Das hat Papst Franziskus vor kurzem auch gemacht, als er den Passus über die Todesstrafe geändert hat ... Aber das geht.
Schlechte Traditionen zu beenden und eine andere Lehre zu bringen, das gibt es in der katholischen Kirche durchaus. Wir sehen das an der Einstellung gegenüber dem Judentum. Und so kann man in gleicher Weise auch die Einstellungen und Lehren der katholischen Kirche über ... ändern.»

Es ist eine Verwirrung von Begriffen: Freilich kann man den Katechismus ändern, der nur eine Zusammenfassung wichtig erscheinender Lehren ist (und kein unfehlbares Lehrdokument); aber die Lehre der Kirche kann (wohl schärfer gefaßt, wohl weiter ausgeführt, aber) nicht geändert werden.
«Schlechte Traditionen zu beenden und eine andere Lehre zu bringen»: es kann schlechte Traditionen in der Kirche geben, es können falsche oder unsichere Lehren auf Kanzeln der Kirche verkündet werden; aber die Tradition der Kirche im eigentlichen Sinn ist Kern des christlichen Glaubens, ist niemals schlecht. Er bringt die «Einstellung gegenüber dem Judentum» als Beispiel: in der Tat gibt es üble Worte von Kirchenvätern über die Juden, es gab auch üble Konzilsvorschriften ihnen gegenüber; aber waren Ausfälle, eine häßliche Scharte in der Tradition, aber keineswegs die Tradition – die umfaßt klare Aussagen für die Religionsfreiheit der Juden.
Da aber nun der Professor «eine andere Lehre» einführen will, wird ihm natürlich die Frage gestellt: «Und wer ist die Instanz, die entscheidet, was richtig ist?» Seine Antwort:
«Da könnten Sie jetzt auf das Lehramt hinauskommen. Aber gerade diese Instanz möchte ich nicht ins Spiel bringen. Vielmehr sehe ich zwei große Säulen, wie man Bibel richtig interpretieren kann. Das eine ist der Kontext ... Die andere Säule ist die Auslegungsgemeinschaft. Davon gibt es ganz viele. Das ist jetzt nicht nur die römisch-katholische Kirche, das ist eigentlich jede Pfarrgemeinde, jeder Bibelkreis oder, wenn ich mit meinen Studierenden im Seminar sitze, sind wir auch eine Auslegungsgemeinschaft. Und dann muss jeder seine Bibel-Lektüre, seine Bibelauslegung in diese Auslegungsgemeinschaft hineingeben. Und im Gespräch wird sich dann herauskristallisieren, ob diese Auslegung trägt oder ob sie vielleicht einseitig, abseitig ist, ob man sie vielleicht mit anderen Bibeltexten noch einmal relativieren muss.»
Das erste, der Kontext: klar. Das zweite aber hat es in sich: eine freie «Auslegungsgemeinschaft», an der die Hierarchie der Kirche keinen maßgeblichen Anteil hat, Bindung an den Glauben der Kirche nicht vorausgesetzt ist. Und es ist eine rein zeitgenössische Runde, die da die Vollmacht haben soll, «eine andere Lehre» einzuführen: die Tradition der Kirche wird nicht mehr erwähnt – es klingt deutlich nach sola scriptura –; aber der Professor, «wenn ich mit meinen Studierenden im Seminar sitze», gehört natürlich dazu. Ohne Tradition, ohne Lehramt hat diese «Auslegungsgemeinschaft» völlig freie Hand. Er «habe so einen kleinen Universalschlüssel für die Auslegung der Bibel, und er steht in Levitikus 18,5 ziemlich versteckt. Da heißt es: Der Mensch, der danach handelt, nämlich nach der Weisung Gottes nach der Thora, wird leben. Das heißt, ein gelingendes Leben ist das Ziel. Wenn aber eine Auslegung der Bibel zum Leben nicht mehr befähigt, sondern vor dem Leben Angst macht, dann ist, glaube ich, die Auslegung falsch.» In der Tat ist ein gelingendes Leben das Ziel, ein Leben, das zum Heil führt. Doch wenn jemandem etwas «vor dem Leben Angst macht», so kann das auch statt in der Auslegung in der Person liegen: der reiche Jüngling des Evangeliums wurde traurig durch die recht verstandenen Worte des Herrn (Matth. 19, 16-22).
Was solche Neuschöpfungen von Lehren vor Willkür, vor Unterwerfung gegenüber dem Zeitgeist und aktueller Befindlichkeit schützen könnte, sehe ich nicht.
Und bei Änderungen der Lehre geht es ihm nicht um Feinheiten, sondern «auch zum Beispiel über Fragen der Frauenordination». Das Wesentliche jeder Sakramentsspendung ist das Wirken des Herrn, das der Kirche zugesagt ist, wenn sie Sakramente nach Seiner Ordnung spendet. Könnte etwa seine «Auslegungsgemeinschaft» darüber sicher bestimmen?
Vor etwa fünfhundert Jahren gab es das schon einmal, daß eine freie «Auslegungsgemeinschaft», Theologie-Professoren an der Spitze, die andere Lehren einführten ohne Bindung an die Hierarchie, ohne Bindung an die Tradition der Kirche.

P.S.
1.

Welcher theologischer Sorgfalt es bedarf, eine global formulierte Lehre der Kirche schärfer, differenzierter zu fassen, zeigt etwa der Brief des Heiligen Offiziums an den Erzbischof von Boston vom 8. Aug. 1949, der die Lehren der Feeneyisten zurückweist (Denzinger – Schönmetzer (Ed. XXXII) nr. 3866-3873).
2.
Auf die Frage «Die katholische Kirche hat lange gebraucht, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass dort [im Schöpfungsbericht] keine naturwissenschaftliche Aussage getroffen wird ... Warum hat das so lange gedauert?» antwortet der Professor: «Das ist ein Geheimnis der Kirchengeschichte. Es hat tatsächlich bis Anfang der 1990er-Jahre gedauert, als der spätere heiliggesprochene Papst Johannes Paul II. den Fall Galilei für die Kirche gelöst hat ...» Doch schon Pius XII. hat mit den Enzykliken Divino Afflante Spiritu von 1943 und Humani Generis von 1950 die katholische Theologie vom überspannten Biblizismus der Bibelkommission Pius’ X. gelöst.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Warum ich mich nicht gegen die aktuellen Einschränkungen von Gottesdiensten wende

Ein Appell an die gläubigen Katholiken und an die Menschen guten Willens wurde vor einigen Tagen veröffentlicht, von wirklichen Großen der Kirche unterzeichnet, die Einschränkungen der grundlegenden Freiheiten der Bürger und zuerst der Freiheit des Gottesdienstes Covid-19s wegen wieder aufzuheben.
Wirklich: die Einschränkungen und die zeitweiligen Verbote der Gottesdienste tun weh. Und natürlich habe ich alle Möglichkeiten genutzt, zu einer Sonntagsmesse zu gelangen, auch einmal etwas im Schatten.
Aber diesen Appell werde ich nicht unterschreiben.
Vor gut hundert Jahren bestand in den Zeiten der Spanischen Grippe der Bischof von Zamora gegen den Willen der staatlichen Behörden darauf, der Seuche Bittgottesdiensten und Prozessionen entgegenzusetzen. Daraufhin hatte Zamora einen größeren Anteil an Todesopfern zu verzeichnen als jede andere spanische Stadt, darunter zwei der drei Seherkinder von Fátima.
In Schweden waren die Einschränkungen wegen Covid-19 viel geringer als in anderen europäischen Ländern; für Gottesdienste gab es lange Zeit keine wirklichen Beschränkungen. Die Folge: die syrisch-orthodoxe Kirche in Schweden zählt weit über hundert Todesopfer.
Auch ich hätte etwas andere Schutzmaßnahmen für besser gehalten, mehr vorgeschriebenen Mundschutz, mehr Produktion von Schutzmasken, weniger Kontaktbeschränkungen. Aber das sind Détailfragen.
Wer auf Gottes Schutz zählen will, darf nicht deshalb die Schutzmaßnahmen beiseite lassen, die Seine Schöpfung bietet.

P.S.
Das CIVITAS-Institut hat es anders gesehen als ich (in Frankreich ist freilich das Confinement viel strenger als hierzulande) – und Erfolg vorm Staatgerichtshof gehabt:
« Communiqué du Conseil d’Etat
« Le juge des référés du Conseil d’État ordonne au Gouvernement de lever l’interdiction générale et absolue de réunion dans les lieux de culte et d’édicter à sa place des mesures strictement proportionnées aux risques sanitaires et appropriées en ce début de « déconfinement ».
« Saisi par plusieurs associations et requérants individuels, le juge des référés du Conseil d’État rappelle que la liberté de culte, qui est une liberté fondamentale, comporte également parmi ses composantes essentielles le droit de participer collectivement à des cérémonies, en particulier dans les lieux de culte. Elle doit, cependant, être conciliée avec l’objectif de valeur constitutionnelle de protection de la santé.
« Dans l’ordonnance rendue ce jour, le juge des référés relève que des mesures d’encadrement moins strictes que l’interdiction de tout rassemblement dans les lieux de culte prévue par le décret du 11 mai 2020 sont possibles, notamment compte tenu de la tolérance des rassemblements de moins de 10 personnes dans d’autres lieux ouverts au public dans le même décret.
« Il juge donc que l’interdiction générale et absolue présente un caractère disproportionné au regard de l’objectif de préservation de la santé publique et constitue ainsi, eu égard au caractère essentiel de cette composante de la liberté de culte, une atteinte grave et manifestement illégale à cette dernière.
« En conséquence, il enjoint au Premier ministre de modifier, dans un délai de huit jours, le décret du 11 mai 2020 en prenant les mesures strictement proportionnées aux risques sanitaires encourus et appropriées aux circonstances de temps et de lieu applicables en ce début de « déconfinement », pour encadrer les rassemblements et réunions dans les établissements de culte. »

Samstag, 9. Mai 2020

Kirche und katholische Universitätstheologie

Die Kirche:
«Dieselbe heilige Mutter Kirche hält fest und lehrt, daß Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, durch das natürliche Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkannt werden kann. „Denn was von Ihm unsichtbar ist, seit Erschaffung der Welt, ist durch die Werke zu begreifen und wird so geschaut“ (Röm. 1,20)
(Conc. Vat. I, Const. Dogm. „Dei Filius“, Cap. 2. De revelatione)

Magnus Striet, Professor für Fundamentaltheologie
an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau:
«Diese [die Gesellschaften] sind schon deshalb notwendig säkular, das heißt, sie können schon deshalb nicht auf Religion basieren, weil ihnen nicht nur faktisch, sondern auch aus intellektuellen Redlichkeitsgründen die Gewissheit Gottes abhandengekommen ist.»
(Striet kritisiert Benedikt: Gesellschaften nicht religionsfeindlich)

Ich verlange von niemandem, daß er den katholischen Glauben teilt – der Herr allein ist Richter –; aber daß ein katholischer Theologieprofessor dem früheren Papst Benedikt, vorwirft, daß er an diesem Glaube festhält, ist geschmacklos.

Im selben Artikel schreibt Professor Striet: «Man stelle sich einmal vor, ... habe es nie gegeben. ... Kann es sie in der Zukunft nicht dennoch geben? Man stelle sich vor, nie habe es in der Kirchengeschichte ... gegeben ... Kann eine solche Anerkennung in Zukunft nicht doch erfolgen?»
«Die katholische Kirche ist die einzige Institution, die den Menschen vor der erniedrigenden Sklaverei bewahrt, ein Kind seiner Zeit zu sein», befand Gilbert Keith Chesterton (gratias Laurentio Rhenanio). Könnte denn eine Kirche mit der Haltung, die Professor Striet da entworfen hat, dieser Sklaverei noch entrinnen?

Mittwoch, 6. Mai 2020

Schulen in Zeiten von Corona

Die ersten Schulen haben wieder geöffnet. Bundesbildungsministerin und Lehrerverband fordern Niqabpflicht; Kopftuchverbote bleiben davon unberührt.

«Aber vermissen die Kinder die Kita überhaupt?»

– so fragt eine Journalistin, Eiken Bruhn, in einer Zeitung, die sonst gerne auch politisch korrekte Meinungen verbreitet. Der Artikel ist lesenswert.
Ein Auszug: «In Deutschland hält sich hartnäckig das Gerücht, es sei der Entwicklung dienlich, am besten ab dem Alter von einem Jahr den halben bis Dreivierteltag in lärmigen Masseneinrichtungen ohne Rückzugsmöglichkeiten eingesperrt zu sein.
Zwar werden immer wieder Studien publiziert, nach denen eine qualitativ schlechte Betreuung vor allem Kleinkindern schaden kann. Aber darüber wollen nur die sprechen, die finden, dass Frauen an den Herd gehören. Bekannt ist auch, dass Kinder erst mit durchschnittlich drei Jahren vom Zusammensein mit Gleichaltrigen profitieren. Aber das volle Elterngeld wird eben nur im ersten Lebensjahr gezahlt. Oder dass Lärm gesundheitsschädlich ist und auch das kindliche Gehirn Pausen braucht.»
(Die Ligamina stehen so im Originalartikel)

Freitag, 1. Mai 2020

Sind Steuern Diebstahl?

Ein Tweet eines bekannten katholischen Laientheologen, der, wenn auch weniger klar formuliert, sich leicht im Sinne der im Titel genannte These verstehen läßt – gewichtig zudem durch seinen aktuellen Bezug –, gibt uns Anlaß, das christliche Verständnis von Eigentum darzulegen.

Samstag, 18. April 2020

Teilnahme an der Liturgie durchs Netz

Seit dem Sonntag Lætare war die Teilnahme an einer Messe nur noch durchs Netz möglich. So konnte der Chronist von Orietur Occidens durch solche Übertragungen verschiedene Kirchen kennen lernen.

Samstag, 11. April 2020

Unbeachtetes in den Zeiten von Corona

Über Corona wird längst schon viel mehr geredet, als man hören möchte. Dennoch: es gibt wichtige Aspekte, die unbeachtet bleiben – so etwa, daß die hinfälligen Alten nicht etwa vor allem die Nutznießer, sondern die Opfer der (in vieler Hinsicht begründeten) Ausgangsbeschränkungen sind.
Wir haben nun eine neue, die achte Seite unserer Moralia eröffnet, um – unter anderem – darauf hinzuweisen.

Donnerstag, 9. April 2020

minima philologia in tempore coronae


oder

Vom Trost der Sprachbeobachtung

1.
Mein Leben lang hab ich Quarantäne so gehört: Karantäne, als wenn es aus dem Französischen käme. Aktuell höre ich immer häufiger: Kwarantäne (nie jedoch Kuarantäne), als wenn es aus dem Italienischen kwäme.

2.
O vierfüßiger Jambus sei gegrüßt:
Corónavíruspándemié

3.
Wenn eine Pandemie - wie der Name sagt - sowieso das ganze Volk umfaßt, welchen Sinn hat dann die Isolation einzelner?

4
"Wehe hochmütige Corona -
Vae coronae superbae"

So sagt schon der Prophet (Is 28/1)


Sonntag, 5. April 2020

Dienstag, 24. März 2020

Wie kann ich die Heilige Messe über die Medien mitfeiern?

Vor einigen Tagen haben wir auf eine pdf-Datei dieses Titels von Missio Österreich hingewiesen. Allein: So einfach, wie es aussieht, ist die Sache nicht. Am Sonntagmorgen begebe ich mich auf die Suche. Nur: teils wird die Messe dann doch nicht übertragen (das Pontifikalamt in Köln); teils gibt es technische Probleme: es «wird ein installiertes aktuelles Flash-Plugin von Adobe benötigt, das Sie hier herunterladen können» – dabei «.. ist Adobe Flash eine ständige Quelle von Sicherheitslücken» (ubuntuusers.de), und Gnash zu installieren reicht mir die Zeit nicht –; oder für eine Wiedergabe «in hoher Qualität» werden Programme angeboten, die für Linux nicht verwendbar sind (jeweils k-tv). Über Youtube, das eigentlich nicht mein Biotop ist, finde ich doch noch Zugang.

Doch schließlich eine Entdeckung: von der Famille Missionnaire de Notre-Dame wird eine Messe im Novus Ordo bester Form übertragen; und wenn man über fmnd.org geht, nicht über Youtube, werden seitlich auch Texte angezeigt.
Einige Worte mehr darüber sind zu finden bei Orietur Occidens.
Morgen will ich dort um 9 – ich bin in häuslicher Quarantäne, habe also Zeit – nach der Messe zum Hochfest sehen.

Korrektur:
Um ½10 ist die Messe solennelle, um 9 der Rosenkranz.

Samstag, 7. März 2020

Sei gegrüßt, du edle Speis, Heil und Hort der Frommen

Bei einer Meßfeier in St. Josef Styrum (neuerdings in der Obhut der Petrusbruderschaft) habe ich das schöne, barocke Eucharistie-Lied "Sei gegrüßt, du edle Speis" aus dem Gesangbuch der Bruderschaft "Laudate Patrem" kennengelernt. (Es befindet sich - vermutlich mit textlichen Abweichungen - auch in den Gotteslob-Diözesananhängen von Eichstätt und Paderborn.)

Ich finde es so schön, daß ich denke, auch andere werden ihre Freude daran haben. Darum sei es hier präsentiert:


1. Sei gegrüßt, du edle Speis, / Heil und Hort der Frommen,
edle Frucht, vom Paradeis, / mir zur Gnad gekommen!
Sei gegrüßt viel tausendmal, / du bist mein Verlangen.
Mit Getreuen ohne Zahl / will ich dich empfangen. 
2. Als ein Bettler komm ich dar / vor des Reichen Türe; 
aller Habe bin ich bar, / drum ich Klage führe
über meine Armut groß. / Wolle dich erbarmen!
Aller Tugend bin ich bloß. / Kleid mit Gnad mich Armen! 
3. Als ein Knecht komm ich, o Herr. / Nah mich deinem Tische.
Speis und Trank ich da begehr. / Herr, mein Herz erfrische.
Stärk mit deinem Leibe mich / und mit deinem Blute;
so labt meine Seele sich / an dem höchsten Gute. 
4. Als ein Kranker komm ich hier, / der verzagt am Leben.
Meine Schwachheit klag ich dir: / Du kannst Kraft mir geben. 
Du bist Arzt, der Hilfe schafft, / heile meine Wunden, 
gib mir neue Lebenskraft, / laß mich recht gesunden!
5. Könnt ich, wie es sich gebührt, / Heiland, dir lobsingen!
Laß zu dir, o guter Hirt, / meine Bitte dringen!
Gläubig will ich ganz und gar / dir mich anvertrauen:
Du läßt mich im Himmel klar, / Herr, dein Antlitz schauen.
T. nach David Gregor Corner, Nürnberg 1625
M. Mainzer Cantual 1606



Donnerstag, 5. März 2020

«So etwas darf nicht noch einmal passieren»

sagte der Linken-Vorsitzend Bernd Riexinger (taz vom 4.3.2020) darüber, daß bei einem Parteitreffen eine Teilnehmerin aus dem Publikum heraus geflachst hatte: «.. Und auch wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, ...», und er darauf zurückgeflachst hatte: «Wir erschießen sie nicht, wir ...» (Deutschlandfunk / Die Nachrichten vom 4. März 2020).
So etwas darf in der Tat nicht noch einmal passieren – zumal es ja nicht das erste Mal ist. Seinerzeit allerdings war es noch schlimmer: 1986 hatte der CDU-Bürgermeister von Korschenbroich gesagt, es müßten «für den Ausgleich des Haushaltes einige reiche Juden erschlagen» werden (Die ZEIT Nr. 08/1986).

Montag, 2. März 2020

In den Zeiten von Coronavirus und Synodalem Weg

Auch in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften des heiligen Köln gilt dem Coronavirus viel Aufmerksamkeit. In einer Freien Evangelischen Gemeinde fällt seinetwegen der Sonntagsgottesdienst ganz aus, in einer landeskirchlichen Kirche nur das Abendmahl. Im Dom gibt es kein Weihwasser, und der Friedensgruß soll ohne körperliche Berührung weitergegeben werden. In der von mir bevorzugten Kirche wird, so wird ausdrücklich angesagt, um dieses Virus willen die Kommunion nur als Mundkommunion gespendet, nicht als Handkommunion (das geht hier ohne Schwierigkeiten: solange ich diese Kirche kenne, wurde hier nie die Handkommunion gespendet).

Beachtenswert ist Kardinal Woelkis diesjähriger Fastenhirtenbrief: «Die Freude am Evangelium wiedergewinnen» – sein Thema ist die Evangelisierung. Große Bedeutung mißt er dem «Pastoralen Zukunftsweg» seiner Erzdiözese bei. Was mir Freude bereitet, ist, daß ein bestimmter anderer Weg eben nicht erwähnt wird.

Samstag, 22. Februar 2020

Liturgisches Unterholz an "Kathedra Petri"

Zu einer weiteren liturgischen Preziose geht es hier.

Dienstag, 11. Februar 2020

Antisemitische Plastiken

Spätmittelalterliche Plastiken, in denen Juden mit Schweinen in Verbindung gebracht werden: eine solche Figur «beleidigt auch heute noch permanent», stellte der protestantische Pfarrer von Calbe, Jürgen Kohtz, fest. Dem ist so. Doch schlimmer noch: der Schmuck einer Kirche ist Teil der Verkündigung; bösartige Aussagen an Kirchen stehen dem Glauben entgegen, und das wird nicht gut durch Tafeln mit dem Hinweis, daß man das heute anders sehe.
Die Pfarrei von Calbe hat darum eine solche Plastik beseitigt. Die protestantische Pfarrei von Wittenberg, in der vor 500 Jahren ein bekannter Antisemit wirkte, hat sich entschlossen – und bisher erfolgreich –, sich gegen einen jüdischen Kläger auf einen Prozeß einzulassen um das Recht, ein solches Relief an der Kirche zu behalten.

Nachbemerkung:
In Salzburg hat schon im XVIII. Jahrhundert der Erzbischof, der Primas Germaniæ, eine solche Skulptur entfernen lassen, aus Rücksicht auf die jüdischen Einwohner der Stadt.

Dienstag, 4. Februar 2020

Mariæ Lichtmeß im Großstädtchen

Am Sonntag war Mariæ Lichtmeß. Ich arbeite gerade an einem Text über den Niedergang der klassischen Gestalt des römischen Kirchenjahrs. Mariæ Lichtmeß ist heute nur als „Fest“ eingestuft, aber als Herrenfest sollte es doch Vorrang vor einem einfachen Sonntag haben.
Wohin zur Messe? In der einen Kirche ist „Familiengottesdienst“ angedroht, in der anderen dagegen „Hl. Messe mit Kerzenweihe und Blasiussegen“ angekündigt.
Das macht die Wahl leicht. Doch was ich übersehen habe: am Freitag war das Fest des heiligen Johannes Bosco, bei den Salesianern Patronatsfest, Hochfest; und die äußere Feier des Hochfests am Sonntag verdrängt das Fest Lichtmeß.
Immerhin: eine Kerzenweihe und eine Kerzenprozession, aber recht minimalistisch, vom Kircheneingang geradewegs zum Altar, nur Kinder und Klerus; nur der Klerus trägt Kerzen.
Ich schätze den heiligen Giovanni Bosco sehr hoch; doch daß ein zentrales Fest des Kirchenjahrs einem nachgefeierten Patronatsfest zum Opfer fällt, ist bedauerlich. Und Mariæ Lichtmeß ist nicht nur durch Giovanni Bosco gefährdet, sondern wird es anderswo durch Angela Merici oder Thomas v. Aquin sein. Hierzulande ist für die meisten auch der Samstag ein freier Tag; sinnvoll wäre es, die äußere Feier von Hochfesten auf den Samstag zu legen.

Sonntag, 2. Februar 2020

Darstellung des Herrn: Traditionelle Gebete zur Kerzensegnung

Die Segensgebete zur Kerzenweihe an Mariä Lichtmeß im Ordo Originis mit möglichst wörtlicher Übersetzung finden sich hier.

Samstag, 1. Februar 2020

Wohltuender Fortschritt

Oft sind es kleine Fortschritte, die wenig beachtet werden und doch geistlichen Gewinn bringen. Darum werden sie, die so manchem kaum der Rede wert erscheinen mögen, von Orietur Occidens ausführlich gewürdigt.

Montag, 20. Januar 2020

Wo’s Dörflein dort zu Ende geht

Vom Bahnhof geht man nach rechts, den Weg, der sich „Bahnhofstraße“ nennt, bis man zur Brücke kommt. Auf ihr gelangt man über den Fluß; nun ist man auf der Langen Straße, auf der man die ganze Innenstadt durchquert. An deren Ende wird aus der Langen Straße die Chemnitzer Straße, deren Windungen durch eine Vorstadt man folgt. Schließlich biegt die Chemnitzer Straße leicht nach links ab, während geradeaus eine kleine Straße mit schadhaftem Belag bergauf führt: die Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. An ihr stehen einige Häuser, gleich rechts ein klobiges „Biker-Centrum“. Auf diesem Sträßchen geht man nun einige Schritte weiter, und schon sieht man einen Wegweiser, der nach rechts weist: „Katholisches Gemeindezentrum St. Marien“. Dort rechts führt tatsächlich ein Weg aufwärts; man folgt ihm, bis er auf einem Parkplatz endet. Rechts am Parkplatz steht ein fensterarmes Gebäude, wahrscheinlich eine Lagerhaus. Wenn man sich ihm nähert, sieht man rechts daneben einen kleinen Weg. Wenn man auf ihm weitergeht, erscheint bald ein Gebäude, in dem wirklich eine Kirche ihren Platz hat. Und hier wird wirklich eine sonntägliche Messe zelebriert.
Heureka!

Samstag, 18. Januar 2020

Erlaubt und verboten zugleich: Glyphosat

Gesetzgeberischer Widersinn – und die Kosten trägt der Gewerbetreibende, bis zur wirtschaftlichen Vernichtung.
Unter Orietur Occidens wird darüber berichtet.

Donnerstag, 9. Januar 2020

„Zeichen der Zeit“

Noch einmal zurück zur Epiphanie-Predigt eines Bischofs, dem es an Mut zu klaren Worten gebricht:
« „Auch heute ist der sogenannte Zeitgeist nicht nur ein negatives Phänomen. In ihm, mit ihm und durch ihn kann nämlich immer noch der Heilige Geist wirken und uns als Kirche etwas sagen.“
Christen sollten deshalb nicht von vornherein skeptisch sein, „wenn etwas nicht unserer eigenen Überzeugung entspricht“, betonte Feige. Gott spreche „zu anderen Menschen ja vielleicht gerade auch in Bildern und Vorstellungen, die uns fremd sind. Seine Gnade wirkt auch außerhalb der Kirchenmauern.“
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe für dieses oft verborgene Wirken Gottes den Begriff „Zeichen der Zeit“ geprägt, so Feige weiter. »

Die „Zeichen der Zeit“, von denen das Evangelium redet, sind kein Wirken des Heiligen Geistes im Zeitgeist, sondern es sind die Zeichen, die den Messias anzeigen; es ist „das Zeichen des Jonas“, die Auferstehung (Matth. 16, 4), es werden die Ereignisse sein – «Es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ...» (Luc. 21, 10 f.) –, die die Wiederkunft ankündigen: ein Anlaß nicht, sich anzupassen, sondern sich bereit zu machen für Sein Erscheinen.

Mittwoch, 8. Januar 2020

Epiphanie vorm Dreikönigsschrein und am Rhein

Das vormittägliche Pontifikalamt zum Fest: wie in den Jahren zuvor eine geistlich reiche Feier. Eine mehrstimmige Messe; nur das Credo war das Choral-Credo (III), aber doch mit eingeschobenem mehrstimmigem Et incarnatus est. Und das Kyrie nicht für den Bußakt umgenutzt.
Ist das neu? – ich jedenfalls habe es in den vergangenen Jahren nicht bemerkt: An den Kommunionbänken wird das Sakrament von den meisten knieend empfangen.
Nur leider fiel die Annuntiatio festorum mobilium dem Zeitmaß des WDR zum Opfer, der die Messe übertrug (à propos: Annuntiatio festorum mobilium).
Dennoch war es der Sache wert, die Messe zu übertragen, denn die Predigt Kardinal Woelkis hatte Gewicht: ausgiebig warnte er davor, die Lehre der Kirche durch den Zeitgeist zu verwässern (es gibt Bischöfe, denen es zu so klaren Worten an Mut gebricht).

Nach Ende der Messe – noch vor dem Programmpunkt „Plauderei mit Sternsingern“ – mache ich mich auf den Weg über den Rhein. Eine Stunde vor unserem Pontifikalamt hatte in der griechisch-orthodoxen Kirche die Liturgie begonnen, die mit der Wasserweihe ausklingen soll. Ich komme dort zur Kommunion an, kann so die Wasserweihe vollständig erleben: den Weiheritus in der Kirche, die Prozession zum Rhein, die Weihe des Flußwassers.





Und danach bin ich immerhin noch zum dritten Heiligendreikönig bei der Purificatio der Laien angelangt.

Der Ruhrbischof und die Diskussion über das Weiheamt

« Ich persönlich bin den letzten Monaten und Jahren sehr nachdenklich geworden, weil ich erlebe, dass die Begründungslogiken für die Zulassung oder Nichtzulassung von Frauen zu bestimmten Ämtern und Diensten für ganz viele nicht mehr nachvollziehbar und für immer mehr Menschen auch nicht mehr akzeptabel sind. Das verschärft die Lage. Diskussionen zu dieser Frage werden nicht mehr verstummen, dessen bin ich sicher. Darum sind wir in unserer Kirche gut beraten, heute keine Mauern auf Dauer zu verfestigen, mit denen Frauen die Teilhabe an der Mitverantwortung verweigert wird. » So Bischof Franz-Josef Overbeck in seiner Predigt im Pontifikalamt zum Oktavtag von Weihnachten.
Geht es ihm da um das Weiheamt? Der Eindruck, daß es darum geht, läßt sich nur schwer abzuweisen. Dann aber ist die Formulierung «Zulassung oder Nichtzulassung von Frauen zu bestimmten Ämtern und Diensten» irreführend; denn die Frage ist nicht, ob Frauen zugelassen werden, sondern ob ihre Weihe möglich ist.

Nun ist die Frage einer etwaigen Weihe von Frauen durch eine authentische Erklärung des Lehramts, Johannes Pauls II. Apostolisches Schreiben Ordinatio Sacerdotalis beantwortet. Um eine authentische – nur authentische, nicht ex cathedra verkündete – Lehrentscheidung zu revidieren, bedürfte es klarer Argumente: hatten womöglich weibliche Bischöfe in einem Ökumenischen Sitz und Stimme? oder haben orthodoxe Kirchenväter geschrieben, daß die Kirche die Vollmacht habe, Frauen zu Bischöfen oder Priestern zu weihen? Wer solches nachweisen kann, der zeige es auf; wer das nicht kann, der bekenne sich zu Ordinatio Sacerdotalis.

Dienstag, 7. Januar 2020

«Willkommen zu dieser Messe!»

Eine bemerkenswerte Lektion, wie Klerikalismus sich äußert, hat eine Kirche im entlegener Gegend geboten.
Bei Orietur Occidens wird berichtet.

Sonntag, 5. Januar 2020

Zum Fest der Erscheinung des HERRN:
Die Ostertermine

Wie so oft, bleibt wegen der unterschiedlichen Berechnung der Mondphasen der Ostertermin dem julianischen Kalender nach unserem gegenüber um eine Woche zurück, während der jüdische Termin zu unserem paßt.
Hier zu den Osterterminen der drei Kalender.

Samstag, 28. Dezember 2019

Geistliche Weihnachten

Die Kirchen unseres obersächsischen Großstädtchens boten in diesem Jahr Gelegenheit zu wirklich geistlicher Weihnachtsfeier.
Eine festliche Messe in der Heiligen Nacht. Es wurde das „große Credo“, das nicæno-constantinopolitanische Glaubensbekenntnis gesprochen; und der polnische Kaplan versäumte es nicht (es ist heute wohl wirklich nicht mehr allen bewußt), darauf hinzuweisen, daß man zum «Er hat Fleisch angenommen» niederkniet.
Ein nicht minder festliches Hochamt am ersten Weihnachtstag. Hier, in Deutschlands Fernem Osten, wird verläßlich korrekt der Johannes-Prolog als Evangelium gelesen (im Norden habe ich anderes erlebt). Und die Messe wird bereichert durch Instrumentalmusik, was besonders bei der Opferung die Hinwendung auf das Geschehen am Altar mehr fördert als ein übliches Kirchenlied.
Nur: in den Vermeldungen dankt der Zelebrant der Frau, «die für uns Flöte gespielt hat» – man darf hoffen, daß sie für den Herrn gespielt hat (in der evangelischen Nachbarkirche weiß man es besser).
Daß auch das Fest des heiligen Stephanus entsprechend gefeiert wird, ist hierzulande selbstverständlich. Aber das nicht minder hohe Fest des heiligen Johannes, dessen Evangelientext das Weihnachtshochamt geistlich bereichert hat, das aber kein staatlicher Feiertag ist, wird gerne ignoriert (ich fürchte, im nächsten Jahr wird es dem Fest der heiligen Familie zum Opfer fallen).
Hier aber wird es heute gefeiert. Als ich ankomme, ist gerade noch das Allerheiligste ausgesetzt – eine schöne Vorbereitung auf die Eucharistiefeier. Abendmessen an Festen, die keine staatlichen Feiertage sind, besonders in der dunklen Jahreszeit, mag ich sehr; und ich schätze es, wenn ein sehr alter Priester in der Schlichtheit seines Alters zelebriert, ohne alle pastoral gemeinten Sperenzien (und dieser Priester ist dankenswerterweise noch in der Lage, selber, und natürlich allein, die Kommunion auszuteilen).
Darf man an diesem Hochfest, das der geltende Kirchenkalender nicht als solches gelten läßt, das dieses Jahr auf einen Freitag fällt, Fleisch essen? Ich habe es mir gestattet.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Wo Grausamkeit selbstverständlich ist ...

Aus einem Zeitungsartikel von Jutta Lietsch (Lektion China lieben lernen. taz vom 30.11.2019):
«Das „Verschwindenlassen“, das Verschleppen und Festhalten ohne rechtliche Grundlage ist in China nichts Ungewöhnliches. Die Kommunistische Partei (KP) ist das Gesetz, Polizei, Armee und Geheimdienste sind ihre Erfüllungsgehilfen. ...
Wer nur halbwegs bei politischem Verstand ist, muss sich fragen, wie es sein kann, dass die Politiker in Peking und ihre Statthalter in Urumqi ernsthaft glauben können, etwas anderes als heillose Wut, tiefe Kränkung und heftige Aggressionen in einer wichtigen Region ihres Landes zu ernten, wenn sie uigurische Frauen und Männer, Alte und Junge, hinter Stacheldraht sperren? ...
Die Antwort: Es ist ihnen völlig egal. Die Generation, die heute an der Macht ist, hat ihre Jugend in der Kulturrevolution der sechziger und siebziger Jahre erlebt [in der Zeit also, als in Deutschland durchaus nicht nur die K-Gruppen von Mao schwärmten], als Denunziationen, Folter und Massenkampagnen an der Tagesordnung waren. ...
Politiker wie der heutige KP-Chef Xi Jinping sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass politisch nur überlebt, wer stärker und härter ist als die anderen.»

Im Wettstreit um den Titel der grausamsten Diktatur der Erde führt zwar immer noch Nord-Korea, aber den Sudan und Eritrea hat China jetzt weit hinter sich gelassen.

Montag, 2. Dezember 2019

Deutsche Beihilfe zur Christenverfolgung

Nach wie vor werden vom Islam konvertierte Christen aus Deutschland und Österreich in den Iran abgeschoben, wo ihnen Folter und Lebensgefahr drohen.
Wieder drängt sich dieses Thema auf, ist darüber weiter zu lesen bei Orietur Occidens.

Samstag, 30. November 2019

Der blutleere Karneval der liturgischen Revolution

Harte Worte; aber sie sind mir gestattet, weil harte Worte darüber zuvor schon andere gebraucht haben, Große der Kirche, so die Kardinäle Ottaviani und Bacci, so Kardinal Ratzinger.
50 Jahre lang Novus Ordo: Orietur Occidens blickt zurück.

Dienstag, 26. November 2019

Donnerstag, 7. November 2019

Umgang mit Mißbrauch in der Kirche

Mons. Werner Thissen, emeritierter Erzbischof von Hamburg, hat über den Umgang mit sexuellem Mißbrauch im Bistum Münster gesprochen, dessen Personalwesen er in den frühen achtziger Jahren vorstand, dessen Generalvikar er in den späten achtziger und den neunziger Jahren war.
In diesem Gespräch mit der Bistumszeitung hat er Fehler eingestanden, die in Wirklichkeit nicht einfach seine persönlichen Fehler waren, sondern im Personalwesen allgemein verbreiteter Brauch, ein Brauch, der auf noch weiter verbreiteten Mißverständnissen vom Wesen von Therapie beruht.
Man hat der Therapie vertraut. Aber Psychotherapie ist kein Sakrament, sie wirkt nicht ex opere operato. Die wesentliche Leistung in einer Therapie ist die des Klienten: er muß therapiefähig sein, die erforderliche Beziehungs- und Introspektionsfähigkeit haben und darüber hinaus den psychischen (sagen wir einmal so:) Humus für Veränderung haben; und er muß sich willentlich und mit allem Einsatz auf die Therapie einlassen. Und selbst dann ist der Therapieerfolg nicht einfach gewährleistet.
Mißbrauchsverdächtige wurden irgendwann wieder in der Pfarrseelsorge eingesetzt, dann nämlich, wenn der Therapeut das für richtig erachtete. Ich arbeite seit mehr als zehn Jahren mit Alkoholikern; ich weiß, daß ich nicht wirklich vorhersagen kann, ob ein Patient rückfällig wird. Nun hat auch das Verhalten von Pädophilen und Teknophilen Suchtcharakter; bei ihnen ist ebensowenig vorherzusagen, ob sie rückfällig werden (die sexuelle Orientierung auf Kinder und Jugendliche selbst ist im sehr begrenzten Rahmen einer üblichen Therapie nicht aufhebbar).
Damals, in den achtziger Jahren, habe er keine Vorstellung davon gehabt, «was für ein Schaden bei einem jungen Menschen angerichtet wird durch Missbrauch» . Damit nun war er in jenen Jahren wenn nicht in guter, so doch in reichhaltiger Gesellschaft. Das ist mittlerweile (ihn belaste das heute sehr) dankenswerterweise sehr anders; dringend zu wünschen ist, das in den Ordinariaten darüber hinaus der Glaube an die quasi-sakramentale Wirkung von Therapie und an die Allwissenheit der Therapeuten geschwunden ist.

Mittwoch, 6. November 2019

Lohnprellerei

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Es bleibt legal ...
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Dienstag, 5. November 2019

Inkulturation im antiken Patras

Aus den Akten des seligen Apostels Andreas:
Die ganze Stadt [Patras] freute sich über die Genesung des Prokonsuls, und aus den Vororten kamen Menschenmengen, und sie brachten Kranke, die an verschiedenen Krankheiten litten. Er betete für sie, rief den Namen des Herrn Jesus Christus an, legte ihnen die Hände auf und heilte sie alle. Alle Einwohner der Stadt waren von Staunen ergriffen und riefen: «Groß ist die Macht des ausländischen Gottes! Groß ist der Gott, der vom Ausländer Andreas verkündet wird! Heute beginnen wir, unsere geschnitzten Götzenbilder zu zerstören, ihre Haine zu fällen, die götzendienerische Kenntnis der falschen Götzen und der Dämonen zu unterdrücken. Wir erkennen statt dessen den wahren Gott an, der von Andreas verkündet wird; groß ist der Gott von Andreas!» Alle zusammen stürzten sich auf die Tempel, hauten die Götzenbilder in Stücke, zerschlugen sie, vernichteten sie, zerstampften sie, zerstörten sie und verbrannten sie mit dem Ruf: «Genannt werde allein der Gott von Andreas.» Der Prokonsul Lesbius war froh über den Ruf der Menge und und freute sich über die Taten des Volks.
(cod. Vat. GR 807, 6, 1-2; zitiert nach Scuola Ecclesia Mater)

Sonntag, 27. Oktober 2019

Das Erste Gebot

Ich bin der HERR, dein Gott
•› Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
•› Du sollst Dir kein Bildwerk machen noch was immer ähnlich ist dem, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist.
•› Du sollst Dich nicht vor ihnen niederwerfen noch sie verehren:
Ich bin der HERR, dein Gott


Das «unidentifizierte Objekt», vor dem auf vatikanischem Boden sich manche niedergeworfen haben, mit dem eine Kirche in Rom geschändet worden ist, das im Tiber versenkt worden und wieder hervorgeholt worden ist, ist also doch – autòs éphe – Pachamama, die Demeter der Inkas.
«Beuge dein Haupt, stolzer Sicamber, verbrenne, was du angebetet hast, und bete an, was du verbrannt hast», sagte der heilige Remigius bei der Taufe Chlodwigs. Möge der Papst nun solche Worte zu denen sagen, die sich vor diesem Götzenbild niedergeworfen haben.

Samstag, 26. Oktober 2019

Das soziale Engagement der Kirche

Nein, anders als P. Martín Lasarte Topolanski halte ich es nicht für Klerikalismus, dringend zu wünschen, daß alle Christen zumindest allsonntäglich die Möglichkeit haben, an der Zelebration der Opferfeier teilzunehmen. Doch ähnlich wie er, wenn auch aus anderen Gründen, setze ich keine Hoffnung auf die Weihe verheirateter Männer zu Priestern, einerseits aus Gründen, die wir bereits an anderer Stelle ausgeführt haben, andererseits weil ich nicht glaube, das in Teilkirchen, in denen das geistliche Leben derart ist, daß es so keine Priesterberufungen mehr gibt, es wirklich die geistlich reifsten verheirateten Männer wären, die zum Priesteramt ausersehen würden.

Aber seine Darstellung der «Drei Krankheiten, die die Evangelisation Amazoniens steril machen», ist überzeugend; und überzeugend ist im Besonderen seine Bewertung des sozialen Engagements der Kirche:
« L’impegno sociale della Chiesa, nell’evangelica opzione per i più poveri, […] senza dubbio è stato e continua ad essere un aspetto costitutivo del processo di evangelizzazione, che esprime la dimensione “diaconale” della Chiesa. Un impegno del genere ha costituito una ricchezza non solo per la Chiesa latinoamericana, ma per la Chiesa universale.
Il problema sorge quando questo genere di attività assorbe il resto della vita e i dinamismi della Chiesa, lasciando in ombra, mettendo a tacere o dando per scontate le altre dimensioni: kerigmatica, catechetica, liturgica, la koinonia… Siamo in una tensione irrisolta tra Marta e Maria. »
Quelle: Ital.: Un missionario chiamato dal papa al sinodo sull’Amazzonia spiega in che cosa la Chiesa sbaglia – Engl.: A Missionary Called By the Pope To the Synod On the Amazon Explains What the Church Gets Wrong – Span.: Un misionero llamado por el Papa para participar en el sínodo sobre la Amazonia explica en qué se equivoca la Iglesia – Franz.: Un missionnaire appelé par le Pape au synode sur l’Amazonie explique en quoi l’Église se trompe

Samstag, 12. Oktober 2019

Kirchliches Leben in Fülle

Wieder einmal einige Tage in Wigratzbad im Priesterseminar der Petrusbruderschaft. Leider erlebe ich dieses Mal keinen Sonntag noch ein höheres kirchliches Fest; doch im übrigen ist wieder, wie damals, alles da, was ich mir wünschen kann: eine herzliche Atmosphäre, großes geistiges Interesse und Gottesdienste, die wirkliche Gottesdienste sind.
Einige Beobachtungen dazu sind unter der Chronik von Orietur Occidens zu finden.
Die Zahl der Angehörigen der Bruderschaft hat in diesen acht Jahren beträchtlich zugenommen: Heute umfaßt sie 290 inkardinierte Priester sowie 14 weitere, die in verschiedener Art assoziiert sind, und zudem 14 Diakone. 30 Seminaristen sind in diesem Herbst neu im Seminar in Wigratzbad aufgenommen worden, mehr als je zuvor; weitere 15 sind es im Seminar der Bruderschaft in Denton.
Noch einmal der Aufruf: Kirchensteuermittel erhält die Bruderschaft nicht, alles wird durch Spenden finanziert. Wer für die Zukunft der Kirche spenden will: hier ist dazu Gelegenheit.

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Ein sonderbarer Feiertag

Als „Tag der deutschen Einheit“ wurde 1953 der 17. Juni zum Feiertag erklärt.
Sinn eines Feiertags ist es, eines bedeutenden Geschehens zu gedenken, es zu feiern: so wurde am damaligen „Tag der deutschen Einheit“ des Arbeiteraufstands in der DDR an diesem Tag gedacht – jenes Aufstands, der Bertolt Brecht zu den berühmten Versen veranlaßte: «Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?»
Wieder kam es im Spätsommer und Herbst 1989 in der DDR zu einem Aufstand des Volks gegen die Regierung, in dessen Brennpunkt die Montagsdemonstrationen in Leipzig seit dem 4. September standen und der seinen Höhepunkt mit der Montagsdemonstration am 9. Oktober erreichte, der friedlichen Versammlung der Siebzigtausend – der Angst vor der „chinesischen Lösung“ zum Trotz, vor einem Massaker wie drei Monate zuvor in Peking. Diese Demonstration bedeutete das Ende der Alleinherrschaft der SED und öffnete den Weg zur künftigen deutschen Einheit.
Doch als im nächsten Jahr es wirklich zu dieser deutschen Einheit kam, wurde als neuer „Tag der deutschen Einheit“ der 3. Oktober ausgerufen, ein Tag, der keine eigene Bedeutung gehabt hatte (an das Fest der heiligen Märtyrer Ewald & Ewald an diesem Tag dachte anscheinend kein Politiker), sondern durch einen einfachen Rechtsakt als Tag des juristischen Vollzugs der Wiedervereinigung festgelegt worden war (und es war auch nicht etwa ein Montag, auf den dieser juristische Akt gelegt worden war, sondern ein Mittwoch).
Warum dieser sonderbare Feiertag ohne eigenen Anlaß?
Ein Verdacht drängt sich auf: mehr und mehr wurde in jener Zeit der Eindruck erweckt, die Wiedervereinigung sei nicht das Werk des Volks der DDR, sondern des „Einheitskanzlers“, dem diese Wiedervereinigung eher unverhofft in den Schoß gefallen ist.

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Abenteuer in schwäbischen Kirchen

Am Samstagabend:
Geistliches Konzert in der evangelischen Kirche


Geistliche Gesänge, unterbrochen von Lesung und Gebet – so wird das Konzert zum Gottesdienst gemacht. Und das ist ernst gemeint: zum Schluß zieht der Chor singend aus der Kirche aus; so gibt es keine Gelegenheit zum Applaus – denn geistlicher Gesang richtet sich ja wesentlich an den Herrn, nicht an die Gemeinde.

Am Sonntagmorgen:
Eine Messe in der katholischen Kirche


• Ein Priester, der es gut meint •

Mittwoch, 18. September 2019

Der große Plumps

Nach langer Zeit wieder: es wird, der Kantorei sei Dank, ein lateinisches Meß-Ordinarium gesungen. Es ist eine Schubertmesse (mit der berühmten Textstelle «unum baptisma in remissionem peccatorum mortuorum»). Das Benedictus, das nach gegenwärtiger Liturgieordnung nicht an seiner eigentlichen Stelle erscheinen kann, wird sinnvollerweise zur Kommunion gesungen, so wie wir es schon aus den Apostolischen Konstitutionen (VIII.) kennen. Und sinnvollerweise wird hier, nach der Wandlung, statt «Benedictus qui venit» «Benedictus qui vēnit» gesungen.
Doch zurück zur Wandlung: nach der Präfation tritt ein Phänomen ein, das sich auch sonst gelegentlich in Kirchen zeigt, die des liturgischen Chorgesangs, wie ihn die Liturgiekonstitution des II. Vaticanum fordert (Sacr. Conc. 116.), entwöhnt sind: der große Plumps – die Gemeinde, die sich zur Präfation erhoben hatte, ist plötzlich, statt stehend oder schon kniend mitzubeten, fast kollektiv auf ihren Sitzflächen gelandet.

Freitag, 30. August 2019

Die Entwicklung des römischen Kirchenjahrs

Es mangelt nicht an Büchern und Artikeln über die Geschichte des römischen Kirchenjahrs. Doch in der Regel erscheint sie als Geschichte einzelner Feste, ohne daß das System angemessen sichtbar würde, daß ihnen zugrunde lag. Es ist dann von Duplex-Feste die Rede, es wird erwähnt, daß diese im Mittelalter viel weniger waren als in der Neuzeit; es ist zu erfahren, daß es viele Oktaven gab, die die normalen Tage verdrängt hätten – aber welche Duplex-Feste gab es eigentlich, welche Oktaven; und was bedeuteten sie im Organismus des Festkalenders?
Und was lag der grundlegenden Veränderung des Kalenders in der Neuzeit zugrunde?
Fragen, die wenig Beachtung gefunden haben. Darum ist dem ersten dieser Fragenkomplexe in unserem neuen Heft zu Ehren der heiligen Märtyrer Ewald & Ewald eine längerer Abhandlung gewidmet, ergänzt durch Tabellen im Netz. Diese Abhandlung ist nun außerdem als html-Datei zugänglich:
Entwicklung und Vollendung des römischen Kirchenjahrs
Und dort zeigt sich, daß es in Wirklichkeit ein wohlgeformter Organismus war, es kein Übermaß etwa an Oktaven und dergleichen gab.

Der zweite Fragenkomplex aber soll im nächsten Heft abgehandelt werden.

Dienstag, 27. August 2019

Unklare Wahrheit?

«Unklare Wahrheit oder Legenda nera?» haben wir vor acht Monaten in Sachen Kardinal Pell geschrieben. Nun erklärt ein amerikanischer Journalist, der sich zuvor bei der Aufdeckung von Kardinal McCarricks Taten engagiert hat, mit ausführlicher Darstellung der Beschuldigung Kardinal Pells, daß «wir die Pflicht haben, George Pell zu schützen, so wie wir uns verausgabt haben, Theodore McCarrick zu verurteilen.»
Natürlich: ich weiß nach wie vor nichts Sicheres. Aber einfaches Vertrauen in die australische Rechtsprechung scheint nicht am Platze zu sein.

Montag, 26. August 2019

Liebesleben – ?

«Bettgeschichte? Benutzt Kondome.» So ist zu lesen auf Plakaten, die auch den Hinweis auf „liebesleben.de“ enthalten.
Nun bieten bei Bettgeschichten Kondome epidemiologisch einen gewissen (für den einzelnen freilich eher ungewissen) Schutz vor venerischen Infektionen.
Aber wenn es sich um Liebesleben handelte, bedürfte es keiner Kondome.

Samstag, 24. August 2019

Ewald & Ewald – das neue Jahrbuch zu Ehren der beiden Märtyrer des Niederrheins

Seit einigen Monaten ist unser neues Heft erschienen; nun sei es der internetten Öffentlichkeit vorgelegt.
Zwei sehr verschiedene Artikel daraus seien kurz vorgestellt:

«Wahre und makellose Religion vor Gott dem Vater ist, die Waisen und Witwen in ihrer Bedrückung zu besuchen und sich unbefleckt zu erhalten vom Zeitgeist.» Damit sagt Jakobus (1, 27) nicht, daß sich die christliche Religion hierin erschöpfe; aber ohne daß in solcher Weise das Christentum im praktischem Leben des Christen Raum fände, wäre jeder tiefere geistliche Anspruch hohl.
«Der Primat des Christentums» – ein sperriger Titel. Die Frage, die er stellt: was hat im praktischen und besonders im politischen christlichen Leben den Primat? Darauf gibt einer unserer Autoren ganz im Sinne des heiligen Jakobus eine Antwort für die politischen Debatten unserer Zeit.

Vigilien sind keine Feste; „Halloween – der Heiligen [Vor-] Abend“ ist ein Fasttag, kein Fest; das damit verbundene makabre Kinderfest ist US-amerikanischer Herkunft. Dennoch ist „Halloween“ in den aus der DDR hervorgegangenen Bundesländern zum stattlichen Feiertag geworden.
Eine niederrheinische Autorin zeigt, daß das Bedürfnis nach Makabrem bestens mit niederrheinischen Mitteln gestillt werden kann, ohne daß dazu amerikanische Peinlichkeiten benötigt werden.

Samstag, 17. August 2019

Das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel im Diaspora-Großstädtchen

Vor fünf Jahren noch gab es zu diesem Fest in der Propstei, nahe der Innenstadt, eine Abendmesse; nun bleibt für den berufstätigen Katholiken in unserem Diaspora-Großstädtchen nur noch eine Messe in einer Kirche am äußersten Stadtrand (zwar gibt es auch eine Abendmesse im Gründerzeitviertel, die aber, «gestaltet vom Frauenkreis», kraft übelster Erinnerungen nicht in Betracht kommt).
Also: ein Auto geliehen, dann geht die Fahrt zunächst bis ans Ende der Welt (nein, da ist kein Bretterzaun, sondern ein „Südring“ aus Asphalt), dann nach links, dann wieder nach rechts, und dann ist rechts der Straße ein Irrgarten, in den man hineinfährt; und nach einigen Irrungen und Wirrungen gelangt man tatsächlich an eine Kirche.
Und wirklich: dort wird eine Festmesse gefeiert. Zum Einzug wird sogar Weihrauch getragen; am Ende wird sogar ein Marienlied gesungen.

Hausrecht vor Grundrechten

Am Oktavtag des heiligen Diakons Laurentius, der mit den damals spärlichen Besitztümern der Kirche die Armen beschenkt hat, sei darauf hingewiesen, wie heutigentags ein bundeseigenes Unternehmen mit Armen umgeht.
Der Chronist von Orietur Occidens referiert.

Dienstag, 6. August 2019

Wiedergefunden!

Drei Jahre ist es her, daß das Senftöpfchen untergegangen ist; und trotz scheinbar einschlägigen Hinweisen schien die Steuerfrau in den Weiten des Netzes verschollen. Nun ist sie – Claudiæ gratias! – als Mitglied eines Triumfeminats wiedergefunden und (samt ihren Mitstreiterinnen) Maskulin wie Feminin empfohlen:
katholisch & feminin
Allerdings ist das letzte Positum vom Mai – zu hoffen ist, daß es nicht dabei bleibt.