Samstag, 4. August 2012

Das Beschneidungsverbot

ist antisemitisch – ist menschenrechtswidrig – ist totalitär: große Worte, doch gut begründet vom Chronisten von Orietur Occidens.

Aus dem Urlaub zurück

Der Chronist hat gesehen, wie schön Augsburg ist. Dabei hat er auch verschiedenartige Eindrücke von moderner Sakralkunst bekommen.

Sonntag, 29. Juli 2012

Komplet im Original - lateinisch deutsch

Die Komplet, das Nachtgebet der Kirche, in der "originalen" Fassung des Römischen Breviers von 1568, zum Singen eingerichtet, lateinisch-deutsch, findet sich hier.

Eine freundliche Empfehlung des Heftkespastoralverlages.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Die neue Tafel in Yad Vashem

Der Apostolische Nuntius in Israel ist zufrieden mit der Auswechselung der verleumderischen Informationstafel in Yad Vashem über das Handeln Papst Pius’ XII. während der Scho’a – der Chronist von Orietur Occidens ist es nicht; er weiß das zu begründen.

Montag, 2. Juli 2012

Wie oft noch muß die Schwarze Legende
gegen Papst Pius XII. widerlegt werden?

Den neusten Versuch verdanken wir dem jüdischen Forscher Gary Krupp; «katholisches.info» berichtete. Leider führt die angegebene Dokumentationsseite in ein Chaos; daraus habe ich die beiden ausdrucksstärksten Belege herausgefischt – ich hoffe aber, es gibt noch bessere Fischer.

Sonntag, 1. Juli 2012

Freitag, 15. Juni 2012

Absurdes Theater

Papst Benedikt wünscht die Einheit, der Generalobere der Piusbruderschaft, Mgr. Fellay, ebenso.
Und dann: Der Bruderschaft wird eine «lehrmäßige Präambel» vorgelegt, es folgt Antwort auf Antwort, auch einmal ein Ultimatum, nach dem es – natürlich – weitergeht wie zuvor. Mgr. Fellay ziert sich, verwendet in seiner Antwort kritische Formulierungen – mit «Irrtümern des Konzils» wird er von kath.net zitiert –, die der Papst – wen wundert’s? – ablehnt.
Und in der Zwischenzeit veröffentlicht eine österreichische «Pfarrerinitiative» einen «Aufruf zum Ungehorsam», «Priester und Diakone der Erzdiözese Freiburg» fordern einen «Aufbruch jetzt!» im Ungeist des Theologen-Memorandums, das ZdK treibt seine übliche billige Romkritik. Hat Rom nicht andere Sorgen als «lehrmäßige Präambeln»?
Absurdes Theater! Und dennoch haben beide recht. Mgr. Fellay: er muß vermeiden, daß die anderen Bischöfe der Bruderschaft von der Einheit, die er zu erreichen sich bemüht, abspringen und so die Spaltung fortbestünde, nur mit verschobener Bruchlinie. Der Papst: wenn er zugestünde, daß einige Formulierungen des II. Vaticanum sehr mißverständlich sind, und daß das kein Zufall ist, so würden sich einige Winkel unserer Kirche in einen Hexenkessel verwandeln – und ich fürchte, große Teile der Kirche in Deutschland würden zu diesen gehören.
Beten wir dafür, daß letztlich Papst Benedikt und Mgr. Fellay ihr Werk gelingt!

Was treibt die EU im Kosovo?

Die Kosovo Property Agency: eine Vollstreckungseinheit im Kosovo, straff unter ausländischer Kuratel, wie die englische Sprache des Namens zeigt. Die Regie führt die Eulex, «der größte zivile Einsatz in der Geschichte» der EU, die «mehr als 400 Justizbeamte ... ins Land geschickt» hat.
Was treibt diese Einheit? Sie setzt (zum Beispiel) arme Familien, die kein Geld für Miete haben, aus ihrer Wohnung heraus, auf die Straße. «Wenn wir kommen, gibt es keine Diskussionen mehr.»

Mittwoch, 13. Juni 2012

Der Mythos vom friedlichen Buddhismus

(iterum)
«Die Spannungen hatten sich entladen, nachdem zehn muslimische Pilger während einer Busreise am 3. Juni von einem buddhistischen Mob umgebracht wurden. Anlass war die Vergewaltigung und Ermordung einer Buddhistin Ende Mai, für die drei muslimische Männer verantwortlich gemacht worden waren. Der Mob hatte angenommen, die mutmaßlichen Täter befänden sich in dem Bus», lese ich.

Flaggen

sind für Schiffe geschaffen, nicht für Autos.

Dienstag, 5. Juni 2012

Das Europa des Bundespräsidenten und das meine

«Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?» lese ich Joachim Gauck zitiert. Verstehe ich den Bundespräsidenten recht, daß ein Islam, der eine Reformation erlebt hätte, mehr zu Europa gehörte als ein einfach nur islamischer Islam? Verstehe ich ihn recht, daß «erlebt» nicht nur heißt, trauriger Zeuge geworden zu sein, sondern auch davon betroffen gewesen zu sein?
Ich selber meine nicht, daß der Islam zu Europa gehöre, doch habe ich zuviel Respekt vor dem Gewissen muslimischer Menschen, als daß ich ihnen vorschreiben wollte, welcher Art ihr Islam sein solle, dem sie anhängen (wohl habe ich eine Meinung, welcher Religion sie besser angehörten).
Doch zurück zum Herrn Bundespräsidenten: meint er dann etwa auch, daß Christen mehr zu Europa gehören, wenn sie eine Reformation «erlebt» hätten?
Mir scheint, das Europa des Herrn Bundespräsidenten ist nicht das meine – mein Europa ist aus der Veredlung der griechisch-römischen Kultur durch ein gänzlich unreformiertes Christentum gebildet worden.

Dienstag, 22. Mai 2012

Bedarf an einer «lehrmäßige Präambel»

«Wir wollen vor allem, dass wiederverheiratete Geschiedene die Eucharistie bekommen können, dass die katholischen Laien an den Entscheidungen in der Kirche beteiligt werden und dass das Priesteramt für Frauen und Verheiratete geöffnet wird», so ein Pfarrer der österreichischen Pfarrer-Initiative in einem Interview.
Und:«Unsere Initiative vereint etwa zehn Prozent der Pfarrerschaft in Österreich. Wir spüren in der Hierarchie eine Menge Nervosität. Gleichzeitig werden erste Gesinnungsfreunde ähnlicher Initiativen in der Slowakei und in Irland drangsaliert. Man droht diesen Pfarrern, ihnen ihr Amt zu entziehen, wenn sie nicht schweigen.»

Ich wünsche da keine Drohungen, sondern die Verpflichtung, eine «lehrmäßige Präambel» zu unterschreiben, für alle Pfarrer der Pfarrer-Initiative, mit der nachkonziliären Professio fidei – « .. Außerdem hange ich mit religiösem Gehorsam des Willens und des Verstandes den Lehren an, die der Papst oder das Bischofskollegium vorlegen, wenn sie ihr authentisches Lehramt ausüben, auch wenn sie nicht beabsichtigen, diese in einem endgültigen Akt zu verkünden.»

Mittwoch, 16. Mai 2012

Warum eigentlich

muß die Piusbruderschaft und nicht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz eine «lehrmäßige Präambel» unterschreiben?

Dienstag, 15. Mai 2012

Die Piusbruderschaft: Worum geht es? Um wen geht es?

Seit langem wird immer deutlicher: Papst Benedikt bemüht sich um die Einheit – die Piusbruderschaft ziert sich – es häufen sich Kommentare, aus der Einheit werde nichts werden.
Doch nun, seit wenigen Wochen, wird klar, daß die Weichen von beiden Seiten auf die Einheit hin gestellt sind. Allerdings: jetzt zeigen sich Spannungen innerhalb der Piusbruderschaft. Jetzt, da die Hoffnung auf Einheit größer ist als je seit 1988, droht sich die Bruderschaft zu spalten.

Worum geht es?
Die Einheit der Kirche ist vom Herrn gewollt; es ist klar, daß die Piusbruderschaft sie braucht.
Aber auch die Kirche braucht sie: sie kann nicht einfach auf so viele Priester verzichten – Priester, zu denen man jedenfalls sehr viel mehr Vertrauen haben kann als zu den Pfarrern der österreichischen «Pfarrerinitiative» mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ oder zu den Theologen des «Theologen-Memorandum 2011».
Darüber hinaus ist auch rein menschlich jede Spaltung von Übel: sie zwingt zumindest jeden, der Priester werden will, sich zu entscheiden zwischen zwei Seiten, obgleich an keiner der beiden nur Schlechtes wäre. Hat man sich aber entschieden, so läuft man, ganz menschlich, Gefahr, um im Einklang mit der eigenen Entscheidung zu bleiben («Dissonanzvermeidung»), die andere Seite nur noch ablehnend wahrzunehmen, das Gute an der anderen Seite ebenso wie das weniger Gute an der eigenen nur mehr wenig zu bemerken. Man läuft, ganz menschlich, Gefahr, Argumente nur noch von der eigenen Seite zu beachten. So werden beide Seiten einseitiger.

Um wen geht es?
Bischof Bernard Fellay, der Generalobere, will die Einheit, P. Schmidberger, der Obere des deutschen Distrikts und frühere Generalobere, ebenso. Doch die drei anderen Bischöfe wenden sich dagegen; kürzlich ist ein Brief von ihnen an den Generalrat veröffentlicht worden, zusammen mit der Antwort von Mgr. Fellay und seinen Assistenten.
Was nun ist von diesen drei Bischöfen zu befürchten?
Mgr. Richard Williamson ist in der Öffentlichkeit diskreditiert durch seine weitgehende Leugnung der Scho’a; in den Gemeinden der Piusbruderschaft stoßen zudem seine überzogenen Forderungen (ein jeder bete täglich drei Rosenkränze) auf Unwillen.
Mgr. Alfonso de Galerreta ist der unauffälligste der Bischöfe; von ihm ist eher nicht zu erwarten, daß er die Initiative zur Spaltung ergriffe.
Es geht vor allem um Mgr. Bernard Tissier de Mallerais: hochintelligent, hochgebildet, zutiefst integer. Er plaidierte 1988 gegen die Bischofsweihe; nach den Erfahrungen der Jahre danach zeigt er sich intransigent. Er ist es, der, im Verein mit den beiden anderen, einen beträchtlichen Teil der Bruderschaft und ihrer Gemeinden in die Spaltung führen könnte. Und doch ein Mann, wie ihn die Kirche braucht.
Es hat Mgr. Fellay, es hat kürzlich P. Simoulin in einem sorgfältig argumentierenden Text inständig zum Gebet um die Einheit aufgerufen. Ich schließe mich ihm an.
Die Ligamina verdanke ich dem Portal zur katholischen Geisteswelt und Motu Proprio: Summorum Pontificum. Zur Frage der Konzilsanerkennung bietet Laurentius Rhenanius einen trefflichen Kommentar.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Hebammen in Bedrückung

Einmal hatte ich die Gelegenheit, eine Klasse werdender Hebammen zu unterrichten. Es waren junge Frauen, die durch ihr Engagement, ihre Klugheit beeindruckten.
Nun erfahre ich, daß Hebammen heutzutage oft nur einen Stundenlohn erhalten, den kein anständiger Mensch seiner Putzfrau zumuten würde. Die gewichtigste Ursache: die Haftpflichtversicherung kostet sie heute etwa das Dreieinhalbfache dessen, was vor nicht einmal zehn Jahren zu zahlen war – und was auch schon sehr viel war. Das Gesundheitsministerium «sieht aber keinen akuten Handlungsbedarf ... Man erwarte vielmehr von den Krankenkassen, „dass auch der ... zu erwartende Anstieg der Prämien im Rahmen der Vergütungsverhandlungen angemessen berücksichtigt wird“.
Also: der Staat schafft einer Rechtsprechung Raum, die Hebammen auch ohne abnorme Leichtfertigkeit zu untragbaren Schadensersatzleistungen verurteilt; er mutet ihnen zu, sich zu kaum tragbarem Preis dagegen haftpflichtversichern zu lassen. Wenn es aber darum geht, Hebammen es zu ermöglichen, trotzdem ihrem Beruf nachzugehen, so «erwartet» die Regierung, daß die Krankenkassen da einspringen, sie selber läßt den Dingen ihren Lauf.
Und so geben immer mehr freiberufliche Hebammen ihren Beruf auf oder beschränken sich auf andere Aufgaben, leisten keine Geburtshilfe mehr. Nur die Zahl der in Kliniken angestellten Hebammen steigt, dort also, wo die Pathologisierung von Schwangerschaft und Geburt vorangetrieben wird.
Lest auch, was vor einiger Zeit schon der Chronist von Orietur Occidens zu diesem Thema geschrieben hat.

Montag, 7. Mai 2012

Glanz und Elend einer Frauengruppe

Eine Frauengruppe von weither ist zu Besuch. Nach der Sonntagsmesse werden wir zum Kirchenkaffee und auch zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Ich setze mich an einen Tisch; und es entwickelt sich ein angenehmes reges Gespräch.
Zwischendurch einmal wird zur Unterschrift unter zwei Listen aufgefordert. Die erste geht um gerechtere Anerkennung von Erziehungsleistungen für die Rente von Müttern; da unterschreibe ich natürlich (meine Mutter hat mich ja auch vor 1992 großgezogen). Die zweite, die ich natürlich nicht unterschreibe, fordert die Diakonenweihe von Frauen; das lasse ich als Frauenbundfolklore an mir vorbeigleiten.
Schließlich setzt sich eine wichtige Frau unserer Pfarrei an unseren Tisch; die Gäste stellen mich ihr vor, wir reden miteinander. Auch und gerade sie will die Diakonenweihe von Frauen, sie klagt, wie schlecht Frauen in der Kirche behandelt würden, wo ja nur Männer entschieden. Beispiele: mancherorts würden Frauen als Kommunionhelferinnen abgelehnt, mancherorts Meßdienerinnen; und in der Erzdiözese Köln habe der Kardinal Frauen einen Wortgottesdienst zum Fest der heiligen Katharina von Siena verweigert.
Sie sagt das alles so frustriert, mit solchem Ressentiment, als sei die ganze Kirche deshalb detestabel; und sie sagt klar, was sie will: Macht. Ich versuche, mit ihr darüber zu sprechen – es gibt Menschen, es gibt Priester, die mehr Grund haben, über gewisse kirchliche Obrigkeiten zu klagen, die nichtsdestoweniger mit Freude ihren Dienst tun; und wieviel Gutes und Schönes erleben wir unter dem jetzigen Pontifikat. Doch sie muß bald wieder weg.
Nein, ich wünsche ihr keine Macht.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Der Charming Boy des Himmels


"Jakobus war ein Verwandter des Herrn. Er hatte den Beinamen der Gerechte. Von Jugend an trank er keinen Wein und keine berauschenden Getränke, enthielt sich des Fleischgenusses, ließ sich nie das Haar schneiden, brauchte nie eine Salbe und nahm nie ein Bad. Ihm allein war es gestattet, in das Allerheiligste einzutreten. Er trug nur Leinenkleider; infolge seines ununterbrochenen Betens war die Haut an seinen Knien so hart geworden wie die von Kamelen."

(Aus der 5. Lesung des Festes der hll. Apostel Philippus und Jakobus am 1. Mai - heute 3. Mai - aus dem Römischen Brevier von 1568)

Montag, 30. April 2012

Hexen

Sonderbar! Unter diesem Titel erschien vor drei Tagen auf kath.net zu diesem Thema ein Artikel, in den ein längerer Artikel aus einem neuheidnischen Netzportal eingelinkt ist, geschrieben von einer bekennenden Neuheidin. Und tatsächlich ist dieser Artikel sehr gut, ohne jedwede antikirchliche Tendenz; im Gegenteil, er räumt sachlich und sachverständig auf diesem Feld die Leggenda nera ab. Nichts ganz Neues, aber eine gelungene Auswertung des in den letzten drei Jahrzehnten erreichten Wissensstandes, lohnend für jeden, der imstande und bereit ist, sich durch mehrere englische Seiten durchzuarbeiten. Wer auf sicher gehen will, kann ja für das Anklicken des neuheidnischen Netzportals etwas Weihwasser bereithalten.
Erstaunlicherweise scheint es jedenfalls, daß das Neuheidentum eine Sekte ist, die ihren Anhängern nicht so völlig das eigene Denken verbietet wie etwa Scientology oder Political correctness.
Für die Kirche aber heißt das: keineswegs kann man ihr den Vorwurf machen, daß sie den Hexenwahn oder die Hexenprozesse vorangetrieben hätte, wohl aber den, daß sie von dem klaren Verdikt gegen den heidnischen Hexenglauben, das sie noch im frühen Mittelalter ausgesprochen hat, abgegangen ist, kurz: daß sie von ihrer Tradition abgewichen ist.

Fehlende Mädchen und leukämiekranke Kinder

Im nahen Umkreis von Atomanlagen werden unverhältnismäßig mehr Jungen als Mädchen geboren; dieses Phänomen tritt auch auf, wenn die radioaktive Strahlung weit unter den zulässigen Grenzwerten liegt. Diese «Ergebnisse sind „signifikant“», so ist in einem Zeitungsartikel zu lesen. Also: wieso das so ist, weiß niemand so recht; daß das so ist, ist nicht mehr zweifelhaft.
Wenn aber nahegelegene Atomanlagen entweder das Geschlecht von neugezeugten Kindern beeinflussen oder aber zum Absterben ungeborener Mädchen führen können, können sie dann nicht ebenso gut Krankheiten wie etwa Leukämie auslösen?
Eigentlich weiß man schon seit langem, daß sich in der Umgebung von Atomanlagen Leukämiefälle bei Kindern häufen, aber hier, wo es ganz offensichtlich um Leben und Tod geht, nimmt man die bisherige Unfähigkeit, diesen Zusammenhang zu erklären, als scheinbares Argument gegen den eindeutigen Zusammenhang selbst.

Donnerstag, 26. April 2012

Geht das lange Leiden vieler an «allen» zu Ende?

Eine abenteuerliche Vorstellung ist es, die da der Papst skizziert: Matthäus und Markus hätten die Worte des Herrn – sei es, weil sie vom semitischen Sprachgefühl geleitet waren, sei es aus Unkenntnis – falsch ins Griechische übersetzt; daraufhin hätte die ganze Kirche arglos und verständnislos diese falschen Worte benutzt, bis endlich im XX. Jahrhundert ein deutscher Theologe [N.B.: ein ansonsten sehr achtenswerter Theologe!] die Wahrheit entdeckte, was dann zu einem «exegetischen Konsens» führte, demzufolge zwar nicht die Bibel, wohl aber die Wandlungsworte der Meßliturgie nun anders ins Deutsche übersetzt wurden.
Allerdings: ein halbes Jahrhundert später ist solch ein Konsens vergangen. Und Papst Benedikt hat jetzt eine klare Entscheidung getroffen.
Eine weitere Auswertung der wunderlichen Geschichte bietet der Kommentator von Orietur Occidens.

Montag, 16. April 2012

57 Minuten zu spät:

Samstag, 14. April 2012

Abenddämmerung der Piusbruderschaft?

Die notwendige Entscheidung naht; und sie liegt nun der Piusbruderschaft zugeschoben. Wir können nur für deren Verantwortliche beten, daß sie Rechthaberei nicht als Rechthaben ansehen.
Wie sonderbar aber das Ganze ist, ist ausführlich zu lesen in einem Text von John R.T. Lamont, den Sandro Magister dankenswerterweise veröffentlicht hat.

Denkauftrag an die Piraten und alle Menschen guten Willens

Zum vergangenen Karfreitag hat die Piratenpartei zu Tanz-Flashmobs gegen das Verbot von Tanzveranstaltungen am Karfreitag aufgerufen. (Flashmob nennt man eine über das Internet zu einem gemeinsamen Zweck sich blitzartig zusammenfindende Volksmasse)

Das ist ziemlich kurzgedacht. Ein Pastor impfte seine Meßdiener vor der Fronleichnamsprozession gegen dumme Bemerkungen von Autofahrern: „Ihr müßt ihnen antworten: Wenn wir das hier nicht täten, müßtest du heute arbeiten.“ So könnte man den Piraten erwidern: Wenn du Karfreitag tanzen willst, dann mußt du diesen Feiertag abschaffen.

Die Piraten argumentieren, daß es in einem religiös neutralen Staat nicht in Ordnung sei, wenn ein (kleiner, und kleiner werdender) Teil der Gesellschaft allen Bürgern vorschreiben wolle, was sie an einem Feiertag zu tun und zu lassen hätten. Auch das ist sehr kurz gedacht: Karfreitag ist ein staatlicher Feiertag. Zwar auch ein kirchlicher, aber die Kirche würde niemals auf die Idee kommen, Muslimen oder Atheisten eine Feier an diesem Tag verbieten zu wollen. Sie kann und will es nicht. Der Staat hat das Tanzverbot erlassen, und zwar um den Sinn dieses Tages für die ganze Gesellschaft in Erinnerung zu halten.

Als Kirche sind wir natürlich dankbar für die staatlichen Feiertage, aber wir brauchen sie nicht. Wir könnten auch frühmorgens oder nach Feierabend zur Feier der Gottesdienste zusammenkommen. Es ist der Staat, der einige Feste des Kirchenjahres (nicht zuletzt den Sonntag) zu arbeitsfreien Tagen erklärt hat, weil er weiß: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist.“ (Ernst-Wolfgang Böckenförde, Bundesverfassungsrichter)

Und hier sind wir am Kern des Problems: Sind wir bereit, für diese menschlich-positive Freiheit einzustehen? Sind wir bereit, den gemeinsamen kulturellen Boden unseres Landes – und der ist nun einmal christlich – zu akzeptieren und mitzutragen, auch wenn wir selbst anderes oder gar nichts glauben? Sind wir bereit zu bejahen, daß die Grundlagen unseres Staates (Schutz jedes Menschenlebens, Schutz der Schwachen, Unschuldsvermutung, objektive Gerichtsverfahren usw.) auch heute sinnvoll und schützenswert sind?

Ein anderer Flashmob, nämlich der in Emden, der mit einem unschuldigen Jugendlichen kurzen Prozeß machen wollte, zeigt, daß es längst andere Tendenzen gibt. Das steht zwar nicht in einem moralischen, wohl aber in einem gesellschaftlichen Zusammenhang.

Wir feiern in dieser Woche Ostern – und tun das noch bis Pfingsten. Christus hat am Karfreitag alle Gewalt und Schuld „wie ein Lamm“ auf sich genommen, ans Kreuz und ins Grab getragen, und er hat an Ostern den Tod besiegt. Seine göttliche Barmherzigkeit ist stärker unser „kurzer Prozeß“. Ostern feiern, an Christus glauben heißt, sich auf die Seite des Lebens und der Barmherzigkeit zu stellen. Ostern nicht zu feiern und an Christus nicht zu glauben schließt allerdings nicht aus, für das Leben und die Barmherzigkeit einzutreten. Und dazu kann die Stille des Karfreitags wie auch jeder Sonntag eine gute Hilfe sein, wenn wir den Sinn kennen.

Mittwoch, 11. April 2012

Das Evangelium vom Ostersonntag

Zwei Apostel, Petrus und Johannes, laufen zum Grab. Johannes ist schneller, kommt als erster an. Er ist der Lieblingsjünger, der kurz zuvor beim Letzten Abendmahl den Ehrenplatz ganz nahe beim Herrn innegehabt hatte; Petrus dagegen hat sich gleich danach im Hof des Hohenpriesters entsetzlich bloßgestellt. Doch er ist es, dem der Herr den Vorrang unter den Aposteln zuerkannt hatte; und so wartet Johannes, am Grab angekommen, läßt ihm den Vortritt, so daß Petrus – nach den Frauen – der erste Zeuge der Auferstehung wird.

Mittwoch, 4. April 2012

Dienstag, 3. April 2012

Rechtsprechung gegen die Natur

Ein Urteil des italienischen Kassationshofes befindet, gleichgeschlechtliche Paare hätten gleiche gesetzliche Rechte zu haben wie ein verheiratetes Paar. Mit der heutigen gesellschaftlichen Situation und auch der Europäischen Menschenrechtskonvention sei die Auffassung überwunden, nach der unterschiedliches Geschlecht die «naturalistische Voraussetzung der Ehe» sei.
Was manchem nach gewohnter PC-Folklore klingen mag, erweist sich bei näherem Hinsehen als noch viel schlimmer:
Lest weiter in der Chronik von Orietur Occidens.

Dienstag, 27. März 2012

Der Geburtstag Papst Benedikts steht bevor

«Der Glaubende wie der Ungläubige haben, jeder auf seine Weise, am Zweifel und am Glauben Anteil», ein jeder Christ unserer Zeit sei in irgendeiner Weise seines Glaubens unsicher, ebenso wie der Ungläubige seiner Verleugnung, schrieb Joseph Ratzinger in seinem Buch über das Apostolische Glaubensbekenntnis.
So bedauernswert das ist – es scheint wirklich so zu sein. Ich bedenke die vergangenen Jahre.
Tiefbesorgt war ich, als ich erfuhr, daß Papst Johannes Paul II. im Sterben lag, als ich die Gerüchte vernahm, welche Meinungen im Kardinalskollegium vorherrschten. Dann aber wurde, was ich nicht zu hoffen gewagt hatte, jener Joseph Ratzinger, der mittlerweile den Kardinalspurpur erhalten hatte, zum Papst gewählt, im Alter von 78 Jahren, als schon jene unselige Altersgrenze drohte, die Papst Paul VI. den wahlberechtigten Kardinälen gesetzt hatte.
Nicht nur damals, sondern auch im persönlichen Leben – und da wohl noch deutlicher – hatte ich erlebt, daß so vieles zusammentraf, daß ich vernünftigerweise nicht zweifeln kann, daß das die göttliche Vorsehung bewirkt hat. Als aber Papst Benedikt gewählt wurde, ist solches vor besonders großer Öffentlichkeit geschehen.
Daher lernte ich mehr und mehr, der Vorsehung Gottes zu vertrauen. Und so habe ich Gott für die Wahl des Papstes gedankt. Noch am selben Abend habe ich mein Laudate genommen und ganz allein jenes deutsche Lied gesungen, das dem Te Deum nachgedichtet ist; alle zwölf Strophen habe ich gesungen*.

Darum erwarten wir voll Freude den 85. Geburtstag unseres Heiligen Vaters Benedikt XVI. und auch den siebten Jahrestag seiner Wahl zum Papst und bitten:

• Exaudi Christe! •


_______________________
* Ein Lied, das im GL nur verstümmelt wiedergegeben ist; cf. Wilfried Hasselberg-Weyandt: Steifzüge durch EÜ und GL: Te Deum und «Grosser Gott, wir loben dich». E&E 14 (2009), S. 33-36

• Eadem latine •

Zum Florentiner Neujahrsfest

stellen wir dem internetten Publikum neue Florilegien aus E&Ewald vor, zu den Themen «Priestertum» und «Die Verbürgerlichung der Kirche».

Samstag, 24. März 2012

Ein gesegnetes neues Jahr!

In alter Zeit begann das Jahr, wie die Monatsnamen von September bis Dezember noch heute zeigen, mit dem März, oder auch dem 24. Februar, nach den Terminalien. Der Beginn des Amtsjahrs der römischen Magistrate jedoch wurde später dann auf den 1. Januar festgelegt; Caesar ließ auch das bürgerliche, das julianische Jahr mit diesem Termin beginnen.
Als die Christenheit begann, die Jahre von Christi Geburt an zu zählen, wurde es sinnvoll, das Jahr mit seinem Geburtsfest zu beginnen, das ja nahe am 1. Januar liegt.
Im Mittelalter jedoch gab es verschiedene Jahresanfänge; der Weihnachtsstil war zwar der verbreiteteste, aber Münster und Spanien etwa blieben beim von Caesar ererbten Circumcisionsstil, und in der Toscana gab es einen theologisch wohlbegründeten anderen Jahresanfang:
Sinnvoller noch, als von der Geburt Christi an zu zählen, ist es, von der Inkarnation auszugehen, also vom Fest der Verkündigung. Das geschah dort; nur: wie dann die Jahre zählen?
In Pisa, Lucca und Arezzo war man konsequent: man zählte logischerweise von dem 25. März an, der dem jeweiligen Weihnachtsfest vorausging. Doch dadurch befand man sich dort meistens denen gegenüber, die den Weihnachts-, den Circumcisionsstil oder gar den Osterstil pflegten, ein Jahr voraus. In Florenz war man pragmatischer und begann am 25. März das Jahr, das anderswo vor wenigen Monaten schon begonnen hatte – dort war man also stets Arezzo gegenüber ein Jahr zurück.
Orietur Occidens hat sich für die florentinische Verbindung von theologischer Tiefe und Pragmatik entschieden, was es uns erlaubt, die Verpflichtungen des Jahres fast drei Monate hinauszuzögern, und wünscht allen jetzt ein gesegnetes Jahr 2012.

Andererseits: die Passionszeit beginnt.

Andere Nachrichten aus Syrien (tertium)

Nein, ich kann die Sache nicht beurteilen. Aber da unser aus Syrien stammender Freund, der im Kontakt ist mit seinen Angehörigen, die noch dort leben, ganz ähnliches sagt, kann ich Herrn Todenhöfers Aussagen nicht einfach abtun. Auch daß er den Eindruck nicht scheut, er sei weniger für die Menschenrechte engagiert als Saudi-Arabien und all die Golfstaaten, spricht nicht von vornherein gegen ihn und seine Aussagen.

Mittwoch, 14. März 2012

Die Kirche der Gottesgebärerin Maria und der heiligen Schmuni

Vor einigen Jahren noch war es ein «Fitneß-Studio».

Die Harburger syrisch-orthodoxe Gemeinde hielt früher ihre Gottesdienste in verschiedenen westlichen Kirchen der weiteren Umgebung ab. Mein aramäisches Patenkind habe ich damals in einer evangelischen Kirche zur Taufe getragen.
Sonderlich günstig war das nicht: die Gottesdienstzeiten mußten sich denen der Gastgeber nachordnen, manchem Wechsel war man unterworfen, und nicht jeder Pfarrer war gleich kooperativ.
So nahm man das große Werk in Angriff. Von anderen syrisch-orthodoxen Gemeinden gab es Spenden, doch die meisten Aufgaben waren vor Ort zu bewältigen. Vor etwa fünf Jahren ging es los. Fortan verbrachte ein großer Teil der Mitglieder der Gemeinde einen großen Teil ihrer Freizeit mit Bauaufgaben. Im letzten Herbst konnte die Kirche geweiht werden.

Die Kirche lebt vom Engagement der Gemeindemitglieder. Der Priester arbeitet in einem Industriebetrieb – vollzeitig, und keineswegs aufgrund einer Arbeiterpriesterideologie. Und viele bringen ihren Dienst in den Gottesdienst ein. Die Ministranten sind zahlreich und liturgiekundig, der Chor der Diakonissen – ganz junger Damen – singt nicht irgendwelche Lieder, sondern authentischen liturgischen Gesang. Und in einem Seitenraum wird zweimal die Woche Aramäischunterricht gegeben.

Nach der Sonntagsmesse sind wir eingeladen zu einem Frühstück im Untergeschoß, wo ein großer Speisesaal seinen Ort hat. Es gibt dort Brot, Trauben, Kaffee, Tee, Wasser. Ich erfahre, daß fast jeden Sonntag jemand aus der Gemeinde aus irgendwelchem Anlaß dorthin einlädt. Ich bemerke, wie jemand sich ein Pulver, einen «Milchweißer» in den Kaffee schüttet. Später erfahre ich warum: es ist ja Fastenzeit, Milch – das geht da nicht.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Moralische Nachlese

Neue Kommentare haben sich angesammelt:

NEOLIBERALER NEBEL
Ein Interview mit einem Professor für Internationale Volkswirtschaft, der Beratertätigkeit bei mächtigen Institutionen vorzuweisen hat, klingt über weite Strecken nicht sehr ideologisch; doch gegen Ende macht es die Denkweise – und damit den Denkfehler – des Neoliberalismus augenfällig. Lest mehr darüber!
Drei Wochen später stieß ich auf einen Leserbrief – «Die Mehrheit schämt sich» –, der zeigt, daß in Deutschland wirklich Menschen infolge der «Hartz IV»-Reformen verhungern; der Verfasser, ein Sozialarbeiter, erklärt, die von ihm (leider nicht sehr détailreich) geschilderte Begebenheit sei in seinem Arbeitfeld kein Einzelfall.

MUSS FOLTER BEZAHLT WERDEN?
Ein Iraner, der zum Christentum konvertiert ist, soll in Deutschland dafür bezahlen, daß er der Folter überantwortet wurde. Lest mehr darüber!

Dienstag, 28. Februar 2012

Verdrängte Weisheit

Etwas Besonderes ist es, wenn dort, wo Törichtes propagiert wird, sich verdrängte Weisheit finden läßt.
Der Titel «Droht eine Perpetuierung des liturgischen Plusquamperfekts?» läßt schon die unselige Tendenz eines Aufsatzes erkennen, den ausgerechnet ein Professor für Gregorianik und Liturgik jüngst publiziert hat.
«Man orientiert sich an einer eng geführten Gestalt von Tradition und übersieht dabei, dass der Glaube und seine gottesdienstlichen Ausdrucksformen immer neu angeeignet und übersetzt werden müssen.» Das stimmt: der Glaube und seine gottesdienstlichen Ausdrucksformen müssen immer neu angeeignet werden. Der Gläubige muß dem Glauben und seiner Liturgie entgegenreifen, nicht etwa Glaube oder Liturgie dem ungereiften, dem zeitgeistgeprägten Menschen angepaßt werden. Doch was ist eine «eng» geführten Gestalt von Tradition»? Nicht nur mit dieser sonderbaren Formulierung, über den ganzen Text hin negiert der Autor die Weisheit dieses Satzes – selbst die mangelhafte Qualität irgendeiner amerikanischen Popsängerin muß dann als Argument gegen die überlieferte Liturgie dienen.
«Dadurch entsteht das Bild von Kirche als einer sakralen Gegenwelt (man könnte in diesem Zusammenhang von einer „entweltlichten“ Kirche sprechen), die sich dem gefährlichen Strom der Geschichte wie ein Fels entgegenstemmt und den Menschen Zuflucht vor allen Unbilden der Zeitläufte bietet.» Solches ist die Kirche in der Tat. «Nolite conformari huic saeculo» (Röm. 12, 2) steht über diesem Blog – macht euch nicht dieser Welt konform; und «Die katholische Kirche ist die einzige Institution, die den Menschen vor der erniedrigenden Sklaverei bewahrt, ein Kind seiner Zeit zu sein», führte Gilbert Keith Chesterton aus, wie man von Laurentio Rhenanio weiß.
Darum auch ist die Kirche „semper reformanda“, stets von zeitbedingten Entstellungen zu befreien. Doch wieder negiert in jenem Aufsatz der Autor die Weisheit der eigenen Worte, indem er fortfährt: «Das wäre ein zumindest partieller Abschied von der „ecclesia semper reformanda“, die ... durch die Geschichte pilgert und sich immer wieder neu und auch in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen mühsam gestalten muss.» „Ecclesia semper reformanda“ heißt es, nicht „semper conformanda“!

Mittwoch, 22. Februar 2012

Neues aus Ewald & Ewald & dem Alltag der Kirche

Da ein Text über die Verbürgerlichung der Kirche noch auf dem Weg in den neuen E&Ewald war, bemühte sich die real existierende Liturgie schon geflissentlich, ihn zu bestätigen – das Bestehen eines Konvents jährte sich; Erstkommunikanten wurden vorgestellt.
Hier eine Kostprobe aus einer anderen Partie des E&E-Textes:

Das grundlegende Motto behäbiger Bürgerlichkeit

Noch einmal sei gesagt: ich schätze kultivierte Bürgerlichkeit. Doch es gibt eine behäbige wohlétablierte Bürgerlichkeit, die durch ihre banale Ansprüchlichkeit sehr wenig erfreulich ist (...). Ihr grundlegendes Motto lautet:
– Was sollen denn die Leute dazu sagen!
Für den eingefleischten Kleinbürger gibt dieses Motto das unverbrüchliche Lebensprinzip. Der Honoratior wird sich eine etwas differenziertere Haltung leisten. Sobald es sich jedoch nicht um «die Leute» handelt, sondern um seinesgleichen, tritt es wieder voll in Kraft. Wer modern denkt, wird dieses Motto enragiert ablehnen – und sich ebenso enragiert danach richten.
Modern zu sein ist nämlich die gängigste Art, nach diesem Motto zu leben – die Mode, der alle durch all ihre Wandlungen und Windungen folgen, ist das Paradefeld wohlétablierter Bürgerlichkeit.
Hier liegt der Schlüssel für das Verständnis all der Forderungen der kirchlichen Bourgeoisie, die von den Forderungen der Arrièregarde der Altachtundsechziger von der Insel Wisiki bis zu denen der Großhonoratioren vom Theologen-Memorandum und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken reichen: Frauen nicht zum Priesteramt, nicht einmal zum Diakonat zuzulassen, Priestern den Zölibat abzuverlangen, «wiederverheiratete» (also anderweitig neuverheiratete) Geschiedene von der Kommunion auszuschließen, mit protestantischen Mitchristen keine «Abendmahlsgemeinschaft» zu dulden – was sollen denn die Leute dazu sagen!


Aber E&E bieten mehr.
So hat, verborgen in den Tiefen zwischen dem geheimnisvollen Graxedom und den mathematisch anspruchsvollen einhundertdreiundfünfzig Fischen, Thomas Baumann einen sehr lesenswerten Exkurs über Predigtmärlein allzu diskret plaziert. Dieser Exkurs sei nun dem Tageslicht, sprich: den Streifzügen durch die Bibel übergeben.
Und beim Einstellen bemerkte ich, daß der vorangehende Text, der schon seit bald zwei Jahren im Netz steht, übel verstümmelt ist – ein winziger html-Fehler: an einer Stelle hatte ich Anführungsstriche vergessen; nun sind sie endlich da, und mit ihnen der unverstümmelte Text.

Und: wieder ist Fastenzeit.

Dienstag, 21. Februar 2012

Ewald&Ewald: der neue Jahrgang ist geöffnet

Eine Dekade bereits liegt der Tag der Abendländischen Musik zurück – Zeit, die Früchte der Öffentlichkeit darzubieten.
Messe, Vesper in gregorianischer Pracht. Et ultra drama latinum «De magno Dei miraculo» ab egregia Caecilia Coqua confectum laetitia omnium exactum est, cui nempe versetti instrumentales vesperae inserendi cesserunt.

Zwischendurch aber wurde der neue Jahrgang von Ewald & Ewald entkorkt. Nachdem die Hefte zuletzt in etwas abgespeckter Gestalt erschienen waren, haben sie nun den alten Glanz zurückerlangt.
Nachdem Thomas Baumann in seinem großen Werk über moderne Irrtümer – oder vielmehr neuaufgewärmte alte Irrtümer – sich dem Verständnis einer breiten Leserschaft hatte fügen müssen, konnte er nun nach Herzenslust das Verständnisvermögen aller strapazieren. Ein ganz neuer und ein altbewährter Autor haben das homiletische Genre in unseren Heften eröffnet. Und Vorträge vom vorigen Tag der Abendländischen Musik habe ich zu einem Text über die Verbürgerlichung der Kirche ausgearbeitet. Eine Kostprobe daraus soll bald folgen.
Dann noch ein Text über die unsägliche Argumentation für eine «Frauenordination» und einer über «catholicae et apostolicae fidei» cultores – die, «die den katholischen und apostolischen Glauben pflegen» und die gerade in unserer Zeit, die die Rolle der Laien in der Kirche so hochzuhalten vorgibt, aus dem römischen Kanon wegübersetzt worden sind.
Das ganze ist internett zu haben – zum Ausdruck als Heft formatiert.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Ewald und Ewald und Tag der Abendländischen Musik

Gerade im Begriffe, in den neuen E&Ewald einen Artikel über die Verbürgerlichung der Kirche zu setzen, da erlebe ich, wie, gerade rechtzeitig, in einer Festmesse zum zwanzigjährigen Bestehen eines örtlichen Konvents man sich große Mühe gibt, all das zu bestätigen, was ich da angeführt habe (und – anderer Ort, anderer Anlaß, nichtsdestoweniger ganz ähnlich – schon einmal ausführlich beschrieben habe).
Also: rechtzeitig noch anno 2011 stilo florentino (wieviel Hektik erspart sich doch unsere Sodalitas dadurch, daß sie diese Jahresrechnung gewählt hat) wird das neue Heft fertig. Und es hat zugenommen: altbewährte Autoren sind wieder dabei, unter ihnen der Editeur en titre, der aus den Tiefen des Bücherschreibens nach dem Erscheinen seines großen Werkes wieder aufgetaucht ist; ein neuer Autor ist dazugestoßen.
Gelitten hatte unter den Wirren unseres Bistums der Tag der Abendländischen Musik; aber wenn er auch in diesem Jahr (stilo florentino) nur etwas eingeengt zustande kommt: er findet statt; und ich hoffe auf große musikalische Ereignisse.
Venite, canite, psallite!

Samstag, 14. Januar 2012

Der Neocatecumenato

Auf dem Site «Summorum Pontificum» ist ein bemerkenswert differenzierter und weitgehend wohlwollender Text über den Neocatecumenato und seine sehr besondere Liturgie zu lesen. In einem Zweispalt gegenüber dieser Bewegung stehe auch ich; und wenn ich zusätzlich noch meinen Kommentar abgebe, so deshalb, weil mir etwas kritischere Gedanken kommen.

Ich erinnere mich, wie in meiner ostwestfälischen Lebensepisode unser Pfarrer – ein hervorragender Mann – über den Neocatecumenato klagte, über dessen Bemühung, seine Gottesdienste isoliert von der übrigen Kirche abzuhalten.
In meiner anschließenden hanseatischen Lebensepisode lebte ich in einer Pfarrei, deren Pfarrer selber, sehr aktiv, zum Neocatecumenato gehörte. Unter den dortigen Neocatecumenen habe ich freundliche Menschen mit klarem, entschiedenem Glauben kennengelernt; es tat mir leid, daß man mit ihnen keinen privaten Kontakt schließen konnte. Andererseits habe ich eines Abends eine ihrer Katechesen besucht; ich war befremdet von dem geringen geistigen Niveau und dem harten Auftreten des Katecheten. Noch befremdeter war ich von der Art, wie der Pfarrer die Messe an Festen feierte, die keine staatlichen Feiertage waren – an solchen Tagen habe ich fortan die heimische Pfarrei gemieden.
Eines Tages, noch zu Anfang meiner dortigen Zeit, rief mich eine Pfarrerin der protestantischen Nachbarpfarrei an, erzählte, daß unser Pfarrer sie gefragt habe, ob er in ihrer Kirche die Osternachtfeier für seine Gemeinschaft abhalten könne. Sie wollte meine Meinung dazu hören; ich habe abgeraten, der Klage meines früheren Pfarrers gedenk. Später klagte mir gegenüber unser Pfarrer über die Unfreundlichkeit der protestantischen Pfarrei, die ihm das abgeschlagen hatte. Damals schämte ich mich; als ich nun Sandro Magisters Artikel las, wurde ich daran erinnert – nun schäme ich mich nicht mehr.

Es stimmt: im Neocatecumenato finden Menschen zu klarem, entschiedenem Glauben. Nur: der Preis ist eine Abschottung von der Kirche; Sandro Magister stellt sie noch schärfer da, als ich sie damals erleben konnte. Ich kenne recht gut eine andere der «Neuen geistlichen Bewegungen», eine, die sich nicht absondert. Dort beobachte ich, wie sich der Impetus sich nach einigen Jahrzehnten abschwächt; die Bewegung wächst kaum noch. Was würde aus den Menschen, wenn sich wie beim Neocatecumenato ihr geistliches Leben fast ausschließlich in ihren kleinen Gemeinschaften abspielte, wenn diese dann langsam absterben? Und ich habe erlebt, wie unchristliche Lebensweise und entsprechende Lehren sich in einer Diözesangruppe ausbreiteten. Wie groß mag solch eine Gefahr bei einer Bewegung sein, die sich von der Kirche sehr viel mehr abschottet? Mir scheint es fatal, wenn für einen Katholiken die primäre geistliche Gemeinschaft etwas anderes ist als die ganze Kirche.
Und: impliziert nicht schon die Abschottung von der Kirche ein unkatholisches Verständnis von Kirche? Impliziert nicht schon die triviale Liturgie eine Abwendung vom katholischen Eucharistieverständnis?
Zur Zeit der jetzigen Kirchenkrise erscheint das missionarische Potential dieser Bewegung wohltuend; aber wirklich förderlich für Kirche und Glauben würde es erst, wenn der Neocatecumenato zu den guten Formen der Kirche zurückfände.

Samstag, 7. Januar 2012

Was Müttern in Europa wichtig ist

- das habt Ihr ja auf kath.net schon lesen können; aber um gegen das Verschweigen anzugehen, sei hier die Adresse der Studie wiederholt:
Umfrage unter Müttern in Europa

Donnerstag, 5. Januar 2012

Veröffentlichung der Ostertermine

Wieder pünktlich zum Fest der Erscheinung des HERRN hat der Chronist die Ostertermine publiziert: gregorianisch, griechisch-julianisch und jüdisch.

Montag, 2. Januar 2012

Auf Neujahr anstoßen

Neujahr! Um 12 Uhr (Mitteleuropäischer Einheitszeit) hören wir Charpentiers Te Deum, betrachten wir das Feuerwerk, und wir stoßen, natürlich, mit den Freunden an mit einem Glas Sekt, einander ein gutes Neues Jahr zu wünschen.
Ich denke an die Priester: Was war wohl im späten XIX. Jahrhundert, in der ersten Hälfte des XX., als die Nüchternheitsregeln noch in altchristlicher Strenge galten? In der Diözese Münster, in der Erzdiözese Köln war es ja ganz einfach: nach 12 Uhr Mitteleuropäischer Einheitszeit war noch etwa eine halbe Stunde Zeit bis zur natürlichen Mitternacht. Aber im Osten, etwa in der Erzdiözese Wien, der Erzdiözese Breslau? In deren Gebiet (seinem allergrößten Teil jedenfalls) war um12 Uhr Mitteleuropäischer Einheitszeit Mitternacht bereits vorüber; dortige Priester hatten keine Chance mehr auf einen Schluck Sekt.

Ein gesegnetes Neues Jahr allen Lesern!

Freitag, 23. Dezember 2011

Christmette - Rom setzt Akzente

In St. Peter in Rom befreit man sich von Alten Zöpfen - in Köln immer noch nicht.

ARD sendet umgehend eine erfreuliche Antwort

auf diese Kritik:


"Haben Sie vielen Dank für Ihre aufmerksame Kritik. Das Bemühen um journalistische Distanz hat hier zu Irritationen geführt. Wir nehmen die Kritik gerne auf und ändern das."


Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

"Vor Beginn unserer Zeitrechnung"? - Brief an die Tagesschauredaktion

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der gestrigen Tagesschau fiel mir im Beitrag über das Chanukkafest die Formulierung "vor Beginn der neuen Zeitrechnung" auf.

Das ist sachlich nicht ganz richtig: Die neue Zeitrechnung begann unter Papst Gregor VIII im Jahre 1582 nach Christus. Bereits im Jahr 525 hatte der christliche Mönch Dionysius Exiguus den julianischen Kalender dem Jahr 1 auf die Geburt Christi christlich neu "geeicht", indem er dieses auf das Jahr 754 nach Gründung der Stadt Rom festlegte. 

Im Übrigen stolperte ich über Ihre Formulierung, da sie der atheistischen Bezeichnung "vor" bzw. "nach unserer Zeitrechnung" aus der DDR nahekommt, mit der man den christlichen Grund unseres Kalenders hatte vertuschen wollen. 

Ob man nun glaubt, daß Christus der Sohn Gottes ist, oder nicht: "Unsere" Jahre zählen nach seiner - historisch nicht bestreitbaren - Geburt.

Übrigens könnte die von Ihnen gewählte Formulierung Juden und Muslime im Sendegebiet verletzen: Diese haben nämlich andere Kalender und fühlen sich vielleicht durch das Wort "unsere" vereinnahmt.

Ich danke Ihnen für Ihre guten Dienste, wünsche Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und den Segen des menschgewordenen Gottes für das Jahr des Heiles 2012.

Welch einen Nachfolger wünscht sich ein Bischof?

Der Primas Germaniae, der Erzbischof von Salzburg gibt Auskunft (ich zitiere nach kath.net):
Der sei «„Mann der Mitte“, dialogfähig und einer, der nicht Schlagseiten in die eine oder andere Richtung hat.»
Kurz gesagt: ein Langweiler.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Eilends zum Lesepult

Zwei konzelebrierende Priester ziehen ein und eine Frau als eine Art von Levitin. Und dann ...

Samstag, 17. Dezember 2011

Words Rechtschreibprogramm

sorgt gelegentlich für Unterhaltung. Jetzt monierte es das Wort «Hochfest». Und was bietet es (neben «Hoch fest» und «Hochgehst») stattdessen an?
- «Kochfest».

Pie, quo vadis?

Treue zum katholischen Glauben ist die Ratio essendi der Pius-Bruderschaft. Aber Treue zum katholischen Glauben ohne Einheit mit der katholischen Kirche, mit dem Heiligen Stuhl? Wer auf die Einheit verzichtet, fürchte ich, begibt sich auf dem Weg zur Sekte. Und wenn Papst Benedikt eine «doktrinelle Präambel» vorlegt, so scheint es mir, kann ein Katholik ihm vertrauen und sie unterzeichnen (was freilich Verhandlungen über mißverständliche Formulierungen nicht ausschließt).

Doch auch die Kirche braucht die Pius-Bruderschaft – in einer Zeit, in der es in Österreich eine antikirchliche «Pfarrerinitiative» wirken kann, während gute Priester (von Pfarradministrator Andreas Skoblicki in Kopfing [D.Linz] bis zu Pfarrvikar Augustine Paraplakal in Ablach [D. Rottenburg-Stuttgart]) vergrault werden, kann die Kirche nicht auf eine große Zahl frommer Priester verzichten. Und eine Spaltung läßt das Spektrum beider Seiten verarmen. Zudem bleibt anzuerkennen, daß die Pius-Bruderschaft (im Verein mit der Priestervereinigung vom hl. Johannes Maria Vianney) über zwei Jahrzehnte hindurch allein es war, die die Treue zum Konzil (Conc. Trid., Sessio XXIII: Doctrina de sacramento ordinis, cap. 2.,4.) gewahrt und auf dem Weg zum Priestertum alle sieben Ordines gespendet hat.
Darum muß ich wünschen, daß der Pius-Bruderschaft nicht unnötige Hindernisse in den Weg gelegt werden.
Wenn Bischof Bernard Fellay in seiner Predigt am Fest der Unbefleckten Empfängnis (ich zitiere nach kath.net) ein irreführendes Traditionsverständnis moniert, so sieht er leider keineswegs Gespenster – ebendieses Verständnis, noch dazu abstrus überspitzt, verbreitete jüngst hierzulande – im «Agricolaforum der katholischen Akademie im Bistum Dresden-Meißen» – ein katholischer Theologieprofessor.
Zur Präambel gehört offenbar die «professio fidei» von 1988. Hier steht zum Schluß: «Insuper religioso voluntatis et intellectus obsequio doctrinis adhaereo quas sive Romanus Pontifex sive Collegium episcoporum enuntiant cum magisterium authenticum exercent etsi non definitivo actu easdem proclamare intendant.» Wenn Bischof Bernard Fellay sich sorgt, mit dieser Formulierung könne die Bruderschaft auf jenen falschen Traditionsbegriff festgelegt werden, so erscheint mir diese Sorge nicht abwegig.
Darüber hinaus: was ist ein «religiosum voluntatis et intellectus obsequium»? Ich könnte etwas Sinnvolles da heraus deuten; doch andere Deutungen liegen nicht minder nahe. Und «intellectus obsequium» klingt mir doch ein wenig nach Denkverbot.
In der «professio catholicae fidei», die noch den C.I.C. von 1917 einleitete, gab es keinerlei solche Formulierung. Dort gab es zwar eine Gehorsamsverpflichtung gegenüber dem Papst – «veram obedientiam spondeo ac juro» – und ein Bekenntnis des Glaubens gegenüber den Konzilsbeschlüssen – «tradita, definita ac declarata ... indubitanter recipio atque profiteor» –, aber so weit wie die moderne Professio – «quas sive Romanus Pontifex sive Collegium episcoporum enuntiant cum magisterium authenticum exercent etsi non definitivo actu easdem proclamare intendant» – ging sie keineswegs. Und ich fürchte, wenn ich den Denzinger daraufhin durchstöberte, was durch die Zeiten Päpste und Konzilien alles außerhalb der definierten Glaubenslehren authentisch geäußert haben, geriete auch ich an Stellen, die mir die moderne Professio fidei schwer machten.
Klar ist, daß weder einer der Memorandum-Professoren noch ein Pfarrer der Pfarrerinitiative ehrlicherweise diese Professio aussprechen oder unterzeichnen könnten. Offensichtlich aber haben sie es, soweit sie nicht 1988 schon in ihrem Amt waren, doch getan.
Könnte der Unterschied zwischen den Angehörigen der Pius-Bruderschaft und dem fortschrittlicheren Teil des katholischen Klerus etwa einfach der sein, daß letzterer das (sagen wir einmal:) robustere Gewissen hat?

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Die italienische Regierung, der Osservatore und der Vatikan

Die Kirche leiste ihren Beitrag «zugunsten der schwachen Schichten», erklärte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Erfreulich; weniger erfreulich ist, daß «kath.net» das zitiert unter der Überschrift «Vatikan würdigt Sparkurs der Regierung Monti».
Letztlich ist es nicht «der Vatikan», sondern dessen «Osservatore Romano». Aber auch ein weitere Kommentar des Kardinalstaatssekretärs wird dazu erwähnt: «Opfer gehören zum Leben».
Das stimmt; nur: wessen Opfer?
In der Tagespresse lese ich einerseits: die Mehrwertsteuer (die ungerechteste und dem Binnenkonsum abträglichste Steuer), bereits im letzten September um 1% erhöht, soll im September 2012 nochmals erhöht werden, nun um 2%. Für alle Renten über 936 Euro im Monat wird nächstes Jahr die Anpassung an die Lebenshaltungskosten suspendiert, und die Grundsteuer für selbst bewohnte Eigentumswohnungen, die 2008 abgeschafft worden war, wird wieder eingeführt und dabei beträchtlich erhöht, indem der Buchwert der Immobilien um 60% höhergesetzt wird. Andererseits: eine Vermögenssteuer wird nicht eingeführt, noch wird die Einkommensteuer für höhere Einkommen erhöht. Also: wessen Opfer?

Der Osservatore, wenn auch ein offiziöses Organ, hat keinen Anteil am Lehramt der Kirche.

Freitag, 25. November 2011

Freie Marktwirtschaft im Mutterleib

Jüngst hatte es von europäischen Gerichten, von denen man durchaus nicht nur Gutes gewohnt ist, bemerkenswerte Urteile gegeben: der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte das Patentieren von wissenschaftlichen Verfahren, die menschliche embryonale Stammzellen nutzen, untersagt, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Legalisierung der Eizellspende.
Interessant ist es, diese Urteile zu vergleichen mit der Stellungnahme der Ethikexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, die auch Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium ist, die sie gemeinsam mit vielen Parteifreunden abgegeben hat.

Donnerstag, 10. November 2011

Die Kinder wirtschaftsfreundlich entsorgen

und damit letztlich das Familienleben gleich mit: das ist der Trend unserer Zeit.
Um so erfrischender ist es, ausgerechnet in der tageszeitung, die im schlechten wie im guten Sinne als nach links tendierend gilt, von Barbara Dribbusch, einer angesehenen Journalistin, die sicher nicht zum konservativen Spektrum zählt, ein Plaidoyer für Zeit für die Familie zu lesen.

Montag, 31. Oktober 2011

Im Priesterseminar

Im Oktober hatte ich aus ganz besonderen Gründen das Vorrecht, fast eine Woche lang im Priesterseminar in Wigratzbad zu verbringen.
Natürlich war es auch – auch – eine einfach schöne Zeit: zum Teil noch spätsommerlich schönes Wetter, die Wanderwege in der Allgäuer Landschaft mittlerweile sehr gut ausgeschildert, opulent ausgestattete Barockkirchen in der Umgebung. Dann die Gebetsstätte: geschmacklich ließe sich schon einiges anmerken; wie aber die Andachtsstätten und Andachtsstättchen im Grünen verteilt sind, ist doch hübsch. Und es gibt da wirklich Geistliches: die Anbetungskirche, den Kreuzweg. Und hinter der Ölbergkapelle, deren Architekt von Ronchamp träumte, erscheint in seltsamer Pracht die Sühnekirche in frühpostmodernem Neo-Chinois-Stil (von Gottfried Böhm, einem Sohn Dominikus Böhms).
Aber es war sehr viel mehr als nur eine schöne Zeit. Da waren die Gottesdienste. Sie begannen für mich mit der Ersten Sonntagsvesper, es gab tägliche Messen und weitere Gebetsstunden. Der Höhepunkt war das levitierte Hochamt am Sonntag; dazu kamen weitere Messen und Vespern mit gregorianischem Gesang. Doch es gab auch stille Messen. Wenn auch naturgemäß weniger eindrücklich als die gesungenen Messen, zeigten sie doch ihren ganz eigenen Wert: als intensive Gelegenheit zu ruhiger Betrachtung. In allen Messen und Gebetsstunden stimmte alles: alles war, alle waren auf die heilige Handlung, auf den Herrn ausgerichtet; nie erschien etwas zufällig im Chorraum, alles war bedeutsam.
Dann das Seminar. Die Priester der Petrusbruderschaft erlebte ich als eindrückliche, glaubwürdige Persönlichkeiten, die Seminaristen als engagiert, interessiert, klug. Alle erscheinen verbunden durch das gemeinsame geistliche Anliegen. In der Glaubenshaltung zeigen sich Priester und Seminaristen klar und konsequent, doch (wenn man nicht schon das Strenge nennen will) besondere Strenge nehme ich nicht wahr, weder Einseitigkeit noch Weltfremdheit. Mir fällt die gegenseitige Achtung, die Freundlichkeit im Umgang auf und die gute Stimmung. Ich erinnere mich an den Widerwillen von Theologiestudenten gegenüber dem diözesanen Priesterseminar, dem «Kasten», ihre Unzufriedenheit mit dem Leben dort – hier ist nichts dergleichen zu spüren.
Das Leben im Seminar verläuft in ausgewogener Form. Bei den Mahlzeiten gibt es eine Tischlesung statt; doch auch für Gespräch ist noch Raum. Es ist ein internationales Seminar. Es gibt einen deutschsprachigen und einen frankophonen Zweig, doch die Zahl der Herkunftsländer ist kaum überschaubar. Und so höre ich auch einmal, daß man auf Latein miteinander redet.
Eine ungewöhnliche Umgebung für einen Laien; und doch eine Freude und eine geistliche Vertiefung, hier einige Tage leben zu dürfen.

Schon 1936 hatte mit der Errichtung der «Lourdesgrotte» – zum Dank dafür, daß die Gründerin nationalsozialistische Nachstellungen unbeschadet überstanden hatte – die Geschichte der Gebetsstätte begonnen. Das Priesterseminar besteht seit 1988 in freundlichem Nebeneinander mit der Gebetsstätte; seit 2000 hat es seine eigenen Gebäude, seit diesem Sommer einen neuen Anbau, um die Menge der Priesteramtsbewerber unterbringen zu können. Doch auch dieser Anbau ist bereits voll belegt, eigentlich schon überbelegt. Ich lese: die Petrusbruderschaft, der 228 Priester angehören, zählt 164 Seminaristen (10 Diakone eingerechnet) in zwei Seminaren – das zweite liegt in Amerika. Vom Andrang der Bewerber ebenso wie von der Qualität des geistlichen Lebens ist es deutlich, daß hier die Zukunft der Kirche liegt. Doch an Kirchensteuermitteln erhält das Seminar nichts, alles wird durch Spenden finanziert. Wer für die Zukunft der Kirche spenden will: hier ist dazu Gelegenheit.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Die Qualifikation unserer Politiker

«Wer die Rivalen nicht wegbiss, war verloren. Das klingt brutal, hatte aber einen entscheidenden Vorteil. So wurde sichergestellt, dass nur abgehärtete Politiker nach oben kamen. Das frühe Stahlbad hat uns manche spätere Enttäuschung erspart»: so beschreibt der Berliner Regierende Bürgermeister in seiner Autobiographie den Aufstieg eines erfolgreichen Politikers.
Oft wird geklagt, oft beschwere ich mich über unsere Politiker. Wenn so nun aus erster Hand zu erfahren ist, durch welche Eigenheiten man sich zu qualifizieren hat zu politischen Machtpositionen, so kann es nicht mehr wundern, daß unsere Politik so ist, wie sie ist.

Dienstag, 18. Oktober 2011

«Von Donatisten, Ikonoklasten und anderen Ketzern»

«Moderne Irrtümer und ihre Herkunft» – ein Buch von Thomas Baumann, in dem der Leser unschwer einen bekannten Blogger unseres Dekanats wiedererkennen wird.
Was beim ersten Anlesen einfach als unterhaltsamer Gang durch die christliche und nachchristliche Geistesgeschichte erscheint, erweist sich bei näherem Hinsehen als viel mehr, als die Ausarbeitung einer interessanten Erkenntnis:
Die Moden wechseln, der Schwachsinn bleibt der gleiche.
Eine kleine Einschränkung: wirklich viel hat von dem Buch nur, wer bereit ist, ein wenig mitzudenken. Aber dem, der dazu bereit ist: viel Freude bei der Lektüre!

Freitag, 7. Oktober 2011

Und das Wichtigste?

Eine in Deutschland aufgewachsene Journalistin türkischer Herkunft interviewt ihren eigenen Vater zum Thema ihrer Erziehung zwischen den Kulturen. Ihr Résumé: «Im Nachhinein finde ich, du hast es gut gemacht.»
Konkret: «Du musstest dich gleich zwei Gesellschaften stellen, der deutschen und der türkischen, und nicht nur dich und deine Entscheidungen, sondern auch mich verteidigen.» Er entgegnet: «Das Wichtigste war, mich vor Allah verteidigen zu können. Was die Leute reden, ist vergänglich. ... Aber weil du alles anders machen wolltest, befürchtete ich, du wendest dich von Allah ab. Deshalb hab ich dir immer gesagt: Egal wie du lebst, verlier nie deinen inneren Glauben. Glaub an Allah, er wird dich immer weisen. Das ist der Islam, wie ich ihn verstehe. Ich hatte Angst, dass du den Rat nicht ernst genug nimmst.»
Ich mußte an die Worte denken, die man unter Deutschen oft als Glückwunsch hört: «Und das Wichtigste: Gesundheit!» Wie peinlich ist das doch angesichts dieser Worte eines Muslims.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Ehrabschneidung

Ein historischer Roman ist erschienen; ein Anlaß, in der tageszeitung den Verfasser zu interviewen.
M. Antoine Beauvilliers, ein Pariser Koch, ist der Autor eines Buches, «L'art du cuisinier», das 1814 erschienen ist. An dieses Kochbuch knüpft der Roman an. Doch der Romanautor gibt vor, das Werk sei in Wirklichkeit von einem (fiktiven) Gesellen verfaßt worden und diesem vom historischen Verfasser, eben M. Beauvilliers, entrissen worden. Historisch spricht nichts dafür, wie der Romanautor offen zugibt.
Aber wenn auch der Romanautor das zugibt: einmal ausgesprochen und gar einen Roman lang ausgewälzt, ist solch eine Behauptung in der Welt und droht irgendwie hängen zu bleiben, kaum minder als gentechnisch verändertes Saatgut. «Siehe, welch kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an!» schrieb Jakobus zu diesem Thema (3, 5).
«Du sollst kein falsches Zeugnis gegen deinen Nächsten ablegen!» (8. Gebot)
Juristisch ist dieser Fall von übler Nachrede wohl leider nicht zu ahnden wegen eines Mangels in unserem Rechtssystem: es finden sich wohl keine Erben mehr, die klageberechtigt wären.
Nichtsdestoweniger: Im Ergebnis ist dies ein Fall von übler Nachrede.

Montag, 3. Oktober 2011

Nachlese

Am Samstag vor einer Woche: nachts gegen ½ 3 aufstehen, um dann um ½ 4 im Bus zu sitzen, später über 2 Stunden auf dem saukalten Feld stehend nichts zu tun als zu warten – hat sich das gelohnt?
Es hat sich gelohnt. Es hat sich gelohnt, diesen Papst bei der Zelebration des heiligen Opfers zu erleben. Und es hat sich gelohnt, die großen Reden zu lesen, die er bei anderen Gelegenheiten seiner Deutschlandreise gehalten hatte.
Nicht nur ich – viele sind glücklich über diesen Besuch.
Doch in den großen Medien dominieren ganz andere Stimmen. Der Papst habe in der Ökumene enttäuscht, habe innerkirchlicher Reform eine Absage erteilt. Man kann nur staunen: welcher Papst hätte in den Jahrzehnten zuvor solche Leistungen in der Ökumene vollbracht? Durch die Apostolische Konstitution «Anglicanorum coetibus» wurden viele Anglikaner mit der katholischen Kirche vereint und nebenbei noch die ganze «Anglo-Lutheran Catholic Church». Mit den Ecôniten sind Gespräche im Gange, die Raum für Hoffnung geben; über die orthodoxen Kirchen sagte er bei seiner Deutschlandreise: «Und so wagen wir zu hoffen, auch wenn menschlich immer wieder Schwierigkeiten auftreten, daß der Tag doch nicht zu ferne ist, an dem wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern können.» Innerkirchliche Reform hat er durch das Motu proprio «Summorum pontificum» und die Instruktion «Universae Ecclesiae» ins Werk gesetzt; er hat Maßnahmen gegen den sexuellen Mißbrauch getroffen. Weitere Reformen hat er auf seiner Deutschlandreise angeregt: «Vielen Menschen mangelt es an der Erfahrung der Güte Gottes. Zu den etablierten Kirchen mit ihren überkommenen Strukturen finden sie keinen Kontakt» und «Ich denke, ehrlicherweise müssen wir doch sagen, daß es bei uns einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist gibt.»
Warum werden dennoch Enttäuschungen vorgebracht? Die Antwort geben Erwartungen und Wünsche, die konkret geäußert wurden.
Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider durfte unmittelbar zuvor in unserer Kirchenzeitung erklären, «dass das Evangelium in ganz bestimmter Weise neu zum Glänzen gebracht wurde und etwa, dass das, was der Kirchenvater Augustinus sagte, mit Hilfe Martin Luthers ganz neu in das Bewusstsein der Zeit hineingebracht wurde.» Wohlgemerkt: es geht um jenen – für ihn selbst zentralen, mit dem christlichen Glauben freilich nicht gut zu vereinbarenden – Teil von Luthers Theologie («de servo arbitrio» schrieb er), den schon Melanchthon abzumildern in Angriff nahm, der im folgenden Jahrhundert von den Pietisten unauffällig entsorgt wurde und der heute nur noch durch die Köpfe einer erfreulich kleinen Schar von Gnesiolutheranern und Calvinisten geistert. Wenn Herr Schneider nicht Unmögliches und Destruktives von Papst gewünscht hätte, sondern einen Schritt zur Kirche hin gemacht hätte, etwa erklärt hätte, er wolle anstreben, daß protestantischerseits keine «Pastorinnen» mehr ordiniert werden, um so wenigstens ein Hindernis für eine künftige Ökumene abzubauen, das von den Reformatoren nicht einmal beabsichtigt gewesen war ...
Der ZdK-Vorsitzende Alois Glück hat gewünscht, daß etwa wiederverheiratet Geschiedene (gemeint ist: standesamtlich Geschiedene und anderweitig Neuverheiratete) wieder zur Kommunion dürften, was er für «Barmherzigkeit» hält. Daß das weder einfach so möglich noch «barmherzig» ist, habe ich gerade schon festgestellt.
Wenn Herr Glück nicht Unmögliches von Papst gewünscht hätte, sondern einen Schritt zum Abbau des Überhangs von Strukturen in Angriff genommen hätte, etwa die Abschaffung des ZdK, des Forums, durch das Politiker ungebührlich in die Kirche hineinreden ...
Die Enttäuschung ist selbstgemacht: wer vom Papst erwartet, daß der sich den fixen Ideen anderer unterwirft, wird zu recht enttäuscht werden.

Ehe, Scheidung und ein Theologieprofessor

In der Ausgabe der örtlichen Kirchenzeitung, die direkt vor dem Besuch des Papstes erschien, fand sich ein Interview mit dem Moraltheologen Prof. Schockenhoff «über die Kirche und das Gewissen gescheiterter Eheleute: Es muss einen Ausweg geben».
«Die jetzige Regelung jedenfalls ist unbarmherzig», ist da zu lesen. «Sie ist ein Relikt eines seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil überkommenen Eheverständnisses. Allerdings sind die kirchenrechtlichen Konsequenzen aus dem Wechsel zu einer personalen Eheauffassung nie gezogen worden, die das Konzil vorgenommen hat.»
Es klingt, als sei diese kirchenrechtliche Regelung ein Relikt aus, sagen wir einmal: dem XIX. Jahrhundert, eine Fehlentwicklung, die durch ein Konzil beseitigt werden könnte.
Das aber ist sie nicht. In Wirklichkeit hat sie in der westlichen Kirche immer gegolten, auch wenn sie nicht immer durchgesetzt werden konnte. So kann kein Konzil sie einfach ändern; und siehe: das II. Vaticanum hat gar nicht gefordert, Ehescheidungen zu ermöglichen.
Und «unbarmherzig»? Juristisch ist diese Regelung sowieso nicht durchsetzbar. Jeder, der geschieden und dann standesamtlich anderweitig verheiratet ist, kann ohne weiteres in eine Nachbarkirche gehen, in der er nicht bekannt ist, und dort kommunizieren. Die kirchenrechtliche Regelung hat nur die wirkliche Bedeutung, daß sie ihn darauf hinweist, daß seine Lebensführung dem Gebot Christi so entgegensteht, daß er deshalb den Leib Christi nicht empfangen kann. Wenn dieser Hinweis richtig ist, so ist er nicht «unbarmherzig», sondern schlicht notwendig.
Daß er richtig ist, scheint jedoch Prof. Schockenhoff zu verneinen: «Eine zweite Hochzeit hat Jesus gar nicht im Blick», sagt er im Interview. Eine sonderbare Meinung, wenn ich etwa das Marcus-Evangelium heranziehe: «Wer seine Frau entläßt und eine andere heiratet, bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sie ihren Mann entläßt und einen anderen heiratet, bricht sie die Ehe» (10, 11 f.).
Noch sonderbarer sind Prof. Schockenhoffs Lösungsvorschläge: «Ich setze auf die Gewissensentscheidung der Betroffenen» und «Die Kirche sollte dieses Gewissensurteil respektieren.» Welch objektive Entscheidungen erwartet Prof. Schockenhoff da von den «Betroffenen»? – mir erscheint das weltfremd. Dann aber sagt er selber: «Es gibt Gründe, eine Ehe zu verlassen, die einfach niederträchtig sind und die dürfen nicht die moralische Zustimmung anderer finden.» Wie paßt das zusammen? Meint er, Menschen, die sich solch «besonderer Rücksichtslosigkeit» schuldig gemacht hätten, wären nicht bereit, ein «Gewissensurteil» zu fällen, das eben dieses Handeln approbiert? Wenn er keinen solchen Fall kennt: ich kenne ihn.
Schließlich: «Die Kirche könnte deshalb eine zivile Zweitehe als moralisch vertretbare Realität dulden». In einer Situation, in der nach der Lehre der Kirche eine Eheschließung nicht möglich ist, soll sie dann Katholiken den Weg zu einer nichtigen Eheschließung auf dem Standesamt freigeben?
Ich habe viel Mitgefühl für Menschen, die von ihrem Ehegatten verlassen wurden oder so drangsaliert wurden, daß sie selber ihn verlassen mußten. Ich habe da schlimme Fälle gesehen und wäre darum dankbar, wenn man diesen Menschen helfen könnte. Doch: Prof. Schockenhoffs Weg ist da kein Ausweg.

Donnerstag, 22. September 2011

Papst und Politiker

Daß es nicht besonders erleuchtet war, was «papstkritische» (genauer: unkritisch antipäpstliche) Politiker zur angesetzten Bundestagsrede des Papstes sagten, verwundert nicht; darauf zu antworten ist unnötig – das hat Papst Benedikt in seiner Rede in souveräner Weise selber getan.
Aber manches ist doch interessant:
Berlins Regierender Bürgermeister befand, die Kirche vertrete Lehren, „die weit in die zurückliegenden Jahrtausende gehören, aber nicht in die Neuzeit“. Zum Vergleich: Gilbert Keith Chesterton (danke, Laurenti!) stellte fest: „Die katholische Kirche ist die einzige Institution, die den Menschen vor der erniedrigenden Sklaverei bewahrt, ein Kind seiner Zeit zu sein.“
Der Bundestagspräsident äußerte „ehrlich begründete Zweifel, ob die Unterschiede zwischen den Konfessionen, die es zweifellos gibt, die Aufrechterhaltung der Trennung“ rechtfertigten. Dem pflichten wir gern bei, und so hat es die katholische Kirche ja immer gesehen: Protestanten, die zur Einheit zurückzukehren bereit sind, werden herzlich willkommen geheißen. Und so geschieht es ja auch schon im Kleinen: jüngst sind wieder zwei landeskirchlich-evangelische Pfarrer, aus Thüringen der eine, der andere aus Obersachsen, den Weg zur Einheit gegangen.
Wunderlich allerdings ist die Formulierung des Bundestagspräsidenten: große Unterschiede würden die Trennung von der katholischen Kirche ebensowenig rechtfertigen.

Mittwoch, 24. August 2011

Die dümmste Partei der Republik

meldet sich zu Wort – wieder einmal auf gewohntem Niveau.
In der tageszeitung lese ich: Die Grünen in einem Berliner Bezirk fordern in ihrem Wahlprogramm dazu auf, die Luxusmodernisierung von Wohnungen in Milieuschutzgebieten zu melden.
Der örtliche gelb-blaue Bezirksvorsitzende meint dazu: «Bespitzelung mussten viele Menschen im ehemals ostdeutschen Stadtteil Friedrichshain lange genug ertragen.»
Also: Wenn jemand sieht, wie ein Ganove am Werk ist, und daraufhin «Haltet den Dieb!» ruft, so wäre das demnach Bespitzelung, offenbar nach Stasi-Art.

Dienstag, 23. August 2011

Darf man vergleichen?

Ein Buch über den „Historikerstreit“ der achtziger Jahre (Mathias Brodkorb [Hg.]: Singuläres Auschwitz? Adebor Verlag, Banzkow 2011) wird rezensiert, und zwar von Rudolf Walther. Dort wird die Behauptung «es sei bis heute „unzulässig, nicht nur den Holocaust mit anderen Genoziden zu vergleichen, sondern hinsichtlich seiner regressiven Qualität mit diesen gleichzusetzen“» abgefertigt: «Spätestens in der Debatte um das „Schwarzbuch des Kommunismus“ (1997/98) wurden solche Scheinprobleme geklärt: Ohne Vergleiche kommt kein Historiker aus. Die Vermutung, mit dem Vergleich von Verbrechen relativiere man diese automatisch, ist haltlos.» Der Autor stellt fest, daß am „Singularitätsdogma“ «„in der Geschichtswissenschaft heute kein ernsthafter Denker mehr festhält“ (Wolfgang Wippermann).»
Ich denke einige Jahre zurück. In seiner Festpredigt zum Dreikönigstag 2005 sagte Kardinal Meisner: «Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen läßt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.» Damals hat der Kardinal die Einzigartigkeit der Scho’a in keiner Weise bestritten; er hat sie nicht einmal mit irgend etwas anderem verglichen, hat sie nur in einer Zahl von Massentötungen unschuldiger Menschen mitaufgezählt. Dieser Verstoß gegen das „Singularitätsdogma“, dessen Ungültigkeit, wie ich jetzt von Rudolf Walther lese, damals schon längst geklärt war, reichte damals aus, einen gewaltigen Proteststurm gegen den Kardinal hervorzurufen. Meisner habe die Holocaust-Opfer beleidigt, meinte etwa Claudia Roth; die „Initiative Kirche von unten“ verlangte vom Kardinal eine Entschuldigung. Von dem bereits als Historiker und Publizist recht bekannten Rudolf Walther habe ich damals nichts zur Verteidigung des Kardinals mitbekommen.
Wenn es dabei einen geschmacklosen Vergleich der Scho’a gab, dann ist das deren Vergleich mit von Gott gewollten Opfern durch die Bezeichnung „Holokaust“, die Frau Roth ebenso wie viele andere wählte. „Holocaustum“ ist ein Wort, das aus dem Griechischen entlehnt ist, im Griechischen aber nicht verwendet wird; im Lateinischen erscheint dieses Wort – soweit ich sehe: ausschließlich – als Übersetzung des alttestamentlichen „Brandopfers“ oder gelegentlich auch „Ganzopfers“, also von Gott gewollter Opfer. «Benigne fac Domine in bona voluntate Sion, ut aedificentur muri Jerusalem. Tunc acceptabis sacrificium iustitiae, oblationes et holocausta», betet die Kirche (50 [51], 20 f.).

Samstag, 13. August 2011

Christ und wirtschaftsliberal?

Eine abwegige Verbindung – eigentlich genügt ja das Wort des Herrn: «Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon» (Mt. 6, 24; Lc. 9, 13); dennoch habe ich ja schon selber einiges zu dem Thema gesagt, über den Kult des «Freien Marktes» als Götzendienst und über die Geistesgeschichte des Wirtschaftsliberalismus. Und in letzter Zeit habe ich wieder einige interessante Zeitungsartikel gefunden; einen Artikel, der zeigt, wie das Nordamerikanische Freihandelsabkommen ebenso wie die Menschen in Mexiko (die Tortilla-Krise ist ja noch in übler Erinnerung) auch die in den USA schädigt, einen anderen über die Strategie, die hinter der gegenwärtigen Schuldenkrise steht, und schließlich einen, der einen Mann zeigt, der das Unvereinbare zu vereinbaren suchte, der marktliberal dachte, dann zur katholischen Kirche konvertiert ist und seinen Marktglauben zunächst beibehielt. Mir erschließt es sich nicht, wie es denkbar ist, vom ungezügelten Markt etwas Gutes zu erhoffen – er hat es aber anscheinend gutgläubig (schlechtgläubig sollte man besser sagen) getan; doch schließlich hat er es begriffen, und (auch) darum ist der Artikel lesenswert.

Samstag, 6. August 2011

Die wunderbare Brotvermehrung

kann durch noch so fortschrittliche Predigten nicht gemeuchelt werden - das gewährleistet der Glaubenssinn des Volkes.

Fingierte «Menschenrechte» als Argument gegen Menschenrecht

machen dem Chronisten Sorge.

Sonntag, 31. Juli 2011

550. Anniversarium des Endes des Römischen Reichs

476: Ende des Weströmischen Reiches; 1453: Fall Konstantinopels, Ende des Oströmischen Reiches – das hat man in der Schule gelernt. Doch das letzte stimmt nicht: einige Jahre länger noch herrschten oströmische Kaiser. Im August 1461 aber fiel Trapezunt, ein Anlaß, jetzt des endgültigen Endes des Reichs zu gedenken.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Wo liegt Strömen?

Wo liegt eigentlich Strömen? Oft höre ich, daß es dort regnet; aber ich habe diesen Ort noch auf keiner Karte entdeckt. Nun aber bin ich der Sache nähergekommen:
In einem oberbergischen Anzeigenblättchen lese ich, daß zwei oberbergische Unternehmen zu einem Fest eingeladen hatten – einem Konzert mit karnevalstypischer Musik – „und die Gäste kamen in Strömen“!
Im Oberbergischen also liegt Strömen! Und wer das oberbergische Wetter kennt, wundert sich nicht, daß es in diesem Ort so sehr regnet.

Urlaubserinnerungen

Bautzen:
Das zivilgesellschaftliche Engagement sorbischer und deutscher Einwohner hatte in der Oberlausitz der protestantischen Obrigkeit zum Trotz vielerorten den Fortbestand der katholischen Kirche gerettet. Der Dom in Bautzen ist geteilt (so etwas gab es öfters; bis etwa zum Beginn des XIX. Jahrhunderts war es in der Bielefelder Neustädter Marienkirche ebenso): der Chorraum ist katholisch, Konkathedrale der Diözese Meißen und Dresden, das Schiff jedoch protestantisch.
Und so gibt es dort auch noch einen prachtvollen Domschatz.

Dresden:
Natürlich ist die Waldschlößchenbrücke ein Skandal; aber so häßlich ist sie nun auch wieder nicht; und sie liegt schön abgelegen.
Darum möchte ich einen Kompromiß vorschlagen: Dresden erhält trotz dieser Brücke den Weltkulturerbetitel zurück, wenn stattdessen die Carolabrücke abgerissen wird – sie ist potthäßlich und liegt mitten in der Stadt (wenn man will, kann man ja zum Ausgleich noch die alte Carolabrücke wiedererrichten).

Mittwoch, 22. Juni 2011

Weshalb S 21?

Über die begonnenen und weiter drohenden Verwüstungen nachgedacht habe ich ja schon eher. Endlich aber habe ich nun eine einleuchtende Begründung für „Stuttgart 21“ gefunden – bei der sehr kundigen Petra Reski.

Samstag, 18. Juni 2011

Andere Nachrichten aus Syrien (iterum)

Wenn Nachrichten von einer jungen lesbischen Frau stammen, werden sie anscheinend bevorzugt gelesen, geglaubt, weitergegeben. Und wenn diese junge Frau aus einer finsteren Diktatur berichtet, dann wird sie zur Stimme der syrischen Opposition, und man macht sich nicht die Mühe, sich zu wundern, daß sie keine Bedenken hat, ihr Bild zu veröffentlichen; und daß sie nicht auf Arabisch schreibt, sondern auf Englisch, ist doch so praktisch für die internationale Presse.
Nun hat sich herausgestellt, daß es keine junge Frau in Damaskus ist, sondern ein Amerikaner in Edinburg; ob er lesbisch ist, wird nicht mehr erwähnt.

Daß wir andere Nachrichten aus Syrien bekommen haben, verdanken wir unserem aramäischen Freund, der die arabischsprachigen Nachrichten im Netz liest.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Andere Nachrichten aus Syrien

Vor etlichen Jahren hörte ich, wie christliche Besucher des Nahen Ostens erzählten: als sie die Grenze von der Türkei nach Syrien überschritten hatten, hätten sie dort spürbar die Luft der Freiheit geatmet. Nun ist durch die Nachrichten der letzten Monate die syrische Diktatur in Verruf geraten (nun ja: eine Diktatur ist es wirklich), aber unsere aramäischen Freunde haben uns gewarnt: diese Nachrichten verzerren die Wirklichkeit. Nun lese ich die gleiche Warnung vom syrisch-katholischen Patriarchen.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Das «katholische Ghetto» – gab es das?

Ja, leider!
Natürlich waren in früherer Zeit Priester, Ordensleute und katholische Lehrer genau so unterschiedlich wie heute; und ich habe von der älteren Generation sehr verschiedene Schilderungen gehört, oft sehr gute – allerdings auch ...
Die persönlichen Erlebnisse, die ich von älteren Bekannten oder gar Klienten gehört habe, möchte ich hier nicht ausbreiten; doch auch ich selber habe noch etwas davon mitbekommen. Meine Lehrerin aus dem 2. Schuljahr, eine fromme und liebevolle Frau, damals schon weit jenseits der Pensionsgrenze, empörte sich über die unanständigen jungen Leute, die auf der Straße Eis essen, mit der Zunge! Von einer noch älteren Lehrerin habe ich gehört, daß in ihrem Seminar unanständige Wörter verboten waren; so mußten die jungen Damen damals «Beinfutteral» anstelle von «Hose» sagen.
Aber es waren nicht nur solche Kuriositäten, auch nicht nur das XIX. Jahrhundert, in dem der im übrigen bedeutende Papst Leo XII. nützliche Errungenschaften der modernen Technik verdammte. Wenn der Index librorum prohibitorum die Lecture des Gros’ der neuzeitlichen Philosophen den Katholiken untersagte, sogar die der Werke Renés Descartes, dessen Dualismus zwar nicht zu halt en ist, der nichtsdestoweniger in seinen Meditationen wichtige Beiträge zur Apologetik gebracht hat, so heißt das, daß Katholiken sich an philosophischen Diskussionen nicht wirklich beteiligen konnten.

Ganz aktuell zeigt ein Zeitungsinterview mit einer älteren modernen Nonne, wo noch die Ghettomentalität bis in unsere Zeit florierte, und klärt dabei die Frage, was eigentlich katholisch ist.
Eine Weiße Schwester hat ihr Ordensleben dem Bemühen gewidmet, Prostituierten herauszuhelfen, in Kenia, dann auch in Europa. Im Interview sagt sie gute, wichtige Dinge: daß sie, damals in Mombasa, keine Prostituierte getroffen hat, die mit ihrer Lebenssituation zufriedengewesen wäre; daß es hierzulande nötig war, «Frauen in der Prostitution Zugang zu Versicherungen» zu garantieren, aber daß durch das neue Prostitutionsgesetz, das davon ausgeht, Prostitution sei «ein Beruf wie jeder andere», es «viel schwieriger geworden» ist, «Frauen, die Opfer von Menschenhandel sind», aus den Bordellen zu befreien.
Allerdings nutzt sie das Interview auch, mit Gemeinplätzen gegen Papst Johannes Paul II. und Ratzinger zu polemisieren, gegen die «Amtskirche», die «ja sehr ins Zwielicht geraten» sei «durch Affären».
Woher diese unbegründete Animosität einer engagierten Ordensfrau gegen die eigene Kirche?
An einer anderen Stelle des Interviews sagt sie etwas, was in mir Verständnis erweckt: «Wir hatten im Kloster auch Seminare, die uns auf die Ehelosigkeit vorbereiteten. Die Oberin sagte, wir müssen die Sinne beherrschen, was ich richtig finde. Aber ihr Vorschlag, dass wir die Augen schließen sollen, wenn etwas schön ist, oder dass wir nicht an allem riechen sollen – das fand ich blöd.»
In solchen Ratschlägen der Oberin erkenne ich etwas von dem berüchtigten katholischen Ghetto des XIX. und frühen XX. Jahrhunderts. Natürlich war damals nicht die ganze Kirche so geartet, aber solche Haltungen hatten in ihr doch Raum – privat habe ich ähnliches und schlimmeres gehört.
Die Schwester sagte: «Nach der Stunde bin ich in den Garten und habe an jeder einzelnen Blume gerochen.» Sollte jemand noch unsicher sein, wer da katholischer war, die damals noch junge Schwester oder ihre Oberin, der denke an den Brief, in dem Basileios d.Gr. Gregor von Nazianz gegenüber von seinem Klösterchen schwärmt:
«So sehe ich einen Ort vor mir in Wirklichkeit, wie wir ihn uns bei Muße und im Scherze oft vorzumalen pflegten. ... Der sie umgebende Urwald mit den verschiedenen und mannigfaltigen Bäumen dient ihr fast gar als Zaun, so daß im Vergleich zu ihr sogar die Insel der Kalypso, die Homer wegen ihrer Schönheit mehr als alle Inseln bewunderte, unansehnlich erscheint. ... Unsere Hütte trägt ein anderer Bergsattel mit einem etwas erhabenen Plateau davor, so daß man die erwähnte Ebene unten vor seinen Augen liegen sieht und von oben herab auch den Fluß ringsum überschauen kann. Dieser bietet, wie wenigstens mir scheint, nicht weniger Genuß als der Strymon, von Amphipolis aus betrachtet.»

Samstag, 4. Juni 2011

«Der Rabbi von Rom»

heißt die Autobiographie von Israel Zolli, der sich nach dem II. Weltkrieg zum Christentum bekannt hat und als Taufnamen den Taufnamen Papst Pius’ XII. angenommen hat.
Ich habe sie mir besorgt, weil ich bei meiner Beschäftigung mit diesem Papst darauf gestoßen war. Und ich habe etwas anderes erhalten, als ich erwartet hatte: mehr Confessiones als Memoiren.
Eugenio Zolli spricht seine große Bewunderung und Dankbarkeit für Papst Pius aus; aber er erklärt ganz klar, daß er nicht aus Dankbarkeit konvertiert ist, sondern aus Liebe zu Jesus Christus. Es ist die Geschichte eines Juden, der die Liebe zu Christus entdeckt und, von ihm fasziniert, doch ganz selbstverständlich Jude bleibt, Rabbiner bleibt, bis nach dem Weltkrieg er plötzlich erkennt, daß er in die Kirche gehört – und auch da bleibt er Jude.
Spannend für deutsche Christen ist, daß er von seinem jüdischen Hintergrund aus die Rechtfertigung durch den Glauben und den Begriff «Gedenken» betrachtet. Wir sind bei diesen Begriffen von der Reformation geprägt («Gedenken» hier auf das Altarssakrament bezogen); schon indem wir uns mit ihr auseinandersetzen, werden wir von ihrer Denkweise beeinflußt. Israel Zolli dagegen hatte nie sonderlichen Kontakt mit dem Protestantismus; er versteht die Begriffe als Jude – und befreit uns damit von reformatorisch erzeugter Blickverengung.

Leider habe ich nur die deutsche Version – «Der Rabbi von Rom», München 2005 –; das Original ist italienisch: «Prima dell’alba», Milano 2004. Und leider sind Einführung und Nachwort des Buches, vom Enkel des Autoren geschrieben, nicht sehr hilfreich.
Auch hätte ich gern gewußt, was aus der älteren Tochter Israel Zollis, Dora, geworden ist – seine Frau und seine jüngere Tochter sind mit ihm konvertiert. Aber für Dora Zolli geben weder das Buch – eben mehr Confessiones als Memoiren – noch, soweit ich es durchforsten konnte, das Netz etwas her.

«Lass Papa das mal machen!»

heißt ein langer Artikel von Kathrin Burger in der tageszeitung. «Väter und Mütter sind in gleichem Umfang für das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit eines Kindes wichtig», mit diesen Worten wird Wassilios Fthenakis zitiert, «der lange Jahre am Münchner Staatsinstitut für Frühpädagogik forschte».
Natürlich gibt es dazu auch die üblichen Beschwörungen der Hirnforschung; aber vor allem werden solide entwicklungspsychologische Ergebnisse angeführt, die zeigen, daß Mutter und Vater – eventuell auch «ein Opa, Onkel oder Lehrer» – für die optimale Entwicklung der Kinder erforderlich sind. «Einerseits spielen sie mehr und wilder mit dem Nachwuchs als Mütter. Sie verwenden auch komplexere Satzkonstruktionen, was die Sprachentwicklung der Kinder fördert. Zudem sind Kinder von guten Vätern selbständiger.»
Mutter und Vater – damit haben sich eigentlich alle Forderungen nach einem «Adoptionsrecht für homosexuelle Paare» erledigt.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Mittwoch, 18. Mai 2011

Zwei unterschiedliche Formen der Gottesdienstfeier für dieselbe Theologie

«Offenbar unbeachtet sei» bei „Universæ ecclesiæ“, der jüngsten vatikanischen Klärung zur Frage des Nebeneinanders von ordinärem und extraordinärem Usus, «die Anfrage [aus der Bischofskonferenz und von Theologen] geblieben, wie zwei unterschiedliche Formen der Gottesdienstfeier für dieselbe Theologie stehen können, sagte Kranemann» laut KNA.
Eigentlich eine einfache Frage: wir haben schon immer den römischen, den ambrosianischen, den mozarabischen, den byzantinischen Ritus und all die orientalischen Riten nebeneinander gehabt; sie alle stehen «für dieselbe Theologie».
Sollte der ordinäre Usus Herrn Prof. Kranemanns Meinung nach nicht für diese Theologie stehen können (ich selber meine, daß er es kann), so müßte er folglich entsorgt werden, denn ein liturgischer Usus, der der Theologie widerspräche, die sich im überlieferten römischen Ritus und in den anderen Riten des Westens und des Ostens manifestiert hat und die fast zwei Jahrtausende der Kirchengeschichte hindurch von der Kirche als ihr wesensgemäß erkannt wurde, könnte keinen Platz in der Kirche finden.
Herrn Prof. Kranemann sollte sich entscheiden: die beiden Usus als theologisch grundsätzlich übereinstimmend anzusehen schlösse eine derartige Kritik an „Universæ ecclesiæ“ aus; zwischen ihnen einen theologischen Widerspruch zu erkennen würde die Konsequenz erfordern, für die Beseitigung des ordinären Usus zu plaidieren.

Samstag, 14. Mai 2011

«Keine pädagogischen Interessen»

Eigentlich geht es der Autorin des Artikels, Frau Ute Andresen, um etwas Spezielles: die Einführung einer neuen „Grundschrift“ an unseren Schulen, die die Abschaffung der Schreibschrift mit sich zu bringen droht. «Die Marketingkampagne des Grundschulverbandes für die neue Grundschrift läuft an: Bei einem Workshop ging es bald mehr um ökonomische als um didaktische Fragen» – wahrscheinlich hat Frau Andresen recht; aber das ist nicht so sehr mein Thema.
Aber dann folgen einige Sätze, die für jeden interessant ist, dem der Unterricht an unseren Schulen wichtig ist (die Orthographie ist korrigiert):
«Sie wollen das auch nicht, denn sonst wankte ihr zentrales Dogma: Gut ist individualisiertes Lernen mit Karteien, Arbeitsblättern und -heften! Durch Lehrerinnen angeleitetes Lernen in großer Gruppe, wie es ein unaufwendiger Schreibunterricht verlangt, ist Frontalunterricht – und schlecht.
Übersehen wird: In all dem vorgedruckten Arbeitsmaterial zum individualisierten Lernen stecken fremde, autoritäre Vorgaben, die für die einzelnen Lernenden blind sind. Das erzeugt Mißmut, Nachlässigkeit und Widerstand beim Abarbeiten, nicht Lernbegeisterung. Lehrerinnen vor der Klasse haben die Lernenden im Blick, erkennen, welche Schwierigkeiten eine Aufgabe mit sich bringt und stehen dafür ein, daß sie bewältigt werden können. Jetzt! Sie passen Erklärungen und Hilfen individuell an und zugleich halten sie die Lernenden so beisammen, daß Kinder mit wenig Mut und Kraft vom Können der Stärkeren ermutigt und gestützt werden. Der unmittelbare Lohn für alle: die gemeinsame, stille, gesammelte Arbeit ...».

Mittwoch, 4. Mai 2011

Besser, wenn es eine Jüdin sagt

«Die Sicht der Christen»: ein Leserbrief von Iris Weiss im Berliner Lokalteil der tageszeitung vom 3. Mai 2011 (leider nicht im Netz zu finden). Dort lese ich unter anderem:
«Was nervt Juden und Muslime am meisten bei Dialogveranstaltungen mit Christen? Dass Christen ihnen ständig mit dem Anliegen kommen, gemeinsam beten zu wollen.»
«Als Jüdin – seit mehr als 25 Jahren im interreligiösen Dialog engagiert – bete ich noch nicht mal mit allen Juden.»
«Das sehen wir als völlig normal an. Und warum sollen wir dann, wenn wir schon innerjüdisch ganz unterschiedliche Orte und Gewohnheiten des Betens haben, dies mit anderen Religionen tun wollen? Jede Religion hat auch ihre eigene (lntim-)Sphäre, und bei interreligiösen Friedensgebeten ist es eher ein – wie ich finde etwas verkrampftes – Nebeneinanderbeten ... als ein Miteinander.»
«Religiöse Menschen können viel miteinander tun: lernen, diskutieren, soziales Engagement. Aber wie sollte so ein gemeinsames Gebet aussehen?»
«Ich fühle mich auch nicht „ausgegrenzt“, wenn ich nicht am Abendmahl teilnehmen darf, weil ich es gar nicht wollte.»

Atom und Euratom

Atomkraftausstieg: gut und richtig.
Allerdings ist Bundesdeutschland durch den Euratomvertrag an die Atomkraft (der Werke, nicht der Sonne) gebunden. Darum ist eine Kündigung dieses Vertrages dringlich.
Dankenswerterweise läuft gerade eine Petition. Nur: die Zeit dringt.

Dienstag, 3. Mai 2011

Gibt es Wunder? – Ja

meinen ernsthafte Leute, Bischof Friedhelm Hofmann von Würzburg und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, aber auch ein Phantast (der Vorsitzende des Deutschen Astrologenverbandes), der nur sein Steckenpferd reitet.
Aber natürlich gibt es auch Nein-Sager, und die näher zu betrachten ist aufschlußreich.
Da ist ein schlichter Herr aus Hilchenbach, der einfach seinen antikirchlichen Vorurteilen ihren Lauf läßt. Da ist ein ausgetretener Priester (nein, nicht etwa Eugen Drewermann, sondern – richtig, da gab es doch noch wen – Gotthold Hasenhüttl), der seine ebenso schlichten antikirchlichen Vorurteile mit dem Beiwort «theologisch» schmückt. «Im Alten Testament gibt es Heil- und Strafwunder, und solche Wundervorstellungen haben sich in der katholischen Kirche vielfach erhalten», lese ich von ihm. Verstehe ich recht: (1.) Wunder hätte es also im Neuen Testament nicht gegeben, und (2.) Altes Testament wäre irgendwie schlecht. Ist es abwegig, wenn ich diese Denkweise irgendwie antisemitisch finde?
Schließlich sagen noch zwei Physiker Nein: ein «Astrophysiker, Naturphilosoph und Fernsehmoderator» und ein «Physiker und Rapper der Gruppe Blumentopf».
Nun, einen Blumentopf kann sich keiner der beiden mit seinen Argumenten verdienen. Im wesentlichen sind diese bei beiden die gleichen: «Wenn wir bei unseren Forschungen zu einem Ergebnis kommen, das wir nicht verstehen, ist das für uns kein Wunder, sondern lediglich Anlass dafür, weiterzuforschen und genau das herauszufinden und zu erklären, was wir noch nicht verstehen», formuliert es der eine; «Derartiges als übernatürliches „Wunder“ zu akzeptieren, hieße dagegen, die Suche nach den natürlichen Ursachen aufzugeben», setzt der andere fort.
Abgesehen von den Begriffen „erklären“ und „verstehen“ – ich finde, Gottes Wirken kann eine Erklärung sein, die mich verstehen läßt –, abgesehen von solchen Subtilitäten: was die beiden Physiker meinen, ist: man muß sich nur gedulden, bis sie in naher oder ferner Zukunft eine naturwissenschaftliche Erklärung gefunden haben werden.
Aus der modernen Wissenschaftstheorie ist die Forderung bekannt: jede wissenschaftliche Aussage muß falsifizierbar sein. Die Aussage: alles ist naturwissenschaftlich erklärbar, irgendwann jedenfalls – sie ist nicht falsifizierbar, weil ja (wenn freilich auch nicht uns persönlich) unendliche Zeit zur Verfügung steht, die Erklärung zu erwarten.
In der Kirche wird, um ein Wunder anzuerkennen, gefordert, daß es (1.) mit dem naturwissenschaftlich Erwartbaren nicht vereinbar ist, daß es (2.) einen im Einzelfall beschreibbaren geistlichen Faktor gibt, daß es (3.) zwischen diesem geistlichen Faktor und dem wunderbaren Ereignis einen engen (!) zeitlichen Zusammenhang gibt (wenn ich für einen kranken Menschen bete und er einige Tage später gesund wird: das ist nicht eindeutig genug, um ein Wunder anzunehmen).
Nach dem modernen Wissenschaftskriterium der Falsifizierbarkeit ist also bei den einschlägigen Ereignissen die Annahme eines Wunders wissenschaftlicher als die Vertröstung auf eine naturwissenschaftliche Erklärung in unbestimmter Zukunft, wie sie uns die beiden Physiker zumuten.